A1

Pinyin-Auslaute im Mandarin-Chinesischen

韵母

Dieser Artikel ist Teil des Chinesisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Ein Auslaut, auf Chinesisch 韵母 (yùnmǔ), ist der Teil einer Pinyin-Silbe nach dem Anlaut: In ist m der Anlaut und a der Auslaut. Ein Auslaut kann aus einem einfachen Vokal wie a, einer Verbindung wie ai oder einer nasalen Form wie ang bestehen. Lerne ihn stets als zusammenhängenden Klang und nicht als Folge einzeln ausgesprochener Buchstaben.

Überblick

Pinyin stellt die Aussprache des Mandarin-Chinesischen mit lateinischen Buchstaben dar. Diese Buchstaben werden jedoch nicht immer so gesprochen, wie man es aus dem Deutschen erwartet. Jede Standardsilbe lässt sich grundsätzlich in einen Anlaut und einen Auslaut gliedern; der Auslaut trägt außerdem den Ton. Ein Anlaut ist der Konsonant am Silbenanfang, ein Auslaut der klangliche Rest der Silbe. Bei hǎo ist also h der Anlaut und ao der Auslaut.

Die Auslaute gehören zum Grundstoff auf A1-Niveau. Sie sind entscheidend, weil kleine Unterschiede ganze Wörter voneinander trennen können: mǎi 买 bedeutet „kaufen“, mèi 妹 „jüngere Schwester“. Dabei unterscheiden sich sowohl der Auslaut als auch der Ton. Wer an und ang oder in und ing deutlich auseinanderhält, wird leichter verstanden und erkennt Wörter beim Hören schneller.

Für den Einstieg reichen drei Gruppen: einfache Auslaute, Vokalverbindungen und nasale Auslaute. Später kommen Schreibkürzungen sowie besondere Regeln für Silben ohne Anlaut hinzu. Die Grundidee bleibt immer gleich: Der Auslaut bildet zusammen mit dem Anlaut eine einzige Silbe.

So funktioniert es

Aufbau einer Silbe

Das Grundmuster lautet:

Anlaut + Auslaut + Ton

Silbe Anlaut Auslaut Ton
mā 妈 m a 1. Ton
hǎo 好 h ao 3. Ton
rén 人 r en 2. Ton
dōng 东 d ong 1. Ton

Nicht jede Silbe hat einen gesprochenen Anlaut. 爱 ài beginnt direkt mit dem Auslaut ai. In anderen Fällen schreibt Pinyin am Anfang y oder w, damit die Silbengrenze deutlich bleibt; diese Schreibregel wird weiter unten erklärt.

Die sechs einfachen Auslaute

Die sechs Grundvokale sind a, o, e, i, u, ü. Die deutschen Hinweise in der Tabelle sind nur Annäherungen. Entscheidend ist das Hören und Nachsprechen einer verlässlichen Aufnahme.

Auslaut Beispiel Aussprachehinweis für Deutschsprachige
a mā 妈 offenes, klares a, ähnlich wie in „Vater“
o wǒ 我 gerundetes o; je nach Umgebung kann ein kurzer Übergang in Richtung u/o hörbar sein
e hē 喝 hinterer, ungerundeter Vokal; nicht einfach das deutsche e aus „See“
i mǐ 米 meist ein deutliches i wie in „Miete“
u bù 不 geschlossenes u wie in „Mut“
ü nǚ 女 ähnlich dem deutschen ü in „Tür“

Das deutsche ü ist hier ein Vorteil: Für ü werden die Lippen wie bei u gerundet, während die Zunge ungefähr in der Stellung für i bleibt. Wichtig ist aber, u und ü nicht zu vermischen: 路 „Weg“ und 绿 „grün“ sind verschiedene Silben.

Bei i gibt es eine wichtige spätere Feinheit: Nach z, c, s, zh, ch, sh, r bezeichnet der Buchstabe keinen gewöhnlichen deutschen i-Laut. In 字 oder shì 是 bleibt die Zunge in der Stellung des vorangehenden Konsonanten. Für den Anfang genügt es, diese Silben als feste Einheiten nachzusprechen.

Zusammengesetzte Auslaute

Bei einer Vokalverbindung gleitet die Stimme innerhalb derselben Silbe von einer Stellung zur nächsten. Es entsteht keine Pause zwischen den Buchstaben.

Auslaut Beispiel Bewegung des Klangs
ai mǎi 买 von offenem a in Richtung i; ungefähr wie deutsches „ei“ in „Mai“
ei hēi 黑 von e in Richtung i; ungefähr wie in „Hey“, aber kompakter
ao hǎo 好 von a zu einem gerundeten o/u
ou dōu 都 von o zu u, als ein einziger Gleitlaut

Weitere häufige Verbindungen beginnen mit i, u oder ü:

Gruppe Auslaute Beispiele
mit i-Anteil ia, ie, iao, iu jiā 家, xiě 写, jiào 叫, liù 六
mit u-Anteil ua, uo, uai, ui huā 花, guó 国, kuài 快, shuǐ 水
mit ü-Anteil üe xué 学, nüè 虐

iu und ui sind verkürzte Schreibweisen. iu steht für den vollen Auslaut iou, ui für uei. Man spricht daher nicht bloß zwei isolierte Buchstaben. In liù 六 ist ein kurzer Übergang von i über o zu u hörbar; in shuǐ 水 verläuft die Bewegung von u über e zu i. Im normalen Pinyin werden jedoch konsequent iu und ui geschrieben.

Nasale Auslaute

Ein nasaler Auslaut endet mit -n oder -ng. „nasal“ bedeutet, dass ein Teil der Luft durch die Nase entweicht. Der Unterschied zwischen beiden Endungen ist bedeutungsunterscheidend.

Endung Grundformen Artikulation
-n an, en Die Zungenspitze berührt am Ende den Bereich hinter den oberen Schneidezähnen.
-ng ang, eng, ong Der hintere Zungenrücken hebt sich; die Zungenspitze bleibt unten.

Bei -ng wird kein zusätzliches g freigesetzt. máng 忙 endet also ungefähr mit dem Nasalklang von deutschem „lang“, nicht mit einem hörbaren g wie am Anfang von „Garten“. Umgekehrt darf -n nicht versehentlich zu -ng werden: fēn 分 und fēng 风 sind unterschiedliche Silben.

Zu den Grundformen kommen häufige Kombinationen:

Reihe Formen Beispiele
i-Reihe ian, in, iang, ing, iong tiān 天, xīn 心, liǎng 两, tīng 听, xiōng 兄
u-Reihe uan, un, uang guān 关, lùn 论, huáng 黄
ü-Reihe üan, ün xuǎn 选, qún 群

Die Schreibweise gibt die genaue Klangfarbe nicht immer Buchstabe für Buchstabe wieder. Besonders ian klingt eher in Richtung „ien“ als wie ein breites deutsches „ian“. Auch un ist eine Kürzung von uen. Solche Formen lernt man am zuverlässigsten mit ganzen Wörtern.

Welche Auslaute zu welchen Anlauten passen

Nicht jede Kombination ist im Standardmandarin möglich. Besonders wichtig ist diese Regel:

  • j, q, x stehen vor Auslauten der i- oder ü-Reihe, nicht vor einem gewöhnlichen u.
  • Nach j, q, x werden bei ü die Punkte weggelassen: ju, qu, xu werden mit ü-Laut gesprochen.
  • Nach n und l bleiben die Punkte erhalten, wenn ü gemeint ist: , . So bleibt der Unterschied zu nu und lu sichtbar.

Darum klingt 去 nicht wie ein deutsches „ku“, sondern enthält nach q einen ü-artigen Vokal. Die Schreibung wäre im normalen Pinyin falsch.

Beispiele im Zusammenhang

Die folgenden Wörter und kurzen Sätze zeigen die Auslaute in natürlichem Zusammenhang. Sprich zuerst die fett markierte Silbe langsam und danach den ganzen Ausdruck in normalem Tempo.

Chinesisch Pinyin Deutsch Hinweis
妈妈来了。 Māma lái le. Mama ist gekommen. a in mā; ai in lái
我爱喝茶。 Wǒ ài hē chá. Ich trinke gern Tee. o, ai, e und a
他买了一杯水。 Tā mǎi le yì bēi shuǐ. Er hat ein Glas Wasser gekauft. ai, ei und ui
你好! Nǐ hǎo! Hallo! i und ao
六点见。 Liù diǎn jiàn. Wir sehen uns um sechs Uhr. verkürztes iu; außerdem ian
这是我的朋友。 Zhè shì wǒ de péngyou. Das ist mein Freund / meine Freundin. e, i, eng und ou
我们去公园。 Wǒmen qù gōngyuán. Wir gehen in den Park. en, ü, ong und üan
今天很冷。 Jīntiān hěn lěng. Heute ist es kalt. ian, en und eng
北京很远。 Běijīng hěn yuǎn. Peking ist weit entfernt. ei, ing und üan
她喜欢中国菜。 Tā xǐhuan Zhōngguó cài. Sie mag chinesisches Essen. uan, ong, uo und ai
请开门。 Qǐng kāi mén. Bitte öffne die Tür. ing, ai und en
熊猫很可爱。 Xióngmāo hěn kě'ài. Pandas sind sehr niedlich. iong, ao, en und ai

Der Apostroph in kě'ài trennt zwei Silben, wenn die zweite mit a, o oder e beginnt und die Grenze sonst unklar sein könnte. Er gehört nicht zum Auslaut selbst.

Häufige Fehler

Die Buchstaben nach deutschen Leseregeln sprechen

  • Falsch: e in 喝 wie das lange deutsche e in „See“ sprechen.
  • Richtig: Einen weiter hinten gebildeten, ungerundeten Vokal verwenden und eine Aufnahme nachsprechen.
  • Warum: Pinyin nutzt lateinische Buchstaben, ist aber kein deutsches Lautsystem.

Einen Gleitlaut in zwei Silben zerlegen

  • Falsch: hǎo als „ha-o“ mit einer Pause sprechen.
  • Richtig: ao in einer einzigen, fließenden Bewegung aussprechen.
  • Warum: Der gesamte Auslaut gehört zu einer Silbe und trägt nur einen Tonverlauf.

-n und -ng gleich behandeln

  • Falsch: fēn 分 und fēng 风 mit derselben Endung sprechen.
  • Richtig: Bei -n endet die Bewegung vorn an den oberen Zähnen, bei -ng hinten im Mundraum.
  • Warum: Der Gegensatz kann die Bedeutung eines Wortes ändern.

Die Punkte nach j, q oder x schreiben

  • Falsch: , xǚe.
  • Richtig: 去, xué 学.
  • Warum: Nach j, q, x werden die Punkte von ü in der Pinyin-Schreibung weggelassen; der ü-Laut bleibt erhalten.

Die Punkte nach n oder l weglassen

  • Falsch: nu schreiben, wenn 女 „Frau“ gemeint ist.
  • Richtig: .
  • Warum: Nach n und l sind sowohl u- als auch ü-Laute möglich. Die Punkte unterscheiden beispielsweise 路 „Weg“ von 绿 „grün“.

iu und ui wie zwei unveränderliche Vokale lesen

  • Falsch: In liù oder shuǐ jeden Buchstaben getrennt und gleich lang sprechen.
  • Richtig: Die Verbindung als Gleitbewegung lernen.
  • Warum: iu und ui sind verkürzte Schreibungen von iou und uei.

Gebrauchshinweise

Pinyin zeigt die standardisierte Aussprache, aber natürliche Stimmen klingen nicht immer so deutlich wie eine Lerntabelle. In schnellem Sprechen können unbetonte Vokale kürzer und schwächer werden. Das Grundmuster bleibt trotzdem erkennbar. Für Anfänger ist eine klare, nicht übertriebene Aussprache sinnvoller als das sofortige Nachahmen starker Verkürzungen.

Deutsche Lautvergleiche dienen nur als Einstieg. Das Pinyin-ai liegt dem deutschen „ei“ recht nahe, doch e, ong oder das besondere i nach sh haben keine genaue deutsche Entsprechung. Eine Umschrift wie „schong“ hilft deshalb oft weniger als eine Kombination aus Pinyin, Audio und bewusster Mundstellung.

Töne gehören immer zur ganzen Silbe, nicht nur zu einem einzelnen Buchstaben. Beim Lernen sollte daher nicht nur ang, sondern etwa máng, fáng und xiǎng geübt werden. So werden Auslaut und Ton nicht zu zwei getrennten Aufgaben.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Schreibregeln muss man am Anfang noch nicht vollständig auswendig beherrschen. Beim Lesen von Wörterbüchern und Lernmaterialien begegnen sie einem jedoch sehr früh.

Silben ohne gesprochenen Anlaut

Beginnt eine Silbe mit der i-, u- oder ü-Reihe, verwendet die Schreibung häufig y oder w. Diese Buchstaben verhindern missverständliche Silbengrenzen.

Auslautform Schreibung ohne Anlaut Beispiele
i, in, ing yi, yin, ying yī 一, yīn 音, yīng 英
ia, ie, iao, iu ya, ye, yao, you yā 鸭, yě 也, yào 要, yǒu 有
u, ua, uo, ui, un wu, wa, wo, wei, wen wǔ 五, wài 外, wǒ 我, wèi 位, wèn 问
ü, üe, üan, ün yu, yue, yuan, yun yú 鱼, yuè 月, yuǎn 远, yún 云

y und w bedeuten hier nicht immer einen zusätzlichen vollwertigen Konsonanten wie deutsches j oder w. Sie sind vor allem Teil der Pinyin-Schreibkonvention.

Setzung des Tonzeichens

Wenn ein Auslaut mehrere Vokalbuchstaben enthält, steht das Tonzeichen nach einer festen Regel:

  1. Steht a oder e in der Silbe, erhält der zuerst zutreffende dieser Vokale das Zeichen: hǎo, xiè.
  2. Bei ou steht es auf o: dōu.
  3. Sonst steht es auf dem letzten geschriebenen Vokal: liù, shuǐ.

Die Position des Zeichens zeigt nicht, welcher Buchstabe allein den Ton trägt. Der Tonverlauf erstreckt sich über die gesamte Silbe.

Aussprachevarianten innerhalb eines Auslauts

Ein Auslaut klingt je nach vorangehendem Anlaut und Sprechtempo leicht unterschiedlich. So wird o nach b, p, m, f häufig mit einem kurzen u-ähnlichen Übergang gesprochen, obwohl nur o geschrieben wird. Auch der Vokal in en ist nicht in jeder Umgebung völlig gleich. Das sind keine frei austauschbaren Schreibweisen, sondern normale lautliche Anpassungen. Für fortgeschrittenes Hören ist es daher besser, viele ganze Silben zu vergleichen, statt jedem Buchstaben nur einen einzigen starren Laut zuzuordnen.

Übungstipps

  1. Arbeite mit Kontrastpaaren. Sprich abwechselnd an–ang, en–eng, u–ü und dann echte Silben wie fen–feng oder lu–lü. Nimm dich auf und achte besonders auf die Stellung der Zunge.
  2. Baue eine Auslautleiter. Verbinde denselben Anlaut nacheinander mit mehreren erlaubten Auslauten, etwa mā–mái–mǎo–mèn–máng. Verwende Audio, damit keine künstlichen Kombinationen oder falschen Töne eingeübt werden.
  3. Lerne Wörter statt Buchstabenketten. Markiere in neuen Wörtern den Auslaut, etwa h-ao, sh-ui, x-iong, und sprich anschließend wieder die ungeteilte Silbe. Kurze tägliche Hör- und Nachsprechphasen sind wirksamer als seltenes langes Pauken.

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