Häufige unregelmäßige Verben im Walisischen
Berfau Afreolaidd Cyffredin
Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Vier sehr häufige walisische Verben haben kurze, unregelmäßige Vergangenheitsformen: mynd → es i „ich ging“, dod → des i/ddes i „ich kam“, gwneud → wnes i „ich tat/machte“ und cael → ces i/ges i „ich bekam“. Das gebeugte Verb steht vor dem Subjektpronomen; für Fragen bleibt die Reihenfolge meist gleich, und Verneinungen erhalten ddim nach dem Subjekt.
Überblick
Im gesprochenen Walisisch kann man abgeschlossene Handlungen häufig mit einer Vergangenheitsform von gwneud und einem zweiten Verb ausdrücken: Wnes i fynd bedeutet „Ich ging/bin gegangen“. Bei einigen besonders häufigen Verben begegnet man daneben ständig einer kürzeren Form: Es i sagt dasselbe ohne Hilfsverb. Diese kurze Vergangenheit heißt auch Präteritum (eine Verbform für ein abgeschlossenes Ereignis in der Vergangenheit).
Auf A2-Niveau sind vor allem vier Verben wichtig: mynd „gehen/fahren“, dod „kommen“, gwneud „tun/machen“ und cael „bekommen, erhalten; in bestimmten Wendungen haben“. Ihre Stämme sind nicht regelmäßig aus der Grundform ableitbar. Man lernt daher am besten ganze Einheiten wie es i, ddest ti, wnaeth hi und gawson ni statt einzelner Endungen.
Für deutschsprachige Lernende ist vor allem die Wortstellung ungewohnt. Deutsch stellt das Subjekt normalerweise vor das gebeugte Verb: „Ich ging“. Walisisch beginnt hier mit dem Verb und nennt danach das Subjekt: Es i – wörtlich in der Reihenfolge etwa „ging ich“. Außerdem kann sich der erste Konsonant durch eine Anlautmutation verändern, also durch einen grammatisch ausgelösten Laut- und Schreibungswechsel am Wortanfang: des → ddes, ces → ges. Das ist keine neue Zeitform.
So funktioniert es
Die vier Grundverben
| Grundform | Kernbedeutung | Kurze Vergangenheit, 1. Person | Typischer Gebrauch |
|---|---|---|---|
| mynd | gehen, fahren | es i | Bewegung von einem Ort weg oder zu einem Ziel |
| dod | kommen | des i / ddes i | Bewegung zum Bezugspunkt hin |
| gwneud | tun, machen | wnes i | selbstständiges Verb oder Hilfsverb der Vergangenheit |
| cael | bekommen, erhalten | ces i / ges i | etwas erhalten oder etwas erleben |
Die Grundform ist hier das Verbalnomen (die walisische Wörterbuchform des Verbs). Sie entspricht in vielen Lernzusammenhängen ungefähr dem deutschen Infinitiv wie „gehen“ oder „machen“, funktioniert grammatisch aber nicht in jedem Punkt genauso.
Die wichtigsten Personenformen
Das Subjekt ist die Person oder Sache, die handelt. In Aeth hi „Sie ging“ ist hi das Subjekt. Bei den kurzen Vergangenheitsformen steht es unmittelbar nach dem Verb.
| Person | mynd | dod | gwneud | cael |
|---|---|---|---|---|
| ich | es i | des i / ddes i | wnes i | ces i / ges i |
| du, vertraut | est ti | dest ti / ddest ti | wnest ti | cest ti / gest ti |
| er | aeth e / aeth o | daeth e / ddaeth e | gwnaeth e / wnaeth e | cafodd e / gafodd e |
| sie | aeth hi | daeth hi / ddaeth hi | gwnaeth hi / wnaeth hi | cafodd hi / gafodd hi |
| wir | aethon ni | daethon ni / ddaethon ni | gwnaethon ni / wnaethon ni | cawson ni / gawson ni |
| ihr/Sie | aethoch chi | daethoch chi / ddaethoch chi | gwnaethoch chi / wnaethoch chi | cawsoch chi / gawsoch chi |
| sie | aethon nhw | daethon nhw / ddaethon nhw | gwnaethon nhw / wnaethon nhw | cawson nhw / gawson nhw |
E/o bedeutet „er“. O ist besonders im Norden verbreitet, e besonders im Süden; beide sind normales Walisisch. Ti richtet sich an eine vertraute Einzelperson. Chi bezeichnet mehrere Personen und dient außerdem als höfliche Anrede einer Einzelperson – ähnlich dem deutschen „Sie“, aber mit derselben Form wie „ihr“.
Die Varianten mit dd-, w- oder g- zeigen die weiche Anlautmutation: d → dd, gw → w, c → g. In bejahenden Sätzen standen traditionell Partikeln wie mi oder fe vor dem Verb. Diese kleinen Wörter werden in der Alltagssprache oft weggelassen, ihre Mutation kann jedoch bleiben: Mi ddes i oder einfach Ddes i. Auch bei Fragen kann eine ausgelassene Fragepartikel eine Mutation hinterlassen. Deshalb findet man sowohl nicht mutierte Lernformen wie des i, ces i als auch sehr gebräuchliche mutierte Formen wie ddes i, ges i. Die genaue Vorliebe hängt von Region, Stil und Lehrtradition ab. Für den Anfang genügt es, beide zu erkennen und innerhalb eines Gesprächs dem örtlichen Muster zu folgen.
Aussage, Frage und Verneinung
| Funktion | Muster | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Aussage | Verb + Subjekt + Ergänzung | Es i i'r gwaith. | Ich ging/bin zur Arbeit gegangen. |
| Entscheidungsfrage | Verb + Subjekt + Ergänzung? | Ddest ti adre? | Kamst du/bist du nach Hause gekommen? |
| Verneinung | Verb + Subjekt + ddim + Ergänzung | Wnaethon nhw ddim ateb. | Sie antworteten/haben nicht geantwortet. |
Eine Entscheidungsfrage ist eine Frage, auf die man mit Ja oder Nein antworten kann. Anders als im Deutschen braucht sie hier keine Umstellung: Ddest ti adre. und Ddest ti adre? unterscheiden sich beim Schreiben durch den Punkt beziehungsweise das Fragezeichen, beim Sprechen vor allem durch Betonung und Situation.
Bei der Verneinung folgt ddim direkt auf das Subjekt: Wnes i ddim, Wnaeth hi ddim, Wnaethon nhw ddim. Ältere, formellere oder vollständigere Satzmuster können zusätzlich eine vorangestellte Verneinungspartikel und dadurch weitere Mutationen zeigen. Auf A2-Niveau ist es sinnvoller, die häufigen gesprochenen Einheiten als Ganzes zu lernen, statt jede historische Partikel einzeln zu rekonstruieren.
Zwei verschiedene Aufgaben von gwneud
Gwneud kann selbst „tun“ oder „machen“ bedeuten. Dann folgt direkt das, was getan oder hergestellt wird:
- Wnes i'r gwaith. – Ich erledigte die Arbeit.
- Wnaeth hi gacen. – Sie backte/machte einen Kuchen.
Es kann aber auch als Hilfsverb vor einem weiteren Verbalnomen stehen:
- Wnes i ddarllen y llyfr. – Ich las das Buch.
- Wnaethon nhw ddim ateb. – Sie antworteten nicht.
Im zweiten Muster trägt gwneud Person und Vergangenheit; das folgende Verbalnomen nennt die eigentliche Handlung. Nach einer bejahenden Form wird dieses zweite Verb häufig weich mutiert, etwa darllen → ddarllen. Nach ddim steht es in diesem Muster normalerweise in der Grundform: ddim darllen, ddim ateb.
Was cael nicht bedeutet
Cael deckt nur einen Teil der Bedeutungen des deutschen „haben“ ab. Ges i anrheg heißt „Ich bekam ein Geschenk“, und Gest ti amser da? bedeutet idiomatisch „Hattest du eine schöne Zeit?“. Für allgemeinen Besitz verwendet Walisisch jedoch meist eine Konstruktion mit bod „sein“, nicht einfach cael. Aus „Ich hatte ein Auto“ darf man daher nicht automatisch eine Form mit ces i bilden.
Beispiele im Zusammenhang
| Walisisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Es i i'r siop ddoe. | Ich ging gestern zum Laden. | Kurze Vergangenheit von mynd. |
| Est ti i'r gwaith ar y bws? | Bist du mit dem Bus zur Arbeit gefahren? | Frage mit ti; mynd kann auch „fahren“ bedeuten. |
| Aeth hi i Fangor fore Sadwrn. | Sie fuhr am Samstagmorgen nach Bangor. | 3. Person; nach i wird Bangor zu Fangor. |
| Aethon ni adre ar ôl y cyfarfod. | Wir gingen nach der Besprechung nach Hause. | adre ist eine gebräuchliche Form für „nach Hause“. |
| Ddes i yma ddoe. | Ich kam gestern hierher. | Mutierte Form von des i. |
| Ddest ti adre'n hwyr. | Du kamst spät nach Hause. | Kurze Vergangenheit von dod. |
| Ddaeth e am naw o'r gloch. | Er kam um neun Uhr. | Mutiertes daeth mit südlichem e. |
| Wnes i'r gwaith bore 'ma. | Ich erledigte die Arbeit heute Morgen. | Gwneud ist hier das Vollverb „tun/erledigen“. |
| Wnaeth hi gacen i'w mam. | Sie backte einen Kuchen für ihre Mutter. | Gwneud bedeutet hier „machen/herstellen“. |
| Wnaethoch chi weld y neges? | Haben Sie/habt ihr die Nachricht gesehen? | Chi kann höflicher Singular oder Plural sein. |
| Wnaethon nhw ddim ateb. | Sie antworteten nicht. | Gwneud dient als Hilfsverb; ddim verneint. |
| Ges i anrheg pen-blwydd. | Ich bekam ein Geburtstagsgeschenk. | Mutierte Form von ces i. |
| Gest ti amser da? | Hattest du eine schöne Zeit? | Feste, sehr häufige Verwendung von cael. |
| Gafodd hi swydd newydd. | Sie bekam eine neue Stelle. | 3. Person Singular von cael, weich mutiert. |
Die deutschen Übersetzungen wechseln zwischen Präteritum und Perfekt, weil beide je nach Verb und Gesprächssituation natürlich sein können. Das walisische es i legt nicht fest, ob auf Deutsch „ich ging“ oder „ich bin gegangen“ die bessere Übersetzung ist. Entscheidend ist ein als abgeschlossen betrachtetes Ereignis.
Häufige Fehler
1. Die regelmäßige Grundform beugen
- Falsch: Myndais i i'r siop.
- Richtig: Es i i'r siop.
- Warum: Die kurze Vergangenheit von mynd wird nicht regelmäßig aus mynd gebildet. Es i muss als eigene Form gelernt werden.
2. Die deutsche Subjektstellung übernehmen
- Falsch: I es i'r gwaith.
- Richtig: Es i i'r gwaith.
- Warum: Die erste Form es enthält bereits die Information „1. Person Singular“; i folgt als Subjektpronomen. Das zweite i vor 'r gwaith ist die Präposition „zu/nach“ und hat eine andere Aufgabe.
3. Für eine Frage die Reihenfolge unnötig ändern
- Falsch: Ti ddest adre?
- Richtig: Ddest ti adre?
- Warum: Auch die Frage beginnt mit dem gebeugten Verb. Meist bleiben Verb und Subjekt in derselben Reihenfolge wie in einer Aussage.
4. Ddim an die falsche Stelle setzen
- Falsch: Wnaethon ddim nhw ateb.
- Richtig: Wnaethon nhw ddim ateb.
- Warum: Im häufigen gesprochenen Muster steht ddim nach dem Subjekt nhw.
5. Cael mit jedem deutschen „haben“ gleichsetzen
- Falsch: Ces i gar am dair blynedd als automatische Übersetzung von „Ich hatte drei Jahre lang ein Auto“.
- Besser: Für dauerhaften Besitz eine passende Besitzkonstruktion mit bod verwenden; cael bezeichnet hier normalerweise das Bekommen oder eine bestimmte Erfahrung.
- Warum: Cael und „haben“ überschneiden sich nur in einigen Wendungen, zum Beispiel cael amser da „eine schöne Zeit haben“.
6. Mutierte Formen für andere Verben halten
- Falsch: ges als unbekannte Grundform im Wörterbuch suchen.
- Richtig: ges auf cael, ddes auf dod und wnaeth auf gwneud zurückführen.
- Warum: Die weiche Mutation verändert den Anlaut, nicht die Bedeutung oder Zeitstufe. Ein Wörterbuch führt normalerweise die unmutierte Grundform auf.
Hinweise zum Gebrauch
Die kurzen Formen von mynd, dod, gwneud und cael sind im Alltag sehr häufig. Trotzdem ist auch die umschreibende Vergangenheit mit gwneud korrekt und natürlich: Es i und Wnes i fynd können beide „Ich ging/bin gegangen“ bedeuten. Welche Variante bevorzugt wird, hängt vom Verb, von der Region, vom Stil und von der sprechenden Person ab. Die kurze Form wirkt bei diesen vier häufigen Verben keineswegs ungewöhnlich oder besonders literarisch.
Bei einer Vergangenheitsfrage kann die kurze Antwort Do „ja“ und Naddo „nein“ lauten: Est ti? – Do. Für Lernende ist das überraschend, weil Walisisch Antworten oft an Zeitform und Fragebau anpasst, statt überall ein einziges Wortpaar wie deutsches „ja/nein“ zu verwenden.
Beachte außerdem den Blickpunkt bei Bewegungsverben. Mynd beschreibt Bewegung weg vom Ausgangspunkt oder zu einem Ziel, dod Bewegung zum Bezugspunkt hin. Deutsch verwendet in lockerer Rede manchmal „kommen“, wo eigentlich nur das Erreichen eines Ortes gemeint ist. Im Walisischen sollte man bewusst fragen: Bewegt sich jemand „hierher“ (dod) oder „dorthin/weg“ (mynd)?
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Einzelheiten musst du auf A2 noch nicht aktiv beherrschen, wirst ihnen aber später begegnen.
In formeller Schriftsprache erscheinen längere, stärker standardsprachliche Formen, etwa euthum „ich ging“, deuthum „ich kam“, gwnes oder cefais „ich bekam“. Gesprochene Kurzformen wie es i und ces i sind deshalb nicht die einzigen Formen im gesamten Sprachsystem. Beim Lesen ist es hilfreich, solche Varianten derselben Grundverben zuordnen zu können; für ein erstes Alltagsgespräch sind die hier behandelten Formen wichtiger.
Auch Verneinungen können zusätzliche Anfangsveränderungen zeigen, wenn die ältere oder ausdrücklich gesetzte Verneinungspartikel berücksichtigt wird. Besonders bei cael begegnen deshalb Formen mit ch-. Solche Muster sollte man zunächst als vollständige Wendungen aus verlässlichem Hör- oder Lesematerial übernehmen. Die einfache Regel „jede Form immer weich mutieren“ wäre zu grob.
Schließlich drückt diese Vergangenheit typischerweise ein einzelnes, abgeschlossenes Ereignis aus. Für Zustände, Gewohnheiten und den Hintergrund einer Erzählung verwendet man häufig Vergangenheitsformen von bod: Roeddwn i'n gweithio heißt „Ich arbeitete gerade/ich war am Arbeiten“. Vergleiche Es i adre „Ich ging nach Hause“ als abgeschlossenes Ereignis mit Roeddwn i'n mynd adre „Ich war auf dem Heimweg/ich ging gerade nach Hause“ als Verlauf. Dieser Unterschied ähnelt nicht einfach der deutschen Wahl zwischen Perfekt und Präteritum; er betrifft die Art, wie das Ereignis betrachtet wird.
Lerntipps
- Lerne Personen in kleinen Blöcken. Beginne mit es i – est ti – aeth hi, danach ddes i – ddest ti – ddaeth hi. Sprich jeden Block laut, damit sich Verb plus Pronomen als Einheit einprägt.
- Führe ein Mini-Tagebuch. Schreibe täglich vier wahre Sätze über gestern, je einen mit mynd, dod, gwneud und cael. Forme anschließend einen Satz in eine Frage und einen in eine Verneinung mit ddim um.
- Markiere Mutationen rückwärts. Unterstreiche beim Lesen ddes, wnaeth und ges und notiere daneben dod, gwneud, cael. So trainierst du die für Wörterbuchsuche und Hörverstehen entscheidende Verbindung zwischen mutierter Form und Grundform.
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