Portugiesisch-Grammatik
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A1 (37)
Portugiesische Subjektpronomen zeigen, wer etwas tut: eu „ich“, tu/você „du“, ele/ela „er/sie“, nós „wir“ und eles/elas „sie“. Besonders wichtig ist die passende Verbform: tu falas, aber você fala. Welches Wort für „du“ oder „ihr“ üblich ist, hängt stark davon ab, ob man in Portugal oder Brasilien spricht.
Jedes portugiesische Substantiv ist maskulin oder feminin: o livro „das Buch“, aber a casa „das Haus“. Die Endung gibt oft einen Hinweis — -o ist meist maskulin und -a meist feminin —, doch häufige Ausnahmen wie o dia, o problema, a mão und a foto müssen mit dem Artikel gelernt werden.
Bei Wörtern auf Vokal wird der portugiesische Plural meistens mit -s gebildet: livro → livros, cidade → cidades. Bei einigen Endungen verändert sich das Wort stärker, etwa homem → homens, animal → animais und coração → corações. Artikel und Adjektive stehen ebenfalls im Plural: o livro novo → os livros novos.
Im Portugiesischen gibt es vier Formen des bestimmten Artikels: o, a, os, as. Die Wahl richtet sich nach dem grammatischen Geschlecht und der Zahl des folgenden Substantivs: o livro, a casa, os livros, as casas. Anders als im Deutschen ändert sich der Artikel nicht nach dem Fall; dafür verschmilzt er häufig mit einer vorangehenden Präposition, etwa in do, na oder ao.
Im Portugiesischen richtet sich der unbestimmte Artikel nach Geschlecht und Zahl des folgenden Substantivs: um livro, uma casa, uns livros, umas casas. Um/uma entspricht meist „ein/eine“, während uns/umas je nach Zusammenhang „einige“ oder „ein paar“ bedeutet. Bei einer bloßen Berufsangabe nach ser steht gewöhnlich kein Artikel: Sou médico. – „Ich bin Arzt.“
Das unregelmäßige Verb ser bedeutet „sein“ und hat im Präsens die Formen sou, és, é, somos, sois, são. Es bezeichnet vor allem Identität, Herkunft, Beruf, Einordnung und charakteristische Eigenschaften; außerdem braucht man es für Uhrzeit und Datum. Anders als im Deutschen teilt sich ser seine Bedeutung „sein“ mit estar – deshalb muss man nicht nur die Formen, sondern auch den passenden Gebrauch lernen.
Das unregelmäßige Verb estar bedeutet meist „sein“, wird aber vor allem für den Ort von Personen und Dingen sowie für Zustände gebraucht: Estou em casa („Ich bin zu Hause“), A sopa está fria („Die Suppe ist kalt“). Im Präsens lauten die Formen estou, estás, está, estamos, estais, estão.
Portugiesisch hat für das deutsche „sein“ zwei zentrale Verben: ser bezeichnet meist Identität, Herkunft und kennzeichnende Eigenschaften, estar dagegen Orte und Zustände. Als erste Hilfe gilt: Ele é alto („Er ist groß“), aber Ele está doente („Er ist krank“). Bei Veranstaltungen steht für Ort und Zeit jedoch ser: A festa é na minha casa.
Das unregelmäßige Verb ter bedeutet meist „haben“: Tenho um carro heißt „Ich habe ein Auto“. Es wird außerdem für das Alter, viele feste Wendungen und mit de oder que für eine Notwendigkeit verwendet. Im Präsens lauten die wichtigsten Formen tenho, tens, tem, temos und têm.
Bei einem regelmäßigen Verb auf -ar wird im Präsens das -ar des Infinitivs entfernt und eine Endung angefügt: falar → falo, falas, fala, falamos, falais, falam. Welche Form passt, richtet sich danach, wer handelt. Besonders wichtig ist: você steht trotz seiner Bedeutung „du/Sie“ mit der Form der dritten Person, also você fala.
Bei einem regelmäßigen portugiesischen Verb auf -er wird die Infinitivendung -er entfernt und durch -o, -es, -e, -emos, -eis, -em ersetzt: comer → como, comes, come, comemos, comeis, comem. Die Verbform richtet sich nach der handelnden Person; dabei stehen você und a gente trotz ihrer Bedeutung mit der Form der dritten Person Singular: você come, a gente come.
Bei einem regelmäßigen portugiesischen Verb auf -ir entfällt im Präsens die Infinitivendung -ir; an den Stamm treten -o, -es, -e, -imos, -is, -em. So wird aus partir „abreisen“: parto, partes, parte, partimos, partis, partem. Im heutigen Alltag sind besonders die Formen mit eu, tu, você, nós, vocês und der dritten Person wichtig.
Ir bedeutet „gehen“ oder „fahren“ und ist unregelmäßig: vou, vais, vai, vamos, ides, vão. Ein Ziel steht häufig mit a, wobei Formen wie ao und à entstehen: Vou ao trabalho und Vamos à praia. Direkt vor einem Infinitiv steht dagegen keine Präposition: Vou comer bedeutet „Ich werde essen“ oder „Ich esse gleich“.
Fazer bedeutet je nach Zusammenhang „machen“, „tun“ oder auch etwas Spezifischeres. Im Präsens lautet die Formenreihe faço, fazes, faz, fazemos, fazeis, fazem. Besonders wichtig sind feste Verbindungen wie fazer desporto („Sport treiben“), fazer o jantar („das Abendessen zubereiten“) und das unpersönliche faz calor („es ist warm“).
Das unregelmäßige Verb poder bedeutet je nach Zusammenhang „können“ oder „dürfen“. Im Präsens lauten seine wichtigsten Formen posso, podes, pode, podemos, podeis, podem; danach steht meist ein Infinitiv: Podemos entrar? – „Können/Dürfen wir hereinkommen?“
Das unregelmäßige Verb querer bedeutet meist „wollen“ oder, je nach Situation, „möchten“. Im Präsens lauten seine Formen quero, queres, quer, queremos, quereis, querem. Danach kann direkt ein Substantiv stehen (Quero um café) oder ein Infinitiv (Quero sair); ein Wort wie deutsches „zu“ wird nicht eingefügt.
Bei einem reflexiven Verb beziehen sich Handlung und handelnde Person aufeinander: Eu levanto-me bedeutet „Ich stehe auf“. Das Pronomen passt zur Person — me, te, se, nos, vos, se — und steht im europäischen Portugiesisch in einem einfachen bejahten Hauptsatz meist mit Bindestrich hinter dem Verb: Ela deita-se. Verneinungen und Fragewörter ziehen es dagegen vor das Verb: Não me levanto cedo. Como te chamas?
Das unpersönliche há bedeutet bei Existenzangaben meist „es gibt“: Há um problema („Es gibt ein Problem“) und Há muitas pessoas („Es gibt viele Menschen“). Die Form bleibt dabei immer há, ganz gleich, ob danach etwas im Singular oder Plural steht. In Zeitangaben entspricht há dois anos je nach Satz dem deutschen „seit zwei Jahren“ oder „vor zwei Jahren“.
Im Portugiesischen steht não normalerweise direkt vor dem konjugierten Verb: Não entendo bedeutet „Ich verstehe nicht“. Folgt ein weiteres negatives Wort wie nada, ninguém oder nunca erst nach dem Verb, bleibt não erhalten: Não vejo ninguém. Steht dieses negative Wort dagegen vor dem Verb, genügt es allein: Ninguém veio.
Portugiesische Adjektive richten sich normalerweise nach Genus (grammatischem Geschlecht) und Numerus (Einzahl oder Mehrzahl) des Substantivs: um rapaz alto, uma rapariga alta, rapazes altos, raparigas altas. Adjektive auf -e, -l oder -z haben meist keine getrennte männliche und weibliche Form, bilden aber eine Mehrzahl: grande → grandes, fácil → fáceis, feliz → felizes. Meist steht das Adjektiv nach dem Substantiv.
Im Portugiesischen steht ein Adjektiv meistens nach dem Substantiv: uma casa bonita, um carro novo. Einige häufige Adjektive können auch davor stehen; dann wirkt die Aussage oft wertend oder die Bedeutung ändert sich: um grande homem ist ein bedeutender Mann, um homem grande dagegen ein großer, kräftiger Mann. Für den Einstieg genügt daher: erst Substantiv, dann Adjektiv – feste häufige Verbindungen und Bedeutungsunterschiede lernt man anschließend als Einheit.
Portugiesische Possessivformen richten sich in Geschlecht und Zahl nach dem Besitz, nicht nach der Person, der etwas gehört: o meu livro, aber a minha casa. Besonders wichtig ist seu/sua: Die Form kann je nach Zusammenhang „Ihr/dein“, „sein“, „ihr“ oder „deren“ bedeuten; dele, dela, deles, delas machen die gemeinte Person eindeutig.
Portugiesisch unterscheidet grundsätzlich drei Entfernungsstufen: este/esta für etwas bei der sprechenden Person, esse/essa für etwas bei der angesprochenen Person und aquele/aquela für etwas, das von beiden entfernt ist. Alle Formen richten sich in Geschlecht und Zahl nach dem zugehörigen Substantiv: este livro, aber estas casas. Im heutigen brasilianischen Portugiesisch übernimmt esse allerdings oft auch die Funktion von este.
Für einen festen Ort steht meist em, für die Herkunft de und für ein Ziel häufig a: Estou em casa, Venho de Lisboa, Vou ao cinema. Steht danach ein bestimmter Artikel, verschmelzen diese kurzen Präpositionen meistens mit ihm: em + a = na, de + o = do, a + o = ao.
Im Portugiesischen werden de, em, a und por mit einem folgenden bestimmten Artikel normalerweise zu einem Wort verschmolzen: de + o = do, em + a = na, a + o = ao, por + a = pela. Die Form richtet sich nach Geschlecht und Zahl des folgenden Nomens: do livro, da casa, dos livros, das casas. Diese Verbindungen sind in der Standardsprache keine freiwilligen Kurzformen, sondern die normale grammatische Form.
Portugiesische Ergänzungsfragen beginnen meist mit einem Fragewort wie quem (wer), o que (was), onde (wo), quando (wann), como (wie) oder porquê/por que (warum). Anders als im Deutschen muss das Verb dabei normalerweise nicht an eine besondere Stelle rücken: Onde moras? heißt wörtlich etwa „Wo wohnst du?“, ohne ein ausgesprochenes Wort für „du“. Entscheidungsfragen ohne Fragewort unterscheiden sich von Aussagen oft nur durch die steigende oder fragende Intonation und das Fragezeichen.
Mit quanto, quanta, quantos, quantas fragst du nach einer Menge: quanto tempo? („wie viel Zeit?“), quantas pessoas? („wie viele Personen?“). Die Form richtet sich nach Geschlecht und Zahl des folgenden Substantivs. Qual und quais fragen nach einer Auswahl oder Identität: Qual preferes? („Welche Variante bevorzugst du?“), Quais são os teus? („Welche sind deine?“).
Die portugiesischen Kardinalzahlen von 0 bis 100 werden aus wenigen Grundformen gebildet. Bei Zahlen wie 21 steht — anders als im Deutschen — zuerst der Zehner und dann die Einerstelle: vinte e um („zwanzig und eins“). Um/uma und dois/duas richten sich nach dem grammatischen Geschlecht des folgenden Wortes; genau 100 heißt cem, ab 101 verwendet man cento.
Portugiesische Ordinalzahlen bezeichnen eine Reihenfolge: primeiro (erste), segundo (zweite), terceiro (dritte) und so weiter. Sie verhalten sich meist wie Adjektive und passen ihre Endung an Geschlecht und Zahl des Substantivs an: o primeiro dia, a primeira vez, os primeiros dias. Als Ziffer schreibt man zum Beispiel 1.º für die männliche und 1.ª für die weibliche Form.
Nach der Uhrzeit fragt man Que horas são? und antwortet im Singular mit É uma hora, sonst mit São duas/três/... horas. Vor einer Uhrzeit steht meist a mit Artikel: à uma, às três, aber ao meio-dia. Ein Datum wird gewöhnlich als Tag + de + Monat angegeben: 15 de agosto.
Mit sempre, muitas vezes, às vezes, raramente und nunca sagst du, wie häufig etwas geschieht; hoje, amanhã, ontem, agora, depois, primeiro und então ordnen Handlungen zeitlich. Viele dieser Wörter können am Satzanfang oder nach dem Verb stehen, aber nunca steht in neutralen Sätzen meist vor dem Verb: Nunca como carne.
Mit aqui/cá, aí und ali/lá zeigt man im Portugiesischen nicht nur auf einen Ort, sondern oft auch auf dessen Nähe zur sprechenden oder angesprochenen Person: aqui heißt „hier bei mir“, aí „da bei dir“ und ali/lá „dort“. perto, longe, dentro, fora, em cima und em baixo beschreiben dagegen eine räumliche Lage wie „nah“, „weit weg“, „drinnen“, „draußen“, „oben“ oder „unten“.
Vor einem Nomen richten sich muito und pouco nach dessen Geschlecht und Zahl: muita água, muitos amigos, poucas perguntas. Beziehen sie sich dagegen auf ein Verb, ein Adjektiv oder ein Adverb, bleiben sie unverändert: trabalho muito, muito bonita, muito bem.
Direkte Objektpronomen ersetzen ein direktes Objekt, also die Person oder Sache, auf die eine Handlung unmittelbar zielt: Vejo a Ana wird zu Vejo-a („Ich sehe sie“). Die Grundformen sind me, te, o, a, nos, vos, os, as. In Portugal stehen sie in einfachen bejahenden Hauptsätzen meist mit Bindestrich hinter dem Verb (chamo-te), im brasilianischen Alltag dagegen meist davor (te chamo).
Die Formen me, te, lhe, nos, vos, lhes zeigen, wem etwas gegeben, gesagt, geschrieben oder erklärt wird: Dou-te o livro heißt „Ich gebe dir das Buch“. Im europäischen Portugiesisch stehen sie in einfachen bejahenden Hauptsätzen meist mit Bindestrich hinter dem Verb; Verneinungen und bestimmte andere Wörter ziehen sie vor das Verb: Não te dou o livro. Im brasilianischen Alltagsportugiesisch ist die Stellung vor dem Verb wesentlich häufiger: Eu te dou o livro.
Das regelmäßige Verb gostar bedeutet „mögen“ oder, vor einem Verb, oft „gern etwas tun“. Es steht grundsätzlich mit de: gosto de música („ich mag Musik“), gosto de cozinhar („ich koche gern“). Konjugiert wird gostar nach der Person, die etwas mag: eu gosto, tu gostas, nós gostamos.
Mit e (und), ou (oder), mas (aber) und porque (weil/denn) lassen sich schon auf A1-Niveau einfache Gedanken verbinden. Então (also/dann) und portanto (daher/folglich) drücken meist eine Folge aus. Anders als nach deutschem weil bleibt das konjugierte Verb im portugiesischen porque-Satz an seiner normalen Stelle.
A2 (10)
Das Pretérito Perfeito Simples bezeichnet eine Handlung, die in der Vergangenheit als abgeschlossen betrachtet wird: Ontem trabalhei até às seis bedeutet „Gestern habe ich bis sechs gearbeitet“. Es besteht nur aus einer Verbform, also ohne ein Hilfsverb wie deutsches haben oder sein. Bei regelmäßigen Verben ersetzt man die Infinitivendung -ar, -er oder -ir durch die passende Vergangenheitsendung.
Das pretérito perfeito simples bezeichnet meist eine abgeschlossene Handlung in der Vergangenheit. Bei häufigen Verben wie ir, ser, ter, fazer und poder wird es jedoch nicht mit den regelmäßigen Endungen gebildet: Man lernt Formen wie fui, tive, fiz und pude am besten zusammen mit ihrem Infinitiv. Besonders wichtig: ser und ir haben in dieser Zeit dieselben Formen; erst der Zusammenhang zeigt, welches Verb gemeint ist.
Das pretérito imperfeito stellt vergangene Situationen als Hintergrund, Gewohnheit oder damals laufenden Vorgang dar: Morávamos em Lisboa bedeutet „Wir wohnten damals in Lissabon“. Regelmäßige Verben auf -ar erhalten Endungen mit -ava-, Verben auf -er und -ir Endungen mit -ia-. Für ein einzelnes abgeschlossenes Ereignis braucht man dagegen meist das pretérito perfeito.
Für geplante oder absehbare zukünftige Handlungen setzt man im Portugiesischen eine Präsensform von ir vor den Infinitiv (die Grundform des Verbs): vou comer „ich werde essen“, vais estudar „du wirst lernen“. Nur ir wird an die Person angepasst; das zweite Verb bleibt unverändert. Zwischen beide Verben kommt keine Präposition.
Für eine Handlung, die gerade im Gange ist, verwendet man in Brasilien meist eine Form von estar plus Gerundium: Estou comendo („Ich esse gerade“). In Portugal ist dafür estar a plus Infinitiv üblich: Estou a comer. Im Deutschen entspricht beides meistens dem Präsens mit gerade.
Für „größer als“ und „weniger teuer als“ verwendet man im Portugiesischen meist mais/menos + Adjektiv + do que. Gleichheit drückt man mit tão + Adjektiv/Adverb + como oder bei Mengen mit tanto/tanta/tantos/tantas + Substantiv + como aus. Häufige unregelmäßige Formen sind melhor, pior, maior und menor.
Mit dem portugiesischen Imperativ gibst du Anweisungen, äußerst Bitten oder machst Vorschläge: Fala! „Sprich!“, Coma! „Essen Sie!“ Die bejahte tu-Form entspricht meist der 3. Person Singular im Präsens; você und vocês verwenden Formen des Konjunktivs. Bei einer Verneinung steht não davor, und alle Personen verwenden den Konjunktiv: Não fales! „Sprich nicht!“
Mit que verbindet man im Portugiesischen einen Relativsatz mit einer zuvor genannten Person oder Sache: o homem que fala und o livro que leio. Que verändert seine Form nie. Quem bezieht sich dagegen auf Personen und steht nach einem ausdrücklich genannten Bezugswort normalerweise nur nach einer Präposition: a pessoa com quem falei.
Wenn ein portugiesischer Satz sowohl ein indirektes als auch ein direktes Objektpronomen enthält, verschmelzen beide in der Standardsprache zu einer Form: me + o = mo, te + a = ta, lhe + os = lhos. Im europäischen Portugiesisch sind solche Formen gebräuchlich; im brasilianischen Alltag werden sie meist durch andere Satzbauten vermieden.
Bei einem reflexiven Verb bezieht sich me, te, se, nos, vos oder se auf dieselbe Person wie das Subjekt: Levantei-me cedo bedeutet „Ich stand früh auf“. Für ein abgeschlossenes Ereignis steht meist das pretérito perfeito, für Gewohnheiten und Hintergründe das pretérito imperfeito. In Portugal folgt das Pronomen in einem bejahenden Hauptsatz häufig mit Bindestrich auf das Verb; in Brasilien steht es im Alltag meist davor.
B1 (14)
Das portugiesische Futuro Simples wird gebildet, indem man an den vollständigen Infinitiv Endungen wie -ei, -ás, -á, -emos, -eis, -ão anhängt: falarei („ich werde sprechen“), partiremos („wir werden abreisen“). Nur wenige häufige Verben ändern dabei ihren Stamm: fazer → farei, dizer → direi, trazer → trarei. Im Gespräch hört man für konkrete Pläne allerdings sehr oft ir + Infinitiv: Vou telefonar amanhã.
Das portugiesische Konditional wird meist gebildet, indem die Endungen -ia, -ias, -ia, -íamos, -íeis, -iam an den Infinitiv treten: viajar → viajaria. Es entspricht oft dem deutschen würde + Infinitiv, dient aber auch höflichen Bitten und der Zukunft aus Sicht eines vergangenen Zeitpunkts: Disse que viria – „Er sagte, er würde kommen.“
Das pretérito perfeito simples stellt ein vergangenes Geschehen als abgeschlossenes Ganzes dar: Ontem trabalhei até às seis. Das pretérito imperfeito zeigt dagegen Gewohnheiten, Zustände, Beschreibungen oder gerade ablaufende Handlungen im Hintergrund: Trabalhava quando telefonaste. In Erzählungen liefert das imperfeito meist die Kulisse, während das perfeito die Ereignisse vorantreibt.
Der Conjuntivo Presente bezeichnet meist keine neutral festgestellte Tatsache, sondern etwas Gewünschtes, Bezweifeltes, Bewertetes oder Notwendiges: Quero que venhas („Ich möchte, dass du kommst“). Er steht häufig in einem Nebensatz mit que. Regelmäßige Formen werden vom Stamm der eu-Form im Präsens gebildet: falo → fale, como → coma, parto → parta.
Der portugiesische conjuntivo steht häufig in einem Nebensatz mit que, wenn dessen Inhalt nicht einfach als Tatsache mitgeteilt wird, sondern als Wunsch, Zweifel, Möglichkeit, Wertung oder Zweck erscheint: Quero que venhas („Ich möchte, dass du kommst“). Auch feste Konjunktionen wie para que, antes que und embora lösen ihn aus. Bei einem noch ausstehenden Ereignis nach quando braucht man meist den conjuntivo futuro: Quando chegares, telefona-me.
Das mais-que-perfeito bezeichnet eine Handlung, die schon vor einem anderen Zeitpunkt in der Vergangenheit abgeschlossen war: Quando cheguei, ela já tinha saído – „Als ich ankam, war sie schon weggegangen.“ Im heutigen Portugiesisch verwendet man dafür meist tinha + Partizip. Es entspricht daher oft dem deutschen Plusquamperfekt mit „hatte“ oder „war“.
Für „der/die größte, schönste, interessanteste“ verwendet das Portugiesische meist den bestimmten Artikel plus mais oder menos und ein Adjektiv: o mais alto, a menos cara. Melhor, pior, maior und menor sind wichtige unregelmäßige Formen. Ohne Vergleichsgruppe drückt die Endung -íssimo/-íssima eine sehr starke Eigenschaft aus: lindíssimo bedeutet „wunderschön“ oder „äußerst schön“.
Onde verbindet einen Ort mit einer Aussage: a cidade onde moro – „die Stadt, in der ich wohne“. Cujo, cuja, cujos, cujas drücken Besitz oder Zugehörigkeit aus und richten sich nach dem folgenden besessenen Wort: o homem cuja casa visitei. O qual, a qual, os quais, as quais sind deutlich markierte, oft formellere Relativformen und stehen besonders häufig nach Präpositionen: a razão pela qual vim.
Das portugiesische Passiv wird meist mit einer Form von ser und dem Partizip gebildet: A casa foi vendida („Das Haus wurde verkauft“). Das Partizip richtet sich dabei in Geschlecht und Zahl nach dem Subjekt. Sehr häufig ist außerdem die kürzere Konstruktion mit se: Vendem-se casas („Häuser zu verkaufen“).
Aussagen werden meist mit que eingeleitet, Entscheidungsfragen mit se: Diz que vem und Perguntou se eu estava livre. Steht das einleitende Verb in der Vergangenheit, werden Verbzeit, Pronomen sowie Zeit- und Ortsangaben häufig an die neue Perspektive angepasst. Aufforderungen gibt man oft mit para + Infinitiv wieder: Disse-me para ir embora.
Der portugiesische infinitivo pessoal kann anzeigen, wer die Handlung eines Infinitivs ausführt: É importante estudarmos bedeutet „Es ist wichtig, dass wir lernen“. Dazu erhält der Infinitiv je nach Person die Endungen -es, -mos, -des oder -em; die erste und dritte Person Singular bleiben ohne Endung. Besonders nützlich ist diese Form, wenn der Infinitiv ein eigenes Subjekt hat.
Mit é preciso, é necessário, é importante und é possível beurteilt man eine Handlung, ohne eine handelnde Person zum Satzanfang zu machen. Folgt direkt ein Verb, steht es meist im Infinitiv: É preciso estudar. Wird eine konkrete Person genannt, verwendet man häufig que + Konjunktiv: É preciso que estudes. Auch há que + Infinitiv drückt eine allgemeine Notwendigkeit aus.
Für reale oder offene Bedingungen steht nach se der Indikativ: Se tens tempo, liga-me („Wenn du Zeit hast, ruf mich an“). Bezieht sich eine offene Bedingung auf die Zukunft, verwendet das Portugiesische häufig den Futur-Konjunktiv: Se vieres, ficarei contente. Bei einer nur vorgestellten oder unwahrscheinlichen Gegenwart steht dagegen se + Imperfekt-Konjunktiv und im Hauptsatz meist der Konditional: Se tivesse dinheiro, viajaria.
Bei ser und estar geht es nicht einfach um „dauerhaft“ gegen „vorübergehend“. Ser ordnet etwas meist ein oder beschreibt eine kennzeichnende Eigenschaft; estar stellt einen Zustand in einer bestimmten Situation fest. Besonders wichtig ist der Kontrast zwischen einem Vorgang mit ser (A janela foi aberta) und seinem Ergebnis mit estar (A janela está aberta).
B2 (9)
Der portugiesische conjuntivo imperfeito wird aus der 3. Person Plural des pretérito perfeito gebildet: falaram → falasse, comeram → comesse, partiram → partisse. Er steht vor allem nach einem Verb in der Vergangenheit, in irrealen Bedingungen mit se sowie nach como se und bei schwer erfüllbaren Wünschen: Se pudesse, iria – „Wenn ich könnte, würde ich gehen.“
Der Conjuntivo Futuro bezeichnet in einem Nebensatz eine zukünftige Handlung, deren Eintritt noch offen ist: Quando chegares, telefona-me („Wenn du ankommst, ruf mich an“). Besonders häufig steht er nach quando, se, enquanto und assim que. Gebildet wird er aus der Form der 3. Person Plural des pretérito perfeito: fizeram → fizer- → fizer.
Das conjuntivo perfeito bezeichnet meist eine bereits abgeschlossene Handlung, die in einem gegenwärtigen Zusammenhang als unsicher, erwünscht, bewertet oder nur möglich dargestellt wird. Es besteht aus dem conjuntivo presente von ter und einem unveränderlichen Partizip: Espero que ele tenha chegado – „Ich hoffe, dass er angekommen ist.“
Das portugiesische condicional composto wird mit dem Konditional von ter und dem Partizip Perfekt gebildet: teria feito „hätte gemacht“. Es bezeichnet meist eine Handlung, die unter anderen Bedingungen in der Vergangenheit stattgefunden hätte, tatsächlich aber nicht stattfand. Besonders häufig steht es im Hauptsatz einer irrealen Bedingung: Se tivesse sabido, teria vindo „Wenn ich es gewusst hätte, wäre ich gekommen“.
Für eine Bedingung, die in der Vergangenheit nicht erfüllt wurde, steht im se-Satz meist tivesse + Partizip; die nicht eingetretene Folge wird mit teria + Partizip ausgedrückt: Se tivesse sabido, teria vindo. – „Wenn ich es gewusst hätte, wäre ich gekommen.“ Beide Satzteile blicken also auf eine vergangene Wirklichkeit zurück und stellen ihr eine andere Möglichkeit gegenüber.
Das portugiesische mais-que-perfeito composto do conjuntivo wird mit dem Imperfekt des Konjunktivs von ter und einem unveränderlichen Partizip gebildet: tivesse falado, tivesses vindo, tivessem feito. Es bezeichnet eine bereits abgeschlossene Handlung, die in einem irrealen Bedingungssatz, einem Wunsch oder einem konjunktivfordernden Nebensatz als früherer Hintergrund erscheint.
Das futuro composto do indicativo wird mit der Zukunftsform von ter und einem unveränderten Partizip gebildet: terei terminado („ich werde fertig geworden sein“). Es bezeichnet entweder etwas, das vor einem künftigen Bezugspunkt abgeschlossen sein wird, oder eine Vermutung über ein vergangenes Geschehen: Terá esquecido („Er/Sie wird es wohl vergessen haben“).
Unbetonte Objektpronomen wie me, te, o, a und lhe können im Portugiesischen vor dem Verb stehen (Proklise: não o vi), an das Verb angehängt werden (Enklise: vi-o) oder in eine Futur- beziehungsweise Konditionalform eingeschoben werden (Mesoklise: dar-te-ei). Verneinungen, Fragewörter und viele Einleiter von Nebensätzen ziehen das Pronomen vor das Verb; ohne solchen Auslöser ist in Portugal oft die Enklise üblich, während im brasilianischen Alltagsportugiesisch die Proklise deutlich weiter verbreitet ist.
Portugiesische Adverbien auf -mente entstehen normalerweise aus der weiblichen Singularform eines Adjektivs: lento → lenta → lentamente. Endet das Adjektiv nicht auf -o und hat es nur eine Form für beide Geschlechter, wird -mente direkt angefügt: feliz → felizmente. In einer Reihe kann die Endung nur beim letzten Wort stehen: lenta e cuidadosamente.
C1 (7)
Das mais-que-perfeito simples bezeichnet eine Handlung, die schon vor einem anderen Zeitpunkt in der Vergangenheit abgeschlossen war: Quando cheguei, ele já partira („Als ich ankam, war er schon abgereist“). Es besteht aus nur einer Verbform auf -ra, wirkt heute jedoch meist literarisch oder sehr formell. Im normalen Gespräch verwendet man fast immer die zusammengesetzte Form mit tinha: já tinha partido.
Der portugiesische persönliche Infinitiv kann nicht nur eine Person markieren, sondern auch Vorzeitigkeit und Passiv ausdrücken: depois de termos chegado („nachdem wir angekommen waren“), por terem sido avisados („weil sie gewarnt worden waren“). Oft ersetzt eine solche kompakte Infinitivgruppe einen deutschen Nebensatz und in passenden portugiesischen Konstruktionen auch einen Nebensatz mit conjuntivo; frei austauschbar sind beide Formen jedoch nicht.
Steht ein auslösender Hauptsatz in der Gegenwart, verwendet der abhängige Satz meist das presente do conjuntivo oder für Vorzeitigkeit tenha + Partizip. Liegt der Bezugspunkt in der Vergangenheit, rücken diese Formen normalerweise zu imperfeito do conjuntivo beziehungsweise tivesse + Partizip zurück: Quero que venhas wird zu Queria que viesses. Entscheidend ist aber nicht nur die Form des Hauptverbs, sondern auch, ob das Ereignis gleichzeitig, vorher oder nachher liegt und aus welcher zeitlichen Perspektive gesprochen wird.
Formelles Portugiesisch entsteht nicht allein durch besonders lange Wörter. Entscheidend sind eine sachliche, höfliche Haltung, feste Verknüpfungen wie em virtude de, não obstante und em conformidade com sowie klare Formeln für Anliegen und Abschlüsse. Welche Formel natürlich klingt, hängt außerdem davon ab, ob man in Portugal oder Brasilien schreibt und ob es sich um eine geschäftliche Nachricht, einen Antrag oder einen Rechtstext handelt.
Bei der Nominalisierung wird aus einem Verb oder Adjektiv ein Substantiv: desenvolver → desenvolvimento, possível → possibilidade. Solche Formen verdichten Aussagen und sind besonders in wissenschaftlichen, behördlichen und geschäftlichen Texten häufig. Die Endung liefert wichtige Hinweise, aber nicht jedes Wort lässt sich frei nach einer festen Regel bilden: Die gebräuchliche Form muss meist als Teil des Wortschatzes gelernt werden.
Portugiesisch hebt einen Satzteil häufig mit ser + hervorgehobener Satzteil + que hervor: Foi a Maria que fez isto („Maria war es, die das getan hat“). Daneben stehen Konstruktionen wie o que … é …, das feste é que und die Voranstellung eines Gesprächsthemas: A Maria, eu vi-a ontem. Alle verändern weniger den Sachverhalt als die Frage, welche Information im Mittelpunkt steht.
Mit Endungen wie -inho/-inha und -zinho/-zinha kann Portugiesisch nicht nur Kleinheit, sondern auch Zuneigung, Höflichkeit oder Abschwächung ausdrücken. -ão/-ona und -aço/-aça vergrößern oder verstärken oft, können aber ebenso Bewunderung oder Kritik vermitteln. Welche Bedeutung gemeint ist, ergibt sich daher immer aus Wort, Situation und Tonfall.
C2 (5)
Portugiesisch aus Brasilien und Portugal sind keine getrennten Sprachen, sondern zwei große Varietäten mit gemeinsamen grammatischen Grundlagen. Besonders deutlich unterscheiden sie sich bei der Stellung unbetonter Pronomen, der Verlaufsform, der Anrede mit tu und você, in Teilen des Wortschatzes und in der Aussprache. Beides ist korrekt; entscheidend ist, Formen nicht wahllos zu mischen und regionale Tendenzen nicht als ausnahmslose Regeln zu behandeln.
Umgangssprachliches Portugiesisch ist kein einheitlicher Wortschatz: Portugal und Brasilien verwenden teils deutlich andere Ausdrücke, etwa bué fixe in Portugal und que legal in Brasilien. Hinzu kommen Verkürzungen wie tá, Gesprächswörter wie tipo und Anreden wie pá, cara oder mano. Entscheidend ist nicht nur die Bedeutung, sondern auch, wer mit wem in welcher Situation spricht.
Diskurskonnektoren zeigen, wie ein Gedanke zum vorherigen passt: no entanto, todavia und contudo markieren einen Gegensatz, por conseguinte eine Folgerung und com efeito eine Bestätigung oder Begründung. Wendungen wie é de salientar que und cumpre referir que heben einen Punkt in formellen Texten ausdrücklich hervor. Auf C2-Niveau zählt nicht nur die Bedeutung, sondern auch, ob ein Ausdruck zum Register und zur beabsichtigten Argumentationsrichtung passt.
Rhetorische Mittel formen nicht nur den Inhalt, sondern auch seine Wirkung: Eine Aussage kann zurückhaltend, übertrieben, eindringlich oder pointiert klingen. Auf C2-Niveau sollten Sie vor allem lítotes, hipérbole, pergunta retórica, quiasmo, anáfora und bewusst gesetzte Satzfragmente erkennen, ihre Wirkung aus dem Kontext erschließen und sie dem Register entsprechend einsetzen können.
Portugiesische Verwaltungs- und Rechtstexte verdichten Informationen durch unpersönliche Konstruktionen, Nominalisierungen und feste Formeln wie nos termos de, para os devidos efeitos oder leva-se ao conhecimento. Entscheidend ist weniger, selbst möglichst „bürokratisch“ zu schreiben, als Handlung, verantwortliche Stelle, Rechtsgrundlage und Frist hinter diesen Formeln zuverlässig zu erkennen.
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