Congiuntivo passato im Italienischen
Congiuntivo Passato
Dieser Artikel ist Teil des Italienisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Das congiuntivo passato bezeichnet eine bereits abgeschlossene Handlung in einem Zusammenhang, der den italienischen Konjunktiv verlangt: Penso che sia partito („Ich glaube, dass er abgereist ist“). Es besteht aus dem congiuntivo presente von avere oder essere und einem Partizip: abbia mangiato, sia arrivata. Entscheidend sind also zwei Fragen: Warum steht der Konjunktiv, und liegt die Handlung vor dem Zeitpunkt des Hauptsatzes?
Überblick
Das congiuntivo passato ist eine zusammengesetzte Verbform auf B2-Niveau. Der congiuntivo ist ein Modus (eine Verbform, mit der man unter anderem Einschätzungen, Zweifel, Wünsche und Gefühle ausdrückt); passato zeigt hier, dass die Handlung des Nebensatzes schon vorher stattgefunden hat. In Spero che abbiate capito wird jetzt gehofft, das Verstehen liegt aber bereits zurück.
Für Deutschsprachige ist vor allem wichtig, diese Form nicht einfach mit dem deutschen Konjunktiv gleichzusetzen. Im Deutschen heißt es im Alltag meist mit Indikativ: „Ich glaube, dass er schon gegangen ist.“ Italienisch verwendet nach penso che, non credo che, è possibile che und vielen ähnlichen Ausdrücken regelmäßig den congiuntivo. Der deutsche Konjunktiv I in „er sei gegangen“ dient dagegen vor allem der indirekten Rede und sieht nur zufällig ähnlich gebaut aus.
Das congiuntivo passato baut unmittelbar auf dem congiuntivo presente auf. Die Auslöser bleiben dieselben; neu ist der Zeitbezug. Vergleiche Penso che sia stanco („Ich glaube, dass er müde ist“) mit Penso che sia partito („Ich glaube, dass er abgereist ist“).
Bildung und Funktionsweise
Die Grundformel
Die Form besteht aus zwei Teilen:
congiuntivo presente von avere oder essere + participio passato
Das Hilfsverb trägt Person und Modus. Das Partizip Perfekt (die Verbform wie mangiato, visto oder partito) trägt die Bedeutung der abgeschlossenen Handlung.
| Hilfsverb | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| avere | che io abbia mangiato | dass ich gegessen habe |
| essere | che io sia partito / partita | dass ich abgereist bin |
Das Wort che gehört nicht zur Verbform selbst. Es leitet jedoch sehr häufig den Nebensatz ein, in dem das congiuntivo passato steht.
Die Hilfsverben im congiuntivo presente
| Person | avere | essere |
|---|---|---|
| io | abbia | sia |
| tu | abbia | sia |
| lui, lei, Lei | abbia | sia |
| noi | abbiamo | siamo |
| voi | abbiate | siate |
| loro | abbiano | siano |
Bei den ersten drei Personen im Singular ist die Form jeweils gleich. Wer gemeint ist, ergibt sich meist aus dem Zusammenhang oder aus einem ausdrücklich genannten Subjekt: Credo che Marco abbia capito; Credo che tu abbia capito.
Das Partizip bilden
Bei regelmäßigen Verben gelten die bekannten Endungen:
| Infinitiv | Endung | Partizip | Beispiel im congiuntivo passato |
|---|---|---|---|
| parlare | -ato | parlato | abbia parlato |
| credere | -uto | creduto | abbia creduto |
| dormire | -ito | dormito | abbia dormito |
Viele häufige Verben haben ein unregelmäßiges Partizip. Besonders nützlich sind fare → fatto, dire → detto, vedere → visto, prendere → preso, scrivere → scritto, leggere → letto und rimanere → rimasto.
Avere oder essere?
Die Wahl funktioniert grundsätzlich wie beim passato prossimo. Viele Verben mit einem direkten Objekt (der Person oder Sache, auf die sich die Handlung unmittelbar richtet) nehmen avere:
- Spero che Luca abbia prenotato il tavolo.
- Dubito che abbiano letto il messaggio.
Viele Bewegungs- und Zustandswechselverben sowie alle reflexiven Verben nehmen essere:
- Credo che Marta sia arrivata.
- È possibile che i bambini si siano addormentati.
Eine reine Regel „Bewegung gleich essere“ reicht nicht aus: camminare und viaggiare stehen beispielsweise normalerweise mit avere. Am zuverlässigsten lernst du das Hilfsverb zusammen mit dem Verb, so wie beim passato prossimo.
Angleichung des Partizips
Mit essere richtet sich das Partizip nach Geschlecht und Zahl des Subjekts:
| Subjekt | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| männlich, Singular | -o | Penso che Paolo sia partito. |
| weiblich, Singular | -a | Penso che Anna sia partita. |
| männlich/gemischt, Plural | -i | Penso che siano partiti. |
| weiblich, Plural | -e | Penso che siano partite. |
Das gilt auch bei reflexiven Verben: Credo che Giulia si sia svegliata; Credo che si siano svegliati presto.
Mit avere bleibt das Partizip normalerweise unverändert: Credo che Anna abbia comprato due libri. Steht jedoch ein direktes Objektpronomen vor der Verbform, kommt Angleichung ins Spiel: Le lettere? Credo che le abbia scritte ieri. Mehr dazu folgt im fortgeschrittenen Abschnitt.
Warum congiuntivo, warum passato?
Die Wahl lässt sich in zwei Schritten treffen.
- Verlangt der Zusammenhang den congiuntivo? Typische Auslöser sind eine persönliche Einschätzung (penso che), Zweifel oder Verneinung einer Meinung (dubito che, non credo che), Gefühle (sono felice che), Wünsche und Hoffnungen (spero che) sowie unpersönliche Bewertungen (è possibile che, è strano che).
- Ist die Handlung des Nebensatzes schon abgeschlossen? Dann steht bei einem Hauptsatz in der Gegenwart meist das congiuntivo passato.
| Zeitverhältnis | Italienisch | Deutsch |
|---|---|---|
| gleichzeitig oder später | Penso che lavori oggi. | Ich glaube, dass er heute arbeitet. |
| vorher, abgeschlossen | Penso che abbia lavorato ieri. | Ich glaube, dass er gestern gearbeitet hat. |
Das Tempus wird also relativ zum Hauptsatz verstanden. In Sono contenta che tu sia venuto ist das Kommen vor dem gegenwärtigen Gefühl abgeschlossen. In Sarò contenta che tu abbia accettato wird das Gefühl erst später eintreten, doch die Annahme liegt aus dieser zukünftigen Sicht bereits davor.
Beispiele im Zusammenhang
| Italienisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Penso che sia già partito. | Ich glaube, dass er schon abgereist ist. | Einschätzung; essere mit männlichem Subjekt |
| Spero che abbiate capito. | Ich hoffe, dass ihr verstanden habt. | Hoffnung; 2. Person Plural |
| È possibile che l'abbia dimenticato. | Es ist möglich, dass er es vergessen hat. | unpersönliche Möglichkeit; l’ steht für ein direktes Objekt |
| Non credo che sia arrivata. | Ich glaube nicht, dass sie angekommen ist. | verneinte Meinung; weibliche Endung -a |
| Mi dispiace che tu abbia perso il treno. | Es tut mir leid, dass du den Zug verpasst hast. | Gefühl über ein abgeschlossenes Ereignis |
| Dubito che loro abbiano letto tutto. | Ich bezweifle, dass sie alles gelesen haben. | Zweifel; 3. Person Plural |
| Siamo felici che siate venuti. | Wir freuen uns, dass ihr gekommen seid. | essere; gemischte oder männliche Gruppe |
| È strano che Chiara non abbia risposto. | Es ist seltsam, dass Chiara nicht geantwortet hat. | Bewertung; Verneinung vor dem Hilfsverb |
| Temo che i bambini si siano svegliati. | Ich fürchte, dass die Kinder aufgewacht sind. | reflexives Verb mit essere |
| Nonostante abbia dormito poco, è piena di energia. | Obwohl sie wenig geschlafen hat, ist sie voller Energie. | nonostante leitet hier einen konzessiven Nebensatz ein |
| Cerchiamo qualcuno che abbia già lavorato all'estero. | Wir suchen jemanden, der bereits im Ausland gearbeitet hat. | nicht näher bestimmte gesuchte Person |
| È il libro più interessante che abbia letto quest'anno. | Es ist das interessanteste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe. | Wertung nach einem Superlativ |
| Le foto? Credo che le abbia mandate ieri. | Die Fotos? Ich glaube, dass sie sie gestern geschickt hat. | vorangestelltes Objektpronomen; mandate stimmt mit le überein |
| Sono sorpresa che nessuno mi abbia avvertita. | Ich bin überrascht, dass mich niemand gewarnt hat. | Gefühl; mi ist das direkte Objekt |
Typische Fehler
1. Den Indikativ aus dem Deutschen übernehmen
- Falsch: Penso che è già partito.
- Richtig: Penso che sia già partito.
- Warum: Im Deutschen ist „Ich glaube, dass er schon abgereist ist“ mit Indikativ normal. Im standardsprachlichen Italienisch löst penso che hier den congiuntivo aus.
2. Das congiuntivo presente für eine abgeschlossene Handlung verwenden
- Falsch: Spero che capiate il messaggio ieri.
- Richtig: Spero che abbiate capito il messaggio.
- Warum: Das Verstehen ist bereits erfolgt. Dafür braucht man die zusammengesetzte Vergangenheitsform, nicht capiate.
3. Das Hilfsverb in den Indikativ setzen
- Falsch: Credo che ha finito.
- Richtig: Credo che abbia finito.
- Warum: Nur das Partizip reicht nicht. Das Hilfsverb muss selbst im congiuntivo stehen: abbia, nicht ha.
4. Bei essere die Angleichung vergessen
- Falsch: Non credo che Maria sia arrivato.
- Richtig: Non credo che Maria sia arrivata.
- Warum: Mit essere richtet sich das Partizip nach dem Subjekt. Für Maria braucht man die weibliche Singularform arrivata.
5. Nach einem Hauptsatz in der Vergangenheit dieselbe Form verwenden
- Falsch: Pensavo che sia già partito.
- Richtig: Pensavo che fosse già partito.
- Warum: Liegen sowohl der Bezugspunkt als auch die davor abgeschlossene Handlung in der Vergangenheit, verlangt die normale Zeitenfolge das congiuntivo trapassato: fosse/avesse + Partizip.
6. Bei gleichem Subjekt unnötig einen che-Satz bilden
- Unnatürlich: Penso che io abbia sbagliato.
- Natürlicher: Penso di aver sbagliato.
- Warum: Wenn Haupt- und Nebensatz dasselbe Subjekt haben, bevorzugt Italienisch oft di + zusammengesetzten Infinitiv. Ein ausdrückliches io ist möglich, wenn ein Gegensatz besonders hervorgehoben werden soll.
Hinweise zum Gebrauch
Das congiuntivo passato erscheint besonders häufig nach Ausdrücken wie credo che, penso che, non sono sicuro che, dubito che, spero che, temo che, mi dispiace che, sono contento che, è possibile che und è strano che. Nicht das einzelne Wort che verursacht den congiuntivo; entscheidend ist die Bedeutung der gesamten Konstruktion.
Ein wichtiger Unterschied betrifft Tatsachen und ihre Bewertung. In So che è arrivata („Ich weiß, dass sie angekommen ist“) stellt sapere den Inhalt als Wissen dar, daher steht normalerweise der Indikativ. In Sono contento che sia arrivata wird dieselbe Ankunft als Anlass eines Gefühls betrachtet, daher steht der congiuntivo. Auch wenn die Handlung wirklich stattgefunden hat, kann also der congiuntivo stehen: Er bedeutet nicht automatisch „unwirklich“.
In lockerer gesprochener Sprache hört man nach penso che oder credo che gelegentlich den Indikativ. Für sorgfältige Standardsprache, Prüfungen und formelle Texte ist der congiuntivo jedoch die sichere Wahl. Umgekehrt sollte man ihn nicht nach jedem che einsetzen: È certo che è partito stellt etwas als sicher dar und hat normalerweise den Indikativ.
Die Stellung von Adverbien ist meist unkompliziert. Non steht vor dem Hilfsverb: che non abbia capito. Wörter wie già, mai und ancora stehen häufig zwischen Hilfsverb und Partizip: sia già arrivato, abbia mai visto, non abbiano ancora risposto.
Über die Grundlagen hinaus
Die Zeitenfolge genauer betrachten
Die italienische consecutio temporum (Zeitenfolge, also die Abstimmung der Zeiten zwischen Haupt- und Nebensatz) unterscheidet zwischen einem gegenwärtigen oder zukünftigen und einem vergangenen Bezugspunkt:
| Hauptsatz | Verhältnis im Nebensatz | Typische Form | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Gegenwart/Zukunft | gleichzeitig oder später | congiuntivo presente | Penso che venga. |
| Gegenwart/Zukunft | vorher | congiuntivo passato | Penso che sia venuto. |
| Vergangenheit/Konditional | gleichzeitig oder später | congiuntivo imperfetto | Pensavo che venisse. |
| Vergangenheit/Konditional | vorher | congiuntivo trapassato | Pensavo che fosse venuto. |
Diese Übersicht erklärt, warum das congiuntivo passato nicht einfach „der Konjunktiv für alles Vergangene“ ist. Maßgeblich ist der zeitliche Standort des Hauptsatzes. Im gesprochenen Italienisch kann die Zeitenfolge variieren, wenn die Aussage ausdrücklich noch für die Gegenwart gilt; als Lernregel ist die obige Abstimmung dennoch die verlässlichste Grundlage.
Objektpronomen und Partizipangleichung
Bei den direkten Objektpronomen lo, la, li, le vor einer Form mit avere wird das Partizip angeglichen:
- Il documento? Credo che lo abbia firmato.
- La domanda? Credo che l'abbia capita.
- Le chiavi? È possibile che le abbia perse.
Bei l’ kann das Partizip sichtbar machen, ob lo oder la gemeint ist: l’abbia visto gegenüber l’abbia vista. Bei mi, ti, ci, vi schwankt die Angleichung stärker und hängt auch von Stil und Sprachgebrauch ab. Für aktives Lernen genügt zunächst: Mit lo/la/li/le angleichen, bei essere immer an das Subjekt angleichen.
Gleiche und unterschiedliche Subjekte
Der che-Satz ist besonders sinnvoll, wenn die beiden Satzteile verschiedene Subjekte haben:
- Spero che tu abbia capito. — Ich hoffe; du hast verstanden.
- Mi dispiace che loro siano partiti. — Mir tut es leid; sie sind abgereist.
Bei gleichem Subjekt ist die Infinitivkonstruktion meist knapper und natürlicher:
- Credo di aver capito. — Ich glaube, verstanden zu haben.
- Sono felice di essere venuta. — Ich freue mich, gekommen zu sein.
Das ist keine bloße Stilfrage aus dem Deutschen. Wer immer einen deutschen „dass“-Satz wörtlich mit che nachbaut, produziert im Italienischen schnell unnötig schwere Sätze.
Nicht nur nach Meinungsverben
Das congiuntivo passato kommt auch nach Konjunktionen und in Relativsätzen vor, sofern deren Konstruktion den congiuntivo verlangt. Benché abbia studiato molto, è ancora nervoso drückt einen Gegensatz aus. In Cerco una persona che abbia vissuto in Sicilia ist die gesuchte Person nicht als konkrete bekannte Person festgelegt. Nach einem Superlativ findet man ebenfalls häufig den congiuntivo: È il miglior film che abbia visto da anni. Solche Muster sind besonders in sorgfältiger Sprache und geschriebenen Texten wichtig.
Übungstipps
- Bilde Satzpaare mit einem Zeitkontrast. Schreibe zu jedem Auslöser zwei Sätze: Penso che lavori molto und Penso che abbia lavorato molto. So lernst du nicht nur Formen, sondern auch den Unterschied zwischen Gleichzeitigkeit und Vorzeitigkeit.
- Sortiere Verben nach Hilfsverb. Übe kleine Gruppen wie abbia fatto, abbia visto, abbia risposto und sia arrivata, siano partiti, si sia svegliato. Sprich bei essere alle vier Partizipendungen laut mit.
- Achte beim Lesen auf den ganzen Auslöser. Markiere in italienischen Artikeln oder Dialogen zuerst spero che, è possibile che oder mi dispiace che und danach die Verbform. Frage anschließend: „Warum congiuntivo?“ und „Warum passato?“
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Congiuntivo presente — liefert die Formen von abbia und sia sowie die wichtigsten Auslöser des Modus.
- Nächster Schritt: Congiuntivo imperfetto — beschreibt Gleichzeitigkeit oder Nachzeitigkeit bei einem vergangenen Bezugspunkt und erscheint auch in hypothetischen Sätzen.
- Nächster Schritt: Congiuntivo trapassato — drückt eine Handlung aus, die bereits vor einem vergangenen Bezugspunkt abgeschlossen war.
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