B2

Kausative Konstruktionen im Dänischen

Kausative Konstruktioner

Dieser Artikel ist Teil des Dänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Dänischen drücken vor allem få nogen til at gøre noget, lade nogen gøre noget und bede nogen om at gøre noget aus, dass eine Person auf die Handlung einer anderen einwirkt. Få ... til at betont ein herbeigeführtes Ergebnis, lade eine Erlaubnis oder ein Geschehenlassen und bede ... om at eine Bitte. Entscheidend sind dabei die kleinen Wörter: til at steht nach , gar kein at nach lade und om at nach bede.

Überblick

Eine kausative Konstruktion beschreibt nicht einfach, was jemand selbst tut, sondern dass jemand bewirkt, erlaubt oder veranlasst, dass eine andere Person etwas tut. In Jeg fik ham til at grine lacht nicht jeg, sondern ham; jeg ist der Auslöser. Der grammatische Ausdruck Objekt bezeichnet hier die Person oder Sache, auf die sich das erste Verb richtet. In diesem Beispiel ist ham das Objekt von fik und zugleich die handelnde Person bei grine.

Auf B2-Niveau ist besonders der Unterschied zwischen drei sehr häufigen Mustern wichtig. Das Deutsche verwendet dafür je nach Situation etwa „jemanden dazu bringen“, „jemanden etwas tun lassen“ oder „jemanden bitten, etwas zu tun“. Eine Wort-für-Wort-Übertragung ist dennoch riskant: Dänisch verlangt nach jedem der drei Verben einen anderen Anschluss.

Die Konstruktionen unterscheiden sich nicht nur formal, sondern auch darin, wie stark das Ergebnis behauptet wird. Bei ist die Handlung gewöhnlich tatsächlich zustande gekommen. Lade sagt, dass sie zugelassen oder nicht verhindert wurde. Bede bezeichnet dagegen zunächst nur die Bitte; ob sie erfüllt wurde, bleibt ohne weiteren Kontext offen.

So funktioniert es

1. få nogen til at + Infinitiv

Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, zum Beispiel grine „lachen“ oder vente „warten“. Das Grundmuster lautet:

Subjekt + få + Objekt + til at + Infinitiv

  • Jeg får ham til at grine. – Ich bringe ihn zum Lachen.
  • Chefen fik os til at arbejde længere. – Der Chef brachte uns dazu, länger zu arbeiten.

bedeutet in dieser Konstruktion nicht einfach „bekommen“. Es zeigt, dass das Subjekt ein Ergebnis herbeiführt. Das kann durch Überreden, Organisieren, einen Impuls oder auch Zwang geschehen. Wie stark der Druck ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang. Hun fik barnet til at spise kann heißen, dass sie das Kind freundlich zum Essen bewegt hat; die Konstruktion allein sagt nicht, mit welchen Mitteln.

Zeit/Form Form von Beispiel
Präsens får Jeg får ham til at ringe.
Präteritum fik Jeg fik ham til at ringe.
Perfekt har fået Jeg har fået ham til at ringe.
Imperativ Få ham til at ringe!

Der Infinitiv nach til at verändert sich nicht. Nur trägt Zeit und Satzmodus. Im Deutschen wird das Ergebnis häufig mit „dazu bringen“, „zum … bringen“ oder je nach Kontext mit „veranlassen“ wiedergegeben.

2. lade nogen + Infinitiv ohne at

Das zweite Muster lautet:

Subjekt + lade + Objekt + Infinitiv

  • Hun lader børnene lege. – Sie lässt die Kinder spielen.
  • Lad hende komme ind. – Lass sie hereinkommen.

Nach lade steht der Infinitiv ohne at. Semantisch entspricht das oft sehr genau dem deutschen „lassen“. Das Subjekt erlaubt eine Handlung oder greift nicht ein. Je nach Zusammenhang kann lade auch bedeuten, dass man etwas bewusst in einem Zustand belässt: Han lod døren stå åben – „Er ließ die Tür offen stehen.“

Zeit/Form Form von lade Beispiel
Präsens lader Vi lader dem vente.
Präteritum lod Vi lod dem vente.
Perfekt har ladet Vi har ladet dem vente.
Imperativ lad Lad dem vente!

Für deutsche Lernende ist die Form im Präteritum besonders merkenswert: lod, nicht etwa eine regelmäßig gebildete Form. Der Imperativ lautet lad.

3. bede nogen om at + Infinitiv

Das dritte Muster lautet:

Subjekt + bede + Objekt + om at + Infinitiv

  • Vi beder dem om at vente. – Wir bitten sie zu warten.
  • Hun bad mig om at lukke vinduet. – Sie bat mich, das Fenster zu schließen.

Anders als behauptet bede nicht, dass die gewünschte Handlung wirklich ausgeführt wird. Es bezeichnet eine Aufforderung als Bitte. Die feste Verbindung lautet bede nogen om noget „jemanden um etwas bitten“; vor einer Handlung wird daraus om at + Infinitiv.

Zeit/Form Form von bede Beispiel
Präsens beder Jeg beder hende om at komme.
Präteritum bad Jeg bad hende om at komme.
Perfekt har bedt Jeg har bedt hende om at komme.
Imperativ bed Bed hende om at komme!

Auch hier muss nur das erste Verb an die Zeit angepasst werden. Die Formen bad und bedt sind unregelmäßig und sollten als Einheit mit bede gelernt werden.

Die drei Bedeutungen im direkten Vergleich

Dänisch Deutsch Bedeutungsunterschied
Jeg fik Peter til at rydde op. Ich brachte Peter dazu aufzuräumen. Das Aufräumen kam als Ergebnis zustande.
Jeg lod Peter rydde op. Ich ließ Peter aufräumen. Ich erlaubte es oder griff nicht ein.
Jeg bad Peter om at rydde op. Ich bat Peter aufzuräumen. Die Bitte wird genannt; das Ergebnis bleibt offen.

Objektformen der Personalpronomen

Nach , lade und bede stehen Pronomen in der Objektform, also in der Form für die Person, die von der Handlung betroffen ist. Besonders wichtig sind die Unterschiede han → ham, hun → hende und de → dem.

Subjektform Objektform Deutsch
jeg mig ich → mich/mir
du dig du → dich/dir
han ham er → ihn/ihm
hun hende sie → sie/ihr
vi os wir → uns
I jer ihr → euch
de dem sie → sie/ihnen

Dänisch unterscheidet bei diesen Pronomen nicht wie das Deutsche zwischen Akkusativ und Dativ. Deshalb hängt die deutsche Übersetzung davon ab, welches deutsche Verb verwendet wird: bede ham heißt „ihn bitten“, obwohl eine andere deutsche Formulierung eventuell einen Dativ enthalten könnte.

Beispiele im Kontext

Dänisch Deutsch Hinweis
Jeg fik ham til at grine. Ich brachte ihn zum Lachen. Herbeigeführtes Ergebnis mit fik.
Musikken fik alle til at danse. Die Musik brachte alle zum Tanzen. Auch eine Sache kann der Auslöser sein.
Kan du få printeren til at virke? Kannst du den Drucker zum Laufen bringen? Das Objekt muss keine Person sein.
Hun har fået børnene til at rydde op. Sie hat die Kinder dazu gebracht aufzuräumen. Perfekt von .
Lad hende komme ind. Lass sie hereinkommen. Imperativ von lade.
Hun lod børnene lege i haven. Sie ließ die Kinder im Garten spielen. Erlaubnis in der Vergangenheit.
Vi lader døren stå åben. Wir lassen die Tür offen stehen. Ein Zustand wird beibehalten.
Lad mig forklare det. Lass mich das erklären. Häufige Gesprächsformel.
Vi bad dem om at vente. Wir baten sie zu warten. Bitte im Präteritum.
Jeg har bedt naboen om at skrue ned. Ich habe den Nachbarn gebeten, leiser zu drehen. Perfekt von bede.
Hun beder os om ikke at sige noget. Sie bittet uns, nichts zu sagen. Die Verneinung gehört zur erbetenen Handlung.
Læreren fik eleverne til at tale dansk. Die Lehrkraft brachte die Lernenden dazu, Dänisch zu sprechen. Til at darf nicht fehlen.
De lod ikke børnene se filmen. Sie ließen die Kinder den Film nicht sehen. Die Erlaubnis wurde nicht gegeben.
Hvad fik dig til at skifte mening? Was hat dich dazu gebracht, deine Meinung zu ändern? Sehr gebräuchliche Frage nach einem Grund oder Auslöser.

Typische Fehler

1. til at nach weglassen

  • Falsch: Jeg fik ham grine.
  • Richtig: Jeg fik ham til at grine.
  • Warum: Das kausative Muster mit verlangt til at vor dem zweiten Verb. Das deutsche „Ich ließ ihn lachen“ kann dazu verleiten, direkt einen Infinitiv anzuschließen, doch diese Struktur gehört im Dänischen zu lade, nicht zu .

2. at nach lade einsetzen

  • Falsch: Hun lod børnene at lege.
  • Richtig: Hun lod børnene lege.
  • Warum: Nach lade + Objekt folgt der Infinitiv ohne at. Hier stimmt das Muster mit dem deutschen „lassen + Infinitiv“ überein.

3. Bei bede die Präposition om vergessen

  • Falsch: Vi bad dem at vente.
  • Richtig: Vi bad dem om at vente.
  • Warum: Vor einer erbetenen Handlung steht die feste Verbindung om at. Man bittet auf Dänisch nogen om noget.

4. Subjekt- statt Objektform verwenden

  • Falsch: Jeg fik han til at grine.
  • Richtig: Jeg fik ham til at grine.
  • Warum: Die Person zwischen den beiden Verben ist das Objekt des ersten Verbs. Daher heißt es mig, dig, ham, hende, os, jer, dem.

5. und bede gleichsetzen

  • Missverständlich: Jeg bad hende om at ringe, så hun ringede. – Ich bat sie anzurufen, also rief sie an.
  • Passend bei erreichtem Ergebnis: Jeg fik hende til at ringe. – Ich brachte sie dazu anzurufen.
  • Warum: Eine Bitte kann erfolglos bleiben. Få ... til at rückt dagegen das zustande gekommene Ergebnis in den Vordergrund.

6. Unregelmäßige Vergangenheitsformen regelmäßig bilden

  • Falsch: Hun ladede os vente / Vi bedede ham om hjælp.
  • Richtig: Hun lod os vente / Vi bad ham om hjælp.
  • Warum: Die relevanten Formen sind lade – lod – har ladet und bede – bad – har bedt. Auch få – fik – har fået ist unregelmäßig.

Hinweise zum Gebrauch

Få nogen til at ist im gesprochenen wie im geschriebenen Dänisch neutral und sehr gebräuchlich. Es ist oft weniger hart als deutsches „jemanden zwingen“. Soll ausdrücklich Zwang gemeint sein, ist tvinge nogen til at eindeutiger: De tvang ham til at gå – „Sie zwangen ihn zu gehen.“ Mit bleibt die Methode meist offen.

Lade kann erlaubend wirken: Mine forældre lod mig blive længe oppe – „Meine Eltern ließen mich lange aufbleiben.“ In einem Imperativ kann es freundlich, entschieden oder ungeduldig klingen. Lad mig se („Lass mich sehen/Mal sehen“) und Lad os gå („Gehen wir“) sind feste, alltägliche Wendungen. Beim höflichen Bitten ist eine Frage oft weicher als ein bloßer Imperativ: Vil du lade mig tale færdig? – „Lässt du mich bitte ausreden?“

Bede nogen om at ist die sachliche Standardform für Bitten und Aufforderungen. Der Ton hängt stark von Situation, Stimme und Ergänzungen ab. Jeg vil bede dig om at vente heißt wörtlich „Ich möchte dich bitten zu warten“, kann in amtlichen oder dienstlichen Situationen aber durchaus eine verbindliche Aufforderung sein. Mit venligst („bitte/freundlicherweise“) klingt eine schriftliche Anweisung formeller: Vi beder jer venligst om at svare inden fredag.

Bei der Verneinung ist wichtig, was negiert wird. Jeg bad ham om ikke at komme bedeutet, dass ich ihn bat, nicht zu kommen. Jeg bad ham ikke om at komme bedeutet dagegen, dass ich ihn nicht darum bat, zu kommen. In einem Nebensatz steht ikke vor dem gebeugten Verb: fordi jeg ikke bad ham om at komme.

Über die Grundlagen hinaus

Eine Dienstleistung veranlassen: få noget gjort

Sehr häufig steht nach få + Objekt kein Infinitiv, sondern ein Partizip (eine Verbform wie repareret „repariert“). Das Muster få noget gjort bedeutet, dass man dafür sorgt, dass etwas erledigt wird, meistens durch eine andere Person:

  • Jeg fik bilen repareret. – Ich ließ das Auto reparieren.
  • Vi har fået vinduerne pudset. – Wir haben die Fenster putzen lassen.
  • Hun får malet køkkenet i næste uge. – Sie lässt nächste Woche die Küche streichen.

Das ähnelt dem deutschen „etwas machen lassen“. Die ausführende Person wird oft gar nicht genannt, weil das Ergebnis wichtiger ist. Diese Form ist von få nogen til at gøre noget zu unterscheiden: In Jeg fik mekanikeren til at reparere bilen wird der Mechaniker ausdrücklich als Handelnder genannt; in Jeg fik bilen repareret steht das reparierte Auto im Mittelpunkt.

få lov til at: selbst die Erlaubnis erhalten

Die feste Verbindung få lov til at heißt „dürfen“ oder „die Erlaubnis bekommen“:

  • Børnene fik lov til at lege ude. – Die Kinder durften draußen spielen.

Hier ist die Person, die bei få nogen til at gewöhnlich als Objekt erscheint, selbst das Subjekt. Vergleiche:

  • Hun lod børnene lege ude. – Sie ließ die Kinder draußen spielen.
  • Børnene fik lov til at lege ude. – Die Kinder durften draußen spielen.

Beide Sätze können dieselbe Situation aus verschiedener Perspektive beschreiben.

Unbeabsichtigte Ursachen und unpersönliche Auslöser

Das Subjekt von få ... til at muss nicht absichtlich handeln. In Nyheden fik hende til at græde („Die Nachricht brachte sie zum Weinen“) ist eine Nachricht der Auslöser. Auch Fragen nach Motiven verwenden dieses Muster sehr oft: Hvad fik dig til at vælge Danmark? bedeutet sinngemäß „Was hat dich dazu bewogen, Dänemark zu wählen?“ Damit eignet sich die Konstruktion nicht nur für absichtliche Veranlassung, sondern allgemein für Ursachen, die zu einer Handlung oder Reaktion führen.

Abgrenzung zu lade være med at

Lade være med at + Infinitiv ist eine eigene feste Wendung und bedeutet „etwas unterlassen“ oder „etwas nicht tun“:

  • Lad være med at afbryde! – Hör auf zu unterbrechen!/Unterbrich nicht!

Trotz des Verbs lade folgt hier med at, weil es sich nicht um das Muster lade nogen gøre noget handelt. Diese beiden Verbindungen sollten als getrennte Bausteine gelernt werden.

Übungstipps

  1. Bilde Dreiergruppen. Nimm eine Handlung wie lukke døren und formuliere drei Sätze: Jeg fik ham til at lukke døren, Jeg lod ham lukke døren und Jeg bad ham om at lukke døren. Erkläre anschließend laut, wie sich Ergebnis, Erlaubnis und Bitte unterscheiden.
  2. Lerne die Anschlusswörter zusammen mit dem Verb. Notiere nicht nur , lade und bede, sondern immer die vollständigen Rahmen: få nogen til at, lade nogen + Infinitiv, bede nogen om at. Ergänze daneben die Reihen fik – har fået, lod – har ladet und bad – har bedt.
  3. Achte beim Hören auf die Perspektive. Suche in dänischen Gesprächen oder Nachrichten nach Hvad fik ... til at ...?, lad mig ... und beder ... om at .... Frage jeweils: Wer löst etwas aus, wer führt die zweite Handlung aus, und wird ein Ergebnis oder nur eine Absicht genannt?

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