Koreanisch-Grammatik
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Das moderne Hangul verwendet 21 Vokalzeichen: zehn Grundvokale und elf zusammengesetzte Vokale. Ein Vokal steht nie allein außerhalb eines Silbenblocks: Beginnt eine Silbe mit einem Vokal, erhält er den lautlosen Platzhalter ㅇ, etwa ㅏ → 아. Senkrechte Vokale stehen rechts vom Anfangskonsonanten, waagerechte darunter.
Das koreanische Alphabet hat 19 Konsonantenzeichen: 14 einfache Zeichen und fünf Doppelkonsonanten. Ihr Laut hängt von ihrer Stelle im Silbenblock ab: ㅇ ist am Silbenanfang stumm, am Silbenende aber ng; auch ㄱ, ㄷ, ㅂ und ㄹ klingen nicht in jeder Position gleich. Die lateinische Umschrift ist deshalb nur eine Lesehilfe, keine genaue Ausspracheanweisung.
Koreanische Buchstaben stehen in Wörtern nicht einfach nebeneinander, sondern werden zu quadratischen Silbenblöcken angeordnet. Jeder Block enthält einen Anfangskonsonanten und einen Vokal; darunter kann zusätzlich ein Endkonsonant stehen: 가 = ㄱ + ㅏ, 강 = ㄱ + ㅏ + ㅇ. Beginnt eine Silbe mit einem Vokal, besetzt das dort stumme ㅇ die Anfangsposition, etwa in 아.
Koreanische Silben werden einzeln geschrieben, beim Sprechen aber miteinander verbunden. Besonders ein 받침 (Endkonsonant einer Silbe) verändert sich oft durch den Anfangslaut der nächsten Silbe: 먹어요 wird deshalb [머거요], 학교 [학꾜] ausgesprochen. Die Schreibweise bleibt dabei unverändert; die eckigen Klammern zeigen nur die tatsächliche Aussprache.
Im neutralen koreanischen Aussagesatz steht das Prädikat am Ende: meist gilt also Subjekt–Objekt–Prädikat. 저는 사과를 먹어요 bedeutet wörtlich etwa „Ich einen Apfel esse“. Partikeln wie 는 und 를 zeigen die Rolle eines Satzteils an; bereits bekannte Satzteile werden häufig ganz weggelassen.
Die Partikeln 이 und 가 stehen direkt hinter einem Nomen oder Pronomen und kennzeichnen meist das grammatische Subjekt – also die Person oder Sache, über die das Prädikat etwas aussagt. Nach einem Endkonsonanten (받침, Batchim) steht 이, nach einem Vokal 가: 책이 „das Buch“ – 학교가 „die Schule“. Besonders häufig sind 이/가 bei neuer oder gezielt hervorgehobener Information sowie in Antworten auf Fragen wie 누가? „wer?“.
Die Partikel 은/는 kennzeichnet, worüber ein koreanischer Satz etwas aussagt: 은 steht nach einem Konsonanten (Mitlaut), 는 nach einem Vokal (Selbstlaut). Sie kann ein bereits bekanntes Thema aufgreifen, zwei Dinge einander gegenüberstellen oder eine allgemeine Aussage bilden: 오늘은 바빠요. bedeutet je nach Zusammenhang „Heute bin ich beschäftigt“ oder „Heute dagegen bin ich beschäftigt“.
을/를 steht direkt hinter dem Gegenstand einer Handlung: 밥을 먹어요 „Ich esse Reis“. Endet das vorangehende Wort mit einem Schlusskonsonanten (받침), verwendet man 을; endet es mit einem Vokal, verwendet man 를. Im lockeren Gespräch kann die Partikel fehlen, wenn die Rolle des Wortes ohnehin klar ist.
에 markiert meist den Ort eines Zustands oder das Ziel einer Bewegung: 집에 있어요 „Ich bin zu Hause“, 학교에 가요 „Ich gehe zur Schule“. 에서 bezeichnet den Ort, an dem eine Handlung stattfindet, und kann außerdem „aus/von“ ausdrücken: 도서관에서 공부해요 „Ich lerne in der Bibliothek“, 한국에서 왔어요 „Ich komme aus Korea“.
Koreanische Personalpronomen hängen stark von Nähe, Höflichkeit und Gesprächssituation ab: 저 und 나 bedeuten beide „ich“, gehören aber zu unterschiedlichen Stilebenen. Anders als im Deutschen lässt man Pronomen oft ganz weg oder verwendet für „Sie“, „er“ und „sie“ lieber einen Namen, Titel oder Ausdruck wie 그분. Besonders wichtig: 당신 ist kein neutrales Gegenstück zum deutschen „Sie“.
Das Koreanische unterscheidet drei Entfernungsbereiche: 이 bezeichnet etwas beim Sprecher, 그 etwas beim Gesprächspartner oder etwas bereits Erwähntes und 저 etwas, das von beiden weiter entfernt ist. Vor einem Substantiv (einem Wort für eine Person, einen Gegenstand oder einen Ort) stehen sie getrennt: 이 책, 그 사람, 저 건물. Mit 것 „Ding“ entstehen die selbstständigen Formen 이것, 그것 und 저것.
Das Koreanische verwendet zwei Zahlensysteme. Die rein koreanischen Zahlen wie 하나, 둘, 셋 braucht man vor allem zum Zählen von Dingen und Personen, für das Alter mit 살 und für Stunden mit 시. Vor einer Zähleinheit werden einige Formen verkürzt: 하나 → 한, 둘 → 두, 셋 → 세, 넷 → 네 und 스물 → 스무.
Die sinokoreanischen Zahlen beginnen mit 일, 이, 삼, 사, 오, 육, 칠, 팔, 구, 십 und werden vor allem für Datum, Geldbeträge, Minuten, Monate und Ziffernfolgen gebraucht. Mehrstellige Zahlen entstehen regelmäßig: 20 ist 이십 („zwei Zehner“), 23 이십삼. Welches koreanische Zahlensystem richtig ist, hängt jedoch vom gezählten Bereich ab, nicht allein von der Zahl.
Beim Zählen steht im Koreanischen zwischen Zahl und gemeinter Sache meist eine Zähleinheit: 사과 두 개 bedeutet wörtlich etwa „Apfel – zwei – Stück“, also „zwei Äpfel“. Welche Zähleinheit passt, hängt von der Art des Gezählten ab: 개 für allgemeine Dinge, 명 oder 분 für Menschen, 마리 für Tiere, 권 für Bücher, 잔 für Tassen oder Gläser und 병 für Flaschen.
Bei koreanischen Uhrzeiten werden zwei Zahlensysteme kombiniert: Für die Stunde steht eine einheimisch-koreanische Zahl vor 시, für die Minute eine sino-koreanische Zahl vor 분. So heißt 3:30 세 시 삼십 분. Für Zeitpunkte verwendet man häufig die Partikel 에, bei 오늘 „heute“, 내일 „morgen“ und 어제 „gestern“ fällt sie jedoch normalerweise weg.
Koreanische Wörterbuchformen wie 가다 „gehen“ und 먹다 „essen“ enden auf -다. Nimmt man dieses -다 weg, erhält man den Verbstamm: 가- beziehungsweise 먹-. An diesen Stamm werden Endungen angefügt; ob er auf einen Vokal oder einen Konsonanten endet, bestimmt dabei oft die Form der Endung.
Für die übliche höfliche Alltagssprache wird an den Verbstamm -아요 oder -어요 angefügt: Nach ㅏ oder ㅗ steht grundsätzlich -아요, nach anderen Vokalen -어요. Viele Formen verschmelzen, etwa 가다 → 가요, 보다 → 봐요 und 마시다 → 마셔요; 하다 wird zu 해요.
Für höfliche Aussagen in einem formellen Rahmen hängt man an einen Verbstamm ohne 받침 (Endkonsonant) -ㅂ니다, an einen Stamm mit 받침 -습니다: 가다 → 갑니다, 먹다 → 먹습니다. Endet der Stamm auf ㄹ, fällt ㄹ weg: 살다 → 삽니다. Diese Sprechstufe klingt offizieller und distanzierter als die im Alltag häufigere 해요체-Form auf -아/어요.
Die vertrauliche Form -아/어 entspricht meist der höflichen Form -아/어요 ohne 요: 가요 → 가, 먹어요 → 먹어, 해요 → 해. Sie gehört zum lockeren Sprechstil 해체, oft auch 반말 genannt, und passt nur zu Menschen, mit denen ein entsprechend vertrauter Umgang besteht. Im Zweifel bleibt -아/어요 die sichere Wahl.
Setze 안 direkt vor ein Verb, wenn etwas nicht geschieht: 안 가요 „ich gehe nicht“. Mit 못 drückst du aus, dass etwas wegen mangelnder Fähigkeit oder ungünstiger Umstände nicht möglich ist: 못 가요 „ich kann nicht gehen“. Für „nicht vorhanden/nicht haben“ steht meist 없다, für „nicht sein“ 아니다.
Für die einfache Vergangenheit setzt man -았- nach einem Stamm mit ㅏ oder ㅗ und sonst -었- ein; 하다 wird zu 했-. In der im Alltag häufigen höflichen Form entstehen so 갔어요 „ging“, 먹었어요 „aß“ und 했어요 „machte“. Anders als im Deutschen braucht man dafür weder haben oder sein noch ein Partizip.
Mit -(으)ㄹ 거예요 sprechen Sie höflich über einen Plan oder etwas, das voraussichtlich geschehen wird: 갈 거예요 „ich werde gehen“ und 먹을 거예요 „ich werde essen“. Nach einem Vokal kommt -ㄹ 거예요, nach einem Endkonsonanten -을 거예요; endet der Stamm schon auf ㄹ, steht nur - 거예요 dahinter.
Hänge -고 싶다 an den Verbstamm, um zu sagen, dass du etwas tun möchtest: 가다 → 가고 싶어요 „Ich möchte gehen“. In Aussagen beschreibt diese Form meist den eigenen Wunsch; nach dem Wunsch einer anderen Person fragt man ebenfalls mit -고 싶어요?. Über den Wunsch einer dritten Person spricht man gewöhnlich mit -고 싶어하다: 가고 싶어해요 „Er oder sie möchte gehen“.
Hänge an den Verbstamm -(으)ㄹ 수 있어요, um „können“ auszudrücken: 가다 → 갈 수 있어요 („gehen können“), 먹다 → 먹을 수 있어요 („essen können“). Für „nicht können“ ersetzt du 있어요 durch 없어요: 먹을 수 없어요. Nach einem Vokal oder ㄹ steht -ㄹ, nach einem anderen Endkonsonanten -을.
Koreanische „Adjektive“ wie 크다 („groß sein“) und 좋다 („gut sein“) funktionieren im Satz als beschreibende Verben: 집이 커요 heißt wörtlich eher „Das Haus ist-groß“. Vor einem Nomen erhalten sie meist -(으)ㄴ: 큰 집 („ein großes Haus“). Ein zusätzliches 이다 für „sein“ ist dabei nicht nötig.
Mit 이다 setzt man ein Nomen mit einer Person oder Sache gleich: 학생이에요 bedeutet „ist Schüler/Schülerin“. Im höflichen Alltag steht nach einem Endkonsonanten 이에요, nach einem Vokal 예요; die formelle Form lautet immer 입니다. Verneint wird nicht direkt am Nomen, sondern mit N이/가 아니에요 beziehungsweise formell N이/가 아닙니다.
있다 bedeutet je nach Zusammenhang „da sein“, „sich befinden“ oder „haben“; 없다 bedeutet „nicht da sein“, „es gibt nicht“ oder „nicht haben“. In der höflichen Alltagssprache heißen die Formen 있어요 und 없어요. Was vorhanden oder nicht vorhanden ist, steht normalerweise mit 이/가, ein Ort mit 에.
In der höflichen Alltagssprache kann derselbe koreanische Satz je nach Satzmelodie eine Aussage oder eine Ja-Nein-Frage sein: 가요. „Sie gehen.“ – 가요? „Gehen Sie?“ Bei Fragen mit 뭐, 누구, 어디, 언제, 왜 oder 어떻게 bleibt das Fragewort normalerweise an der Stelle, an der in der Antwort die gesuchte Information stehen würde; eine Umstellung wie im Deutschen ist nicht nötig.
Mit 안녕하세요 begrüßt man die meisten Menschen höflich und sicher. Für Dank, Entschuldigung und Ja/Nein sind 감사합니다, 죄송합니다 und 네/아니요 gute erste Formen. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Bedeutung: Koreanische Wendungen zeigen zugleich, wie förmlich und wie respektvoll eine Situation ist.
Mit -고 verbindet man zwei Handlungen, Zustände oder Eigenschaften im Sinn von „und“ oder „und dann“. Dazu entfernt man beim ersten Prädikat die Wörterbuchendung -다 und hängt -고 an: 먹다 → 먹고, 크다 → 크고. Zeitform und Höflichkeitsstufe stehen in einfachen Sätzen normalerweise erst am letzten Prädikat.
Mit -(으)시- zeigt man Respekt gegenüber der Person, die etwas tut oder über die etwas ausgesagt wird: 어머니가 오세요 bedeutet „Meine Mutter kommt“, wobei die Mutter sprachlich geehrt wird. Nach einem Vokal oder ㄹ steht -시-, nach den meisten anderen Endkonsonanten -으시-. In der sehr häufigen höflichen Gegenwartsform erscheint die Kombination meist als -(으)세요.
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Mit Verbstamm + -고 있다 stellst du eine Handlung als gerade laufend oder über einen Zeitraum andauernd dar: 먹고 있어요 bedeutet „ich esse gerade“. Der erste Teil bleibt unverändert; Zeitform und Höflichkeitsstufe werden am Hilfsverb 있다 markiert. Für einen Zustand, der als Ergebnis einer abgeschlossenen Veränderung besteht, steht dagegen häufig -아/어 있다: 문이 열려 있어요 „Die Tür ist offen“.
Für „bevor man etwas tut“ setzt du -기 전에 an den Verbstamm: 먹기 전에 „vor dem Essen / bevor man isst“. Für „nachdem man etwas getan hat“ verwendest du -(으)ㄴ 후에: 먹은 후에 „nach dem Essen / nachdem man gegessen hat“. Bei einem Substantiv (einem Wort für eine Person, Sache oder ein Ereignis) stehen 전에 und 후에 direkt dahinter: 수업 전에 „vor dem Unterricht“, 수업 후에 „nach dem Unterricht“.
Mit -아/어서 hängt man im Koreanischen einen Grund direkt an seine Folge: 바빠서 못 가요 bedeutet „Ich kann nicht kommen, weil ich beschäftigt bin“. Der Grund steht zuerst; nur der letzte Satzteil erhält normalerweise Zeitform, Höflichkeitsstufe und Satzschluss. Vor Aufforderungen und Vorschlägen nimmt man für einen Grund stattdessen meist -(으)니까.
Mit -(으)니까 nennt man einen Grund, auf den eine Einschätzung, Bitte, Aufforderung oder ein Vorschlag folgt: 비가 오니까 우산을 가져가세요 – „Da es regnet, nehmen Sie einen Regenschirm mit.“ Nach einem Stamm mit Endkonsonant steht meist -으니까, nach einem Vokal -니까. Anders als -아/어서 kann diese Verbindung problemlos vor Aufforderungen und Vorschlägen stehen.
Hänge -면 an einen Verbstamm, der auf einen Vokal oder ㄹ endet, und -으면 an einen Stamm mit einem anderen Endkonsonanten: 가면 „wenn man geht“, 살면 „wenn man lebt“, 먹으면 „wenn man isst“. Die Form kann je nach Zusammenhang deutschem wenn, falls oder manchmal als entsprechen; die eigentliche Zeit- oder Höflichkeitsform steht meist erst am Ende des ganzen Satzes.
Mit -지만 verbindest du zwei gegensätzliche oder unerwartet miteinander verknüpfte Aussagen: 비싸지만 좋아요 bedeutet „Es ist teuer, aber gut“. Du hängst -지만 direkt an den Stamm eines Verbs oder beschreibenden Verbs; bei Vergangenheit und anderen grammatischen Zusätzen steht es hinter der entsprechenden Form: 먹었지만 „obwohl ich gegessen habe“.
Setze -아/어 보다 an den Stamm eines Tätigkeitsverbs, wenn jemand etwas versuchsweise tut: 먹어 보다 „probieren zu essen“. In der Vergangenheit bezeichnet die Form oft eine Erfahrung: 한국에 가 봤어요? heißt natürlich „Warst du schon einmal in Korea?“. Der erste Teil nennt die Handlung; 보다 trägt danach Zeitform, Höflichkeit und Satzendung.
Für „müssen“ oder „etwas tun müssen“ setzt man -아/어야 하다 oder -아/어야 되다 an den Verbstamm: 가야 해요 „ich muss gehen“. Wichtig ist der Gegensatz: -지 않아도 되다 beziehungsweise 안 -아/어도 되다 bedeutet „nicht müssen“, während -(으)면 안 되다 „nicht dürfen“ ausdrückt.
Mit Verbstamm + -아/어도 돼요? fragst du höflich, ob du etwas tun darfst: 여기 앉아도 돼요? bedeutet „Darf ich hier sitzen?“. Ohne Frageintonation gibt dieselbe Form eine Erlaubnis: 앉아도 돼요 – „Du darfst dich setzen.“ Ein Verbot wird gewöhnlich mit -(으)면 안 돼요 ausgedrückt: 여기 앉으면 안 돼요 – „Hier darf man nicht sitzen.“
Mit -(으)ㄹ까요? schlägst du höflich eine gemeinsame Handlung vor (같이 갈까요? – „Sollen wir zusammen gehen?“), bietest deine eigene Hilfe an (제가 할까요? – „Soll ich es machen?“) oder fragst vorsichtig nach einer Vermutung (비가 올까요? – „Meinst du, es wird regnen?“). Nach einem Vokal kommt meist -ㄹ까요, nach einem Endkonsonanten -을까요; endet der Stamm bereits auf ㄹ, wird kein zweites ㄹ ergänzt.
Für einen gemeinsamen Vorschlag setzt du -(으)ㅂ시다 in formell-höflichen Situationen und -자 unter engen Freunden an den Verbstamm: 갑시다 „Gehen wir“ und 가자 „Lass uns gehen“. Im normalen höflichen Gespräch klingt eine Frage mit -(으)ㄹ까요? oft natürlicher und weniger bestimmend: 갈까요? „Wollen wir gehen?“
Für eine höfliche Aufforderung hängst du -(으)세요 an den Verbstamm: Nach den meisten Konsonanten steht -으세요, nach einem Vokal -세요. „Bitte nicht …“ bildest du mit -지 마세요. So entstehen alltägliche Sätze wie 앉으세요 „Setzen Sie sich bitte“ und 걱정하지 마세요 „Machen Sie sich bitte keine Sorgen“.
Mit -(으)면서 drückst du aus, dass dieselbe Person zwei Dinge gleichzeitig tut: 음악을 들으면서 공부해요 bedeutet „Ich lerne, während ich Musik höre“. Nach einem Verbstamm mit Endkonsonant steht meist -으면서, sonst -면서. Das Subjekt (wer etwas tut) ist in beiden Teilsätzen normalerweise dasselbe.
Bei der koreanischen indirekten Rede richtet sich die Endung danach, welche Art von Satz wiedergegeben wird: Aussage -다고, Frage -냐고, Aufforderung -(으)라고, Vorschlag -자고. Danach folgt meist 하다 „sagen“, oft in einer Form wie 했어요. Die Zeitform steht innerhalb des zitierten Teils: 갔다고 했어요 „Er/Sie sagte, dass er/sie gegangen sei“.
Im Koreanischen steht die nähere Bestimmung vor dem Nomen: 먹는 사람 ist „eine Person, die isst“, 먹은 음식 „gegessenes Essen“ und 먹을 것 „etwas zum Essen“. Bei Handlungsverben unterscheidet man meist -(으)ㄴ für Abgeschlossenes, -는 für Gegenwärtiges oder Regelmäßiges und -(으)ㄹ für Zukünftiges oder Beabsichtigtes; beschreibende Verben verwenden für eine gegenwärtige Eigenschaft gewöhnlich -(으)ㄴ.
Bei 주다 „geben“ bewegt sich etwas vom Gebenden zum Empfänger, bei 받다 „bekommen“ betrachtet man dieselbe Übergabe aus Sicht des Empfängers. Gegenüber einer höhergestellten oder respektierten Person ersetzt man 주다 meist durch das bescheidene 드리다. Hinter einem anderen Verb zeigen -아/어 주다 und -아/어 드리다, dass eine Handlung als Gefälligkeit für jemanden ausgeführt wird.
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Für einige häufige Tätigkeiten genügt es im Koreanischen nicht, an das gewöhnliche Verb -(으)시- anzuhängen. Spricht man respektvoll über eine höhergestellte oder besonders zu achtende Person, ersetzt man das neutrale Wort ganz: 먹다 → 드시다 „essen“, 자다 → 주무시다 „schlafen“ und 있다 → 계시다 „da sein“. Geehrt wird dabei die Person, die handelt oder sich an einem Ort befindet – nicht automatisch die Person, mit der man spricht.
Koreanische 겸양어 stellen die eigene Person oder die eigene Handlung sprachlich niedriger dar und erweisen dadurch dem Gegenüber oder einer anderen respektierten Person Achtung. Statt 나, 주다, 만나다, 묻다 und 말하다 verwendet man je nach Beziehung zum Beteiligten zum Beispiel 저, 드리다, 뵙다, 여쭙다 und 말씀드리다. Entscheidend ist nicht nur, mit wem man spricht, sondern vor allem, wer handelt und auf wen die Handlung gerichtet ist.
Im Koreanischen rückt das Passiv 피동 die Person oder Sache in den Mittelpunkt, die von einer Handlung betroffen ist: 경찰이 도둑을 잡았어요 „Die Polizei fasste den Dieb“ wird zu 도둑이 경찰에게 잡혔어요 „Der Dieb wurde von der Polizei gefasst“. Anders als im Deutschen gibt es dafür keine einzige, frei einsetzbare Form wie „werden + Partizip“: Häufig verwendet man ein eigenes Passivverb mit -이/히/리/기 oder eine Form mit -아/어지다, und oft bleibt der Handelnde ganz unerwähnt.
Mit dem koreanischen Kausativ 사동 drückt man aus, dass jemand eine Handlung veranlasst, ermöglicht oder bewirkt: 아이를 재웠어요 bedeutet „Ich brachte das Kind zum Schlafen“. Häufig stehen dafür entweder ein Kausativsuffix wie -이/히/리/기/우/추 oder die frei verwendbare Form -게 하다 zur Verfügung. Welche Form natürlich klingt und ob eher „zwingen“, „veranlassen“, „lassen“ oder „bewirken“ gemeint ist, hängt vom Verb und vom Zusammenhang ab.
Mit -아/어도 drückst du aus, dass eine Bedingung am Ergebnis nichts ändert: 비가 와도 갈 거예요 bedeutet „Selbst wenn es regnet, werde ich gehen“. Die Form wird wie -아/어요, aber ohne 요, an den Stamm gehängt: 가다 → 가도, 먹다 → 먹어도, 하다 → 해도.
Für „nicht nur A, sondern auch B“ steht meist A-(으)ㄹ 뿐만 아니라 B도; nach einem Substantiv (einem Wort für eine Person, Sache oder Idee) lautet die Form A뿐만 아니라 B도. Mit -기도 하다 fügt man eine weitere Eigenschaft oder Handlung hinzu: 가끔 요리하기도 해요 bedeutet „Ich koche manchmal auch.“
Mit -더- stellt man eine vergangene Situation so dar, wie man sie selbst wahrgenommen oder später in Erinnerung behalten hat. 맛있더라고요 bedeutet daher nicht nur „Es war lecker“, sondern ungefähr „Ich habe festgestellt, dass es lecker war“. Besonders häufig begegnet -더- in -더라고요, -더니, -던 und der vertrauten Satzendung -더라.
Mit -(으)ㄹ 정도로 beschreibt man einen anschaulichen Grenzpunkt („so …, dass …“), mit -(으)ㄹ 만큼 eine Menge oder ein vergleichbares Maß („so viel, wie …“). -게 macht aus vielen beschreibenden Verben eine adverbiale Form, die sagt, wie etwas geschieht: 빠르다 → 빠르게 („schnell“).
Mit 것 같다 formulierst du eine Einschätzung vorsichtig: Je nach vorausgehender Form bedeutet die Verbindung etwa „es scheint“, „ich glaube“ oder „wahrscheinlich“. Für eine erwartete Entwicklung steht meist -(으)ㄹ 것 같다, für gegenwärtige Handlungen -는 것 같다, für gegenwärtige Eigenschaften und abgeschlossene Handlungen -(으)ㄴ 것 같다: 비가 올 것 같아요 „Es sieht nach Regen aus“.
Mit -다고 해요 gibst du eine Aussage wieder; in Gesprächen wird daraus sehr oft -대요: 비가 온다고 해요 → 비가 온대요 („Ich habe gehört, dass es regnet“). Welche Form vor -다고 steht, hängt von Wortart und Zeitstufe ab: 간대요 bei Handlungsverben, 재미있대요 bei beschreibenden Verben und 학생이래요 bei Nomen.
Mit -(으)려고 하다 kündigst du eine Absicht oder einen Plan an: 한국어를 배우려고 해요 bedeutet „Ich habe vor, Koreanisch zu lernen“. Verbindest du -(으)려고 direkt mit einer weiteren Handlung, bezeichnet es deren Zweck: 책을 사려고 서점에 갔어요 – „Ich ging in die Buchhandlung, um ein Buch zu kaufen“. In beiden Teilsätzen handelt normalerweise dieselbe Person.
B2 (8)
Die Endungen -(으)므로, -(으)나, -거나 und -(으)며 verbinden im Koreanischen zwei Gedanken direkt am Verbstamm: Sie drücken Grund, Gegensatz, Alternative oder Aufzählung beziehungsweise Gleichzeitigkeit aus. Besonders -(으)므로, -(으)나 und -(으)며 begegnen dir häufig in Berichten, Vorträgen, Hinweisen und sachlichen Texten; -거나 ist dagegen auch in alltäglicher Sprache ganz normal.
Mit -기 und -(으)ㅁ werden koreanische Verben und Adjektive so behandelt, als wären sie Nomen: 읽기 „das Lesen“, 수영하기 „das Schwimmen“, 왔음 „die Tatsache, dass jemand gekommen ist“. -기 bezeichnet häufig eine Tätigkeit oder einen Vorgang und ist in der gesprochenen Sprache sehr gebräuchlich; -(으)ㅁ stellt eher eine Tatsache oder einen Zustand fest und wirkt oft schriftsprachlicher oder formeller.
Mit Verbstamm + -지 않을 수 없다 sagt man, dass man etwas nicht vermeiden kann: 웃지 않을 수 없었어요 bedeutet je nach Zusammenhang „Ich musste einfach lachen“ oder „Ich konnte nicht anders, als zu lachen“. Die zwei Verneinungen ergeben dabei eine starke bejahende Aussage, oft mit dem Unterton von Unvermeidbarkeit oder innerem Zwang.
Mit -(으)ㄴ/는 반면(에) stellt man zwei deutlich unterschiedliche Seiten gegenüber: 봄은 따뜻한 반면 겨울은 춥다 bedeutet „Der Frühling ist warm, wohingegen der Winter kalt ist.“ Die Form vor 반면 richtet sich danach, ob davor ein Verb, ein Adjektiv oder ein Nomen steht. Anders als das deutsche „während“ bezeichnet 반면 hier keinen Zeitraum, sondern ausschließlich einen Gegensatz.
Mit -든(지) sagst du, dass eine Wahl oder Bedingung für das Ergebnis keine Rolle spielt: 비가 오든 눈이 오든 가요 bedeutet „Ich gehe, ob es regnet oder schneit“. An Fragewörter angefügt entstehen Ausdrücke wie 누구든지 „wer auch immer/jeder“, 뭐든지 „was auch immer/alles“ und 어디든 „wohin auch immer“.
Eine bejahte Aufforderung wird mit Verbstamm + -(으)라고 하다 wiedergegeben, eine verneinte mit -지 말라고 하다. Ist ausdrücklich eine Bitte gemeint, etwas für die ursprünglich sprechende Person zu tun, verwendet man -아/어 달라고 하다: 도와 달라고 했어요 bedeutet „Die Person bat darum, ihr zu helfen.“
Die Partikeln 마저, 조차, (이)나마, 대로 und 만큼 drücken feine Abstufungen aus: „sogar“, „nicht einmal“, „wenigstens“, „gemäß“ und „so viel wie“. Entscheidend ist nicht nur die deutsche Übersetzung, sondern auch die Sichtweise: 마저 ergänzt oft das letzte ungünstige Element, 조차 unterschreitet eine erwartete Mindestgrenze, (이)나마 akzeptiert eine unvollkommene Ersatzlösung, 대로 folgt einer Vorgabe und 만큼 setzt ein Maß.
Koreanische Kausativverben (사동사) drücken aus, dass jemand eine Handlung veranlasst: 먹다 „essen“ wird zu 먹이다 „füttern, essen lassen“. Passivverben (피동사) stellen dagegen die Person oder Sache in den Mittelpunkt, die von einer Handlung betroffen ist: 읽다 „lesen“ wird zu 읽히다 „gelesen werden“. Da beide Gruppen teilweise dieselben Suffixe verwenden und viele Formen fest zum Wortschatz gehören, muss man neben der Form immer auch Satzbau und Kontext beachten.
C1 (7)
In sachlichen koreanischen Texten enden Aussagen häufig auf -다, bei Handlungsverben im Präsens genauer auf -ㄴ다/-는다: 간다, 먹는다, 연구한다. Die Konstruktion -(으)ㄴ/는 바 mit Abstand verweist auf einen Sachverhalt, während das angehängte -는바 einen formellen Grund oder Hintergrund einleiten kann. Schriftlich und formell sind jedoch nicht dasselbe: Welche Endung passt, hängt von Textsorte, Publikum und Funktion des Satzes ab.
Koreanische Nachrichten kennzeichnen sorgfältig, woher eine Information stammt und wie sicher sie ist. Typische Muster sind -(으)ㄴ/는 것으로 알려졌다 für eine bekannt gewordene Information, -고 전했다/밝혔다 für zugeschriebene Aussagen, -기로 했다 für Beschlüsse und -(으)ㄴ 것으로 보인다 für eine begründete Einschätzung. Schlagzeilen kürzen diese vollständigen Sätze oft stark.
Koreanische Höflichkeit wirkt auf mehreren Ebenen zugleich: Man kann den Gesprächspartner durch die Satzendung respektieren, die erwähnte handelnde Person mit -(으)시- erhöhen und sich selbst gegenüber einer respektierten Person mit Formen wie 드리다 oder 여쭙다 zurücknehmen. Diese Ebenen sind unabhängig voneinander. Deshalb ist nicht die größtmögliche Zahl an Höflichkeitsformen richtig, sondern ihre passende Verteilung auf die beteiligten Personen.
Die Endungen -도다, -(으)리라, -(으)리요 und -거늘 verleihen Aussagen einen feierlichen, dichterischen oder altertümlichen Ton. Sie drücken bewundernden Ausruf, entschlossene Voraussage, rhetorische Frage oder einen gewichtigen Gegensatz aus. Für heutige Lernende ist es vor allem wichtig, diese Formen beim Lesen sicher zu erkennen; im normalen Gespräch wirken sie meist bewusst inszeniert.
Mit -기는커녕, -다시피, -(으)ㄹ수록 und -(으)ㄴ/는 데다가 lassen sich Erwartungen zurückweisen, bekanntes Wissen aufgreifen, parallele Veränderungen ausdrücken und zusätzliche Gründe nennen. Anders als deutsche Konjunktionen wie „obwohl“ oder „außerdem“ stehen diese Formen meist direkt am koreanischen Verb, Eigenschaftsverb oder Nomen.
Koreanische Fachtexte verwenden meist den neutralen schriftlichen Stil auf -다, verdichten Aussagen durch Nominalisierungen und nennen handelnde Personen nur, wenn sie wichtig sind. Formulierungen wie -(으)ㄹ 수 있다, -것으로 보인다 und -을 시사한다 stufen Behauptungen vorsichtig ab; Quellen werden etwa mit 선행 연구에 따르면 oder 김(2022)은 …다고 보고하였다 eingebunden.
Geschäftliches Koreanisch verbindet klare Sachinformation mit sorgfältiger Beziehungspflege. Typisch sind höfliche Satzenden wie -습니다, zurückhaltende Bitten wie 검토 부탁드립니다 und ehrerbietige Verben wie 여쭙다, 뵙다 oder 모시다. Gute Formulierungen zeigen, wer handelt und wem Respekt gilt, ohne die Nachricht unnötig lang oder unterwürfig zu machen.
C2 (7)
Koreanische Regionalvarietäten unterscheiden sich nicht nur im Klang, sondern auch in Satzendungen und Wortschatz. Besonders gut erkennbar sind Formen wie 뭐 하노? aus Gyeongsang, höfliches -유 aus Chungcheong und 혼저 옵서예 aus Jeju. Für Lernende ist zunächst das sichere Erkennen wichtiger als das Nachahmen: Eine einzelne Form verrät weder immer eindeutig die Herkunft noch darf sie unabhängig von Alter, Situation und Höflichkeitsstufe verwendet werden.
Koreanische Sätze zeigen durch ihre Endung, wie die sprechende Person ihr Verhältnis zum Gegenüber einordnet. Im heutigen Alltag tragen vor allem 하십시오체, 해요체, 해체 und in bestimmten Textsorten 해라체; 하오체, 하게체 und 하소서체 sind stärker auf besondere soziale, historische oder literarische Situationen beschränkt. Eine Stufe ist deshalb keine bloße Übersetzung von deutschem „Sie“ oder „du“, sondern eine Entscheidung über Höflichkeit, Förmlichkeit und Gesprächsrolle.
Klassische koreanische Texte verbinden ältere Wortformen und Endungen wie 아니온가, 함이라 oder 가로되 mit einem stark sino-koreanisch geprägten Wortschatz. Für heutige Lernende ist vor allem wichtig, diese Formen beim Lesen zu erkennen und in modernes Koreanisch zu übertragen; in einem gewöhnlichen Gespräch wirken sie feierlich, altertümlich oder bewusst parodistisch.
Sino-koreanische Wörter (한자어) bestehen aus koreanisch ausgesprochenen Bedeutungsbausteinen chinesischen Ursprungs. Wer häufige Elemente wie 불- „nicht/un-“, -성 „Eigenschaft“, -화 „Entwicklung zu“ oder -적 „bezogen auf“ erkennt, kann viele Begriffe aus Wissenschaft, Recht, Medizin und Politik leichter erschließen. Die Hanja-Schreibweise hilft beim Analysieren, im heutigen koreanischen Fließtext stehen diese Wörter jedoch fast immer in Hangul.
Koreanische 관용어 sind feste bildhafte Wendungen, deren Gesamtbedeutung sich nicht einfach aus den einzelnen Wörtern ergibt; 속담 sind meist vollständige, überlieferte Aussagen mit einer allgemeinen Lebensregel. Deshalb sollte man nicht Wort für Wort übersetzen, sondern immer Form, übertragene Bedeutung, Situation und Sprachregister zusammen lernen. Auf C2-Niveau zählt außerdem, ob eine Wendung im Gespräch natürlich, scherzhaft, belehrend oder altmodisch wirkt.
Historisches Koreanisch ist keine einzelne alte Höflichkeitsform, sondern eine Reihe von Sprachstufen und Schreibkonventionen. Beim Lesen muss man deshalb Schriftform, Lautstand, Grammatik und moderne Übertragung getrennt betrachten: ㆍ ist ein historischer Vokalbuchstabe, -노라 und -도다 sind markierte Satzendungen, und Formen wie 나랏말ᄊᆞ미 lassen sich nur durch Zerlegung sicher verstehen.
Koreanischer Jugend- und Netzslang arbeitet besonders gern mit verkürzten Silben, einzelnen Hangul-Konsonanten und neu zusammengesetzten Wörtern: 갑분싸 fasst eine ganze Wendung zusammen, ㅋㅋㅋ stellt Lachen dar und 혼밥 bezeichnet Essen allein. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Bedeutung, sondern auch das Register (die Sprachebene einer Situation): Solche Formen passen vor allem in private Nachrichten, soziale Medien und lockere Gespräche, nicht automatisch in höfliche oder berufliche Kommunikation.
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