A1

Bestimmte Artikel im Portugiesischen

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Dieser Artikel ist Teil des Portugiesisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Portugiesischen gibt es vier Formen des bestimmten Artikels: o, a, os, as. Die Wahl richtet sich nach dem grammatischen Geschlecht und der Zahl des folgenden Substantivs: o livro, a casa, os livros, as casas. Anders als im Deutschen ändert sich der Artikel nicht nach dem Fall; dafür verschmilzt er häufig mit einer vorangehenden Präposition, etwa in do, na oder ao.

Überblick

Ein bestimmter Artikel verweist auf eine Person oder Sache, die bekannt, schon erwähnt oder im Zusammenhang eindeutig ist. Ein Substantiv – also ein Wort für eine Person, Sache, einen Ort oder einen Begriff – hat im Portugiesischen ein grammatisches Geschlecht: männlich oder weiblich. Der Artikel zeigt dieses Geschlecht und zusätzlich Einzahl oder Mehrzahl an.

Das gehört zu den Grundlagen auf Niveau A1. Die einfache Regel lautet: Lerne jedes neue Substantiv gleich mit seinem Artikel. Aus livro sollte im Gedächtnis also o livro werden, aus casa entsprechend a casa. Das ist für deutschsprachige Lernende vertraut, denn auch im Deutschen lernt man am besten „der Tisch“ statt nur „Tisch“. Die Geschlechter stimmen zwischen beiden Sprachen jedoch keineswegs zuverlässig überein: o problema ist männlich, obwohl „das Problem“ sächlich ist.

Die Grundfunktion ähnelt der von „der, die, das“: o livro kann je nach Satz „das Buch“ heißen, a mulher „die Frau“. Es gibt aber wichtige Unterschiede. Portugiesisch kennt kein sächliches Geschlecht bei Substantiven, hat im Plural zwei Artikelformen und verwendet den bestimmten Artikel in manchen Zusammenhängen anders als das Deutsche – besonders bei Personennamen, Possessivformen, Ländern und allgemeinen Aussagen.

So funktioniert es

Die vier Grundformen

Zahl Männlich Weiblich
Einzahl o a
Mehrzahl os as

Der Artikel stimmt mit dem Substantiv überein. Diese formale Anpassung nennt man Kongruenz, also Übereinstimmung in Geschlecht und Zahl.

  • o menino – der Junge
  • a menina – das Mädchen
  • os meninos – die Jungen
  • as meninas – die Mädchen

Im Deutschen lautet der bestimmte Artikel im Nominativ Plural immer „die“. Im Portugiesischen bleibt dagegen das grammatische Geschlecht auch im Plural sichtbar: os livros sind männlich, as revistas weiblich.

Entscheidend ist das grammatische Geschlecht

Der Artikel richtet sich nach dem Substantiv, nicht einfach nach einer deutschen Übersetzung und bei Personen auch nicht immer unmittelbar nach deren natürlichem Geschlecht. So ist a pessoa „die Person“ stets grammatisch weiblich, auch wenn ein Mann gemeint ist: O Pedro é uma pessoa simpática.

Die Endung hilft oft, ist aber keine sichere Regel. Viele Wörter auf -o sind männlich und viele auf -a weiblich:

  • o carro, o livro, o banco
  • a porta, a mesa, a escola

Häufige Ausnahmen müssen mitgelernt werden, zum Beispiel o dia, o mapa, o problema und a mão. Vor einem Vokal werden die Artikel nicht verkürzt: Es heißt o amigo, a amiga, a escola und os olhos.

Keine Veränderung nach dem Satzfall

Deutsche Artikel wechseln unter anderem zwischen „der“, „den“ und „dem“. Portugiesisch hat keine solche Kasusflexion, also keine Veränderung des Artikels nach seiner Aufgabe im Satz. Vergleiche:

Aufgabe im Satz Portugiesisch Deutsch
Handelnde Sache O livro está aqui. Das Buch ist hier.
Direkt betroffenes Objekt Compro o livro. Ich kaufe das Buch.
Nach com Venho com o livro. Ich komme mit dem Buch.

Die Form o bleibt gleich. Nach bestimmten Präpositionen – kleinen Verhältniswörtern wie „von“, „in“ oder „zu“ – entstehen allerdings feste Zusammenziehungen.

Präposition und Artikel verschmelzen

Steht ein bestimmter Artikel nach de, em, a oder por, werden beide Wörter in der Regel zusammengezogen. Diese Formen sind im normalen Portugiesisch unverzichtbar.

Präposition + o + a + os + as Grundbedeutung
de do da dos das von, aus; Genitivbeziehung
em no na nos nas in, an, auf
a ao à aos às zu, nach, an
por pelo pela pelos pelas durch, über, entlang

Beispiele: do Brasil „aus Brasilien“, na escola „in der Schule“, ao mercado „zum Markt“, pela cidade „durch die Stadt“. Der Akzent in à und às zeigt, dass die Präposition a und der Artikel a/as zusammengefallen sind. Dieses Zeichen heißt auf Portugiesisch crase.

Eine Zusammenziehung gibt es nur, wenn tatsächlich ein Artikel verwendet wird. Deshalb heißt es em Portugal, aber no Brasil: Portugal steht gewöhnlich ohne Artikel, o Brasil mit Artikel.

Bestimmt, weil der Bezug klar ist

Wie im Deutschen steht der bestimmte Artikel oft dann, wenn alle Beteiligten wissen, was gemeint ist:

  • Erste Erwähnung: Comprei um livro. – Ich habe ein Buch gekauft.
  • Erneute Erwähnung: O livro é muito interessante. – Das Buch ist sehr interessant.
  • Durch die Situation eindeutig: Fecha a porta, por favor. – Schließ bitte die Tür.
  • Durch eine Ergänzung genauer bestimmt: a chave do carro – der Schlüssel des Autos

Der Artikel kann auch eine ganze Gattung oder eine allgemeine Gruppe bezeichnen: Os gatos gostam de dormir. bedeutet allgemein „Katzen schlafen gern“. Solche allgemeinen Aussagen sind im Portugiesischen häufig mit Artikel gebaut, während im Deutschen beim Plural meist kein Artikel steht.

Beispiele im Zusammenhang

Portugiesisch Deutsch Hinweis
O menino está no jardim. Der Junge ist im Garten. männlich, Einzahl
A menina lê muito. Das Mädchen liest viel. weiblich, Einzahl; anderes Geschlecht als im Deutschen
Os livros estão na mesa. Die Bücher liegen auf dem Tisch. männlich, Mehrzahl
As janelas estão abertas. Die Fenster sind offen. weiblich, Mehrzahl
Comprei um jornal. O jornal está na mochila. Ich habe eine Zeitung gekauft. Die Zeitung ist im Rucksack. bei der zweiten Erwähnung bestimmt
Fecha a porta, por favor. Schließ bitte die Tür. aus der Situation eindeutig
O café está frio. Der Kaffee ist kalt. ein bestimmter Kaffee
Os cães precisam de exercício. Hunde brauchen Bewegung. allgemeine Aussage über eine Gruppe
Ela vai ao mercado de manhã. Sie geht morgens zum Markt. a + o = ao
Vivemos no Brasil, mas trabalhamos em Portugal. Wir leben in Brasilien, arbeiten aber in Portugal. Ländernamen mit und ohne Artikel
Este é o livro da Ana. Das ist Anas Buch. de + a = da
São as duas horas. Es ist zwei Uhr. Artikel bei der Uhrzeit
A minha irmã mora em Coimbra. Meine Schwester wohnt in Coimbra. mit Possessivform; besonders regelmäßig in Portugal
Encontrei a Maria ontem. Ich habe Maria gestern getroffen. Artikel vor Personennamen ist regional und situationsabhängig
Lavei as mãos antes do jantar. Ich habe mir vor dem Abendessen die Hände gewaschen. Körperteil mit Artikel

Häufige Fehler

Geschlecht aus dem Deutschen übernehmen

  • Falsch: a problema
  • Richtig: o problema
  • Warum: Das grammatische Geschlecht gehört zum portugiesischen Wort. „Das Problem“ hilft bei der Wahl nicht; Portugiesisch hat bei Substantiven zudem kein sächliches Geschlecht.

Im Plural nur eine Artikelform verwenden

  • Falsch: os casas
  • Richtig: as casas
  • Warum: Anders als deutsches „die“ zeigt der portugiesische Pluralartikel weiterhin das Geschlecht: os ist männlich, as weiblich.

Präposition und Artikel getrennt lassen

  • Falsch: Vou a o mercado. / Estou em a escola.
  • Richtig: Vou ao mercado. / Estou na escola.
  • Warum: a + o und em + a werden zu ao und na zusammengezogen. Dasselbe gilt für die anderen Formen in der Übersichtstabelle.

Den Artikel vor jedem Ländernamen setzen

  • Falsch: Moro no Portugal.
  • Richtig: Moro em Portugal.
  • Warum: Ländernamen haben ihren üblichen Artikelgebrauch. Man sagt o Brasil, a Alemanha und os Estados Unidos, aber normalerweise Portugal, Angola und Moçambique ohne Artikel. Am besten wird die Form zusammen mit dem Ländernamen gelernt.

Eine deutsche Possessivgruppe Wort für Wort nachbauen

  • Unnatürlich für europäisches Portugiesisch: meu carro in einem neutralen Satz
  • Typisch in Portugal: o meu carro
  • Auch üblich in Brasilien: meu carro oder o meu carro
  • Warum: Vor Possessivformen wie meu, tua oder nossos steht besonders im europäischen Portugiesisch meist der bestimmte Artikel. Im brasilianischen Portugiesisch ist er häufig optional.

Vor Vokalen einen Artikel auslassen

  • Falsch: amigo chegou.
  • Richtig: O amigo chegou.
  • Warum: o und a bleiben auch vor einem Vokal erhalten. Es gibt keine verkürzte Form: o aluno, a aluna, a água.

Gebrauchshinweise

Personennamen

Vor Vornamen kann ein Artikel stehen: o João, a Maria. Das wirkt häufig vertraut und zeigt, dass die Person im Gesprächskreis bekannt ist. Der Gebrauch variiert jedoch nach Region, Sprechsituation und persönlichem Stil. Sowohl in Portugal als auch in vielen Teilen Brasiliens hört man Artikel vor Personennamen; in manchen brasilianischen Regionen werden Namen eher ohne Artikel verwendet. In förmlichen Zusammenhängen, auf Schildern oder bei der Vorstellung einer Person fehlt der Artikel ebenfalls oft.

Darum sind Vi a Maria ontem und Vi Maria ontem nicht einfach als „richtig“ und „falsch“ zu trennen. Für den Anfang genügt es, beide Muster zu erkennen und sich am Sprachgebrauch der Region zu orientieren, die man lernt.

Possessivformen

Eine Possessivform drückt Zugehörigkeit aus, zum Beispiel meu „mein“ oder nossa „unser“. Im europäischen Portugiesisch lautet das neutrale Muster meist Artikel + Possessivform + Substantiv: o meu livro, a tua casa, os nossos amigos. In Brasilien sind Formen ohne Artikel sehr verbreitet: meu livro, sua casa. Der Artikel ist dort vielfach möglich, kann aber je nach Region und Aussage unterschiedlich häufig sein.

Für Deutschsprachige ist vor allem wichtig: Das portugiesische o meu livro enthält zwar einen bestimmten Artikel, wird aber schlicht mit „mein Buch“ übersetzt, nicht mit „das mein Buch“.

Orts- und Ländernamen

Manche geografischen Namen tragen regelmäßig einen Artikel, andere nicht:

  • mit Artikel: o Brasil, a Alemanha, a França, os Estados Unidos, o Porto, o Rio de Janeiro
  • gewöhnlich ohne Artikel: Portugal, Angola, Moçambique, Lisboa, São Paulo

Nach einer Präposition wird der Unterschied sichtbar: do Brasil, aber de Portugal; na Alemanha, aber em Angola; no Porto, aber em Lisboa. Adjektive oder nähere Bestimmungen können den Artikelgebrauch beeinflussen, etwa o Portugal moderno „das moderne Portugal“.

Uhrzeiten, Wochentage und wiederkehrende Termine

Bei Uhrzeiten stehen a/as: É uma hora, aber São as três horas. Nach der Präposition a entstehen à und às: A reunião começa às nove. „Die Besprechung beginnt um neun.“

Bei wiederkehrenden Wochentagen ist der Artikel ebenfalls üblich: Trabalho às segundas-feiras. „Ich arbeite montags.“ Ein einzelner Termin wird oft mit einer Verbindung aus Präposition und Artikel angegeben: na segunda-feira „am Montag“.

Körperteile und Kleidung

Wenn klar ist, zu wem ein Körperteil oder Kleidungsstück gehört, verwendet Portugiesisch oft den bestimmten Artikel statt einer Possessivform: Lavei as mãos „Ich wusch mir die Hände“, Ele pôs o casaco „Er zog seinen Mantel an“. Dieses Muster ist deutschsprachigen Lernenden bei Körperteilen teilweise vertraut; im Portugiesischen reicht der Zusammenhang oft auch bei Kleidung aus.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Feinheiten muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die in Texten und Gesprächen früh auftauchen.

Allgemeine Begriffe: Artikel oder kein Artikel?

Ein bestimmter Artikel kann eine Art als Ganzes bezeichnen: O vinho português é conhecido „Portugiesischer Wein ist bekannt“ oder Os jovens usam muito o telemóvel/celular „Junge Leute benutzen oft das Handy“. Portugiesisch setzt in solchen allgemeinen Aussagen häufiger einen Artikel, wo im Deutschen ein artikelloser Plural oder Stoffname natürlich klingt.

Der Artikel ist dennoch nicht automatisch Pflicht. Nach falar steht ein Sprachname oft ohne Artikel: Falo português. Wird die Sprache genauer bestimmt oder selbst zum Thema gemacht, ist der Artikel naheliegend: O português do Brasil tem grande diversidade regional. Auch feste Verbindungen wie em casa „zu Hause“ kommen ohne Artikel vor. Solche Unterschiede lernt man am zuverlässigsten als ganze Wortgruppen.

Artikel und Objektpronomen sehen gleich aus

o, a, os, as können nicht nur Artikel, sondern auch Objektpronomen sein – kurze Wörter, die eine bereits genannte Person oder Sache als betroffenes Objekt ersetzen. Vor einem Substantiv sind sie Artikel: Compro o livro. In Eu o compro im formelleren brasilianischen Portugiesisch oder Compro-o im europäischen Portugiesisch ersetzt o dagegen „das Buch“: „Ich kaufe es.“ Die Stellung im Satz zeigt die Funktion.

Wenn zwischen Präposition und Name kein Artikel gehört

Die Zusammenziehung richtet sich nach dem tatsächlichen Artikelgebrauch. Deshalb heißt es Gosto da Maria in einer Region oder Situation mit a Maria, aber Gosto de Maria ohne Artikel. Ebenso stehen no Brasil und em Portugal nebeneinander. Die Langformen de o, em a oder a a sind im normalen Gebrauch nicht einfach frei wählbare Alternativen zu do, na und à.

Ein nützlicher Gegensatz zum Deutschen

Deutsch markiert mit dem Artikel gleichzeitig Geschlecht, Zahl und Fall. Portugiesisch markiert am Artikel nur Geschlecht und Zahl; Beziehungen wie „in“, „aus“ oder „zu“ werden durch Präpositionen ausgedrückt. Dadurch ist die Grundtabelle kleiner, aber die verschmolzenen Formen sind sehr häufig. Wer beim Lesen do, nas, aos und pelas sofort in Präposition plus Artikel zerlegen kann, versteht Satzbeziehungen deutlich schneller.

Übungstipps

  1. Wörter paarweise lernen: Schreibe nicht nur ponte, livro und mão auf eine Karte, sondern a ponte, o livro, a mão. Ergänze gleich den Plural: as pontes, os livros, as mãos.
  2. Vier Formen durchtauschen: Bilde aus einem einfachen Satz vier passende Wortgruppen, etwa o aluno novo, a aluna nova, os alunos novos, as alunas novas. So werden Artikel, Substantiv und Adjektiv gemeinsam geübt.
  3. Zusammenziehungen markieren: Unterstreiche in kurzen Texten do/da, no/na, ao/à und pelo/pela. Sprich beim Kontrollieren die Bestandteile mit: na = em + a, dos = de + os. Notiere Ländernamen zugleich in einer echten Verbindung, etwa no Brasil und em Portugal.

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