A2

Vergangenheit mit *gwneud* im Walisischen

Gorffennol gyda Gwneud

Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Für ein abgeschlossenes Ereignis verwendet man im gesprochenen Walisisch häufig eine Vergangenheitsform von gwneud („tun, machen“) plus Person und Verbalnomen: Wnes i ddarllen („Ich las/ich habe gelesen“). In Aussagen und Fragen wird das folgende Verbalnomen normalerweise leniert, also am Wortanfang verändert; nach ddim steht dagegen die Grundform: Wnes i ddim darllen („Ich habe nicht gelesen“).

Überblick

Die Vergangenheit mit gwneud ist eine der nützlichsten A2-Strukturen im Walisischen. Sie heißt periphrastisch, das heißt: Die grammatische Bedeutung wird mit mehreren Wörtern ausgedrückt. Statt für jedes Vollverb sofort eine eigene Vergangenheitsform zu lernen, setzt man die passende Vergangenheitsform von gwneud vor das Verbalnomen (die Grundform, unter der ein walisisches Verb meist im Wörterbuch steht): darllen „lesen“, mynd „gehen“, coginio „kochen“.

Die Konstruktion bezeichnet vor allem einzelne, abgeschlossene Handlungen und Ereignisse. Sie passt daher gut zu Erzählungen darüber, was gestern, am Wochenende oder bei einem bestimmten Anlass geschah. Wnes i goginio swper kann je nach deutschem Zusammenhang sowohl „Ich kochte Abendessen“ als auch „Ich habe Abendessen gekocht“ heißen. Walisisch bildet hier keinen Gegensatz, der genau dem deutschen Gegensatz zwischen Präteritum und Perfekt entspricht.

Für deutschsprachige Lernende ist das Hilfsverb zunächst ungewohnt. Anders als im deutschen Perfekt stehen aber weder haben/sein noch ein Partizip wie „gelesen“. Der walisische Bauplan ist: flektiertes gwneud + handelnde Person + Verbalnomen. Wer diesen einen Bauplan beherrscht, kann sehr viele vergangene Handlungen ausdrücken.

So funktioniert es

Der Grundbauplan

Satzart Bauplan Beispiel Bedeutung
Aussage Vergangenheitsform von gwneud + Person + leniertes Verbalnomen Wnes i ddarllen. Ich las / habe gelesen.
Entscheidungsfrage dieselbe Reihenfolge + Frageintonation Wnest ti fynd? Bist du gegangen?
Verneinung Vergangenheitsform von gwneud + Person + ddim + Grundform Wnaethon nhw ddim dod. Sie kamen nicht / sind nicht gekommen.

Zwischen Hilfsverb und Verbalnomen steht das Subjekt (wer handelt): i „ich“, ti „du“, hi „sie“ und so weiter. Ein yn wird in dieser Konstruktion nicht eingefügt.

Die gebräuchlichen Personenformen

Person Form mit Pronomen Deutsche Entsprechung
1. Person Singular Wnes i ich tat / ich …
2. Person Singular, vertraut Wnest ti du tatest / du …
3. Person Singular, männlich Wnaeth e / o er tat / er …
3. Person Singular, weiblich Wnaeth hi sie tat / sie …
1. Person Plural Wnaethon ni wir taten / wir …
2. Person Plural oder höflich Wnaethoch chi ihr tatet / Sie taten
3. Person Plural Wnaethon nhw sie taten / sie …

E und o sind regionale Varianten für „er“; fe kommt ebenfalls vor. Für den Einstieg genügt es, die Variante des eigenen Kurses oder der Menschen zu übernehmen, mit denen man Walisisch spricht.

Wie im Deutschen unterscheidet Walisisch eine vertraute und eine distanziertere Anrede. Ti bezeichnet eine einzelne vertraute Person. Chi bezeichnet mehrere Personen und wird außerdem als höfliches „Sie“ für eine Person gebraucht. Deshalb heißt es Wnest ti…?, aber Wnaethoch chi…?

Die Lenierung nach dem Subjekt

In einer bejahenden Aussage oder Frage wird das Verbalnomen normalerweise leniert. Lenierung ist eine regelmäßige Veränderung des ersten Konsonanten eines Wortes. Auf Walisisch heißt sie treiglad meddal. Nicht jeder Anfangsbuchstabe verändert sich; bei einem Vokal bleibt die Form sichtbar gleich.

Grundform Lenierte Form Veränderung Beispiel
prynu „kaufen“ brynu p → b Wnaeth hi brynu bara.
talu „bezahlen“ dalu t → d Wnes i dalu.
coginio „kochen“ goginio c → g Wnes i goginio swper.
bwyta „essen“ fwyta b → f Wnaethon ni fwyta allan.
darllen „lesen“ ddarllen d → dd Wnest ti ddarllen y neges?
gweld „sehen“ weld g fällt weg Wnaeth e weld y trên?
mynd „gehen“ fynd m → f Wnest ti fynd?
llwyddo „Erfolg haben“ lwyddo ll → l Wnaethoch chi lwyddo?
rhedeg „laufen“ redeg rh → r Wnaeth hi redeg adre.

Das walisische f wird wie deutsches „w“ ausgesprochen; ff entspricht deutschem „f“. Bei b → f und m → f ändert sich daher nicht nur die Schreibweise, sondern deutlich auch der Laut.

Verneinung mit ddim

Für eine negative Aussage folgt ddim auf das Subjekt. Danach verwendet man in diesem Muster die Grundform des Verbalnomens:

Bejahend Verneint Deutsch
Wnes i fynd. Wnes i ddim mynd. Ich ging / ich ging nicht.
Wnaeth hi brynu bara. Wnaeth hi ddim prynu bara. Sie kaufte / kaufte kein Brot.
Wnaethon nhw ddod. Wnaethon nhw ddim dod. Sie kamen / kamen nicht.
Wnest ti weld y ffilm? Wnest ti ddim gweld y ffilm? Hast du den Film gesehen / nicht gesehen?

Das ist eine besonders wichtige Dreierfolge zum Einprägen: mynd → Wnes i fynd → Wnes i ddim mynd. Die Verneinung hebt die Lenierung des Verbalnomens in diesem Bauplan also auf.

Fragen

Eine Ja-Nein-Frage hat dieselbe sichtbare Wortstellung wie die entsprechende Aussage:

  • Wnest ti glywed hynny. – Du hast das gehört.
  • Wnest ti glywed hynny? – Hast du das gehört?

Beim Sprechen machen vor allem die Frageintonation und der Zusammenhang den Unterschied; beim Schreiben steht das Fragezeichen. Das ist anders als im Deutschen, wo das finite Verb in der Frage vor dem Subjekt steht: „Du bist gegangen“ gegenüber „Bist du gegangen?“ Im Walisischen bleibt Wnest ti fynd in beiden Fällen zusammen.

Ein Fragewort steht gewöhnlich am Anfang:

  • Pryd wnaeth hi adael? – Wann ist sie gegangen?
  • Ble wnaethon nhw aros? – Wo haben sie übernachtet?
  • Pam wnaethoch chi ffonio? – Warum haben Sie angerufen?

Auf vergangenheitsbezogene Ja-Nein-Fragen hört man als kurze Antworten häufig Do („ja“) und Naddo („nein“): Wnest ti fwynhau? — Do. („Hat es dir gefallen? — Ja.“). Walisisch verwendet also nicht in allen Situationen ein einziges, unveränderliches Wortpaar für „ja“ und „nein“; die Antwort richtet sich oft nach der Verbform der Frage.

Beispiele im Kontext

Walisisch Deutsch Hinweis
Wnes i goginio swper. Ich habe Abendessen gekocht. Einzelne abgeschlossene Handlung; coginio → goginio.
Wnest ti weld y ffilm? Hast du den Film gesehen? Gweld verliert bei der Lenierung das anlautende g.
Wnaethon nhw ddim dod. Sie sind nicht gekommen. Nach ddim bleibt dod in der Grundform.
Wnaeth hi brynu tocyn ar-lein. Sie hat online eine Fahrkarte gekauft. Prynu → brynu.
Wnaeth e ffonio neithiwr? Hat er gestern Abend angerufen? Ffonio zeigt keine sichtbare Lenierung.
Wnaethon ni gyrraedd cyn naw. Wir kamen vor neun an. Abgeschlossenes Ereignis mit Zeitgrenze.
Wnaethoch chi fwynhau'r cyngerdd? Hat Ihnen das Konzert gefallen? Höfliches chi; mwynhau → fwynhau.
Wnes i ddim deall y cwestiwn. Ich habe die Frage nicht verstanden. Grundform deall nach ddim.
Pryd wnaeth hi adael y swyddfa? Wann hat sie das Büro verlassen? Fragewort am Satzanfang; gadael → adael.
Ble wnaethon nhw aros dros nos? Wo haben sie übernachtet? Aros beginnt mit einem Vokal und bleibt sichtbar gleich.
Wnes i ysgrifennu at Carys ddoe. Ich habe Carys gestern geschrieben. Auch ysgrifennu beginnt mit einem Vokal.
Wnaeth e ddim ateb y neges. Er hat die Nachricht nicht beantwortet. Verneinte abgeschlossene Handlung.
Wnaethon ni fwyta yn y caffi wedyn. Danach haben wir im Café gegessen. Bwyta → fwyta.
Ddoe, wnes i weithio gartref. Gestern habe ich zu Hause gearbeitet. Die Zeitangabe kann zur Hervorhebung vorangestellt werden.

Typische Fehler

1. Yn aus der Gegenwart übernehmen

  • Falsch: Wnes i'n darllen y llyfr.
  • Richtig: Wnes i ddarllen y llyfr.
  • Warum: Bei Dw i'n darllen gehört yn zur Gegenwartskonstruktion mit bod. Nach der Vergangenheitsform von gwneud folgt das Verbalnomen ohne yn.

2. Die Lenierung in einer bejahenden Aussage vergessen

  • Falsch: Wnes i darllen y neges.
  • Richtig: Wnes i ddarllen y neges.
  • Warum: Das Verbalnomen wird in der bejahenden Konstruktion normalerweise leniert: darllen → ddarllen.

3. Auch nach ddim lenieren

  • Falsch: Wnes i ddim fynd i'r gwaith.
  • Richtig: Wnes i ddim mynd i'r gwaith.
  • Warum: Nach ddim steht hier die Grundform. Vergleiche Wnes i fynd mit Wnes i ddim mynd.

4. Die deutsche Fragenwortstellung nachbauen

  • Falsch: Wnest fynd ti?
  • Richtig: Wnest ti fynd?
  • Warum: Das Subjekt ti steht direkt nach wnest. Aussage und Ja-Nein-Frage behalten dieselbe Reihenfolge.

5. Personenform und Pronomen mischen

  • Falsch: Wnaeth ti weld e?
  • Richtig: Wnest ti weld e?
  • Warum: Zu ti gehört wnest, zu e/o/hi gehört wnaeth, zu chi gehört wnaethoch.

6. Jede deutsche Vergangenheitsform automatisch so übersetzen

  • Unpassend für eine Gewohnheit: Wnes i gerdded i'r ysgol bob dydd pan o'n i'n blentyn.
  • Natürlicher: Ro'n i'n cerdded i'r ysgol bob dydd pan o'n i'n blentyn.
  • Warum: Die Konstruktion mit gwneud stellt gewöhnlich ein abgeschlossenes Ereignis dar. Für einen wiederholten Hintergrundzustand wie „Als Kind ging ich jeden Tag zu Fuß zur Schule“ passt die Vergangenheitsform von bod mit yn besser.

Hinweise zum Gebrauch

Diese Vergangenheit ist im modernen gesprochenen Walisisch sehr verbreitet. Sie klingt nicht so, als würde man das deutsche „tun“ unnötig hinzufügen. Wnes i ddarllen y llyfr ist eine normale Art zu sagen, dass man das Buch las oder gelesen hat. Das deutsche Hilfsverb im Perfekt darf daher nicht Wort für Wort als Bedeutungsmaßstab dienen.

Zeitangaben können am Ende oder zur Hervorhebung am Anfang stehen: Wnes i weithio ddoe und Ddoe, wnes i weithio. Formen wie ddoe „gestern“, neithiwr „gestern Abend“ oder yr wythnos diwethaf „letzte Woche“ machen den abgeschlossenen Zeitraum oft deutlich.

In bejahenden Sätzen können regionale bejahende Partikeln hinzukommen, besonders Mi wnes i… im Norden und Fe wnes i… im Süden. Sie sind nicht nötig, um den Grundbauplan zu verstehen. Auch Aussprache, Pronomen und einzelne Formen unterscheiden sich regional; e, o und fe für „er“ sind ein gut hörbares Beispiel. Die Tabelle oben bietet eine breit verständliche gesprochene Grundlage.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Unterschiede muss man auf A2 noch nicht vollständig beherrschen. Sie helfen aber, verschiedene Vergangenheitsformen beim Lesen und Hören einzuordnen.

Abgeschlossenes Ereignis und Hintergrund

Die Vergangenheit mit gwneud rückt ein Ereignis als Ganzes in den Vordergrund. Die unvollendete Vergangenheit von bod, etwa roeddwn i'n…, beschreibt eher einen Zustand, eine laufende Hintergrundhandlung oder eine Gewohnheit:

  • Roedd hi'n bwrw glaw pan wnaethon ni adael. – Es regnete, als wir losgingen.
  • Roeddwn i'n byw yng Nghaerdydd bryd hynny. – Damals wohnte ich in Cardiff.
  • Wnes i symud i Fangor y llynedd. – Letztes Jahr zog ich nach Bangor.

Im ersten Satz liefert Roedd hi'n bwrw glaw den Hintergrund; wnaethon ni adael bezeichnet das abgeschlossene Ereignis. Dieser inhaltliche Gegensatz ist hilfreicher als der Versuch, jede Form starr einem deutschen Tempus zuzuordnen.

Vergangenheit mit gwneud und Perfekt mit wedi

Dw i wedi gorffen bedeutet „Ich bin fertig geworden / ich habe abgeschlossen“ und stellt häufig einen Bezug zur Gegenwart her: Das Ergebnis gilt jetzt. Wnes i orffen am bump („Ich war um fünf fertig“) erzählt dagegen von einem Ereignis in einem abgeschlossenen vergangenen Zeitrahmen. Im Alltag können sich die Bedeutungsbereiche überschneiden, genau wie deutsches Perfekt und Präteritum nicht überall streng getrennt sind.

Kurze Verbformen

Walisisch besitzt außerdem flektierte Vergangenheitsformen des Vollverbs, zum Beispiel Es i „Ich ging“, Daeth hi „Sie kam“ oder Gwelodd e „Er sah“. Einige unregelmäßige Formen sind in der gesprochenen Sprache sehr häufig; andere begegnen eher in formeller oder schriftlicher Sprache. Die Konstruktion mit gwneud bleibt dennoch ein äußerst produktives Muster: Wnaeth hi fynd, Wnaeth hi ddod, Wnaeth hi weld.

Wenn gwneud selbst „machen“ bedeutet, kann es auch das Vollverb sein: Wnes i gacen („Ich habe einen Kuchen gemacht“). Dann folgt kein zweites Verbalnomen. Der Zusammenhang zeigt, ob gwneud als Hilfsverb oder mit seiner eigenen Bedeutung verwendet wird.

Übungstipps

  1. Bilde Dreiergruppen. Nimm täglich fünf Verbalnomen und bilde Aussage, Frage und Verneinung: prynu → Wnes i brynu bara → Wnest ti brynu bara? → Wnes i ddim prynu bara. So übst du Wortstellung und Lenierung gemeinsam.
  2. Schreibe ein kurzes Gestern-Protokoll. Notiere fünf abgeschlossene Handlungen mit unterschiedlichen Personen: Wnes i…, Wnaeth hi…, Wnaethon ni…. Unterstreiche anschließend die lenierten Verbalnomen und schreibe ihre Grundformen daneben.
  3. Höre gezielt auf Gegensatzpaare. Suche in walisischen Gesprächen nach wnaeth… und roedd…. Frage dich jeweils: Wird ein abgeschlossenes Ereignis erzählt oder ein Hintergrund beziehungsweise eine Gewohnheit beschrieben?

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Bod im Präsens im WalisischenA1

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