A1

Häufige unregelmäßige Verben im Tschechischen

Nepravidelná Slovesa

Dieser Artikel ist Teil des Tschechisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

In Kürze

Die wichtigen Verben jít (gehen), jíst (essen), vědět (wissen), chtít (wollen) und říct (sagen) bilden ihre Formen nicht einfach nach einem einzigen regelmäßigen Muster. Deshalb lernt man am besten die Grundreihe jdu – jím – vím – chci – řeknu zusammen mit einigen ganzen Sätzen. Eine wichtige Besonderheit: řeknu sieht wie eine Gegenwartsform aus, bezeichnet aber wegen der vollendeten Bedeutung von říct normalerweise die Zukunft: „ich werde sagen“.

Überblick

Diese fünf Verben begegnen einem im Tschechischen von Anfang an: beim Einkaufen, beim Essen, in Gesprächen und beim Äußern von Wünschen. Sie gehören deshalb zum Grundstoff auf Niveau A1. Unregelmäßig heißt hier nicht, dass jede Form völlig unvorhersehbar wäre. Innerhalb eines Verbs erkennt man durchaus wiederkehrende Teile; sie lassen sich nur nicht zuverlässig allein aus dem Infinitiv ableiten. Der Infinitiv ist die Wörterbuchform eines Verbs, im Deutschen etwa „gehen“ oder „essen“.

Wie im Deutschen verändert sich das Verb je nach Person: jdu „ich gehe“, aber jdeš „du gehst“. Im Tschechischen kann das persönliche Fürwort häufig fehlen, weil die Verbform schon zeigt, wer handelt. Jdu domů bedeutet daher bereits „Ich gehe nach Hause“; já ist nicht nötig. Anders als im Deutschen braucht eine einfache Frage außerdem kein Hilfsverb: Jíš maso? heißt direkt „Isst du Fleisch?“

Für den Anfang genügt es, die Präsensreihen zu erkennen und kurze Aussagen, Fragen und Verneinungen zu bilden. Später kommen Unterschiede hinzu, die im Deutschen nicht in derselben Form bestehen: Verben können eine Handlung als Verlauf oder Wiederholung beziehungsweise als abgeschlossenes Ganzes darstellen. Besonders bei říct ist dieser Unterschied schon früh sichtbar.

So funktioniert es

Die Personen und die weggelassenen Fürwörter

Das Subjekt (die Person oder Sache, die handelt) steht im Tschechischen oft nicht ausdrücklich im Satz. Die folgende Reihenfolge gilt in allen Konjugationstabellen:

Person Tschechisches Fürwort Deutsche Entsprechung
1. Person Singular já ich
2. Person Singular ty du
3. Person Singular on / ona / ono er / sie / es
1. Person Plural my wir
2. Person Plural vy ihr; Sie
3. Person Plural oni / ony / ona sie

Vy dient also sowohl für mehrere angesprochene Personen als auch für die höfliche Anrede einer oder mehrerer Personen. Die Verbform bleibt in beiden Fällen dieselbe.

jít – zu Fuß gehen

Person Form Deutsche Bedeutung
já jdu ich gehe
ty jdeš du gehst
on / ona / ono jde er / sie / es geht
my jdeme wir gehen
vy jdete ihr geht / Sie gehen
oni / ony / ona jdou sie gehen

Jít bezeichnet in seiner Grundbedeutung eine gerade stattfindende, zielgerichtete Bewegung zu Fuß: Jdu do práce „Ich gehe zur Arbeit“. Das deutsche „gehen“ ist weiter gefasst. Für eine Fahrt mit einem Verkehrsmittel verwendet man gewöhnlich jet, zum Beispiel Jedu autobusem „Ich fahre mit dem Bus“. Gewohnheitsmäßiges Gehen wird später meist mit chodit ausgedrückt: Chodím do práce pěšky „Ich gehe regelmäßig zu Fuß zur Arbeit“.

jíst – essen

Person Form Deutsche Bedeutung
já jím ich esse
ty jíš du isst
on / ona / ono jí er / sie / es isst
my jíme wir essen
vy jíte ihr esst / Sie essen
oni / ony / ona jedí sie essen

Auffällig ist die dritte Person Plural jedí. Sie wird nicht aus jí durch bloßes Anhängen einer Endung gebildet. Der Vokalstrich ist bedeutungswichtig: jím, jíš, jí, jíme, jíte werden mit langem í geschrieben.

Jíst kann allein stehen oder ein direktes Objekt haben, also die Sache, die gegessen wird: Jím „Ich esse“; Jím polévku „Ich esse Suppe“. Die Form des Substantivs kann sich dabei durch den Akkusativ verändern. Das ist ein Fall, also eine Form, die die Aufgabe eines Wortes im Satz zeigt.

vědět – wissen

Person Form Deutsche Bedeutung
já vím ich weiß
ty víš du weißt
on / ona / ono ví er / sie / es weiß
my víme wir wissen
vy víte ihr wisst / Sie wissen
oni / ony / ona vědí sie wissen

Wie bei jíst wechseln die Formen zwischen zwei Stämmen: ví- und in der dritten Person Plural věd-. Häufig folgt to „das/es“ oder ein Nebensatz mit že „dass“: Vím to „Ich weiß es“; Vím, že pracuješ „Ich weiß, dass du arbeitest“.

Für deutschsprachige Lernende ist die Unterscheidung recht vertraut: vědět entspricht meistens „wissen“, znát dagegen „kennen“. Daher heißt es Vím, kde bydlí „Ich weiß, wo er/sie wohnt“, aber Znám Prahu „Ich kenne Prag“.

chtít – wollen

Person Form Deutsche Bedeutung
já chci ich will
ty chceš du willst
on / ona / ono chce er / sie / es will
my chceme wir wollen
vy chcete ihr wollt / Sie wollen
oni / ony / ona chtějí sie wollen

Nach chtít steht sehr oft ein weiterer Infinitiv: Chci jíst „Ich will essen“, Chceme jít domů „Wir wollen nach Hause gehen“. Möchte man eine Sache, kann direkt ein Substantiv folgen: Chci kávu „Ich möchte einen Kaffee“. Dabei steht káva als direktes Objekt im Akkusativ und wird zu kávu.

Die Form chci beginnt mit der Konsonantenfolge chc-. Langsam darf man sie zunächst deutlich gliedern; im normalen Sprechen klingt sie kompakt. Chtějí besitzt dagegen wieder den Stamm chtě-.

říct und říkat – sagen

Bei diesem Verb muss man Form und Bedeutung gemeinsam lernen. Říct stellt das Sagen als einmalige, abgeschlossene Handlung dar. Seine einfachen Formen beziehen sich deshalb in der Regel auf die Zukunft.

Person Form von říct Übliche deutsche Bedeutung
já řeknu ich werde sagen
ty řekneš du wirst sagen
on / ona / ono řekne er / sie / es wird sagen
my řekneme wir werden sagen
vy řeknete ihr werdet / Sie werden sagen
oni / ony / ona řeknou sie werden sagen

Für eine gerade stattfindende, wiederholte oder allgemein beschriebene Aussage verwendet man říkat:

Person Form von říkat Deutsche Bedeutung im Präsens
já říkám ich sage
ty říkáš du sagst
on / ona / ono říká er / sie sagt
my říkáme wir sagen
vy říkáte ihr sagt / Sie sagen
oni / ony / ona říkají sie sagen

So bedeutet Říká, že ano „Er/Sie sagt ja“ oder wörtlicher „Er/Sie sagt, dass ja“. Řekne, že ano bedeutet dagegen „Er/Sie wird ja sagen“. Für A1 ist vor allem diese praktische Gegenüberstellung wichtig; die vollständige Lehre vom Verbalaspekt folgt später.

Verneinung

Die Verneinung wird normalerweise mit ne- direkt am Verb gebildet. Es steht also kein getrenntes Wort wie deutsches „nicht“ vor der Verbform.

Bejahung Verneinung Deutsche Bedeutung
jdu nejdu ich gehe nicht
jím nejím ich esse nicht
vím nevím ich weiß nicht
chci nechci ich will / möchte nicht
řeknu neřeknu ich werde nicht sagen
říkám neříkám ich sage nicht

Bei jít entsteht nejdu, nicht nejít als persönliche Form. Der Infinitiv nejít existiert zwar und bedeutet „nicht gehen“, doch nach einem Subjekt braucht man eine konjugierte Form: Dnes nejdu do práce „Heute gehe ich nicht zur Arbeit“.

Beispiele im Zusammenhang

Tschechisch Deutsch Hinweis
Jdu do obchodu. Ich gehe zum Laden. jít: jetzt, zu Fuß und mit einem Ziel
Kam jdete? Wohin gehen Sie? / Wohin geht ihr? vy-Form; der Zusammenhang zeigt die Anrede
Dnes nejdu do práce. Heute gehe ich nicht zur Arbeit. Verneinung mit ne-
Jíš maso? Isst du Fleisch? Frage ohne zusätzliches Hilfsverb
Ráno nejím. Morgens esse ich nichts. Im Deutschen ist „nichts“ hier idiomatisch ergänzt.
Děti jedí polévku. Die Kinder essen Suppe. 3. Person Plural jedí
Vím to. Ich weiß es. to bedeutet hier „es/das“.
Víte, kde je nádraží? Wissen Sie, wo der Bahnhof ist? Höfliche Frage mit víte
Nevím, co chce. Ich weiß nicht, was er/sie will. Zwei unregelmäßige Verben in einem Satz
Chci jít domů. Ich will nach Hause gehen. chtít mit Infinitiv
Chcete kávu, nebo čaj? Möchten Sie Kaffee oder Tee? In einem Angebot klingt deutsches „möchten“ natürlicher.
Nechceme čekat. Wir wollen nicht warten. ne- steht am konjugierten Verb.
Říká, že ano. Er/Sie sagt ja. říkat: gegenwärtige oder wiederholte Aussage
Řeknu ti to zítra. Ich werde es dir morgen sagen. říct: abgeschlossene Aussage in der Zukunft
Co říkají ostatní? Was sagen die anderen? Präsens, 3. Person Plural von říkat

Häufige Fehler

Den Infinitiv statt der persönlichen Form verwenden

  • Falsch: Já jít domů.
  • Richtig: Jdu domů.
  • Warum: Nach einem Subjekt braucht man eine konjugierte, also an die Person angepasste Verbform. Das Fürwort já kann entfallen, die Verbform aber nicht.

Das deutsche „gehen“ immer mit jít übersetzen

  • Falsch: Každý den jdu do školy. für eine tägliche Gewohnheit
  • Richtig: Každý den chodím do školy.
  • Warum: Jít bezeichnet normalerweise einen konkreten, gerade gerichteten Weg zu Fuß. Für regelmäßiges Gehen steht chodit. Diese Unterscheidung ist im Deutschen nicht im Verb selbst sichtbar.

Bei vědět die dritte Person Plural erraten

  • Falsch: Oni ví.
  • Richtig: Oni vědí.
  • Warum: ví ist Singular: „er/sie weiß“. Der Plural lautet unregelmäßig vědí „sie wissen“.

vědět und znát verwechseln

  • Falsch: Vím Prahu.
  • Richtig: Znám Prahu.
  • Warum: Bei der Bekanntschaft mit einer Person, einem Ort oder einem Werk verwendet man znát „kennen“. Vědět bezeichnet Wissen über eine Tatsache: Vím, kde je Praha „Ich weiß, wo Prag liegt“.

Nach chtít beide Verben an die Person anpassen

  • Falsch: Chci jdu domů.
  • Richtig: Chci jít domů.
  • Warum: Nur chci wird konjugiert. Das zweite Verb bleibt im Infinitiv jít, genau wie im Deutschen nach „ich will“: „ich will gehen“.

řeknu als Gegenwart verstehen

  • Falsch: Teď řeknu pravdu. im Sinn von „Ich sage gerade die Wahrheit“
  • Richtig: Teď říkám pravdu.
  • Warum: Řeknu gehört zum vollendeten Verb říct und bedeutet normalerweise „ich werde sagen“. Říkám beschreibt das Sagen im Verlauf oder als wiederholte Handlung. Teď ti řeknu pravdu ist allerdings korrekt, wenn gemeint ist: „Jetzt werde ich dir die Wahrheit sagen“ — die Aussage folgt unmittelbar.

Hinweise zum Gebrauch

Tschechische Personalpronomen setzt man meist nur, wenn sie betont, gegenübergestellt oder zur Klarheit benötigt werden. Já vím, ale on neví heißt „Ich weiß es, aber er weiß es nicht“; hier ist der Gegensatz zwischen já und on wichtig. Ohne Gegensatz klingt schlichtes Vím meist natürlicher als Já vím.

Bei höflichen Angeboten und Bestellungen deckt chtít einen größeren Bereich ab als das deutsche „wollen“. Chcete kávu? wird situationsabhängig höflich mit „Möchten Sie einen Kaffee?“ wiedergegeben und wirkt nicht automatisch schroff. Für die eigene Bestellung ist Chtěl bych … beziehungsweise Chtěla bych … („Ich hätte gern …“) jedoch höflicher; diese Form gehört grammatisch bereits zum Konditional, also zu einer Form für Wünsche und vorgestellte Situationen.

Nevím ist eine sehr häufige vollständige Antwort: „Ich weiß nicht.“ Auch Nechci „Ich will nicht / Ich möchte nicht“ kann allein stehen. Der Ton hängt wie im Deutschen von Stimme und Situation ab; mit děkuji wird eine Ablehnung freundlicher: Nechci, děkuji „Nein danke“ beziehungsweise wörtlich „Ich möchte nicht, danke“.

Über A1 hinaus: Aspekt, Vergangenheit und Befehle

Diesen Abschnitt muss man am Anfang noch nicht aktiv beherrschen. Er erklärt aber Formen, die schon in Alltagstexten auftauchen.

Der Verbalaspekt beschreibt, ob eine Handlung als Verlauf oder Wiederholung oder als abgeschlossenes Ganzes betrachtet wird. Říkat ist imperfektiv, das heißt verlaufs- oder wiederholungsbezogen; říct ist perfektiv, also auf das erreichte Ergebnis gerichtet. Deshalb kann die einfache Form eines perfektiven Verbs keine echte laufende Gegenwart ausdrücken und erhält Zukunftsbedeutung: řeknu „ich werde sagen“. Dasselbe Grundprinzip begegnet später bei vielen Verbpaaren.

Auch die Vergangenheitsformen zeigen deutliche Stammwechsel. Das l-Partizip ist eine Vergangenheitsform, deren Endung sich unter anderem nach Geschlecht und Zahl richtet:

Infinitiv Beispiel der Vergangenheit Deutsche Bedeutung
jít šel / šla er ging / sie ging
jíst jedl / jedla er aß / sie aß
vědět věděl / věděla er wusste / sie wusste
chtít chtěl / chtěla er wollte / sie wollte
říct řekl / řekla er sagte / sie sagte

In der ersten und zweiten Person kommt zusätzlich eine Form von být hinzu: Šel jsem domů sagt ein männlicher Sprecher, Šla jsem domů eine weibliche Sprecherin; beides bedeutet „Ich ging nach Hause“.

Einige Befehlsformen sind ebenfalls sehr gebräuchlich: Jdi! / Jděte! „Geh! / Gehen Sie!“, Jez! / Jezte! „Iss! / Essen Sie!“, Řekni mi to! / Řekněte mi to! „Sag es mir! / Sagen Sie es mir!“. Sie sollten als ganze Formen gelernt werden. Befehle von vědět und chtít sind im gewöhnlichen Anfängeralltag deutlich weniger wichtig.

Übungstipps

  1. Lerne in waagerechten Reihen. Sprich zunächst täglich eine Reihe laut: jdu, jdeš, jde, jdeme, jdete, jdou. Ergänze danach eine Verneinung und eine Frage, etwa Nejdu und Kam jdeš?
  2. Baue kleine Satzketten. Verbinde die Verben miteinander: Vím, co chceš. Chceš jíst. Pak chceš jít domů. So übst du Formen in einem sinnvollen Zusammenhang statt als isolierte Liste.
  3. Markiere bei „sagen“ die Zeit. Lege zwei Karten an: říkám – ich sage gerade / gewöhnlich und řeknu – ich werde einmal sagen. Ergänze Zeitangaben wie teď „jetzt“, často „oft“ und zítra „morgen“.

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