Fare im Italienischen: tun und machen
Il Verbo Fare
Dieser Artikel ist Teil des Italienisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Fare bedeutet je nach Zusammenhang „machen“, „tun“ oder wird im Deutschen mit einem ganz anderen Verb wiedergegeben. Im Präsens ist es unregelmäßig: faccio, fai, fa, facciamo, fate, fanno. Besonders wichtig sind feste Verbindungen wie fare colazione „frühstücken“, fare la spesa „einkaufen“ und fare una domanda „eine Frage stellen“.
Überblick
Fare gehört zu den häufigsten italienischen Verben. Man braucht es schon auf Niveau A1, wenn man nach einer Tätigkeit fragt, über den Tagesablauf spricht, das Wetter beschreibt oder etwas vorschlägt. Die Grundfrage Cosa fai? kann je nach Situation „Was machst du?“ oder „Was tust du?“ bedeuten.
Für deutschsprachige Lernende ist nicht die Grundbedeutung das größte Problem, sondern die Wahl der passenden Wendung. Italienisch verwendet fare oft dort, wo im Deutschen ein eigenes Verb steht: fare colazione heißt wörtlich ungefähr „Frühstück machen“, natürlich übersetzt man aber „frühstücken“. Umgekehrt darf deutsches „machen“ nicht automatisch immer mit fare übersetzt werden.
Fare sieht zwar wie ein Verb auf -are aus, folgt im Präsens aber nicht vollständig dem regelmäßigen Muster. Deshalb lohnt es sich, seine sechs Formen als zusammengehörigen Rhythmus zu lernen. Das Subjekt (wer oder was handelt) wird im Italienischen häufig weggelassen, weil die Verbform die Person bereits erkennen lässt: Faccio la spesa statt Io faccio la spesa.
So funktioniert es
Präsensformen
Das Präsens ist die Gegenwartsform. Es bezeichnet, was gerade geschieht, regelmäßig geschieht oder allgemein gilt.
| Person | Form | Deutsche Orientierung |
|---|---|---|
| io | faccio | ich mache / tue |
| tu | fai | du machst / tust |
| lui, lei, Lei | fa | er/sie macht; Sie machen |
| noi | facciamo | wir machen / tun |
| voi | fate | ihr macht / Sie machen |
| loro | fanno | sie machen / tun |
Auffällig sind besonders faccio mit Doppel-c, facciamo mit -ciamo und fanno mit Doppel-n. Die Höflichkeitsform Lei verwendet wie lui und lei die dritte Person Singular: Che cosa fa, signora? „Was machen Sie, gnädige Frau?“
Vor einem Vokal wird fare nicht verkürzt: Man sagt beispielsweise fare una domanda, nicht eine Form mit Apostroph. Das Verb kann dagegen in manchen fortgeschrittenen Konstruktionen zu far verkürzt werden; dazu später mehr.
Die wichtigsten Satzmuster
1. Eine Handlung ausführen oder etwas herstellen
In seiner direkten Grundbedeutung steht fare oft mit einem direkten Objekt (die Person oder Sache, auf die sich die Handlung unmittelbar richtet):
- Faccio una torta. – Ich backe einen Kuchen.
- Marta fa i compiti. – Marta macht die Hausaufgaben.
- Facciamo un tavolo. – Wir bauen einen Tisch.
Die genaue deutsche Übersetzung ergibt sich aus dem Objekt. Bei einer Torte ist „backen“ natürlicher als „machen“, bei einem Tisch „bauen“ oder „anfertigen“.
2. Feste Verbindungen mit Alltagstätigkeiten
Viele Verbindungen lernt man am besten als ganze Einheit:
| Italienische Verbindung | Natürliche deutsche Bedeutung |
|---|---|
| fare colazione | frühstücken |
| fare la spesa | einkaufen, den Einkauf erledigen |
| fare i compiti | Hausaufgaben machen |
| fare una domanda | eine Frage stellen |
| fare una passeggiata | spazieren gehen, einen Spaziergang machen |
| fare sport | Sport treiben |
| fare una foto | ein Foto machen |
| fare una telefonata | telefonieren, einen Anruf tätigen |
| fare una pausa | eine Pause machen |
| fare un viaggio | eine Reise machen, verreisen |
Der Artikel gehört häufig fest zur Wendung. Es heißt fare la spesa, aber fare colazione und fare sport ohne Artikel. Solche Unterschiede lassen sich nicht zuverlässig aus dem Deutschen ableiten.
3. Wetter und Temperatur
Für manche unpersönlichen Wetterangaben steht fare in der dritten Person Singular fa. „Unpersönlich“ bedeutet hier: Es gibt keine konkrete Person, die etwas tut.
- Fa caldo. – Es ist warm/heiß.
- Fa freddo. – Es ist kalt.
- Fa bel tempo. – Das Wetter ist schön.
- Fa brutto tempo. – Das Wetter ist schlecht.
Das deutsche „es“ wird nicht durch ein italienisches esso ersetzt. Die Verbform fa genügt. Nicht alle Wetterausdrücke werden jedoch mit fare gebildet: Piove heißt „Es regnet“, nevica „Es schneit“, und bei bewölktem Wetter hört man etwa È nuvoloso.
4. Fragen und Vorschläge
Mit che cosa oder dem kürzeren cosa fragt man nach einer Tätigkeit:
- Che cosa fai stasera? – Was machst du heute Abend?
- Cosa fanno i bambini? – Was machen die Kinder?
Die Form facciamo kann in einer Frage auch einen gemeinsamen Vorschlag ausdrücken. Wörtlich steht dabei Präsens, im Deutschen passt oft „Sollen wir …?“:
- Facciamo una passeggiata? – Sollen wir spazieren gehen?
- Facciamo una pausa? – Machen wir eine Pause?
Verneinung und Pronomen
Für die Verneinung steht non direkt vor dem Verb: Non faccio sport oggi. „Ich treibe heute keinen Sport.“ Ein Subjektpronomen wie io ist nur nötig, wenn ein Gegensatz oder besonderer Nachdruck gemeint ist: Io faccio la spesa, tu prepari la cena. „Ich kaufe ein, du bereitest das Abendessen zu.“
Ein Pronomen ist ein kurzes Wort, das für eine bereits genannte Person oder Sache steht. Solche unbetonten Pronomen stehen vor der gebeugten Form von fare:
- Lo faccio domani. – Ich mache es morgen.
- La fai tu la torta? – Backst du den Kuchen? / Machst du ihn?
- Non lo facciamo spesso. – Wir machen das nicht oft.
Im letzten Beispiel verweist lo auf etwas bereits Bekanntes. Das italienische Pronomen richtet sich nach dem grammatischen Geschlecht des ersetzten Wortes, nicht nach dem deutschen Wort „es“.
Beispiele im Zusammenhang
| Italienisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Cosa fai? | Was machst du? | Allgemeine Frage nach einer Tätigkeit |
| Faccio colazione alle sette. | Ich frühstücke um sieben. | Feste Verbindung ohne Artikel |
| Paolo fa la spesa il sabato. | Paolo kauft samstags ein. | Regelmäßige Gewohnheit |
| Fa caldo oggi. | Heute ist es heiß. | Unpersönliche Wetterangabe |
| Facciamo una passeggiata dopo cena. | Nach dem Abendessen gehen wir spazieren. | Gemeinsame Tätigkeit |
| Facciamo una passeggiata? | Sollen wir spazieren gehen? | Vorschlag in Frageform |
| Fate sport ogni settimana? | Treibt ihr jede Woche Sport? | Zweite Person Plural |
| I bambini fanno i compiti in cucina. | Die Kinder machen ihre Hausaufgaben in der Küche. | Dritte Person Plural |
| Vorrei fare una domanda. | Ich möchte eine Frage stellen. | fare nach einem anderen Verb im Infinitiv |
| Mia sorella fa una torta per la festa. | Meine Schwester backt einen Kuchen für das Fest. | Natürliches deutsches Verb: „backen“ |
| Che lavoro fai? | Was bist du von Beruf? | Wörtlich: „Welche Arbeit machst du?“ |
| Non faccio niente stasera. | Ich mache heute Abend nichts. | Verneinung mit non |
| Questo rumore mi fa paura. | Dieses Geräusch macht mir Angst. | Fortgeschrittene Verbindung: fare paura |
| Lo faccio subito. | Ich mache es sofort. | lo ersetzt eine bekannte Sache oder Handlung |
Häufige Fehler
1. Fare regelmäßig beugen
- Falsch: Io faro colazione.
- Richtig: Io faccio colazione.
- Warum: Im Präsens ist fare unregelmäßig. Faro ohne Akzent ist hier keine Präsensform; farò mit Akzent bedeutet „ich werde machen“ und gehört zum Futur.
2. Die Doppelkonsonanten vergessen
- Falsch: Loro fano sport.
- Richtig: Loro fanno sport.
- Warum: Fanno hat ein deutliches Doppel-n. Im Italienischen kann die Länge eines Konsonanten Wörter unterscheiden und gehört deshalb zur korrekten Aussprache.
3. Den Artikel aus dem Deutschen ableiten
- Falsch: Faccio la colazione alle otto. als neutrale Aussage über das tägliche Frühstück.
- Richtig: Faccio colazione alle otto.
- Warum: Die gewöhnliche feste Wendung lautet fare colazione ohne Artikel. Ein Artikel kann vorkommen, wenn ein bestimmtes Frühstück näher beschrieben wird, etwa fare una colazione abbondante „ausgiebig frühstücken“.
4. Bei Wetterangaben essere verwenden
- Falsch: È caldo oggi, wenn das Wetter gemeint ist.
- Richtig: Fa caldo oggi.
- Warum: Für die allgemeine Außentemperatur ist fa caldo/freddo die übliche Form. La zuppa è calda ist dagegen richtig, denn dort beschreibt calda eine konkrete Sache: „Die Suppe ist heiß.“
5. Deutsches „machen“ immer mit fare übersetzen
- Falsch: Fare una decisione.
- Richtig: Prendere una decisione.
- Warum: Italienisch sagt wörtlich „eine Entscheidung nehmen“. Feste Wortverbindungen unterscheiden sich von Sprache zu Sprache. Man lernt daher besser prendere una decisione als ganze Verbindung.
6. Nach einem zweiten Verb eine gebeugte Form setzen
- Falsch: Voglio faccio una pausa.
- Richtig: Voglio fare una pausa.
- Warum: Nach volere „wollen“ steht der Infinitiv (die ungebeugte Grundform) fare: voglio fare, posso fare, devo fare.
Hinweise zum Gebrauch
Zwischen fare und dem deutschen Paar „machen/tun“ gibt es keine feste Eins-zu-eins-Zuordnung. Che fai? ist im Gespräch sehr häufig und kann sowohl nach einer augenblicklichen Handlung als auch nach einem Plan fragen. Mit einer Zeitangabe wird die Bedeutung klar: Che fai adesso? „Was machst du jetzt?“; Che fai domani? „Was hast du morgen vor?“
Im gesprochenen Italienisch lässt man das Subjekt meist weg. Faccio il medico bedeutet „Ich bin Arzt“ beziehungsweise „Ich arbeite als Arzt“. Auch die Frage Che lavoro fai? ist eine normale Frage nach dem Beruf. Das Verb fare beschreibt hier nicht eine vorübergehende Bastel- oder Herstellungstätigkeit.
Einige Verbindungen ändern ihre Bedeutung mit dem Begleitwort stark. Fare bene kann „etwas richtig machen“, „guttun“ oder „das Richtige tun“ heißen. Questo tè mi fa bene bedeutet „Dieser Tee tut mir gut“; Hai fatto bene bedeutet je nach Zusammenhang „Das hast du richtig gemacht“ oder „Du hast recht daran getan“. Der Kontext ist entscheidend.
Bei der höflichen Anrede steht fa: Che cosa fa? kann „Was machen Sie?“ heißen. Ohne sichtbares oder genanntes Lei kann derselbe Satz aber auch „Was macht er/sie?“ bedeuten. Situation und Gesprächspartner lösen die Mehrdeutigkeit gewöhnlich problemlos auf.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Formen und Konstruktionen muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Da fare so häufig ist, begegnen sie einem jedoch früh in Gesprächen und Texten.
Vergangenheit und weitere häufige Formen
Das Partizip Perfekt (eine Verbform, die unter anderem zur Bildung der Vergangenheit dient) von fare lautet fatto. Mit avere entsteht das passato prossimo, eine sehr häufige Vergangenheitsform:
- Ho fatto la spesa. – Ich habe eingekauft.
- Che cosa avete fatto ieri? – Was habt ihr gestern gemacht?
- Abbiamo fatto una passeggiata. – Wir sind spazieren gegangen.
Weitere wichtige Formen sind facevo „ich machte / ich pflegte zu machen“ im Imperfekt und farò „ich werde machen“ im Futur. Der Imperativ, also die Befehls- oder Aufforderungsform, lautet bei tu meist fa' oder fai und bei voi fate: Fa' attenzione! „Pass auf!“; Fate presto! „Beeilt euch!“
Jemanden etwas tun lassen
Auf Niveau B2 wird fare + Infinitiv als veranlassende Konstruktion wichtig. Sie drückt aus, dass jemand bewirkt, erlaubt oder veranlasst, dass eine andere Person etwas tut:
- Faccio riparare la macchina. – Ich lasse das Auto reparieren.
- La maestra fa leggere il testo agli studenti. – Die Lehrerin lässt die Lernenden den Text lesen.
In dieser Konstruktion erscheint vor einem weiteren Infinitiv häufig die kürzere Form far, besonders in festen Verbindungen: far vedere „zeigen/sehen lassen“, far sapere „Bescheid geben“, far entrare „hereinlassen“. Die Stellung von Objektpronomen und die Kennzeichnung der handelnden Person sind ein eigenes, fortgeschrittenes Thema.
Bedeutungen in festen und übertragenen Wendungen
Fare bildet zahlreiche Ausdrücke, deren Bedeutung nicht einfach aus „machen“ folgt:
- fare attenzione – aufpassen
- fare paura – Angst machen
- fare male – wehtun, schaden
- fare finta di – so tun, als ob; vortäuschen
- fare da guida – als Führer oder Führerin dienen
- farcela – es schaffen
Gerade farcela ist ein pronominales Verb, also eine feste Verbindung aus Verb und kleinen Pronomen. Es wird anders gebeugt als ein schlichtes Objekt bei fare: Ce la faccio! „Ich schaffe es!“ Diese Wendung sollte man zunächst als Ganzes lernen.
Lerntipps
- Sprich die sechs Formen im Takt: faccio – fai – fa – facciamo – fate – fanno. Bilde danach zu jeder Form einen kurzen Alltagssatz. So lernst du nicht nur die Tabelle, sondern auch ihren Gebrauch.
- Sammle ganze Wortverbindungen statt Einzelübersetzungen: Notiere etwa fare colazione = frühstücken, fare una domanda = eine Frage stellen und fare la spesa = einkaufen. Markiere dabei den Artikel oder sein Fehlen.
- Beobachte deutsche Spezialverben: Wenn in einer Übersetzung „backen“, „stellen“, „treiben“, „einkaufen“ oder „spazieren gehen“ steht, prüfe, ob im Italienischen fare verwendet wird. Das trainiert genau die Unterschiede, die deutschen Muttersprachlern oft entgehen.
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