A1

Das Verb „wissen“ im Präsens im Deutschen

Verb 'wissen' im Präsens

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Wissen gebraucht man vor allem für Informationen, Fakten und Antworten: Ich weiß es. Weißt du, wann der Zug kommt? Im Präsens heißen die Formen ich weiß, du weißt, er/sie/es weiß, wir wissen, ihr wisst, sie/Sie wissen. Für Personen und Orte nimmt man meistens kennen, für Fähigkeiten meistens können.

Überblick

Wissen gehört zu den wichtigsten unregelmäßigen Verben des Deutschen. Es sagt aus, dass jemand eine Information hat oder dass ihm ein Sachverhalt bekannt ist. Typische Gegenstände des Wissens sind eine Antwort, ein Name, eine Uhrzeit oder der Inhalt eines ganzen Satzes: Sie weiß die Antwort. Ich weiß, dass heute Montag ist.

Das Präsens (die Zeitform für Gegenwart und allgemeine Aussagen) von wissen wird schon auf Niveau A1 gelernt. Besonders wichtig sind die drei Singularformen mit weiß und weißt. Sie folgen nicht einfach dem regelmäßigen Muster von machen oder lernen. Die Pluralformen sehen dagegen fast wie die Grundform aus.

Im Alltag erscheint wissen sehr oft in Fragen und verneinten Sätzen: Weißt du das? – Nein, ich weiß es nicht. Ebenso häufig leitet es einen Nebensatz ein, also einen Satzteil, der von einem anderen Satz abhängt: Weißt du, wo Anna wohnt? Wer diese wenigen Muster sicher beherrscht, kann bereits viele natürliche Gespräche führen.

So funktioniert es

Die Formen im Präsens

Der Infinitiv (die Grundform des Verbs) lautet wissen. Bei der Konjugation (der Veränderung des Verbs nach der handelnden Person) entstehen folgende Formen:

Person Form Beispielsatz
ich weiß Ich weiß die Antwort.
du weißt Du weißt viel darüber.
er / sie / es weiß Sie weiß Bescheid.
wir wissen Wir wissen das schon.
ihr wisst Ihr wisst, was passiert ist.
sie / Sie wissen Sie wissen den Termin.

Das Subjekt (die Person oder Sache, über die etwas ausgesagt wird) bestimmt die Verbform. Die wichtigsten Besonderheiten sind:

  • ich und er/sie/es haben dieselbe Form: weiß;
  • bei du kommt ein -t hinzu: weißt;
  • bei ihr lautet die Form kurz wisst, nicht wißt oder wisstet;
  • wir, sie und das höfliche Sie haben die Form wissen.

Der Buchstabe ß gehört in Deutschland und Österreich zu weiß und weißt. In der Schweizer Standardschreibung wird kein ß verwendet; dort schreibt man weiss und weisst. Die Aussprache und die Grammatik bleiben gleich.

Aussage, Verneinung und Frage

Im normalen Aussagesatz steht das konjugierte Verb meist an zweiter Stelle:

  • Ich weiß die Adresse.
  • Heute weiß niemand die Antwort.
  • Das weiß ich nicht.

Zur Verneinung steht häufig nicht am Ende oder nahe beim verneinten Teil. Die feste, sehr gebräuchliche Antwort lautet Ich weiß es nicht. Das kleine Wort es steht hier für die Information, um die es geht.

In einer Ja-Nein-Frage steht das Verb am Anfang:

  • Weißt du das?
  • Wissen Sie, wann das Geschäft öffnet?

Bei einer Frage mit einem Fragewort steht dieses zuerst und das Verb danach:

  • Woher weißt du das?
  • Was wisst ihr über Berlin?

Was kann nach „wissen“ stehen?

Wissen verbindet sich mit verschiedenen Ergänzungen, also Satzteilen, die die Aussage vervollständigen.

1. Eine Sache oder Information

Ein Akkusativobjekt (die Sache, auf die sich das Verb direkt richtet) kann unmittelbar nach dem Verb stehen:

  • Ich weiß die Antwort.
  • Weißt du seinen Namen?
  • Niemand weiß den genauen Termin.

Sehr oft verwendet man stattdessen es, das, etwas, nichts, alles oder viel:

  • Sie weiß es.
  • Das weiß ich schon.
  • Wir wissen noch nichts.

2. Ein Nebensatz mit „dass“ oder „ob“

Ein dass-Satz nennt den bekannten Sachverhalt. Ein ob-Satz nennt eine offene Ja-Nein-Frage:

  • Ich weiß, dass Paul heute arbeitet.
  • Wir wissen nicht, ob der Bus noch fährt.

Im Nebensatz steht das konjugierte Verb am Ende: dass Paul heute arbeitet, ob der Bus noch fährt. Vor dem Nebensatz steht ein Komma.

3. Ein Nebensatz mit Fragewort

Nach wissen stehen sehr häufig indirekte Fragen. Das sind Fragen, die Teil eines größeren Satzes sind:

  • Weißt du, wo er ist?
  • Ich weiß nicht, wann sie kommt.
  • Wissen Sie, wie viel das kostet?
  • Niemand weiß, warum die Tür offen ist.

Auch hier steht das Verb des Nebensatzes am Ende. Deshalb heißt es wo er ist, nicht wo ist er.

4. „von“ und „über“

Von etwas wissen bedeutet, über eine Sache informiert zu sein oder von ihr gehört zu haben. Etwas über jemanden oder etwas wissen bezeichnet vorhandene Informationen:

  • Ich weiß nichts von diesem Plan.
  • Weißt du davon?
  • Was wissen wir über das Problem?

Nach von steht der Dativ (die Form, die hier von der Präposition verlangt wird): von dem Plan, meist zusammengezogen zu vom Plan.

„wissen“, „kennen“ oder „können“?

Diese drei Verben lassen sich nicht beliebig austauschen.

Gemeinte Aussage Passendes Verb Beispiel
eine Information oder einen Fakt haben wissen Ich weiß, wann der Film beginnt.
mit einer Person, einem Ort oder einer Sache vertraut sein kennen Ich kenne diese Stadt gut.
eine Fähigkeit besitzen können Ich kann schwimmen.
wissen, auf welche Weise etwas geht wissen, wie Ich weiß, wie man die Datei öffnet.

Bei einzelnen Nomen sind beide Verben möglich, aber die Perspektive kann sich ändern. Ich weiß seinen Namen bedeutet: Der Name ist mir als Information bekannt. Ich kenne seinen Namen ist ebenfalls möglich und betont, dass mir dieser Name vertraut oder bekannt ist. Bei Personen sagt man jedoch Ich kenne Maria, nicht Ich weiß Maria.

Beispiele im Zusammenhang

Beispiel Bedeutung in einfachem Deutsch Hinweis
Ich weiß es nicht. Ich habe diese Information nicht. Sehr häufige feste Antwort
Weißt du, wo er ist? Kennst du seinen Aufenthaltsort? Indirekte Frage mit Verb am Ende
Sie weiß alles. Ihr sind alle wichtigen Informationen bekannt. alles steht für viele Informationen
Wir wissen die Antwort noch nicht. Die Antwort ist uns im Moment unbekannt. noch nicht: vielleicht später
Weißt du, wann der nächste Zug fährt? Ist dir die Abfahrtszeit bekannt? Fragewortsatz mit wann
Ich weiß, dass Lea heute frei hat. Mir ist bekannt, dass Lea nicht arbeitet. dass nennt einen bekannten Fakt
Niemand weiß, ob das Café geöffnet ist. Es ist unklar, ob man ins Café gehen kann. ob für zwei Möglichkeiten: ja oder nein
Woher wissen Sie das? Aus welcher Quelle haben Sie diese Information? Höfliche Anrede mit Sie
Davon weiß ich nichts. Über diese Sache bin ich nicht informiert. davon ersetzt von dieser Sache
Ihr wisst doch, wie das geht. Die Vorgehensweise ist euch bekannt. doch erinnert an gemeinsames Wissen
Er weiß viel über deutsche Geschichte. Er hat viele Kenntnisse über dieses Thema. über nennt das Thema
Ich weiß ihren Namen, aber ich kenne sie nicht. Der Name ist mir bekannt; die Person ist mir nicht vertraut. Direkter Kontrast von wissen und kennen
Sie kann gut kochen und weiß, wie man Brot backt. Sie hat die Fähigkeit und kennt außerdem das Verfahren. Kontrast von können und wissen, wie
Das weiß doch jeder. Diese Information ist allgemein bekannt. Alltagssprachliche Verstärkung

Häufige Fehler

Regelmäßige Formen bilden

  • Falsch: Ich wisse die Antwort. Du wissst es auch.
  • Richtig: Ich weiß die Antwort. Du weißt es auch.
  • Warum: Im Singular verändert sich der Stamm. Die Formen müssen als weiß – weißt – weiß gelernt werden.

„wissen“ für eine Person verwenden

  • Falsch: Ich weiß den neuen Kollegen.
  • Richtig: Ich kenne den neuen Kollegen.
  • Warum: Bei Personen und bei persönlicher Vertrautheit steht kennen. Wissen bezieht sich auf Informationen oder Sachverhalte.

Eine Fähigkeit mit „wissen“ ausdrücken

  • Falsch: Sie weiß sehr gut schwimmen.
  • Richtig: Sie kann sehr gut schwimmen.
  • Warum: Für eine praktische Fähigkeit verwendet man können. Wenn die Art oder das Verfahren gemeint ist, passt wissen, wie: Sie weiß, wie man richtig trainiert.

Die Wortstellung der direkten Frage behalten

  • Falsch: Weißt du, wo ist der Schlüssel?
  • Richtig: Weißt du, wo der Schlüssel ist?
  • Warum: Wo ist der Schlüssel? ist eine direkte Frage. Nach wissen wird sie zum Nebensatz; deshalb steht ist am Ende.

„nicht“ an die falsche Stelle setzen

  • Falsch: Ich nicht weiß es.
  • Richtig: Ich weiß es nicht.
  • Warum: Im deutschen Hauptsatz steht das konjugierte Verb an zweiter Stelle. In dieser kurzen Standardantwort steht nicht am Ende.

„ihr wisst“ falsch schreiben

  • Falsch: Ihr wißt die Adresse. oder Ihr wisstet die Adresse.
  • Richtig: Ihr wisst die Adresse.
  • Warum: Nach der heute gültigen Rechtschreibung schreibt man wisst mit ss. Wisstet gehört nicht zum Präsens, sondern zum Präteritum.

Hinweise zum Gebrauch

Ich weiß nicht kann eine vollständige Antwort sein. Ich weiß es nicht klingt oft etwas vollständiger; beide Varianten sind normal. In spontanen Gesprächen hört man außerdem Weiß nicht ohne ich. Diese Verkürzung ist umgangssprachlich und eignet sich nicht für jede schriftliche Situation.

Mit doch kann man an vorausgesetztes oder gemeinsames Wissen erinnern: Du weißt doch, dass ich morgen arbeite. Je nach Tonfall klingt das freundlich erinnernd, ungeduldig oder vorwurfsvoll. Ja, ich weiß kann entsprechend neutral sein, aber bei starker Betonung auch „Du musst es mir nicht noch einmal sagen“ bedeuten.

Für höfliche Anrede gebraucht man Sie wissen und Wissen Sie …? Das Anredepronomen Sie wird großgeschrieben. Die gleich geschriebene Form sie wissen kann auch „mehrere Personen wissen“ bedeuten; der Zusammenhang und die Großschreibung zeigen den Unterschied.

Bescheid wissen ist eine sehr häufige feste Verbindung. Sie bedeutet „informiert sein“: Weißt du schon Bescheid? – Ja, Nora hat mir alles erklärt. Das Wort Bescheid wird großgeschrieben, weil es ein Nomen (ein Wort für eine Person, Sache oder Vorstellung) ist.

Über die Grundlagen hinaus: fortgeschrittener Gebrauch

Die folgenden Formen und Wendungen musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie helfen aber beim späteren Lesen und Hören.

Vergangenheit und hypothetische Form

Das Präteritum (eine einfache Vergangenheitsform) lautet wusste:

Person Präteritum
ich / er / sie / es wusste
du wusstest
wir / sie / Sie wussten
ihr wusstet

Das Perfekt wird mit haben und dem Partizip II (der Verbform für zusammengesetzte Vergangenheitszeiten) gewusst gebildet: Das habe ich nicht gewusst. Im Gespräch sind sowohl Ich wusste das nicht als auch Das habe ich nicht gewusst üblich.

Der Konjunktiv II (eine Form für Vorgestelltes, Bedingungen oder höfliche Distanz) lautet wüsste: Wenn ich das wüsste, würde ich dir helfen. Die Wendung Ich wüsste gern, … kann eine höfliche Frage einleiten: Ich wüsste gern, wann der Kurs beginnt.

Feste Wendungen

  • soweit ich weiß schränkt eine Aussage vorsichtig ein: Soweit ich weiß, beginnt das Treffen um neun.
  • wer weiß drückt Unsicherheit oder eine offene Möglichkeit aus: Wer weiß, vielleicht klappt es morgen.
  • nicht dass ich wüsste bedeutet „Nach meinem Wissen nein“: Hat er angerufen? – Nicht dass ich wüsste.
  • um etwas wissen bedeutet, sich einer Sache bewusst zu sein: Sie weiß um die Risiken. Diese Verbindung klingt gehoben und kommt eher in formeller Schriftsprache vor.
  • sich zu helfen wissen bedeutet, eine Lösung finden zu können: Er weiß sich immer zu helfen. Diese Konstruktion ist fortgeschritten und deutlich seltener als Er weiß, wie er sich helfen kann.

Wissen als sichere Behauptung

Zwischen Ich weiß, dass … und Ich glaube, dass … besteht ein wichtiger Bedeutungsunterschied. Mit wissen stellt die sprechende Person den Inhalt als bekannt oder sicher dar. Mit glauben zeigt sie, dass es sich um eine Annahme handelt:

  • Ich weiß, dass der Laden geschlossen ist. – Ich habe eine sichere Information.
  • Ich glaube, dass der Laden geschlossen ist. – Ich nehme es an, bin aber nicht völlig sicher.

Im wirklichen Gespräch kann natürlich auch jemand sagen, er „wisse“ etwas, obwohl die Information falsch ist. Grammatisch präsentiert wissen den Inhalt dennoch als Gewissheit.

Übungstipps

  1. Lerne die Formen in zwei Gruppen. Sprich zuerst ich weiß – du weißt – er weiß, dann wir wissen – ihr wisst – sie wissen. Bilde danach zu jeder Form einen kurzen Alltagssatz.
  2. Übe drei Fragemuster. Ergänze mehrmals Weißt du, wo …?, Weißt du, wann …? und Weißt du, ob …? Achte darauf, dass das Verb des Nebensatzes am Ende steht.
  3. Sortiere nach Bedeutung. Schreibe zehn eigene Aussagen auf und entscheide jeweils zwischen wissen, kennen und können. Prüfe dabei: Geht es um eine Information, um Vertrautheit oder um eine Fähigkeit?

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