A1

Häufige unregelmäßige Verben im Norwegischen

Vanlige Uregelrette Verb

Dieser Artikel ist Teil des Norwegisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Bei häufigen unregelmäßigen Verben muss man vor allem drei Grundformen zusammen lernen: gå – gikk – gått, se – så – sett und komme – kom – kommet. Der Stammvokal oder die ganze Form kann sich ändern; die Verbform bleibt aber bei allen Personen gleich: jeg gikk, vi gikk, de gikk.

Überblick

Unregelmäßige Verben gehören schon auf A1 zum norwegischen Alltag. Wer sagen möchte, wohin jemand geht, was er sieht, wann er kommt oder was er tut, braucht Verben wie , se, komme und gjøre. Gerade diese besonders häufigen Verben folgen im Präteritum und beim Partizip oft nicht dem Muster regelmäßiger Verben.

Ein Infinitiv ist die unveränderte Grundform eines Verbs, zum Beispiel å gå „gehen“. Das Präteritum bezeichnet hier eine abgeschlossene Handlung in der Vergangenheit, etwa gikk „ging“. Das Partizip Perfekt ist die Form, die nach har steht: har gått „ist gegangen/hat zurückgelegt“. In norwegischen Wörterbüchern und Lernlisten erscheinen unregelmäßige Verben deshalb oft als Dreierreihe: gå – gikk – gått.

Für deutschsprachige Lernende gibt es eine erfreuliche Vereinfachung: Norwegische Verben haben innerhalb einer Zeitform dieselbe Form für alle Personen. Man muss also nicht wie bei „ich gehe, du gehst, er geht“ mehrere Personalformen bilden. Die Herausforderung liegt stattdessen darin, die wechselnden Stämme sicher zu speichern.

So funktioniert es

Die vier Formen, die man wirklich braucht

Beim Lernen lohnt es sich, zusätzlich zur üblichen Dreierreihe auch das Präsens mitzunehmen. So erkennt man kurze, häufige Formen wie går, ser, gjør und sier sofort.

Norwegische Formen Bedeutung Hinweis
å gå – går – gikk – gått gehen Stammwechsel im Präteritum
å se – ser – så – sett sehen drei deutlich verschiedene Stämme
å komme – kommer – kom – kommet kommen kurzer Vokal im Präteritum
å gjøre – gjør – gjorde – gjort tun, machen sehr häufig; nicht als regelmäßiges Verb ableiten
å finne – finner – fant – funnet finden Vokalwechsel i – a – u
å si – sier – sa – sagt sagen Präsens ohne sichtbares g
å ta – tar – tok – tatt nehmen stark verkürzte Formen
å få – får – fikk – fått bekommen, dürfen Bedeutung hängt vom Zusammenhang ab
å stå – står – sto – stått stehen in Bokmål ist auch stod möglich
å bli – blir – ble – blitt werden, bleiben sehr häufig für Zustandsänderungen
å skrive – skriver – skrev – skrevet schreiben typisches starkes Verb
å drikke – drikker – drakk – drukket trinken Vokalwechsel i – a – u
å vite – vet – visste – visst wissen schon das Präsens ist unregelmäßig

Die Reihenfolge in der ersten Spalte lautet immer:

  1. Infinitiv: å gå
  2. Präsens: går
  3. Präteritum: gikk
  4. Partizip Perfekt: gått

Das Infinitivzeichen å entspricht in vielen Lernkontexten dem deutschen „zu“, gehört aber nicht zum Verb selbst. Nach Modalverben steht es nicht: Jeg må gå „Ich muss gehen“. In einer Vokabelliste ist å gå trotzdem die praktischste Lernform.

Präsens: eine Form für jede Person

Auch wenn ein Verb unregelmäßig ist, wird es nicht nach Personen verändert.

Norwegisch Deutsch Form
Jeg går hjem. Ich gehe nach Hause. 1. Person Singular
Hun går hjem. Sie geht nach Hause. 3. Person Singular
Vi går hjem. Wir gehen nach Hause. 1. Person Plural
De går hjem. Sie gehen nach Hause. 3. Person Plural

Das gilt genauso in der Vergangenheit: jeg gikk, hun gikk, vi gikk, de gikk. Das Subjekt — also die Person oder Sache, die handelt — zeigt, wer gemeint ist; die Verbform bleibt unverändert.

Präteritum: die Vergangenheitsform ohne Hilfsverb

Das Präteritum steht allein und wird besonders für abgeschlossene Ereignisse in einem beendeten Zeitraum verwendet:

  • Jeg så ham i går. — Ich sah ihn gestern.
  • Vi kom klokka åtte. — Wir kamen um acht Uhr.
  • Hun gjorde leksene etter middag. — Sie machte nach dem Abendessen die Hausaufgaben.

Bei starken Verben wird das Präteritum oft durch einen Vokalwechsel gebildet. Dieser Wechsel ist nicht zuverlässig aus dem Infinitiv vorherzusagen. Deshalb ist finne – fant als Lerneinheit sinnvoller als nur finne.

Perfekt: har plus Partizip

Das Perfekt besteht aus har und dem Partizip Perfekt:

  • Jeg har gått hjem. — Ich bin nach Hause gegangen.
  • Vi har sett filmen. — Wir haben den Film gesehen.
  • De har kommet fram. — Sie sind angekommen.

Hier unterscheidet sich Norwegisch deutlich vom Deutschen. Auch bei Bewegung und Zustandsänderung verwendet man normalerweise har: har gått, har kommet, har blitt. Die deutsche Gewohnheit, „sein“ zu wählen, darf also nicht auf das Norwegische übertragen werden.

Starke und andere unregelmäßige Verben

Viele Verben dieser Gruppe sind starke Verben: Sie bilden die Vergangenheit durch einen Wechsel im Wortstamm, besonders beim Vokal, statt nur durch eine regelmäßige Endung. Beispiele sind skrive – skrev – skrevet und drikke – drakk – drukket.

„Unregelmäßig“ ist jedoch der weitere Begriff. Gjøre – gjorde – gjort und si – sa – sagt passen nicht einfach in ein produktives Standardschema und müssen ebenfalls als ganze Reihe gelernt werden. Für den Anfang ist die sprachwissenschaftliche Klasse weniger wichtig als die sichere Verwendung der tatsächlichen Formen.

Beispiele im Zusammenhang

Norwegisch Deutsch Hinweis
Jeg går til jobben hver dag. Ich gehe jeden Tag zur Arbeit. Präsens von
I går gikk vi hjem tidlig. Gestern gingen wir früh nach Hause. Präteritum mit abgeschlossenem Zeitpunkt
Har du gått hele veien? Bist du den ganzen Weg zu Fuß gegangen? Perfekt von
Hun ser en båt på fjorden. Sie sieht ein Boot auf dem Fjord. Präsens von se
Jeg så ikke meldingen din. Ich habe deine Nachricht nicht gesehen. Präteritum von se
Vi har sett denne filmen før. Wir haben diesen Film schon einmal gesehen. Partizip sett
Bussen kommer om fem minutter. Der Bus kommt in fünf Minuten. Präsens von komme
De kom for sent til møtet. Sie kamen zu spät zur Besprechung. Präteritum kom
Hva gjør du nå? Was machst du gerade? Präsens gjør
Han gjorde en feil. Er machte einen Fehler. feste Verbindung gjøre en feil
Jeg finner ikke nøklene mine. Ich finde meine Schlüssel nicht. Präsens von finne
Vi fant en hyggelig kafé. Wir fanden ein nettes Café. Präteritum fant
Hun sier at hun er trøtt. Sie sagt, dass sie müde ist. Präsens sier
Hva sa læreren? Was sagte der Lehrer? Präteritum sa
Jeg har tatt med kaffe. Ich habe Kaffee mitgebracht. ta med mit Partizip tatt

An den Beispielen sieht man auch die normale norwegische Satzstellung: In einem Aussagesatz steht das finite Verb — die Verbform, die Zeit ausdrückt — meist an zweiter Stelle. Darum folgt in I går gikk vi hjem nach I går direkt gikk.

Häufige Fehler

1. Eine regelmäßige Vergangenheitsendung anhängen

  • Falsch: I går gådde jeg hjem.
  • Richtig: I går gikk jeg hjem.
  • Warum: bildet das Präteritum nicht regelmäßig. Die Form gikk muss als Teil der Reihe gå – gikk – gått gelernt werden.

2. Präteritum und Partizip vertauschen

  • Falsch: Jeg har gikk hjem.
  • Richtig: Jeg har gått hjem.
  • Warum: Nach har steht das Partizip Perfekt gått. Gikk ist das selbstständige Präteritum und braucht kein har.

3. Das deutsche Hilfsverb „sein“ nachbilden

  • Falsch: Jeg er kommet hjem als neutrale Standardbildung des Perfekts.
  • Richtig: Jeg har kommet hjem.
  • Warum: Im heutigen neutralen Bokmål wird das Perfekt normalerweise mit har gebildet, auch bei komme, und bli. Konstruktionen mit være können besondere Zustandsbedeutungen haben, sind aber nicht die A1-Grundregel.

4. Das Verb an die Person anpassen

  • Falsch: Han gå hjem oder eine eigens erfundene Form für „er geht“.
  • Richtig: Han går hjem. Vi går hjem.
  • Warum: Im Präsens lautet die Form bei allen Personen går. Dasselbe Prinzip gilt für gikk, , kom und die anderen Vergangenheitsformen.

5. Eine Form aus dem Deutschen erraten

  • Falsch: Hun har gefunnet nøklene.
  • Richtig: Hun har funnet nøklene.
  • Warum: Verwandte germanische Verben können beim Erinnern helfen, ihre Formen sind aber nicht austauschbar. Norwegisch hat kein deutsches Partizippräfix ge-.

6. Sa und sagt gleich verwenden

  • Falsch: Han har sa det.
  • Richtig: Han har sagt det.
  • Warum: Sa steht als Präteritum allein: Han sa det. Nach har braucht man sagt.

Hinweise zum Gebrauch

Im gesprochenen Norwegisch sind kurze unregelmäßige Formen äußerst häufig. Sie sind keine gehobenen Sonderformen, sondern Grundwortschatz. Besonders går, får, gjør, sier, vet und blir sollte man auch beim Hören schnell erkennen können.

Die deutsche Übersetzung hängt mitunter vom Zusammenhang ab. kann „gehen“, „laufen“, „funktionieren“ oder „stattfinden“ bedeuten: Bussen går klokka ni heißt „Der Bus fährt um neun“, und Det går bra bedeutet „Es geht gut“. Die Formen bleiben trotzdem går – gikk – gått.

Auch ist vielseitig. Es kann „bekommen“ bedeuten (Jeg fikk en gave), aber in einer Konstruktion wie Du får gå nå auch eine Erlaubnis ausdrücken: „Du darfst jetzt gehen.“ Die unregelmäßige Reihe lautet in beiden Fällen få – fikk – fått.

Bei einigen Verben gibt es in Bokmål zugelassene Varianten. So begegnet man sowohl sto als auch stod zu stå. Für den aktiven Gebrauch genügt zunächst eine konsequent verwendete Standardform; beim Lesen und Hören sollte man die andere Variante wiedererkennen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte müssen auf A1 noch nicht aktiv beherrscht werden, helfen aber später beim Einordnen.

Präteritum oder Perfekt ist nicht immer eins zu eins wie im Deutschen

Deutschsprachige verwenden im Gespräch oft das Perfekt, wo Norwegisch bei einem klar abgeschlossenen Zeitpunkt natürlich das Präteritum setzt:

  • Jeg så henne i går. — Ich habe sie gestern gesehen.
  • Vi kom hjem klokka elleve. — Wir sind um elf Uhr nach Hause gekommen.

Das norwegische Perfekt verbindet ein früheres Geschehen häufig mit der Gegenwart oder lässt den abgeschlossenen Zeitpunkt offen: Jeg har sett filmen „Ich habe den Film gesehen“. Zeitangaben wie i går führen dagegen typischerweise zum Präteritum.

Partizipien können später wie Adjektive auftreten

Ein Partizip kann nicht nur nach har stehen, sondern auch etwas näher beschreiben: et skrevet brev „ein geschriebener Brief“ oder en funnet gjenstand „ein gefundener Gegenstand“. Dann können weitere Regeln zur Adjektivbeugung wichtig werden. Für den Anfang reicht es, skrevet und funnet sicher als Verbformen nach har zu verwenden.

Verben mit Partikeln behalten ihre unregelmäßigen Formen

Eine Partikel ist hier ein kurzes Wort wie med, ut oder opp, das zusammen mit dem Verb eine neue Bedeutung bildet. Das Grundverb bleibt unregelmäßig:

  • ta med – tok med – har tatt med — mitnehmen
  • finne ut – fant ut – har funnet ut — herausfinden
  • stå opp – sto opp – har stått opp — aufstehen

Solche Verbindungen lernt man am besten als ganze Wendungen. Die Partikel kann die Bedeutung stark verändern, aber nicht die Stammformen des Verbs.

Muster helfen, ersetzen aber nicht das Lernen

Reihen wie drikke – drakk – drukket und finne – fant – funnet zeigen ähnliche Vokalwechsel. Historisch gehören starke Verben zu Klassen. Im modernen Sprachlernen sind diese Klassen jedoch keine sichere Maschine zur Bildung unbekannter Formen. Ein erkanntes Muster ist eine Gedächtnisstütze, keine Garantie.

Übungstipps

  1. Lerne Viererreihen mit einem Mini-Satz. Sprich zum Beispiel: gå – går – gikk – gått; I går gikk jeg hjem. So speicherst du nicht nur eine Liste, sondern auch die Verwendung.
  2. Sortiere nach Zeitform. Erzähle denselben Inhalt im Präsens, Präteritum und Perfekt: Jeg ser filmen. Jeg så filmen i går. Jeg har sett filmen. Der Kontrast verhindert Verwechslungen wie har så.
  3. Höre gezielt auf kurze Formen. Notiere beim Hören jedes sa, , sto, tok und ble zusammen mit dem Infinitiv. Gerade diese einsilbigen Formen gehen im Redefluss leicht unter.

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