A1

Der Infinitiv mit å im Norwegischen

Infinitiv med Å

Dieser Artikel ist Teil des Norwegisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Å steht häufig vor dem Infinitiv, also der unveränderten Grundform eines Verbs: å lese „lesen“, å forstå „verstehen“. Nach Modalverben wie kan, vil, skal und må steht dagegen kein å: Jeg kan svømme. Für den Einstieg helfen deshalb zwei Muster: Verb + å + Infinitiv und Modalverb + Infinitiv ohne å.

Überblick

Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, wie sie im Wörterbuch steht: lese „lesen“, spise „essen“, gå „gehen“. Im Norwegischen wird diese Form oft durch das kleine Wort å eingeleitet. Man nennt å eine Infinitivmarkierung, also ein Wort, das den folgenden Infinitiv kennzeichnet. In Vokabellisten findest du Verben deshalb häufig als å lese, å spise oder å gå.

Dieses Thema gehört zum Niveau A1, weil du mit dem Infinitiv sehr früh wichtige Aussagen bilden kannst: etwas versuchen, anfangen, mögen oder gewohnt sein. So entstehen Verbindungen wie prøver å forstå „versucht zu verstehen“, begynner å løpe „fängt an zu laufen“ und liker å lage mat „kocht gern“. Auch unpersönliche Aussagen wie Det er vanskelig å velge „Es ist schwierig, sich zu entscheiden“ brauchen dieses Muster.

Für Deutschsprachige ist vieles vertraut: Norwegisches å entspricht in zahlreichen Sätzen ungefähr dem deutschen zu, und nach Modalverben entfällt es ebenso wie deutsches zu. Trotzdem darfst du nicht jedes deutsche zu automatisch durch å ersetzen. Entscheidend ist, welche norwegische Konstruktion ein Verb verlangt. Außerdem steht å immer als eigenes Wort vor der gesamten Verbgruppe: å stå opp „aufzustehen“.

So funktioniert es

Grundform und Infinitivmarkierung

Die norwegische Grundform wird nicht nach Person oder Zahl verändert. Nur das erste, gebeugte Verb zeigt die Zeitform; der folgende Infinitiv bleibt unverändert.

Funktion Norwegisches Muster Beispiel Deutsch
Wörterbuchform å + Infinitiv å snakke sprechen
nach einem gewöhnlichen Verb gebeugtes Verb + å + Infinitiv prøver å snakke versucht zu sprechen
nach einem Modalverb Modalverb + Infinitiv kan snakke kann sprechen
Infinitiv als Satzinhalt å + Infinitiv + … Å snakke norsk er nyttig. Norwegisch zu sprechen ist nützlich.

In Jeg prøver å forstå ist prøver das gebeugte Verb: Es steht im Präsens, der Gegenwartsform. Forstå bleibt als Infinitiv unverändert. Dasselbe gilt bei anderen Personen, denn norwegische Verben haben im Präsens keine unterschiedlichen Personenendungen: Hun prøver å forstå und Vi prøver å forstå.

Nach welchen Verben steht å?

Viele häufige Verben werden mit å + Infinitiv ergänzt. Die zweite Handlung ist dabei das, was jemand versucht, beginnt, mag oder gewöhnlich tut.

Verb oder Ausdruck Bedeutung Beispiel
prøve å versuchen zu Jeg prøver å huske.
begynne å anfangen zu Det begynner å regne.
slutte å aufhören zu Han slutter å røyke.
pleie å gewöhnlich tun Vi pleier å spise tidlig.
like å gern tun Hun liker å lese.
ønske å wünschen, etwas zu tun De ønsker å flytte.
håpe å hoffen, etwas zu tun Jeg håper å komme.
glemme å vergessen zu Ikke glem å ringe.

Lerne diese Verbindungen am besten als ganze Bausteine. So vermeidest du, die Ergänzung eines deutschen Verbs ungeprüft auf das Norwegische zu übertragen.

Nach Modalverben: kein å

Ein Modalverb beschreibt Möglichkeit, Wunsch, Plan, Verpflichtung oder Erlaubnis. Die wichtigsten Formen sind kan „kann“, vil „will/möchte“, skal „soll/wird“, må „muss“, bør „sollte“ und får „darf“. Danach folgt der Infinitiv ohne å.

Richtiges Muster Bedeutung
Jeg kan svømme. Ich kann schwimmen.
Hun vil spise. Sie will essen.
Vi skal reise i morgen. Wir werden morgen fahren.
Du må vente. Du musst warten.
Dere bør bestille bord. Ihr solltet einen Tisch reservieren.
Han får komme inn. Er darf hereinkommen.

Hier ähnelt das Norwegische dem Deutschen: Man sagt weder „kann zu schwimmen“ noch kan å svømme. Wichtig ist aber, das erste Verb wirklich als Modalverb zu erkennen. Prøve „versuchen“ ist keines und verlangt daher å: Jeg prøver å svømme.

Nach Adjektiven und unpersönlichen Ausdrücken

Mit det er plus einem Adjektiv lässt sich eine Handlung bewerten. Det ist dabei ein formales Subjekt, also ein grammatisch notwendiges „es“, das keine konkrete Sache bezeichnet.

Muster: Det er + Adjektiv + å + Infinitiv

  • Det er godt å vite. — Es ist gut zu wissen.
  • Det er vanskelig å forklare. — Es ist schwierig, das zu erklären.
  • Det er viktig å lytte. — Es ist wichtig zuzuhören.
  • Det er hyggelig å møte deg. — Es ist schön, dich kennenzulernen.

Der Infinitiv kann auch selbst am Satzanfang stehen: Å lære norsk tar tid „Norwegisch zu lernen braucht Zeit“. Im Alltag klingt die Variante mit det oft leichter: Det tar tid å lære norsk.

Zusammengesetzte und reflexive Verben

Bei einem Partikelverb gehört ein kurzes Wort wie opp, ut oder inn zum Verb. Å steht vor der ganzen Einheit:

  • å stå opp — aufzustehen
  • å gå ut — auszugehen
  • å komme inn — hereinzukommen
  • å slå av lyset — das Licht auszuschalten

Das unterscheidet sich sichtbar vom Deutschen: Das deutsche zu rückt bei trennbaren Verben in das Wort hinein (aufzustehen), während norwegisches å ein eigenes Wort bleibt (å stå opp).

Bei einem reflexiven Verb bezieht sich die Handlung auf die handelnde Person zurück. Das Reflexivpronomen — etwa meg „mich“, deg „dich“ oder seg „sich“ — folgt dem Infinitiv:

  • Jeg prøver å konsentrere meg. — Ich versuche, mich zu konzentrieren.
  • Hun liker å kle seg pent. — Sie zieht sich gern schön an.

Beispiele im Zusammenhang

Norwegisch Deutsch Hinweis
Jeg prøver å forstå. Ich versuche zu verstehen. prøve å
Det er godt å vite. Es ist gut zu wissen. Adjektiv + Infinitiv
Hun begynner å løpe. Sie fängt an zu laufen. begynne å
Vi pleier å spise kl. 18. Wir essen gewöhnlich um 18 Uhr. regelmäßige Gewohnheit
Liker du å lage mat? Kochst du gern? like å wird im Deutschen oft mit „gern“ wiedergegeben.
Jeg håper å se deg snart. Ich hoffe, dich bald zu sehen. gleiches Subjekt bei beiden Verben
Ikke glem å låse døra. Vergiss nicht, die Tür abzuschließen. glemme å
Det tar tid å lære et nytt språk. Es braucht Zeit, eine neue Sprache zu lernen. Infinitiv nach det tar tid
Å reise alene kan være spennende. Allein zu reisen kann spannend sein. Infinitivgruppe am Satzanfang
Han kan ikke komme i kveld. Er kann heute Abend nicht kommen. kein å nach kan
Vi må stå opp tidlig. Wir müssen früh aufstehen. Modalverb + Partikelverb
Dere bør prøve å snakke norsk. Ihr solltet versuchen, Norwegisch zu sprechen. bør ohne å, danach prøve å
Hun vil begynne å trene igjen. Sie will wieder mit dem Training anfangen. mehrere Verben in einer Kette
Det begynner å bli kaldt. Es wird allmählich kalt. feste, sehr häufige Verbindung
Jeg lærer å kjøre bil. Ich lerne Autofahren. Die deutsche Übersetzung braucht kein „zu“.

Das vorletzte Beispiel zeigt eine längere Verbkette. Nach vil steht begynne ohne å, weil vil ein Modalverb ist. Begynne verlangt seinerseits å vor trene: vil + begynne + å + trene. Prüfe also jede Verbindung einzeln, statt nur die Zahl der Verben zu zählen.

Häufige Fehler

Å nach einem Modalverb setzen

  • Falsch: Jeg kan å svømme.
  • Richtig: Jeg kan svømme.
  • Warum: Nach kan, vil, skal, må, bør und får folgt der Infinitiv ohne å. Das entspricht dem deutschen Muster „kann schwimmen“.

Å nach gewöhnlichen Verben weglassen

  • Falsch: Hun begynner løpe.
  • Richtig: Hun begynner å løpe.
  • Warum: Begynne ist kein Modalverb. Wenn danach eine Tätigkeit folgt, lautet das Grundmuster begynne å + Infinitiv.

Å und og verwechseln

  • Falsch: Jeg prøver og forstå.
  • Richtig: Jeg prøver å forstå.
  • Warum: Å markiert hier den Infinitiv; og bedeutet „und“. In vielen Sprechweisen klingen beide Wörter ähnlich, ihre Schreibweise und Funktion bleiben aber verschieden. Ein echter og-Satz ist zum Beispiel Hun sitter og leser „Sie sitzt da und liest“.

Den Infinitiv wie eine Präsensform bilden

  • Falsch: Vi pleier å spiser tidlig.
  • Richtig: Vi pleier å spise tidlig.
  • Warum: Nur pleier ist gebeugt. Nach å steht die Grundform spise, nicht die Präsensform spiser.

Deutsches zu in ein Partikelverb hineinlegen

  • Falsch: Jeg prøver å ståopp.
  • Richtig: Jeg prøver å stå opp.
  • Warum: Anders als deutsches „aufzustehen“ wird å nicht in das Verb eingefügt. Verb und Partikel werden getrennt geschrieben: å stå opp.

Å mit dem Wort für „auch“ verwechseln

  • Falsch: Jeg vil å komme.
  • Richtig: Jeg vil også komme.
  • Warum: Å und også haben völlig verschiedene Aufgaben. Også bedeutet „auch“; nach dem Modalverb vil steht komme ohne Infinitivmarkierung.

Hinweise zum Gebrauch

In Wörterbüchern und Wortlisten wird å oft mit angegeben, obwohl es nicht zum Verbstamm gehört: å skrive. Beim alphabetischen Suchen findest du das Verb gewöhnlich dennoch unter skrive. In einer Präsensform verschwindet die Markierung: Jeg skriver „Ich schreibe“. Sie kennzeichnet also keine Zeitform.

Die Aussprache von å ist gewöhnlich ein langes o-ähnliches Lautbild. Das Bindewort og „und“ kann in der gesprochenen Sprache je nach Region ebenfalls sehr ähnlich oder gleich klingen. Beim Hören hilft deshalb die Satzstruktur: Nach prøver erwartest du in prøver å forstå eine Infinitivgruppe; zwischen gleichrangigen Handlungen kann dagegen og stehen.

Norwegisch verwendet den Infinitiv oft dort, wo eine natürliche deutsche Übersetzung anders gebaut wird. Jeg liker å lese heißt am idiomatischsten „Ich lese gern“, und Jeg lærer å kjøre bil kann „Ich lerne Autofahren“ heißen. Die unterschiedliche deutsche Form ändert nichts am norwegischen å.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Muster musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie zeigen aber, warum die einfache Gleichung „å bedeutet immer zu“ später nicht ausreicht.

Präpositionale Infinitivgruppen

Mehrere feste Verbindungen drücken Zweck, Begleitumstände oder eine Alternative aus:

Konstruktion Funktion Beispiel Deutsch
for å Zweck Jeg ringte for å spørre. Ich rief an, um zu fragen.
uten å ohne die Handlung Han gikk uten å si noe. Er ging, ohne etwas zu sagen.
ved å Mittel oder Methode Du lærer ved å øve. Du lernst, indem du übst.
i stedet for å Alternative Hun tok toget i stedet for å kjøre. Sie nahm den Zug, statt zu fahren.

Besonders wichtig ist for å: Deutsches „um … zu“ wird nicht nur mit å, sondern mit for å wiedergegeben. Diese ausführlicheren Infinitivkonstruktionen gehören zum weiterführenden Lernen.

Verneinung in einer Infinitivgruppe

Ikke kann direkt vor dem Infinitiv stehen: Jeg prøver å ikke le „Ich versuche, nicht zu lachen“. Auch die Stellung ikke å le kommt vor. Stellung und Betonung können beeinflussen, was genau verneint oder hervorgehoben wird. Für den Anfang ist å ikke + Infinitiv ein gut verständliches Muster, wenn die zweite Handlung verneint werden soll.

Konstruktionen ohne å außerhalb der Modalverben

Nicht nur Modalverben können einen bloßen Infinitiv, also einen Infinitiv ohne å, einleiten. Nach la „lassen“ steht beispielsweise kein å: La ham snakke „Lass ihn sprechen“. Auch nach Wahrnehmungsverben kann eine Person oder Sache mit einem bloßen Infinitiv folgen: Jeg så henne gå „Ich sah sie gehen“.

Andere Konstruktionen enthalten zusätzliche Wörter:

  • Jeg ba henne om å vente. — Ich bat sie zu warten.
  • Vi fikk ham til å le. — Wir brachten ihn zum Lachen.
  • Du trenger ikke å komme. — Du brauchst nicht zu kommen.

Bei trenge kann besonders in verneinten Sätzen auch die Form ohne å vorkommen: Du trenger ikke komme. Solche Varianten lernst du am sichersten als vollständige Konstruktionen.

Wenn å und og tatsächlich verschiedene Strukturen bilden

Vergleiche diese beiden Sätze:

  • Hun prøver å lese. — Sie versucht zu lesen.
  • Hun sitter og leser. — Sie sitzt da und liest.

Im ersten Satz ist lese der Inhalt des Versuchs. Im zweiten werden zwei gleichzeitig ablaufende Handlungen verbunden; das zweite Verb steht deshalb ebenfalls gebeugt: leser, nicht lese. Dieser Unterschied ist beim Schreiben besonders wichtig, weil å und og in der Aussprache leicht zusammenfallen können.

Übungstipps

  1. Lerne Verben mit ihrer Ergänzung. Notiere nicht nur prøve, sondern prøve å gjøre noe „versuchen, etwas zu tun“. Lege eine zweite Liste für Modalverben an: kan gjøre, må gjøre, vil gjøre.
  2. Baue Verbketten auseinander. Markiere in Vi bør prøve å komme die Verbindungen einzeln: bør prøve ohne å, danach prøve å komme. Dieses Verfahren hilft auch bei längeren Sätzen.
  3. Nutze Gegensatzpaare beim Hören und Schreiben. Bilde täglich je einen Satz mit å und ohne å, etwa Jeg liker å lese und Jeg kan lese. Ergänze außerdem ein Paar mit å/og: prøver å lese gegenüber sitter og leser.

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  • Voraussetzung: Präsens — hilft dir zu erkennen, welches Verb gebeugt ist und welches im Infinitiv bleibt.
  • Ergänzung: Modalverben — erklärt ausführlicher, warum nach kan, vil, skal, må, bør und får kein å steht.
  • Nächster Schritt: Infinitivkonstruktionen — vertieft Muster wie for å, uten å und i stedet for å.

Voraussetzung

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