Fare causativo im Italienischen
Fare Causativo
Dieser Artikel ist Teil des Italienisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Mit fare + Infinitiv drückst du aus, dass jemand eine Handlung veranlasst: Faccio riparare la macchina bedeutet „Ich lasse das Auto reparieren“. Die konjugierte Form von fare trägt Zeit und Person, während das zweite Verb im Infinitiv bleibt. Pronomen stehen normalerweise vor fare: Mi ha fatto aspettare – „Er/Sie hat mich warten lassen.“
Überblick
Das fare causativo, also die italienische Konstruktion zum Veranlassen einer Handlung, verbindet eine Form von fare mit einem Infinitiv (der Grundform eines Verbs wie aspettare oder riparare). Damit kann eine Person bewirken, dass jemand etwas tut, jemanden zu etwas bringen oder eine Dienstleistung in Auftrag geben. Im Deutschen entspricht das häufig lassen + Infinitiv, manchmal aber auch Verben wie „zeigen“, „zum Lachen bringen“ oder „mitteilen“.
Die Konstruktion gehört zum B2-Niveau, weil nicht der Infinitiv selbst schwierig ist, sondern die Verteilung der beteiligten Personen und Dinge. Vergleiche Faccio lavorare Marco („Ich lasse Marco arbeiten“) mit Faccio leggere il contratto a Marco („Ich lasse Marco den Vertrag lesen“). Sobald das zweite Verb bereits ein direktes Objekt hat, wird die handelnde Person bei diesem Verb meist mit a oder einem indirekten Pronomen ausgedrückt.
Für deutschsprachige Lernende birgt besonders lassen eine Falle: Das deutsche Verb kann sowohl Veranlassung als auch Erlaubnis ausdrücken. Italienisch unterscheidet meist klarer. Fare bedeutet, dass jemand die Handlung bewirkt oder organisiert; lasciare bedeutet gewöhnlich, dass jemand sie erlaubt oder nicht verhindert.
So funktioniert es
Das Grundmuster
Die beiden Verben bilden inhaltlich eine enge Einheit:
| Baustein | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| konjugiertes fare | zeigt Person, Zeit und Aussageweise | faccio, ha fatto, faremo |
| Infinitiv | nennt die veranlasste Handlung und bleibt unverändert | aspettare, entrare, riparare |
| beteiligte Person oder Sache | zeigt, wer handelt oder was von der Handlung betroffen ist | Marco, la macchina, mi, gli |
Das neutrale Muster lautet:
Person, die etwas veranlasst + fare + Infinitiv + weitere Ergänzungen
- Il direttore fa aspettare i clienti. – Der Direktor lässt die Kunden warten.
- Domani faremo controllare l'impianto. – Morgen lassen wir die Anlage überprüfen.
- La notizia ha fatto sorridere Anna. – Die Nachricht brachte Anna zum Lächeln.
Nur fare wird an Zeit und Person angepasst. Der Infinitiv bleibt unverändert:
| Zeit oder Form | Italienisches Beispiel | Deutsch |
|---|---|---|
| Präsens | Faccio pulire l'ufficio. | Ich lasse das Büro reinigen. |
| Imperfekt | Facevo pulire l'ufficio ogni venerdì. | Ich ließ das Büro jeden Freitag reinigen. |
| Passato prossimo | Ho fatto pulire l'ufficio. | Ich habe das Büro reinigen lassen. |
| Futur | Farò pulire l'ufficio domani. | Ich werde das Büro morgen reinigen lassen. |
| Konditional | Farei controllare i freni. | Ich würde die Bremsen überprüfen lassen. |
Im passato prossimo steht also avere + fatto + Infinitiv: Abbiamo fatto installare una nuova caldaia. Das Partizip (die Verbform wie fatto) bleibt hier normalerweise fatto; das folgende Verb wird nicht in eine Vergangenheitsform gesetzt.
Wenn der Infinitiv kein direktes Objekt hat
Bei einem intransitiven Verb (einem Verb ohne direktes Objekt, etwa entrare, partire oder ridere) steht die Person, die die veranlasste Handlung ausführt, als direktes Objekt von fare. Ein direktes Objekt bezeichnet hier die Person, die unmittelbar von der Veranlassung betroffen ist.
- Faccio entrare Luca. – Ich lasse Luca hereinkommen.
- Faccio partire gli ospiti alle otto. – Ich lasse die Gäste um acht abreisen.
- Questa storia fa ridere tutti. – Diese Geschichte bringt alle zum Lachen.
Wird diese Person durch ein Pronomen ersetzt, verwendet man ein direktes Objektpronomen:
| Nomen | Mit Pronomen | Bedeutung |
|---|---|---|
| Faccio entrare Luca. | Lo faccio entrare. | Ich lasse ihn hereinkommen. |
| Hai fatto aspettare Marta. | L'hai fatta aspettare. | Du hast sie warten lassen. |
| La musica fa ballare i bambini. | La musica li fa ballare. | Die Musik bringt sie zum Tanzen. |
Bei den Formen lo, la, li, le kann das Partizip fatto im zusammengesetzten Tempus mit dem vorausgehenden direkten Pronomen übereinstimmen: L'ho fatta aspettare für eine Frau, Li ho fatti entrare für mehrere Männer oder eine gemischte Gruppe. Diese Übereinstimmung ist in sorgfältigem Standarditalienisch besonders wichtig.
Wenn der Infinitiv schon ein direktes Objekt hat
Ein transitives Verb (ein Verb, das ein direktes Objekt haben kann) bringt dieses Objekt in die Konstruktion mit. In leggere il contratto ist il contratto das direkte Objekt – also das, was gelesen wird. Die Person, die lesen soll, wird dann normalerweise mit a oder einem indirekten Objektpronomen ausgedrückt. Ein indirektes Objekt bezeichnet hier die Person, der die Handlung übertragen wird.
- Faccio leggere il contratto a Giulia. – Ich lasse Giulia den Vertrag lesen.
- Gli faccio leggere il contratto. – Ich lasse ihn den Vertrag lesen.
- Il professore fa riscrivere il testo agli studenti. – Der Professor lässt die Studierenden den Text neu schreiben.
Die Rollen lassen sich so auseinanderhalten:
| Satzteil | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| veranlassende Person | Wer bewirkt die Handlung? | (io) in Faccio leggere… |
| ausführende Person | Wer liest? | a Giulia / gli |
| direktes Objekt des Infinitivs | Was wird gelesen? | il contratto |
Im Deutschen stehen in „Ich lasse Giulia den Vertrag lesen“ zwei Ergänzungen nebeneinander. Im Italienischen darfst du daraus nicht automatisch zwei direkte Objekte machen. Deshalb heißt es faccio leggere il contratto a Giulia oder le faccio leggere il contratto.
Wenn die ausführende Person für die Aussage unwichtig ist, lässt man sie einfach weg. Das ist bei Dienstleistungen besonders häufig:
- Faccio riparare la macchina. – Ich lasse das Auto reparieren.
- Abbiamo fatto tradurre il documento. – Wir haben das Dokument übersetzen lassen.
- Faranno consegnare i mobili lunedì. – Sie lassen die Möbel am Montag liefern.
Soll die ausführende Person ausdrücklich als beauftragte oder tatsächliche Kraft genannt werden, ist auch eine Angabe mit da möglich: Ho fatto controllare l'impianto da un tecnico – „Ich habe die Anlage von einem Techniker überprüfen lassen.“ Die Form mit da hebt eher hervor, von wem die Leistung ausgeführt wurde; a + Person stellt eher die Person dar, der man die Handlung aufträgt.
Stellung der Objektpronomen
Unbetonte Objektpronomen wie mi, ti, lo, la, gli, le, ci, vi, li, le stehen vor der konjugierten Form von fare, nicht am folgenden Infinitiv:
- Mi fa aspettare. – Er/Sie lässt mich warten.
- Lo facciamo entrare. – Wir lassen ihn herein.
- Gli farò vedere la città. – Ich werde ihm die Stadt zeigen.
- Le hanno fatto firmare il modulo. – Sie haben sie das Formular unterschreiben lassen.
Im bejahten Imperativ (der Befehlsform) wird das Pronomen dagegen angehängt: Fallo entrare! – „Lass ihn herein!“; Fatemi sapere! – „Gebt mir Bescheid!“ Bei fare verdoppelt sich dabei das l der Pronomen lo, la, li, le: fallo, falla, falli, falle.
Verneinung und Fragen
Die Verneinung non steht vor fare und umfasst normalerweise die gesamte Veranlassung:
- Non farlo aspettare. – Lass ihn nicht warten.
- Non abbiamo fatto cambiare nulla. – Wir haben nichts ändern lassen.
Fragen brauchen keine besondere Wortstellung:
- Hai fatto controllare i freni? – Hast du die Bremsen überprüfen lassen?
- Chi ti ha fatto cambiare idea? – Wer hat dich dazu gebracht, deine Meinung zu ändern?
Beispiele im Kontext
| Italienisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Faccio riparare la macchina. | Ich lasse das Auto reparieren. | Dienstleistung; die Werkstatt wird nicht genannt. |
| Mi ha fatto aspettare un'ora. | Er/Sie hat mich eine Stunde warten lassen. | mi ist die wartende Person. |
| Gli faccio vedere la città. | Ich zeige ihm die Stadt. | Wörtlich: Ich lasse ihn die Stadt sehen. |
| Fa ridere tutti. | Er/Sie bringt alle zum Lachen. | ridere hat kein direktes Objekt. |
| Il rumore ha fatto svegliare il bambino. | Der Lärm hat das Kind aufgeweckt. | Ursache statt bewusster Auftrag. |
| Abbiamo fatto tradurre il contratto. | Wir haben den Vertrag übersetzen lassen. | Die ausführende Person bleibt offen. |
| La maestra fa leggere il racconto agli alunni. | Die Lehrerin lässt die Schüler die Erzählung lesen. | agli alunni nennt die Lesenden. |
| Lo faccio entrare subito. | Ich lasse ihn sofort herein. | Direktes Pronomen vor faccio. |
| Le hanno fatto firmare tutti i documenti. | Sie haben sie alle Dokumente unterschreiben lassen. | le bezeichnet die ausführende Person. |
| Quella canzone mi fa pensare all'estate. | Dieses Lied lässt mich an den Sommer denken. | Unbeabsichtigte emotionale oder gedankliche Wirkung. |
| Farò consegnare il pacco in ufficio. | Ich lasse das Paket ins Büro liefern. | Zukünftiger Auftrag. |
| Fateci sapere entro domani. | Gebt uns bis morgen Bescheid. | Feste Verbindung far sapere. |
| Non farli correre in casa. | Lass sie nicht im Haus rennen. | Verneinter Imperativ. |
| Il medico mi ha fatto fare altri esami. | Der Arzt hat mich weitere Untersuchungen machen lassen. | Zwei Formen von fare sind korrekt. |
| Ho fatto controllare la caldaia da un tecnico. | Ich habe die Heizung von einem Fachmann prüfen lassen. | da nennt den Ausführenden. |
Häufige Fehler
Das zweite Verb ebenfalls konjugieren
- Falsch: Faccio ripara la macchina.
- Richtig: Faccio riparare la macchina.
- Warum: Nur fare wird konjugiert. Die veranlasste Handlung steht immer im Infinitiv.
Das Pronomen an den Infinitiv hängen
- Falsch: Faccio aspettarmi un'ora.
- Richtig: Mi fa aspettare un'ora.
- Warum: Das unbetonte Pronomen steht in dieser Konstruktion vor der konjugierten Form von fare. Außerdem muss die Person von fare zum gemeinten Subjekt passen.
Bei einem transitiven Infinitiv die ausführende Person direkt anschließen
- Falsch: Faccio leggere Marco il contratto.
- Richtig: Faccio leggere il contratto a Marco.
- Warum: Il contratto ist bereits das direkte Objekt von leggere. Die lesende Person wird deshalb mit a ausgedrückt.
Fare und lasciare verwechseln
- Falsch: Mia madre mi fa uscire fino a tardi, wenn gemeint ist, dass sie es erlaubt.
- Richtig: Mia madre mi lascia uscire fino a tardi.
- Warum: fare bezeichnet Veranlassung; lasciare bezeichnet Erlaubnis oder Nichtverhindern. Mi fa uscire kann bedeuten, dass sie bewirkt, dass ich hinausgehe.
Die deutsche Wortstellung nachbilden
- Falsch: Ho la macchina riparare fatto.
- Richtig: Ho fatto riparare la macchina.
- Warum: Anders als im deutschen Nebensatz oder beim Ersatzinfinitiv stehen fatto und riparare im Italienischen als normale Verbgruppe vor ihrer Ergänzung.
Die Übereinstimmung bei einem vorausgehenden direkten Pronomen übersehen
- Falsch: Maria? L'ho fatto aspettare.
- Richtig: Maria? L'ho fatta aspettare.
- Warum: Bezieht sich la auf Maria, stimmt fatto in der Standardsprache mit dem vorausgehenden direkten Objektpronomen überein.
Hinweise zum Gebrauch
Fare + Infinitiv ist weder besonders förmlich noch umgangssprachlich. Die Konstruktion kommt in Gesprächen, Nachrichten, Arbeitsanweisungen und formellen Texten gleichermaßen vor. Bei Dienstleistungen klingt sie oft natürlicher als eine umständliche aktive Form: Devo far cambiare le gomme sagt knapp, dass jemand anderes die Reifen wechseln wird.
Nicht jede deutsche Übersetzung enthält „lassen“. Einige Verbindungen haben eine feste, idiomatische Entsprechung:
| Italienisch | Natürliche deutsche Wiedergabe |
|---|---|
| far vedere | zeigen |
| far sapere | Bescheid geben, mitteilen |
| far capire | klarmachen, zu verstehen geben |
| far ridere | zum Lachen bringen |
| far paura | Angst machen |
| far pensare | an etwas denken lassen, den Eindruck erwecken |
Vor einem Infinitiv wird fare in der gesprochenen und geschriebenen Sprache häufig zu far verkürzt: far vedere, far entrare, far capire. Beide Formen sind korrekt. Die verkürzte Form ist besonders in festen Verbindungen und vor einem weiteren Infinitiv sehr üblich; sie ist nicht automatisch salopp.
Über die Grundlagen hinaus
Farsi + Infinitiv
Mit dem reflexiven Pronomen si – also einer Form, die auf das Subjekt zurückweist – entsteht farsi + Infinitiv. Diese Konstruktion sagt oft, dass man eine Leistung für sich veranlasst:
- Mi faccio tagliare i capelli. – Ich lasse mir die Haare schneiden.
- Si è fatto visitare da uno specialista. – Er hat sich von einem Facharzt untersuchen lassen.
- Ci faremo accompagnare alla stazione. – Wir lassen uns zum Bahnhof begleiten.
Je nach Zusammenhang kann farsi + Infinitiv auch bedeuten, dass jemand etwas mit sich geschehen lässt oder eine unangenehme Folge erleidet: Si è fatto ingannare – „Er hat sich täuschen lassen.“ Im zusammengesetzten Tempus steht essere, und fatto richtet sich nach dem Subjekt: Luca si è fatto aiutare, Anna si è fatta aiutare.
Mehrdeutigkeit und klare Formulierungen
Manche kurzen Sätze sind ohne Kontext mehrdeutig. Faccio lavare il bambino kann je nach Situation heißen, dass jemand das Kind wäscht, oder dass das Kind zum Waschen gebracht wird. Ist die Rollenverteilung wichtig, sollte man sie ausdrücklich nennen:
- Faccio lavare il bambino alla babysitter. – Ich lasse die Babysitterin das Kind waschen.
- Faccio lavare le mani al bambino. – Ich lasse das Kind sich die Hände waschen.
Gerade in Anweisungen und beruflichen Texten ist eine etwas längere, aber eindeutige Form besser als ein theoretisch korrekter, mehrdeutiger Satz.
Verursachen ohne bewussten Auftrag
Die Konstruktion beschreibt nicht nur absichtliche Aufträge. Ein Ereignis, ein Gegenstand oder eine Aussage kann ebenfalls eine Wirkung hervorrufen:
- La luce forte mi fa chiudere gli occhi. – Das helle Licht lässt mich die Augen schließen.
- Le sue parole mi hanno fatto riflettere. – Seine Worte haben mich zum Nachdenken gebracht.
- Questo dettaglio fa sembrare la storia poco credibile. – Dieses Detail lässt die Geschichte wenig glaubwürdig erscheinen.
Hier wäre das deutsche „veranlassen“ oft zu förmlich. Übersetzungen mit „zum … bringen“, „bewirken“ oder einem einfachen Verb treffen den Sinn besser.
Übungstipps
- Ordne zuerst die Rollen. Markiere in jedem Übungssatz: Wer veranlasst etwas? Wer führt die Handlung aus? Was ist von ihr betroffen? Entscheide erst danach zwischen lo/la/li/le und gli/le.
- Bilde Dreierreihen. Beginne mit Faccio entrare Marco, ersetze dann das Nomen durch Lo faccio entrare und setze den Satz schließlich in die Vergangenheit: L'ho fatto entrare. So übst du Struktur, Pronomenstellung und Zeitform gemeinsam.
- Vergleiche bewusst mit deutschem „lassen“. Frage bei jedem deutschen Satz, ob er „bewirken/in Auftrag geben“ oder „erlauben“ bedeutet. Wähle im ersten Fall fare, im zweiten meist lasciare.
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- Voraussetzung: Das Verb fare – Formen und Grundbedeutungen von fare solltest du bereits sicher beherrschen.
- Nächster Schritt: Lasciare causativo – zeigt, wie Italienisch Erlaubnis und Nichtverhindern mit lasciare + Infinitiv ausdrückt.
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