A1

Pinyin-Anlaute im Chinesischen

声母

Dieser Artikel ist Teil des Chinesisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Hochchinesischen gibt es 21 Pinyin-Anlaute (声母 shēngmǔ). Besonders wichtig ist nicht der deutsche Gegensatz „stimmhaft oder stimmlos“, sondern unbehaucht oder behaucht: Bei b/p, d/t, g/k, j/q, zh/ch und z/c unterscheidet ein deutlicher Luftstoß die beiden Laute.

Überblick

Pinyin (拼音 pīnyīn) ist die offizielle lateinische Umschrift des Hochchinesischen. Ein Anlaut ist der Konsonant am Anfang einer Silbe. In ist also m der Anlaut; der übrige Teil a ist der Auslaut (der Teil mit Vokal und gegebenenfalls einem Endkonsonanten). Der Ton gehört zur ganzen Silbe und wird im Pinyin gewöhnlich durch ein Zeichen über einem Vokal angegeben.

Die 21 Anlaute sind b, p, m, f; d, t, n, l; g, k, h; j, q, x; zh, ch, sh, r; z, c, s. Diese Buchstaben sehen vertraut aus, werden aber nicht durchgehend wie im Deutschen gesprochen. Wer sie einfach nach deutschen Leseregeln ausspricht, wird etwa „gehen“ oder chī „essen“ schwer verständlich machen.

Die Grundlagen gehören zur Stufe A1: Zunächst reicht es, die sechs Behauchungspaare zu erkennen und die drei Reihen j/q/x, zh/ch/sh/r und z/c/s auseinanderzuhalten. Die genaueren lautlichen Besonderheiten stehen weiter unten und können später dazukommen.

So funktioniert es

Der Bau einer Silbe

Das einfache Grundmuster lautet:

Anlaut + Auslaut + Ton

So besteht (妈 „Mama“) aus dem Anlaut m, dem Auslaut a und dem ersten Ton. Eine Silbe kann auch keinen konsonantischen Anlaut haben, zum Beispiel ài (爱 „lieben“) oder è (饿 „hungrig“). Das bedeutet nicht, dass a oder e Anlaute wären: Die Anlautstelle ist hier einfach leer.

Die 21 Anlaute nach Artikulationsort

Der Artikulationsort ist die Stelle im Mund, an der ein Laut gebildet wird. Diese Gruppierung hilft mehr als das bloße Aufsagen des Alphabets.

Gruppe Anlaute Bildung und deutscher Anhaltspunkt
Lippenlaute b, p, m, f Beide Lippen bei b, p, m; Unterlippe und obere Zähne bei f
Vorderzungenlaute d, t, n, l Zungenspitze am Zahndamm direkt hinter den oberen Zähnen
Hinterzungenlaute g, k, h Zungenrücken hinten am Gaumen; h ist oft rauer als deutsches h
Vordergaumenlaute j, q, x Zunge weit vorn und flach; nur vor Auslauten der i/ü-Gruppe
Zurückgebogene Laute zh, ch, sh, r Zungenspitze etwas nach hinten; nicht mit deutschem sch oder r gleichsetzen
Zischlaute vorn z, c, s Zungenspitze nahe den unteren Schneidezähnen; weiter vorn als zh, ch, sh

Die Buchstabengruppen zh, ch und sh stehen jeweils für einen Anlaut. Man spricht also nicht erst z und dann h.

Behaucht und unbehaucht

Behauchung bedeutet: Nach dem Öffnen des Verschlusses folgt ein deutlich hör- und fühlbarer Luftstoß. Halte ein dünnes Blatt Papier oder die Handfläche einige Zentimeter vor den Mund:

Unbehaucht Behaucht Beispielpaar
b p
d t
g k
j q
zh ch zhīchī
z c

Die linke Spalte ist nicht einfach „stimmhaft“ wie deutsches b, d, g. Pinyin-b ist lautlich eher ein kurzes, unbehauchtes [p], Pinyin-d eher [t] und Pinyin-g eher [k]. Die rechte Spalte hat denselben Grundort, aber zusätzlich einen kräftigen Luftstoß. Gerade deutschsprachige Lernende verlassen sich oft zu sehr auf die Schrift: Im Deutschen kann der Luftstoß je nach Stellung wechseln, im Hochchinesischen unterscheidet er Wörter.

M, f, n, l, h, x, sh, r und s bilden keine solchen Behauchungspaare innerhalb des Pinyin-Systems.

Drei Reihen, die man trennen muss

j, q, x

Bei j, q, x liegt die Zunge vorn, breit und relativ flach. J ist unbehaucht, q behaucht; x ist ein weicher Reibelaut. Deutsches dsch für j und tsch für q sind nur grobe Einstiegshilfen, denn die chinesischen Laute werden weiter vorn gebildet. X ähnelt dem deutschen Ich-Laut in ich, liegt aber ebenfalls weiter vorn.

Diese Anlaute stehen nur vor Auslauten der i- und ü-Reihe. Nach j, q, x wird der Umlaut in der Schrift weggelassen: ju, qu, xu werden mit ü-Laut gesprochen, nicht mit deutschem u.

zh, ch, sh, r

Für diese Reihe wird die Zungenspitze etwas nach hinten zum harten Gaumen gezogen. Deshalb heißen die Laute oft retroflex (mit zurückgebogener Zungenspitze gebildet). Zh ist unbehaucht, ch behaucht, sh ein Reibelaut. Pinyin-r ist weder das gerollte süddeutsche r noch das im Rachen gebildete Standard-r vieler deutscher Sprecher; es wird mit einer ähnlichen Zungenstellung wie sh gebildet und kann leicht reibend klingen.

z, c, s

Diese Reihe wird deutlich weiter vorn gesprochen. Pinyin-z klingt ungefähr wie z in Zahl, also [ts], aber unbehaucht. C hat denselben Grundlaut mit kräftigem Luftstoß; es ist niemals deutsches k oder z. Pinyin-s liegt nahe beim stimmlosen deutschen s in lassen.

Ein nützlicher Dreifachvergleich ist jī — zhī — zī: vorn und flach bei j, mit zurückgezogener Zungenspitze bei zh, ganz vorn bei z.

Beispiele im Zusammenhang

Die Tonzeichen sind hier wichtig für das vollständige Wort, der Schwerpunkt der Hinweise liegt jedoch auf dem Anlaut.

Chinesisch Pinyin Deutsch Hinweis
爸爸不怕。 Bàba bú pà. Papa hat keine Angst. b unbehaucht, p deutlich behaucht
妈妈很忙。 Māma hěn máng. Mama ist sehr beschäftigt. m wird wie deutsches m mit beiden Lippen gebildet
风很大。 Fēng hěn dà. Der Wind ist stark. f ist vertraut; d bleibt unbehaucht
他听你说话。 Tā tīng nǐ shuōhuà. Er hört dir beim Sprechen zu. Luftstoß bei t; n ohne Behauchung
你来了。 Nǐ lái le. Du bist gekommen. n und l müssen klar getrennt bleiben
哥哥看书。 Gēge kàn shū. Der ältere Bruder liest ein Buch. g unbehaucht, k behaucht, sh mit zurückgezogener Zunge
她很好。 Tā hěn hǎo. Ihr geht es sehr gut. Pinyin-h kann rauer als deutsches h klingen
姐姐去学校。 Jiějie qù xuéxiào. Die ältere Schwester geht zur Schule. Drei Vordergaumenlaute: j, q, x
这是中国茶。 Zhè shì Zhōngguó chá. Das ist chinesischer Tee. zh, sh, ch gehören zur zurückgebogenen Reihe
这个人是老师。 Zhège rén shì lǎoshī. Diese Person ist Lehrkraft. r beginnt mit einer sh-ähnlichen Zungenstellung
我早上吃菜。 Wǒ zǎoshang chī cài. Morgens esse ich Gemüse. z/c weit vorn, ch weiter hinten
三个学生来了。 Sān ge xuésheng lái le. Drei Schüler sind gekommen. Kontrast zwischen vorderem s und x/sh

Häufige Fehler

b, d und g wie im Deutschen stimmhaft sprechen

  • Ungünstig: bā, dā, gā mit deutlich vibrierenden Stimmbändern wie am Anfang von deutschem Bahn, da, Gabel.
  • Besser: Die Verschlüsse stimmlos und kurz lösen, aber ohne starken Luftstoß.
  • Warum: Im Hochchinesischen trennt vor allem die Behauchung b von p, d von t und g von k. Ein deutsches stimmhaftes b trifft Pinyin-b daher nicht genau.

Den Luftstoß bei p, t, k, q, ch und c weglassen

  • Ungünstig: fast genauso wie sprechen.
  • Besser: Bei muss sich ein Blatt vor dem Mund sichtbar bewegen; bei viel weniger.
  • Warum: Fehlende Behauchung kann den gehörten Anlaut und damit das Wort verändern.

q als k oder deutsches ku lesen

  • Falsch: wie „ku“ oder sprechen.
  • Richtig: mit weit vorn liegender Zunge, ähnlich einem sehr vorderen, behauchten „tschü“.
  • Warum: Pinyin-q ist ein Vordergaumenlaut. Der Buchstabe folgt nicht der deutschen Leseregel.

zh, ch und sh in zwei Laute zerlegen

  • Falsch: In Zhōngguó erst z und danach h sprechen.
  • Richtig: Zh als einen einzigen unbehauchten Anlaut bilden.
  • Warum: Das h ist hier kein eigener Laut, sondern Teil der Pinyin-Schreibung für die zurückgebogene Reihe.

z/c/s und zh/ch/sh vermischen

  • Ungünstig: zǎo und zhǎo mit derselben Zungenstellung beginnen.
  • Besser: Bei z/c/s bleibt die Zunge vorn; bei zh/ch/sh wandert ihre Spitze zurück.
  • Warum: Die Reihen unterscheiden Wörter, zum Beispiel zǎo (早 „früh“) und zhǎo (找 „suchen“).

u nach j, q, x als echtes u sprechen

  • Falsch: mit dem Vokal aus deutschem Kuh.
  • Richtig: mit einem ü-ähnlichen Vokal.
  • Warum: Nach j, q, x schreibt Pinyin vereinfachend u, obwohl ü gesprochen wird. Bei und dagegen ist u tatsächlich ein u-Laut.

Gebrauchshinweise

Pinyin beschreibt die standardsprachliche Aussprache des Hochchinesischen, nicht automatisch jede regionale Aussprache. Muttersprachler können etwa n/l oder die vordere und zurückgebogene Zischlautreihe regional anders unterscheiden. Für Lernende bleibt die standardsprachliche Trennung dennoch das beste Ziel, besonders beim Hörverstehen.

Großschreibung ändert den Laut nicht: Am Satzanfang und bei Eigennamen wird etwa Zhōngguó großgeschrieben. Pinyin wird außerdem nach Wörtern gegliedert, nicht nach einzelnen Schriftzeichen: 中国 ist Zhōngguó, nicht Zhōng guó. Ein Apostroph verhindert bei Bedarf eine falsche Silbengrenze, etwa in Xī'ān 西安.

Die Buchstaben y und w sieht man häufig am Silbenanfang, doch in der traditionellen Liste zählen sie nicht zu den 21 声母. Sie dienen vor allem dazu, vokalisch beginnende Silben eindeutig zu schreiben: i erscheint zum Beispiel als yi, u als wu. Für A1 genügt es, y und w als Schreibhelfer zu erkennen.

Über A1 hinaus

Die folgenden Einzelheiten müssen am Anfang noch nicht perfekt sitzen, erklären aber manche scheinbare Unregelmäßigkeit.

In genauer Lautschrift sind die Behauchungspaare beispielsweise b [p] gegenüber p [pʰ] und d [t] gegenüber t [tʰ]. Bei j/q/x lauten typische Beschreibungen [tɕ], [tɕʰ], [ɕ]; bei zh/ch/sh [ʈʂ], [ʈʂʰ], [ʂ]; bei z/c/s [ts], [tsʰ], [s]. Diese Zeichen des Internationalen Phonetischen Alphabets (eines Systems zur eindeutigen Darstellung von Lauten) sind nützlich, aber für die ersten Übungen nicht erforderlich.

Das geschriebene i klingt nach z, c, s, zh, ch, sh, r nicht wie das i in . In zī, cī, sī beziehungsweise zhī, chī, shī, rì trägt es einen besonderen, konsonantennahen Silbenkern. Versuche daher nicht, überall denselben deutschen i-Laut einzusetzen. Am zuverlässigsten lernt man diese sieben Silben zunächst als vollständige Klangmuster.

Auch der Anlaut r und die Endung -r der sogenannten Erhua-Aussprache sind zu unterscheiden. In rén 人 steht r am Silbenanfang. In huār 花儿 verändert ein angehängtes -r dagegen das Ende der vorherigen Silbe. Diese Endung begegnet besonders in nordchinesischer Aussprache und gehört nicht mehr zur einfachen A1-Grundregel.

Schließlich verändern sich Laute im flüssigen Sprechen leicht durch ihre Nachbarn. Das Grundsystem bleibt aber bestehen: Eine natürlich klingende Aussprache entsteht nicht dadurch, dass man die wichtigen Gegensätze aufgibt, sondern dadurch, dass man sie auch bei normalem Tempo sicher beherrscht.

Übungstipps

  1. Teste die Behauchung mit Papier. Sprich täglich die sechs Reihen b–p, d–t, g–k, j–q, zh–ch, z–c. Das Papier soll sich beim jeweils zweiten Anlaut deutlich stärker bewegen.
  2. Übe Dreierreihen vor einem Spiegel. Wechsle langsam zwischen jī–zhī–zī, qī–chī–cī und xī–shī–sī. Achte weniger auf die Buchstaben als auf die Zunge: vorn und flach, zurückgezogen, ganz vorn.
  3. Höre, entscheide, sprich nach. Nutze Aufnahmen einzelner Silben, entscheide zuerst nur „behaucht oder unbehaucht“ und sprich dann die ganze Silbe samt Ton nach. Nimm dich auf und vergleiche erst danach mit dem Original.

Verwandte Themen

  • Nächster Schritt: Pinyin-Auslaute — zeigt, wie Vokale und Nasalendungen mit den Anlauten vollständige Silben bilden.

Konzepte, die darauf aufbauen

Mehr A1-Konzepte

Dieses Konzept in anderen Sprachen

In allen Sprachen vergleichen

Übe 声母 auf Chinesisch mit einem kostenlosen Settemila-Lingue-Konto. Wir richten Chinesisch · A1 ein und erstellen Karten genau zu diesem Grammatikkonzept.

Dieses Konzept üben