A2

Die Pluralbildung im Finnischen

Monikko

Dieser Artikel ist Teil des Finnisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Nominativ (der Grundform eines Nomens) endet der finnische Plural meist auf -t: talo „Haus“ → talot „Häuser“. In den meisten anderen Fällen steht vor der Kasusendung ein Pluralzeichen mit -i-, das durch Lautveränderungen auch als -j- oder in veränderter Form erscheinen kann: taloissa „in den Häusern“, taloja „Häuser“ im Partitiv.

Überblick

Finnisch drückt nicht nur die Mehrzahl, sondern zugleich auch den Kasus am Wort aus. Ein Kasus ist eine Wortform, die etwa zeigt, ob etwas sich in, aus, auf oder zu einem Ort bewegt. Wo das Deutsche häufig Artikel und Präpositionen verwendet – „in den Häusern“ –, bündelt das Finnische diese Informationen in einem Wort: taloissa.

Auf A2-Niveau sind zunächst drei Dinge wichtig: Der Nominativ Plural erhält gewöhnlich -t, Adjektive stehen ebenfalls im Plural, und die anderen Kasus verwenden einen Pluralstamm mit i. Besonders häufig ist außerdem der Partitiv Plural, etwa in Ostan omenoita „Ich kaufe Äpfel“. Seine genaue Form hängt stärker vom Worttyp ab als der einfache Nominativ Plural.

Für deutschsprachige Lernende ist vor allem ungewohnt, dass die Mehrzahl nicht immer nur eine gleichbleibende Endung bekommt. Der Wortstamm kann sich verändern, und nach einer Zahl ab zwei steht sogar meist kein Plural, sondern der Partitiv Singular: kolme autoa „drei Autos“. Deshalb lohnt es sich, neue Substantive (Nomen, also Wörter für Menschen, Dinge oder Begriffe) gleich mit einigen wichtigen Formen zu lernen.

So funktioniert die Pluralbildung

1. Die einfache Anfängerregel: Nominativ Plural auf -t

Wenn ein Substantiv als Subjekt oder als bloße Bezeichnung im Plural steht, hängt man in der Regel -t an den passenden Stamm:

Singular Plural Deutsch
talo talot Haus – Häuser
auto autot Auto – Autos
kirja kirjat Buch – Bücher
tyttö tytöt Mädchen – Mädchen
nainen naiset Frau – Frauen

Bei vielen Wörtern bleibt der Stamm gut erkennbar. Andere Wörter zeigen einen Stammwechsel, den man auch aus den Singularformen kennt. So wird nainen im Plural zu naiset, nicht zu nainent.

Auch die Stufenwechsel genannte Konsonantenveränderung kann sichtbar werden. Vereinfacht gesagt wechseln dabei unter bestimmten Endungen starke und schwache Konsonantenstufen:

Singular Nominativ Plural Veränderung
kauppa kaupat ppp
katu kadut td
matto matot ttt

Man muss diese Wechsel nicht alle auf einmal beherrschen. Wichtig ist zunächst: -t ist zwar die Pluralendung, sie wird aber nicht immer unverändert an die Wörterbuchform gesetzt.

2. Adjektive stimmen mit dem Substantiv überein

Ein Adjektiv (ein Eigenschaftswort wie „groß“ oder „neu“) erhält im Finnischen dieselbe Zahl und denselben Kasus wie das zugehörige Substantiv. Im Nominativ Plural stehen daher beide Wörter auf -t:

  • iso autoisot autot „großes Auto“ → „große Autos“
  • uusi kirjauudet kirjat „neues Buch“ → „neue Bücher“
  • pieni talopienet talot „kleines Haus“ → „kleine Häuser“

Anders als im Deutschen gibt es dabei keinen Artikel wie „die“, der allein schon die Mehrzahl anzeigt. Die Endungen an Adjektiv und Substantiv tragen die grammatische Information.

3. In anderen Kasus: der Pluralstamm mit -i-

Außerhalb des Nominativs wird die Mehrzahl meist durch i im Stamm angezeigt. Danach folgt die eigentliche Kasusendung. Beim regelmäßigen Beispiel talo ist der Aufbau besonders deutlich:

Bedeutung Singular Plural Aufbau des Plurals
im Haus / in den Häusern talossa taloissa talo-i-ssa
aus dem Haus / aus den Häusern talosta taloista talo-i-sta
am Haus / an den Häusern talolla taloilla talo-i-lla
vom Haus / von den Häusern talolta taloilta talo-i-lta
zum Haus / zu den Häusern talolle taloille talo-i-lle
als Haus / als Häuser talona taloina talo-i-na

Das i kann den vorhergehenden Vokal verändern oder verdrängen. Deshalb lässt sich die Form nicht immer durch bloßes Einschieben eines i bilden:

Grundform Pluralform Beispielbedeutung
tyttö tytöissä in den Mädchen / unter den Mädchen
koulu kouluissa in den Schulen
maa maissa in den Ländern
lapsi lapsilla bei den Kindern / die Kinder haben
huone huoneissa in den Zimmern

Die Kasusendung richtet sich weiterhin nach der Vokalharmonie: Hinter a, o, u stehen meist Formen wie -ssa, -sta, hinter ä, ö, y entsprechende Formen wie -ssä, -stä. Das Pluralzeichen ändert diese Regel nicht: taloissa, aber kylissä „in den Dörfern“.

4. Der Partitiv Plural

Der Partitiv ist ein Kasus, der unter anderem eine offene oder nicht vollständig abgegrenzte Menge ausdrückt. Sein Plural kommt häufig vor, wenn von mehreren Dingen die Rede ist, ohne sie als vollständige, bestimmte Gesamtheit darzustellen:

  • Ostan omenoita. „Ich kaufe Äpfel.“
  • Pöydällä on kirjoja. „Auf dem Tisch liegen Bücher.“
  • Näen ihmisiä. „Ich sehe Menschen.“

Die sichtbaren Endungen sind je nach Worttyp verschieden. Häufig begegnen -ja/-jä, -ia/-iä und -ita/-itä:

Singular Partitiv Plural Deutsch
talo taloja Häuser
kirja kirjoja Bücher
kissa kissoja Katzen
lapsi lapsia Kinder
tyttö tyttöjä Mädchen
maa maita Länder
huone huoneita Zimmer
omena omenoita Äpfel

In taloja steht zwischen zwei Vokalen ein j; historisch und grammatisch gehört es zum Pluralaufbau mit i. Für die Praxis ist es am sinnvollsten, die Partitiv-Pluralform zunächst als Ganzes zu lernen. Die Wahl zwischen -ja, -ia und -ita folgt Worttypen und Lautregeln, nicht der Bedeutung.

5. Bestimmte Gesamtheit oder offene Menge?

Der Nominativ Plural und der Partitiv Plural können einen wichtigen Bedeutungsunterschied ausdrücken:

Finnisch Deutsch Blick auf die Menge
Kirjat ovat pöydällä. Die Bücher liegen auf dem Tisch. bestimmte Bücher als Gesamtheit
Pöydällä on kirjoja. Auf dem Tisch liegen Bücher. einige, nicht näher abgegrenzte Bücher
Lapset leikkivät ulkona. Die Kinder spielen draußen. bestimmte Kinder
Ulkona leikkii lapsia. Draußen spielen Kinder. unbestimmte Anzahl von Kindern

Das Deutsche kann den Unterschied oft mit Artikelwahl oder Wortstellung zeigen: „die Bücher“ gegenüber „Bücher“. Im Finnischen übernimmt die Kasusform einen großen Teil dieser Aufgabe.

6. Nach Zahlen: überraschend oft Singular

Nach den Grundzahlen ab zwei steht ein zählbares Substantiv normalerweise im Partitiv Singular, sofern die ganze Zahlengruppe in einer Grundform verwendet wird:

  • yksi talo „ein Haus“
  • kaksi taloa „zwei Häuser“
  • kolme kirjaa „drei Bücher“
  • viisi isoa autoa „fünf große Autos“

Auch das Adjektiv steht dann im Partitiv Singular: kolme uutta kirjaa „drei neue Bücher“. Das ist keine Ausnahme bei der Mehrzahlbildung, sondern eine finnische Regel für Zahlenausdrücke. Deutschsprachige Lernende setzen hier leicht fälschlich eine Pluralform, weil „drei Bücher“ im Deutschen eindeutig Plural ist.

Wird die gesamte Zahlengruppe in einen anderen Kasus gesetzt, werden komplexere Pluralformen möglich, etwa kolmessa talossa „in drei Häusern“. Diese Konstruktionen kann man später gezielt lernen.

Beispiele im Zusammenhang

Finnisch Deutsch Hinweis
Talot ovat vanhoja. Die Häuser sind alt. talot steht im Nominativ Plural; das prädikative Adjektiv steht hier im Partitiv Plural.
Isot autot ovat pihalla. Die großen Autos stehen im Hof. Adjektiv und Substantiv tragen im Nominativ Plural -t.
Kirjat ovat laukussa. Die Bücher sind in der Tasche. Eine bestimmte Gesamtheit: Nominativ Plural.
Laukussa on kirjoja. In der Tasche sind Bücher. Offene, unbestimmte Menge: Partitiv Plural.
Asumme uusissa taloissa. Wir wohnen in neuen Häusern. Adjektiv und Substantiv stehen im Inessiv Plural.
Lapset tulevat kouluista. Die Kinder kommen aus den Schulen. kouluista enthält Pluralzeichen und Elativendung.
Annoin ruokaa kissoille. Ich gab den Katzen Futter. kissoille bedeutet „zu/für die Katzen“.
Pihalla on pieniä koiria. Im Hof sind kleine Hunde. Adjektiv und Substantiv stehen im Partitiv Plural.
Ostan torilta omenoita. Ich kaufe auf dem Markt Äpfel. omenoita bezeichnet eine nicht abgegrenzte Menge.
Näen kolme punaista autoa. Ich sehe drei rote Autos. Nach kolme stehen Adjektiv und Substantiv im Partitiv Singular.
Nämä kirjat ovat kiinnostavia. Diese Bücher sind interessant. nämä und kirjat sind pluralisch; das prädikative Adjektiv ist Partitiv Plural.
Matkustamme eri maissa. Wir reisen in verschiedenen Ländern. maa bildet den Inessiv Plural maissa.
Puhun ystävieni kanssa. Ich spreche mit meinen Freunden. ystävieni ist ein Genitiv Plural mit Possessivsuffix; eine fortgeschrittene Form.

Häufige Fehler

Das -t auch vor eine Kasusendung setzen

  • Falsch: talotssa
  • Richtig: taloissa „in den Häusern“
  • Warum: -t kennzeichnet den Nominativ Plural. In den meisten anderen Kasus verwendet man den Pluralstamm mit -i- und hängt daran die Kasusendung.

Nach einer Zahl den deutschen Plural nachahmen

  • Falsch: kolme kirjat
  • Richtig: kolme kirjaa „drei Bücher“
  • Warum: Nach Zahlen ab zwei steht das gezählte Wort in dieser Grundkonstruktion im Partitiv Singular. Ein Adjektiv folgt derselben Regel: kolme uutta kirjaa.

Nur das Substantiv in den Plural setzen

  • Falsch: iso autot
  • Richtig: isot autot „große Autos“
  • Warum: Das Adjektiv stimmt mit seinem Substantiv in Zahl und Kasus überein. Das gilt auch außerhalb des Nominativs: isoissa autoissa „in großen Autos“.

Jede Partitiv-Pluralform mit -ja bilden

  • Falsch: lapsija, maaja
  • Richtig: lapsia, maita
  • Warum: Die konkrete Endung hängt vom Worttyp ab. Nicht alle Substantive folgen dem gut sichtbaren Muster talo → taloja.

Stammveränderungen übersehen

  • Falsch: kauppat, kirjaja
  • Richtig: kaupat, kirjoja
  • Warum: Endungen können Stufenwechsel und Vokalveränderungen auslösen. Lerne daher neben der Grundform möglichst auch Nominativ und Partitiv Plural.

Nominativ und Partitiv als austauschbar behandeln

  • Unpassend bei bestimmter Gesamtheit: Kirjoja ovat pöydällä.
  • Richtig: Kirjat ovat pöydällä. „Die Bücher liegen auf dem Tisch.“
  • Ebenfalls richtig mit anderer Aussage: Pöydällä on kirjoja. „Auf dem Tisch liegen Bücher.“
  • Warum: Der Nominativ stellt bestimmte Bücher als Gesamtheit dar; der Partitiv führt eine offene Menge ein und geht häufig mit einer Existenzkonstruktion einher.

Hinweise zum Gebrauch

Finnisch besitzt keinen bestimmten oder unbestimmten Artikel, also keine direkten Entsprechungen zu „der/die/das“ und „ein/eine“. Ob kirjat eher „die Bücher“ und kirjoja eher „Bücher/einige Bücher“ entspricht, ergibt sich aus Kasus, Satzbau und Zusammenhang. Diese Zuordnung ist hilfreich, aber keine starre Eins-zu-eins-Übersetzung.

In der gesprochenen Sprache bleiben die grundlegenden Gegensätze erhalten. Einzelne Endungen oder Laute können umgangssprachlich verkürzt werden, doch für Lernende ist die Standardsprache zunächst die sicherste Grundlage. Besonders nützlich sind häufige vollständige Wortgruppen wie uusissa taloissa oder pieniä lapsia, weil sie zugleich die Übereinstimmung von Adjektiv und Substantiv festigen.

Bei Stoffwörtern und abstrakten Begriffen ist „Singular oder Plural?“ nicht immer genauso verteilt wie im Deutschen. Man sollte deshalb nicht automatisch die deutsche Zahl übertragen, sondern auf den finnischen Ausdruck achten. Für den A2-Alltag reichen jedoch die klar zählbaren Beispiele wie Häuser, Bücher, Autos und Menschen als Ausgangspunkt aus.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten muss man auf A2 noch nicht vollständig bilden können. Beim Lesen tauchen sie aber früh auf und erklären, warum ein einziges Pluralschema nicht genügt.

Der Genitiv Plural hat mehrere Muster

Der Genitiv (die Form für Zugehörigkeit oder Besitz) kann im Plural verschiedene Endungen und Stämme zeigen:

  • talojen ovet „die Türen der Häuser“
  • katujen nimet „die Namen der Straßen“
  • maiden rajat „die Grenzen der Länder“
  • lasten lelut „die Spielsachen der Kinder“

Formen wie talojen, maiden und lasten sollte man zunächst als häufige Muster erkennen. Sie lassen sich nicht zuverlässig allein aus der Anfängerregel „Plural = -t“ ableiten.

Der Pluralstamm verbindet sich mit fast allen Kasus

Auch seltener gebrauchte Kasus können einen Pluralstamm enthalten, zum Beispiel taloiksi „zu Häusern/als Häuser“ oder taloineen „mitsamt seinen/ihren Häusern“. Solche Formen zeigen, wie systematisch Finnisch Zahl und Kasus kombiniert. Im aktiven Grundwortschatz sind die Ortskasus wie -issa, -ista, -illa und -ille allerdings wesentlich dringender.

Subjekt und Prädikativ folgen eigenen Kongruenzregeln

In Isot autot ovat uusia „Die großen Autos sind neu“ steht uusia im Partitiv Plural, obwohl das Subjekt isot autot im Nominativ Plural steht. Ein prädikatives Adjektiv – ein Adjektiv nach „sein“, das eine Eigenschaft zuschreibt – übernimmt also nicht immer einfach dieselbe Endung wie das Subjekt. Bei teilbaren oder abstrakten Subjekten und in verschiedenen Satzmustern wird die Wahl noch feiner. Für den Einstieg genügt es, häufige Sätze als Muster zu lernen und diese Frage von der einfachen Adjektivgruppe isot autot zu trennen.

Bedeutung entscheidet mit

Der Gegensatz zwischen Gesamtmenge und offener Menge gehört zum größeren finnischen System von Nominativ, Akkusativ und Partitiv. Er betrifft nicht nur Subjekte, sondern auch Objekte. So kann die Wahl der Form anzeigen, ob eine Handlung auf ein vollständiges Ergebnis zielt oder nur einen Teil beziehungsweise einen laufenden Vorgang betrifft. Das ist ein späteres Thema; die Pluralformen liefern dafür bereits das nötige Baumaterial.

Übungstipps

  1. Lerne drei Formen pro Substantiv. Notiere etwa talo – talot – taloja und lapsi – lapset – lapsia. So werden Stammwechsel und Partitivmuster früh sichtbar.
  2. Baue kleine Kasusreihen. Sprich talossa – taloissa, talosta – taloista, talolla – taloilla. Der direkte Vergleich macht das Pluralzeichen i hör- und sichtbar.
  3. Übe Adjektiv und Nomen als Einheit. Verwende Kartenpaare wie uusi kirja – uudet kirjat – uusia kirjoja. Ergänze anschließend Zahlen: kolme uutta kirjaa.

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