B2

Infinitivkonstruktionen im Norwegischen

Infinitivkonstruksjoner

Dieser Artikel ist Teil des Norwegisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit for å, uten å, i stedet for å und ved å verbindet man eine Handlung kompakt mit einer anderen: als Zweck, Begleitumstand, Alternative oder Mittel. Danach steht der Infinitiv, also die unveränderte Grundform des Verbs: for å hjelpe, uten å klage. Das nicht ausdrücklich genannte Subjekt des Infinitivs ist normalerweise dieselbe Person oder Sache wie das Subjekt des Hauptsatzes.

Überblick

Ein Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, etwa hjelpe „helfen“, lese „lesen“ oder „gehen“. Im Norwegischen steht davor häufig die Infinitivmarkierung å: å hjelpe. Auf B2-Niveau geht es nicht mehr nur um diese Grundform, sondern darum, mit ganzen Infinitivgruppen Beziehungen zwischen Handlungen auszudrücken. So nennt for å einen Zweck, uten å einen nicht eingetretenen Begleitumstand und i stedet for å eine verworfene Alternative.

Für Deutschsprachige wirken diese Muster zunächst vertraut: for å entspricht oft „um zu“, uten å „ohne zu“ und i stedet for å „statt zu“. Gerade diese Ähnlichkeit kann aber täuschen. Entscheidend ist in beiden Sprachen, wer die Infinitivhandlung ausführt. Im Norwegischen kommt außerdem ved å hinzu, wo im Deutschen häufig „indem“ oder „dadurch, dass“ natürlicher klingt.

Infinitivgruppen machen Texte kürzer und flüssiger als vollständige Nebensätze. Sie sind in Gesprächen ebenso üblich wie in Anleitungen, Berichten und formellen Texten. Daneben begegnet der Infinitiv nach wertenden Ausdrücken wie Det er vanskelig å forstå „Es ist schwer zu verstehen“.

So funktioniert es

Die Grundstruktur

Die behandelten Verbindungen folgen einem stabilen Muster:

Bedeutung Norwegisches Muster Typische deutsche Entsprechung
Zweck for å + Infinitiv um zu
fehlender Begleitumstand uten å + Infinitiv ohne zu
Alternative i stedet for å + Infinitiv statt zu / anstatt zu
Mittel oder Vorgehensweise ved å + Infinitiv indem / dadurch, dass

Das å gehört vor den Infinitiv; das Verb wird nicht konjugiert, also nicht nach Person oder Zeit verändert:

  • Hun ringte for å bestille bord. – Sie rief an, um einen Tisch zu reservieren.
  • De dro uten å betale. – Sie gingen, ohne zu bezahlen.
  • Vi sparer tid ved å bestille på nettet. – Wir sparen Zeit, indem wir online bestellen.

Die Zeit der Infinitivhandlung ergibt sich meist aus dem Hauptverb und dem Zusammenhang. In Hun ringte for å bestille liegt sowohl das Anrufen als auch der beabsichtigte Zweck in der Vergangenheit; bestille bleibt trotzdem unverändert.

for å: Zweck und Absicht

for å beantwortet die Frage Hvorfor? „Warum? / Zu welchem Zweck?“:

  • Jeg kom for å hjelpe. – Ich kam, um zu helfen.
  • Hun trener hver dag for å bli sterkere. – Sie trainiert jeden Tag, um stärker zu werden.

Die Infinitivgruppe kann auch am Satzanfang stehen. Danach folgt im Hauptsatz die norwegische V2-Wortstellung: Das finite Verb (das nach Zeit bestimmte Verb) nimmt die zweite Satzposition ein.

  • For å rekke toget tok vi taxi. – Um den Zug zu erreichen, nahmen wir ein Taxi.
  • Nicht: For å rekke toget vi tok taxi.

for allein und for å erfüllen verschiedene Aufgaben. Jeg gjorde det for Anna bedeutet „Ich tat es für Anna“; Jeg gjorde det for å glede Anna bedeutet „Ich tat es, um Anna eine Freude zu machen“.

Wer führt die Infinitivhandlung aus?

Ein Infinitiv hat in diesen Konstruktionen gewöhnlich kein ausdrücklich genanntes Subjekt. Man versteht es aus dem Hauptsatz:

  • Mina åpnet vinduet for å få frisk luft.

Mina öffnet das Fenster, und Mina möchte frische Luft bekommen. Dies nennt man Subjektbezug: Das unausgesprochene Subjekt des Infinitivs bezieht sich auf das Subjekt des Hauptsatzes.

Soll eine andere Person handeln, ist ein vollständiger Nebensatz meist klarer. Ein Nebensatz enthält ein eigenes Subjekt und ein konjugiertes Verb:

  • Jeg snakket sakte for at alle skulle forstå. – Ich sprach langsam, damit alle verstehen konnten.
  • Hun åpnet døra slik at katten kunne gå ut. – Sie öffnete die Tür, sodass die Katze hinausgehen konnte.

Deutschsprachige können sich an derselben Probe orientieren wie bei „um zu“ und „damit“: gleiche handelnde Person → oft for å; verschiedene handelnde Personen → häufig for at … skal/skulle oder slik at ….

uten å: etwas geschieht nicht

uten å beschreibt, dass die Infinitivhandlung ausbleibt, während die Handlung des Hauptsatzes stattfindet:

  • Han gikk uten å si ha det. – Er ging, ohne sich zu verabschieden.
  • Hun svarte uten å nøle. – Sie antwortete, ohne zu zögern.

Auch hier ist das Subjekt normalerweise gleich: Er ging und er verabschiedete sich nicht. Da uten bereits „ohne“ bedeutet, braucht man normalerweise kein zusätzliches ikke.

i stedet for å: eine Alternative wird ersetzt

Mit i stedet for å stellt man zwei mögliche Handlungen einander gegenüber. Die Handlung im Infinitiv findet nicht statt; eine andere tritt an ihre Stelle:

  • I stedet for å klage, gjør noe. – Statt dich zu beschweren, tu etwas.
  • Vi gikk hjem i stedet for å vente. – Wir gingen nach Hause, statt zu warten.

Steht nach i stedet for kein Verb, folgt einfach eine Nominalgruppe, also eine Wortgruppe mit einem Substantiv: te i stedet for kaffe „Tee statt Kaffee“. Nur vor einem Infinitiv kommt å hinzu.

ved å: Mittel und Vorgehensweise

ved å erklärt, wodurch oder auf welche Weise ein Ergebnis erreicht wird:

  • Du lærer nye ord ved å bruke dem. – Du lernst neue Wörter, indem du sie verwendest.
  • Bedriften reduserte kostnadene ved å jobbe mer effektivt. – Das Unternehmen senkte die Kosten durch effizienteres Arbeiten.

Der Unterschied zu for å liegt im Blickwinkel. for å nennt das Ziel, ved å den Weg dorthin:

  • Jeg leser aviser for å lære norsk. – Ziel: Norwegisch lernen.
  • Jeg lærer norsk ved å lese aviser. – Methode: Zeitungen lesen.

Wertung und Beschreibung mit å

Nach Ausdrücken mit einem Adjektiv, also einem Eigenschaftswort, bezeichnet eine Infinitivgruppe oft die Handlung, die bewertet wird:

  • Det er vanskelig å forstå. – Es ist schwer zu verstehen.
  • Det er viktig å lytte. – Es ist wichtig zuzuhören.
  • Det var hyggelig å møte deg. – Es war schön, dich kennenzulernen.

Das formale det besetzt die Subjektposition; der eigentliche Inhalt folgt mit å + Infinitiv. Wird eine konkrete Sache genannt, kann sie zugleich als das verstanden werden, was von der Infinitivhandlung betroffen ist: Denne teksten er vanskelig å oversette „Dieser Text ist schwer zu übersetzen“.

Verneinung

Soll die Infinitivhandlung ausdrücklich verneint werden, steht ikke häufig zwischen å und dem Verb:

  • Hun prøvde å ikke le. – Sie versuchte, nicht zu lachen.
  • For ikke å vekke barna lukket han døra forsiktig. – Um die Kinder nicht zu wecken, schloss er vorsichtig die Tür.

Auch ikke å + Infinitiv kommt vor, besonders wenn die ganze Handlung als Alternative zurückgewiesen oder hervorgehoben wird: Han valgte ikke å svare „Er entschied sich, nicht zu antworten“. Beide Stellungen sind möglich; feste, klare Formulierungen wie for ikke å sollte man zunächst als Einheit lernen.

Beispiele im Zusammenhang

Norwegisch Deutsch Hinweis
Jeg kom for å hjelpe. Ich kam, um zu helfen. Zweck; dasselbe Subjekt
Vi dro tidlig for å unngå køen. Wir fuhren früh los, um den Stau zu vermeiden. beabsichtigtes Ergebnis
For å rekke fristen jobbet hun hele helga. Um die Frist einzuhalten, arbeitete sie das ganze Wochenende. Infinitivgruppe am Anfang
Jeg gjentar det for at alle skal forstå. Ich wiederhole es, damit alle es verstehen. anderes Subjekt im Nebensatz
Han gikk uten å si ha det. Er ging, ohne sich zu verabschieden. nicht eingetretener Begleitumstand
Hun løste oppgaven uten å be om hjelp. Sie löste die Aufgabe, ohne um Hilfe zu bitten. uten å mit Ergänzung
I stedet for å klage, gjør noe. Statt dich zu beschweren, tu etwas. verworfene Alternative
De tok toget i stedet for å fly. Sie nahmen den Zug, statt zu fliegen. zwei Handlungsalternativen
Vi sparte penger ved å lage maten selv. Wir sparten Geld, indem wir selbst kochten. Methode
Du kan åpne filen ved å klikke her. Du kannst die Datei öffnen, indem du hier klickst. Anleitung
Det er vanskelig å forstå denne regelen. Es ist schwer, diese Regel zu verstehen. Bewertung einer Handlung
Det var godt å komme hjem igjen. Es war schön, wieder nach Hause zu kommen. persönliche Erfahrung
Denne boka er lett å lese. Dieses Buch ist leicht zu lesen. das Buch wird gelesen
Etter å ha spist gikk vi en tur. Nachdem wir gegessen hatten, gingen wir spazieren. vorzeitige Handlung

Häufige Fehler

1. å nach der Verbindung weglassen

  • Falsch: Jeg kom for hjelpe.
  • Richtig: Jeg kom for å hjelpe.
  • Warum: In dieser Zweckkonstruktion lautet die feste Verbindung for å + Infinitiv. Das deutsche „um zu“ besteht ebenfalls aus zwei Teilen, aber die norwegische Form muss als Ganzes gelernt werden.

2. for å bei zwei verschiedenen Handelnden verwenden

  • Unklar oder falsch gemeint: Jeg snakket sakte for å forstå.
  • Richtig, wenn die anderen verstehen sollen: Jeg snakket sakte for at de skulle forstå.
  • Warum: Der erste Satz bedeutet normalerweise, dass ich selbst verstehen wollte. Ein eigenes Subjekt verlangt hier einen Nebensatz.

3. og und å verwechseln

  • Falsch: Hun prøver og lære norsk.
  • Richtig: Hun prøver å lære norsk.
  • Warum: og bedeutet „und“, å markiert den Infinitiv. In vielen Aussprachen klingen beide Wörter gleich oder sehr ähnlich. Die Bedeutungsprobe hilft: Verbindet das Wort zwei gleichrangige Handlungen (sitter og leser), oder leitet es einen Infinitiv nach prøver ein?

4. Nach i stedet for das zweite for vergessen

  • Falsch: i stedet å vente
  • Richtig: i stedet for å vente
  • Warum: Die vollständige Verbindung vor einem Verb heißt i stedet for å. Vor einem Substantiv steht dagegen nur i stedet for: vann i stedet for brus.

5. Ziel und Methode vertauschen

  • Unpassend: Jeg lærer norsk for å lese aviser, wenn gemeint ist, dass Zeitungslesen die Lernmethode ist.
  • Passend: Jeg lærer norsk ved å lese aviser.
  • Warum: for å schaut auf das Ziel; ved å erklärt das Mittel. Der erste Satz ist grammatisch, bedeutet aber: „Ich lerne Norwegisch, um Zeitungen zu lesen.“

6. Deutsche Wortstellung in den Hauptsatz übernehmen

  • Falsch: For å spare tid, vi bestilte på nettet.
  • Richtig: For å spare tid bestilte vi på nettet.
  • Warum: Die vorangestellte Infinitivgruppe besetzt das erste Satzfeld. Deshalb folgt im Hauptsatz zuerst das finite Verb bestilte und dann das Subjekt vi.

Hinweise zum Gebrauch

In gesprochener und geschriebener Standardsprache sind alle vier Hauptmuster gebräuchlich. for å und uten å kommen sehr häufig im Alltag vor. ved å ist besonders nützlich in Erklärungen, Anleitungen und sachlichen Texten; im lockeren Gespräch wird derselbe Gedanke manchmal auf zwei Hauptsätze verteilt.

Norwegisch erlaubt wie Deutsch längere Erweiterungen nach dem Infinitiv: for å kunne delta på møtet i morgen „um morgen an der Besprechung teilnehmen zu können“. Ein Modalverb wie kunne „können“ steht dabei im Infinitiv. Vor dem darauffolgenden Vollverb steht kein zweites å: for å kunne delta, nicht for å kunne å delta.

Bei sehr langen oder mehrdeutigen Infinitivgruppen ist ein Nebensatz oft leserfreundlicher. Besonders wichtig ist das, wenn die handelnde Person wechselt. Grammatische Kürze ist nicht automatisch stilistisch besser.

Über die Grundlagen hinaus

Vorzeitigkeit: etter å ha + Partizip

Soll die Infinitivhandlung bereits abgeschlossen sein, verwendet man häufig å ha + Partizip Perfekt. Das Partizip Perfekt ist die Verbform, die auch in zusammengesetzten Vergangenheitszeiten steht, etwa spist „gegessen“ oder sendt „geschickt“:

  • Etter å ha spist gikk vi en tur. – Nachdem wir gegessen hatten, gingen wir spazieren.
  • Hun dro uten å ha sagt farvel. – Sie ging, ohne sich verabschiedet zu haben.

Diese Form macht die zeitliche Reihenfolge ausdrücklich. Der Subjektbezug bleibt gleich: In beiden Beispielen führt das Subjekt des Hauptsatzes auch die Infinitivhandlung aus.

Modalverben innerhalb der Konstruktion

Infinitivgruppen können zusätzliche Bedeutungen wie Möglichkeit oder Verpflichtung enthalten:

  • for å kunne jobbe – um arbeiten zu können
  • uten å måtte vente – ohne warten zu müssen
  • i stedet for å ville bestemme alt – statt alles bestimmen zu wollen

Nach kunne, måtte und ville folgt der nächste Infinitiv ohne å. Die erste Markierung gehört zur gesamten Gruppe: for å kunne komme.

Infinitiv mit passiver Bedeutung

In Sätzen wie Rapporten er klar til å sendes steht ein s-Passiv, also eine passive Verbform auf -s: „Der Bericht ist bereit, versandt zu werden.“ Daneben kann ein aktiver Infinitiv eine Sache beschreiben, die logisch das Ziel der Handlung ist:

  • Problemet er lett å løse. – Das Problem ist leicht zu lösen.
  • Denne dialekten er vanskelig å forstå. – Dieser Dialekt ist schwer zu verstehen.

Man muss daher nicht automatisch eine norwegische Passivform setzen, nur weil die deutsche Übersetzung „zu werden“ enthalten könnte.

Kompakte Form oder Nebensatz?

Infinitivgruppen stellen keine Person und keine Zeit am Verb selbst dar. Genau das macht sie kompakt, kann aber auch Informationen verdecken. Ein Nebensatz ist vorzuziehen, wenn ein eigenes Subjekt, eine genaue Zeitstufe oder ein deutlicher Gegensatz wichtig ist:

  • kompakt: Hun ringte for å forklare. – Sie rief an, um zu erklären.
  • ausdrücklich: Hun ringte for at jeg skulle forklare. – Sie rief an, damit ich erklären sollte.

Diese Wahl ist nicht nur Grammatik, sondern auch Textgestaltung: Gute B2-Texte wechseln zwischen knappen Infinitivgruppen und vollständigen Nebensätzen, je nachdem, was eindeutig und leicht lesbar ist.

Lerntipps

  1. Lerne jedes Muster mit einer Leitfrage. for å → „Wozu?“, ved å → „Wie wodurch?“, uten å → „Was geschah nicht?“, i stedet for å → „Welche Alternative wurde nicht gewählt?“ So übst du Bedeutung statt bloßer Wortfolge.
  2. Markiere die handelnde Person. Unterstreiche in eigenen Beispielen das Subjekt des Hauptsatzes und prüfe, ob dieselbe Person auch den Infinitiv ausführt. Falls nicht, formuliere mit for at … skal/skulle oder einem anderen Nebensatz um.
  3. Bilde Kontrastpaare. Schreibe etwa Jeg leser for å lære neben Jeg lærer ved å lese. Solche Paare machen den Unterschied zwischen Ziel und Methode schneller sichtbar als isolierte Regeln.

Verwandte Konzepte

  • Voraussetzung: Infinitiv mit Å – erklärt die Grundform mit å und das Weglassen nach Modalverben.
  • Nächster Schritt: Kausative Konstruktionen – erweitert Infinitivgruppen mit Mustern wie få noen til å, la noen und be noen om å.

Voraussetzung

Der Infinitiv mit å im NorwegischenA1

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