B2

Den, det und de im Norwegischen

Pronomenreferanser

Dieser Artikel ist Teil des Norwegisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Den verweist auf ein bereits genanntes Substantiv im gemeinsamen Genus, det auf ein Neutrum und de auf mehrere Personen oder Dinge: filmen – den, huset – det, barna – de. Det kann außerdem eine ganze Aussage aufgreifen, als inhaltsleeres Subjekt stehen oder einen Satzteil hervorheben. Anders als im Deutschen entscheidet bei Sachen daher nicht einfach die Übersetzung mit er, sie oder es, sondern das norwegische Genus beziehungsweise der Bezug auf einen ganzen Sachverhalt.

Überblick

Die Formen den, det und de kennt man oft schon früh aus einfachen Pronomenlisten. Auf B2-Niveau geht es jedoch nicht mehr nur darum, die richtige Form auswendig zu wählen. Entscheidend ist, worauf das Pronomen verweist und ob es überhaupt einen konkreten Bezug hat. Ein Pronomen ist hier ein Stellvertreter: Es nimmt ein zuvor genanntes Substantiv oder einen ganzen Gedanken wieder auf, sodass man ihn nicht wiederholen muss.

Ein solcher Rückverweis heißt anaphorisch (das Pronomen greift etwas vorher Genanntes wieder auf). In Jeg så filmen. Den var god steht den für filmen. Bei Det visste jeg ikke kann det dagegen eine ganze vorherige Aussage meinen. Daneben gibt es das formale oder inhaltsleere Subjekt det: Es besetzt die Subjektstelle, ohne eine bestimmte Sache zu bezeichnen, etwa in Det regner.

Für deutschsprachige Lernende ist das teils vertraut, weil deutsches es ebenfalls als Platzhalter auftreten kann. Die Zuordnung zu Substantiven funktioniert aber anders: Im Bokmål gehören maskuline und feminine Substantive meist zum gemeinsamen Genus und werden beide mit den wieder aufgenommen; nur Neutra verlangen det. Im Plural steht als Subjekt de, unabhängig vom Genus.

So funktioniert es

1. Rückverweis auf ein Substantiv

Ein Substantiv ist ein Wort für eine Person, Sache oder Vorstellung, zum Beispiel film, bok oder hus. Das Pronomen richtet sich nach Zahl und Genus des norwegischen Bezugsworts, nicht nach dem Genus der deutschen Übersetzung.

Bezug im Bokmål Pronomen Beispiel für das Bezugswort Deutscher Sinn
gemeinsames Genus, Singular den en film, ei/en bok, en dør er, sie, es; dieser Gegenstand
Neutrum, Singular det et hus, et problem, et møte es; dieser Gegenstand
Plural, als Subjekt de filmer, hus, barn sie

Das Subjekt ist, vereinfacht gesagt, wer oder was handelt oder über wen beziehungsweise was etwas ausgesagt wird. Deshalb heißt es:

  • Filmen var lang. Den var likevel spennende.
  • Boka ligger her. Den er min.
  • Huset er gammelt. Det trenger et nytt tak.
  • Bøkene kom i går. De ligger på bordet.

Beim deutschen Wort Buch liegt wegen das Buch zunächst det nahe. Norwegisch heißt es aber ei/en bok; folglich verweist man mit den darauf. Umgekehrt ist et menneske ein Neutrum, obwohl die deutsche Übersetzung der Mensch maskulin ist. Grammatisch kann det auf das Wort verweisen; bei einer konkreten Person wählt man jedoch häufig ein persönliches Pronomen, das zur Person passt.

Bei Menschen haben han und hun normalerweise Vorrang, wenn die Person bekannt ist: Jeg møtte læreren. Hun var hyggelig. Ist nur die Rolle genannt und das Geschlecht unbekannt oder unwichtig, wird im heutigen Norwegisch auch hen verwendet. Den/det dienen vor allem dem Rückverweis auf Sachen, Begriffe und Tiere; eine Person ohne guten Grund mit den oder det zu bezeichnen, kann unpersönlich wirken.

2. Subjekt und Objekt sind nicht immer gleich

Als Subjekt im Plural steht de: Barna? De leker ute. Als Objekt verwendet die Standardsprache dem. Das Objekt ist die Person oder Sache, auf die sich eine Handlung richtet.

Funktion Singular, gemeinsames Genus Singular, Neutrum Plural
Subjekt den det de
Objekt, wenn auf Sachen verwiesen wird den det dem

So entsteht der Kontrast Bøkene er nye. De kom i går. Jeg har ikke lest dem ennå. Im Singular bleiben den und det auch als Objekt möglich: Har du sett filmen? Jeg så den i går.

3. Det als Verweis auf eine Aussage

Det kann nicht nur ein neutrales Substantiv ersetzen, sondern einen ganzen Sachverhalt, eine Äußerung oder eine noch folgende Information zusammenfassen:

  • Toget er forsinket. Det visste jeg ikke.
  • At hun sa nei, overrasket meg. Jeg hadde ikke ventet det.
  • Det mener jeg også.

In solchen Fällen hat det kein Genus, das man an einem einzelnen Bezugswort ablesen könnte. Es bedeutet je nach Zusammenhang etwa das, dies oder diese Tatsache. Steht es am Satzanfang als Objekt, greift die norwegische V2-Regel: Das finite Verb, also das gebeugte Verb, folgt an zweiter Stelle. Daher heißt es Det vet jeg ikke, nicht Det jeg vet ikke.

Den kann ebenfalls auf einen zuvor erwähnten Gedanken verweisen, wenn ausdrücklich ein Substantiv wie ideen, planen oder påstanden gemeint ist. Vergleiche:

  • Planen er dyr. Den bør vi endre. — Gemeint ist das Substantiv planen.
  • Vi må endre planen. Det er alle enige om. — Gemeint ist die ganze Aussage.

4. Inhaltsleeres det

Manchmal verweist det auf gar nichts. Es ist dann ein formales Subjekt, das die norwegische Satzstruktur verlangt. Besonders häufig ist dies in folgenden Mustern:

Muster Beispiel Funktion
Wetter und Umgebung Det snør. unpersönliches Subjekt
Zeit und Entfernung Det er sent. / Det er langt dit. Bewertung einer Situation
Existenz und Vorstellung Det finnes en løsning. etwas wird neu eingeführt
vorangestellter Platzhalter Det er viktig å øve. der inhaltsschwere Teil folgt später
Nebensatz als eigentlicher Inhalt Det er bra at du kom. at du kom trägt den Inhalt

Auch nach einer vorangestellten Zeit- oder Ortsangabe bleibt das Platzhalter-det erhalten, steht dann aber nach dem Verb: I dag regner det. Das Deutsche verhält sich hier ähnlich: Heute regnet es. Man darf det also nicht streichen, nur weil bereits ein anderes Satzglied am Anfang steht.

5. Hervorhebung mit Spaltsätzen

Ein Spaltsatz teilt eine einfache Aussage in zwei Teile, um ein Element deutlich hervorzuheben. Das Grundmuster lautet:

Det er/var + hervorgehobener Teil + som + Restsatz

Aus Maria ringte meg wird Det var Maria som ringte meg: Nicht irgendeine andere Person, sondern Maria rief an. Als Zeitform stehen besonders oft er und var.

Wenn der hervorgehobene Teil im Restsatz das Objekt wäre, kann som fehlen: Det var denne boka (som) jeg kjøpte. Bei einem Subjekt darf som nicht einfach entfallen: Det var Maria som ringte.

Die Folge Det er det jeg mener enthält zweimal det, aber mit unterschiedlicher Aufgabe. Das erste eröffnet die identifizierende Konstruktion; das zweite bezeichnet den gemeinten Inhalt: „Genau das meine ich.“ Solche Wiederholungen sind im Norwegischen normal und kein stilistischer Fehler.

Beispiele im Zusammenhang

Norwegisch Deutsch Hinweis
Filmen? Den var god. Der Film? Er war gut. den greift filmen auf.
Jeg fant boka. Den lå under sofaen. Ich fand das Buch. Es lag unter dem Sofa. Trotz deutschem das Buch steht wegen bok die Form den.
Hvor er nøkkelen? Den ligger på kjøkkenet. Wo ist der Schlüssel? Er liegt in der Küche. Gemeinsames Genus im Singular.
Huset ser lite ut, men det har fire soverom. Das Haus sieht klein aus, hat aber vier Schlafzimmer. et hus verlangt det.
Møtet begynner snart. Det varer bare en halvtime. Die Besprechung beginnt bald. Sie dauert nur eine halbe Stunde. Das norwegische Bezugswort et møte ist ein Neutrum.
Barna? De leker ute. Die Kinder? Sie spielen draußen. Pluralisches Subjekt de.
Bøkene kom i går, men jeg har ikke lest dem. Die Bücher kamen gestern, aber ich habe sie noch nicht gelesen. de als Subjekt, dem als Objekt.
Hun har takket nei til jobben. Det overrasket meg. Sie hat die Stelle abgelehnt. Das hat mich überrascht. det fasst die ganze vorherige Aussage zusammen.
Det vet jeg ikke. Das weiß ich nicht. Vorangestelltes Objekt; das Verb bleibt an zweiter Stelle.
Det regner, men i morgen blir det bedre. Es regnet, aber morgen wird es besser. Zweimal formales det ohne konkretes Bezugswort.
Det står tre personer utenfor. Draußen stehen drei Personen. det führt eine neue Information ein.
Det er vanskelig å forklare forskjellen. Es ist schwierig, den Unterschied zu erklären. Die Infinitivgruppe trägt den eigentlichen Inhalt.
Det var Nora som sendte meldingen. Nora war es, die die Nachricht geschickt hat. Spaltsatz mit Fokus auf die Person.
Det er denne løsningen vi trenger. Diese Lösung brauchen wir. Fokus auf dem Objekt; som kann fehlen.
Det er det jeg mener. Genau das meine ich. Die beiden Vorkommen von det erfüllen verschiedene Aufgaben.

Häufige Fehler

1. Das deutsche Genus übernehmen

  • Falsch: Jeg kjøpte ei bok. Det var dyrt.
  • Richtig: Jeg kjøpte ei bok. Den var dyr.
  • Warum: Maßgeblich ist das norwegische Wort bok, das nicht neutral ist. Das deutsche das Buch spielt für die Wahl des Pronomens keine Rolle.

2. Bei einem Neutrum den verwenden

  • Falsch: Møtet? Den begynner klokka ni.
  • Richtig: Møtet? Det begynner klokka ni.
  • Warum: Et møte ist ein Neutrum. Die bestimmte Form møtet ändert das Genus nicht.

3. De als Objekt schreiben

  • Falsch: Jeg kjøpte bøkene, men jeg har ikke lest de.
  • Richtig: Jeg kjøpte bøkene, men jeg har ikke lest dem.
  • Warum: In der schriftlichen Standardsprache ist de die Subjektform und dem die Objektform. In gesprochener Sprache hört man regionale Varianten, doch beim Schreiben ist diese Unterscheidung wichtig.

4. Das formale det nach einer Zeitangabe weglassen

  • Falsch: I går regnet mye.
  • Richtig: I går regnet det mye.
  • Warum: Bei unpersönlichen Wetterausdrücken braucht der Satz ein formales Subjekt. Die Zeitangabe i går ersetzt dieses Subjekt nicht.

5. Bei einem Spaltsatz som auslassen, obwohl es Subjekt ist

  • Falsch: Det var naboen ringte politiet.
  • Richtig: Det var naboen som ringte politiet.
  • Warum: Im Restsatz ist der Nachbar die handelnde Person. Das subjektische som muss stehen.

6. Jeden Satz mit det auf ein neutrales Nomen beziehen

  • Missverständlich: In Det er viktig å komme tidlig nach einem neutralen Bezugswort für det suchen.
  • Richtig verstanden: Det ist hier nur der formale Platzhalter; å komme tidlig nennt den Inhalt.
  • Warum: Nicht jedes det ersetzt ein et-Wort. Kontext und Satzmuster sind ebenso wichtig wie das Genus.

Gebrauchshinweise

In gesprochener Standardsprache wird de gewöhnlich wie di ausgesprochen. Die Schreibung bleibt jedoch de. Dem weist stärkere regionale Schwankungen in der Aussprache auf. Für eine verlässliche schriftliche Norm sollte man sich an de als Subjekt und dem als Objekt halten.

Die gleichen Formen können vor einem Adjektiv als bestimmter Begleiter stehen: den røde bilen, det gamle huset, de nye bøkene. Dort ersetzen sie kein Substantiv, sondern gehören zur bestimmten Nominalgruppe; das Substantiv folgt also noch. Vergleiche Jeg liker den røde bilen mit Jeg liker den. Im ersten Satz ist den Teil der Form „das rote Auto“, im zweiten steht es allein für das Auto.

Mit Zeigegesten und Betonung können den und det auch „der/die/das da“ oder „dieses“ bedeuten: Jeg tar den — „Ich nehme den da.“ Die Grenze zwischen reinem Rückverweis und Zeigefunktion ist im Gespräch fließend. Eine starke Betonung signalisiert oft Auswahl oder Gegensatz.

Großgeschriebenes De kommt in älteren Texten oder sehr förmlicher Korrespondenz als höfliche Anrede vor. Im heutigen Norwegisch wird normalerweise du verwendet. Dieses historische De darf nicht mit dem kleingeschriebenen pluralischen de „sie“ verwechselt werden.

Über die Grundlagen hinaus

Vorwärtsverweis und schwere Satzteile

Obwohl Rückverweise im Mittelpunkt stehen, kann det auch einen Inhalt ankündigen, der erst danach kommt. In Det plager meg at han aldri svarer wird erst später erklärt, was stört. Diese Konstruktion ist oft natürlicher als ein langer Nebensatz am Anfang: At han aldri svarer, plager meg. Beide Fassungen sind möglich, aber die Version mit det verteilt die Information häufig leichter verständlich.

Es, das oder dies? Keine Eins-zu-eins-Übersetzung

Norwegisches det deckt mehrere deutsche Möglichkeiten ab. Det går bra kann je nach Lage „Es geht gut“, „Das klappt“ oder „Mir geht es gut“ bedeuten. Umgekehrt wird deutsches es nicht immer mit det wiedergegeben. Man sollte daher zuerst die norwegische Funktion bestimmen: neutrales Bezugswort, ganzer Sachverhalt, formales Subjekt oder Hervorhebung.

Informationsstruktur und Fokus

Spaltsätze verändern weniger den sachlichen Inhalt als die Informationsstruktur, also die Frage, welcher Teil als neu oder besonders wichtig präsentiert wird:

  • Jon kjøpte bilen. — neutrale Aussage
  • Det var Jon som kjøpte bilen. — Jon, nicht jemand anders
  • Det var bilen Jon kjøpte. — das Auto, nicht etwas anderes
  • Det var i går Jon kjøpte bilen. — gestern, nicht an einem anderen Tag

Im Deutschen lässt sich derselbe Fokus oft allein durch Betonung oder durch „Es war …, der/die …“ ausdrücken. Im Norwegischen sind Spaltsätze auch in normaler gesprochener Sprache sehr gebräuchlich. Zu viele hintereinander wirken dennoch schwer; in neutralen Berichten reicht meist der einfache Satz.

Kongruenz beim Rückverweis

Kongruenz bedeutet, dass zusammengehörige Formen grammatisch übereinstimmen. Nach den oder det richtet sich ein prädikatives Adjektiv nach dem jeweiligen Bezug: Bilen er ny. Den er dyr.Huset er nytt. Det er dyrt. Beim pluralischen de steht die Pluralform: Husene er nye. De er dyre. So kann nicht nur das Pronomen, sondern auch die Adjektivendung zeigen, welcher Bezug gemeint ist.

Übungstipps

  1. Arbeite mit Dreiergruppen. Notiere je fünf häufige Wörter mit en/ei, et und im Plural. Bilde dann jeweils zwei Sätze: Jeg så huset. Det var tomt. So übst du Genus und Rückverweis zusammen.
  2. Markiere die Funktion von det. Sammle beim Lesen zehn Sätze mit det und ordne sie vier Kategorien zu: neutrales Substantiv, ganze Aussage, formales Subjekt oder Spaltsatz. Die Einordnung ist wichtiger als eine immer gleiche deutsche Übersetzung.
  3. Forme neutrale Sätze in Spaltsätze um. Aus Sara fant nøkkelen på kjøkkenet können je nach Fokus Det var Sara som fant nøkkelen, Det var nøkkelen Sara fant und Det var på kjøkkenet Sara fant nøkkelen werden. Sprich das hervorgehobene Element deutlich betont.

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