Japanisch-Grammatik
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Hiragana (ひらがな) ist eine der drei heute verwendeten japanischen Schriften. Die 46 Grundzeichen stehen jeweils für eine Mora (eine kurze rhythmische Einheit) wie a, ki oder mu; mit Zusatzzeichen entstehen Laute wie ga, pa und kyo. Hiragana schreibt unter anderem grammatische Endungen, Partikeln und viele Wörter, für die kein Kanji verwendet wird.
Katakana (カタカナ) geben grundsätzlich dieselben Laute wieder wie Hiragana, sehen aber anders aus. Sie stehen vor allem in Fremdwörtern, ausländischen Namen, Lautmalereien und hervorgehobenen Ausdrücken: コーヒー „Kaffee“, レストラン „Restaurant“, パソコン „Rechner“ und アメリカ „Amerika“. Gelesen wird nicht nach der Schreibweise der Ursprungssprache, sondern nach der japanischen Aussprache.
です steht am Satzende nach einem Nomen oder な-Adjektiv und macht die Aussage höflich: 学生です „Ich bin Student/Studentin“. だ erfüllt diese Aufgabe im einfachen, nicht höflichen Stil: 学生だ. Anders als das deutsche „sein“ verändert sich die japanische Kopula nicht nach Person oder Zahl; wichtig sind stattdessen Zeit, Bejahung oder Verneinung und die gewählte Höflichkeitsstufe.
Japanische Partikeln stehen hinter einem Wort oder einer Wortgruppe und zeigen deren Aufgabe im Satz: は kennzeichnet das Thema, が meist das Subjekt, を das direkte Objekt und に unter anderem Ziel, Empfänger, Aufenthaltsort oder Zeitpunkt. Als erste Orientierung gilt: 私は学生です „Ich bin Studentin/Student“, 猫がいます „Da ist eine Katze“, 本を読みます „Ich lese ein Buch“ und 学校に行きます „Ich gehe zur Schule“.
で steht beim Ort einer Handlung: 図書館で勉強します „Ich lerne in der Bibliothek.“ に bezeichnet den Ort, an dem jemand oder etwas existiert, sowie ein konkretes Ziel: 東京に住んでいます „Ich wohne in Tokio.“ へ (als Partikel e gesprochen) hebt die Richtung einer Bewegung hervor: 駅へ行きます „Ich gehe zum Bahnhof.“
と verbindet eine als vollständig gemeinte Liste: りんごとみかん „Äpfel und Mandarinen“. や nennt nur Beispiele: 本や雑誌 „Bücher, Zeitschriften und Ähnliches“. か bietet Alternativen an oder steht am Satzende als Fragepartikel: コーヒーか紅茶 „Kaffee oder Tee“, 行きますか „Gehst du?“
Die Partikel の verbindet zwei Nomen (Wörter für Personen, Dinge, Orte oder Begriffe): Nomen 1 の Nomen 2. Das erste Nomen beschreibt das zweite näher, etwa in 私の本 „mein Buch“, 日本の食べ物 „japanisches Essen“ oder 木の机 „Holztisch“. Das wichtigste Wort steht dabei am Ende: In 友達のお母さん ist von einer Mutter die Rede, nicht von einem Freund.
Im Japanischen gibt es Wörter wie 私 „ich“, あなた „du/Sie“ und 彼・彼女 „er/sie“. Sie werden jedoch viel seltener ausgesprochen als die deutschen Personalpronomen: Ist aus dem Zusammenhang klar, wer gemeint ist, lässt man sie meist weg. Besonders für „du/Sie“ verwendet man oft lieber den Namen oder die Anrede der betreffenden Person.
Das japanische System こ・そ・あ・ど unterscheidet vier Perspektiven: こ- bezeichnet etwas beim Sprecher, そ- etwas beim Gesprächspartner, あ- etwas von beiden Entferntes und ど- erfragt die passende Möglichkeit. Die Endung zeigt, worauf verwiesen wird: これ ist ein eigenständiges „dies hier“, この + Nomen bedeutet „dieses …“, und ここ bezeichnet einen Ort.
Japanisch verwendet im Alltag vor allem die sinojapanischen Zahlen いち、に、さん. Daneben gibt es für allgemeines Zählen von eins bis zehn die einheimische Reihe ひとつ、ふたつ、みっつ. Größere Zahlen werden regelmäßig aus Zehnern, Hundertern und Tausendern zusammengesetzt; ab 10.000 ist jedoch 万(まん) die entscheidende Einheit.
Im Japanischen steht zwischen einer Zahl und dem Gezählten meist ein passendes Zählwort: drei Menschen heißen 三人(さんにん), drei Blätter 三枚(さんまい) und drei Flaschen 三本(さんぼん). Welches Zählwort passt, hängt vor allem von der Art, Form oder üblichen Einteilung des Gezählten ab; bei einigen Kombinationen verändert sich außerdem die Aussprache.
Japanische Uhrzeiten entstehen meist aus Zahl + 時(じ) für die Stunde und Zahl + 分(ふん/ぷん) für die Minuten: 三時十分(さんじじゅっぷん) bedeutet „3:10 Uhr“. Für „halb“ steht 半(はん) nach der vollen Stunde: 十時半(じゅうじはん) ist 10:30 Uhr. Bei festen Zeitpunkten steht häufig die Partikel に, bei 今日(きょう) „heute“, 明日(あした) „morgen“ und 昨日(きのう) „gestern“ dagegen normalerweise nicht.
Godan-Verben, auch u-Verben genannt, enden in ihrer Wörterbuchform auf einen u-Laut, etwa 書く „schreiben“, 話す „sprechen“ oder 読む „lesen“. Beim Beugen wird nicht einfach etwas angehängt: Das letzte Kana-Zeichen wechselt je nach Form innerhalb seiner Reihe. Für die höfliche ます-Form wird sie auf den i-Laut verschoben: 書く → 書きます, 話す → 話します, 読む → 読みます.
Bei einem Ichidan-Verb wie 食べる lässt man für die meisten Formen das abschließende る weg und hängt die gewünschte Endung an: 食べる → 食べます, 食べない, 食べた, 食べて. Viele Verben auf -いる oder -える gehören zu dieser einfachen Gruppe, aber nicht alle. Für den Einstieg reicht: Stamm bilden, dann zunächst die höflichen Formen mit ます üben.
Japanisch hat nur zwei wirklich unregelmäßige Verben: する „tun, machen“ und 来る(くる) „kommen“. Besonders wichtig ist する, weil es sich mit vielen Nomen zu Verben wie 勉強する „lernen“ verbindet. Bei 来る ändern sich je nach Form nicht nur die Endungen, sondern auch die Lesung des Schriftzeichens 来: くる・きます・こない.
Mit der ます-Form endet ein japanischer Satz höflich und neutral: 食べます bedeutet je nach Zusammenhang „ich esse“, „Sie essen“ oder „ich werde essen“. Die vier Grundformen sind ます (bejahend, nicht vergangen), ません (verneint, nicht vergangen), ました (bejahend, vergangen) und ませんでした (verneint, vergangen).
Japanisch unterscheidet beim Vorhandensein zwischen いる für Menschen und Tiere und ある für Dinge: 猫がいる „Da ist eine Katze“, 本がある „Da ist ein Buch“. Der Ort steht mit に, das Vorhandene meist mit が: 公園に子供がいます „Im Park sind Kinder“.
Japanische い-Adjektive enden in ihrer Grundform auf い und verändern ihre Endung selbst: 高い „teuer“ wird zu 高くない „nicht teuer“, 高かった „war teuer“ und 高くなかった „war nicht teuer“. Vor einem Nomen stehen sie direkt, ohne ein zusätzliches Wort: 高い本 „ein teures Buch“.
Ein Na-Adjektiv steht vor einem Nomen (einem Wort für eine Person, Sache oder einen Ort) mit な: 静かな町 „eine ruhige Stadt“. Als Satzaussage entfällt な: この町は静かです „Diese Stadt ist ruhig“. Verneinung und Vergangenheit werden ähnlich wie bei Nomen mit じゃないです und でした gebildet.
Soll ein japanisches Adjektiv beschreiben, wie etwas geschieht, bekommt es eine adverbiale Form: Bei い-Adjektiven wird das letzte い durch く ersetzt (速い → 速く), bei な-Adjektiven folgt に (静か → 静かに). So entstehen Verbindungen wie 速く走る „schnell laufen“ und 静かに話す „leise sprechen“.
Japanische Fragewörter stehen normalerweise genau dort im Satz, wo in der Antwort die gesuchte Information stehen würde. Man setzt also nicht wie im Deutschen automatisch das Fragewort an den Satzanfang: 駅はどこですか? bedeutet „Wo ist der Bahnhof?“. In höflichen Fragen steht am Ende meist か; die zum Fragewort gehörende Partikel wie が, を, に oder で bleibt erhalten.
Im Japanischen gibt es kein einzelnes Wort, das immer dem deutschen nicht oder kein entspricht. Stattdessen wird das Prädikat am Satzende verändert: Verben erhalten etwa ません oder ない, い-Adjektive くない, und bei Nomen sowie な-Adjektiven stehen Formen wie じゃない oder じゃありません.
Mit Nomen + をください bittest du um eine Sache: 水をください bedeutet „Wasser, bitte“. Mit der て-Form eines Verbs + ください bittest du jemanden um eine Handlung: 待ってください bedeutet „Bitte warten Sie“. Das deutsche Wort „bitte“ lässt sich jedoch nicht in jeder Situation einfach durch ください ersetzen.
Mit Verbstamm + たい sagt man, dass man etwas tun möchte: 行きます → 行きたいです („ich möchte gehen“). ~たい wird ähnlich wie ein japanisches い-Adjektiv verändert: 食べたくないです bedeutet „ich möchte nicht essen“, 食べたかったです „ich wollte essen“. In einer Aussage bezeichnet ~たい normalerweise den eigenen Wunsch; nach dem Wunsch des Gegenübers kann man damit fragen.
Im Japanischen sagt man für „etwas mögen“ meist Xが好きです und für „etwas nicht mögen“ Xが嫌いです. Dabei sind 好き und 嫌い keine Verben wie das deutsche „mögen“, sondern verhalten sich wie Adjektive; das, worauf sich die Vorliebe bezieht, steht im Grundmuster mit が. 大好き verstärkt die Vorliebe, 大嫌い die Abneigung.
とても verstärkt eine Aussage („sehr“), 少し und ちょっと schwächen sie ab („etwas“, „ein bisschen“). Für „nicht besonders“ und „überhaupt nicht“ stehen あまり beziehungsweise 全然 in der Grundregel zusammen mit einer verneinten Form: あまり好きじゃないです und 全然分かりません.
Japanische Häufigkeitsadverbien stehen normalerweise vor dem Verb und verändern ihre Form nicht: いつも食べます bedeutet „ich esse immer“, よく食べます „ich esse oft“. あまり und 全然 werden in der Standardsprache dagegen mit einer verneinten Aussage verbunden: あまり食べません „ich esse nicht oft/viel“ und 全然食べません „ich esse überhaupt nicht“.
Im Japanischen steht より direkt hinter dem Vergleichsmaßstab und entspricht meist dem deutschen „als“: 東京は大阪より大きいです。 bedeutet „Tokio ist größer als Osaka.“ Das Adjektiv erhält dabei keine besondere Steigerungsform. Mit どちら fragt man nach einer von zwei Möglichkeiten, und 〜のほうが hebt die stärker zutreffende oder bevorzugte Seite hervor.
Die Wörter そして, でも, だから, それから und または verbinden Aussagen: Sie ergänzen etwas, drücken einen Gegensatz oder eine Folge aus, ordnen Ereignisse oder stellen Alternativen gegenüber. Für den Anfang funktioniert meist das Muster Satz 1。Konjunktion、Satz 2。; die Wortstellung im zweiten Satz bleibt dabei unverändert.
Die Partikeln ね, よ, か und の stehen am Satzende und zeigen, wie eine Äußerung gemeint ist: ね sucht Gemeinsamkeit, よ hebt eine Mitteilung hervor, か kennzeichnet meist eine Frage und の bildet oft eine lockere erklärende Frage. Sie ändern normalerweise nicht den Sachverhalt, wohl aber Ton, Haltung und Wirkung des Satzes.
Japanische Begrüßungen werden vor allem nach Situation, Tageszeit und Verhältnis zur anderen Person gewählt. Viele sind feste sprachliche Handlungen: いただきます sagt man selbst vor dem Essen, いってきます beim Verlassen des eigenen Zuhauses. Für den Anfang ist es am sichersten, die höflichen Formen wie おはようございます und ありがとうございます als vollständige Einheiten zu lernen.
Im Japanischen hängt die Bezeichnung eines Familienmitglieds davon ab, über wessen Familie man spricht und mit wem man spricht. Gegenüber Außenstehenden heißt die eigene Mutter meist 母(はは), die Mutter des Gegenübers dagegen お母さん(おかあさん); innerhalb der eigenen Familie kann man die eigene Mutter ebenfalls mit お母さん ansprechen.
Die Partikel も steht direkt hinter dem Satzteil, der als weitere Person oder Sache hinzukommt: 私も学生です bedeutet „Ich bin auch Student/in“. Dabei ersetzt も meist は, が oder を. Nach Fragewörtern bildet も zusammen mit einer Verneinung Ausdrücke wie 何もありません („Es gibt nichts“) und 誰も来ません („Niemand kommt“).
から (kara) markiert den Ausgangspunkt und entspricht je nach Zusammenhang meist „von“, „ab“ oder „seit“. まで (made) markiert die Grenze und bedeutet meist „bis“ oder „bis zu“: 九時から五時まで heißt „von neun bis fünf“. Beide Partikeln können zusammen, aber auch einzeln stehen.
Die Partikel に steht nach einem konkreten Zeitpunkt: 七時に „um sieben Uhr“, 月曜日に „am Montag“, 三月に „im März“ oder 2020年に „im Jahr 2020“. Bei relativen Zeitwörtern wie 今日 „heute“ und 明日 „morgen“ sowie bei regelmäßigen Angaben wie 毎日 „jeden Tag“ steht normalerweise kein に.
って markiert in Gesprächen das, was jemand gesagt, gehört oder gedacht hat: 山田さんが来るって。 bedeutet etwa „Ich habe gehört, dass Herr Yamada kommt.“ Es steht außerdem nach einem Wort oder Thema, wenn man dessen Bedeutung erfragt oder darauf zurückkommt: 「寿司」って何ですか? – „Was bedeutet ‚Sushi‘?“ Im neutralen oder formelleren Japanisch verwendet man für Zitate meist と beziehungsweise という.
だけ begrenzt etwas neutral und kann mit einer bejahten oder verneinten Aussage stehen: 水だけください。 bedeutet „Bitte nur Wasser.“ しか hebt stärker hervor, dass es außer dem Genannten nichts gibt, und verlangt danach immer eine verneinte Form: 千円しかありません。 bedeutet sinngemäß „Ich habe nur 1.000 Yen.“
A2 (22)
Die て-Form wird aus der Wörterbuchform eines Verbs gebildet und endet je nach Verb auf て oder で: 書く → 書いて, 読む → 読んで, 食べる → 食べて. Sie hat für sich allein keine Zeitform; sie verbindet ein Verb mit einem weiteren Ausdruck, etwa in 読んでいます („liest gerade“), 読んでください („bitte lies“) oder 起きて、食べます („aufstehen und essen“).
Die Verbindung aus der て-Form eines Verbs + いる kann eine gerade laufende Handlung oder einen bestehenden Zustand ausdrücken: 読んでいる heißt je nach Zusammenhang „liest gerade“, 結婚している dagegen „ist verheiratet“. Im höflichen Stil wird daraus 〜ています. Welche deutsche Übersetzung passt, hängt vor allem von der Bedeutung des Verbs und vom Kontext ab.
Mit der て-Form lassen sich mehrere Handlungen zu einem natürlichen Ablauf verbinden: 起きて、食べて、出かけました bedeutet „Ich stand auf, aß und ging aus“. Nur das letzte Verb zeigt normalerweise Zeit und Höflichkeitsstufe; die vorangehenden て-Formen werden aus dem Zusammenhang mitverstanden. Je nach Situation kann die て-Form außerdem ein Mittel oder einen Begleitumstand ausdrücken, etwa 歩いて行く „zu Fuß hingehen“.
Mit ても drückst du aus, dass etwas trotz einer Bedingung gilt: 雨が降っても行きます。 bedeutet „Ich gehe, selbst wenn es regnet.“ Bei Verben steht も nach der て-Form; bei い-Adjektiven entsteht 〜くても, bei な-Adjektiven und Nomen 〜でも.
Die Wörterbuchform ist die bejahte Gegenwartsform eines Verbs, etwa 食べる „essen“ oder 行く „gehen“. Zur Grundform (普通形) gehören jedoch vier Formen: 食べる, 食べない, 食べた und 食べなかった. Man verwendet sie in lockeren Gesprächen – und auch innerhalb höflicher Sätze vor vielen grammatischen Ausdrücken und vor einem Substantiv.
Die ない-Form ist die einfache, nicht höfliche Verneinung eines japanischen Verbs: 書く wird zu 書かない („nicht schreiben“), 食べる zu 食べない („nicht essen“). Bei Godan-Verben wird die letzte Silbe in die a-Reihe verschoben und ない angefügt; bei Ichidan-Verben fällt る weg. Die wichtigsten Sonderformen sind する → しない, 来る → 来ない und ある → ない.
Die た-Form ist die einfache, nicht höfliche Vergangenheitsform eines Verbs: 食べる → 食べた „essen → aß/habe gegessen“. Ihre Lautwechsel entsprechen der て-Form; dabei wird て zu た und で zu だ. Sie steht nicht nur in lockeren Aussagen, sondern auch vor Nomen und in festen Mustern wie 〜たことがある „schon einmal getan haben“.
Im Japanischen steht die nähere Beschreibung vor dem Nomen: 昨日買った本 bedeutet „das Buch, das ich gestern gekauft habe“. Das Verb steht dabei in der schlichten Form, und ein Relativpronomen wie „der“, „die“ oder „das“ gibt es nicht. Welche Rolle das beschriebene Nomen im Relativsatz hat, ergibt sich aus dem Zusammenhang.
Die Partikel と markiert im Japanischen den Inhalt einer Äußerung oder eines Gedankens. Vor と steht bei der indirekten Wiedergabe normalerweise die neutrale Form: 行くと言いました „Er/Sie sagte, dass er/sie geht“ und 雨だと思います „Ich glaube, dass es regnet“. Ein japanischer Satz mit と entspricht daher oft einem deutschen Satz mit „dass“, einem direkten Zitat oder einer Formulierung wie „ich denke, …“.
Mit Verb in der た-Form + ことがある sagst du, dass jemand etwas irgendwann schon einmal getan oder erlebt hat: 日本に行ったことがあります。 „Ich war schon einmal in Japan.“ Für „noch nie“ verwendest du 〜たことがない beziehungsweise höflich 〜たことがありません.
Mit Verb in der Wörterbuchform + ことができる sagt man, dass jemand etwas tun kann oder dass eine Handlung möglich ist: 日本語を話すことができます bedeutet „Ich kann Japanisch sprechen“. Für die Verneinung wird nur できる verändert: ことができない beziehungsweise höflich ことができません. Die Konstruktion klingt meist ausführlicher und formeller als die kürzere Potentialform wie 話せる.
とき bezeichnet den Zeitpunkt oder die Situation, in der etwas geschieht. Davor stehen Verben in der einfachen Form, い-Adjektive direkt, な-Adjektive mit な und Nomen mit の: 行くとき, 寒いとき, 暇なとき, 子供のとき. Bei Verben zeigt 行くとき meist einen Zeitpunkt vor oder während des Losgehens, während 行ったとき die Handlung als bereits geschehen betrachtet.
Für „bevor man etwas tut“ steht das Verb in der Wörterbuchform vor 前に: 食べる前に („vor dem Essen“). Für „nachdem man etwas getan hat“ steht es in der た-Form vor 後で oder 後に: 食べた後で („nach dem Essen“). Entscheidend ist also nicht die Zeit des ganzen Satzes, sondern ob die Handlung vor 前 noch bevorsteht oder vor 後 bereits abgeschlossen ist.
Mit Verbstamm + ながら drückt man aus, dass dieselbe Person zwei Handlungen gleichzeitig ausführt: 音楽を聞きながら勉強します。 bedeutet „Ich lerne, während ich Musik höre.“ Die wichtigere Handlung steht am Satzende; nur das letzte Verb zeigt Zeitform und Höflichkeitsstufe.
Mit 〜たら drückst du aus: Wenn, falls oder sobald A eintritt, folgt B. Du setzt ein Verb, Adjektiv oder Nomen in die passende Vergangenheitsform und hängst ら an: 終わったら教えてください „Sag mir bitte Bescheid, wenn du fertig bist.“ Trotz der Form mit た kann die Bedingung in der Zukunft liegen.
Mit なる beschreibst du, dass jemand oder etwas einen neuen Zustand erreicht: 暖かくなる „warm werden“, 静かになる „ruhig werden“, 医者になる „Arzt werden“. Mit する drückst du aus, dass jemand einen Zustand gezielt herbeiführt oder eine Wahl trifft: 部屋を暖かくする „das Zimmer warm machen“, コーヒーにする „sich für Kaffee entscheiden“.
Im Japanischen hängt das Verb davon ab, aus wessen Blickrichtung ein Geschenk betrachtet wird: あげる bewegt etwas vom Sprecher oder einer betrachteten Person weg, くれる bringt es zum Sprecher oder zu einer ihm nahestehenden Person, und もらう beschreibt den Vorgang aus Sicht des Empfängers. Darum kann das deutsche „geben“ je nach Richtung sowohl あげる als auch くれる entsprechen.
An die て-Form eines Verbs wird あげる, くれる oder もらう angehängt. てあげる blickt vom Helfenden zur begünstigten Person, てくれる von einer anderen Person zu mir oder meiner Gruppe und てもらう aus der Sicht der Person, die die hilfreiche Handlung erhält.
Mit Nomen + が欲しい sagst du, dass du etwas haben möchtest: 新しいパソコンが欲しいです。 Mit Verb in der て-Form + ほしい drückst du aus, dass eine andere Person etwas tun soll: 手伝ってほしいです。 Für eine Handlung, die du selbst ausführen möchtest, verwendest du dagegen normalerweise 〜たい.
Mit Kurzform + そうです gibst du Informationen weiter, die du gehört oder gelesen hast: 明日は雨だそうです。 bedeutet „Ich habe gehört, dass es morgen regnet.“ Bei Nomen und な-Adjektiven steht vor そうです ein だ; diese Hörensagen-Konstruktion darf nicht mit dem ähnlich aussehenden そう für einen unmittelbaren Eindruck verwechselt werden.
Mit そう sagen Sie, wie etwas aufgrund eines unmittelbar wahrnehmbaren Anzeichens aussieht oder was gleich zu geschehen scheint. Bei い-Adjektiven entfällt das letzte い (おいしい → おいしそう), bei な-Adjektiven folgt そう direkt auf den Stamm (元気 → 元気そう), und bei Verben steht es am ます-Stamm (降ります → 降りそう).
ように verbindet eine Handlung mit einem angestrebten Ergebnis: 忘れないように書きます bedeutet „Ich schreibe es auf, damit ich es nicht vergesse“. Es kann außerdem „so, wie …“ oder „wie …“ ausdrücken: 言ったように „so, wie ich gesagt habe“ und 鳥のように „wie ein Vogel“. Vor einem Substantiv steht dagegen ような.
B1 (21)
Die japanische Potentialform drückt aus, dass jemand etwas kann oder dass eine Handlung unter den gegebenen Umständen möglich ist. Bei Godan-Verben wird die letzte Silbe in die e-Reihe verschoben und る angefügt: 書く → 書ける. Bei Ichidan-Verben ersetzt られる die Endung る: 食べる → 食べられる; die wichtigsten Sonderformen sind する → できる und 来る → 来られる.
Das japanische Passiv wird direkt am Verb gebildet: 書く wird zu 書かれる, 食べる zu 食べられる und する zu される. Wer die Handlung ausführt, steht meist mit に; wer sie erfährt, wird zum Thema oder Subjekt des Satzes. Anders als im Deutschen kann das Passiv außerdem ausdrücken, dass jemand durch ein Ereignis persönlich betroffen oder beeinträchtigt wurde.
Die Kausativform 使役形(しえきけい) drückt aus, dass jemand eine andere Person etwas tun lässt, sie dazu veranlasst oder zwingt: 食べる wird zu 食べさせる, „essen lassen“. Ob Erlaubnis oder Zwang gemeint ist, ergibt sich vor allem aus Situation, Wortwahl und Partikeln – die Form allein entscheidet das nicht.
Die 使役受身形(しえきうけみけい) drückt aus, dass jemand eine Handlung auf Veranlassung einer anderen Person ausführen musste: 飲む → 飲ませられる → 飲まされる „zum Trinken gebracht werden“. Bei 五段-Verben ist die verkürzte Form auf 〜される im Alltag besonders häufig; 一段-Verben behalten normalerweise 〜させられる.
Die Form mit ば drückt eine Bedingung aus: Wenn die Bedingung erfüllt ist, gilt oder folgt das Ergebnis. Bei Godan-Verben wird die letzte Silbe in die e-Reihe verschoben und ば angehängt, etwa 書く → 書けば; Ichidan-Verben verlieren る und erhalten れば, etwa 食べる → 食べれば. Besonders natürlich ist die Form bei allgemeinen Zusammenhängen, Voraussetzungen und hypothetischen Überlegungen.
Mit なら greifst du eine angenommene oder bereits erwähnte Voraussetzung auf: 日本に行くなら、京都がおすすめです。 „Wenn du nach Japan fährst, empfehle ich Kyoto.“ Anders als ein allgemeines deutsches „wenn“ signalisiert なら oft: „Wenn das wirklich dein Plan ist / wenn das der Fall ist, dann …“. Deshalb eignet sich die Form besonders für Ratschläge, Bewertungen und Reaktionen auf das Gesagte des Gegenübers.
Die Struktur schlichte Nichtvergangenheitsform + と verbindet eine Bedingung mit einer Folge, die regelmäßig, natürlich oder automatisch eintritt: 春になると、桜が咲きます。 „Wenn es Frühling wird, blühen die Kirschbäume.“ Für einen eigenen Entschluss, eine Aufforderung oder einen Wunsch in der Folge verwendet man normalerweise nicht と, sondern zum Beispiel たら.
Die japanische 命令形(めいれいけい), die Befehlsform, drückt einen sehr direkten Befehl aus: 書け „Schreib!“, 食べろ „Iss!“ oder 来い „Komm!“. Ein Verbot bildet man anders, nämlich mit der Wörterbuchform plus な: 触るな „Nicht anfassen!“. Diese Formen wirken meist erheblich schroffer als ein deutscher Imperativ und gehören deshalb nicht zur neutralen Alltagshöflichkeit.
Die Volitionalform (意向形, いこうけい) drückt einen Entschluss oder einen Vorschlag aus: 行こう kann je nach Situation „Gehen wir!“ oder „Ich werde gehen“ bedeuten. Godan-Verben wechseln zur o-Reihe plus う, Ichidan-Verben verlieren る und erhalten よう. Die höfliche Entsprechung für gemeinsame Vorschläge lautet ~ましょう.
Mit Willensform + と思う äußerst du eine eigene Absicht auf zurückhaltende Weise: 帰ろうと思います bedeutet etwa „Ich denke, ich werde nach Hause gehen“. ~ようと思っています bezeichnet meist einen Plan, den du schon eine Weile hast: 日本で働こうと思っています – „Ich habe vor, in Japan zu arbeiten“.
Mit Verb in der Wörterbuchform + つもりです sagst du, was du fest vorhast: 来年結婚するつもりです。 bedeutet „Ich habe vor, nächstes Jahr zu heiraten.“ Eine verneinte Absicht bildest du mit ない-Form + つもりです oder besonders deutlich mit Wörterbuchform + つもりはありません.
Mit はず formuliert man eine Erwartung, die sich aus einem Grund, bekannten Tatsachen oder einer logischen Schlussfolgerung ergibt: 彼は来るはずです。 bedeutet etwa „Er müsste eigentlich kommen.“ Vor はず stehen Verben und い-Adjektive in der einfachen Form, な-Adjektive mit な und Nomen mit の. ~ないはず heißt „es ist zu erwarten, dass nicht …“, während ~はずがない „es kann unmöglich …“ ausdrückt.
らしい hat zwei wichtige Aufgaben. Nach einer Aussage bedeutet es meist „anscheinend“, „offenbar“ oder „es heißt, dass“ und stützt sich auf Informationen oder Hinweise von außen: 明日は雨らしい – „Morgen regnet es anscheinend.“ Nach einem Nomen kann es außerdem „typisch für …“ oder „einem … angemessen“ bedeuten: 彼女らしい考え方 – „eine für sie typische Denkweise“.
ようだ und みたいだ drücken entweder eine begründete Vermutung („es scheint, als ob …“) oder eine Ähnlichkeit („wie …“) aus. ようだ wirkt neutral bis eher schriftsprachlich, みたいだ ist typisch für lockere Gespräche. Vor einem Substantiv stehen ような・みたいな, vor einem Verb ように・みたいに.
Das japanische 敬語(けいご) besteht in der Grundgliederung aus drei Bereichen: 尊敬語(そんけいご) hebt die Handlung einer anderen Person hervor, 謙譲語(けんじょうご) stellt die eigene oder gruppeneigene Handlung zurück, und 丁寧語(ていねいご) macht die Aussage gegenüber dem Gegenüber höflich. Entscheidend ist daher nicht nur, mit wem man spricht, sondern auch, über wessen Handlung man spricht.
Mit 尊敬語(そんけいご) stellt man die Handlung oder den Zustand einer Person, der Respekt gilt, sprachlich höher. Dafür verwendet man vor allem お/ご + Verbstamm + になる oder besondere Verben wie いらっしゃる, おっしゃる, ご覧になる und 召し上がる. Entscheidend ist nicht nur, mit wem man spricht, sondern vor allem, wessen Handlung beschrieben wird.
Mit 謙譲語(けんじょうご) stellt man Handlungen der eigenen Seite sprachlich zurück und erweist dadurch einer anderen Person Respekt. Typische Formen sind お/ご + Verbstamm + する sowie Sonderverben wie 伺う, 申す, いたす und 拝見する. Entscheidend ist nicht bloß, wer handelt, sondern ob die Handlung auf eine respektierte Person gerichtet ist.
のに verbindet zwei Sachverhalte, die aus Sicht der sprechenden Person nicht recht zusammenpassen: 薬を飲んだのに、まだ熱があります。 bedeutet „Obwohl ich Medizin genommen habe, habe ich immer noch Fieber.“ Anders als ein neutrales deutsches „obwohl“ lässt のに oft Enttäuschung, Verwunderung, Bedauern oder einen leichten Vorwurf mitschwingen.
Sowohl から als auch ので verbinden einen Grund mit seiner Folge. から stellt den Grund eher aus Sicht der sprechenden Person dar und klingt oft direkt; ので präsentiert ihn eher als gegebenen Umstand und wirkt meist weicher oder höflicher. Bei Nomen und な-Adjektiven lautet die Verbindung in der Gegenwart だから, aber なので.
Mit し reihst du mehrere Gründe oder Eigenschaften aneinander: 安いし、おいしいし bedeutet je nach Zusammenhang „günstig und außerdem lecker“ oder „weil es günstig und lecker ist“. Auch ein einziges し ist möglich; dann klingt häufig mit, dass der genannte Punkt nicht der einzige Grund ist. Vor し steht meist die neutrale Form, in höflicher Rede sind aber auch ですし und ますし üblich.
ために hat zwei Hauptbedeutungen: Es nennt entweder einen Zweck („um … zu“, „für“) oder eine Ursache („wegen“, „aufgrund“). Vor einem Zweck steht häufig die Wörterbuchform eines Verbs oder Nomen + の; bei einer Ursache zeigt der Zusammenhang, dass keine Absicht gemeint ist: 日本語を学ぶために日本に来ました („Ich kam nach Japan, um Japanisch zu lernen“) gegenüber 台風のために電車が止まりました („Wegen des Taifuns fiel der Zugverkehr aus“).
B2 (14)
Beim japanischen indirekten Passiv wird nicht unbedingt die Sache zum Subjekt, an der die Handlung geschieht. Stattdessen rückt die betroffene Person in den Mittelpunkt: 私は隣の人にタバコを吸われました。 bedeutet sinngemäß „Die Person neben mir rauchte, und ich war dadurch beeinträchtigt.“ Meist schwingt Ärger, Schaden, Hilflosigkeit oder zumindest unerwünschte Betroffenheit mit.
Der japanische Kausativ kann nicht nur Zwang, sondern auch Erlaubnis ausdrücken: 子供に遊ばせる kann „das Kind spielen lassen“ bedeuten. Besonders deutlich wird die erlaubende Bedeutung durch Verbindungen wie 〜させてあげる („jemanden etwas tun lassen“), 〜させてくれる („mich/uns etwas tun lassen“) und 〜させてもらう („etwas tun dürfen“). Ob Erlaubnis oder Zwang gemeint ist, ergibt sich aus Perspektive, Partikeln und Kontext – nicht aus der Verbform allein.
Die Verbform direkt vor ところ zeigt die Phase einer Handlung: 食べるところ bedeutet „kurz davor sein zu essen“, 食べているところ „gerade beim Essen sein“ und 食べたところ „soeben gegessen haben“. Im Deutschen kann in allen drei Fällen „gerade“ vorkommen; im Japanischen muss die Verbform dagegen eindeutig zwischen noch nicht, im Verlauf und schon beendet unterscheiden.
ばかり hat je nach Satzbau mehrere Bedeutungen. Verb in der た-Form + ばかり heißt „gerade erst getan“, Verb in der て-Form + ばかりいる beschreibt ein einseitig wiederholtes Verhalten, und ばかりか / ばかりでなく verbindet zwei Aussagen im Sinn von „nicht nur …, sondern auch …“. Welche Bedeutung gemeint ist, erkennt man daher vor allem an der Form direkt vor und nach ばかり.
Verb + ようにする beschreibt ein bewusstes Bemühen oder eine gezielte Vorkehrung: Man sorgt dafür, dass etwas geschieht. Verb + ようになる richtet den Blick dagegen auf das Ergebnis einer Veränderung: Etwas ist allmählich möglich oder zur Gewohnheit geworden. Besonders häufig stehen beide Muster mit der Wörterbuchform, der ない-Form oder einer Potenzialform.
わけ bezeichnet ursprünglich einen Grund, einen Zusammenhang oder die logische Bedeutung einer Sache. In festen Mustern drückt es eine nachvollziehbare Schlussfolgerung (わけだ), entschiedene Unmöglichkeit (わけがない), eine eingeschränkte Verneinung (わけではない) oder eine durch Umstände auferlegte Grenze (わけにはいかない) aus. Die vier Formen ähneln sich äußerlich, erfüllen aber deutlich verschiedene Aufgaben.
もの (mono, „Sache“) bildet mehrere feste Ausdrücke: Am Satzende begründet もの/もん eine Aussage, ものだ beschreibt eine allgemeine Regel, ものか weist etwas entschieden zurück und ものなら stellt eine schwer erfüllbare Bedingung auf. Entscheidend ist deshalb nicht die wörtliche Bedeutung „Sache“, sondern die Form, die auf もの folgt, und der Gesprächskontext.
Mit こと lässt sich eine ganze Handlung wie eine Sache behandeln. So entstehen vier wichtige Muster: ことにする bezeichnet eine eigene Entscheidung, ことになる eine Festlegung oder Entwicklung, ことはない bedeutet „nicht nötig sein“ und ことだ gibt einen nachdrücklichen Rat.
Mit Verb in der て-Form + しまう kennzeichnest du eine Handlung als vollständig abgeschlossen oder als unerwünscht, versehentlich beziehungsweise bedauerlich. So kann 食べてしまった je nach Zusammenhang „vollständig aufgegessen“ oder „leider/aus Versehen gegessen“ bedeuten. Im lockeren Gespräch werden てしまう und でしまう meist zu ちゃう und じゃう verkürzt.
Mit Verb in der て-Form + おく wird eine Handlung bewusst mit Blick auf später ausgeführt: Man erledigt etwas im Voraus oder lässt das Ergebnis absichtlich bestehen. So bedeutet 予約しておく je nach Zusammenhang „vorsorglich reservieren“ oder „schon einmal reservieren“, während 窓を開けておく heißt, dass man das Fenster offen lässt. Im lockeren Gespräch werden ておく und でおく häufig zu とく und どく verkürzt.
Mit Verb in der て-Form + みる drückst du aus, dass jemand etwas tatsächlich ausprobiert, um zu erfahren, wie es ist oder was dabei herauskommt: 食べてみる heißt etwa „(es) einmal probieren“. Das zweite Verb みる trägt alle weiteren Endungen: 食べてみた „ich habe es probiert“, 食べてみたい „ich würde es gern probieren“.
Verb in der て-Form + いく beschreibt eine Bewegung vom Bezugspunkt weg oder eine Entwicklung, die ab einem Zeitpunkt weiterläuft. Verb in der て-Form + くる beschreibt eine Bewegung zum Bezugspunkt hin oder eine Entwicklung, die bis zum Bezugspunkt gelangt: 持っていく „mitnehmen“, 持ってくる „mitbringen“, 寒くなってきた „es ist allmählich kalt geworden“.
Mit 〜ていただく stellt man eine Handlung des Gegenübers als freundliche Leistung dar, die man selbst oder die eigene Seite empfängt. 〜させていただく bezeichnet dagegen die eigene Handlung als etwas, wozu man Erlaubnis oder Gelegenheit erhält. In formellen Bitten werden beide oft mit いただけますか oder いただけませんか kombiniert.
時(とき) ist die allgemeine und stilistisch neutrale Wahl für „wenn“ oder „als“. 際(さい) bezeichnet einen konkreten Anlass in sachlicher, formeller Sprache, während 折(おり) gehoben und oft briefsprachlich klingt und einen passenden Anlass oder eine Gelegenheit hervorhebt. Typische Verbindungen sind Verb + 際/折/時 und Substantiv + の + 際/折/時.
C1 (10)
Die Formen べし, ごとし, たり und なり gehören zur klassischen beziehungsweise bewusst altertümlichen Schriftsprache. Heute begegnen sie vor allem in Sprichwörtern, feierlichen Aussagen, Literatur, Überschriften und festen Wendungen: べし drückt unter anderem Pflicht aus, ごとし einen Vergleich, たり Abschluss oder einen fortbestehenden Zustand und なり eine nachdrückliche Feststellung.
Der である-Stil ist ein sachlicher japanischer Schreibstil für Abhandlungen, Berichte, Kommentare und erklärende Texte. Nach Nomen und な-Adjektiven steht häufig である; Verben und い-Adjektive erscheinen in ihrer neutralen Form, also ohne です・ます. Wendungen wie における und に関して verdichten zusätzlich den Ausdruck, sind aber keine bloßen Schmuckformen.
Zusammengesetzte Partikeln wie において, に対して, について, によって, にとって und をもとに verbinden ein Nomen mit dem Rest des Satzes und drücken dabei präzise Beziehungen aus: Ort oder Rahmen, Zielrichtung, Thema, Mittel oder Ursache, Blickwinkel und Grundlage. Im Deutschen kann dieselbe Form je nach Zusammenhang mit „in“, „gegenüber“, „über“, „durch“, „für“ oder „auf der Grundlage von“ wiedergegeben werden. Entscheidend ist deshalb nicht eine einzelne Übersetzung, sondern die Funktion im Satz.
Die Ausdrücke ものの, つつ, ながらも, すなわち, いわば und とはいえ verknüpfen Gedanken präziser als ein allgemeines „aber“ oder „und“. ものの, つつ(も), ながらも und とはいえ markieren unterschiedliche Arten von Einräumung und Gegensatz; すなわち formuliert etwas genauer oder gleichbedeutend neu, während いわば eine bildhafte Einordnung als „sozusagen“ ankündigt. Entscheidend sind nicht nur Bedeutung und Anschlussform, sondern auch Textsorte und Ton.
Mit ところ、限り、以上、反面 und 上 fasst das Japanische einen ganzen Sachverhalt wie eine benennbare Einheit zusammen und ordnet ihn logisch ein: als Beobachtung, Wissensgrenze, feststehende Voraussetzung, Kehrseite oder fachlichen Gesichtspunkt. Die Form vor dem jeweiligen Ausdruck und die beabsichtigte Beziehung entscheiden darüber, welches Muster passt; die fünf Formen sind daher nicht frei austauschbar.
Die vier Ausdrücke setzen unterschiedliche Akzente: ではないか stellt eine nachdrückliche oder vorsichtige Gegenfrage, てならない beschreibt ein nicht abstellbares Gefühl, ずにはいられない einen unwiderstehlichen Handlungsimpuls und といったところだ eine ungefähre, nüchterne Einschätzung. Sie sind daher keine frei austauschbaren Entsprechungen deutscher Wendungen wie „nicht wahr?“, „ich kann nicht anders“ oder „ungefähr“.
Japanisch kennzeichnet wiedergegebene Aussagen meist mit der Zitierpartikel と und einer Form wie ということだ, とのことだ oder と伝えられている. Anders als im Deutschen braucht man dafür keinen Konjunktiv: Entscheidend sind die Form vor と, eine passende Perspektive und die deutliche Kennzeichnung der Informationsquelle.
Die Muster ようものなら, としたら/とすれば, ないことには und 限り drücken nicht einfach nur „wenn“ aus. Sie zeigen zusätzlich, ob eine unerwünschte Möglichkeit, eine gedankliche Annahme, eine notwendige Voraussetzung oder eine zeitliche beziehungsweise sachliche Grenze gemeint ist. Entscheidend ist deshalb nicht die deutsche Übersetzung, sondern die Haltung des Sprechers zur Bedingung.
Professionelle Bitten werden im Japanischen häufig in drei Schritten aufgebaut: Man würdigt zuerst die Umstände des Gegenübers, nennt dann die gewünschte Handlung und schließt mit einer zurückhaltenden Bitte. Wendungen wie お忙しいところ恐れ入りますが, ご検討のほど und 〜ていただければ幸いです machen die Bitte nicht unklar, sondern zeigen Respekt und verringern den sprachlichen Druck.
Japanische Nachrichten trennen sprachlich deutlich zwischen bestätigten Befunden, Angaben einer Quelle und Einschätzungen. Dafür stehen unter anderem ことが分かった („es stellte sich heraus“), という („wie es heißt; laut einer Quelle“) und とみられる/ものとみられる („es wird angenommen; voraussichtlich“). Hinzu kommen knappe Überschriften, neutrale Satzschlüsse und die häufige Auslassung bereits bekannter Personen oder Institutionen.
C2 (8)
Die Formen ぬ・ず, し, けり und らむ gehören zur klassischen japanischen Grammatik. Heute begegnen sie vor allem in älterer Literatur, Gedichten, Sprichwörtern, festen Wendungen und bewusst altertümlichem Stil: ず/ぬ verneinen, し blickt als Attributivform auf Vergangenes zurück, けり erzählt oder markiert eine Erkenntnis, und らむ drückt eine Vermutung über die Gegenwart aus.
Japanische Texte erzeugen Nachdruck nicht nur durch Wortwahl, sondern auch durch bewusst markierte Satzformen. 倒置 stellt einen Satzteil überraschend nach, 体言止め endet auf einem Nomen, 反語 kleidet eine starke Aussage in eine Frage und 対句 ordnet zwei Gedanken parallel. Entscheidend ist auf C2-Niveau weniger das bloße Erkennen der Form als die Frage: Welche Wirkung erzielt sie in genau diesem Text?
Japanische Dialekte unterscheiden sich nicht nur in der Aussprache, sondern auch in Verneinungen, Kopulaformen und Satzpartikeln. Besonders gut erkennbar sind etwa へん・や・ねん im Kansai-Gebiet, べ・んだ in Teilen Tōhokus sowie ばい・たい・けん in Teilen Kyūshūs. Diese Formen sind regionale Hinweise, aber keine zuverlässigen Etiketten für jede Person aus einer ganzen Region.
Japanische wissenschaftliche Texte verbinden meist die sachliche である体 mit klarer Quellenkennzeichnung, zurückhaltenden Schlussfolgerungen und einem sichtbar gegliederten Gedankengang. Typische Formulierungen wie 本稿では〜を検討する, 〜と考えられる und 田中(2020)は〜と指摘している zeigen, was untersucht wird, wie sicher eine Aussage ist und wem eine fremde Position zuzurechnen ist.
Japanische Rechts- und Amtstexte drücken Pflichten, Befugnisse, Ausnahmen und Verweisungen mit festen Formeln aus. Besonders wichtig sind ものとする für eine verbindliche Festlegung, ことができる für eine rechtliche Befugnis, 妨げない für den Fortbestand einer Möglichkeit und この限りでない für eine Ausnahme von der unmittelbar vorher genannten Regel. Beim Lesen zählt deshalb weniger eine möglichst wörtliche Übersetzung als die genaue Funktion jeder Formel.
Japanische literarische Prosa entsteht nicht durch eine einzelne „literarische Zeitform“, sondern durch das Zusammenspiel von Perspektive, Aspekt, Satzlänge, Auslassungen, Wortwahl und Klang. Besonders wichtig ist der Wechsel zwischen 〜た und 〜ていた, zwischen vollständigen Sätzen und bewusst gesetzten Fragmenten sowie zwischen Erzählerstimme und Figurenstimme. Auf C2-Niveau geht es vor allem darum, solche Entscheidungen beim Lesen zu deuten und sie beim eigenen Schreiben gezielt statt zufällig einzusetzen.
Japanische Wendungen wie 虫がいい, 腹が立つ, 目が高い und 口が堅い bestehen aus alltäglichen Wörtern, ihre Gesamtbedeutung lässt sich aber nicht zuverlässig Wort für Wort erschließen. Entscheidend sind die feste Wortverbindung, die dazugehörigen Partikeln und die soziale Wirkung: 虫がいい kritisiert, 目が高い lobt, während 腹が立つ und 口が堅い meist neutral beschreiben.
Im Japanischen liegt die entscheidende Botschaft oft nicht allein im Wortlaut, sondern in Situation, Beziehung, Tonfall und dem, was unausgesprochen bleibt. Formulierungen wie ちょっと難しいですね können deshalb statt „Das ist etwas schwierig“ eine höfliche, aber klare Absage bedeuten. Pragmatische Kompetenz heißt, solche Signale im Zusammenhang zu deuten und das eigene Sprechen an Person, Ort und Zweck anzupassen.
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