Regelmäßige Verben im Präsens im Deutschen
Regelmäßige Verben im Präsens
Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Bei einem regelmäßigen Verb bleibt der Verbstamm gleich; nur die Endung richtet sich nach der Person: ich mache, du machst, er macht, wir machen. Die Grundendungen lauten -e, -st, -t, -en, -t, -en. Bei Stämmen auf -d oder -t kommt häufig ein zusätzliches e dazu: du arbeitest, sie arbeitet.
Überblick
Das Präsens ist die Gegenwartsform eines Verbs. Mit ihm spricht man nicht nur darüber, was gerade geschieht, sondern auch über Gewohnheiten, allgemeine Tatsachen und oft über geplante Ereignisse in der Zukunft. Sätze wie Ich lerne Deutsch, Wasser kocht bei 100 Grad und Morgen arbeite ich zu Hause stehen deshalb alle im Präsens.
Regelmäßige Verben folgen bei der Konjugation, also bei der Anpassung des Verbs an die handelnde Person, einem gut erkennbaren Muster. Der Infinitiv (die Grundform des Verbs) lautet zum Beispiel machen, spielen, lernen oder arbeiten. Entfernt man bei den meisten Verben die Endung -en, erhält man den Verbstamm, also den Teil, der die Grundbedeutung trägt: mach-, spiel-, lern- und arbeit-.
Dieses Muster gehört zu den Grundlagen auf A1. Wer die Personalpronomen ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie, Sie kennt, kann damit sofort viele Alltagssätze bilden. Wichtig ist zunächst die einfache Regel. Schreibbesonderheiten und Grenzfälle folgen weiter unten und sind deutlich davon getrennt.
So funktioniert die Bildung
Grundmuster: Stamm und Personalendung
Für das Präsens setzt man an den Verbstamm die passende Personalendung. Das Subjekt (die Person oder Sache, über die der Satz etwas sagt) bestimmt die Form des Verbs.
| Person | Pronomen | Endung | machen | spielen | lernen |
|---|---|---|---|---|---|
| 1. Person Singular | ich | -e | ich mache | ich spiele | ich lerne |
| 2. Person Singular | du | -st | du machst | du spielst | du lernst |
| 3. Person Singular | er/sie/es | -t | er macht | sie spielt | es lernt |
| 1. Person Plural | wir | -en | wir machen | wir spielen | wir lernen |
| 2. Person Plural | ihr | -t | ihr macht | ihr spielt | ihr lernt |
| 3. Person Plural | sie | -en | sie machen | sie spielen | sie lernen |
| Höflichkeitsform | Sie | -en | Sie machen | Sie spielen | Sie lernen |
Singular bedeutet Einzahl, Plural Mehrzahl. Drei Formen entsprechen dem Infinitiv: wir machen, sie machen, Sie machen. Bei Sie als höflicher Anrede wird das Pronomen großgeschrieben. Die Verbform bleibt dieselbe wie bei sie im Plural.
Ein praktischer Merksatz für die Endungen ist:
ich -e, du -st, er/sie/es -t; wir -en, ihr -t, sie/Sie -en
Schritt für Schritt
Am Beispiel spielen:
- Infinitiv erkennen: spielen
- -en entfernen: spiel-
- Subjekt bestimmen: du
- Endung -st ergänzen: du spielst
Dasselbe Verfahren ergibt ich lerne, er wohnt oder ihr kauft. Man muss deshalb nicht jede Form als einzelnes Wort lernen. Sinnvoller ist es, den Stamm und die sechs Endungen zu beherrschen.
Verbstämme auf -d oder -t
Bei Stämmen auf -d oder -t wären manche Formen ohne Hilfslaut schwer auszusprechen. Vor Endungen, die mit t oder st beginnen, steht deshalb ein zusätzliches e.
| Person | arbeiten | reden | Erklärung |
|---|---|---|---|
| ich | arbeite | rede | Die Endung -e genügt. |
| du | arbeitest | redest | zusätzliches e vor -st |
| er/sie/es | arbeitet | redet | zusätzliches e vor -t |
| wir | arbeiten | reden | normale Endung -en |
| ihr | arbeitet | redet | zusätzliches e vor -t |
| sie/Sie | arbeiten | reden | normale Endung -en |
Man sagt also du arbeitest, nicht du arbeitst, und ihr wartet, nicht ihr wartt. Das Verb bleibt regelmäßig: Der Stamm ändert sich nicht; nur die Aussprache wird durch das e erleichtert.
Ein zusätzliches e erscheint auch bei einigen schwer aussprechbaren Konsonantengruppen, besonders vor m oder n: du atmest, er atmet; du rechnest, sie rechnet. Nach l oder r ist es normalerweise nicht nötig: du lernst, er filmt.
Verbstämme auf Zischlaut
Endet der Stamm bereits auf s, ß, x oder z, fällt in der du-Form kein weiteres hörbares s an. Die Form endet dann praktisch auf -t:
| Infinitiv | Stamm | du-Form | Beispielsatz |
|---|---|---|---|
| reisen | reis- | du reist | Du reist morgen nach Köln. |
| heißen | heiß- | du heißt | Wie heißt du? |
| tanzen | tanz- | du tanzt | Du tanzt sehr gern. |
| mixen | mix- | du mixt | Du mixt einen Saft. |
Diese Formen sind keine unregelmäßigen Ausnahmen. Sie vermeiden lediglich eine schwer erkennbare oder doppelte Lautfolge.
Verbform und Satzstellung
In einem einfachen Aussagesatz steht das konjugierte Verb, also die an die Person angepasste Form, an der zweiten Satzposition:
- Ich lerne heute Deutsch.
- Heute lerne ich Deutsch.
Heute kann an die erste Position rücken; das Verb bleibt an zweiter Stelle und das Subjekt folgt danach. In einer Ja/Nein-Frage steht das Verb dagegen am Anfang: Arbeitest du heute? Diese Satzstellung ist ein eigenes Thema. Für die Konjugation bleibt entscheidend, dass du die Endung -st verlangt.
Beispiele im Kontext
Die rechte Spalte gibt die Bedeutung in einfachen Worten wieder. Da Lern- und Erklärungssprache hier beide Deutsch sind, ist sie keine wortgleiche Übersetzung, sondern eine verständliche Umschreibung.
| Deutscher Beispielsatz | Bedeutung in einfachen Worten | Hinweis |
|---|---|---|
| Ich mache jeden Morgen Sport. | Sport gehört zu meinem Morgen. | ich + -e |
| Du spielst nach der Arbeit Gitarre. | Nach Feierabend musizierst du auf der Gitarre. | du + -st |
| Sie arbeitet in München. | Ihr Arbeitsplatz befindet sich in München. | sie + -t |
| Wir lernen zusammen Deutsch. | Gemeinsam üben wir die deutsche Sprache. | wir + -en |
| Ihr kauft heute das Essen. | Heute besorgt eure Gruppe die Lebensmittel. | ihr + -t |
| Die Kinder spielen im Garten. | Mehrere Kinder beschäftigen sich draußen mit einem Spiel. | Subjekt im Plural + -en |
| Herr Weber, wohnen Sie hier? | Die höflich angesprochene Person wird nach ihrem Wohnort gefragt. | höfliches Sie + -en |
| Wartest du vor dem Kino? | Es wird gefragt, ob du am Kino bleibst, bis jemand kommt. | Stamm auf -t: -est |
| Meine Kollegin redet mit dem Kunden. | Die Kollegin führt ein Gespräch mit dem Kunden. | Stamm auf -d: -et |
| Paul rechnet die Kosten genau. | Paul ermittelt sorgfältig, wie hoch die Kosten sind. | Konsonantengruppe + -et |
| Heute koche ich für meine Freunde. | An diesem Tag bereite ich für Freunde eine Mahlzeit zu. | Verb an Position zwei |
| Morgen besuchen wir unsere Nachbarn. | Der Besuch bei den Nachbarn ist für morgen geplant. | Präsens mit Zukunftsbedeutung |
Die ersten drei Sätze greifen das Kernmuster mit machen, spielen und arbeiten auf. Die übrigen Beispiele zeigen, dass dieselben Endungen mit einem Namen, einer Nominalgruppe wie die Kinder oder der Höflichkeitsform Sie funktionieren.
Häufige Fehler
1. Den Infinitiv nach ich verwenden
- Falsch: Ich machen Sport.
- Richtig: Ich mache Sport.
- Warum? In einem einfachen Hauptsatz braucht ich die Personalendung -e. Machen ist der Infinitiv und passt hier nicht zum Subjekt.
2. Die Endungen von du und er/sie/es vertauschen
- Falsch: Du spielt Gitarre. Er spielst Fußball.
- Richtig: Du spielst Gitarre. Er spielt Fußball.
- Warum? Du verlangt -st; er, sie und es verlangen -t.
3. Das zusätzliche e bei arbeiten vergessen
- Falsch: Sie arbeitt heute. Du arbeitst morgen.
- Richtig: Sie arbeitet heute. Du arbeitest morgen.
- Warum? Nach dem Stamm arbeit- erleichtert ein e die Verbindung mit -t und -st. Auch die Schreibweise zeigt dieses e.
4. Bei wir, sie oder Sie die Singularform nehmen
- Falsch: Wir lernt Deutsch. Sie wohnt hier. (wenn mehrere Personen gemeint sind)
- Richtig: Wir lernen Deutsch. Sie wohnen hier.
- Warum? Die Formen für wir, sie im Plural und das höfliche Sie enden auf -en und sehen wie der Infinitiv aus.
5. Das Verb nach einem Zeitwort an die dritte Stelle setzen
- Falsch: Heute ich arbeite zu Hause.
- Richtig: Heute arbeite ich zu Hause.
- Warum? Im deutschen Aussagesatz steht die konjugierte Verbform normalerweise an zweiter Position. Wenn heute vorn steht, folgt direkt arbeite.
6. Jedes Verb für regelmäßig halten
- Falsch: Du sprechst sehr leise.
- Richtig: Du sprichst sehr leise.
- Warum? Manche Verben verändern in der du- und der er/sie/es-Form ihren Stammvokal. Das gehört nicht mehr zum einfachen regelmäßigen Muster und sollte als eigenes Thema gelernt werden.
Hinweise zum Gebrauch
Das Präsens hat mehrere Zeitbedeutungen
Das deutsche Präsens bezeichnet häufig eine Handlung im Moment: Ich koche gerade. Es kann ebenso eine Gewohnheit ausdrücken: Wir spielen jeden Freitag Karten. Auch allgemeine Aussagen stehen im Präsens: Die Erde dreht sich um die Sonne.
Für die Zukunft reicht oft das Präsens, wenn ein Zeitwort den Zeitpunkt klar macht: Morgen besuche ich meine Schwester. Das klingt im Alltag meist natürlicher als eine ausdrückliche Zukunftsform. Das Futur I wird unter anderem dann wichtig, wenn die Zukunft besonders hervorgehoben wird oder eine Vermutung gemeint ist.
Deutsch hat keine eigene Verlaufsform
Ob eine Handlung gerade läuft oder regelmäßig stattfindet, erkennt man meist am Zusammenhang oder an Wörtern wie gerade, jetzt, jeden Tag:
- Ich lerne gerade. — im Moment
- Ich lerne jeden Abend. — regelmäßig
Die Verbform lerne bleibt gleich. Man braucht für die laufende Handlung keine besondere Präsensendung.
sie und Sie auseinanderhalten
Am Satzanfang sehen sie und Sie beide groß aus. Die Verbform und der Zusammenhang helfen:
- Sie arbeitet heute. — eine Frau oder eine höflich angesprochene Person
- Sie arbeiten heute. — mehrere Personen oder eine höflich angesprochene Person
Bei arbeitet kann nur der Zusammenhang zeigen, ob sie „eine Frau“ oder Sie die höfliche Anrede meint. Im Gespräch klärt die Situation diese Mehrdeutigkeit normalerweise sofort.
Das Personalpronomen wird gewöhnlich genannt
Bei deutschen Verben zeigen die Endungen zwar die Person, trotzdem lässt man das Subjekt in neutralen Aussagesätzen normalerweise nicht weg. Natürlich ist Ich lerne Deutsch, nicht einfach Lerne Deutsch, wenn eine Aussage über die eigene Person gemeint ist. Eine Form ohne Pronomen kann dagegen als Aufforderung verstanden werden: Lerne Deutsch!
Über A1 hinaus: weitere Besonderheiten
Die folgenden Punkte muss man am Anfang noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die auch bei regelmäßiger Konjugation in Texten vorkommen.
Verben auf -eln und -ern
Bei Verben wie sammeln kann in der ich-Form ein unbetontes e im Stamm wegfallen: ich sammle. Ich sammele ist ebenfalls möglich, wirkt aber oft weniger knapp. Die übrigen Formen lauten zum Beispiel du sammelst, wir sammeln. Bei handeln heißt es entsprechend ich handle, du handelst, wir handeln.
Verben auf -ern bilden Formen wie ich wandere, du wanderst, wir wandern. Hier bleibt das e der ich-Endung erhalten, während die Pluralform auf -n endet. Solche Schreibmuster verändern die regelmäßige Zuordnung der Personen nicht.
Regelmäßig im Präsens heißt nicht automatisch regelmäßig in allen Zeiten
Ein Verb kann im Präsens unauffällige Endungen haben und in der Vergangenheit trotzdem eine besondere Form bilden. Deshalb sollte man aus ich denke, du denkst nicht ableiten, dass alle Zeitformen genau nach demselben Stamm gebildet werden. Umgekehrt haben Verben mit Vokalwechsel wie fahren im Präsens nur in bestimmten Personen eine Stammänderung: ich fahre, aber du fährst.
Die Form hängt vom grammatischen Subjekt ab
Nicht die Zahl der erwähnten Menschen, sondern das grammatische Subjekt steuert die Verbform:
- Meine Familie wohnt in Bonn. — die Familie ist grammatisch Singular.
- Meine Eltern wohnen in Bonn. — die Eltern ist Plural.
- Jeder Teilnehmer bekommt eine Karte. — jeder Teilnehmer ist Singular.
Das wird später besonders wichtig, wenn das Subjekt länger wird oder nicht direkt vor dem Verb steht.
Gleiche Endung, unterschiedliche Funktion
Er lernt und ihr lernt enden beide auf -t. Die Endung allein reicht also nicht immer, um die Person zu erkennen. Das Subjekt macht den Unterschied. Ebenso sind wir lernen, sie lernen und Sie lernen formal gleich; Pronomen, Großschreibung und Kontext zeigen die gemeinte Person.
Übungstipps
- Arbeite mit drei Verbfamilien. Konjugiere täglich ein einfaches Verb wie machen, ein Verb auf -t wie arbeiten und ein Verb auf Zischlaut wie tanzen. Sprich jede Reihe laut: ich mache, du machst … So verbindest du Endung, Schriftbild und Aussprache.
- Bilde kleine Satzpaare. Ändere zuerst nur die Person: Ich lerne heute. Wir lernen heute. Verschiebe danach ein Zeitwort: Heute lerne ich. Damit übst du Konjugation und Wortstellung getrennt und anschließend gemeinsam.
- Markiere beim Lesen Subjekt und Verb. Unterstreiche in einem kurzen Alltagstext das Subjekt einmal und die konjugierte Verbform zweimal. Prüfe dann: Singular oder Plural? Welche Endung steht am Verb? Besonders nützlich sind Beispiele mit du, ihr und der höflichen Form Sie.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Personalpronomen im Nominativ — zeigt, welche Pronomen die jeweilige Verbform auslösen.
- Nächster Schritt: Verben mit Vokalwechsel — erklärt Stammänderungen wie du sprichst und er fährt.
- Nächster Schritt: Wortstellung im Hauptsatz — vertieft die zweite Position der konjugierten Verbform.
- Nächster Schritt: Modalverben: können, müssen — verbindet eine konjugierte Form mit einem Infinitiv am Satzende.
- Nächster Schritt: Trennbare Verben im Präsens — zeigt, warum bei aufstehen die Vorsilbe im Hauptsatz nach hinten rückt.
- Nächster Schritt: Vorlieben ausdrücken mit gern — erweitert einfache Präsenssätze um Vorlieben und Abstufungen.
- Später: Imperativ — nutzt Verbformen für Aufforderungen.
- Später: Futur I — stellt die Bildung mit werden und Infinitiv dem zukunftsbezogenen Präsens gegenüber.
Voraussetzung
Personalpronomen im Nominativ im DeutschenA1Konzepte, die darauf aufbauen
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