A2

Objektpronomen im Norwegischen

Objektspronomen

Dieser Artikel ist Teil des Norwegisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Norwegische Objektpronomen ersetzen Personen oder Sachen, auf die sich eine Handlung richtet: Hun ser meg bedeutet „Sie sieht mich“. Dieselben Formen stehen beim direkten und beim indirekten Objekt: meg kann daher je nach Satz sowohl „mich“ als auch „mir“ entsprechen. Die wichtigsten Formen sind meg, deg, ham, henne, den, det, oss, dere, dem.

Überblick

Ein Objekt ist eine Person oder Sache, die von einer Handlung betroffen ist. In Jeg hjelper deg („Ich helfe dir“) führt jeg die Handlung aus und ist das Subjekt; deg ist das Objekt, also die Person, der geholfen wird. Ein Objektpronomen ist einfach ein kurzes Ersatzwort wie „mich“, „dir“ oder „sie“, das an die Stelle eines bereits bekannten Namens oder Nomens tritt.

Die Objektformen gehören auf Niveau A2 zum wichtigsten Alltagswortschatz. Man braucht sie beim Erzählen ebenso wie bei Bitten, Fragen und kurzen Antworten: Kan du hjelpe meg?, Jeg ringer deg senere, Vi kjenner dem. Grundlage dafür sind die Subjektpronomen jeg, du, han, hun, vi, dere, de, die ausdrücken, wer etwas tut.

Für Deutschsprachige ist das System an einer Stelle besonders angenehm: Norwegisch unterscheidet bei diesen Pronomen nicht zwischen Akkusativ (direktes Objekt, etwa „mich“) und Dativ (indirektes Objekt, etwa „mir“). Wo im Deutschen zwei Formen nötig sind, genügt im Norwegischen oft eine: meg bedeutet je nach Zusammenhang „mich“ oder „mir“, deg „dich“ oder „dir“.

So funktioniert es

Die Formen im Überblick

Person Subjektform Objektform Deutsche Entsprechung
1. Person Singular jeg meg mich, mir
2. Person Singular du deg dich, dir
3. Person Singular, männliche Person han ham ihn, ihm
3. Person Singular, weibliche Person hun henne sie, ihr
3. Person Singular, Utrum den den ihn, sie; dem, der
3. Person Singular, Neutrum det det es; ihm
1. Person Plural vi oss uns
2. Person Plural dere dere euch
3. Person Plural de dem sie, ihnen

Utrum ist das gemeinsame Geschlecht der männlichen und weiblichen Substantive im Bokmål-System mit zwei grammatischen Geschlechtern. Bei Sachen richtet sich das Pronomen nach dem grammatischen Geschlecht des gemeinten Nomens: en bil wird durch den ersetzt, et hus durch det.

Einige Formen sehen als Subjekt und Objekt gleich aus: den, det und dere. Bei den übrigen Personen muss die Objektform bewusst gewählt werden:

  • Jeg ser henne: Ich sehe sie.
  • Hun ser meg: Sie sieht mich.
  • De kjenner oss: Sie kennen uns.
  • Vi kjenner dem: Wir kennen sie.

Direktes und indirektes Objekt

Das direkte Objekt bezeichnet meist die Person oder Sache, auf die die Handlung unmittelbar zielt. Eine einfache Kontrollfrage lautet „wen oder was?“:

  • Hun ser meg. – Wen sieht sie? Mich.
  • Vi kjøper den. – Was kaufen wir? Es beziehungsweise den gemeinten Gegenstand.

Das indirekte Objekt ist häufig der Empfänger einer Sache oder Handlung. Auf Deutsch fragt man oft „wem?“:

  • Han ga meg nøkkelen. – Er gab mir den Schlüssel.
  • Kan du sende henne en melding? – Kannst du ihr eine Nachricht schicken?

Norwegisch verwendet in beiden Funktionen dieselbe Form. Man muss also nicht zwischen „mich/mir“ oder „dich/dir“ wählen. Welche deutsche Übersetzung passt, ergibt sich aus dem Verb und dem ganzen Satz.

Personen und Sachen unterscheiden

Für Menschen verwendet man gewöhnlich ham und henne, wenn das Geschlecht bekannt und relevant ist. Für Sachen richtet sich die Wahl zwischen den und det nach dem Nomen:

  • Har du sett Per? Jeg ringte ham i går. – Hast du Per gesehen? Ich habe ihn gestern angerufen.
  • Hvor er boka? Jeg la den på bordet. – Wo ist das Buch? Ich habe es auf den Tisch gelegt.
  • Liker du huset? Jeg liker det veldig godt. – Gefällt dir das Haus? Mir gefällt es sehr gut.

Im Deutschen lautet die Übersetzung von den nicht immer „ihn“ und von det nicht immer „es“. Norwegisches und deutsches Genus stimmen nicht zuverlässig überein. Entscheidend ist das norwegische Bezugswort: en/ei → den, et → det, Plural → dem.

Grundstellung im Satz

In einem neutralen Hauptsatz steht das Objekt normalerweise nach dem Verb:

Subjekt + Verb + Objekt

  • Hun ser meg.
  • Jeg hjelper deg.
  • Vi treffer dem.

Steht am Satzanfang eine Zeit- oder Ortsangabe, bleibt das Objekt hinter Verb und Subjekt:

  • I morgen ringer jeg henne. – Morgen rufe ich sie an.
  • På stasjonen møtte vi ham. – Am Bahnhof trafen wir ihn.

Bei einem zusammengesetzten Verb folgt das Objekt meist auf die infinite Verbform, also auf die Form, die nicht nach Person oder Zeit verändert wird:

  • Jeg har sett dem. – Ich habe sie gesehen.
  • Vi skal besøke henne. – Wir werden sie besuchen.

In Fragen und Aufforderungen bleibt die Objektform ebenfalls erhalten:

  • Kjenner du ham? – Kennst du ihn?
  • Hjelp meg! – Hilf mir!
  • Gi meg boka! – Gib mir das Buch!

Nach Präpositionen

Auch nach einer Präposition wie med („mit“), til („zu, an“), for („für“) oder hos („bei“) stehen die Objektformen. Anders als im Deutschen verändert die Präposition das Pronomen nicht noch einmal:

  • Vil du bli med meg? – Willst du mit mir kommen?
  • Denne pakken er til deg. – Dieses Paket ist für dich.
  • Barna bor hos oss i helga. – Die Kinder wohnen am Wochenende bei uns.
  • Jeg snakket med dem. – Ich sprach mit ihnen.

Beispiele im Zusammenhang

Norwegisch Deutsch Hinweis
Hun ser meg hver morgen. Sie sieht mich jeden Morgen. meg als direktes Objekt
Jeg hjelper deg med oppgaven. Ich helfe dir bei der Aufgabe. deg entspricht hier „dir“
Kjenner du ham fra før? Kennst du ihn schon? männliche Person
Vi inviterte henne på middag. Wir luden sie zum Abendessen ein. weibliche Person
Hvor er telefonen? Jeg finner den ikke. Wo ist das Telefon? Ich finde es nicht. den bezieht sich auf en telefon
Brevet kom i går, men jeg har ikke lest det. Der Brief kam gestern, aber ich habe ihn noch nicht gelesen. det bezieht sich auf et brev
Læreren viste oss et nytt eksempel. Die Lehrkraft zeigte uns ein neues Beispiel. oss als Empfänger
Kan jeg ringe dere senere? Kann ich euch später anrufen? dere als Objekt im Plural
Vi treffer dem foran kinoen. Wir treffen sie vor dem Kino. dem statt der Subjektform de
Gi meg boka, er du snill. Gib mir bitte das Buch. Empfänger vor der Sache
Jeg sender henne en melding nå. Ich schicke ihr jetzt eine Nachricht. indirektes Objekt ohne Präposition
Denne gaven er til deg. Dieses Geschenk ist für dich. Objektform nach til
Han har ikke sett meg i dag. Er hat mich heute nicht gesehen. Objekt nach dem Partizip sett
Det liker jeg ikke. Das mag ich nicht. Objekt zur Hervorhebung am Satzanfang

Häufige Fehler

Subjektform statt Objektform

  • Falsch: Hun ser jeg.
  • Richtig: Hun ser meg.
  • Warum: Jeg ist die Form für die Person, die handelt. Nach ser ist „mich“ betroffen, deshalb steht meg.

de und dem verwechseln

  • Falsch: Vi kjenner de.
  • Richtig: Vi kjenner dem.
  • Warum: De ist das Subjekt „sie“, dem die Objektform „sie/ihnen“: De kjenner oss, og vi kjenner dem.

Den deutschen Dativ erzwingen

  • Falsch: nach einer besonderen norwegischen „Dativform“ von meg suchen
  • Richtig: Han ga meg nøkkelen.
  • Warum: Meg kann „mich“ und „mir“ bedeuten. Norwegisch hat hier keine getrennten Formen wie der deutsche Akkusativ und Dativ.

Für jede Sache automatisch det verwenden

  • Falsch: Hvor er bilen? Jeg ser det ikke.
  • Richtig: Hvor er bilen? Jeg ser den ikke.
  • Warum: Das Pronomen richtet sich nach dem norwegischen Nomen. En bil gehört zum Utrum und wird durch den ersetzt; bei et hus wäre det richtig.

Bei Rückbezug auf das Subjekt ham oder henne setzen

  • Falsch: Hun vasker henne. – wenn dieselbe Frau gemeint ist
  • Richtig: Hun vasker seg.
  • Warum: In der dritten Person zeigt seg, dass Subjekt und Objekt dieselbe Person sind. Hun vasker henne bedeutet, dass sie eine andere Frau wäscht.

Das Objekt wie im Deutschen zu früh setzen

  • Falsch: Jeg deg ringer senere.
  • Richtig: Jeg ringer deg senere.
  • Warum: Ein unbetontes deutsches Pronomen kann vor Teilen des Verbs stehen, etwa in „Ich werde dich anrufen“. Im norwegischen Hauptsatz folgt deg hier auf das Verb beziehungsweise den Infinitiv: Jeg skal ringe deg.

Hinweise zum Gebrauch

ham und gesprochenes han

Ham ist die eindeutige Objektform zu han und für Lernende die sicherste Wahl: Jeg så ham. In heutiger norwegischer Alltagssprache, besonders im Bokmål, hört und liest man jedoch auch han als Objekt: Jeg så han. Das ist weit verbreitet und in modernen Normen möglich, wirkt aber je nach Region, Textsorte und Sprecher unterschiedlich. Wer zunächst konsequent han als Subjekt und ham als Objekt verwendet, bleibt klar und vermeidet Verwechslungen.

dere bleibt unverändert

Deutsch unterscheidet „ihr“ und „euch“, Norwegisch verwendet in beiden Funktionen dere:

  • Dere kommer i morgen. – Ihr kommt morgen.
  • Jeg møter dere i morgen. – Ich treffe euch morgen.

Die Satzposition zeigt, welche Funktion gemeint ist.

den und det können auch auf eine ganze Aussage zeigen

Det verweist nicht nur auf ein sächliches Nomen. Es kann auch eine Situation, einen Gedanken oder etwas allgemein Gemeintes aufnehmen:

  • Kommer hun? Det vet jeg ikke. – Kommt sie? Das weiß ich nicht.
  • Det forstår jeg. – Das verstehe ich.

In solchen Fällen lässt sich det meist natürlich mit „das“ übersetzen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Feinheiten müssen auf A2 noch nicht aktiv beherrscht werden. Sie erklären aber Satzmuster, die in natürlichen Gesprächen und späteren Texten häufig vorkommen.

Kurze Pronomen und ikke

Ein kurzes, unbetontes Objektpronomen kann im einfachen Hauptsatz vor ikke stehen:

  • Jeg så ham ikke. – Ich sah ihn nicht.
  • Hun kjenner meg ikke. – Sie kennt mich nicht.

Ein volles Nomen steht dagegen häufig nach ikke: Jeg så ikke mannen. Bei zusammengesetzten Verbformen bleibt das Pronomen normalerweise beim infiniten Verb: Jeg har ikke sett ham. In einem Nebensatz steht ikke vor dem finiten Verb: … fordi jeg ikke så ham. Dieses Muster wird oft Objektverschiebung genannt; damit ist gemeint, dass ein kurzes Pronomen weiter nach vorn rückt als ein gewöhnliches Nomen.

Empfänger mit oder ohne til

Bei Verben des Gebens und Sendens kann der Empfänger direkt vor der Sache stehen:

  • Jeg ga henne boka. – Ich gab ihr das Buch.

Er kann auch mit til ausgedrückt werden, besonders wenn die Sache zuerst genannt oder hervorgehoben wird:

  • Jeg ga boka til henne. – Ich gab ihr das Buch.
  • Jeg sendte den til ham. – Ich schickte sie ihm.

Die beiden Bauweisen sind nicht bloß Wort-für-Wort-Abbilder des deutschen Dativs. Am besten lernt man häufige Verben direkt mit einem ganzen Satzmuster.

Rückbezügliche und nicht rückbezügliche Bedeutung

In der ersten und zweiten Person sind Objekt- und Reflexivform gleich: Jeg vasker meg, Du setter deg. In der dritten Person unterscheidet Norwegisch dagegen deutlich:

  • Han vasker seg. – Er wäscht sich selbst.
  • Han vasker ham. – Er wäscht einen anderen Mann.

Dasselbe gilt im Plural: De forsvarer seg („Sie verteidigen sich selbst“) steht De forsvarer dem („Sie verteidigen sie, also andere Personen“) gegenüber.

Höfliche Großschreibung in älteren Texten

In älteren Briefen oder sehr förmlichen Texten können De und Dem als höfliche Anrede für eine einzelne Person erscheinen. Im heutigen norwegischen Alltag ist diese Anrede selten und kann auffällig distanziert oder altmodisch wirken. Üblicher ist du/deg, auch in vielen Situationen, in denen man auf Deutsch „Sie/Ihnen“ sagt.

Übungstipps

  1. Lerne die Formen paarweise. Sprich Reihen wie jeg–meg, du–deg, han–ham, hun–henne, vi–oss, de–dem. Bilde anschließend zu jedem Paar zwei Sätze: Jeg ser henne. Hun ser meg.
  2. Übersetze nicht nur einzelne Wörter. Notiere kleine Satzmuster wie hjelpe meg, ringe deg, snakke med henne und gi dem boka. So lernst du Verb, Präposition und Stellung gemeinsam.
  3. Übe mit Dingen in deiner Umgebung. Benenne zuerst den Gegenstand und ersetze ihn dann: Her er en kopp. Jeg tar den.Her er et glass. Jeg tar det. Dadurch wird die Wahl zwischen den und det schnell automatisch.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Personalpronomen – zeigt die Subjektformen, von denen die Objektformen unterschieden werden.
  • Als Nächstes: Reflexive Verben – erklärt meg, deg, seg, oss und dere, wenn die Handlung auf das Subjekt zurückgeht.

Voraussetzung

Personalpronomen im NorwegischenA1

Mehr A2-Konzepte

Dieses Konzept in anderen Sprachen

In allen Sprachen vergleichen

Übe Objektspronomen auf Norwegisch mit einem kostenlosen Settemila-Lingue-Konto. Wir richten Norwegisch · A2 ein und erstellen Karten genau zu diesem Grammatikkonzept.

Dieses Konzept üben