A1

Pluralbildung im Griechischen

Πληθυντικός Αριθμός

Dieser Artikel ist Teil des Griechisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Griechischen hängt der Plural eines Nomens (eines Wortes für eine Person, ein Tier, einen Gegenstand oder einen Begriff) von seinem Geschlecht und seiner Endung ab. Besonders häufig sind -ος → -οι, -ης/-ας → -ες, -α/-η → -ες, -ο → -α, -ι → -ια und -μα → -ματα. Der bestimmte Artikel lautet im Nominativ Plural οι bei männlichen und weiblichen Nomen, aber τα bei sächlichen Nomen.

Überblick

Der Plural, auf Griechisch πληθυντικός αριθμός, bezeichnet mehr als eine Person oder Sache. Anders als im Deutschen gibt es nicht eine einzige Pluralendung. Das ist deutschen Lernenden zwar grundsätzlich vertraut — auch Tag → Tage, Frau → Frauen und Kind → Kinder folgen verschiedenen Mustern —, doch im Griechischen sind die Muster eng mit dem grammatischen Geschlecht und der Singularendung verbunden.

Dieses Thema gehört zu den Grundlagen auf A1. Wer das Geschlecht eines neuen Nomens zusammen mit dem Artikel lernt, kann meist auch das passende Pluralmuster erkennen. Deshalb sollte ein Wort nicht nur als φίλος gespeichert werden, sondern als Paar: ο φίλος – οι φίλοι („der Freund – die Freunde“).

Zunächst geht es um den Nominativ (die Form für das Satzglied, das etwas tut oder beschrieben wird): Οι φίλοι έρχονται bedeutet „Die Freunde kommen“. Später braucht man auch andere Fälle, insbesondere den Akkusativ (die Form für das direkte Ziel einer Handlung): Βλέπω τους φίλους bedeutet „Ich sehe die Freunde“.

So funktioniert die Pluralbildung

Die bestimmten Artikel im Plural

Im Singular zeigen ο, η und το drei Geschlechter. Im Nominativ Plural werden daraus nur zwei Formen:

Geschlecht Singular Plural Beispiel
männlich ο οι ο φίλος → οι φίλοι
weiblich η οι η μέρα → οι μέρες
sächlich το τα το βιβλίο → τα βιβλία

Das deutsche die steht im Nominativ bei allen Pluralformen. Im Griechischen muss dagegen zwischen οι und τα unterschieden werden. Wichtig ist auch die Aussprache: οι wird im heutigen Griechisch wie i gesprochen, nicht wie die Buchstabenfolge im Deutschen.

Wie im Deutschen gibt es im Plural keinen unbestimmten Artikel: ένας φίλος heißt „ein Freund“, aber φίλοι einfach „Freunde“. Ein Zahlwort kann davorstehen: δύο φίλοι („zwei Freunde“).

Männliche Nomen

Bei vielen männlichen Nomen gibt die Singularendung ein verlässliches Grundmuster vor.

Häufiger Typ Singular Plural Bedeutung
-ος → -οι ο φίλος οι φίλοι der Freund – die Freunde
-ης → -ες ο μαθητής οι μαθητές der Schüler – die Schüler
-ας → -ες ο άντρας οι άντρες der Mann – die Männer
-ας → -ες ο πατέρας οι πατέρες der Vater – die Väter

Für den Einstieg kann man sich merken: Männliche Wörter auf -ος bilden oft den Plural auf -οι, während Wörter auf -ης oder -ας häufig -ες erhalten. Bei manchen Wörtern verändert sich nicht nur die Endung, sondern auch der Wortstamm oder die Betonung, etwa πατέρας → πατέρες. Solche Formen lernt man am besten als vollständiges Paar.

Nicht jedes männliche Nomen passt ohne Weiteres in diese Gruppen. Beispielsweise hat ο καφές den Plural οι καφέδες („der Kaffee – die Kaffees/Kaffeearten“). Die Endung allein liefert also eine starke Orientierung, aber keine ausnahmslose Rechenregel.

Weibliche Nomen

Viele weibliche Nomen enden im Singular auf -α oder -η und im Plural auf -ες.

Häufiger Typ Singular Plural Bedeutung
-α → -ες η μέρα οι μέρες der Tag – die Tage
-α → -ες η γυναίκα οι γυναίκες die Frau – die Frauen
-η → -ες η γιορτή οι γιορτές das Fest – die Feste
-η → -ες η ζώνη οι ζώνες der Gürtel – die Gürtel

Auch hier kann die Betonung ihre Stelle verändern: γιορτή → γιορτές. Man sollte den Akzent nicht als bloße Schreibdekoration behandeln; er zeigt, welche Silbe betont wird.

Ein wichtiges späteres Muster bilden viele weibliche Wörter auf -ση, -ξη und -ψη. Ihr Plural lautet oft -σεις, -ξεις und -ψεις: η ερώτηση → οι ερωτήσεις („die Frage – die Fragen“), η λέξη → οι λέξεις („das Wort – die Wörter“). Ebenfalls häufig ist η πόλη → οι πόλεις („die Stadt – die Städte“). Diese Formen sollte man nicht gewaltsam unter die Anfängerregel -η → -ες einordnen, sondern als eigene Wortgruppen lernen.

Sächliche Nomen

Bei sächlichen Nomen sind drei Muster besonders ergiebig:

Häufiger Typ Singular Plural Bedeutung
-ο → -α το βιβλίο τα βιβλία das Buch – die Bücher
-ι → -ια το παιδί τα παιδιά das Kind – die Kinder
-μα → -ματα το μάθημα τα μαθήματα die Unterrichtsstunde – die Unterrichtsstunden

Bei βιβλίο → βιβλία und παιδί → παιδιά sieht man zugleich, dass der Akzent in der geschriebenen Pluralform anders stehen kann. Bei Wörtern auf -μα wird nicht einfach nur das letzte -α ersetzt: An den Stamm tritt -ματα, etwa όνομα → ονόματα („Name – Namen“) und πρόβλημα → προβλήματα („Problem – Probleme“).

Weitere sächliche Gruppen kommen später hinzu. Nomen auf -ος können beispielsweise den Plural -η haben: το λάθος → τα λάθη („der Fehler – die Fehler“) und το μέρος → τα μέρη („der Ort/Teil – die Orte/Teile“). Daneben gibt es Formen wie το φως → τα φώτα („das Licht – die Lichter“) und το κρέας → τα κρέατα („das Fleisch – Fleischsorten/Fleischstücke“).

Artikel und Nomen müssen zusammenpassen

Der Artikel ändert sich gemeinsam mit dem Nomen:

  • ο φίλος → οι φίλοι, nicht οι φίλος
  • η μέρα → οι μέρες, nicht η μέρες
  • το βιβλίο → τα βιβλία, nicht οι βιβλία

Im Satz richten sich außerdem Adjektive und Verben nach der Mehrzahl. Ein Adjektiv (ein Eigenschaftswort wie „gut“ oder „neu“) erhält eine passende Pluralform:

  • ο καλός φίλος → οι καλοί φίλοι – der gute Freund → die guten Freunde
  • η μεγάλη πόλη → οι μεγάλες πόλεις – die große Stadt → die großen Städte
  • το καινούριο βιβλίο → τα καινούρια βιβλία – das neue Buch → die neuen Bücher

Auch das Verb steht im Plural: Το παιδί παίζει („Das Kind spielt“) wird zu Τα παιδιά παίζουν („Die Kinder spielen“).

Nominativ und Akkusativ nicht vermischen

Die bisherigen Tabellen zeigen den Nominativ. Beim Akkusativ (der Form für das direkte Objekt, also oft die Person oder Sache, auf die sich die Handlung richtet) unterscheiden sich vor allem männliche Formen deutlich.

Geschlecht Nominativ Plural Akkusativ Plural Beispiel im Akkusativ
männlich οι φίλοι τους φίλους Βλέπω τους φίλους.
weiblich οι μέρες τις μέρες Θυμάμαι τις μέρες.
sächlich τα βιβλία τα βιβλία Αγοράζω τα βιβλία.

Οι φίλοι ist daher richtig als Subjekt in „Die Freunde kommen“, aber τους φίλους als Objekt in „Ich sehe die Freunde“. Bei weiblichen und sächlichen Nomen bleibt die Nomenform in diesen Beispielen gleich; der Artikel zeigt beim Weiblichen dennoch den Unterschied: οι → τις.

Beispiele im Zusammenhang

Griechisch Deutsch Hinweis
Οι φίλοι μένουν στην Αθήνα. Die Freunde wohnen in Athen. männlich: -ος → -οι
Οι μαθητές διαβάζουν τώρα. Die Schüler lernen jetzt. männlich: -ης → -ες
Οι άντρες πίνουν καφέ. Die Männer trinken Kaffee. männlich: -ας → -ες
Οι μέρες είναι ζεστές. Die Tage sind warm. weiblich: -α → -ες
Οι γυναίκες μιλούν ελληνικά. Die Frauen sprechen Griechisch. weiblich: -α → -ες
Οι γιορτές αρχίζουν αύριο. Die Feste beginnen morgen. weiblich: -η → -ες
Οι πόλεις είναι μεγάλες. Die Städte sind groß. besonderes weibliches Muster: -η → -εις
Τα βιβλία είναι στο τραπέζι. Die Bücher liegen auf dem Tisch. sächlich: -ο → -α
Τα παιδιά παίζουν στον κήπο. Die Kinder spielen im Garten. sächlich: -ι → -ια
Τα μαθήματα τελειώνουν στις δύο. Der Unterricht endet um zwei Uhr. sächlich: -μα → -ματα; im Deutschen oft Singular
Τα λάθη είναι μικρά. Die Fehler sind klein. sächlich: -ος → -η
Βλέπω τους φίλους μου κάθε Σάββατο. Ich sehe meine Freunde jeden Samstag. männlicher Akkusativ Plural
Αγοράζουμε δύο βιβλία. Wir kaufen zwei Bücher. nach einem Zahlwort ohne Artikel
Δεν έχω ερωτήσεις. Ich habe keine Fragen. weiblich: -ση → -σεις

Häufige Fehler

Nur das Nomen, aber nicht den Artikel ändern

  • Falsch: ο φίλοι
  • Richtig: οι φίλοι
  • Warum: Artikel und Nomen müssen beide im Plural stehen. Männliche und weibliche Nomen erhalten im Nominativ Plural οι.

Für alle Pluralformen οι verwenden

  • Falsch: οι βιβλία
  • Richtig: τα βιβλία
  • Warum: Sächliche Nomen haben im Nominativ und Akkusativ Plural den Artikel τα. Das deutsche die verleitet dazu, nur eine griechische Pluralform zu erwarten.

Die Endung -μα wie ein gewöhnliches -α behandeln

  • Falsch: τα μάθημες oder τα μάθημα
  • Richtig: τα μαθήματα
  • Warum: Sächliche Nomen auf -μα bilden den Plural typischerweise mit -ματα. Das Muster muss als Einheit gelernt werden.

Nominativ statt Akkusativ verwenden

  • Falsch: Βλέπω οι φίλοι.
  • Richtig: Βλέπω τους φίλους.
  • Warum: Die Freunde sind hier das direkte Objekt von „sehen“. Deshalb stehen Artikel und männliches Nomen im Akkusativ Plural.

Den Akzent unverändert abschreiben

  • Falsch: οι μαθητής oder οι γιορτής
  • Richtig: οι μαθητές, οι γιορτές
  • Warum: Mit der Endung kann sich auch die Betonung ändern. Der geschriebene Akzent gehört zur Form und muss mitgelernt werden.

Eine vertraute Regel auf jedes Wort übertragen

  • Falsch: οι πόλες, τα λάθοςα
  • Richtig: οι πόλεις, τα λάθη
  • Warum: Häufige Sondergruppen haben eigene Muster. Ein Wörterbuch oder ein gutes Lernkartenset sollte deshalb auch den Plural angeben.

Hinweise zum Gebrauch

Nicht jedes zählbare deutsche Wort wird in einem konkreten Satz auf dieselbe Weise im Plural verwendet. Τα μαθήματα τελειώνουν στις δύο enthält grammatisch den griechischen Plural μαθήματα, obwohl eine natürliche deutsche Übersetzung „Der Unterricht endet um zwei Uhr“ lauten kann. Umgekehrt hängt die Bedeutung mancher Plurale vom Zusammenhang ab: καφέδες kann mehrere Tassen Kaffee oder verschiedene Kaffees bezeichnen.

Nach Zahlen steht häufig kein bestimmter Artikel, wenn keine bereits bekannte Gruppe gemeint ist: τρεις φίλοι („drei Freunde“), τέσσερα βιβλία („vier Bücher“). Mit Artikel wird die Gruppe bestimmt: οι τρεις φίλοι („die drei Freunde“). Dabei passt auch das Zahlwort zum Geschlecht: τρεις bei männlichen und weiblichen, τρία bei sächlichen Nomen.

Im Alltag hört man manche Endungen wegen des Sprechtempos weniger deutlich. Der Artikel bleibt deshalb ein besonders hilfreiches Signal. Beim Zuhören lohnt es sich, auf die ganze Wortgruppe zu achten: nicht nur auf παιδιά, sondern auf τα παιδιά.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte müssen auf A1 noch nicht aktiv beherrscht werden. Sie erklären aber Formen, die in Texten und Gesprächen früh auftauchen können.

Der Genitiv Plural

Der Genitiv (eine Form, die häufig Zugehörigkeit oder eine „von“-Beziehung ausdrückt) hat den bestimmten Artikel των für alle drei Geschlechter. Die Nomenendung und oft auch die Betonung ändern sich:

  • οι φίλοι → των φίλων – die Freunde → der Freunde/von den Freunden
  • οι γυναίκες → των γυναικών – die Frauen → der Frauen/von den Frauen
  • τα βιβλία → των βιβλίων – die Bücher → der Bücher/von den Büchern

Die Bildung ist weniger einheitlich als beim Nominativ. Deshalb ist es sinnvoll, den Genitiv erst in einer eigenen Lerneinheit systematisch zu behandeln.

Weniger regelmäßige und gelehrte Wortgruppen

Einige sehr häufige Formen sind historisch bedingt oder gehören zu besonderen Deklinationsklassen (Gruppen von Nomen mit denselben Fallendungen). Dazu zählen το γεγονός → τα γεγονότα („das Ereignis – die Ereignisse“), το καθεστώς → τα καθεστώτα („das Regime – die Regime“) und η οδός → οι οδοί („die Straße – die Straßen“). Solche Formen begegnen einem eher in Nachrichten, Verwaltungssprache oder formelleren Texten.

Bei Fremdwörtern kann die Form unverändert bleiben, besonders wenn das Wort nicht vollständig in das griechische Formensystem eingegliedert ist. Andere Lehnwörter erhalten dagegen ganz normale griechische Endungen. Sicherer als eine spontane Vermutung ist daher immer die Wörterbuchform mit Artikel und Plural.

Bedeutung und Gebrauch können den Plural begrenzen

Stoffbezeichnungen und abstrakte Nomen stehen oft im Singular, können aber einen Plural erhalten, wenn Sorten, einzelne Portionen oder verschiedene Ausprägungen gemeint sind. So kann οι καφέδες bestellte Kaffees und τα κρασιά verschiedene Weine oder Weinsorten bezeichnen. Das entspricht teilweise dem Deutschen, aber nicht immer Wort für Wort.

Übungstipps

  1. Immer drei Teile notieren: Lerne jedes neue Nomen mit Singularartikel und Nominativ Plural, zum Beispiel το παιδί – τα παιδιά. Markiere den Akzent in beiden Formen bewusst.
  2. Nach Mustern sortieren: Lege kleine Gruppen an, etwa -ος → -οι, -α → -ες und -μα → -ματα. Ergänze pro Gruppe fünf häufige Wörter und sprich Singular und Plural laut aus.
  3. Kurze Satzpaare bilden: Verwandle täglich einige Sätze vom Singular in den Plural: Το βιβλίο είναι καινούριο → Τα βιβλία είναι καινούρια. Prüfe dabei Artikel, Nomen, Adjektiv und Verb — nicht nur die Endung des Nomens.

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