A1

Das Präsens im Norwegischen

Presens

Dieser Artikel ist Teil des Norwegisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.


concept: no-a1-presens lang: no ui: de title: Norwegisches Präsens: Bildung und Gebrauch description: >- Das norwegische Präsens einfach erklärt: einheitliche Verbformen, wichtige Ausnahmen, Gebrauch, Satzbau und typische Fehler mit vielen Beispielen. generation: article: version: native-ui-reference-v3.1 model: openai-codex/gpt-5.6-sol at: 2026-07-22T18:33:32Z reviews: spell-check: status: flagged at: 2026-07-22T18:33:31Z score: 0.0071 score-english: 0 score-coverage: 0.0071 suspects: ["Höflichkeitskonjugation", "Infinitivzeichen", "Modalverben", "Präsensbildung", "Präsensendung", "Präsensform", "Präsensformen", "Stilwahl", "Verlaufsbedeutungen", "Verlaufsform", "kinoen", "naboen", "snakkeer", "snakkers"] criteria: v7 language-mixing: status: clean at: 2026-07-22T18:39:23Z criteria: v2


Kurz gesagt

Das norwegische Präsens heißt presens. Meist setzt man einfach -r an den Infinitiv: snakke → snakker, lese → leser, bo → bor. Besonders angenehm ist, dass die Verbform bei allen Personen gleich bleibt: jeg bor, du bor, vi bor. Einige sehr häufige Verben haben jedoch eigene Formen, etwa være → er, gjøre → gjør und vite → vet.

Überblick

Mit dem Präsens spricht man im Norwegischen über das, was gerade geschieht, regelmäßig passiert oder allgemein gilt. Man braucht es daher von den ersten Gesprächen an: um zu sagen, wo man wohnt, welche Sprachen man spricht, was man arbeitet oder wie der Tag normalerweise abläuft. Die Grundregel gehört zum Niveau A1 und ist deutlich übersichtlicher als die deutsche Präsensbildung.

Ein Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, also die Form, die im Deutschen häufig mit „zu“ wiedergegeben wird. Im Norwegischen steht davor oft das Infinitivzeichen å: å snakke „sprechen“, å lese „lesen“. Für die Präsensbildung betrachtet man nur das Verb selbst; å ist kein Teil des Verbs und fällt weg: å lese → jeg leser.

Der größte Unterschied zum Deutschen liegt in der Person: Im Deutschen wechseln die Endungen in ich spreche, du sprichst, wir sprechen. Im Norwegischen gibt es nur eine Präsensform. Ob snakker „spreche“, „sprichst“, „spricht“ oder „sprechen“ bedeutet, erkennt man am Subjekt (wer oder was handelt) und am Zusammenhang. Deshalb sind die Personalpronomen besonders wichtig: jeg, du, han, hun, vi, dere, de.

So funktioniert es

Die Grundregel: Infinitiv plus -r

Die meisten norwegischen Infinitive enden auf unbetontes -e. Fügt man -r hinzu, entsteht die häufige Präsensendung -er:

Infinitiv Präsens Deutsch
å snakke snakker sprechen
å lese leser lesen
å spise spiser essen
å jobbe jobber arbeiten
å komme kommer kommen
å skrive skriver schreiben

Man kann sich die Anfängerregel also auf zwei Arten merken: „Infinitiv plus -r“ oder „Verben auf -e haben im Präsens meist -er“. Die erste Formulierung erklärt zugleich kurze Infinitive wie bo.

Kurze Verben ohne -e

Endet der Infinitiv auf einen anderen Vokal, kommt häufig nur -r hinzu. Das Ergebnis hat dann keine Endung -er:

Infinitiv Präsens Beispiel
å bo bor Vi bor i Bergen.
å tro tror Jeg tror deg.
å sy syr Hun syr en kjole.
å gå går De går hjem.
å stå står Bussen står utenfor.
å få får Du får en melding.

Bei går, står und får gehört der Buchstabe å bereits zum Verbstamm. Man schreibt also nicht zusätzlich ein weiteres å.

Eine Form für alle Personen

Am Verb selbst ändert sich nichts. Das gilt im Singular und im Plural ebenso wie bei höflicher oder vertrauter Anrede:

Person å snakke å bo
jeg – ich jeg snakker jeg bor
du – du du snakker du bor
han/hun – er/sie han/hun snakker han/hun bor
vi – wir vi snakker vi bor
dere – ihr/Sie dere snakker dere bor
de – sie de snakker de bor

Anders als im Deutschen gibt es weder eine Endung nur für du noch eine besondere Form für er/sie. Das Pronomen darf man normalerweise trotzdem nicht weglassen: Snakker norsk ist als vollständiger Aussagesatz ohne erkennbares Subjekt unvollständig. Richtig ist zum Beispiel Jeg snakker norsk.

Wichtige unregelmäßige Formen

Die Regel deckt sehr viele Verben ab, aber einige häufige Verben verkürzen oder verändern sich. Diese Formen sollte man als Wortpaar lernen:

Infinitiv Präsens Deutsch
å være er sein
å gjøre gjør machen, tun
å spørre spør fragen
å vite vet wissen
å si sier sagen
å ha har haben
å kunne kan können
å ville vil wollen
å skulle skal sollen; werden, vorhaben
å måtte müssen

Auch diese Formen bleiben bei jeder Person gleich: jeg er, du er, de er; jeg vet, hun vet, vi vet. Die Modalverben kan, vil, skal, må stehen vor einem weiteren Infinitiv ohne å: Hun kan svømme „Sie kann schwimmen“.

Aussage, Verneinung und Frage

Im einfachen Aussagesatz steht meist zuerst das Subjekt und dann das finite Verb. Finit bedeutet hier: Das Verb trägt die Zeitform, also zum Beispiel snakker im Präsens.

  • Jeg leser avisen. – Ich lese die Zeitung.
  • Hun bor i Oslo. – Sie wohnt in Oslo.

In einem Hauptsatz steht ikke „nicht“ normalerweise nach dem finiten Verb:

  • Jeg leser ikke avisen. – Ich lese die Zeitung nicht.
  • Hun kommer ikke i dag. – Sie kommt heute nicht.

Bei einer Ja-Nein-Frage rückt das Verb vor das Subjekt. Das ähnelt dem Deutschen:

  • Leser du avisen? – Liest du die Zeitung?
  • Bor dere her? – Wohnt ihr hier?

Beginnt eine Aussage mit einer Zeit- oder Ortsangabe, bleibt das Verb an zweiter Stelle. Das Subjekt folgt dann auf das Verb:

  • I dag jobber jeg hjemme. – Heute arbeite ich zu Hause.
  • I Bergen bor vi nær sentrum. – In Bergen wohnen wir nahe dem Zentrum.

Diese sogenannte V2-Regel betrifft den Satzbau, nicht die Bildung der Präsensform. Die Form jobber bleibt unverändert.

Beispiele im Kontext

Norwegisch Deutsch Hinweis
Jeg snakker norsk med naboen. Ich spreche mit dem Nachbarn Norwegisch. regelmäßiges Verb auf -e
Hun leser en bok på toget. Sie liest im Zug ein Buch. Handlung im Moment
Vi bor i Bergen. Wir wohnen in Bergen. kurzer Infinitiv: bo → bor
De spiser middag klokka seks. Sie essen um sechs Uhr zu Abend. regelmäßiger Tagesablauf
Du jobber ikke på lørdager. Du arbeitest samstags nicht. ikke nach dem Verb
Går dere til skolen? Geht ihr zu Fuß zur Schule? Ja-Nein-Frage mit Verb zuerst
I dag skriver jeg en lang e-post. Heute schreibe ich eine lange E-Mail. Zeitangabe zuerst, dann Verb
Bussen kommer om fem minutter. Der Bus kommt in fünf Minuten. Präsens mit Zukunftsbezug
Vannet koker ved hundre grader. Wasser kocht bei hundert Grad. allgemeine Tatsache
Han står utenfor og venter. Er steht draußen und wartet. zwei gleichzeitige Handlungen
Jeg vet ikke hvor hun bor. Ich weiß nicht, wo sie wohnt. unregelmäßig: vite → vet
Kan du hjelpe meg? Kannst du mir helfen? Modalverb plus Infinitiv ohne å
Hun liker å lese om kvelden. Sie liest abends gern. liker plus Infinitiv mit å
Vi møtes foran kinoen klokka sju. Wir treffen uns um sieben vor dem Kino. festes Verb auf -s
Det regner, men barna leker ute. Es regnet, aber die Kinder spielen draußen. Wetter und gleichzeitige Handlung

Häufige Fehler

Für jede Person eine andere Endung bilden

  • Falsch: Du snakkers norsk.
  • Richtig: Du snakker norsk.
  • Warum: Das Deutsche verleitet dazu, für du eine besondere Form zu suchen. Norwegisch verwendet snakker unverändert bei jeg, du, hun, vi, dere und de.

An einen Infinitiv auf -e noch -er anhängen

  • Falsch: Jeg snakkeer norsk.
  • Richtig: Jeg snakker norsk.
  • Warum: Praktisch wird nur -r an snakke gesetzt. So entsteht snakker, nicht snakkeer.

Das Infinitivzeichen å im Präsens stehen lassen

  • Falsch: Hun å leser avisen.
  • Richtig: Hun leser avisen.
  • Warum: Å kennzeichnet den Infinitiv, etwa in Hun liker å lese. Vor einer normalen Präsensform steht es nicht.

Die Grundregel auf jedes Verb anwenden

  • Falsch: Jeg værer trøtt.
  • Richtig: Jeg er trøtt.
  • Warum: Sehr häufige Verben sind teilweise unregelmäßig. Besonders er, har, gjør, vet, sier und die Modalverben sollte man früh als feste Präsensformen lernen.

Das Subjekt weglassen

  • Falsch: Bor i Oslo.
  • Richtig: Jeg bor i Oslo.
  • Warum: Weil die Verbform keine Person erkennen lässt, braucht ein gewöhnlicher Aussagesatz ein Subjekt. Eine bloße Antwort kann im Gespräch verkürzt sein, doch als neutraler vollständiger Satz steht das Subjekt dabei.

Deutsche Wortstellung bei vorangestellter Zeitangabe übernehmen

  • Falsch: I dag jeg jobber hjemme.
  • Richtig: I dag jobber jeg hjemme.
  • Warum: Wie im deutschen „Heute arbeite ich …“ steht das finite Verb im Hauptsatz an zweiter Stelle. Nach i dag folgt daher jobber und erst danach jeg.

Gebrauchshinweise

Gegenwart, Gewohnheit und allgemeine Aussage

Das norwegische Präsens deckt mehrere Bedeutungen ab, für die der Zusammenhang oder ein Zeitwort sorgt:

  • jetzt: Jeg lager mat nå. – Ich koche gerade.
  • regelmäßig: Jeg lager mat hver dag. – Ich koche jeden Tag.
  • allgemein: Sola står opp i øst. – Die Sonne geht im Osten auf.

Norwegisch braucht keine besondere Verlaufsform, um „gerade dabei sein“ auszudrücken. Jeg leser kann je nach Situation sowohl „Ich lese“ als auch „Ich lese gerade“ bedeuten. Mit macht man den aktuellen Zeitpunkt deutlich: Jeg leser nå.

Präsens mit zukünftiger Bedeutung

Bei einem feststehenden oder klar geplanten Ereignis ist das Präsens sehr üblich. Eine Zeitangabe verhindert Missverständnisse:

  • Toget går klokka åtte. – Der Zug fährt um acht.
  • Vi reiser til Tromsø neste uke. – Wir fahren nächste Woche nach Tromsø.
  • Hun kommer i morgen. – Sie kommt morgen.

Deutsch verwendet in solchen Sätzen ebenfalls oft das Präsens. Man muss daher nicht automatisch eine Form mit skal oder vil wählen. Diese Wörter bringen zusätzliche Bedeutungen wie Plan, Absicht oder Vorhersage mit.

Gesprochenes und geschriebenes Norwegisch

Die hier gezeigten Formen gehören zum Bokmål, einer der beiden norwegischen Schriftsprachen. Im gesprochenen Norwegisch sind Dialekte im Alltag normal; Aussprache und einzelne Formen können von der Schreibweise abweichen. Für den Einstieg ist es sinnvoll, konsequent Bokmål zu schreiben und unterschiedliche Dialektformen zunächst nur wiederzuerkennen.

Die Endung -er wird in natürlicher Rede oft weniger deutlich gesprochen, als die Schreibweise vermuten lässt. Sie bleibt schriftlich aber erhalten: snakker, jobber, spiser. Die unveränderliche Personenform gilt auch in formeller Sprache; es gibt keine besondere Höflichkeitskonjugation.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären jedoch Formen, die in Gesprächen, Nachrichten und Erzählungen häufig vorkommen.

Genauere Verlaufsbedeutungen

Soll ausdrücklich betont werden, dass eine Handlung gerade im Gang ist, gibt es mehrere Umschreibungen:

  • Jeg holder på å lage middag. – Ich bin gerade dabei, das Abendessen zu machen.
  • Hun sitter og leser. – Sie sitzt da und liest.
  • De står og venter. – Sie stehen da und warten.

Bei sitter og leser stehen beide Verben im Präsens. Solche Verbindungen sind idiomatisch, wenn Körperhaltung oder Situation tatsächlich eine Rolle spielen. Man sollte sie nicht mechanisch für jedes deutsche „gerade“ verwenden; oft genügt das einfache Präsens.

Verben auf -s

Einige Verben enden bereits im Infinitiv auf -s, zum Beispiel møtes „sich treffen“, synes „finden, meinen“ und finnes „existieren“. Ihre Präsensform sieht häufig genauso aus wie der Infinitiv:

  • Vi møtes etter jobb. – Wir treffen uns nach der Arbeit.
  • Jeg synes filmen er god. – Ich finde den Film gut.
  • Det finnes mange løsninger. – Es gibt viele Lösungen.

Das -s ist hier nicht die deutsche Personenendung aus „du machst“. Es gehört zum norwegischen Verb und bleibt bei allen Personen gleich.

Historisches und erzählendes Präsens

Wie im Deutschen kann Präsens eine vergangene Szene lebendig erzählen: Så åpner han døra og ser ingen der – „Dann öffnet er die Tür und sieht dort niemanden.“ Dieses historische Präsens ist eine Stilwahl. In einer normalen sachlichen Erzählung über abgeschlossene Ereignisse verwendet man meist das Präteritum.

Auch Äußerungen wie Jeg lover å ringe „Ich verspreche anzurufen“ vollziehen mit dem Präsens eine Handlung unmittelbar. Solche Verwendungen ändern nichts an der Formbildung, zeigen aber, dass das Präsens mehr ausdrücken kann als nur den Zeitpunkt „jetzt“.

Präsensform und Verbklasse

An der Präsensform allein erkennt man nicht zuverlässig, wie ein Verb die Vergangenheit bildet. Snakker, kjøper, bor wirken im Präsens ähnlich, haben aber unterschiedliche Vergangenheitsformen: snakket, kjøpte, bodde. Starke Verben wie skriver bilden das Präteritum wiederum mit Vokalwechsel: skrev. Für spätere Zeitformen lernt man daher am besten mehrere Stammformen eines Verbs zusammen.

Übungstipps

  1. Bilde Reihen mit wechselndem Subjekt. Sprich jeg leser, du leser, hun leser, vi leser, dere leser, de leser laut. So prägt sich ein, dass nicht das Verb, sondern nur das Pronomen wechselt.
  2. Lerne Verben als Dreiergruppe. Notiere å bo – bor – ich wohne oder å gjøre – gjør – machen. Das verhindert sowohl ein vergessenes -r als auch erfundene regelmäßige Formen.
  3. Baue jeden Satz dreimal um. Aus Du jobber i dag werden Du jobber ikke i dag und Jobber du i dag? So übst du Präsensform, Verneinung und Frage gemeinsam.
  4. Höre gezielt auf das Verb. Markiere in kurzen norwegischen Dialogen alle Formen auf -er und sammle daneben kurze oder unregelmäßige Formen wie bor, går, er, har.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Personalpronomen – zeigen, wer handelt, obwohl die Verbform gleich bleibt.
  • Als Nächstes: Modalverben – verbindet Formen wie kan und mit einem Infinitiv ohne å.
  • Als Nächstes: Infinitiv mit å – erklärt, wann vor der Grundform å steht und wann nicht.
  • Vertiefung: Regelmäßige Verbklassen – ordnet Verben nach ihren Vergangenheits- und Partizipformen.
  • Vertiefung: Häufige unregelmäßige Verben – behandelt wichtige Stammwechsel und Sonderformen.
  • Anwendung: Vorlieben ausdrücken – übt häufige Präsensformen wie liker und foretrekker.
  • Sondergruppe: S-Verben – erklärt Formen wie møtes, synes und finnes genauer.
  • Spätere Zeitform: Präteritum – beschreibt abgeschlossene Handlungen in der Vergangenheit.

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