Genus der Substantive im Deutschen
Genus der Substantive
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Kurz gesagt
Jedes deutsche Substantiv hat ein festes grammatisches Genus: maskulin mit der, feminin mit die oder neutral mit das. Lernen Sie deshalb ein neues Substantiv immer zusammen mit seinem Artikel: nicht nur Tisch, sondern der Tisch. Endungen wie -ung, -heit und -chen geben oft einen zuverlässigen Hinweis; für viele andere Wörter muss das Genus mitgelernt werden.
Überblick
Ein Substantiv oder Nomen (ein Wort für Personen, Dinge, Lebewesen oder abstrakte Begriffe) gehört im Deutschen zu einer von drei Genusklassen. Genus bedeutet grammatisches Geschlecht. Die drei Klassen heißen Maskulinum, Femininum und Neutrum. Im Nominativ, also in der Grundform etwa beim Subjekt eines Satzes, erkennt man sie an den bestimmten Artikeln der, die und das: der Tisch, die Lampe, das Buch.
Dieses Thema gehört zu den Grundlagen auf Niveau A1, denn das Genus beeinflusst später nicht nur den Artikel. Auch Pronomen und die Endungen von Adjektiven richten sich danach: der neue Tisch – er, die neue Lampe – sie, das neue Buch – es. Wer das Genus gleich mit dem Wortschatz lernt, erspart sich später viel Nacharbeit.
Grammatisches Geschlecht und natürliches oder biologisches Geschlecht sind nicht dasselbe. Bei Personen stimmen beide häufig überein, etwa der Lehrer und die Lehrerin. Die Sache oder Person selbst bestimmt das Genus aber nicht immer: Es heißt das Mädchen, weil die Verkleinerungsendung -chen grammatisch immer neutral ist. Auch Gegenstände besitzen natürlich kein biologisches Geschlecht; dass Tisch maskulin und Lampe feminin ist, gehört einfach zu diesen Wörtern.
So funktioniert es
Die drei Genera
| Genus | Bestimmter Artikel im Nominativ | Unbestimmter Artikel | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Maskulinum | der | ein | der Tisch, ein Tisch |
| Femininum | die | eine | die Lampe, eine Lampe |
| Neutrum | das | ein | das Buch, ein Buch |
Bei ein kann man im Nominativ nicht erkennen, ob ein Substantiv maskulin oder neutral ist: ein Tisch und ein Buch. Darum eignet sich der bestimmte Artikel besser zum Lernen des Genus.
Personenbezeichnungen
Bezeichnungen für männliche Personen sind gewöhnlich maskulin, Bezeichnungen für weibliche Personen feminin:
- der Vater – die Mutter
- der Lehrer – die Lehrerin
- der Student – die Studentin
- der Verkäufer – die Verkäuferin
Die Endung -in bildet bei vielen Personen- und Berufsbezeichnungen die feminine Form. Dabei kann sich auch der Wortstamm verändern: der Arzt – die Ärztin, der Koch – die Köchin.
Diese Regel beschreibt Wörter, nicht automatisch die Geschlechtsidentität jeder bezeichneten Person. Außerdem gibt es neutrale Personenbezeichnungen wie das Kind, das Baby, das Mitglied und wegen der Endung -chen auch das Mädchen. Das zeigt besonders deutlich: Genus ist eine Eigenschaft des Substantivs.
Endungen als Wegweiser
Einige Endungen sind sehr verlässlich. Sie sind beim Lesen und beim Lernen nützlicher als Vermutungen nach der Bedeutung.
| Genus | Typische Endungen | Beispiele | Verlässlichkeit |
|---|---|---|---|
| feminin | -ung, -heit, -keit, -schaft, -ei | die Zeitung, die Freiheit, die Möglichkeit, die Freundschaft, die Bäckerei | sehr hoch |
| feminin | -ion, -tät, -ik, -ur | die Information, die Universität, die Musik, die Kultur | bei entsprechenden Fremdwörtern hoch |
| neutral | -chen, -lein | das Mädchen, das Brötchen, das Büchlein | sehr hoch |
| neutral | substantivierter Infinitiv | das Essen, das Lesen, das Schwimmen | sehr hoch |
| neutral | häufig -ment, -um, -ma | das Dokument, das Museum, das Thema | häufig, aber nicht ausnahmslos |
| maskulin | -ling, -ismus | der Schmetterling, der Lehrling, der Tourismus | sehr hoch |
| maskulin | häufig -er, -or bei Personen oder Geräten | der Fahrer, der Drucker, der Motor | häufig, aber nicht jedes Wort auf -er |
Substantivierter Infinitiv bedeutet: Die Grundform eines Verbs wird wie ein Substantiv verwendet. Sie wird dann großgeschrieben und ist neutral: lesen → das Lesen, reisen → das Reisen. In Das Lesen macht mir Spaß ist Lesen also ein Substantiv.
Vorsicht bei kurzen scheinbaren Endungen. Nicht jedes Wort, das zufällig mit denselben Buchstaben endet, gehört zum Muster. Die Mutter und die Butter enden zwar auf -er, sind aber feminin; das Fenster ist neutral. Die Endung -er ist deshalb nur in bestimmten Wortgruppen ein guter Hinweis.
Bedeutungsgruppen als Merkhilfe
Auch die Bedeutung kann Hinweise geben. Solche Gruppen sind nützlich, haben aber häufiger Ausnahmen als die starken Endungsmuster.
- Wochentage, Monate und Jahreszeiten sind meist maskulin: der Montag, der Januar, der Sommer. Eine wichtige Ausnahme ist das Frühjahr.
- Himmelsrichtungen sind maskulin: der Norden, der Süden.
- Viele Automarken werden maskulin gebraucht: der BMW, der Toyota. Gemeint ist dabei meist der Wagen oder der Pkw.
- Viele Baum- und Blumenbezeichnungen sind feminin: die Eiche, die Birke, die Rose, die Tulpe. Es gibt jedoch Ausnahmen wie der Ahorn.
- Hotels, Kinos und Cafés werden häufig neutral gebraucht: das Hilton, das Capitol, das Café Central. Bei Eigennamen und regionalem Gebrauch kann die Form schwanken.
Behandeln Sie diese Gruppen als Gedächtnisstützen, nicht als unveränderliche Naturgesetze. Wenn Wörterbuch und Vermutung einander widersprechen, gilt die Wörterbuchangabe.
Zusammengesetzte Substantive
Bei einem Kompositum (einem zusammengesetzten Substantiv) bestimmt das letzte Teilwort das Genus. Dieses letzte Element heißt Grundwort:
- das Haus + die Tür → die Haustür
- die Wörter + das Buch → das Wörterbuch
- kühl + der Schrank → der Kühlschrank
- die Arbeit + das Zimmer → das Arbeitszimmer
- die Sprache + der Kurs → der Sprachkurs
Diese Regel ist ausgesprochen zuverlässig. Suchen Sie bei langen Wörtern zuerst das Grundwort am Ende. Bei Krankenhausverwaltung entscheidet beispielsweise die Verwaltung, also heißt es die Krankenhausverwaltung.
Genus und Plural auseinanderhalten
Im Plural lautet der bestimmte Artikel im Nominativ bei allen Substantiven die:
| Singular | Plural |
|---|---|
| der Tisch | die Tische |
| die Lampe | die Lampen |
| das Buch | die Bücher |
Das die im Plural bedeutet daher nicht, dass ein Wort feminin geworden ist. Das Genus gehört zur Singularform. Lernen Sie bei neuem Wortschatz am besten drei Teile: Artikel + Singular + Plural, zum Beispiel das Buch, die Bücher.
Das Genus bleibt, der Artikel verändert sich
Das Genus eines Substantivs bleibt grundsätzlich gleich. Der sichtbare Artikel kann sich jedoch durch den Kasus ändern, also durch die grammatische Rolle des Wortes im Satz:
| Kasus | Maskulines Beispiel |
|---|---|
| Nominativ | der Tisch |
| Akkusativ | den Tisch |
| Dativ | dem Tisch |
| Genitiv | des Tisches |
Den Tisch ist weiterhin maskulin. Den zeigt nicht ein anderes Genus, sondern die Verbindung aus Maskulinum und Akkusativ. Für den Anfang genügt es, das Genus an der Nominativform der, die, das zu lernen.
Beispiele im Zusammenhang
| Deutsches Beispiel | Bedeutung oder Umschreibung | Hinweis |
|---|---|---|
| Der Tisch steht am Fenster. | Der Tisch befindet sich neben dem Fenster. | Tisch ist maskulin. |
| Die Lampe ist noch an. | Das Licht der Lampe brennt noch. | Lampe ist feminin. |
| Ich lese gerade das Buch. | Im Moment lese ich dieses Buch. | Buch ist neutral; im Akkusativ bleibt das gleich. |
| Der Lehrer erklärt die Aufgabe. | Eine männliche Lehrkraft erklärt, was zu tun ist. | Männliche Personenbezeichnung. |
| Die Lehrerin beantwortet eine Frage. | Eine weibliche Lehrkraft gibt eine Antwort. | Die Endung -in kennzeichnet die feminine Form. |
| Das Mädchen fährt mit dem Fahrrad zur Schule. | Ein junges Mädchen fährt zur Schule. | Trotz der Person ist das Wort wegen -chen neutral. |
| Die Entscheidung war nicht leicht. | Es war schwierig, sich zu entscheiden. | Substantive auf -ung sind feminin. |
| Das Schwimmen tut meinem Rücken gut. | Zu schwimmen ist gut für meinen Rücken. | Substantivierter Infinitiv: neutral. |
| Der Schmetterling sitzt auf einer Blume. | Ein Schmetterling hat sich auf einer Blume niedergelassen. | Die Endung -ling ist maskulin. |
| Wir treffen uns vor dem Museum. | Unser Treffpunkt liegt vor dem Museum. | Museum ist neutral; nach vor steht hier der Dativ dem. |
| Die Haustür ist abgeschlossen. | Die Tür des Hauses ist verschlossen. | Das letzte Teilwort Tür bestimmt das feminine Genus. |
| Wo ist mein Wörterbuch? | Ich suche das Wörterbuch, das mir gehört. | Das Grundwort Buch macht das Kompositum neutral. |
| Im Regal stehen die Bücher aus dem Kurs. | Mehrere Kursbücher stehen im Regal. | die ist hier Pluralartikel und verrät das Genus nicht. |
Häufige Fehler
Das Substantiv ohne Artikel lernen
- Ungünstig: Lampe = ein Gegenstand, der Licht gibt
- Besser: die Lampe, die Lampen
- Warum: Ohne Artikel fehlt eine wichtige Information. Später müssten Genus und Plural mühsam ergänzt werden.
Natürliches und grammatisches Geschlecht gleichsetzen
- Falsch: die Mädchen
- Richtig: das Mädchen
- Warum: Die Endung -chen verlangt immer das Neutrum. Im Plural heißt es allerdings die Mädchen, weil alle Pluralformen im Nominativ die haben.
Aus dem Pluralartikel auf das Genus schließen
- Falscher Schluss: die Bücher, also sei Buch feminin
- Richtig: das Buch – die Bücher
- Warum: Im Plural verwenden maskuline, feminine und neutrale Substantive denselben Artikel die.
Bei Komposita auf das erste Wort schauen
- Falsch: das Haustür, weil es das Haus heißt
- Richtig: die Haustür
- Warum: Das letzte Teilwort bestimmt das Genus: die Tür.
Jede Endung als feste Regel behandeln
- Falsch: der Fenster, weil viele Personen- und Gerätenamen auf -er maskulin sind
- Richtig: das Fenster
- Warum: Manche Muster gelten nur für bestimmte Wortgruppen. Sehr sichere Endungen wie -ung oder -chen sind von bloßen Buchstabenfolgen zu unterscheiden.
Den veränderten Artikel für ein neues Genus halten
- Falscher Schluss: In Ich sehe den Tisch sei Tisch nicht mehr maskulin.
- Richtig: Die Grundform bleibt der Tisch.
- Warum: den kennzeichnet hier den Akkusativ; das Genus bleibt maskulin.
Hinweise zum Gebrauch
Im Wörterbuch wird das Genus oft mit m., f. und n. oder mit mask., fem. und neutr. angegeben. In Wortlisten sind auch Schreibweisen wie Tisch, m., Lampe, f. und Buch, n. üblich. Für das aktive Lernen sind der Tisch, die Lampe und das Buch meist leichter abrufbar als abstrakte Kürzel.
Bei Personenbezeichnungen hängt die passende Wortwahl vom Zusammenhang ab. Paarformen wie Lehrer und Lehrerinnen oder Kurzformen wie Lehrkräfte können unterschiedliche Personengruppen sichtbar machen. Diese Frage des Sprachgebrauchs ändert nichts an der grammatischen Grundregel: Lehrer ist maskulin, Lehrerin feminin und Lehrkraft ebenfalls feminin, unabhängig davon, welche konkrete Person gemeint ist.
Einige Substantive kommen mit mehr als einem Genus vor. Unterschiede können regional sein oder mit der Bedeutung zusammenhängen. Verlässliche Wörterbücher kennzeichnen solche Varianten. Für Lernende ist es sinnvoll, zunächst die in der eigenen Lernumgebung übliche Standardform zu verwenden, statt bei jedem Wort mehrere Möglichkeiten anzunehmen.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Feinheiten müssen Sie auf A1 noch nicht beherrschen. Sie erklären aber Formen, denen Sie später begegnen werden.
Gleiches Wort, anderes Genus, andere Bedeutung
Bei einigen gleich geschriebenen Substantiven unterscheidet das Genus die Bedeutung:
| Form | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| der See | größeres Binnengewässer | Der Bodensee liegt im Süden Deutschlands. |
| die See | Meer | Die See ist heute ruhig. |
| der Band | einzelner Teil einer Buchreihe | Der dritte Band erscheint morgen. |
| die Band | Musikgruppe | Die Band spielt heute Abend. |
| das Band | schmaler Streifen; Verbindung | Sie trägt ein rotes Band im Haar. |
| der Leiter | Person, die etwas leitet | Der Leiter eröffnet die Sitzung. |
| die Leiter | Gerät mit Sprossen | Die Leiter steht an der Wand. |
Hier muss der Artikel zusammen mit der jeweiligen Bedeutung gelernt werden. Der Artikel ist nicht bloß Begleiter, sondern hilft beim Verstehen.
Pronomen und Übereinstimmung
Pronomen greifen normalerweise das grammatische Genus auf: Der Tisch ist alt. Er steht im Keller. – Die Lampe ist neu. Sie ist sehr hell. – Das Buch ist spannend. Es liegt auf dem Sofa. Diese Übereinstimmung nennt man Kongruenz, also die Anpassung grammatischer Formen aneinander.
Bei Personen kann im weiteren Text manchmal die natürliche Person stärker wirken als das grammatische Genus, besonders bei Wörtern wie Mädchen. Direkt nach dem Substantiv ist die grammatische Form jedoch die sichere Grundregel: Das Mädchen hat sein Fahrrad abgestellt. In längeren Texten hängen Pronomenwahl und Stil auch davon ab, ob die Person oder das Wort selbst im Mittelpunkt steht.
Abkürzungen und Kurzwörter
Abkürzungen übernehmen meistens das Genus ihres vollständigen Grundworts: die WG wegen die Wohngemeinschaft, die Uni wegen die Universität, der Lkw wegen der Lastkraftwagen. Bei Kurzwörtern, Fremdwörtern und Markennamen kann der tatsächliche Sprachgebrauch jedoch schwanken. In Zweifelsfällen hilft ein aktuelles Wörterbuch mit Beispielsätzen.
Lerntipps
- Lernen Sie Wortpakete. Schreiben und sprechen Sie der Tisch – die Tische, die Lampe – die Lampen, das Buch – die Bücher. Verwenden Sie für jedes Wort zusätzlich einen kurzen Satz.
- Sortieren Sie nach starken Mustern. Sammeln Sie beispielsweise die Zeitung, die Wohnung, die Rechnung unter -ung und das Brötchen, das Mädchen, das Häuschen unter -chen. So lernen Sie nicht nur Einzelwörter, sondern produktive Regeln.
- Markieren Sie Fehler gezielt. Notieren Sie nicht einfach „Artikel falsch“, sondern die richtige Einheit, etwa das Problem. Wiederholen Sie besonders Wörter, bei denen Ihre spontane Vermutung oft nicht stimmt.
Verwandte Themen
- Weiterlernen: Bestimmte Artikel im Nominativ — zeigt, wie der, die und das in einfachen Sätzen verwendet werden.
- Weiterlernen: Unbestimmte Artikel im Nominativ — verbindet das Genus mit ein und eine.
- Weiterlernen: Pluralbildung — ergänzt jedes Substantiv um seine Pluralform und erklärt, warum im Plural immer die steht.
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