B2

Konditionalsätze im Norwegischen

Kondisjonalsetninger

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Kurz gesagt

Norwegische Konditionalsätze unterscheiden meist drei Muster: reale Bedingungen mit hvis + Präsens, irreale Bedingungen der Gegenwart mit hvis + Präteritum und irreale Bedingungen der Vergangenheit mit hvis + hadde + Partizip. Im Ergebnissatz stehen bei irrealen Bedingungen häufig ville + Infinitiv beziehungsweise ville ha + Partizip: Hvis jeg hadde tid, ville jeg hjelpe und Hvis jeg hadde hatt tid, ville jeg ha hjulpet.

Überblick

Ein Konditionalsatz nennt eine Bedingung und das Ergebnis, das davon abhängt. In Hvis du kommer, blir jeg glad ist hvis du kommer die Bedingung; blir jeg glad beschreibt die Folge. Der Bedingungssatz ist ein Nebensatz (ein Satzteil, der nicht selbstständig als vollständige Aussage steht), der Ergebnissatz ein Hauptsatz.

Auf B2 geht es nicht mehr nur darum, ville im Sinn von „würde“ zu verwenden. Entscheidend ist das Zusammenspiel der Zeitformen: Hält der Sprecher die Bedingung für möglich? Ist sie nur vorgestellt oder steht bereits fest, dass sie in der Vergangenheit nicht erfüllt wurde? Diese Unterschiede werden im Norwegischen vor allem durch Präsens, Präteritum und Plusquamperfekt ausgedrückt. Das Plusquamperfekt bezeichnet dabei eine Vorvergangenheit und wird mit hadde + Partizip gebildet. Ein Partizip ist hier die Verbform, die etwa in har kommet oder hadde visst steht.

Für Deutschsprachige ist das Grundprinzip vertraut, die Form aber ungewohnt. Das Deutsche nutzt bei irrealen Aussagen häufig den Konjunktiv II: „wenn ich Zeit hätte“. Im Norwegischen gibt es dafür im modernen Standardgebrauch keine eigene entsprechende Verbform. Stattdessen übernimmt oft das gewöhnliche Präteritum diese Aufgabe: hvis jeg hadde tid. Außerdem wandert das Verb im norwegischen Nebensatz nicht wie im Deutschen ans Ende.

So funktioniert es

Die drei Grundmuster

Bedeutung Bedingung Typisches Ergebnis Beispiel
real oder offen hvis + Präsens Präsens, Modalverb, Imperativ oder Zukunftsbedeutung Hvis du kommer, blir jeg glad.
irreal oder wenig wahrscheinlich: Gegenwart/Zukunft hvis + Präteritum ville/kunne/skulle + Infinitiv Hvis jeg hadde tid, ville jeg hjelpe.
irreal: Vergangenheit hvis + hadde + Partizip ville/kunne/skulle ha + Partizip Hvis jeg hadde visst det, ville jeg ha kommet.

Diese Muster beschreiben die häufigsten neutralen Formen. Modalverben verändern die Aussage: kunne bezeichnet eher eine Möglichkeit oder Fähigkeit, skulle häufig eine erwartete oder beabsichtigte Folge und ville die gedachte Folge selbst.

1. Reale und offene Bedingungen

Bei einer realen Bedingung ist offen, ob sie erfüllt wird, oder sie gilt allgemein. Im hvis-Satz steht normalerweise Präsens:

  • Hvis det regner, tar vi bussen. – Wenn es regnet, nehmen wir den Bus.
  • Hvis du ser Anna, kan du gi henne beskjed. – Wenn du Anna siehst, kannst du ihr Bescheid geben.
  • Hvis du er trøtt, legg deg tidlig. – Wenn du müde bist, geh früh ins Bett.

Auch wenn die Handlung in der Zukunft liegt, genügt im Bedingungssatz meist das Präsens. Hvis du kommer i morgen bedeutet ohne zusätzliche Zukunftsform „wenn du morgen kommst“. Im Ergebnissatz kann ebenfalls ein Präsens mit Zukunftsbedeutung stehen: blir jeg glad. Vil ist möglich, wenn Wille, Bereitschaft oder eine ausdrücklich vorausgesagte Folge gemeint ist; als bloße Kopie des deutschen „werden“ ist es oft unnötig.

2. Irreale Gegenwart oder gedachte Zukunft

Wenn die Bedingung der aktuellen Wirklichkeit widerspricht oder als wenig wahrscheinlich dargestellt wird, steht im Bedingungssatz meist Präteritum:

  • Hvis jeg hadde mer tid, ville jeg lære islandsk. – Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich Isländisch lernen.
  • Hvis hun bodde nærmere, kunne vi møtes oftere. – Wenn sie näher wohnte, könnten wir uns öfter treffen.
  • Hvis jeg var deg, ville jeg vente. – Wenn ich du wäre, würde ich warten.

Das Präteritum bezeichnet hier nicht unbedingt Vergangenheit. Hadde, bodde und var beziehen sich in diesen Sätzen auf die Gegenwart. Der Abstand zur Wirklichkeit wird also durch eine „zurückgesetzte“ Zeitform markiert.

Eine wichtige Falle für Deutschsprachige: Nicht jeder irreale Bedingungssatz braucht hadde. Hadde ist das Präteritum von ha „haben“. Bei anderen Verben verwendet man deren eigenes Präteritum: hvis jeg visste „wenn ich wüsste“, hvis hun bodde „wenn sie wohnte“, hvis vi var „wenn wir wären“.

3. Irreale Vergangenheit

Eine nicht mehr erfüllbare Bedingung in der Vergangenheit steht im Plusquamperfekt:

  • Bedingung: hvis + hadde + Partizip

  • Ergebnis: ville/kunne/skulle + ha + Partizip

  • Hvis jeg hadde visst det, ville jeg ha kommet. – Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich gekommen.

  • Hvis vi hadde bestilt tidligere, kunne vi ha fått billigere billetter. – Wenn wir früher gebucht hätten, hätten wir günstigere Karten bekommen können.

Achte auf die zwei verschiedenen Aufgaben von hadde und ha. Hadde visst bildet die Vorvergangenheit im Bedingungssatz. Ville ha kommet bildet die gedachte, aber nicht eingetretene Folge.

Bei ha selbst erscheinen zwei Formen nebeneinander: Hvis jeg hadde hatt penger ... heißt „Wenn ich Geld gehabt hätte ...“. Das erste hadde ist das Hilfsverb, hatt das Partizip von ha. Bei være lautet die entsprechende Form hadde vært.

Reihenfolge und Wortstellung

Bedingung und Ergebnis können ihre Plätze tauschen:

  • Hvis du kommer, blir jeg glad.
  • Jeg blir glad hvis du kommer.

Steht der Nebensatz zuerst, folgt im Hauptsatz sofort das finite Verb, also das Verb mit Personen- und Zeitform: blir jeg, ville jeg, kan vi. Diese sogenannte V2-Stellung bedeutet, dass das finite Verb im Hauptsatz an zweiter Satzposition steht. Der gesamte vorangestellte hvis-Satz zählt als erste Position.

Im hvis-Nebensatz bleibt die normale norwegische Reihenfolge Subjekt + Verb erhalten: hvis du kommer, nicht nach deutschem Muster hvis du ... kommer mit dem Verb am Ende. Eine Satzverneinung wie ikke steht im Nebensatz gewöhnlich vor dem finiten Verb:

  • Hvis du ikke kommer, begynner vi uten deg.
  • Vi begynner uten deg hvis du ikke kommer.

Nach einem vorangestellten Bedingungssatz steht ein Komma. Folgt der notwendige Bedingungssatz erst auf den Hauptsatz, steht normalerweise kein Komma: Jeg ringer deg hvis planen endrer seg.

hvis, dersom und om

Hvis ist die neutrale und häufigste Entsprechung von „wenn/falls“. Dersom bedeutet ebenfalls „falls/sofern“ und wirkt oft etwas formeller; es begegnet dir besonders in Anleitungen, Verträgen und sachlichen Texten. Om kann in bestimmten Bedingungssätzen „wenn/falls“ bedeuten, ist aber zugleich das normale Wort für „ob“:

  • Hvis det blir sent, tar jeg taxi. – Wenn es spät wird, nehme ich ein Taxi.
  • Dersom varen er skadet, må du kontakte kundeservice. – Falls die Ware beschädigt ist, musst du den Kundendienst kontaktieren.
  • Om du trenger hjelp, er det bare å spørre. – Falls du Hilfe brauchst, frag einfach.
  • Jeg vet ikke om hun kommer. – Ich weiß nicht, ob sie kommt.

Da entspricht dagegen meist „als“ bei einem einmaligen vergangenen Ereignis: Da jeg kom hjem, sov barna. Es ist kein allgemeiner Ersatz für konditionales hvis.

Beispiele im Zusammenhang

Norwegisch Deutsch Hinweis
Hvis du kommer, blir jeg glad. Wenn du kommst, freue ich mich. offene Bedingung; Präsens in beiden Teilen
Hvis det snør i natt, jobber jeg hjemme i morgen. Wenn es heute Nacht schneit, arbeite ich morgen zu Hause. Präsens mit Zukunftsbedeutung
Ring meg hvis du trenger hjelp. Ruf mich an, wenn du Hilfe brauchst. Ergebnissatz zuerst; Imperativ
Hvis restauranten er full, kan vi spise et annet sted. Wenn das Restaurant voll ist, können wir woanders essen. reale Alternative mit Modalverb
Hvis du ikke skynder deg, rekker du ikke toget. Wenn du dich nicht beeilst, erreichst du den Zug nicht. ikke steht im Nebensatz vor dem Verb
Hvis jeg hadde penger, ville jeg reise. Wenn ich Geld hätte, würde ich reisen. irreale Gegenwart
Hvis hun bodde nærmere, kunne vi møtes hver uke. Wenn sie näher wohnte, könnten wir uns jede Woche treffen. Präteritum von bo, nicht hadde
Jeg ville takke ja hvis jobben var fast. Ich würde zusagen, wenn die Stelle unbefristet wäre. Bedingung steht nach dem Ergebnis
Hvis jeg var deg, ville jeg snakke med legen. Wenn ich du wäre, würde ich mit dem Arzt sprechen. feste Ratschlagsformel
Hvis jeg hadde visst, ville jeg ha kommet. Wenn ich es gewusst hätte, wäre ich gekommen. irreale Vergangenheit
Hvis de hadde kjøpt billettene før, kunne de ha spart penger. Wenn sie die Karten früher gekauft hätten, hätten sie Geld sparen können. nicht genutzte Möglichkeit
Vi ville ikke ha gått oss vill hvis vi hadde fulgt kartet. Wir hätten uns nicht verirrt, wenn wir der Karte gefolgt wären. Ergebnis zuerst; Verneinung
Hadde jeg tid, ville jeg hjelpe. Hätte ich Zeit, würde ich helfen. hvis entfällt bei Inversion
Hadde du ringt meg, ville jeg ha hentet deg. Hättest du mich angerufen, hätte ich dich abgeholt. invertierte irreale Vergangenheit
Skulle du ombestemme deg, er tilbudet fortsatt gyldig. Solltest du es dir anders überlegen, gilt das Angebot weiterhin. zurückhaltende, offene Bedingung

Häufige Fehler

Deutsche Nebensatzstellung übernehmen

  • Falsch: Hvis du tid har, kan vi snakke.
  • Richtig: Hvis du har tid, kan vi snakke.
  • Warum: Im norwegischen Nebensatz steht das finite Verb nicht am Satzende. Die Grundfolge lautet Subjekt + Verb + Ergänzung.

Nach einem vorangestellten Bedingungssatz das Subjekt zuerst setzen

  • Falsch: Hvis du kommer, jeg blir glad.
  • Richtig: Hvis du kommer, blir jeg glad.
  • Warum: Der Bedingungssatz besetzt die erste Position. Deshalb folgt im Hauptsatz das finite Verb vor dem Subjekt.

hadde bei jedem irrealen Verb einsetzen

  • Falsch: Hvis jeg hadde bo nærmere, ville jeg besøke deg oftere.
  • Richtig: Hvis jeg bodde nærmere, ville jeg besøke deg oftere.
  • Warum: Für eine irreale Gegenwart genügt das Präteritum des betreffenden Verbs. Hadde wird nur als Form von ha oder als Hilfsverb mit einem Partizip gebraucht.

Reale und irreale Formen ungewollt mischen

  • Unpassend für die gemeinte irreale Aussage: Hvis jeg har mer tid, ville jeg lese mer.
  • Richtig: Hvis jeg hadde mer tid, ville jeg lese mer.
  • Warum: Har stellt die Bedingung als real oder offen dar, ville die Folge dagegen als gedacht. Ein Wechsel ist nur sinnvoll, wenn der Zusammenhang genau diese unterschiedliche Perspektive verlangt.

Bei der irrealen Vergangenheit ha auslassen

  • Falsch für eine vergangene, nicht eingetretene Folge: Hvis jeg hadde visst det, ville jeg kommet.
  • Richtig: Hvis jeg hadde visst det, ville jeg ha kommet.
  • Warum: Die eindeutige vollständige Form der irrealen Vergangenheit lautet im Ergebnissatz ville ha + Partizip.

da wie deutsches „wenn“ verwenden

  • Falsch: Da jeg får tid i morgen, ringer jeg deg.
  • Richtig: Hvis jeg får tid i morgen, ringer jeg deg.
  • Warum: Deutsches „wenn“ kann Bedingung oder Zeit ausdrücken. Norwegisches da verweist typischerweise auf ein bestimmtes vergangenes Ereignis; für eine offene Bedingung braucht man hvis.

Hinweise zum Gebrauch

Ob eine Bedingung real oder irreal wirkt, hängt nicht nur von der Grammatik, sondern auch vom Zusammenhang ab. Hvis jeg hadde bil wird gewöhnlich als „Ich habe kein Auto“ verstanden. Eine Präteritumform kann jedoch in einer Erzählung auch echte Vergangenheit bezeichnen. Hvis vi hadde bil, kjørte vi til hytta kann etwa eine wiederkehrende Situation in der Vergangenheit beschreiben: Wenn wir ein Auto hatten, fuhren wir zur Hütte. Zeitangaben und Kontext lösen die Mehrdeutigkeit meist problemlos auf.

Ville darf nicht automatisch mit deutschem „würde“ gleichgesetzt werden. Es ist auch das Präteritum von ville „wollen“ und bezeichnet außerdem eine Zukunft aus vergangener Sicht: Hun sa at hun ville komme – „Sie sagte, sie werde kommen.“ In einem Konditionalsatz kann hvis du ville hjelpe je nach Zusammenhang „wenn du helfen würdest“ oder genauer „wenn du bereit wärst zu helfen“ bedeuten.

In neutraler Alltagssprache ist hvis die sichere Wahl. Dersom passt gut in formelle Hinweise und Bedingungen, ist aber keineswegs auf Amtssprache beschränkt. Die invertierten Formen ohne hvis wirken knapper und oft etwas schriftsprachlicher. Häufige Wendungen wie Hadde jeg vært deg ... oder Skulle du trenge hjelp ... sind jedoch auch im Gespräch ganz natürlich.

Über die Grundmuster hinaus

Bedingung ohne hvis

Bei hadde, var und bestimmten Modalverben kann das Verb an die erste Stelle rücken; hvis entfällt:

  • Hadde jeg hatt mer tid, ville jeg ha blitt med. – Hätte ich mehr Zeit gehabt, wäre ich mitgekommen.
  • Var det ikke for regnet, ville vi sittet ute. – Wäre der Regen nicht, würden wir draußen sitzen.
  • Skulle det oppstå problemer, må du ringe dette nummeret. – Sollten Probleme auftreten, musst du diese Nummer anrufen.

Diese Inversion ähnelt dem deutschen „Hätte ich …“ oder „Sollte es …“. Sie eignet sich besonders für hypothetische Überlegungen, höfliche Hinweise und formellere Texte.

Gemischte Bedingungen

Nicht immer liegen Bedingung und Folge in derselben Zeit. Bei einer gemischten Bedingung hat ein vergangenes Ereignis eine Folge in der Gegenwart oder ein gegenwärtiger Zustand erklärt eine vergangene Folge:

  • Hvis jeg hadde tatt den jobben, ville jeg ha bodd i Bergen nå. – Wenn ich die Stelle angenommen hätte, würde ich jetzt in Bergen wohnen.
  • Hvis jeg var mer tålmodig, ville jeg ikke ha sagt det i går. – Wenn ich geduldiger wäre, hätte ich das gestern nicht gesagt.

Die Formen werden hier nicht mechanisch parallel gesetzt. Jeder Satzteil erhält die Zeitform, die zu seiner eigenen Zeitperspektive passt.

Höfliche und vorsichtige Bedingungen

Mit skulle kann eine Bedingung als möglich, aber nicht unbedingt erwartet dargestellt werden: Hvis du skulle få tid, kan du se på rapporten? Das klingt zurückhaltender als eine direkte Aufforderung. Ohne hvis ist Skulle du få tid ... besonders kompakt.

Ville kann in der Bedingung Bereitschaft hervorheben: Hvis du ville sende meg adressen, kunne jeg ordne resten. Hier geht es nicht nur um ein zukünftiges Senden, sondern darum, ob die andere Person dazu bereit ist. Solche Nuancen sind ein guter Grund, Modalverben nach ihrer Bedeutung zu wählen und nicht Wort für Wort aus dem Deutschen zu übertragen.

Lerntipps

  1. Bilde Dreierreihen. Nimm dieselbe Situation und formuliere sie real, irreal in der Gegenwart und irreal in der Vergangenheit: Hvis jeg har tid, kommer jegHvis jeg hadde tid, ville jeg kommeHvis jeg hadde hatt tid, ville jeg ha kommet. So wird der Unterschied der Zeitformen hörbar.
  2. Übe die Satzanfänge in beiden Reihenfolgen. Verwandle Jeg hjelper deg hvis jeg kan in Hvis jeg kan, hjelper jeg deg. Kontrolliere besonders die Stellung hjelper jeg nach dem Komma.
  3. Sammle Partizippaare. Schreibe für häufige Verben kleine Gruppen wie visste – hadde visst – ville ha visst oder kom – hadde kommet – ville ha kommet. Das festigt die Formen, die du für irreale Vergangenheit brauchst.

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