Häufige unregelmäßige Pa'al-Verben im Hebräischen
פעלים שכיחים לא רגילים
Dieser Artikel ist Teil des Hebräisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Die sehr häufigen Verben הלך, בא, נתן, לקח, אכל und ישב gehören zum Grundmuster פעל, bilden ihre Formen aber nicht völlig gleichmäßig. Im Präsens braucht man vor allem vier Formen nach Geschlecht und Zahl: zum Beispiel הולך, הולכת, הולכים, הולכות „geht/gehen“. Am besten lernt man jedes Verb gleich als kleines Paket aus Infinitiv und vier Präsensformen.
Überblick
Schon in den ersten hebräischen Gesprächen braucht man Verben wie „gehen“, „kommen“, „geben“, „nehmen“, „essen“ und „sitzen“. Gerade diese besonders häufigen Verben zeigen jedoch Stammwechsel: Nicht alle Buchstaben und Vokale bleiben in jeder Form so sichtbar, wie man es nach einem regelmäßigen Muster erwarten könnte. Außerdem sehen einige Infinitive überraschend aus, etwa ללכת „gehen“ zu הולך oder לתת „geben“ zu נותן.
Dieses Thema gehört zum Niveau A1 und baut auf dem Präsens im Muster פעל auf. Das Präsens bezeichnet hier eine Handlung in der Gegenwart. Anders als im Deutschen richtet sich seine Form im Hebräischen nicht nach der grammatischen Person – also nicht danach, ob „ich“, „du“ oder „er“ handelt –, sondern nach Geschlecht und Zahl. Ein Mann sagt אני הולך, eine Frau אני הולכת. Bei mehreren Personen stehen הולכים oder הולכות.
Die Bezeichnung „unregelmäßig“ bedeutet dabei nicht, dass jede Form einzeln erraten werden muss. Innerhalb eines Verbs sind deutliche Muster erkennbar. Entscheidend ist, die tatsächlich gebrauchten Stämme zu lernen und nicht von einer einzigen Wörterbuchform aus blind weiterzubilden.
So funktioniert es
Die sechs Grundverben
Der Infinitiv ist die Grundform des Verbs, im Hebräischen meist mit ל־ „zu“ beziehungsweise „zum“ am Anfang. Die drei Buchstaben unter „Wurzel“ tragen den grundlegenden Bedeutungsbereich; eine solche Wurzel heißt auf Hebräisch שורש.
| Wurzel | Infinitiv | Grundbedeutung | Merkhilfe |
|---|---|---|---|
| הלך | ללכת | gehen, zu Fuß gehen | Präsens mit הו־: הולך |
| בוא | לבוא | kommen | kurze Präsensform: בא |
| נתן | לתת | geben | das נ der Wurzel fällt im Infinitiv weg |
| לקח | לקחת | nehmen, holen | Präsens mit לו־: לוקח |
| אכל | לאכול | essen | Präsens mit או־: אוכל |
| ישב | לשבת | sitzen, sich aufhalten | Infinitiv ohne sichtbares י am Anfang |
Die deutschen Übersetzungen sind nicht immer deckungsgleich. הלך ist im Alltag das normale Verb für „gehen“; wenn ausdrücklich „zu Fuß“ gemeint ist, hört man oft ללכת ברגל. לקח kann je nach Zusammenhang „nehmen“, „mitnehmen“, „holen“ oder auch „dauern“ bedeuten.
Das Präsens: vier Formen statt sechs Personenformen
Im Deutschen heißen die Formen „ich gehe“, „du gehst“, „er geht“, „wir gehen“ usw. Hebräisch unterscheidet im Präsens dagegen vier Gruppen:
- männlich Singular: ein Mann oder Junge
- weiblich Singular: eine Frau oder ein Mädchen
- männlich Plural: mehrere Männer oder eine gemischte Gruppe
- weiblich Plural: ausschließlich Frauen oder Mädchen
| Infinitiv | männlich Singular | weiblich Singular | männlich/gemischt Plural | weiblich Plural |
|---|---|---|---|---|
| ללכת | הולך | הולכת | הולכים | הולכות |
| לבוא | בא | באה | באים | באות |
| לתת | נותן | נותנת | נותנים | נותנות |
| לקחת | לוקח | לוקחת | לוקחים | לוקחות |
| לאכול | אוכל | אוכלת | אוכלים | אוכלות |
| לשבת | יושב | יושבת | יושבים | יושבות |
Für den Einstieg reicht eine einfache Bildungsregel: Lerne zuerst die männliche Singularform. Die feminine Form erhält häufig ־ת oder ־ה, die beiden Pluralformen meist ־ים und ־ות. Dabei kann sich der Stamm leicht verändern, etwa בא → באה. Deshalb ist es sicherer, alle vier Formen laut als Reihe zu üben.
Die Form zeigt nicht „ich“ oder „du“. אני אוכל kann „ich esse“ heißen, wenn ein Mann spricht; eine Frau sagt אני אוכלת. Ebenso heißt אתה יושב „du sitzt“ zu einem Mann, aber הוא יושב „er sitzt“ verwendet genau dieselbe Verbform.
Satzbau und Ergänzungen
Ein einfacher Satz folgt oft dem Muster:
Person oder Name + Verb + weitere Information
- דנה באה מחר. – Dana kommt morgen.
- אנחנו אוכלים בבית. – Wir essen zu Hause.
- הוא לוקח אוטובוס. – Er nimmt einen Bus.
Bei נתן steht der Empfänger häufig mit ל־ „zu/für“: נותן לי „gibt mir“, נותנת לה „gibt ihr“. Das direkte Objekt – die Sache, auf die die Handlung unmittelbar zielt – wird vor einer bestimmten Bezeichnung mit את markiert. Darum heißt „Gib mir das“ תן לי את זה.
Richtung: ללכת und לבוא
Wie im Deutschen richtet sich die Wahl grundsätzlich nach der Bewegungsrichtung:
- ללכת: sich von einem Ausgangspunkt wegbewegen oder an einen anderen Ort gehen
- לבוא: zum Sprecher, Gesprächspartner oder genannten Ziel kommen
Hebräisch verwendet für „nach Hause“ sehr oft הביתה, eine Richtungsform von בית „Haus, Zuhause“: אני הולך הביתה. Vor anderen Zielen stehen häufig ל־ oder אל: היא באה לעבודה „Sie kommt zur Arbeit“, אנחנו הולכים אל דנה „Wir gehen zu Dana“.
Aufforderungen, die man früh hört
Ein Imperativ ist eine Befehls- oder Aufforderungsform wie „komm!“ oder „nimm!“. Obwohl das ganze Imperativsystem meist später ausführlich gelernt wird, sind einige Formen dieser Verben im Alltag so häufig, dass sie schon auf A1 nützlich sind.
| Verb | zu einem Mann | zu einer Frau | zu mehreren | Deutsch |
|---|---|---|---|---|
| ללכת | לך | לכי | לכו | geh!, geht! |
| לבוא | בוא | בואי | בואו | komm!, kommt! |
| לתת | תן | תני | תנו | gib!, gebt! |
| לקחת | קח | קחי | קחו | nimm!, nehmt! |
| לאכול | אכול | אכלי | אכלו | iss!, esst! |
| לשבת | שב | שבי | שבו | setz dich!, setzt euch! |
In unvokalisierten Texten fehlen die Vokalzeichen. Deshalb muss man manche kurze Form aus dem Zusammenhang erkennen. Besonders häufig sind בוא, תן, קח und שב.
Beispiele im Zusammenhang
| Hebräisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| אני הולך הביתה. | Ich gehe nach Hause. | Ein Mann spricht. |
| אני הולכת עכשיו לעבודה. | Ich gehe jetzt zur Arbeit. | Eine Frau spricht. |
| דנה באה מחר. | Dana kommt morgen. | weiblich Singular |
| הילדים באים הביתה בחמש. | Die Kinder kommen um fünf nach Hause. | männlicher oder gemischter Plural |
| בוא הנה! | Komm her! | Aufforderung an einen Mann |
| תן לי את זה, בבקשה. | Gib mir das bitte. | לי bezeichnet den Empfänger. |
| היא נותנת לילד מים. | Sie gibt dem Kind Wasser. | לילד bedeutet „dem Kind“. |
| אנחנו לוקחים אוטובוס לעיר. | Wir nehmen einen Bus in die Stadt. | gemischte Gruppe oder Männer |
| קחי מטרייה. | Nimm einen Regenschirm mit. | Aufforderung an eine Frau |
| אתם אוכלים ארוחת ערב? | Esst ihr zu Abend? | An Männer oder eine gemischte Gruppe gerichtet |
| הן אוכלות יחד. | Sie essen zusammen. | ausschließlich Frauen |
| הוא יושב ליד החלון. | Er sitzt am Fenster. | männlich Singular |
| שבו כאן, בבקשה. | Setzt euch bitte hierhin. | höfliche Aufforderung an mehrere |
| אני לוקחת את הספר. | Ich nehme das Buch. | Eine Frau spricht; bestimmtes Objekt mit את. |
Häufige Fehler
Die männliche Singularform für alle verwenden
- Falsch: אני הולך הביתה. – wenn eine Frau spricht
- Richtig: אני הולכת הביתה.
- Warum: Das hebräische Präsens stimmt mit Geschlecht und Zahl des Handelnden überein. Das deutsche „ich gehe“ gibt hierfür keinen Hinweis.
Den Infinitiv regelmäßig erraten
- Falsch: להלך, לנתן, לישב
- Richtig: ללכת, לתת, לשבת
- Warum: Gerade bei diesen Verben verändert sich der sichtbare Stamm. Den Infinitiv deshalb zusammen mit der Präsensform lernen: ללכת – הולך, לתת – נותן, לשבת – יושב.
Bei בא die weibliche Endung vergessen
- Falsch: דנה בא מחר.
- Richtig: דנה באה מחר.
- Warum: בא ist männlich Singular. Zu einem weiblichen Subjekt gehört באה. Beim Lesen ohne Vokalzeichen sehen die Formen sehr ähnlich aus, sind aber nicht austauschbar.
Den Empfänger wie im Deutschen ohne ל־ anschließen
- Falsch: אני נותן היא ספר.
- Richtig: אני נותן לה ספר.
- Warum: In „Ich gebe ihr ein Buch“ ist „ihr“ der Empfänger. Hebräisch markiert ihn mit ל־: לה „ihr“, לו „ihm“, לי „mir“.
את vor „das“ auslassen
- Falsch: תן לי זה.
- Richtig: תן לי את זה.
- Warum: זה bezeichnet hier eine bestimmte Sache und ist das direkte Objekt. Im normalen Satz steht daher את זה. Im Deutschen gibt es kein einzelnes Wort, das genau dieser Markierung entspricht.
Deutsch gedachte Präsensendungen übertragen
- Falsch gedacht: Für „wir essen“ müsse es eine eigene Wir-Endung geben.
- Richtig: אנחנו אוכלים bei Männern oder einer gemischten Gruppe, אנחנו אוכלות bei ausschließlich Frauen.
- Warum: Im hebräischen Präsens steuert nicht die Person „wir“, sondern Geschlecht plus Mehrzahl die Form.
Hinweise zum Gebrauch
הולך wird sehr häufig für „gehen“ verwendet. Ob tatsächlich zu Fuß gegangen wird, ergibt sich oft aus dem Zusammenhang. Soll es ausdrücklich heißen „Ich gehe zu Fuß“, sagt man אני הולך ברגל beziehungsweise אני הולכת ברגל. Für eine Fahrt mit einem Verkehrsmittel verwendet man dagegen meist ein passenderes Verb; אני לוקח אוטובוס heißt „Ich nehme einen Bus“.
לקחת deckt mehrere deutsche Verben ab. לקחת ספר ist „ein Buch nehmen“, לקחת מטרייה kann „einen Regenschirm mitnehmen“ heißen und לקחת אוטובוס „einen Bus nehmen“. Außerdem begegnet später die unpersönliche Angabe זה לוקח זמן – „Das dauert / Das braucht Zeit“.
Kurze Imperative können je nach Ton sehr direkt wirken. תן לי את זה ist grammatisch richtig, klingt aber ohne Kontext befehlend. בבקשה „bitte“ oder eine Frage macht die Aufforderung freundlicher. Im gesprochenen Hebräisch verwendet man außerdem oft eine Zukunftsform als alltagssprachliche Aufforderung; die klassischen Imperative bleiben bei diesen häufigen Verben trotzdem wichtig und gut verständlich.
Hebräische Texte werden meistens ohne Vokalzeichen geschrieben. So kann אוכל je nach Aussprache und Zusammenhang „isst/esse“ im Präsens oder „ich werde essen“ bedeuten. Anfänger müssen diese Mehrdeutigkeit nicht durch zusätzliche Schreibzeichen lösen: Subjekt, Zeitangabe und Satzumgebung liefern gewöhnlich die nötige Information.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Formen muss man auf A1 noch nicht vollständig beherrschen. Sie zeigen aber, warum es sinnvoll ist, diese Verben als unregelmäßige Formfamilien zu lernen. In Vergangenheit und Zukunft treten weitere Stammwechsel auf.
| Infinitiv | Vergangenheit „ich …“ | Vergangenheit „er …“ | Zukunft „ich werde …“ | Imperativ männlich Singular |
|---|---|---|---|---|
| ללכת | הלכתי | הלך | אלך | לך |
| לבוא | באתי | בא | אבוא | בוא |
| לתת | נתתי | נתן | אתן | תן |
| לקחת | לקחתי | לקח | אקח | קח |
| לאכול | אכלתי | אכל | אוכל | אכול |
| לשבת | ישבתי | ישב | אשב | שב |
Bei נתן ist besonders auffällig, dass das erste נ in לתת, נתתי und תן nicht überall sichtbar bleibt. Bei לקח beginnen die Zukunftsformen mit einem kurzen Stamm wie אקח „ich werde nehmen“. Diese Formen sollte man nicht aus dem Präsens לוקח ableiten, sondern später als eigenes Zeitmuster lernen.
Auch feste Wendungen erweitern die Bedeutung. בא לי קפה bedeutet umgangssprachlich etwa „Ich hätte Lust auf Kaffee“ oder „Mir ist nach Kaffee“. Das ist nicht einfach die Bewegungsbedeutung „Kaffee kommt zu mir“ und sollte als ganze Wendung gelernt werden. הלך לאיבוד bedeutet „ging verloren / ist verloren gegangen“. Solche Ausdrücke sind häufig, gehören aber nicht zur einfachen A1-Regel.
Für negative Aufforderungen steht normalerweise אל mit einer Zukunftsform: אל תלך! „Geh nicht!“ und אל תיקח את זה! „Nimm das nicht!“. Eine Form wie לא לך ist dafür nicht die normale Konstruktion. Dieser Unterschied zwischen positivem Imperativ und negativer Aufforderung wird auf einem späteren Lernstand wichtiger.
Übungstipps
- In Viererreihen lernen: Sprich jeden Tag zwei Reihen laut, zum Beispiel אוכל – אוכלת – אוכלים – אוכלות. Verbinde jede Form mit einer konkreten Person oder Gruppe, nicht nur mit einer deutschen Übersetzung.
- Infinitiv und Präsens paaren: Schreibe auf eine Kartenseite ללכת, auf die andere הולך / הולכת. So prägt sich der Stammwechsel ein; isolierte Wortlisten fördern dagegen Formen wie להלך.
- Mini-Szenen bauen: Formuliere eine Alltagsszene mit mindestens vier Verben: Jemand kommt, nimmt etwas, sitzt und isst. Wechsle danach die handelnde Person von einem Mann zu einer Frau und von einer einzelnen Person zu einer Gruppe.
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