Präsens im Dänischen
Nutid
Dieser Artikel ist Teil des Dänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Im Dänischen hat ein Verb im Präsens für alle Personen dieselbe Form: jeg taler, du taler, vi taler. Meist nimmt man den Infinitiv (die Grundform des Verbs) ohne at und hängt -r an: at tale → taler, at bo → bor. Einige sehr häufige Verben wie at være → er und at have → har müssen jedoch als eigene Formen gelernt werden.
Überblick
Das Präsens heißt auf Dänisch nutid und drückt vor allem aus, was jetzt geschieht, regelmäßig vorkommt oder allgemein gilt. Es ist eine der wichtigsten Grundlagen auf Niveau A1: Schon mit einer einzigen Verbform kann man über den Alltag, Gewohnheiten, Arbeit, Wohnort und viele unmittelbare Pläne sprechen.
Für Deutschsprachige ist die fehlende Personenkonjugation besonders angenehm. Im Deutschen heißt es „ich spreche“, „du sprichst“ und „wir sprechen“; im Dänischen bleibt das Verb stets taler. Wer handelt, erkennt man am Subjekt (der Person oder Sache, um die es im Satz geht): jeg, du, hun, vi und so weiter. Deshalb sollte das Subjekt im Dänischen normalerweise ausdrücklich genannt werden.
Die Anfängerregel ist kurz: Infinitiv plus -r. Weil sehr viele dänische Infinitive auf -e enden, endet ihre Präsensform entsprechend auf -er. Daneben gibt es kurze Infinitive wie bo, gå und stå, aus denen bor, går und står werden. Erst danach lohnt es sich, die häufigsten unregelmäßigen Formen einzeln zu lernen.
So funktioniert es
Eine Form für jede Person
Anders als im Deutschen richtet sich die Präsensform nicht nach der Person. Das Fachwort dafür ist Konjugation, also die Veränderung eines Verbs nach Person und Zeit. Im Dänischen wird zwar die Zeit markiert, aber im Präsens nicht die Person.
| Person | Dänisches Personalpronomen | Form von at tale | Deutsche Entsprechung |
|---|---|---|---|
| 1. Person Singular | jeg | taler | ich spreche |
| 2. Person Singular | du | taler | du sprichst |
| 3. Person Singular | han / hun / den / det | taler | er / sie / es spricht |
| 1. Person Plural | vi | taler | wir sprechen |
| 2. Person Plural | I | taler | ihr sprecht |
| 3. Person Plural | de | taler | sie sprechen |
Achte auf I: Das Pronomen für „ihr“ wird großgeschrieben. Die Verbform bleibt trotzdem unverändert.
Die regelmäßige Bildung
Der Infinitiv ist die Grundform, die im Wörterbuch meist mit at angegeben wird, etwa at tale „sprechen“. Für das Präsens lässt man at weg und hängt in der Regel -r an den Infinitiv:
| Infinitiv | Bildung | Präsens | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| at tale | tale + r | taler | sprechen |
| at læse | læse + r | læser | lesen |
| at spise | spise + r | spiser | essen |
| at arbejde | arbejde + r | arbejder | arbeiten |
| at bo | bo + r | bor | wohnen |
| at gå | gå + r | går | gehen |
| at stå | stå + r | står | stehen |
Man kann das Ergebnis auch so zusammenfassen:
- Die meisten Verben auf -e bekommen eine Präsensform auf -er: læse → læser.
- Kurze Verben, die auf einen Vokal enden, bekommen nur -r: bo → bor, gå → går.
- Das -r gehört zur Schriftform, auch wenn es beim schnellen Sprechen nicht immer so deutlich zu hören ist, wie deutsche Lernende erwarten.
Häufige unregelmäßige Formen
Einige besonders gebräuchliche Verben folgen nicht einfach dem Muster „Infinitiv + -r“. Sie sind so häufig, dass es sinnvoll ist, sie früh als Formpaare zu lernen.
| Infinitiv | Präsens | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|
| at være | er | sein |
| at have | har | haben |
| at gøre | gør | machen, tun |
| at vide | ved | wissen |
| at kunne | kan | können |
| at ville | vil | wollen, werden |
| at skulle | skal | sollen, müssen; werden |
| at måtte | må | dürfen, müssen |
Die letzten vier sind Modalverben, also Verben wie „können“ oder „müssen“, die die Möglichkeit, Absicht oder Notwendigkeit einer Handlung ausdrücken. Ihre genaue Verwendung ist ein eigenes Thema. Für das Präsens genügt zunächst die Erkenntnis, dass auch kan, vil, skal und må bei allen Personen gleich bleiben.
Aussage, Verneinung und Frage
Im einfachen Aussagesatz steht das finite Verb (das Verb, das Zeit und Satzform trägt) normalerweise an zweiter Stelle:
- Jeg arbejder i Aarhus. – Ich arbeite in Aarhus.
- I dag arbejder jeg hjemme. – Heute arbeite ich zu Hause.
Beginnt der Satz mit einer Zeit- oder Ortsangabe, bleibt das Verb an zweiter Stelle und das Subjekt folgt danach. Dieses Muster ähnelt dem Deutschen.
Für die Verneinung steht ikke „nicht“ im gewöhnlichen Hauptsatz meist nach dem finiten Verb:
- Jeg arbejder ikke om søndagen. – Ich arbeite sonntags nicht.
- Hun bor ikke her. – Sie wohnt nicht hier.
Bei einer Entscheidungsfrage steht das Verb vor dem Subjekt:
- Taler du dansk? – Sprichst du Dänisch?
- Bor de i Odense? – Wohnen sie in Odense?
Man braucht im Dänischen kein zusätzliches Hilfsverb, um eine solche Frage zu bilden.
Was das Präsens ausdrückt
Eine Handlung gerade jetzt
Jeg læser en bog. kann je nach Zusammenhang „Ich lese ein Buch“ oder „Ich lese gerade ein Buch“ heißen. Dänisch braucht für den normalen Verlauf kein eigenes Verlaufspräsens. Wörter wie nu „jetzt“ oder der Kontext machen die aktuelle Bedeutung deutlich.
Gewohnheiten und Wiederholungen
Mit Angaben wie hver dag „jeden Tag“, ofte „oft“ oder altid „immer“ bezeichnet das Präsens regelmäßige Abläufe:
- Vi spiser klokken seks hver dag. – Wir essen jeden Tag um sechs Uhr.
Zustände und allgemeine Aussagen
Das Präsens steht bei bestehenden Zuständen, Meinungen und allgemeingültigen Tatsachen:
- Hun bor i Odense. – Sie wohnt in Odense.
- Vand koger ved 100 grader. – Wasser kocht bei 100 Grad.
Gegenwart mit Zukunftsbedeutung
Wie im Deutschen kann das Präsens einen vereinbarten oder klar geplanten zukünftigen Vorgang ausdrücken. Eine Zeitangabe verhindert Missverständnisse:
- Vi rejser på fredag. – Wir reisen am Freitag.
- Toget går klokken otte. – Der Zug fährt um acht Uhr.
Beispiele im Kontext
| Dänisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Jeg taler dansk med mine kolleger. | Ich spreche mit meinen Kollegen Dänisch. | regelmäßiges Verb auf -er |
| Hun læser en bog i toget. | Sie liest im Zug ein Buch. | Handlung im aktuellen Zusammenhang |
| Vi bor i Odense. | Wir wohnen in Odense. | kurzes Verb auf -r |
| De spiser aftensmad klokken syv. | Sie essen um sieben Uhr zu Abend. | regelmäßiger Tagesablauf |
| Du arbejder hjemme i dag. | Du arbeitest heute zu Hause. | gleiche Form trotz du |
| I går ofte en tur efter arbejde. | Ihr geht nach der Arbeit oft spazieren. | I wird großgeschrieben |
| Min søster har to børn. | Meine Schwester hat zwei Kinder. | unregelmäßig: at have → har |
| Jeg ved ikke, hvor han bor. | Ich weiß nicht, wo er wohnt. | ved ist die Präsensform von at vide |
| Taler du tysk? | Sprichst du Deutsch? | Verb vor Subjekt in der Frage |
| Peter kommer ikke i dag. | Peter kommt heute nicht. | ikke nach dem finiten Verb |
| Om sommeren cykler vi til stranden. | Im Sommer fahren wir mit dem Fahrrad zum Strand. | Vorfeldangabe, danach Verb und Subjekt |
| Bussen kører om fem minutter. | Der Bus fährt in fünf Minuten. | Präsens mit Zukunftsbedeutung |
| Jeg kan forstå lidt dansk. | Ich kann ein wenig Dänisch verstehen. | Modalverb plus Infinitiv ohne at |
| Det regner, og vinden blæser. | Es regnet, und der Wind weht. | aktuelles Wetter |
Häufige Fehler
Die Endung an die Person anpassen
- Falsch: Du talers dansk.
- Richtig: Du taler dansk.
- Warum: Es gibt keine besondere Endung für du. Jeg taler, du taler und de taler verwenden dieselbe Form.
Nur „-er“ als Regel lernen
- Falsch: Jeg boer i Berlin.
- Richtig: Jeg bor i Berlin.
- Warum: Die verlässlichere Regel lautet „Infinitiv plus -r“. Bei bo ergibt das bor, nicht boer. Auch gå → går und stå → står folgen diesem Muster.
Das -r des Präsens vergessen
- Falsch: Vi spise aftensmad nu.
- Richtig: Vi spiser aftensmad nu.
- Warum: Spise ist der Infinitiv; der selbstständige Präsenssatz verlangt spiser. Gerade weil das abschließende -r beim Hören unauffällig sein kann, wird es beim Schreiben leicht vergessen.
Einen unregelmäßigen Infinitiv einfach erweitern
- Falsch: Hun værer træt.
- Richtig: Hun er træt.
- Warum: At være hat die unregelmäßige Präsensform er. Ebenso muss man etwa at have → har und at vide → ved eigens lernen.
Das Subjekt weglassen
- Falsch: Taler dansk hver dag.
- Richtig: Jeg taler dansk hver dag.
- Warum: Die Verbform verrät nicht, welche Person handelt. Anders als in Sprachen mit deutlich verschiedenen Personenendungen braucht ein normaler dänischer Satz deshalb ein ausgesprochenes Subjekt.
Deutsche Wortstellung auf jede Satzart übertragen
- Falsch: I dag jeg arbejder hjemme.
- Richtig: I dag arbejder jeg hjemme.
- Warum: Auch wenn eine Zeitangabe vorne steht, besetzt das finite Verb im Hauptsatz die zweite Position. Danach folgt das Subjekt.
Hinweise zum Gebrauch
Im Gespräch wird das Präsens sehr häufig verwendet. Es deckt sowohl „ich mache etwas regelmäßig“ als auch „ich mache es gerade“ ab. Man sollte daher nicht versuchen, für jedes deutsche „gerade“ automatisch eine besondere Zeitform zu finden. Wenn die aktuelle Situation betont werden soll, genügt oft nu: Jeg laver mad nu „Ich koche jetzt“.
Auch zukünftige Termine werden oft im Präsens genannt, besonders mit einer eindeutigen Zeitangabe. Vi mødes i morgen bedeutet ganz natürlich „Wir treffen uns morgen“. Ohne Zeitangabe kann Vi mødes je nach Zusammenhang eher eine allgemeine oder gegenwärtige Aussage sein.
Beim Sprechen fallen Schreibweise und Aussprache nicht immer leicht zusammen. Das Präsens-r ist grammatisch wichtig, kann aber akustisch schwach sein oder mit der vorausgehenden Endung verschmelzen. Für Anfänger ist es deshalb sinnvoll, neue Verben stets als Paar zu notieren und laut zu üben: at læse – læser, at arbejde – arbejder.
Das deutsche Präsens ist als Orientierung oft hilfreich: Beide Sprachen verwenden es für Gegenwart, Gewohnheiten und geplante Zukunft. Der entscheidende Unterschied liegt nicht so sehr im Gebrauch, sondern in der Form. Deutsch hat mehrere Personenformen; Dänisch normalerweise nur eine.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Feinheiten muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie zeigen aber, warum das dänische Präsens in späteren Texten und Gesprächen vielfältiger wirken kann.
Eine laufende Handlung ausdrücklich hervorheben
Dänisch besitzt keine eigene Verlaufsform, kann den Verlauf aber mit Umschreibungen betonen. At være ved at bedeutet, dass eine Handlung gerade im Gang ist oder unmittelbar bevorsteht:
- Jeg er ved at lave mad. – Ich bin gerade dabei zu kochen.
- Bussen er ved at køre. – Der Bus fährt gleich ab.
Auch Verben der Körperhaltung können mit og und einem weiteren Verb verbunden werden:
- Hun sidder og læser. – Sie sitzt da und liest.
- Han står og venter. – Er steht da und wartet.
Grammatisch stehen dabei beide Verben im Präsens. Solche Wendungen liefern mehr Information als das neutrale Hun læser.
Gegenwart und Zukunft genauer unterscheiden
Neben dem Präsens gibt es mehrere Möglichkeiten, Zukünftiges auszudrücken. Skal weist oft auf einen Plan, eine Vereinbarung oder Verpflichtung hin; vil kann Absicht oder Vorhersage ausdrücken. Die Unterschiede entsprechen nicht einfach einem einzigen deutschen Hilfsverb:
- Jeg rejser i morgen. – Ich reise morgen. (festes Vorhaben im Präsens)
- Jeg skal rejse i morgen. – Ich werde/soll morgen reisen. (Plan oder Verpflichtung)
- Jeg vil rejse mere. – Ich will mehr reisen. (Absicht oder Wunsch)
Für den Anfang reicht das Präsens mit Zeitangabe. Später sollte man skal und vil nicht mechanisch beide mit „werden“ gleichsetzen.
Historisches Präsens
In lebhaften Erzählungen kann das Präsens vergangene Ereignisse so darstellen, als geschähen sie unmittelbar: Så åbner han døren og ser en stor hund – „Dann öffnet er die Tür und sieht einen großen Hund.“ Dieses historische Präsens ist eine Stilwahl, keine neue Form. Der zeitliche Rahmen der Erzählung zeigt, dass die Ereignisse eigentlich in der Vergangenheit liegen.
Präsensformen auf -s
Manche häufigen Verben enden im Präsens auf -s, zum Beispiel synes, mødes und findes. Das -s ist nicht einfach eine Personenendung und sollte nicht durch ein zusätzliches -r ergänzt werden:
- Jeg synes, filmen er god. – Ich finde, dass der Film gut ist.
- Vi mødes efter arbejde. – Wir treffen uns nach der Arbeit.
- Der findes mange muligheder. – Es gibt viele Möglichkeiten.
Diese sogenannten s-Verben haben eigene Bedeutungs- und Bildungsmuster. Auf A1 genügt es, die häufigsten Formen als ganze Wörter wiederzuerkennen.
Übungstipps
- Lerne jedes Verb als Paar. Schreibe auf eine Seite at tale, auf die andere taler. Mische regelmäßige kurze Verben und häufige Ausnahmen: at bo – bor, at være – er, at vide – ved.
- Wechsle nur das Subjekt. Bilde mit einem Verb eine Reihe wie jeg læser, du læser, hun læser, vi læser. So gewöhnst du dich daran, nicht unbewusst deutsche Personenendungen zu übertragen.
- Übe drei Satzformen. Verwandle Du arbejder i dag nacheinander in die Verneinung Du arbejder ikke i dag und in die Frage Arbejder du i dag?. Wiederhole das mit fünf Alltagsverben.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Personalpronomen – zeigt, wer handelt, obwohl die Verbform gleich bleibt.
- Nächster Schritt: Modalverben – verbindet Formen wie kan, vil und skal mit einem weiteren Verb.
- Nächster Schritt: Infinitiv mit at – erklärt, wann die Grundform mit oder ohne at steht.
- Vertiefung: Regelmäßige Verbklassen – ordnet Verben nach ihren Vergangenheits- und Partizipformen.
- Vertiefung: Häufige unregelmäßige Verben – behandelt wichtige Formen wie gik, så und kom.
- Vertiefung: S-Verben – erklärt Formen wie mødes, synes und findes.
- Später: Einfache Vergangenheit – stellt dem Präsens abgeschlossene vergangene Handlungen gegenüber.
- Später: Reflexive Verben – verbindet Präsensformen mit Pronomen wie mig, dig und sig.
Voraussetzung
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