A1

Die drei Substantivgeschlechter im Norwegischen

Substantivets Kjønn

Dieser Artikel ist Teil des Norwegisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Norwegische Substantive (Wörter für Personen, Dinge oder Begriffe) haben drei grammatische Geschlechter: Maskulinum mit en, Femininum mit ei und Neutrum mit et: en bil, ei jente, et hus. Im Bokmål dürfen viele feminine Wörter auch wie maskuline behandelt werden, etwa ei bok oder en bok. Das Geschlecht muss trotzdem mitgelernt werden, denn es beeinflusst weitere Formen des Wortes.

Überblick

Das grammatische Geschlecht, auch Genus genannt, teilt Substantive in Wortklassen ein. Es beschreibt nicht automatisch das biologische oder soziale Geschlecht: et menneske „ein Mensch“ ist zum Beispiel sächlich, obwohl ein Mensch selbstverständlich jedes Geschlecht haben kann. Umgekehrt haben auch Gegenstände ein Genus, etwa en stol „ein Stuhl“, ei dør „eine Tür“ und et bord „ein Tisch“.

Dieses System gehört zu den ersten Grundlagen auf Niveau A1. Man braucht es schon für den unbestimmten Artikel (die Form für „ein/eine“), später aber auch für die bestimmte Form, Adjektive, Possessivformen und Demonstrativformen. Wer nur das nackte Wort hus lernt, weiß noch nicht, ob en hus oder et hus richtig ist. Deshalb ist et hus die sinnvollere Lerneinheit.

Deutschsprachige Lernende kennen drei Geschlechter bereits von der, die, das. Das hilft beim Verständnis des Prinzips, aber nicht bei der Wahl des norwegischen Genus. Die Zuordnung stimmt häufig nicht überein: Deutsch sagt das Auto, Norwegisch aber en bil; Deutsch sagt der Tisch, Norwegisch jedoch et bord. Das deutsche Geschlecht darf daher nicht einfach übertragen werden.

So funktioniert es

Die drei Grundmuster

Genus Norwegische Bezeichnung Unbestimmter Artikel Beispiel Bedeutung
Maskulinum hankjønn en en bil ein Auto
Femininum hunkjønn ei ei jente ein Mädchen
Neutrum intetkjønn et et hus ein Haus

Die Artikel en, ei, et stehen nur bei einem einzelnen, unbestimmten Nomen. Im Plural verwendet man sie nicht: en bil wird zu biler, nicht zu einer Form mit en. Die Bildung des Plurals ist ein eigenes Thema.

Die einfachste Anfängerregel lautet daher:

  1. Lerne jedes neue Substantiv mit seinem Artikel: en stol, ei seng, et vindu.
  2. Behandle en als maskulin, ei als feminin und et als neutral.
  3. Prüfe die Angabe im Wörterbuch, statt vom deutschen Wort auszugehen.

Maskuline Substantive mit en

Sehr viele norwegische Substantive gehören zum Maskulinum. Dazu zählen zahlreiche Personenbezeichnungen und viele alltägliche Gegenstände:

  • en mann — ein Mann
  • en lærer — ein Lehrer oder eine Lehrkraft
  • en dag — ein Tag
  • en telefon — ein Telefon
  • en bil — ein Auto

Das natürliche Geschlecht einer Person kann einen Hinweis geben, ist aber keine vollständige Regel. Berufsbezeichnungen wie en lærer können Menschen verschiedener Geschlechter bezeichnen und bleiben grammatisch maskulin.

Feminine Substantive mit ei

Typische feminine Wörter sind zum Beispiel:

  • ei jente — ein Mädchen
  • ei kvinne — eine Frau
  • ei bok — ein Buch
  • ei dør — eine Tür
  • ei uke — eine Woche

Im Bokmål hat das Femininum eine Besonderheit: Wörter, die feminin sein können, dürfen meist auch nach dem maskulinen Muster stehen. Deshalb sind sowohl ei bok als auch en bok korrekt. Entsprechend begegnet man in der bestimmten Form sowohl boka als auch boken.

Für den Anfang ist es sinnvoll, pro Wort ein zusammengehöriges Muster zu lernen:

Gewähltes Muster Unbestimmt Bestimmt Bedeutung
feminin ei bok boka ein Buch / das Buch
maskulin en bok boken ein Buch / das Buch

Das bedeutet nicht, dass ei unwichtig wäre. Viele Sprechweisen und Schreibstile verwenden feminine Formen regelmäßig. Außerdem ist die Unterscheidung in Nynorsk, der zweiten norwegischen Schriftsprache, grundsätzlich fester verankert.

Neutrale Substantive mit et

Neutrale Wörter stehen mit et:

  • et hus — ein Haus
  • et barn — ein Kind
  • et språk — eine Sprache
  • et bilde — ein Bild
  • et problem — ein Problem

Gerade hier entstehen viele Fehler, weil Lernende en als eine Art Standardartikel verwenden. Bei einem neutralen Wort ist et jedoch nötig. Das Neutrum ist außerdem an der Adjektivform oft deutlich zu erkennen: et stort hus „ein großes Haus“.

Warum das Genus mehr als nur den Artikel bestimmt

Das Geschlecht zeigt sich an mehreren Stellen. Die folgende Übersicht stellt die regelmäßigen Grundmuster gegenüber:

Funktion Maskulinum Femininum Neutrum
unbestimmt en bil ei jente et hus
bestimmt bilen jenta huset
mit Adjektiv en ny bil ei ny jente et nytt hus
„mein/meine“ min bil mi jente mitt hus
„dieser/diese/dieses“ denne bilen denne jenta dette huset

Die bestimmte Form bezeichnet etwas Bestimmtes, also ungefähr „das Auto“ oder „das Haus“. Anders als im Deutschen hängt Norwegisch den bestimmten Artikel normalerweise an das Substantiv an: bil-en, jent-a, hus-et. Bei Adjektiven und Possessivformen nennt man die Anpassung an das Substantiv Kongruenz — die beteiligten Wörter bekommen also eine zum Genus passende Form.

Für A1 genügt zunächst diese klare Verbindung:

  • en → häufig bestimmte Endung -en
  • ei → häufig bestimmte Endung -a
  • et → häufig bestimmte Endung -et

Einzelne Wörter können unregelmäßige Formen haben. Der Artikel bleibt deshalb die wichtigste, aber nicht die einzige Lernhilfe.

Kann man das Genus am Wort erkennen?

Nur teilweise. Manche Wortgruppen liefern Hinweise, doch es gibt keine so zuverlässige Endungsregel wie bei vielen deutschen Wörtern auf -ung oder -chen. Auch im Deutschen muss man der Tisch und das Buch einzeln lernen; im Norwegischen gilt dasselbe.

Bei zusammengesetzten Wörtern bestimmt normalerweise der letzte Bestandteil das Genus. Et barnerom „ein Kinderzimmer“ ist neutral, weil rom neutral ist. En sommerdag „ein Sommertag“ ist maskulin, weil dag maskulin ist. Diese Regel hilft aber erst, wenn das Geschlecht des letzten Bestandteils bekannt ist.

Beispiele im Zusammenhang

Norwegisch Deutsch Hinweis
Jeg trenger en stol. Ich brauche einen Stuhl. stol ist maskulin.
Hun har kjøpt en ny bil. Sie hat ein neues Auto gekauft. Das norwegische Genus stimmt nicht mit dem deutschen überein.
Vi møter en lærer utenfor skolen. Wir treffen vor der Schule eine Lehrkraft. Die Berufsbezeichnung bleibt grammatisch maskulin.
Ei jente venter på bussen. Ein Mädchen wartet auf den Bus. Feminines Grundmuster mit ei.
Jeg leser ei bok om Norge. Ich lese ein Buch über Norwegen. Im Bokmål ist auch en bok möglich.
Boka ligger på bordet. Das Buch liegt auf dem Tisch. Die Endung -a zeigt die feminine bestimmte Form.
Kan du lukke døra? Kannst du die Tür schließen? døra gehört zum Muster ei dør.
De bor i et gammelt hus. Sie wohnen in einem alten Haus. Das Adjektiv erhält im Neutrum -t.
Barnet tegner et bilde. Das Kind zeichnet ein Bild. bilde ist neutral.
Jeg vil gjerne ha et glass vann. Ich hätte gern ein Glas Wasser. glass steht hier mit et.
Huset har en stor hage. Das Haus hat einen großen Garten. huset ist bestimmt und neutral; hage ist maskulin.
Hun snakker et nytt språk. Sie spricht eine neue Sprache. Deutsch feminin, Norwegisch neutral.
Dette er min sykkel, og det er mitt sete. Das ist mein Fahrrad, und das ist mein Sitz. min bei Maskulinum, mitt bei Neutrum.
Denne uka jobber jeg hjemme. Diese Woche arbeite ich zu Hause. Feminin: ei uke – uka; denne gilt für Maskulinum und Femininum.

Häufige Fehler

Das deutsche Geschlecht übertragen

  • Falsch: et bil — nach deutschem „das Auto“
  • Richtig: en bil
  • Warum: Die Genuszuordnung ist in beiden Sprachen eigenständig. Lerne nicht nur bil, sondern en bil.

en vor jedem Substantiv verwenden

  • Falsch: en hus
  • Richtig: et hus
  • Warum: Norwegisch hat keinen einzigen universellen Artikel für alle Substantive. Neutrale Wörter verlangen et.

Natürliches und grammatisches Geschlecht gleichsetzen

  • Falsch: en menneske
  • Richtig: et menneske
  • Warum: Die Bedeutung „Mensch“ macht das Wort nicht maskulin. Grammatisch ist menneske neutral.

Das Adjektiv nicht an das Neutrum anpassen

  • Falsch: et stor hus
  • Richtig: et stort hus
  • Warum: Viele Adjektive erhalten bei einem einzelnen neutralen Substantiv ein -t. Der Artikel und das Adjektiv müssen zum selben Genus passen.

Feminine Formen für grundsätzlich falsch halten

  • Nicht nötig: en jente ist im Bokmål zulässig.
  • Ebenfalls richtig: ei jente
  • Warum: Bokmål erlaubt bei femininen Substantiven oft das maskuline Muster. Ei jente ist deshalb weder umgangssprachlich falsch noch eine bloße Dialektform. Welche Variante natürlich wirkt, hängt unter anderem von Region und Schreibstil ab.

Das Genus nur aus der Endung erraten

  • Unsicher: „Das Wort endet auf -e, also muss es feminin sein.“
  • Besser: ei/en jente, aber et bilde und en hage
  • Warum: Dieselbe Endung kann bei verschiedenen Geschlechtern vorkommen. Eine Wörterbuchangabe ist zuverlässiger als eine Vermutung.

Hinweise zum Gebrauch

Die Formen in diesem Artikel gehören zum Bokmål, der am häufigsten verwendeten norwegischen Schriftsprache. Bokmål lässt bei vielen femininen Substantiven eine Wahl zwischen dem femininen und dem maskulinen Muster zu. Ein Text mit en bok – boken kann deshalb genauso standardsprachlich sein wie ein Text mit ei bok – boka.

Welche Formen tatsächlich häufig sind, hängt von Region, Dialekt, persönlichem Sprachgebrauch und Stil ab. Manche Sprecherinnen und Sprecher verwenden ei und -a sehr regelmäßig. Andere bevorzugen in ihrer gesprochenen oder geschriebenen Sprache en und -en. Oft werden einzelne sehr geläufige feminine Formen wie jenta, boka oder hytta auch in einem sonst eher maskulin geprägten Stil verwendet. Für Lernende ist eine nachvollziehbare Linie pro Wort zunächst leichter als ein ständiger Wechsel.

Nynorsk funktioniert anders: Dort lauten die unbestimmten Artikel ein, ei und eit, und die drei Geschlechter werden konsequenter unterschieden. Wer gerade Bokmål lernt, sollte diese Systeme nicht vermischen: ein bil und eit hus sind Nynorsk, en bil und et hus Bokmål.

Auch die Aussprache kann regional deutlich variieren. Die Wahl zwischen en und ei ist daher nicht bloß eine Frage von „formell“ gegen „informell“. Beide feminine Varianten können in korrektem Bokmål stehen; sie vermitteln aber je nach Umfeld unterschiedliche regionale oder stilistische Eindrücke.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Zusammenhänge müssen auf A1 noch nicht vollständig beherrscht werden. Sie erklären aber, warum das Genus auch später immer wieder wichtig wird.

Bestimmtheit mit Adjektiv

Steht ein Adjektiv bei einem bestimmten Substantiv, erscheint im Bokmål gewöhnlich sowohl ein vorangestelltes Bestimmungswort als auch die Endung am Nomen:

  • den store bilen — das große Auto
  • den store boka — das große Buch
  • det store huset — das große Haus

Diese sogenannte doppelte Bestimmtheit unterscheidet sich deutlich vom Deutschen. Das Genus entscheidet hier zwischen den für Maskulinum und Femininum sowie det für Neutrum. Das Adjektiv hat in allen drei bestimmten Beispielen die Form auf -e.

Possessiv- und Demonstrativformen

Bei Formen wie „mein“ richtet sich die Form nach dem Besitz, nicht nach der besitzenden Person:

  • min bil — mein Auto
  • mi bok — mein Buch, mit femininem Muster
  • mitt hus — mein Haus
  • mine bøker — meine Bücher

Entsprechend unterscheidet man denne bei einem einzelnen maskulinen oder femininen Wort und dette bei einem neutralen Wort: denne bilen, denne boka, dette huset. Im Plural steht disse.

Pronomen für Sachen

Wenn ein bereits genanntes Ding durch ein Pronomen ersetzt wird, verwendet man häufig den für maskuline und feminine Wörter und det für neutrale:

  • Hvor er bilen? Den står ute. — Wo ist das Auto? Es steht draußen.
  • Hvor er huset? Det ligger ved sjøen. — Wo ist das Haus? Es liegt am Meer.

Das Genus bleibt also relevant, auch wenn der Artikel selbst nicht mehr zu sehen ist. Bei Personen richtet sich das Pronomen dagegen nach der gemeinten Person und dem passenden sprachlichen Bezug, nicht einfach mechanisch nach dem Wörterbuchgenus der Berufsbezeichnung.

Schwankendes Genus und Wörterbuchangaben

Wörterbücher kennzeichnen das Genus oft mit Abkürzungen wie m., f. und n. oder mit den Artikeln selbst. Eine Angabe m./f. bedeutet, dass im Bokmål beide Muster möglich sind. Bei solchen Wörtern kann die Wahl auch die bestimmte Form und passende Possessivformen verändern: en bok – boken – min bok gegenüber ei bok – boka – mi bok.

Bei neuen Lehnwörtern und bei regional unterschiedlich gebrauchten Wörtern kann die tatsächliche Verteilung schwanken. Für eine sichere Standardsprache ist ein aktuelles Bokmål-Wörterbuch maßgeblich; spontane Analogien sind weniger zuverlässig.

Lerntipps

  1. Schreibe den Artikel immer mit auf. Verwende auf Karteikarten nicht bord = Tisch, sondern et bord = Tisch. Sprich Artikel und Substantiv als Einheit laut aus.
  2. Lerne Dreierketten. Bilde zu jedem neuen Wort eine kleine Reihe wie et hus – huset – et stort hus. So wird sichtbar, dass Artikel, Endung und Adjektiv zusammengehören.
  3. Markiere das Genus, aber nicht nach deutschem Muster. Drei Farben können helfen. Ordne die Farbe ausschließlich dem norwegischen Artikel en, ei, et zu, damit „das Auto“ nicht versehentlich zu et bil führt.
  4. Achte beim Lesen auf feminine Varianten. Notiere bei einem Wort wie bok, ob der Text boka oder boken verwendet. So entwickelst du ein Gefühl für unterschiedliche, aber korrekte Bokmål-Stile.

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