A1

Personalpronomen im Norwegischen

Personlige Pronomen

Dieser Artikel ist Teil des Norwegisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Die norwegischen Personalpronomen in der Subjektform sind jeg, du, han, hun, den, det, vi, dere, de. Sie zeigen, wer etwas tut oder wer sich in einem bestimmten Zustand befindet. Anders als im Deutschen bleibt das Verb bei allen Personen gleich: jeg bor, du bor, vi bor.

Überblick

Ein Personalpronomen steht für eine Person, ein Tier oder eine Sache, ohne deren Namen oder Bezeichnung ständig zu wiederholen. In Anna bor i Oslo. Hun arbeider der. ersetzt hun im zweiten Satz den Namen Anna. Das Pronomen ist hier das Subjekt, also die Person oder Sache, von der der Satz etwas aussagt.

Diese Pronomen gehören zum Grundstoff auf Niveau A1. Man braucht sie von den ersten Sätzen an: um sich vorzustellen, andere Personen zu beschreiben, Fragen zu stellen und Verben zu verwenden. Besonders angenehm für deutschsprachige Lernende ist, dass norwegische Verben nicht nach der Person verändert werden. Wo es auf Deutsch ich bin, du bist und wir sind heißt, steht auf Norwegisch immer dieselbe Präsensform: jeg er, du er, vi er.

Trotz der Ähnlichkeiten zum Deutschen gibt es wichtige Unterschiede. Norwegisch verwendet du und dere viel breiter als deutsches du und ihr; eine alltägliche Entsprechung zu höflichem Sie ist normalerweise nicht nötig. Außerdem richten sich den und det nach dem grammatischen Geschlecht des norwegischen Bezugswortes – nicht nach dem deutschen Artikel.

So funktioniert es

Die Formen im Überblick

Person Einzahl Mehrzahl Deutsche Entsprechung
1. Person jeg vi ich; wir
2. Person du dere du; ihr/Sie
3. Person han, hun, den, det de er, sie, es; sie

Die erste Person bezeichnet die sprechende Person: jeg für eine Person, vi für eine Gruppe, zu der die sprechende Person gehört. Die zweite Person richtet sich an das Gegenüber: du an eine Person und dere an mehrere. Die dritte Person bezeichnet alle anderen Personen und Dinge.

Jeg, du, vi und dere

  • jeg = ich: Jeg heter Nora. – „Ich heiße Nora.“
  • du = du: Du snakker tysk. – „Du sprichst Deutsch.“
  • vi = wir: Vi bor i Bergen. – „Wir wohnen in Bergen.“
  • dere = ihr; bei höflicher Anrede mehrerer Personen auch deutsches „Sie“: Hvor bor dere? – „Wo wohnt ihr?“ oder „Wo wohnen Sie?“

Dere bezeichnet immer mindestens zwei angesprochene Personen. Spricht man nur mit einer Person, verwendet man in der heutigen Standardsprache fast immer du, auch im Geschäft, an der Universität oder gegenüber Vorgesetzten. Die Entscheidung zwischen du und dere hat daher vor allem mit der Anzahl zu tun, nicht mit sozialer Distanz.

Han und hun für Menschen

Han steht gewöhnlich für eine männliche Person, hun für eine weibliche Person:

  • Omar er lege. Han arbeider på sykehuset. – „Omar ist Arzt. Er arbeitet im Krankenhaus.“
  • Ingrid er hjemme. Hun er syk. – „Ingrid ist zu Hause. Sie ist krank.“

Bei Tieren kann han oder hun stehen, wenn das Geschlecht bekannt oder das Tier als Individuum wichtig ist. Sonst richtet sich das Pronomen häufig nach dem grammatischen Geschlecht des Tierwortes: en hund – den, et ekorn – det.

Den und det für Sachen

Bei Sachen verwendet man meist den oder det. Entscheidend ist das Geschlecht des norwegischen Substantivs (Hauptwortes):

Bezugswort Geschlecht Pronomen Beispiel
en bil männlich/Gemeingeschlecht den Bilen er ny. Den er dyr.
ei/en bok weiblich/Gemeingeschlecht den Boka er god. Den er lett å lese.
et hus sächlich det Huset er gammelt. Det er stort.
biler / bøker / hus Mehrzahl de Husene er gamle. De er fine.

Für Deutschsprachige ist das besonders wichtig: Die deutsche Übersetzung bestimmt das norwegische Pronomen nicht. Das Auto ist auf Deutsch sächlich, aber norwegisch heißt es en bil; deshalb folgt den, nicht det. Umgekehrt ist et bord sächlich, obwohl es „der Tisch“ heißt: Bordet er nytt. Det er stort.

Det hat zusätzlich Funktionen, bei denen es kein konkretes Wort ersetzt. Es steht zum Beispiel beim Wetter, bei der Uhrzeit und in unpersönlichen Aussagen:

  • Det regner. – „Es regnet.“
  • Det er sent. – „Es ist spät.“
  • Det er vanskelig å forstå. – „Es ist schwer, das zu verstehen.“

Dieses det heißt formales Subjekt: Es besetzt die Subjektstelle, ohne eine bestimmte Sache zu bezeichnen. Darin ähnelt es dem deutschen es.

De für die Mehrzahl

De bedeutet „sie“ und kann sich auf Personen, Tiere oder Sachen beziehen:

  • Maja og Ali kommer. De er snart her. – „Maja und Ali kommen. Sie sind bald hier.“
  • Bøkene ligger på bordet. De er nye. – „Die Bücher liegen auf dem Tisch. Sie sind neu.“

In normaler Schreibung beginnt de nur am Satzanfang mit einem Großbuchstaben. Ein großgeschriebenes De als förmliche Anrede existiert zwar historisch und kommt noch in älteren Texten vor, klingt heute aber meist steif oder altmodisch.

Das Verb bleibt unverändert

Im norwegischen Präsens gibt es keine eigenen Verbformen für jeg, du oder de. Das Pronomen wechselt, das Verb nicht:

Pronomen å snakke im Präsens Deutsch
jeg jeg snakker ich spreche
du du snakker du sprichst
han/hun/den/det han/hun/den/det snakker er/sie/es spricht
vi vi snakker wir sprechen
dere dere snakker ihr sprecht
de de snakker sie sprechen

Das gilt auch für unregelmäßige Verben: jeg er, du er, de er und jeg har, hun har, vi har. Man muss also nur eine Zeitform lernen, nicht zusätzlich sechs Personenendungen.

Das Subjekt wird normalerweise genannt

Norwegisch lässt das Subjektpronomen in gewöhnlichen Aussagesätzen nicht einfach weg. Snakker norsk ist allein normalerweise kein vollständiger neutraler Satz für „Ich spreche Norwegisch“. Richtig ist Jeg snakker norsk. Eine wichtige Ausnahme ist der Imperativ (die Befehlsform): Kom inn! – „Komm herein!“ Hier wird die angesprochene Person nicht genannt.

Die normale Grundstellung lautet Subjekt + Verb + Ergänzung:

Hun bor i Oslo.

Steht jedoch ein anderes Satzglied am Anfang, bleibt das gebeugte Verb an zweiter Stelle und das Subjekt folgt danach. Das ist die sogenannte V2-Regel („Verb an Position zwei“):

I Oslo bor hun. – „In Oslo wohnt sie.“

Auch in Entscheidungsfragen steht das Verb vor dem Subjekt: Snakker du norsk? – „Sprichst du Norwegisch?“

Beispiele im Zusammenhang

Norwegisch Deutsch Hinweis
Jeg er norsk. Ich bin Norweger/Norwegerin. 1. Person Einzahl
Du snakker engelsk. Du sprichst Englisch. eine angesprochene Person
Erik er kokk. Han arbeider på et hotell. Erik ist Koch. Er arbeitet in einem Hotel. männliche Person
Hun bor i Oslo. Sie wohnt in Oslo. weibliche Person
Hvor kommer dere fra? Woher kommt ihr? / Woher kommen Sie? mehrere angesprochene Personen
Vi arbeider her. Wir arbeiten hier. die sprechende Person gehört zur Gruppe
Barna er ute. De leker i hagen. Die Kinder sind draußen. Sie spielen im Garten. Mehrzahl
Jeg liker denne filmen. Den er morsom. Ich mag diesen Film. Er ist lustig. en film verlangt den
Har du sett brevet? Det ligger på bordet. Hast du den Brief gesehen? Er liegt auf dem Tisch. et brev verlangt det
Det er kaldt i dag. Heute ist es kalt. formales Subjekt beim Wetter
I morgen kommer hun tilbake. Morgen kommt sie zurück. nach dem ersten Satzglied folgt Verb–Subjekt
Er de hjemme nå? Sind sie jetzt zu Hause? Verb vor Subjekt in der Frage
Anne og jeg studerer sammen. Vi lærer norsk. Anne und ich studieren zusammen. Wir lernen Norwegisch. Anne og jeg wird zu vi
Du og Lars kan vente her. Dere får snart hjelp. Du und Lars könnt hier warten. Ihr bekommt bald Hilfe. du og Lars wird zu dere

Häufige Fehler

Das Verb wie im Deutschen verändern

  • Falsch: Jeg snakker, men han snakk.
  • Richtig: Jeg snakker, men han snakker.
  • Warum: Im Norwegischen hat das Präsens bei allen Personen dieselbe Form. Han löst keine besondere Endung aus.

Den und det nach dem deutschen Artikel wählen

  • Falsch: Bordet er stort. Han er nytt.
  • Richtig: Bordet er stort. Det er nytt.
  • Warum: Das Pronomen richtet sich nach dem norwegischen Wort et bord, nicht nach deutschem „der Tisch“. Sachen werden außerdem normalerweise nicht mit han oder hun bezeichnet.

De und dere verwechseln

  • Falsch: Kari og Per, kommer de i morgen? – wenn Kari und Per direkt angesprochen werden
  • Richtig: Kari og Per, kommer dere i morgen?
  • Warum: Dere bedeutet „ihr“ und spricht die Personen direkt an. De bedeutet „sie“ und spricht über andere.

Das Subjekt weglassen

  • Falsch: Bor i Trondheim. – als vollständiger Satz für „Ich wohne in Trondheim.“
  • Richtig: Jeg bor i Trondheim.
  • Warum: Das Subjekt steht im Norwegischen normalerweise ausdrücklich im Satz. Aus der Verbform allein lässt sich die Person nicht erkennen.

Nach einer Zeitangabe die deutsche Reihenfolge behalten

  • Falsch: I dag vi arbeider hjemme.
  • Richtig: I dag arbeider vi hjemme.
  • Warum: Beginnt der Hauptsatz mit i dag, steht das Verb an zweiter Stelle; das Pronomen folgt danach.

De als höfliches deutsches „Sie“ verwenden

  • Unnatürlich im heutigen Alltag: Ønsker De kaffe?
  • Natürlich: Vil du ha kaffe? – zu einer Person; Vil dere ha kaffe? – zu mehreren
  • Warum: Die großgeschriebene Höflichkeitsform De ist heute selten. Freundliche Wortwahl und Tonfall schaffen Höflichkeit, nicht ein besonderes Anredepronomen.

Hinweise zum Gebrauch

In der heutigen norwegischen Alltagssprache ist du die normale Anrede für eine einzelne Person. Das gilt in deutlich mehr Situationen als im Deutschen: häufig auch zwischen Kundschaft und Personal, Studierenden und Lehrkräften oder Mitarbeitenden und Vorgesetzten. Du wirkt deshalb nicht automatisch vertraulich oder respektlos. Bei mehreren Angesprochenen verwendet man dere.

Die Schreibweise und die tatsächliche Aussprache stimmen nicht immer genau überein. Jeg kann je nach Region etwa wie „jæi“, „jæ“ oder anders klingen. Das geschriebene de wird im Bokmål häufig ungefähr wie di ausgesprochen. Bei det hört man das abschließende t in gewöhnlicher Rede oft nicht. Diese Unterschiede sind normal; beim Schreiben bleiben jeg, de, det bestehen.

Norwegen hat eine außergewöhnlich starke Dialektkultur. Im gesprochenen Norwegisch begegnen daher neben jeg unter anderem Formen wie eg, æ oder e; für vi hört man regional auch me. Anfängerinnen und Anfänger können zunächst konsequent die Bokmål-Formen dieser Übersicht verwenden. Dialektformen sollte man zuerst erkennen lernen, statt verschiedene Systeme wahllos zu mischen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen, wird ihnen aber später begegnen.

Hen ist ein geschlechtsneutrales Pronomen für eine Person. Es kann verwendet werden, wenn das Geschlecht unbekannt oder unwichtig ist oder wenn eine Person selbst hen als Pronomen verwendet: Hen kommer klokka åtte. Im Plural steht weiterhin de. Welche Form für eine konkrete Person passend ist, richtet sich nach deren eigener Bezeichnung.

Die Subjektformen sind nicht immer zugleich die Formen für ein Objekt, also für die Person oder Sache, auf die eine Handlung gerichtet ist. Vergleiche jeg ser henne („ich sehe sie“) mit hun ser meg („sie sieht mich“). Zu den Subjektformen gehören später die Objektformen meg, deg, ham/han, henne, oss, dere, dem. Besonders in formeller Standardschrift ist der Unterschied de als Subjekt gegenüber dem als Objekt wichtig.

Den, det und de können nicht nur ein einzelnes Substantiv ersetzen, sondern auch auf ganze Aussagen oder Situationen zurückverweisen. In Kommer han? Det vet jeg ikke. bedeutet det ungefähr „das“. Außerdem erscheint det in Hervorhebungssätzen wie Det er Maria som ringer – „Maria ist es, die anruft“. Solche Verwendungen werden mit wachsender Sprachpraxis wichtig, gehören aber nicht zur einfachen A1-Grundregel.

Daneben gibt es man für allgemeine Aussagen: Man lærer av feil – „Man lernt aus Fehlern.“ Hier ist keine bestimmte Person gemeint. Man gehört daher nicht zur gewöhnlichen Reihe jeg–du–han/hun, erfüllt im Satz aber ebenfalls die Rolle des Subjekts.

Übungstipps

  1. Lerne Pronomen und Verb gemeinsam. Sprich mit drei häufigen Verben ganze Reihen: jeg er, du er, hun er, vi er, dere er, de er. Achte bewusst darauf, dass das Verb gleich bleibt.
  2. Beschreibe Personen und Dinge in deiner Umgebung. Bilde erst einen Satz mit dem Substantiv und ersetze es dann: Boka er ny. Den er interessant. So prägen sich den, det und de zusammen mit dem norwegischen Wortgeschlecht ein.
  3. Übe drei Satzmuster. Verwandle Du arbeider i dag in die Frage Arbeider du i dag? und in I dag arbeider du. Damit trainierst du Pronomen und Wortstellung gleichzeitig.

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