A1

Bestimmte Artikel im Nominativ

Bestimmte Artikel im Nominativ

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Nominativ heißt der bestimmte Artikel der bei maskulinen, die bei femininen und das bei neutralen Substantiven; im Plural steht immer die. Der Nominativ kennzeichnet meistens das Subjekt, also die Person oder Sache, die handelt oder über die etwas gesagt wird: Der Mann wartet, die Frau arbeitet, das Kind spielt, die Kinder lachen.

Überblick

Ein bestimmter Artikel steht vor einem Substantiv (einem Wort für eine Person, Sache oder Idee), wenn klar ist, welches Lebewesen oder welche Sache gemeint ist. In Der Schlüssel liegt auf dem Tisch geht der Sprecher davon aus, dass der Hörer den betreffenden Schlüssel erkennen kann. Die Grundformen des bestimmten Artikels sind der, die, das und im Plural die.

Schon auf Niveau A1 treffen zwei wichtige Informationen zusammen: das Genus (das grammatische Geschlecht eines Substantivs) und der Kasus (der Fall, also die Aufgabe einer Wortgruppe im Satz). Dieser Artikel behandelt den Nominativ. Er ist vor allem der Fall des Subjekts: Die Lampe leuchtet. Das Subjekt die Lampe ist das, worüber der Satz eine Aussage macht.

Die Anfängerregel ist kurz: Im Nominativ richtet sich der Artikel nach Genus und Numerus (Einzahl oder Mehrzahl) des Substantivs. Das Genus ist aber nicht immer logisch vorhersagbar. Deshalb lernt man neue Substantive am besten gleich mit Artikel und Plural: der Tisch – die Tische, die Tür – die Türen, das Fenster – die Fenster.

So funktioniert es

Die vier Formen im Nominativ

Genus und Numerus Bestimmter Artikel Beispiel Lernform
maskulin, Singular der der Mann der Mann – die Männer
feminin, Singular die die Frau die Frau – die Frauen
neutral, Singular das das Kind das Kind – die Kinder
Plural, alle Genera die die Kinder die Kinder

Maskulin, feminin und neutral sind grammatische Kategorien. Sie beschreiben nicht einfach das biologische Geschlecht. So ist das Mädchen neutral, obwohl ein Mädchen weiblich ist. Auch Dinge haben ein grammatisches Genus: der Löffel, die Gabel, das Messer.

Im Plural gibt es keinen Unterschied zwischen den drei Genera: Es heißt immer die. Die Pluralform des Substantivs muss trotzdem mitgelernt werden, denn sie entsteht auf verschiedene Arten: der Tag – die Tage, die Stadt – die Städte, das Auto – die Autos.

Wann steht eine Wortgruppe im Nominativ?

Am häufigsten steht das Subjekt im Nominativ. Das Subjekt ist die Person oder Sache, die etwas tut, einen Zustand hat oder beschrieben wird.

  • Der Zug kommt.
  • Die Suppe ist heiß.
  • Heute beginnt das Konzert.
  • Im Garten spielen die Kinder.

Die Position im Satz entscheidet nicht über den Fall. Auch nach einem anderen Satzteil bleibt das Subjekt im Nominativ: Heute kommt der Zug. Mit der Frage Wer oder was? kann man das Subjekt oft finden: Wer kommt? – Der Zug. Diese Frage ist eine Lernhilfe; wichtiger ist langfristig die Funktion im Satz.

Nach den Verben sein, werden und bleiben kann auch eine Bezeichnung für dieselbe Person oder Sache im Nominativ stehen. Man nennt sie Prädikativ (eine Ergänzung, die das Subjekt benennt oder beschreibt):

  • Das ist der neue Kollege.
  • Frau Berg wird die Leiterin des Teams.
  • Dieses Gebäude bleibt das Wahrzeichen der Stadt.

Beide Seiten beziehen sich jeweils auf dieselbe Person oder Sache. Es gibt hier kein direktes Objekt.

Bestimmt bedeutet: identifizierbar

Der bestimmte Artikel passt, wenn Sprecher und Hörer erkennen können, was gemeint ist. Das kann verschiedene Gründe haben:

  1. Schon erwähnt: Draußen steht ein Fahrrad. Das Fahrrad ist rot.
  2. In der Situation sichtbar oder eindeutig: Die Tür ist offen.
  3. Einmalig im gemeinten Zusammenhang: Die Sonne scheint.
  4. Durch eine Ergänzung genauer bestimmt: Der Schlüssel auf dem Tisch gehört mir.

Die Wahl zwischen der/die/das und ein/eine ist also nicht nur eine Formfrage. Ein Hund bellt führt irgendeinen Hund neu ein; der Hund bellt meint einen bestimmten, erkennbaren Hund.

Artikel und weitere Wörter gehören zusammen

Der Artikel eröffnet eine Nominalgruppe, also eine Wortgruppe mit einem Substantiv als Kern. Zwischen Artikel und Substantiv können weitere Wörter stehen:

  • der alte Bahnhof
  • die freundliche Nachbarin
  • das kleine Café
  • die roten Äpfel

Der Artikel richtet sich weiterhin nach Genus, Numerus und Kasus des Substantivs. Die Endung des Adjektivs verändert sich ebenfalls. Für den Einstieg genügt es, die ganze Gruppe als Einheit zu erkennen; die Einzelheiten gehören zur Adjektivdeklination.

Beispiele im Kontext

Die mittlere Spalte umschreibt die Bedeutung in einfachem Deutsch. So lässt sich trotz gleicher Lern- und Erklärungssprache erkennen, warum der bestimmte Artikel gewählt wurde.

Beispielsatz Einfache Bedeutung Hinweis
Der Mann ist groß. Ein bestimmter Mann ist groß. maskulin, Singular; Subjekt
Die Frau arbeitet heute zu Hause. Die bekannte Frau arbeitet zu Hause. feminin, Singular; Subjekt
Das Kind spielt im Garten. Das gemeinte Kind spielt draußen. neutral, Singular; Subjekt
Die Kinder schlafen schon. Die gemeinten Kinder schlafen. Plural; Artikel immer die
Morgen fährt der erste Bus um sechs Uhr. Der Bus mit der frühesten Abfahrt fährt um sechs. Subjekt steht nach dem Verb
Die Schlüssel auf dem Regal gehören Lea. Gemeint sind die Schlüssel an einem genau bezeichneten Ort. Plural; durch Ergänzung bestimmt
Ist das Fenster noch offen? Es geht um ein erkennbares Fenster. Subjekt in einer Frage
Der Kaffee ist kalt geworden. Der bereits bekannte Kaffee ist jetzt kalt. maskulines Substantiv trotz Stoffbezeichnung
Die Sonne scheint heute. Die Sonne ist im Zusammenhang eindeutig. etwas Einmaliges
Das ist der neue Lehrer. Diese Person ist der neue Lehrer. Nominativ nach sein
Frau Yilmaz bleibt die Ansprechpartnerin für das Projekt. Frau Yilmaz behält diese Funktion. Prädikativ nach bleiben
Vor dem Haus wartet das Taxi. Das erwartete Taxi wartet dort. Subjekt steht am Satzende
Im Herbst fallen die Blätter. Blätter fallen in dieser Jahreszeit allgemein. Plural als allgemeine Aussage
Das Mädchen liest ein Buch. Ein bestimmtes Mädchen liest. grammatisch neutral

Häufige Fehler

1. Das Genus nach Bedeutung erraten

  • Falsch: das Tisch ist frei.
  • Richtig: Der Tisch ist frei.
  • Warum: Das Genus vieler Substantive lässt sich nicht sicher aus ihrer Bedeutung ableiten. Tisch ist maskulin. Substantive sollten mit Artikel gelernt und am Satzanfang großgeschrieben werden.

2. Natürliches und grammatisches Geschlecht gleichsetzen

  • Falsch: Die Mädchen spielt draußen.
  • Richtig: Das Mädchen spielt draußen.
  • Warum: Die Verkleinerungsendung -chen macht ein Substantiv grammatisch neutral. Der Artikel folgt dem grammatischen Genus von Mädchen, nicht der bezeichneten Person.

3. Im Plural den Singularartikel behalten

  • Falsch: Der Männer warten vor dem Eingang.
  • Richtig: Die Männer warten vor dem Eingang.
  • Warum: Im Nominativ Plural steht bei allen Genera die. Auch das Verb muss zum Plural passen: die Männer warten.

4. Jedes Substantiv im Satz in den Nominativ setzen

  • Falsch: Der Hund sieht der Mann.
  • Richtig: Der Hund sieht den Mann.
  • Warum: Nur der Hund ist hier das Subjekt und steht im Nominativ. Den Mann ist das direkte Objekt (die Person, auf die sich die Handlung richtet) und steht im Akkusativ. Beim maskulinen Artikel wird aus der deshalb den.

5. Die Satzposition mit dem Fall verwechseln

  • Falsch: Heute kommt den Zug.
  • Richtig: Heute kommt der Zug.
  • Warum: Das Subjekt bleibt im Nominativ, auch wenn es nach dem Verb steht. Heute besetzt nur die erste Stelle; es macht der Zug nicht zum Objekt.

6. Nach sein automatisch den Akkusativ verwenden

  • Falsch: Das ist den neuen Chef.
  • Richtig: Das ist der neue Chef.
  • Warum: Sein verbindet hier zwei Bezeichnungen für dieselbe Person. Der neue Chef steht deshalb im Nominativ, nicht im Akkusativ.

Hinweise zum Gebrauch

Bekanntheit entsteht im Gespräch

„Bestimmt“ bedeutet nicht unbedingt, dass ein Gegenstand allgemein berühmt oder einzigartig ist. Entscheidend ist der gemeinsame Zusammenhang. Im Satz Mach bitte das Fenster zu kann das Zimmer nur ein relevantes Fenster haben, oder beide Personen wissen, welches gemeint ist. Wird etwas neu eingeführt, steht häufig zunächst der unbestimmte Artikel: Im Flur steht ein Koffer. Der Koffer gehört Amir.

Nicht jedes Substantiv braucht einen Artikel

Personennamen stehen im neutralen Standarddeutsch meist ohne Artikel: Mara kommt später. In einigen Regionen und in vertrauter Alltagssprache hört man jedoch die Mara oder der Paul. Das kann dort völlig natürlich wirken, ist aber nicht überall üblich und in formellen Texten meist nicht die neutrale Wahl.

Auch Berufs-, Nationalitäts- und Rollenbezeichnungen stehen nach sein oft ohne Artikel, wenn nur die Zugehörigkeit oder Tätigkeit genannt wird: Sie ist Ärztin. Er ist Student. Der bestimmte Artikel erscheint, wenn eine konkrete Identität oder besondere Rolle gemeint ist: Sie ist die Ärztin, die mich operiert hat.

Einige Ländernamen haben fest einen Artikel, andere normalerweise nicht. Man sagt Deutschland liegt in Europa, aber die Schweiz liegt in Europa, die Türkei grenzt an mehrere Länder und die Niederlande sind dicht besiedelt. Bei solchen Namen gehört der Artikel zum Namen und sollte mitgelernt werden.

Groß- und Kleinschreibung

Artikel werden normalerweise kleingeschrieben: der Mann, die Frau, das Kind. Am Satzanfang steht natürlich ein Großbuchstabe: Der Mann wartet. Substantive schreibt man im Deutschen immer groß. Die Schreibweise der mann ist daher falsch, obwohl der Artikel richtig gewählt wurde.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte müssen auf A1 noch nicht aktiv beherrscht werden. Sie erklären aber Formen, die beim Lesen und Hören früh auffallen.

Formgleichheit bedeutet nicht gleicher Fall

Die Formen die und das kommen auch im Akkusativ vor. An der Form allein lässt sich der Kasus daher nicht immer erkennen:

  • Die Katze sieht den Hund. – die Katze ist Nominativ und Subjekt.
  • Den Hund sieht die Katze. – Trotz der ersten Position von den Hund bleibt die Katze das Subjekt.
  • Das Kind öffnet das Fenster. – Das erste das gehört zum Nominativ, das zweite zum Akkusativ.

Satzfunktion, Verb und Zusammenhang zeigen, welche Wortgruppe das Subjekt ist. Beim maskulinen Singular ist der Unterschied sichtbarer: Nominativ der, Akkusativ den.

Nützliche Hinweise auf das Genus

Das Genus muss grundsätzlich mitgelernt werden, doch einige Endungen geben zuverlässige oder häufige Hinweise:

  • Substantive auf -ung, -heit, -keit, -schaft sind feminin: die Wohnung, die Freiheit, die Möglichkeit, die Freundschaft.
  • Verkleinerungen auf -chen und -lein sind neutral: das Brötchen, das Büchlein.
  • Wochentage, Monate und Jahreszeiten sind meist maskulin: der Montag, der Januar, der Sommer.

Bei zusammengesetzten Substantiven bestimmt das letzte Teilwort das Genus: der Bahnhof, weil es der Hof heißt; die Haustür, weil es die Tür heißt; das Schlafzimmer, weil es das Zimmer heißt. Diese Regel macht lange Wörter leichter.

Allgemeine Aussagen mit bestimmtem Artikel

Der bestimmte Artikel kann eine ganze Art oder Gruppe vertreten: Der Wolf ist ein Raubtier. Gemeint ist nicht ein einzelner Wolf, sondern die Tierart. Häufig klingt auch der Plural natürlich: Wölfe leben in Rudeln. Welche Form bevorzugt wird, hängt von Textsorte und Aussage ab.

Bei Stoffen und abstrakten Begriffen steht oft kein Artikel, wenn ganz allgemein gesprochen wird: Wasser ist lebenswichtig. Geduld hilft. Sobald eine bestimmte Menge oder Erscheinungsform gemeint ist, kommt der Artikel zurück: Das Wasser in der Flasche ist warm. Die Geduld der Lehrerin beeindruckt mich.

Substantivierte Wörter

Adjektive und andere Wörter können wie Substantive verwendet werden; dann schreibt man sie groß und der Artikel trägt wichtige Informationen: der Alte, die Bekannte, das Gute, die Reisenden. Das ausgelassene oder mitgedachte Substantiv ergibt sich aus dem Zusammenhang. Die genauen Endungen solcher Formen gehören zu fortgeschrittener Deklination und Nominalisierung.

Betonter Artikel als Hinweis

In der gesprochenen Sprache kann ein stark betontes der, die oder das fast wie dieser/diese/dieses wirken: Nein, der Schlüssel gehört mir! Neutral ausgesprochen ist es ein gewöhnlicher bestimmter Artikel; stark betont hebt es genau dieses Exemplar hervor. In sorgfältigen Texten kann ein Demonstrativwort die beabsichtigte Hervorhebung deutlicher machen.

Übungstipps

  1. Lerne Dreierpakete. Notiere nicht nur Fenster, sondern das Fenster – die Fenster. So werden Genus und Plural von Anfang an Teil des Wortschatzes.
  2. Markiere das Subjekt. Nimm kurze Sätze aus Alltagstexten, unterstreiche die Wortgruppe, über die etwas ausgesagt wird, und prüfe anschließend den Nominativartikel. Verschiebe sie dann: Der Bus kommt heuteHeute kommt der Bus.
  3. Sortiere nach Artikeln. Lege vier Listen für der, die, das und die im Plural an. Ergänze täglich einige häufige Substantive und bilde je einen Satz, in dem die Wortgruppe wirklich Subjekt ist.

Verwandte Themen

Konzepte, die darauf aufbauen

Mehr A1-Konzepte

Dieses Konzept in anderen Sprachen

In allen Sprachen vergleichen

Übe Bestimmte Artikel im Nominativ auf Deutsch mit einem kostenlosen Settemila-Lingue-Konto. Wir richten Deutsch · A1 ein und erstellen Karten genau zu diesem Grammatikkonzept.

Dieses Konzept üben