ても („selbst wenn“) im Japanischen
ても
Dieser Artikel ist Teil des Japanisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Mit ても drückst du aus, dass etwas trotz einer Bedingung gilt: 雨が降っても行きます。 bedeutet „Ich gehe, selbst wenn es regnet.“ Bei Verben steht も nach der て-Form; bei い-Adjektiven entsteht 〜くても, bei な-Adjektiven und Nomen 〜でも.
Überblick
Die Verbindung ても bildet einen konzessiven Nebensatz. „Konzessiv“ heißt hier einfach: Ein Umstand könnte eigentlich gegen das Ergebnis sprechen, verhindert es aber nicht. In 高くても買います ist ein hoher Preis normalerweise ein Grund, etwas nicht zu kaufen. Trotzdem bleibt die Aussage 買います („ich kaufe es“) bestehen.
Im Deutschen passen je nach Zusammenhang „selbst wenn“, „auch wenn“, „obwohl“ oder bei Fragewörtern „egal …“. Diese Übersetzungen sind nicht völlig austauschbar: „selbst wenn“ klingt meist nach einer offenen oder angenommenen Bedingung, „obwohl“ nach einer bekannten Tatsache. Japanisches ても kann beides abdecken; der Zusammenhang zeigt, ob die Bedingung nur möglich oder bereits wirklich eingetreten ist.
Das Muster gehört zum A2-Grundstoff und baut auf der て-Form auf. Für den Anfang genügt die Regel „Verbstamm in der て-Form + も“. Wichtig ist aber, von Anfang an auch 〜くても und 〜でも zu erkennen, denn dieselbe Bedeutung kommt mit allen Wortarten vor.
So funktioniert es
Die Grundstruktur lautet:
Bedingung + ても + Ergebnis, das trotzdem gilt
Japanisch nennt zuerst den einräumenden Teil und danach die Hauptaussage. Das unterscheidet sich nicht grundsätzlich vom deutschen Satz „Auch wenn es regnet, gehe ich“, doch im Japanischen steht vor ても kein eigenes Wort für „wenn“ oder „obwohl“.
Verben: て-Form + も
Bilde zuerst die て-Form des Verbs und füge dann も an. Die Lautveränderungen der て-Form bleiben unverändert.
| Grundform | Form mit ても | Bedeutung |
|---|---|---|
| 行く | 行っても | selbst wenn man geht |
| 読む | 読んでも | selbst wenn man liest |
| 話す | 話しても | selbst wenn man spricht |
| 食べる | 食べても | selbst wenn man isst |
| する | しても | selbst wenn man es tut |
| 来る | 来ても | selbst wenn man kommt |
Achte besonders auf 行く → 行っても. Das Verb ist bei der て-Form unregelmäßig; 行いても ist falsch.
Die Form vor ても trägt bei bejahenden Verben keine eigene höfliche Endung. Die Höflichkeit erscheint gewöhnlich am Satzende:
- 雨が降っても行く。 — locker: „Ich gehe, selbst wenn es regnet.“
- 雨が降っても行きます。 — höflich: dieselbe Aussage.
Verneinte Verben: なくても
Soll eine verneinte Bedingung eingeräumt werden, nimm die ない-Form, ersetze das letzte い durch くて und füge も an:
行かない → 行かなくても
Das bedeutet „selbst wenn man nicht geht“ oder je nach Hauptsatz „auch ohne hinzugehen“. Weitere Beispiele sind 食べなくても („selbst wenn man nicht isst“) und 勉強しなくても („selbst wenn man nicht lernt“).
Eine besonders häufige Aussage ist 〜なくてもいい: „Man muss nicht …“ oder wörtlicher „Es ist in Ordnung, auch wenn man nicht …“. Zum Beispiel heißt 今日は来なくてもいいです „Du musst heute nicht kommen“. Diese feste Verwendung solltest du als Ganzes lernen.
い-Adjektive: 〜くても
Bei einem い-Adjektiv fällt das abschließende い weg; danach setzt du くても ein.
| Adjektiv | Form | Beispielbedeutung |
|---|---|---|
| 高い | 高くても | selbst wenn es teuer ist |
| 忙しい | 忙しくても | selbst wenn jemand beschäftigt ist |
| 寒い | 寒くても | selbst wenn es kalt ist |
| いい | よくても | selbst wenn es gut ist |
いい ist auch hier unregelmäßig und folgt dem Stamm よ-: よくても, nicht いくても.
Für die Verneinung verwendest du 〜くなくても: 高くなくても bedeutet „selbst wenn es nicht teuer ist“. Die Form wirkt lang, ist aber regelmäßig: 高くない → 高くなくて + も.
な-Adjektive und Nomen: 〜でも
Bei einem な-Adjektiv steht nicht なても, sondern でも direkt nach dem Stamm. Ein Nomen (Hauptwort, also eine Bezeichnung für eine Person, Sache oder Idee) verhält sich genauso.
| Wortart | Ausgangsform | Form mit も | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| な-Adjektiv | 静かだ | 静かでも | selbst wenn es ruhig ist |
| な-Adjektiv | 便利だ | 便利でも | selbst wenn es praktisch ist |
| Nomen | 雨だ | 雨でも | selbst bei Regen / auch wenn es Regen gibt |
| Nomen | 休みだ | 休みでも | selbst wenn frei ist / selbst an einem freien Tag |
Verneint sind 静かでなくても und 学生でなくても die neutralen Formen. In Gesprächen hört man oft 静かじゃなくても beziehungsweise 学生じゃなくても. Beide bedeuten „selbst wenn es nicht ruhig ist“ beziehungsweise „selbst wenn man kein Student ist“.
Das einfache Grundmuster auf einen Blick
| Wortart | Bildung | Beispiel |
|---|---|---|
| Verb, bejaht | て-Form + も | 読んでも |
| Verb, verneint | ない → なくても | 読まなくても |
| い-Adjektiv | い → くても | 安くても |
| な-Adjektiv | Stamm + でも | 元気でも |
| Nomen | Nomen + でも | 子どもでも |
Beispiele im Kontext
Die folgenden Sätze zeigen sowohl offene Bedingungen als auch bereits feststehende Tatsachen. Entscheidend ist immer: Der zweite Satzteil bleibt trotz des ersten gültig.
| Japanisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| 雨が降っても行きます。 | Ich gehe, selbst wenn es regnet. | mögliche Bedingung |
| 高くても買います。 | Ich kaufe es, auch wenn es teuer ist. | い-Adjektiv |
| 何回聞いても分かりません。 | Egal, wie oft ich es höre: Ich verstehe es nicht. | Fragewort + Zähler |
| 忙しくても連絡してください。 | Bitte melde dich, auch wenn du beschäftigt bist. | Aufforderung im Hauptsatz |
| 少し遠くても、この店に行きたいです。 | Auch wenn es etwas weit ist, möchte ich in dieses Geschäft gehen. | Wunsch trotz Nachteil |
| 雨でも試合はあります。 | Auch bei Regen findet das Spiel statt. | Nomen + でも |
| 部屋が静かでも、なかなか眠れません。 | Selbst wenn das Zimmer ruhig ist, kann ich nur schwer einschlafen. | な-Adjektiv |
| 朝ご飯を食べなくても平気です。 | Es macht mir nichts aus, auch wenn ich nicht frühstücke. | verneintes Verb |
| 車がなくても生活できます。 | Man kann auch ohne Auto leben. | natürlich als „ohne“ übersetzt |
| 子どもでも分かります。 | Sogar ein Kind versteht das. | Nomen + でも; „sogar“ |
| 誰が来ても、ドアを開けないでください。 | Egal wer kommt, öffne bitte nicht die Tür. | Fragewort + ても |
| どこへ行っても人が多いです。 | Egal wohin man geht, überall sind viele Menschen. | freie Wahl des Ortes |
| いくら説明しても、彼は納得しません。 | So oft oder ausführlich ich es auch erkläre, er lässt sich nicht überzeugen. | いくら verstärkt die Erfolglosigkeit |
| 昨日は薬を飲んでも、頭痛が治りませんでした。 | Obwohl ich gestern Medikamente genommen hatte, gingen die Kopfschmerzen nicht weg. | tatsächlich eingetreten; rückblickend |
Bei 子どもでも分かります hat でも eine eng verwandte, aber etwas andere Aufgabe: Es hebt ein unerwartetes Beispiel hervor — „sogar ein Kind“. Das ist kein vollständiger Bedingungssatz, begegnet dir aber sehr häufig.
Typische Fehler
1. Die Wörterbuchform direkt vor も setzen
- Falsch: 雨が降るも行きます。
- Richtig: 雨が降っても行きます。
- Warum: Ein bejahtes Verb braucht vor も die て-Form. 降る wird zu 降って, dann folgt も.
2. Bei い-Adjektiven ても direkt anhängen
- Falsch: 高いても買います。
- Richtig: 高くても買います。
- Warum: Das letzte い wird durch くても ersetzt. Denk an die normale Verbindungsform 高くて und füge も hinzu.
3. な nach einem な-Adjektiv stehen lassen
- Falsch: 静かなても眠れません。
- Richtig: 静かでも眠れません。
- Warum: Das な erscheint vor einem Nomen, etwa in 静かな部屋. Vor も lautet die Verbindung でも.
4. Eine höfliche Form in den ても-Teil schieben
- Unnatürlich: 雨が降りましても行きます。 in einem gewöhnlichen Alltagsgespräch
- Natürlich: 雨が降っても行きます。
- Warum: Normalerweise bleibt der Nebensatz in der schlichten Form; ます am Ende macht den gesamten Satz höflich. ましても existiert in sehr formeller Sprache, ist aber keine A2-Standardform.
5. Deutsches „obwohl“ immer mit ても wiedergeben
- Weniger passend bei Enttäuschung: 約束しても、来ませんでした。
- Passender: 約束したのに、来ませんでした。
- Warum: Wenn eine Tatsache feststeht und der Sprecher Enttäuschung, Vorwurf oder Verwunderung über das Ergebnis zeigt, ist のに oft natürlicher. ても stellt eher heraus, dass das Ergebnis unabhängig von der Bedingung gilt.
6. てもいい als „selbst wenn“ Wort für Wort übersetzen
- Missverständlich: ここに座ってもいいです。 = „Selbst wenn ich hier sitze, ist es gut.“
- Natürlich: ここに座ってもいいです。 = „Darf ich hier sitzen?“ oder „Man darf hier sitzen.“
- Warum: 〜てもいい ist ein festes Muster für Erlaubnis. Die Grundidee „Auch wenn man es tut, ist es in Ordnung“ erklärt die Entstehung, aber die deutsche Übersetzung lautet meist „dürfen“.
Gebrauchshinweise
„Selbst wenn“, „auch wenn“ oder „obwohl“?
Bei einer nur vorgestellten Möglichkeit ist deutsches „selbst wenn“ meist die beste Hilfe:
台風が来ても出発します。 — „Wir fahren ab, selbst wenn ein Taifun kommt.“
Ist die Situation schon bekannt oder wirklich eingetreten, kann „obwohl“ natürlicher klingen:
薬を飲んでも、まだ熱があります。 — „Obwohl ich das Medikament genommen habe, habe ich noch Fieber.“
Japanisch verlangt hier nicht dieselbe scharfe Trennung wie Deutsch. Verlasse dich deshalb nicht auf genau ein deutsches Signalwort, sondern prüfe die Beziehung der beiden Aussagen: Erwartet man normalerweise, dass A das Ergebnis B verhindert, B gilt aber trotzdem? Dann ist ても wahrscheinlich passend.
Zeit und Kontext
Die て-Form selbst zeigt keine Zeitstufe. Ob ein Satz von Gegenwart, Zukunft oder Vergangenheit handelt, ergibt sich vor allem aus Zeitangaben und dem letzten Prädikat (dem Teil, der die eigentliche Aussage macht):
- 明日雨が降っても行きます。 — Zukunft durch 明日 und 行きます.
- 昨日薬を飲んでも頭痛が治りませんでした。 — Vergangenheit durch 昨日 und 治りませんでした.
Für Anfänger ist daher eine zuverlässige Regel: Setze die Zeit- und Höflichkeitsmarkierung an das Satzende.
でも hat noch andere Aufgaben
Die Folge でも ist nicht immer „selbst wenn“. In コーヒーでも飲みませんか bedeutet sie ungefähr „Wollen wir vielleicht einen Kaffee oder so trinken?“, und in 子どもでも分かる hebt sie „sogar ein Kind“ hervor. Entscheide anhand der Satzstruktur: Steht vor でも eine vollständige Bedingung, ein hervorgehobenes Beispiel oder nur ein unverbindlicher Vorschlag?
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Muster musst du auf A2 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber viele Sätze, die dir später in Gesprächen und Texten begegnen.
たとえ … ても: „selbst wenn wirklich …“
たとえ verstärkt die hypothetische Bedeutung. Es ändert die Bildung von ても nicht:
たとえ失敗しても、もう一度やってみます。 — „Selbst wenn ich scheitere, versuche ich es noch einmal.“
Ohne たとえ bleibt der Satz korrekt. Das Wort macht nur deutlicher, dass selbst unter dieser angenommenen Voraussetzung das Ergebnis gilt.
Fragewort + ても: „egal wer, was, wo oder wie oft“
Mit Fragewörtern entsteht eine Aussage ohne Einschränkung:
- 誰が来ても — egal wer kommt
- 何を食べても — egal was man isst
- どこへ行っても — egal wohin man geht
- 何回やっても — egal wie oft man es versucht
- いくら待っても — egal wie lange man wartet
Im Deutschen muss die Übersetzung oft umgebaut werden. どこへ行っても同じです heißt natürlicher „Es ist überall gleich“ als eine ganz wörtliche Wiedergabe. Gerade hier ist es sinnvoll, die japanische Einheit als Muster zu lernen statt Wort für Wort zu übertragen.
ても und のに
Beide Formen können auf Deutsch mit „obwohl“ erscheinen, setzen aber einen anderen Schwerpunkt.
| Form | Typischer Schwerpunkt | Beispiel |
|---|---|---|
| ても | Das Ergebnis gilt unabhängig von einer möglichen oder wirklichen Bedingung. | 雨が降っても行きます。 — Ich gehe, selbst wenn es regnet. |
| のに | Eine wirkliche Tatsache führt zu einem unerwarteten, oft unerwünschten Ergebnis. | 雨が降ったのに、試合がありました。 — Obwohl es geregnet hatte, fand das Spiel statt. |
のに trägt häufig einen Unterton von Enttäuschung, Kritik oder Verwunderung. ても kann neutraler und zukunftsbezogen sein. Die Grenze ist keine reine Übersetzungsregel; Absicht und Gesprächslage entscheiden mit.
〜たとしても: eine ausdrücklich angenommene Voraussetzung
Auf höherem Niveau begegnet dir 〜たとしても, etwa 間に合ったとしても、席はないでしょう („Selbst angenommen, wir kämen rechtzeitig, gäbe es wohl keine Plätze“). Dieses Muster kennzeichnet eine Annahme ausdrücklich und wirkt oft überlegter oder argumentativer als einfaches ても. Für alltägliche A2-Sätze bleibt ても die bessere Ausgangsform.
Übungstipps
- Bilde Fünfergruppen. Nimm täglich je ein Verb, ein verneintes Verb, ein い-Adjektiv, ein な-Adjektiv und ein Nomen: zum Beispiel 行っても, 食べなくても, 安くても, 静かでも, 雨でも. So lernst du das Muster wortartenübergreifend.
- Ergänze einen festen Hauptsatz. Verwende etwa 〜ても行きます, 〜ても大丈夫です oder 〜ても分かりません und tausche nur die Bedingung aus. Prüfe dabei, warum das Ergebnis überraschend oder unabhängig von der Bedingung ist.
- Vergleiche deutsche Übersetzungen. Übersetze denselben japanischen Satz einmal mit „selbst wenn“ und einmal mit „obwohl“. Entscheide dann anhand des Kontexts, ob die Bedingung angenommen oder bereits Tatsache ist. Das verhindert, dass du ても an nur ein deutsches Wort bindest.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Die て-Form — liefert die Verbform, an die も angefügt wird.
- Nächster Schritt: のに („obwohl“) — drückt einen tatsächlichen Gegensatz aus und vermittelt oft Enttäuschung oder Verwunderung.
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