A1

Personalpronomen im Nominativ im Deutschen

Personalpronomen im Nominativ

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Die Personalpronomen ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie und Sie können im Deutschen als Subjekt stehen: Sie zeigen, wer etwas tut oder in welchem Zustand jemand oder etwas ist. Das Verb richtet sich nach Person und Zahl des Subjekts: ich bin, du bist, wir sind. Anders als in manchen Sprachen lässt man das Subjekt im Deutschen normalerweise nicht weg.

Überblick

Ein Personalpronomen ist ein kurzes Wort, das für eine Person, eine Gruppe oder eine bereits bekannte Sache steht. Statt immer wieder Marta, mein Bruder oder das Handy zu sagen, kann man sie, er oder es verwenden. Das Subjekt ist dabei der Satzteil, über den etwas ausgesagt wird oder der die Handlung ausführt: Wir lernen. Er wartet. Es funktioniert.

Der Nominativ ist der Fall für das Subjekt – vereinfacht gesagt die Form, nach der man mit wer? oder was? fragt. In Ich bin müde lautet die Frage: Wer ist müde?ich. In Er kommt aus Berlin fragt man: Wer kommt aus Berlin?er. Diese Grundformen begegnen dir schon auf Niveau A1, weil du sie für fast jeden einfachen Satz und für die Verbformen brauchst.

Besonders wichtig sind drei Unterscheidungen: du und ihr sind vertraute Anreden, Sie ist die höfliche Anrede; sie kann eine einzelne weibliche Person oder mehrere Personen und Dinge bezeichnen; und es steht nicht nur für sächliche Wörter, sondern auch in unpersönlichen Sätzen wie Es regnet.

So funktioniert es

Die Formen auf einen Blick

Person Singular: eine Person oder Sache Plural: mehrere Personen oder Sachen
1. Person: sprechende Person eingeschlossen ich wir
2. Person: angesprochene Person eingeschlossen du ihr
3. Person: andere Person oder Sache er, sie, es sie
höfliche Anrede Sie Sie

Die grammatische Person zeigt, welche Rolle jemand im Gespräch hat:

  • ich bezeichnet die Person, die gerade spricht.
  • wir schließt die sprechende Person und mindestens eine weitere Person ein.
  • du bezeichnet eine vertraut angesprochene Person.
  • ihr bezeichnet mehrere vertraut angesprochene Personen.
  • er, sie, es bezeichnen Personen oder Sachen, über die gesprochen wird.
  • sie bezeichnet mehrere Personen oder Sachen, über die gesprochen wird.
  • Sie bezeichnet eine oder mehrere Personen, die höflich angesprochen werden.

Pronomen und Verb gehören zusammen

Das Verb wird konjugiert, das heißt: Seine Form verändert sich passend zum Subjekt. Bei einem regelmäßigen Verb wie lernen sieht das so aus:

Pronomen Form von lernen Beispiel
ich lerne Ich lerne Deutsch.
du lernst Du lernst schnell.
er / sie / es lernt Sie lernt heute.
wir lernen Wir lernen zusammen.
ihr lernt Ihr lernt viel.
sie / Sie lernen Sie lernen online.

Die Endung hilft beim Verstehen, aber das Subjekt bleibt im normalen deutschen Aussagesatz erhalten. Man sagt also Ich lerne Deutsch, nicht nur Lerne Deutsch, wenn eine Aussage gemeint ist. Lerne Deutsch! wäre vielmehr eine Aufforderung an eine Person.

Bei unregelmäßigen Verben ändern sich die Formen stärker. Die Verbindung zur Person bleibt trotzdem bestehen: ich bin – du bist – er ist – wir sind – ihr seid – sie/Sie sind. Deshalb lohnt es sich, neue Verben immer zusammen mit den Pronomen zu lernen.

Er, sie und es: Bezug auf ein Nomen

Ein Nomen ist ein Wort für eine Person, ein Lebewesen, einen Gegenstand oder einen Begriff, zum Beispiel Mann, Katze, Buch oder Idee. Wenn ein Pronomen ein Nomen ersetzt, richtet es sich gewöhnlich nach dessen grammatischem Geschlecht:

Nomen Pronomen Beispiel
der Tisch er Der Tisch ist neu. Er ist aus Holz.
die Lampe sie Die Lampe ist alt. Sie funktioniert noch.
das Fenster es Das Fenster ist offen. Es ist sehr groß.
die Bücher sie Die Bücher sind hier. Sie gehören Lea.

Das grammatische Geschlecht ist nicht dasselbe wie das natürliche Geschlecht. Eine Lampe ist keine weibliche Person, aber das Wort Lampe ist feminin und wird deshalb durch sie ersetzt. Bei Personen verwendet man meist das Pronomen, das zur bezeichneten Person passt: Das ist Frau Roth. Sie arbeitet hier.

Das dreifache sie und die höfliche Form Sie

Die Form sie hat mehrere Funktionen. Der Zusammenhang, das Verb und die Großschreibung helfen bei der Unterscheidung:

Form Bedeutung Verbform Beispiel
sie eine weibliche Person oder ein feminines Nomen 3. Person Singular Sie kommt später.
sie mehrere Personen oder Sachen 3. Person Plural Sie kommen später.
Sie höfliche Anrede, Singular oder Plural Form der 3. Person Plural Kommen Sie später?

Am Satzanfang wird jedes sie großgeschrieben. Dann zeigt vor allem die Verbform, ob Singular oder Plural gemeint ist: Sie arbeitet bedeutet eine weibliche Person; Sie arbeiten kann mehrere Dritte oder eine höflich angesprochene Person meinen. Oft klärt die Situation die Bedeutung.

Die Höflichkeitsform Sie schreibt man auch mitten im Satz groß: Kann ich Ihnen helfen, oder möchten Sie noch warten? Für den Anfang genügt die Grundregel: Sie bekommt dieselbe Verbform wie sie im Plural.

Stellung des Subjekts im Satz

Das Subjekt steht nicht immer an erster Stelle. In einem einfachen Aussagesatz steht das konjugierte Verb meist an zweiter Stelle. Wenn ein anderer Satzteil vorne steht, folgt das Subjekt häufig nach dem Verb:

  • Ich arbeite heute zu Hause.
  • Heute arbeite ich zu Hause.
  • Am Montag kommt er zurück.

Auch in Fragen kann das Pronomen hinter dem Verb stehen:

  • Kommst du morgen?
  • Wo wohnt sie?
  • Haben Sie einen Termin?

Das Pronomen bleibt trotzdem das Subjekt im Nominativ. Die Position im Satz bestimmt also nicht den Fall.

Ein Name oder Nomen kann das Pronomen ersetzen

Ein Satz braucht nicht gleichzeitig einen Namen und ein Personalpronomen als Subjekt:

  • Mila wohnt in Köln.
  • Sie wohnt in Köln.

Beide Varianten sind vollständig. Mila sie wohnt in Köln ist im neutralen Standarddeutsch keine normale Grundstruktur. Wenn Mila schon bekannt ist, verhindert sie eine unnötige Wiederholung: Mila kommt aus Bonn. Sie arbeitet aber in Köln.

Beispiele im Kontext

Deutscher Beispielsatz Bedeutung in anderen Worten Hinweis
Ich bin müde. Die sprechende Person ist müde. 1. Person Singular
Du hast heute frei. Eine vertraut angesprochene Person hat frei. vertraute Anrede, Singular
Er kommt aus Berlin. Ein Mann oder eine männlich bezeichnete Person kommt aus Berlin. 3. Person Singular
Das ist meine Schwester. Sie studiert Medizin. Die Schwester studiert Medizin. sie ersetzt eine weibliche Person
Wo ist das Ticket? Es liegt auf dem Tisch. Das Ticket liegt auf dem Tisch. es ersetzt das Ticket
Wir lernen Deutsch. Die sprechende Person lernt mit anderen Deutsch. 1. Person Plural
Kommt ihr heute Abend? Mehrere vertraute Personen werden angesprochen. vertraute Anrede, Plural
Tom und Ana sind schon da. Sie warten draußen. Tom und Ana warten draußen. 3. Person Plural
Frau Keller, haben Sie kurz Zeit? Frau Keller wird höflich angesprochen. Höflichkeitsform
Herr und Frau Özdemir, möchten Sie Kaffee? Zwei Personen werden höflich angesprochen. Sie gilt auch für mehrere Personen
Heute arbeite ich im Büro. Die sprechende Person arbeitet heute im Büro. Subjekt nach dem Verb
Wann fährst du nach Hause? Gefragt wird nach der Fahrt der angesprochenen Person. Frage mit Fragewort
Es regnet seit einer Stunde. Seit einer Stunde fällt Regen. unpersönliches es
Die Tür ist offen. Sie schließt nicht richtig. Die Tür lässt sich nicht richtig schließen. grammatisches Geschlecht: die Tür
Paul nimmt den Bus, aber ich gehe zu Fuß. Zwei Personen und ihre Entscheidungen werden gegenübergestellt. betonter Gegensatz

Häufige Fehler

1. Das Subjekt in einer Aussage weglassen

  • Falsch: Bin müde.
  • Richtig: Ich bin müde.
  • Warum? Ein vollständiger neutraler Aussagesatz braucht im Deutschen normalerweise ein ausgesprochenes Subjekt. Die Verbform allein ersetzt ich nicht. In privaten Nachrichten hört oder liest man zwar verkürzte Formen wie Bin gleich da; für die sichere Grundregel solltest du aber das Pronomen setzen.

2. Pronomen und Verbform nicht aneinander anpassen

  • Falsch: Du lernt Deutsch.
  • Richtig: Du lernst Deutsch.
  • Warum? du verlangt bei regelmäßigen Verben meist die Endung -st. Entsprechend heißt es ihr lernt, aber wir lernen und sie lernen.

3. Ihr für nur eine Person verwenden

  • Falsch: Lea, kommt ihr morgen?
  • Richtig: Lea, kommst du morgen?
  • Warum? du spricht eine vertraute Person an; ihr spricht mehrere vertraute Personen an. Zu einer Gruppe sagt man zum Beispiel: Lea und Ben, kommt ihr morgen?

4. Die höfliche Anrede kleinschreiben

  • Falsch: Herr Braun, arbeiten sie hier?
  • Richtig: Herr Braun, arbeiten Sie hier?
  • Warum? Die höfliche Anrede Sie wird immer großgeschrieben. Das kleine sie bezeichnet eine weibliche Person oder mehrere nicht direkt angesprochene Personen beziehungsweise Sachen.

5. Das natürliche Geschlecht auf Sachen übertragen

  • Falsch: Der Computer ist neu. Es ist sehr schnell.
  • Richtig: Der Computer ist neu. Er ist sehr schnell.
  • Warum? Bei Sachen richtet sich das Pronomen nach dem grammatischen Geschlecht des Nomens: der Computer → er, die Maschine → sie, das Gerät → es.

6. Das Subjekt immer an die erste Stelle setzen

  • Unnatürlich: Heute ich arbeite zu Hause.
  • Richtig: Heute arbeite ich zu Hause.
  • Warum? Im Aussagesatz steht das konjugierte Verb meist an zweiter Stelle. Steht heute vorne, folgt das Subjekt hier nach dem Verb. ich bleibt dennoch Nominativ und Subjekt.

Hinweise zum Gebrauch

Du, ihr oder Sie?

du und ihr gehören zur vertrauten Anrede. Sie sind üblich in Familien, unter Freunden, unter Kindern und Jugendlichen und in vielen Teams oder Freizeitgruppen. Sie schafft mehr höfliche Distanz und ist besonders bei unbekannten Erwachsenen, im Kontakt mit Kundschaft oder in formellen Situationen üblich. Welche Anrede passend ist, hängt auch von Branche, Region, Alter und Situation ab.

Der Wechsel zum du wird oft ausdrücklich vereinbart: Wir können uns gern duzen. Solange das nicht klar ist, ist Sie in einer formellen Situation meist die sichere Wahl. Eine Gruppe wird entweder mit ihr vertraut oder mit Sie höflich angesprochen.

Wiederholung oder Pronomen?

Pronomen machen einen Text flüssiger, können aber unklar werden. In Anna spricht mit Maria. Sie kommt später ist ohne weiteren Zusammenhang nicht eindeutig, ob Anna oder Maria später kommt. Wiederhole dann den Namen oder formuliere den Satz um: Maria kommt später. Klarheit ist wichtiger als das Vermeiden jeder Wiederholung.

Betonung und Gegensatz

Personalpronomen können betont werden, wenn Personen einander gegenübergestellt werden: Ich koche, und du deckst den Tisch. Auch eine Korrektur kann das Pronomen hervorheben: Nicht Paul hat angerufen – sie hat angerufen. Die Form ändert sich dadurch nicht; nur die Aussprache und der Informationsschwerpunkt ändern sich.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte musst du auf A1 noch nicht sicher anwenden. Du wirst ihnen aber später oft begegnen.

Es ohne konkretes Bezugswort

es kann ein echtes Bezugswort ersetzen: Das Handy ist leer. Es lädt gerade. Es kann aber auch ohne konkretes Nomen stehen. Bei Wetter und ähnlichen Erscheinungen füllt es die Subjektstelle: Es regnet. Es wird dunkel. Es ist kalt. Dieses es bezeichnet keinen bestimmten Gegenstand.

Außerdem kündigt es manchmal einen späteren Inhalt an: Es ist schön, dass du da bist. Der eigentliche Inhalt folgt im dass-Satz. Solche Konstruktionen werden später wichtig, doch für A1 reicht es, häufige Wendungen als Ganzes zu erkennen.

Der Nominativ ist nicht nur eine Frage der Wortstellung

In Den Film kenne ich steht ich weit hinten und ist trotzdem das Subjekt. Den Film ist das Akkusativobjekt, also die Person oder Sache, auf die sich die Handlung direkt richtet. Die Form des Pronomens zeigt den Fall: ich ist Nominativ, mich Akkusativ und mir Dativ. Vergleiche:

  • Ich sehe Anna. – ich ist das Subjekt.
  • Anna sieht mich. – mich ist nicht das Subjekt.
  • Anna hilft mir. – mir ist ebenfalls nicht das Subjekt.

Darum kann man die Formen ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie, Sie nicht überall einsetzen, wo eine Person erwähnt wird. Dieser Artikel behandelt nur ihre Verwendung im Nominativ.

Weglassen in besonderen Kontexten

In Aufforderungen steht das Subjektpronomen gewöhnlich nicht: Komm bitte herein! Das mitgedachte Subjekt ist du. Bei der höflichen Aufforderung bleibt Sie dagegen sichtbar: Kommen Sie bitte herein! Auch in lockeren Nachrichten und gesprochener Umgangssprache kann ein Pronomen am Satzanfang fehlen: Komme später oder Hab keine Zeit. Das ist eine kontextabhängige Verkürzung und nicht die neutrale A1-Regel.

Pronomen und Identität

Bei Personen sollte die gewählte Anrede beziehungsweise das verwendete Pronomen zur Person und zur jeweiligen Kommunikationssituation passen. Wenn unklar ist, wie jemand bezeichnet werden möchte, kann man den Namen wiederholen oder höflich nachfragen. Das grammatische System er/sie/es und der tatsächliche Sprachgebrauch bei Personen sind nicht in jeder Situation vollständig durch das Geschlecht eines Nomens erklärbar.

Übungstipps

  1. Lerne Pronomen und Verb gemeinsam. Sprich bei jedem neuen Verb eine kleine Reihe: ich lerne, du lernst, er lernt, wir lernen, ihr lernt, sie lernen. So verbindest du Person und Endung von Anfang an.
  2. Ersetze Nomen bewusst. Schreibe kurze Satzpaare: Der Bus kommt. Er ist voll.Die Bahn kommt. Sie ist pünktlich.Das Taxi kommt. Es wartet draußen. Achte dabei auf der → er, die → sie, das → es.
  3. Markiere Subjekte in echten Sätzen. Nimm einen kurzen Dialog und unterstreiche alle Subjekte. Prüfe besonders Fragen und Sätze, die mit heute, morgen oder in Berlin beginnen. Frage jeweils: Wer oder was tut etwas? Welche Verbform passt dazu?

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