A1

Pluralbildung im Hebräischen

ריבוי

Dieser Artikel ist Teil des Hebräisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Hebräische Nomen (Wörter für Personen, Dinge oder Begriffe) bilden den Plural häufig mit ־ים bei maskulinen und mit ־ות bei femininen Wörtern: ספרים „Bücher“, ילדות „Mädchen“. Das ist die nützliche A1-Grundregel – aber die Endung verrät das grammatische Geschlecht nicht immer: Das feminine מילה wird zu מילים, das maskuline שולחן zu שולחנות.

Überblick

Wer auf Hebräisch über mehrere Menschen oder Dinge sprechen möchte, braucht den ריבוי, den Plural oder die Mehrzahl. Anders als im Deutschen gibt es dafür zwei besonders auffällige Endungen. ־ים wird meist ungefähr -im, ־ות ungefähr -ot gesprochen. Diese Formen begegnen dir von Anfang an: auf Speisekarten, in Mengenangaben, in einfachen Beschreibungen und in Sätzen mit יש „es gibt“.

Auf A1 reicht zunächst ein zuverlässiger Arbeitsweg: Lerne das grammatische Geschlecht eines Nomens, bilde häufige maskuline Wörter mit ־ים und häufige feminine Wörter mit ־ות, und speichere Ausnahmen als Wortpaar. „Maskulin“ und „feminin“ bezeichnen dabei grammatische Klassen; bei Sachen hat das nichts mit einem natürlichen Geschlecht zu tun.

Für Deutschsprachige fühlt sich das System zugleich einfacher und ungewohnter an. Hebräisch hat weder Pluralmuster wie Buch – Bücher oder Kind – Kinder noch einen eigenen unbestimmten Artikel, der geändert werden müsste. Dafür können sich beim Anhängen der Endung die Vokale im Wortstamm ändern, und manche Nomen nehmen gerade die Endung, die man nach ihrem Geschlecht nicht erwartet.

So funktioniert es

Die beiden Grundmuster

Hebräisch Deutsch Hinweis
ספר → ספרים Buch → Bücher maskulin, meist ־ים
ילד → ילדים Junge → Jungen maskulin, meist ־ים
ילדה → ילדות Mädchen → Mädchen feminin auf ־ה; ־ה fällt vor ־ות weg
שאלה → שאלות Frage → Fragen feminin auf ־ה; regelmäßiges Grundmuster
מחברת → מחברות Heft → Hefte feminin auf ־ת; Plural auf ־ות

Die Pfeile zeigen die Grundform im Singular und die selbstständige Pluralform. Bei einem femininen Wort auf ־ה wird nicht einfach ־ות hinter das ganze Wort gesetzt. Vielmehr ersetzt die Pluralendung gewöhnlich das ־ה: ילדה → ילדות, nicht ילדהות.

Bei vielen femininen Nomen auf ־ת erscheint ebenfalls ־ות. Ein häufiges Teilmuster ist ־ית → ־יות, etwa מכונית → מכוניות „Auto → Autos“. Für den Anfang ist es dennoch sicherer, Singular und Plural gemeinsam zu lernen, statt aus den letzten Buchstaben allein eine Form zu erraten.

Schrift und Aussprache

In Alltagstexten werden die Vokalzeichen, der ניקוד (Punkte und Striche zur Anzeige von Vokalen), meist weggelassen. Deshalb sieht man in der Schrift vor allem die Endung, während ein Vokalwechsel im Inneren nicht sichtbar erklärt wird. So lautet ספר séfer, aber ספרים sfarím; ילד yéled, aber ילדים yeladím. Die Betonung liegt bei den regelmäßigen Endungen häufig auf ־ים oder ־ות.

Solche Veränderungen sind kein Grund, am Anfang komplizierte Lautregeln auswendig zu lernen. Sprich neue Wörter mit einer Aufnahme nach und notiere immer beide Formen. Die unpunktierte Schreibweise allein liefert nicht zuverlässig alle Vokale.

Die Endung ist keine sichere Geschlechtsangabe

Die Grundregel ist eine Tendenz, keine Definition. Einige maskuline Nomen haben ־ות, einige feminine ־ים. Ihr grammatisches Geschlecht bleibt im Plural erhalten.

Hebräisch Deutsch Grammatisches Geschlecht
שולחן → שולחנות Tisch → Tische maskulin trotz ־ות
מקום → מקומות Ort → Orte maskulin trotz ־ות
חלון → חלונות Fenster → Fenster maskulin trotz ־ות
מילה → מילים Wort → Wörter feminin trotz ־ים
עיר → ערים Stadt → Städte feminin trotz ־ים und Stammänderung
שנה → שנים Jahr → Jahre feminin trotz ־ים

Das ist besonders wichtig, wenn ein Adjektiv hinzukommt. Ein Adjektiv ist ein Eigenschaftswort wie „groß“ oder „neu“. Es richtet sich nach dem grammatischen Geschlecht und der Zahl des Nomens, nicht bloß nach dessen sichtbarer Pluralendung:

  • שולחנות גדולים – große Tische: שולחן ist maskulin, daher גדולים.
  • מילים חדשות – neue Wörter: מילה ist feminin, daher חדשות.
  • ערים גדולות – große Städte: עיר ist feminin, daher גדולות.

Lerne eine Ausnahme deshalb am besten als Dreiergruppe: מילה – מילים – מילים חדשות. So bleiben Form und Geschlecht miteinander verbunden.

Bestimmtheit im Plural

Der bestimmte Artikel ה־ entspricht ungefähr dem deutschen „der, die, das“ und „die“ im Plural. Er wird direkt an das Nomen gesetzt; die Pluralendung ändert sich dadurch nicht:

Hebräisch Deutsch Hinweis
ספרים Bücher unbestimmt oder allgemein
הספרים die Bücher ה־ steht vor dem Pluralnomen
ילדות Mädchen unbestimmt oder allgemein
הילדות die Mädchen dieselbe Pluralform mit ה־

Steht ein Adjektiv bei einem bestimmten Nomen, erhält auch das Adjektiv ה־: הספרים החדשים „die neuen Bücher“. Bei einem unbestimmten Ausdruck steht dagegen ספרים חדשים „neue Bücher“.

Eine besondere Zweizahl

Hebräisch besitzt neben Singular und gewöhnlichem Plural noch Reste eines Duals, also einer Form für zwei. Seine typische Endung ist ־יים. Sie ist heute vor allem bei paarigen Körperteilen sowie in einigen Zeit- und Maßangaben gebräuchlich:

  • יד → ידיים – Hand → Hände
  • עין → עיניים – Auge → Augen
  • יום → יומיים – Tag → zwei Tage
  • שעה → שעתיים – Stunde → zwei Stunden

Diese Form ist nicht frei auf jedes Nomen übertragbar. „Zwei Bücher“ heißt שני ספרים, nicht mit einer neu gebildeten Dualendung. Formen wie ידיים können zudem sowohl ein natürliches Paar als auch allgemein mehrere Exemplare bezeichnen; das Adjektiv steht dabei im Plural, zum Beispiel ידיים קטנות „kleine Hände“.

Beispiele im Kontext

Hebräisch Deutsch Hinweis
יש לי שני ספרים. Ich habe zwei Bücher. regelmäßiger maskuliner Plural
הילדים משחקים בחוץ. Die Kinder spielen draußen. ילד → ילדים
הילדות לומדות עברית. Die Mädchen lernen Hebräisch. femininer Plural und feminine Verbform
יש שאלות? Gibt es Fragen? שאלה → שאלות
קניתי שלוש מחברות. Ich habe drei Hefte gekauft. feminines Nomen auf ־ת
הספרים החדשים על השולחן. Die neuen Bücher liegen auf dem Tisch. Nomen und Adjektiv sind maskulin plural
השולחנות גדולים. Die Tische sind groß. maskulines Nomen mit ־ות
אלה מילים חשובות. Das sind wichtige Wörter. feminines Nomen mit ־ים
יש הרבה מקומות יפים בעיר. In der Stadt gibt es viele schöne Orte. מקומות bleibt maskulin
הערים האלה גדולות. Diese Städte sind groß. ערים bleibt feminin
החלונות פתוחים. Die Fenster sind offen. חלונות ist maskulin plural
יש לי שתי אחיות. Ich habe zwei Schwestern. regelmäßiger femininer Plural
העיניים שלה כחולות. Ihre Augen sind blau. Dualform, feminine Pluralanpassung
אנחנו נשארים פה יומיים. Wir bleiben zwei Tage hier. feste Dualform einer Zeitangabe

Häufige Fehler

־ים und ־ות rein nach dem Geschlecht verteilen

  • Falsch: מילות חדשות als selbstständiger Ausdruck für „neue Wörter“
  • Richtig: מילים חדשות
  • Warum: מילה ist zwar feminin, hat aber den unregelmäßigen selbstständigen Plural מילים. מילות kommt in Wortverbindungen vor, wird aber nicht einfach als gewöhnliche Grundform verwendet.

Aus der Pluralendung auf das Geschlecht schließen

  • Falsch: שולחנות גדולות
  • Richtig: שולחנות גדולים
  • Warum: שולחן „Tisch“ ist maskulin, obwohl sein Plural auf ־ות endet. Das Adjektiv muss daher maskulin plural sein.

Die Endung an ־ה anhängen, ohne ־ה zu ersetzen

  • Falsch: ילדהות
  • Richtig: ילדות
  • Warum: Bei diesem femininen Muster wird das ־ה der Singularform durch ־ות ersetzt.

Eine deutsche Plurallogik erwarten

  • Falsch: annehmen, ein hebräisches Nomen müsse wie Buch – Bücher nur einen inneren Vokal wechseln oder wie Kind – Kinder eine deutsche Endung nachbilden
  • Richtig: ספר → ספרים, ילד → ילדים als hebräische Wortpaare lernen
  • Warum: Die beiden Sprachen ordnen ihre Pluralmuster völlig unterschiedlich. Eine deutsche Übersetzung sagt nichts über die hebräische Endung aus.

Bei einem bestimmten Ausdruck nur das Nomen markieren

  • Falsch: הספרים חדשים für „die neuen Bücher“, wenn das Adjektiv das Nomen direkt beschreibt
  • Richtig: הספרים החדשים
  • Warum: In einer bestimmten Nomengruppe erhalten sowohl Nomen als auch Adjektiv den Artikel ה־. Ohne Artikel am Adjektiv bedeutet הספרים חדשים eher den vollständigen Satz „Die Bücher sind neu“.

Eine Dualendung frei erfinden

  • Falsch: eine Form mit ־יים für „zwei Bücher“ bilden
  • Richtig: שני ספרים
  • Warum: Der Dual ist im modernen Hebräisch nur in bestimmten Wörtern und Ausdrücken produktiv. Gewöhnliche Nomen stehen nach „zwei“ im Plural.

Hinweise zum Gebrauch

Im gesprochenen modernen Hebräisch sind ־ים und ־ות ausgesprochen häufig und deutlich hörbar. Trotzdem solltest du beim Zuhören auf den ganzen Ausdruck achten: Erst ein passendes Adjektiv oder Verb kann bei einer ungewöhnlichen Endung klar zeigen, welches grammatische Geschlecht das Nomen hat.

Bei Personenbezeichnungen wird für eine gemischte Gruppe traditionell meist die maskuline Pluralform verwendet. Eine Gruppe aus Männern und Frauen kann daher תלמידים „Schülerinnen und Schüler/Lernende“ heißen. In heutiger geschlechtergerechter Sprache begegnen dir daneben Doppelformen, Schrägstriche oder kreative Schreibweisen. Für die A1-Grammatik bleibt die maskuline Pluralform als konventionelle gemischte Form wichtig; wie inklusiv formuliert wird, hängt stark von Situation und Textsorte ab.

Nicht jedes Nomen wird im Alltag gleich häufig im Plural gebraucht. Stoff- und Sammelbezeichnungen können typischerweise ohne zählbaren Plural stehen, ähnlich wie deutsches „Wasser“. Andere Wörter erscheinen besonders oft in einer formal pluralischen Form, etwa מים „Wasser“ und שמיים „Himmel“. Solche Wörter lernst du am besten als vollständige lexikalische Einheit, also als festes Wort mitsamt seiner üblichen grammatischen Umgebung.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären jedoch Formen, die dir in Texten schon früh begegnen können.

Plural in der סמיכות

Die סמיכות ist eine enge Verbindung zweier Nomen, ungefähr wie „Kinderbücher“ oder „Bücher der Kinder“. Das erste Nomen steht dabei in einer besonderen Verbindungsform, dem Status constructus (einer Form, die direkt an ein folgendes Nomen gebunden ist). Maskuline Plurale auf ־ים werden dabei häufig zu ־י:

  • ספרים „Bücher“ → ספרי ילדים „Kinderbücher“
  • בתים „Häuser“ → בתי ספר „Schulen“, wörtlich etwa „Häuser des Buches“
  • אנשים „Menschen/Männer“ → אנשי מקצוע „Fachleute“

Auch מילה zeigt hier einen wichtigen Unterschied: Die selbstständige Mehrzahl ist מילים, aber in einer solchen Verbindung steht מילות־ beziehungsweise unpunktiert מילות, etwa מילות השיר „die Wörter des Liedes/der Liedtext“. Deshalb ist מילות nicht generell falsch; falsch wäre nur, diese gebundene Form überall anstelle von מילים zu verwenden.

Feminine Plurale auf ־ות sehen in der unpunktierten Schrift oft unverändert aus, zum Beispiel ילדות in ילדות הכיתה „die Mädchen der Klasse“. Aussprache, Bedeutung und Artikelsetzung gehören jedoch zum gesamten Ausdruck.

Stammänderungen und wirklich unregelmäßige Formen

Manche Plurale verändern mehr als nur die Endung: עיר → ערים „Stadt → Städte“, בית → בתים „Haus → Häuser“. Andere verwenden einen deutlich anderen Stamm, etwa איש → אנשים „Mann/Mensch → Männer/Menschen“. Solche Formen lassen sich für Lernende nicht zuverlässig aus der Singularform ableiten.

Auch bei Lehnwörtern und neueren Begriffen werden die hebräischen Endungen verwendet, aber nicht immer gleich vorhersehbar. Wörterbücher geben deshalb häufig Genus und Plural an. Je weiter dein Wortschatz wächst, desto wichtiger wird diese Angabe: Der Plural ist ein Bestandteil des Wortes und nicht bloß eine nachträglich angehängte Regel.

Übungstipps

  1. Lerne in Dreiergruppen. Notiere nicht nur שולחן – שולחנות, sondern שולחן – שולחנות – שולחנות גדולים. Bei femininen Ausnahmen funktioniert dasselbe mit מילה – מילים – מילים חדשות. So trainierst du Plural und Geschlecht gemeinsam.
  2. Sortiere, bevor du bildest. Lege vier kleine Listen an: maskulin mit ־ים, feminin mit ־ות, maskulin mit ־ות, feminin mit ־ים. Ergänze täglich zwei häufige Nomen und sprich Singular und Plural laut.
  3. Suche Formen im Zusammenhang. Markiere in kurzen hebräischen Texten Pluralnomen und das zugehörige Adjektiv oder Verb. Frage dich jeweils: Welche Endung sehe ich, welches Geschlecht zeigt die Anpassung, und ist der Ausdruck bestimmt?

Verwandte Konzepte

  • Voraussetzung: Genus der Nomen – erklärt, warum jedes Nomen als maskulin oder feminin gelernt werden sollte.
  • Als Nächstes: Unregelmäßige Pluralformen – vertieft unerwartete Endungen, Stammwechsel und besonders häufige Ausnahmen.

Voraussetzung

Das Geschlecht von Substantiven im HebräischenA1

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