A1

Häufige Verben im Vietnamesischen

Động Từ Phổ Biến

Dieser Artikel ist Teil des Vietnamesisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Vietnamesische Verben verändern ihre Form nicht: tôi đi heißt „ich gehe“, anh ấy đi „er geht“ und chúng tôi đi „wir gehen“. Für viele Alltagssituationen reichen schon neun Verben: đi, đến, ăn, uống, ngủ, làm, nói, viết und đọc. Wer sie mit einem Subjekt, einem Gegenstand oder Ziel und einer Zeitangabe kombiniert, kann sofort vollständige Sätze bilden.

Überblick

Häufige Verben sind im Vietnamesischen besonders ergiebig. Mit ăn spricht man über Essen, mit uống über Getränke, mit đi und đến über Wege und Ankunft. Làm, nói, viết, đọc und ngủ decken Arbeit, Kommunikation, Lernen und Tagesablauf ab. Deshalb gehört dieser Wortschatz zu den ersten Bausteinen auf Niveau A1.

Für deutschsprachige Lernende gibt es eine angenehme Überraschung: Es gibt keine Endungen wie in ich gehe, du gehst, er geht. Die vietnamesische Verbform bleibt bei allen Personen gleich. Auch ein eigener Infinitiv (die Grundform wie deutsches „gehen“) wird nicht durch eine Endung gekennzeichnet. đi ist je nach Satz also „gehen“, „gehe“, „geht“ oder „gehen werden“.

Ein vietnamesischer Satz braucht trotzdem eine klare Ordnung. Häufig steht zuerst das Subjekt (wer handelt), dann das Verb und danach das Objekt (die Person oder Sache, auf die sich die Handlung richtet): Tôi đọc sách. – „Ich lese ein Buch.“ Zeitangaben und kleine Wörter wie đã, đang und sẽ machen deutlich, wann oder in welcher Phase etwas geschieht.

So funktioniert es

Die neun Kernverben

Vietnamesisch Deutsche Grundbedeutung Typische Verbindung
đi gehen, fahren đi làm – zur Arbeit gehen
đến kommen, ankommen, erreichen đến Hà Nội – in Hanoi ankommen
ăn essen ăn cơm – essen/eine Mahlzeit einnehmen
uống trinken uống nước – Wasser trinken
ngủ schlafen ngủ sớm – früh schlafen gehen
làm tun, machen, arbeiten làm việc – arbeiten
nói sprechen, sagen nói tiếng Việt – Vietnamesisch sprechen
viết schreiben viết thư – einen Brief schreiben
đọc lesen đọc sách – ein Buch lesen

Die deutschen Übersetzungen sind nur Orientierungshilfen. Ein vietnamesisches Verb deckt nicht immer genau dieselben Verwendungen ab wie das ähnlichste deutsche Verb. Besonders đi, đến und làm sollte man deshalb in ganzen Verbindungen lernen.

Grundmuster: Subjekt + Verb + Ergänzung

Das häufigste Einsteigermuster lautet:

Subjekt + Verb + Objekt, Ziel oder weitere Angabe

Muster Vietnamesisches Beispiel Deutsch
Subjekt + Verb Em ngủ. Ich schlafe./Du schläfst.
Subjekt + Verb + Objekt Tôi đọc sách. Ich lese ein Buch.
Subjekt + Verb + Ziel Chúng tôi đến Hà Nội. Wir kommen in Hanoi an.
Subjekt + Verb + Art und Weise Anh ấy nói giỏi. Er spricht gut.

Em kann je nach Beziehung „ich“ oder „du“ bedeuten, meist für die jüngere Person. Vietnamesische Anredewörter bilden ein eigenes Thema. Für den Satzbau ist zunächst wichtig, dass sie vor dem Verb stehen und die Verbform nicht verändern.

Ein Objekt kann entfallen, wenn alle Beteiligten wissen, worum es geht. Auf die Frage Bạn ăn chưa? – „Hast du schon gegessen?“ – kann die Antwort einfach Ăn rồi. – „Ja, schon.“ lauten. Das Subjekt wird in Gesprächen ebenfalls oft weggelassen, wenn es eindeutig ist. Für eigene A1-Sätze ist die vollständige Form jedoch ein guter Ausgangspunkt.

Zeit ohne Konjugation

Vietnamesisch drückt Zeit oft durch Zeitangaben oder durch Aspektmarker aus. Ein Aspektmarker ist ein kleines Wort, das zeigt, ob eine Handlung zum Beispiel gerade läuft oder schon abgeschlossen ist. Das Verb selbst bleibt unverändert.

Form Beispiel Bedeutung
Verb ohne Marker Tôi đọc sách. Ich lese Bücher./Ich lese ein Buch.
đang + Verb Tôi đang đọc sách. Ich lese gerade ein Buch.
đã + Verb Tôi đã đọc sách này. Ich habe dieses Buch gelesen.
sẽ + Verb Tôi sẽ đọc sách này. Ich werde dieses Buch lesen.
Verb + rồi Tôi ăn rồi. Ich habe schon gegessen.

Diese Wörter entsprechen nicht eins zu eins deutschen Zeitformen. Ist die Zeit bereits klar, genügt oft eine Zeitangabe: Hôm qua tôi đi làm. – „Gestern ging ich zur Arbeit.“ Ein zusätzliches đã ist möglich, aber nicht automatisch nötig. Anders als im Deutschen muss man also nicht für jeden vergangenen Satz eine besondere Verbform wählen.

Die einzelnen Verben richtig verbinden

đi und đến: unterwegs sein oder ankommen

đi richtet den Blick auf das Losgehen, Weggehen oder Unterwegssein. Es kann sowohl deutsches „gehen“ als auch „fahren“ wiedergeben. Das Verkehrsmittel folgt direkt: đi xe buýt heißt „mit dem Bus fahren“. Eine Entsprechung von deutschem „mit“ ist hier nicht nötig.

đến richtet den Blick eher auf das Erreichen eines Ortes oder die Ankunft: Tôi đến công ty lúc tám giờ. – „Ich komme um acht Uhr in der Firma an.“ In vielen Alltagssätzen ist tới eine ebenfalls häufige Alternative für „ankommen/erreichen“.

Bei Ortsnamen und bekannten Zielen kann der Ort direkt folgen: đi Hà Nội, đến trường. bezeichnet dagegen gewöhnlich den Ort, an dem man sich befindet: Tôi ở nhà. – „Ich bin zu Hause.“ Die deutsche Gewohnheit, vor jedem Ort eine Präposition zu setzen, lässt sich daher nicht mechanisch übertragen.

ăn und uống: Mahlzeiten und Getränke

ăn nimmt Speisen oder Mahlzeiten als Objekt: ăn phở, ăn sáng („frühstücken“), ăn cơm. Cơm bedeutet wörtlich gekochten Reis, kann in ăn cơm aber auch die Mahlzeit allgemein meinen. Chúng tôi ăn cơm. ist je nach Situation also „Wir essen Reis“ oder natürlicher „Wir essen“.

uống steht mit Getränken und auch mit Medikamenten: uống nước, uống cà phê, uống thuốc. Deutsch sagt „Medikamente nehmen“; Vietnamesisch verwendet hier wörtlich das Verb „trinken“. Solche festen Verbindungen sollte man als Einheit speichern.

làm: tun, machen und arbeiten

làm ist sehr vielseitig. làm việc bedeutet „arbeiten“, làm bài „eine Aufgabe bearbeiten“ und làm bánh „Kuchen oder Gebäck machen“. In Tôi đi làm mỗi ngày steckt die feste Verbindung đi làm: zur Arbeit gehen beziehungsweise arbeiten gehen.

Die Frage Bạn làm gì? kann je nach Zusammenhang „Was machst du?“ oder „Was arbeitest du beruflich?“ bedeuten. Der Kontext entscheidet; eine einzige feste deutsche Übersetzung reicht nicht aus.

nói, viết und đọc: Sprache verwenden

Nach nói kann direkt eine Sprache stehen: nói tiếng Việt, nói tiếng Đức. nói với + Person bedeutet „mit jemandem sprechen/zu jemandem sagen“: Tôi nói với Lan. – „Ich spreche mit Lan.“ Für „sich unterhalten“ ist außerdem nói chuyện sehr häufig.

viết und đọc stehen meist direkt vor dem Geschriebenen: viết email, viết thư, đọc sách, đọc báo. Im Vietnamesischen gibt es dabei weder Artikel wie „ein/das“ noch eine Kasusendung (eine Formänderung wie in deutschem „der Brief/den Brief“). Aus dem Satzbau und dem Zusammenhang wird klar, welche Rolle das Wort hat.

ngủ: schlafen

ngủ kann allein stehen: Bé ngủ. – „Das Kind schläft.“ Angaben zur Dauer oder Art folgen häufig: ngủ tám tiếng – „acht Stunden schlafen“, ngủ ngon – „gut schlafen“. Der verbreitete Wunsch Ngủ ngon nhé! bedeutet sinngemäß „Schlaf gut!“

Beispiele im Kontext

Vietnamesisch Deutsch Hinweis
Tôi đi làm mỗi ngày. Ich gehe jeden Tag zur Arbeit. đi làm ist eine feste Alltagsverbindung.
Ngày mai chúng tôi đi Hà Nội. Morgen fahren wir nach Hanoi. Das Verkehrsmittel bleibt offen.
Cô ấy đến công ty lúc tám giờ. Sie kommt um acht Uhr in der Firma an. đến betont das Erreichen des Ziels.
Chúng tôi ăn cơm. Wir essen Reis./Wir nehmen eine Mahlzeit ein. cơm kann konkret oder allgemein gemeint sein.
Em uống cà phê. Ich trinke Kaffee. em bezeichnet hier die jüngere sprechende Person.
Bạn uống nước không? Trinkst du Wasser?/Möchtest du Wasser? Im Gespräch kann die Frage zugleich ein Angebot sein.
Con đang ngủ. Das Kind schläft gerade. đang markiert den laufenden Vorgang.
Hôm nay tôi làm việc ở nhà. Heute arbeite ich zu Hause. Die Zeitangabe steht hier am Satzanfang.
Anh ấy nói tiếng Việt giỏi. Er spricht gut Vietnamesisch. giỏi bewertet die Fähigkeit.
Tôi nói với giáo viên. Ich spreche mit der Lehrkraft. Die Person folgt auf với.
Chị ấy viết email cho khách hàng. Sie schreibt eine E-Mail an den Kunden. cho führt den Empfänger ein.
Buổi tối tôi thường đọc sách. Abends lese ich oft. thường bedeutet „gewöhnlich/oft“.
Tôi đã đọc bài này rồi. Ich habe diesen Text schon gelesen. đã … rồi hebt das Erledigtsein hervor.
Cuối tuần chúng tôi đi ăn phở. Am Wochenende gehen wir Phở essen. Zwei Verben können direkt aufeinanderfolgen.

Häufige Fehler

1. Das Verb wie im Deutschen verändern

  • Falsch: Anh ấy đis làm.
  • Richtig: Anh ấy đi làm.
  • Warum: Vietnamesische Verben erhalten keine Personenendung. đi bleibt bei „ich“, „du“, „er/sie“ und „wir“ gleich. Deutsche Endungen dürfen nicht an das vietnamesische Wort angehängt werden.

2. Für die Vergangenheit zwingend đã einsetzen

  • Unnatürlich als starre Regel: Hôm qua tôi đã đi làm muss immer đã enthalten.
  • Richtig: Hôm qua tôi đi làm. oder Hôm qua tôi đã đi làm.
  • Warum: Hôm qua („gestern“) legt die Zeit bereits fest. đã kann den vergangenen beziehungsweise verwirklichten Charakter zusätzlich hervorheben, ist aber keine obligatorische Vergangenheitsendung.

3. đi immer nur mit „zu Fuß gehen“ übersetzen

  • Missverständlich: Tôi đi Hà Nội. = „Ich laufe nach Hanoi.“
  • Passend: Tôi đi Hà Nội. = „Ich fahre/reise nach Hanoi.“
  • Warum: đi bezeichnet allgemein die Fortbewegung weg vom Ausgangspunkt. Ob jemand läuft, fährt oder fliegt, ergibt sich aus dem Kontext oder aus einer Ergänzung wie đi xe buýt.

4. Deutsche Präpositionen wörtlich übernehmen

  • Falsch: Tôi đi với xe buýt. für „Ich fahre mit dem Bus.“
  • Richtig: Tôi đi xe buýt.
  • Warum: Das Verkehrsmittel folgt hier direkt auf đi. Vietnamesische Verbindungen haben ihre eigene Struktur; deutsches „mit“ verlangt nicht automatisch với.

5. làm überall als deutsches „machen“ verstehen

  • Zu wörtlich: Tôi làm việc ở đây. = „Ich mache Arbeit hier.“
  • Richtig: Tôi làm việc ở đây. = „Ich arbeite hier.“
  • Warum: làm bildet feste Verbindungen. Lerne deshalb làm việc, làm bài und đi làm jeweils als ganzen Ausdruck.

6. Das Anredewort ohne Kontext übersetzen

  • Problematisch: Em uống cà phê. bedeute immer „Du trinkst Kaffee.“
  • Passend je nach Situation: „Ich trinke Kaffee“ oder „Du trinkst Kaffee.“
  • Warum: Wörter wie em, anh und chị zeigen Beziehungen und Altersunterschiede. Sie funktionieren nicht so eindeutig wie deutsches „ich“ und „du“. Die Verbform hilft bei der Zuordnung nicht, weil sie unverändert bleibt.

Hinweise zum Gebrauch

Im lockeren Gespräch sind kurze Sätze normal. Statt Tôi ăn cơm rồi hört man oft Ăn rồi; statt Bạn đang làm gì? auch einfach Đang làm gì? Das ist keine andere Verbform, sondern eine Auslassung dessen, was aus der Situation bereits klar ist. Beim Lernen lohnt es sich trotzdem, zunächst vollständige Sätze zu bilden und erst später gezielt zu verkürzen.

Die Wahl der Anrede beeinflusst, wie natürlich und höflich ein Satz klingt, nicht aber das Verb. Bạn đọc gì?, Anh đọc gì? und Cô đọc gì ạ? enthalten jeweils dieselbe Form đọc. am Satzende kann gegenüber älteren oder respektierten Personen Höflichkeit signalisieren. Es ist keine Verbendung.

Viele Verbindungen sind breiter als ihre deutsche Übersetzung. ăn cơm kann eine Mahlzeit meinen, đi kann „gehen“, „fahren“ oder „reisen“ heißen, und làm reicht von konkretem Herstellen bis zur Berufstätigkeit. Gute Übersetzungen richten sich daher nach der gesamten Situation, nicht nach einem einzelnen Wort.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die in echten Gesprächen sehr früh auftauchen.

Verbketten ohne „zu“

Mehrere Verben können direkt nacheinander stehen: đi ăn („essen gehen“), đi mua cà phê („Kaffee kaufen gehen“) oder đến thăm bạn („einen Freund besuchen kommen“). Anders als im Deutschen braucht man kein Wort wie „zu“ und keine besondere Infinitivform. Die genaue Beziehung zwischen den Verben ergibt sich aus ihrer Reihenfolge und Bedeutung.

đi und đến als Richtungsangaben

Auf höherem Niveau begegnen đi und đến nicht nur als Hauptverben. Sie können in Verbketten die Richtung oder das Ergebnis einer Bewegung mittragen. In mang sách đến đây („das Buch hierherbringen“) zeigt đến đây das Ziel; in mang sách đi („das Buch wegbringen“) zeigt đi die Bewegung weg. Für Anfänger genügt zunächst die Grundbedeutung „gehen/unterwegs sein“ gegenüber „ankommen/erreichen“.

Feine Unterschiede bei abgeschlossenen Handlungen

đã, vừa, mới, từng und rồi setzen unterschiedliche Schwerpunkte. vừa ăn heißt „gerade gegessen haben“, từng đọc „schon einmal gelesen haben“, und ăn rồi stellt fest, dass das Essen bereits erfolgt ist. Diese Wörter bilden kein deutsches System von Zeitformen nach, sondern beschreiben Zeitbezug und Verlauf aus verschiedenen Blickwinkeln. Deshalb können auch mehrere Marker zusammen vorkommen, etwa Tôi đã đọc bài này rồi.

Art und Fähigkeit

Nach einem Verb können Wörter stehen, die die Ausführung bewerten: nói nhanh („schnell sprechen“), viết đẹp („schön schreiben“) oder ngủ ngon („gut schlafen“). giỏi bezeichnet eher, dass jemand etwas gut beherrscht: Anh ấy nói tiếng Việt giỏi. Das deutsche Adverb „gut“ wird also je nach gemeinter Aussage nicht immer mit demselben vietnamesischen Wort wiedergegeben.

Lerntipps

  1. Lerne Verbindungen statt Einzelwörter. Notiere zu jedem Verb zwei typische Partner: đi làm, đi xe buýt; ăn cơm, ăn phở; làm việc, làm bài. So vermeidest du wörtliche Übertragungen aus dem Deutschen.
  2. Baue eine Satzreihe mit unverändertem Verb. Sprich nacheinander: Tôi đọc sách. Anh ấy đọc sách. Chúng tôi đọc sách. Das trainiert bewusst, keine Personenendung zu erwarten.
  3. Erzähle deinen Tagesablauf in drei Zeitstufen. Verwende etwa Hôm qua tôi…, Bây giờ tôi đang… und Ngày mai tôi sẽ… mit denselben neun Verben. Achte darauf, dass nur Zeitwörter und Marker wechseln, nie das Verb selbst.

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