Congiuntivo imperfetto im Italienischen
Congiuntivo Imperfetto
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Kurz gesagt
Das congiuntivo imperfetto steht vor allem in Nebensätzen, wenn Zweifel, Wunsch, Gefühl oder Bewertung aus einer vergangenen Perspektive ausgedrückt werden: Pensavo che fosse italiano. Es bildet außerdem zusammen mit dem condizionale presente hypothetische Sätze: Se avessi tempo, viaggerei di più. Regelmäßige Verben tragen die gut erkennbaren Endungen -assi, -essi, -issi.
Überblick
Der congiuntivo ist eine Verbform, mit der Italienisch eine Aussage nicht einfach als neutrale Tatsache darstellt, sondern etwa als Wunsch, Zweifel, Befürchtung, Meinung oder bloße Möglichkeit. Auf Deutsch entspricht ihm je nach Satz der Konjunktiv, oft aber auch eine ganz gewöhnliche Indikativform. Das congiuntivo imperfetto ist eine Vergangenheitsform dieses Modus; der Modus bezeichnet dabei die Haltung zur Aussage.
Auf Niveau B2 begegnet diese Form besonders häufig bei der italienischen Zeitenfolge: Steht das einleitende Verb in einer vergangenen Zeit, rückt auch der congiuntivo des abhängigen Satzes normalerweise in die Vergangenheit. Aus Penso che sia stanco wird daher Pensavo che fosse stanco. Die Müdigkeit ist in diesem Beispiel gleichzeitig mit dem damaligen Denken, nicht noch weiter davor.
Die Bezeichnung „imperfetto“ darf nicht zu der Annahme verleiten, die Form bezeichne immer eine abgeschlossene Vergangenheit. In Wünschen und Bedingungssätzen kann sie sich auf Gegenwart oder Zukunft beziehen: Se fossi libero domani, verrei con voi. – „Wenn ich morgen frei wäre, käme ich mit euch.“ Entscheidend sind Satzbau und Perspektive, nicht allein der Name der Zeitform.
Bildung und Gebrauch
Regelmäßige Bildung
Man entfernt beim Infinitiv (der Grundform des Verbs) die Endung -are, -ere oder -ire und fügt die Endungen des congiuntivo imperfetto an. Bei allen drei Gruppen sind die Personenendungen ähnlich. Die ersten beiden Personen Singular sind gleich; das Subjekt lässt sich deshalb nur aus dem Zusammenhang oder einem ausdrücklich genannten Pronomen erkennen.
| Person | parlare | credere | dormire |
|---|---|---|---|
| io | parlassi | credessi | dormissi |
| tu | parlassi | credessi | dormissi |
| lui, lei, Lei | parlasse | credesse | dormisse |
| noi | parlassimo | credessimo | dormissimo |
| voi | parlaste | credeste | dormiste |
| loro | parlassero | credessero | dormissero |
Zum Einprägen hilft dieses Muster:
- -are: -assi, -assi, -asse, -assimo, -aste, -assero
- -ere: -essi, -essi, -esse, -essimo, -este, -essero
- -ire: -issi, -issi, -isse, -issimo, -iste, -issero
Die Betonung liegt bei noi auf der drittletzten Silbe: parlàssimo, credèssimo, dormìssimo. Die Formen parlaste, credeste, dormiste sehen genauso aus wie bestimmte Formen des passato remoto. Erst der Satzkontext zeigt, welche Form gemeint ist.
Häufige unregelmäßige Formen
Viele häufige Verben bewahren einen veränderten Stamm. Ihre Endungen folgen danach meist dem normalen Muster der Verben auf -ere oder -ire.
| Infinitiv | io/tu | lui/lei/Lei | noi | voi | loro |
|---|---|---|---|---|---|
| essere | fossi | fosse | fossimo | foste | fossero |
| avere | avessi | avesse | avessimo | aveste | avessero |
| dare | dessi | desse | dessimo | deste | dessero |
| stare | stessi | stesse | stessimo | steste | stessero |
| fare | facessi | facesse | facessimo | faceste | facessero |
| dire | dicessi | dicesse | dicessimo | diceste | dicessero |
| bere | bevessi | bevesse | bevessimo | beveste | bevessero |
| venire | venissi | venisse | venissimo | veniste | venissero |
| potere | potessi | potesse | potessimo | poteste | potessero |
| volere | volessi | volesse | volessimo | voleste | volessero |
Besonders fossi und avessi lohnen sich als feste Lernformen: Sie treten sowohl in abhängigen Sätzen als auch in hypothetischen Konstruktionen sehr oft auf.
Nach einer vergangenen Hauptaussage
Verben und Ausdrücke, die bereits den congiuntivo presente verlangen, lösen grundsätzlich auch den congiuntivo imperfetto aus. Steht der Hauptsatz in einer vergangenen Zeit, beschreibt das congiuntivo imperfetto meist einen Vorgang, der gleichzeitig stattfand oder aus damaliger Sicht noch folgen sollte.
| Zeitliche Beziehung | Muster | Beispiel |
|---|---|---|
| gleichzeitig | Hauptsatz Vergangenheit + che + congiuntivo imperfetto | Pensavo che fosse a casa. |
| später beabsichtigt oder erwartet | Hauptsatz Vergangenheit + che + congiuntivo imperfetto | Volevo che venisse il giorno dopo. |
| schon vorher abgeschlossen | Hauptsatz Vergangenheit + che + congiuntivo trapassato | Pensavo che fosse già partito. |
Typische Auslöser sind Meinungen und Zweifel (pensare, credere, dubitare), Wünsche und Forderungen (volere, preferire, chiedere), Gefühle und Befürchtungen (essere contento, temere) sowie unpersönliche Bewertungen (era importante, sembrava, era possibile).
Der Unterschied zur Gegenwartsperspektive wird an einem Satzpaar deutlich:
- Penso che Marta sia stanca. – Ich denke, dass Marta müde ist.
- Pensavo che Marta fosse stanca. – Ich dachte, dass Marta müde sei/war.
Nach dem condizionale presente
Ein höflicher, vorsichtiger Wunsch im condizionale presente (der italienischen Form für „würde“, etwa vorrei) wird gewöhnlich mit dem congiuntivo imperfetto verbunden:
- Vorrei che tu venissi con me. – Ich möchte, dass du mitkommst.
- Preferirei che ne parlassimo domani. – Mir wäre lieber, wir sprächen morgen darüber.
- Sarebbe meglio che voi partiste presto. – Es wäre besser, wenn ihr früh aufbrächet/früh losfahren würdet.
Im Deutschen klingt eine wörtliche Konjunktivform hier oft steif. Eine Übersetzung mit „dass“, „wenn“ oder einer normalen Präsensform ist häufig natürlicher. Die italienische Form bleibt trotzdem congiuntivo imperfetto.
In hypothetischen Bedingungssätzen
Für eine gedachte, unsichere oder wenig wahrscheinliche Situation in Gegenwart oder Zukunft verwendet Italienisch häufig dieses Paar:
se + congiuntivo imperfetto, condizionale presente
- Se avessi più tempo, leggerei di più. – Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich mehr lesen.
- Se fossi in te, accetterei. – Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich zusagen.
Der Nebensatz mit se nennt die Bedingung; der Hauptsatz nennt die gedachte Folge. Die Reihenfolge darf wechseln: Comprerei quella casa se costasse meno. Nach se steht in diesem Muster niemals der condizionale: nicht se avrei, sondern se avessi.
Diese Konstruktion ist nicht mit einer offenen, realistischen Bedingung zu verwechseln:
- Se ho tempo, vengo. – Wenn ich Zeit habe, komme ich. (reale/offene Möglichkeit)
- Se avessi tempo, verrei. – Wenn ich Zeit hätte, käme ich. (hypothetisch)
Nach bestimmten Konjunktionen
Der congiuntivo imperfetto kann auch nach Konjunktionen stehen, die einen Zweck, eine Voraussetzung oder einen nur vorgestellten Vergleich einleiten. Bei vergangener Perspektive sind besonders häufig:
- come se („als ob“): Parlava come se sapesse tutto.
- senza che („ohne dass“): Uscì senza che nessuno lo vedesse.
- prima che („bevor“): Partimmo prima che facesse buio.
- affinché / perché im Sinn von „damit“: Spiegò tutto lentamente affinché tutti capissero.
- a meno che („es sei denn“): Non sarei uscito, a meno che non fosse necessario.
Das non nach a meno che gehört häufig zur italienischen Konstruktion und muss im Deutschen nicht als Verneinung wiedergegeben werden.
Beispiele im Kontext
| Italienisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Pensavo che fosse italiano. | Ich dachte, er sei Italiener. | Gleichzeitigkeit aus vergangener Sicht |
| Sembrava che dormisse. | Es schien, als würde er schlafen. | Eindruck statt festgestellter Tatsache |
| Non credevo che avessero ragione. | Ich glaubte nicht, dass sie recht hätten. | Verneinte Meinung in der Vergangenheit |
| Temevo che non capissi la domanda. | Ich fürchtete, du würdest die Frage nicht verstehen. | Befürchtung; capissi kann „ich“ oder „du“ sein |
| Volevamo che i bambini restassero con noi. | Wir wollten, dass die Kinder bei uns blieben. | Wunsch mit anderem Subjekt |
| Era importante che tutti arrivassero puntuali. | Es war wichtig, dass alle pünktlich ankamen. | Unpersönliche Bewertung |
| Vorrei che venissi con me. | Ich möchte, dass du mitkommst. | Höflicher Wunsch in der Gegenwart |
| Preferirebbe che lo chiamassimo domani. | Er/Sie hätte es lieber, wenn wir morgen anrufen. | noi-Form mit -ssimo |
| Se avessi tempo, viaggerei di più. | Wenn ich Zeit hätte, würde ich mehr reisen. | Hypothetische Bedingung |
| Cosa faresti se vincessi la lotteria? | Was würdest du tun, wenn du im Lotto gewinnen würdest? | Hypothese über die Zukunft |
| Se fossimo più vicini, ci vedremmo spesso. | Wenn wir näher beieinander wohnten, würden wir uns oft sehen. | essere: fossimo |
| Parlava come se mi conoscesse da anni. | Sie sprach, als würde sie mich seit Jahren kennen. | Vergleich mit come se |
| Chiuse la porta senza che nessuno se ne accorgesse. | Er/Sie schloss die Tür, ohne dass es jemand bemerkte. | senza che mit eigenem Subjekt |
| Partimmo prima che cominciasse a piovere. | Wir fuhren ab, bevor es zu regnen begann. | Noch nicht eingetretenes Ereignis |
| Magari potessi restare più a lungo! | Könnte ich doch länger bleiben! | Eigenständiger, schwer erfüllbarer Wunsch |
Häufige Fehler
Nach einem vergangenen Auslöser den Präsens-Konjunktiv verwenden
- Falsch: Pensavo che sia stanco.
- Richtig: Pensavo che fosse stanco.
- Warum: Das Denken liegt in der Vergangenheit, und die Müdigkeit besteht gleichzeitig mit diesem damaligen Denken. In der standardsprachlichen Zeitenfolge steht deshalb der congiuntivo imperfetto.
Die Endungen der Verbgruppen vermischen
- Falsch: Speravo che lui parlisse italiano.
- Richtig: Speravo che lui parlasse italiano.
- Warum: Parlare gehört zur Gruppe auf -are und bildet die Form mit -ass-. -iss- gehört zu Verben auf -ire, etwa dormisse.
Den condizionale nach se setzen
- Falsch: Se avrei tempo, viaggerei di più.
- Richtig: Se avessi tempo, viaggerei di più.
- Warum: In dieser hypothetischen Konstruktion steht die Bedingung im congiuntivo imperfetto und nur die Folge im condizionale presente.
fossi automatisch als Vergangenheit übersetzen
- Falsch gedacht: Se fossi libero domani müsse sich auf gestern beziehen.
- Richtig: Se fossi libero domani, verrei. – „Wenn ich morgen frei wäre, käme ich.“
- Warum: Im Bedingungssatz markiert fossi die hypothetische Distanz. Das Zeitadverb domani legt den Zukunftsbezug fest.
Bei identischem Subjekt unnötig che verwenden
- Unnatürlich: Speravo che io potessi partire presto.
- Natürlicher: Speravo di poter partire presto.
- Warum: Haben Haupt- und Nebensatz dasselbe Subjekt, bevorzugt Italienisch nach vielen Verben den Infinitiv mit di. Der Satz mit che io potessi ist bei starkem Kontrast möglich, aber nicht die neutrale Wahl.
Das frühere Ereignis mit dem imperfetto ausdrücken
- Falsch für „Ich dachte, er sei schon gegangen“: Pensavo che partisse già.
- Richtig: Pensavo che fosse già partito.
- Warum: Das Weggehen war vor dem damaligen Denken bereits abgeschlossen. Dafür braucht man den congiuntivo trapassato, nicht den congiuntivo imperfetto.
Hinweise zum Gebrauch
In sorgfältiger Standardsprache ist der congiuntivo imperfetto nach den genannten Auslösern die erwartete Form. In spontaner Alltagssprache hört man regional und je nach Sprecher auch den Indikativ, beispielsweise pensavo che era. Für Lernende ist die Form pensavo che fosse dennoch die sichere Wahl: Sie ist in formellen wie informellen Situationen korrekt und zeigt die zeitliche Beziehung eindeutig.
Deutsch und Italienisch verteilen die grammatischen Aufgaben unterschiedlich. In der indirekten Rede kann Deutsch mit dem Konjunktiv I Distanz zur Aussage markieren: „Er sagte, er sei krank.“ Italienisch verwendet nicht allein wegen der indirekten Rede automatisch den congiuntivo; ausschlaggebend sind unter anderem das einleitende Verb, Aussagehaltung und Zeitenfolge. Nach einem neutralen dire ist daher Ha detto che era malato ganz normal. Nach Zweifel oder Unsicherheit steht dagegen eher der congiuntivo: Dubito che fosse malato.
Auch der deutsche Konjunktiv II ist keine Form-für-Form-Schablone. Vorrei che venissi wird meist natürlicher mit „Ich möchte, dass du mitkommst“ übersetzt als mit „Ich möchte, dass du kämest“. Beim Verstehen sollte man deshalb zuerst fragen: Ist dies eine vergangene Perspektive, ein Wunsch oder eine Hypothese? Erst danach sucht man die idiomatische deutsche Entsprechung.
Bei Lei als höflicher Anrede gelten die Formen der dritten Person Singular: Vorrei che Lei venisse alle dieci. Das großgeschriebene Pronomen macht in Briefen und formellen Nachrichten deutlich, dass eine angesprochene Person gemeint ist.
Für Fortgeschrittene
Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit
Die grundlegende Zeitenfolge unterscheidet, ob der Inhalt des Nebensatzes gleichzeitig, früher oder später als der Hauptsatz liegt. Das congiuntivo imperfetto deckt Gleichzeitigkeit und bei Wünschen, Forderungen oder Erwartungen oft auch eine spätere Ausführung ab: Chiese che tornassimo il giorno dopo. Ein bereits abgeschlossenes früheres Geschehen verlangt dagegen den congiuntivo trapassato: Credeva che avessimo già finito.
Bei einer neutral berichteten zukünftigen Tatsache aus vergangener Sicht kann das condizionale passato auftreten: Ha detto che sarebbe arrivato alle otto – „Er sagte, er werde um acht ankommen.“ Das ist nicht dasselbe wie Voleva che arrivasse alle otto: Im ersten Satz wird eine künftige Ankunft berichtet, im zweiten wird sie gewünscht oder verlangt.
Eigenständige Wünsche und Ausrufe
Obwohl der congiuntivo meist in einem Nebensatz steht, erscheint er in lebhaften Wünschen auch selbstständig. Mit magari drückt das imperfetto einen gegenwärtig schwer erfüllbaren oder irrealen Wunsch aus:
- Magari fossi al mare! – Wäre ich doch am Meer!
- Magari avessimo più tempo! – Hätten wir doch mehr Zeit!
- Potessi aiutarti! – Wenn ich dir nur helfen könnte!
Für einen Wunsch über etwas bereits Vergangenes braucht man wieder das trapassato: Magari avessi ascoltato! – „Hätte ich doch zugehört!“
Come se und die zeitliche Perspektive
Nach come se steht standardsprachlich der congiuntivo. Das imperfetto bezeichnet dabei oft einen nur angenommenen gleichzeitigen Zustand, auch wenn der Hauptsatz im Präsens steht: Mi tratta come se fossi un bambino. – „Er/Sie behandelt mich, als wäre ich ein Kind.“ Für etwas, das scheinbar schon vorher geschehen ist, steht das trapassato: Parla come se avesse visto tutto. – „Er/Sie spricht, als hätte er/sie alles gesehen.“
Höflichkeit und Abschwächung
Das Paar aus condizionale und congiuntivo imperfetto kann eine Bitte oder Kritik merklich weicher machen. Voglio che finite oggi ist zudem grammatisch problematisch, wenn ein Wunsch den congiuntivo verlangt; Vorrei che finiste oggi ist korrekt und höflicher. Je nach Situation kann eine direkte Bitte aber natürlicher sein: Potreste finire oggi, per favore? Grammatische Komplexität ist nicht automatisch gleichbedeutend mit besserem Stil.
Lerntipps
- Lerne Formen in drei Klangreihen. Sprich täglich ein regelmäßiges Verb vollständig durch: parlassi – parlassi – parlasse – parlassimo – parlaste – parlassero. Wechsle anschließend zu -ere und -ire. So prägt sich das doppelte s als gemeinsames Signal ein.
- Bilde Satzpaare mit Perspektivwechsel. Verwandle etwa Penso che sia vero in Pensavo che fosse vero und Spero che vengano in Speravo che venissero. Ergänze danach ein vorzeitiges Beispiel, um imperfetto und trapassato bewusst zu trennen.
- Übe Bedingungen als Zweierpaket. Schreibe fünf persönliche Sätze nach dem Muster Se + congiuntivo imperfetto, condizionale presente: Se abitassi a Roma, andrei al lavoro in bicicletta. Markiere die Bedingung und die Folge in unterschiedlichen Farben.
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