A1

Hiragana: die japanische Grundschrift

ひらがな

Dieser Artikel ist Teil des Japanisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Hiragana (ひらがな) ist eine der drei heute verwendeten japanischen Schriften. Die 46 Grundzeichen stehen jeweils für eine Mora (eine kurze rhythmische Einheit) wie a, ki oder mu; mit Zusatzzeichen entstehen Laute wie ga, pa und kyo. Hiragana schreibt unter anderem grammatische Endungen, Partikeln und viele Wörter, für die kein Kanji verwendet wird.

Überblick

Hiragana ist der beste Einstieg in die japanische Schrift und gehört zum Lernstoff der Stufe A1. Anders als das deutsche Alphabet bildet es keine einzelnen Konsonanten und Vokale ab. Die meisten Zeichen stehen für eine Verbindung aus Konsonant und Vokal: か ist ka, き ist ki. Nur die fünf Vokale und ん bilden jeweils eine eigene Einheit. Alle Grundzeichen zusammen heißen Gojūon (ごじゅうおん), wörtlich „Fünfzig-Laute-Tafel“. Die moderne Standardsprache verwendet darin 46 Grundzeichen; einige Plätze der historischen Tafel sind leer.

Im Japanischen stehen Hiragana neben Kanji (かんじ), also Schriftzeichen mit eigener Bedeutung, und Katakana (カタカナ), einer zweiten Lautschrift vor allem für Fremdwörter. Ein Satz kann alle drei Systeme enthalten: わたしはベルリンでドイツごをべんきょうします。 Hier sind grammatische Bestandteile und einheimische Wörter in Hiragana geschrieben, ベルリン und ドイツ in Katakana. In üblichen Texten würde man manche Wörter zusätzlich mit Kanji schreiben.

Für deutschsprachige Lernende ist eine Umstellung besonders wichtig: Nicht deutsche Buchstabenfolgen, sondern gleich lange rhythmische Einheiten bestimmen den Klang. きょ (kyo) zählt als eine Mora, きよ (ki-yo) dagegen als zwei. Deshalb lohnt es sich, Hiragana direkt mit ihrem japanischen Laut zu lernen und lateinische Umschrift nur vorübergehend als Stütze zu verwenden.

So funktioniert es

Die fünf Vokale

Die fünf Vokale bilden das Gerüst der gesamten Tafel. Sie werden relativ klar und gleichmäßig gesprochen; ein japanisches e gleitet also nicht automatisch in einen zweiten Vokal über.

Hiragana Umschrift Annäherung für Deutschsprachige
a etwa wie a in „Mann“
i etwa wie i in „Igel“, aber kurz möglich
u ein kurzes, wenig gerundetes u; nicht ganz wie deutsches u
e etwa wie kurzes e in „Bett“
o ein klares o, ohne zusätzlichen Gleitlaut

Die deutschen Vergleiche sind nur Näherungen. Entscheidend ist, Originalaufnahmen zu hören und die fünf Vokale stets in derselben Reihenfolge zu üben: あ・い・う・え・お.

Die 46 Grundzeichen

Die Tafel ist nach Vokalen in Spalten und nach Anfangslauten in Reihen geordnet. Ein Strich zeigt, dass es in der modernen Standardsprache dort kein Grundzeichen gibt.

Reihe a i u e o
Vokal a i u e o
k ka ki ku ke ko
s sa shi su se so
t ta chi tsu te to
n na ni nu ne no
h ha hi fu he ho
m ma mi mu me mo
y ya yu yo
r ra ri ru re ro
w wa wo
einzeln n

Einige Umschriften weichen sichtbar vom regelmäßigen Muster ab: し ist shi, ち ist chi, つ ist tsu und ふ ist fu. Das japanische r der Reihe ら・り・る・れ・ろ ist weder das deutsche Zungen-r noch das deutsche Rachen-r; die Zunge berührt den Zahndamm nur sehr kurz. Bei ふ entsteht der Laut mit beiden Lippen und klingt deshalb nicht genau wie deutsches f.

を wird traditionell wo umschrieben, in der modernen Standardsprache als Partikel jedoch gewöhnlich wie お, also o, ausgesprochen. ん ist eine eigene Mora. Seine genaue Aussprache passt sich an den folgenden Laut an; am Anfang genügt es, ん als eigene rhythmische Einheit wahrzunehmen.

Stimmhafte Laute: Dakuten und Handakuten

Zwei kleine Striche oben rechts heißen Dakuten (だくてん). Sie machen bestimmte Anfangslaute stimmhaft: Aus k wird g, aus s wird z und so weiter. Ein kleiner Kreis heißt Handakuten (はんだくてん) und bildet die p-Reihe.

Grundreihe Mit Zusatzzeichen Umschrift
か き く け こ が ぎ ぐ げ ご ga, gi, gu, ge, go
さ し す せ そ ざ じ ず ぜ ぞ za, ji, zu, ze, zo
た ち つ て と だ ぢ づ で ど da, ji, zu, de, do
は ひ ふ へ ほ ば び ぶ べ ぼ ba, bi, bu, be, bo
は ひ ふ へ ほ ぱ ぴ ぷ ぺ ぽ pa, pi, pu, pe, po

Die Zeichen じ und ぢ werden in der Standardsprache meist gleich ausgesprochen; dasselbe gilt für ず und づ. In häufigen Wörtern begegnen dir fast immer じ und ず. Die selteneren Zeichen ぢ und づ entstehen unter anderem in bestimmten Wortverbindungen oder Lautwechseln, etwa はなぢ „Nasenbluten“ und つづく „andauern“.

Verbindungen mit kleinen ゃ, ゅ und ょ

Ein i-Zeichen wie き, し oder に kann mit einem kleinen ゃ, ゅ oder ょ verbunden werden. Solche Verbindungen heißen Yōon (ようおん). Die beiden Zeichen werden zusammen als eine Mora gesprochen.

Reihe mit ゃ mit ゅ mit ょ
k きゃ kya きゅ kyu きょ kyo
g ぎゃ gya ぎゅ gyu ぎょ gyo
s しゃ sha しゅ shu しょ sho
j じゃ ja じゅ ju じょ jo
ch ちゃ cha ちゅ chu ちょ cho
n にゃ nya にゅ nyu にょ nyo
h ひゃ hya ひゅ hyu ひょ hyo
b びゃ bya びゅ byu びょ byo
p ぴゃ pya ぴゅ pyu ぴょ pyo
m みゃ mya みゅ myu みょ myo
r りゃ rya りゅ ryu りょ ryo

Die Größe ist bedeutungsentscheidend: きゃ ist kya in einer Mora, きや dagegen ki-ya in zwei Moren. Beim Schreiben muss das zweite Zeichen daher sichtbar kleiner sein.

Das kleine っ und lange Vokale

Das kleine kündigt einen verdoppelten folgenden Konsonanten an. Es erhält einen eigenen rhythmischen Platz, obwohl man keinen Vokal hört: きて (kite, „komm und …“) und きって (kitte, „Briefmarke“) unterscheiden sich dadurch. Vor dem nächsten Konsonanten entsteht eine kurze Unterbrechung. Ein großes つ ist dagegen tsu.

Lange Vokale dauern zwei Moren. In Hiragana werden sie je nach Wort mit einem weiteren Vokal geschrieben, häufig etwa おう für langes o oder えい für langes e: こうこう „Oberschule“, せんせい „Lehrkraft“. Die Schreibung lässt sich nicht immer allein aus dem Klang erraten; lerne sie deshalb zusammen mit dem Wort. Der lange Strich ー gehört vor allem zur Katakana-Schreibung und ist in gewöhnlichen Hiragana-Wörtern nicht die Standardlösung.

Beispiele im Zusammenhang

Die Sätze sind hier bewusst vollständig in Hiragana gesetzt, damit du die Schrift üben kannst. In normalen japanischen Texten würden viele Inhaltswörter mit Kanji erscheinen.

Japanisch Umschrift Deutsch Hinweis
あさです。 asa desu. Es ist Morgen. Grundzeichen der Vokal- und s-Reihe
いぬがいます。 inu ga imasu. Da ist ein Hund. い und ぬ als einfache Moren
ねこがすきです。 neko ga suki desu. Ich mag Katzen. が mit Dakuten
みずをのみます。 mizu o nomimasu. Ich trinke Wasser. を wird hier o gesprochen
これはほんです。 kore wa hon desu. Das ist ein Buch. は wird als Partikel wa gesprochen
えきへいきます。 eki e ikimasu. Ich fahre zum Bahnhof. へ wird als Partikel e gesprochen
きょうはあめです。 kyō wa ame desu. Heute regnet es. きょ ist eine Yōon-Verbindung
しゃしんをみます。 shashin o mimasu. Ich sehe mir ein Foto an. kleines ゃ in しゃ
おちゃをください。 ocha o kudasai. Bitte geben Sie mir Tee. ちゃ wird zusammen gesprochen
きっぷをかいます。 kippu o kaimasu. Ich kaufe eine Fahrkarte. kleines っ verdoppelt p
がっこうへいきます。 gakkō e ikimasu. Ich gehe zur Schule. kleines っ und langes o
にほんごをべんきょうします。 nihongo o benkyō shimasu. Ich lerne Japanisch. きょ sowie stimmhafte Zeichen
せんせい、おはようございます。 sensei, ohayō gozaimasu. Guten Morgen, Frau/Herr Lehrer. lange Vokale in せい und よう
ちょっとまってください。 chotto matte kudasai. Bitte warten Sie kurz. zwei Wörter mit kleinem っ

Häufige Fehler

Die lateinische Umschrift dauerhaft mitlesen

  • Ungünstig: ねこ erst als n-e-k-o entziffern und dann ins Japanische übertragen.
  • Besser: ね・こ direkt als zwei japanische Moren erkennen.
  • Warum: Umschrift hilft am Anfang, hält den Blick aber leicht von den eigentlichen Zeichen fern. Decke sie beim Wiederholen schrittweise ab.

Ähnliche Zeichen verwechseln

  • Falsch gelesen: ねこ als れこ oder ぬこ.
  • Richtig: ねこ.
  • Warum: ね, れ und ぬ teilen einzelne Formen, haben aber unterschiedliche Linienführung. Lerne sie nicht nur als Bild, sondern schreibe sie in korrektem Strichablauf und vergleiche sie gezielt. Häufige weitere Paare sind あ/お, さ/き, は/ほ und わ/れ.

Kleine Zeichen wie große behandeln

  • Falsch: きよう für „heute“ schreiben und ki-yō lesen.
  • Richtig: きょう, kyō.
  • Warum: Das kleine ょ verbindet sich mit き zu einer Mora. Ebenso ist つ in きつて ein gesprochenes tsu, während っ in きって nur die Konsonantenverdopplung markiert.

Partikeln immer nach ihrer gewöhnlichen Zeichenlesung aussprechen

  • Falsch: これは als kore ha oder えきへ als eki he lesen.
  • Richtig: kore wa und eki e.
  • Warum: Die grammatischen Partikeln は und へ bewahren ihre historische Schreibung, werden aber wa und e ausgesprochen. を wird als Partikel normalerweise o gesprochen.

Deutsche Lautgewohnheiten übertragen

  • Ungünstig: ら wie ein stark gerolltes deutsches r sprechen oder jede Silbe unterschiedlich stark betonen.
  • Besser: Das japanische r kurz mit der Zungenspitze bilden und die Moren zunächst gleichmäßig zählen.
  • Warum: Japanischer Rhythmus und japanische Lautbildung passen nicht genau zum Deutschen. Verständlichkeit entsteht eher durch klare Vokale und richtige Länge als durch deutsche Betonungsmuster.

Lange und kurze Laute gleich behandeln

  • Falsch: おばさん und おばあさん gleich lang sprechen.
  • Richtig: おばさん „Tante/Frau mittleren Alters“, aber おばあさん „Großmutter/ältere Dame“.
  • Warum: Das zusätzliche あ zählt als eigene Mora und kann die Bedeutung ändern. Dasselbe gilt für die Pause des kleinen っ und für ん.

Hinweise zum Gebrauch

Kinderbücher und Materialien für Anfänger enthalten viel Hiragana. In Texten für Erwachsene wird Hiragana jedoch nicht einfach anstelle sämtlicher Kanji verwendet. Typisch sind grammatische Endungen, die Okurigana (おくりがな) heißen, zum Beispiel das べる in 食べる, sowie Partikeln wie は, が, を und に. Auch viele Funktionswörter und manche Wörter ohne übliches Kanji schreibt man in Hiragana.

Über oder neben einem Kanji können kleine Hiragana dessen Lesung angeben. Diese Lesehilfe heißt Furigana (ふりがな). Sie ist in Kinderbüchern, Lernmaterialien und bei seltenen Namen oder Schriftzeichen üblich. Furigana ist keine eigene Schrift, sondern eine Verwendung von Hiragana.

Handschrift und Druckschrift sehen nicht immer völlig gleich aus. Bei き und さ können Striche in Handschrift getrennt erscheinen, obwohl eine Schriftart sie verbunden zeigt. Solche Varianten sind normal. Orientiere dich beim eigenen Schreiben zunächst an einem seriösen Strichfolgemodell, statt die Form einer beliebigen Computerschrift nachzuzeichnen.

Hiragana wirkt weicher und runder als Katakana, doch „weich“ und „eckig“ sind nur Merkhilfen. Welche Schrift korrekt ist, richtet sich vor allem nach der Funktion und der üblichen Schreibung eines Wortes, nicht nach einer frei gewählten Stimmung.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte musst du auf A1 noch nicht sicher beherrschen, wirst ihnen aber später begegnen.

Bei ん hängt die konkrete Aussprache von der Umgebung ab: Vor m, b oder p kann sie einem deutschen m ähneln, vor anderen Lauten klingt sie anders. Trotzdem bleibt ん immer eine Mora. In lateinischer Umschrift wird vor einem folgenden Vokal oder y manchmal ein Apostroph gesetzt, damit die Grenze klar bleibt: しんよう (shin'yō, „Vertrauen“) ist nicht しにょう (shinyō).

Die Schreibweise bildet auch Lautentwicklungen und grammatische Konventionen ab. Deshalb entsprechen Zeichen und heutige Aussprache nicht überall eins zu eins. Neben den Partikeln は, へ und を gibt es bei langen Vokalen Schreibungen wie おう und えい, deren zweiter Vokal in natürlicher Aussprache oft nicht deutlich getrennt klingt. Für Lernende ist es zuverlässiger, die übliche Kana-Schreibung mit jedem neuen Wort zu speichern.

In älteren Texten können die heute nicht mehr regulär verwendeten Zeichen ゐ (wi) und ゑ (we) vorkommen. Historische oder dekorative Texte nutzen außerdem Hentaigana (へんたいがな), frühere Varianten von Hiragana. Für moderne Alltagskommunikation brauchst du sie nicht aktiv zu lernen.

Japanische digitale Texte können kleine Kana oder kombinierte Zeichen technisch auf unterschiedliche Weise speichern. Für das normale Tippen genügt eine japanische Eingabemethode: Du gibst beispielsweise kyo ein und wählst きょ. Kontrolliere trotzdem die Zeichengröße, besonders bei ゃ, ゅ, ょ und っ.

Übungstipps

  1. Lerne in Reihen, aber prüfe durcheinander. Beginne mit あいうえお, dann かきくけこ und so weiter. Sobald eine Reihe sitzt, mische alte und neue Zeichen, damit du nicht nur die Reihenfolge auswendig kannst.
  2. Verbinde Sehen, Hören und Schreiben. Höre eine Mora, sprich sie nach und schreibe das Zeichen zwei- oder dreimal mit korrekter Strichfolge. Kurze tägliche Einheiten sind wirkungsvoller als seltenes Abschreiben ganzer Seiten.
  3. Lies echte kurze Wörter ohne Umschrift. Nutze etwa ねこ, いぬ, すし, おちゃ und きっぷ. Klatsche oder tippe jede Mora: き・っ・ぷ hat drei rhythmische Plätze, obwohl die Umschrift nur wenige Buchstaben zeigt.
  4. Übe Verwechslungspaare gezielt. Lege Karten für ぬ/め, れ/ね/わ und る/ろ an. Schreibe zu jedem Zeichen sofort ein bekanntes Wort, damit die Form mit Klang und Bedeutung verbunden bleibt.

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