B2

Kausative Konstruktionen im Norwegischen

Kausative Konstruksjoner

Dieser Artikel ist Teil des Norwegisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Norwegischen drückt man Veranlassung meist mit drei Mustern aus: få noen til å gjøre noe bedeutet, jemanden zu etwas zu bewegen, la noen gjøre noe heißt, jemanden etwas tun zu lassen, und be noen om å gjøre noe bedeutet, jemanden um etwas zu bitten. Entscheidend sind dabei die kleinen Wörter til å und om å; nach la steht der Infinitiv dagegen ohne å.

Überblick

Eine kausative Konstruktion zeigt, dass eine Person nicht einfach selbst handelt, sondern bewirkt, erlaubt oder veranlasst, dass jemand anders handelt. In Jeg fikk ham til å le („Ich brachte ihn zum Lachen“) ist jeg das Subjekt (die Person, von der die Veranlassung ausgeht), ham das Objekt (die Person, die zum Lachen gebracht wird) und le die eigentliche Handlung. Diese Aufteilung ist nützlich, auch wenn du dich an Begriffe aus dem Grammatikunterricht kaum erinnerst: Eine Person stößt etwas an, eine zweite führt es aus.

Auf B2-Niveau geht es nicht nur darum, eine deutsche Form mit „lassen“ nachzubauen. Norwegisch unterscheidet, ob jemand zu einer Handlung bewegt wird (få … til å), ob die Handlung erlaubt oder nicht verhindert wird (la), oder ob man höflich darum bittet (be … om å). Dieselbe Situation kann je nach gewähltem Verb unterschiedlich wirken: als erfolgreiches Überreden, als Erlaubnis oder bloß als Bitte.

Für deutschsprachige Lernende ist besonders die Ergänzung nach dem Objekt wichtig. Deutsch verwendet in allen drei Fällen häufig einen Infinitiv ohne „zu“ oder eine Konstruktion mit „zu“. Norwegisch verteilt diese Funktionen jedoch auf drei feste Muster. Wer nicht nur das Verb, sondern jeweils den ganzen Rahmen lernt, vermeidet die häufigsten Fehler.

So funktionieren die Konstruktionen

1. få noen til å gjøre noe: jemanden dazu bringen

Das Grundmuster lautet:

Person A + få + Person B + til å + Infinitiv

bedeutet für sich oft „bekommen“. In dieser Konstruktion heißt es jedoch, dass A erreicht, bewirkt oder veranlasst, dass B etwas tut. Wie viel Druck dahintersteckt, ergibt sich aus dem Zusammenhang. Der Satz kann Überredung, geschickte Motivation oder einfach einen erzielten Effekt beschreiben.

  • Jeg får barna til å rydde rommet. – Ich bringe die Kinder dazu, ihr Zimmer aufzuräumen.
  • Hun fikk meg til å tenke. – Sie brachte mich zum Nachdenken.

Til å gehört fest zu diesem Muster. Danach steht der Infinitiv (die Grundform des Verbs), zum Beispiel le, vente oder rydde. Das eigene Infinitivzeichen å bleibt erhalten: til å le.

Die wichtigsten Formen von sind:

Zeit/Form Form Beispiel
Infinitiv å få noen til å hjelpe
Präsens får Jeg får ham til å hjelpe.
Präteritum fikk Jeg fikk ham til å hjelpe.
Perfektpartizip fått Jeg har fått ham til å hjelpe.
Imperativ Få dem til å vente!

Das Perfektpartizip ist die Verbform, die zusammen mit har die Vergangenheit bildet: har fått. Beachte außerdem, dass fikk je nach Kontext „bekam“ oder „brachte dazu“ heißen kann. Erst die Ergänzung noen til å … macht die kausative Lesart deutlich.

2. la noen gjøre noe: jemanden etwas tun lassen

Das zweite Muster lautet:

Person A + la + Person B + Infinitiv ohne å

La beschreibt meist Erlaubnis oder bewusstes Nichtverhindern. Die handelnde Person soll oder darf die Handlung selbst ausführen:

  • Foreldrene lar barna være oppe lenge. – Die Eltern lassen die Kinder lange aufbleiben.
  • Hun lot ham forklare alt. – Sie ließ ihn alles erklären.

Anders als bei stehen hier weder til noch å. Nach la noen folgt direkt die Grundform: la ham gå, nicht la ham å gå. Das ähnelt zwar dem deutschen „ihn gehen lassen“, doch im Norwegischen steht la vor der handelnden Person.

Zeit/Form Form Beispiel
Infinitiv la å la noen prøve
Präsens lar Jeg lar henne prøve.
Präteritum lot Jeg lot henne prøve.
Perfektpartizip latt Jeg har latt henne prøve.
Imperativ la La henne prøve!

Der Imperativ ist besonders häufig: La meg se („Lass mich sehen“), La oss begynne („Fangen wir an“) und La henne komme inn („Lass sie hereinkommen“). La oss … kann dabei weniger wie eine Erlaubnis und mehr wie ein gemeinsamer Vorschlag wirken.

3. be noen om å gjøre noe: jemanden bitten

Das dritte Muster lautet:

Person A + be + Person B + om å + Infinitiv

Hier versucht A nicht unbedingt, das Ergebnis herbeizuführen, sondern äußert eine Bitte oder Aufforderung. Ob B tatsächlich handelt, bleibt offen:

  • Vi ba dem om å vente. – Wir baten sie zu warten.
  • Kan du be Erik om å ringe meg? – Kannst du Erik bitten, mich anzurufen?
Zeit/Form Form Beispiel
Infinitiv be å be noen om å vente
Präsens ber Jeg ber ham om å vente.
Präteritum ba Jeg ba ham om å vente.
Perfektpartizip bedt Jeg har bedt ham om å vente.
Imperativ be Be dem om å komme inn!

Im Deutschen kann nach „bitten“ direkt eine Infinitivgruppe mit „zu“ folgen. Norwegisch verwendet im klaren Grundmuster om å. Daneben begegnet dir auch die kürzere Variante be noen gjøre noe, besonders bei knappen Aufforderungen. Für aktives Lernen ist be noen om å gjøre noe die transparente und sichere Form.

Das Objekt: Wer führt die Handlung aus?

Zwischen dem ersten und dem zweiten Verb steht meist die Person, die die eigentliche Handlung ausführt. Bei Pronomen brauchst du die Objektform, also die Form für „mich“, „dich“, „ihn“ und so weiter:

Grundform Objektform Beispiel
jeg meg Hun fikk meg til å le.
du deg Jeg lar deg velge.
han ham Vi ba ham om å vente.
hun henne La henne snakke.
vi oss De fikk oss til å bli.
dere dere Jeg ber dere om å lytte.
de dem Hun lot dem gå.

Im gesprochenen Bokmål hört man für ham häufig han. In neutraler Schriftsprache ist ham als Objekt eine gute Wahl. Bei henne, oss und dem bleibt der Unterschied zum Subjekt besonders sichtbar.

Bedeutung statt Eins-zu-eins-Übersetzung

Die drei Muster sind nicht austauschbar:

Norwegisches Muster Kernaussage Typische deutsche Wiedergabe
få noen til å gjøre noe A erreicht, dass B handelt jemanden dazu bringen, etwas zu tun
la noen gjøre noe A erlaubt oder verhindert B nicht jemanden etwas tun lassen
be noen om å gjøre noe A äußert eine Bitte jemanden bitten, etwas zu tun

Vergleiche: Jeg ba ham om å bli berichtet nur von der Bitte. Jeg fikk ham til å bli sagt dagegen, dass ich ihn tatsächlich zum Bleiben bewegte. Jeg lot ham bli bedeutet, dass ich ihm das Bleiben erlaubte.

Beispiele im Kontext

Norwegisch Deutsch Hinweis
Jeg fikk ham til å le. Ich brachte ihn zum Lachen. Erzielte Wirkung mit
Den gode nyheten fikk alle til å smile. Die gute Nachricht brachte alle zum Lächeln. Eine Sache kann die Ursache sein
Kan du få barna til å kle på seg? Kannst du die Kinder dazu bringen, sich anzuziehen? Bitte um ein erreichtes Ergebnis
Hun har fått kollegene til å støtte forslaget. Sie hat die Kollegen dazu bewegt, den Vorschlag zu unterstützen. Perfekt mit har fått
La henne komme inn. Lass sie hereinkommen. Imperativ von la
Hun lot barna leke ute. Sie ließ die Kinder draußen spielen. Erlaubnis in der Vergangenheit
Vi lar gjestene velge rom selv. Wir lassen die Gäste ihr Zimmer selbst wählen. Freie Wahl
La meg tenke litt. Lass mich kurz nachdenken. Häufige Gesprächsformel
La oss ta en pause. Machen wir eine Pause. Gemeinsamer Vorschlag
Vi ba dem om å vente. Wir baten sie zu warten. Bitte an mehrere Personen
Jeg har bedt legen om å ringe deg. Ich habe den Arzt gebeten, dich anzurufen. Perfekt mit har bedt
Kan du be naboen om å skru ned musikken? Kannst du den Nachbarn bitten, die Musik leiser zu stellen? Indirekte, höfliche Aufforderung
Sjefen ba oss om ikke å diskutere saken ennå. Der Chef bat uns, die Sache noch nicht zu besprechen. Verneinter Infinitiv
De fikk bilen reparert før ferien. Sie ließen das Auto vor dem Urlaub reparieren. + Sache + Partizip
Det lar seg ikke gjøre i dag. Das lässt sich heute nicht machen. Unpersönliche feste Konstruktion

Häufige Fehler

1. Nach la ein å setzen

  • Falsch: La henne å komme inn.
  • Richtig: La henne komme inn.
  • Warum: Nach la + Person folgt der Infinitiv direkt, ohne å. Merke dir den ganzen Block la noen gjøre noe.

2. Bei das Wort til auslassen

  • Falsch: Jeg fikk ham å le.
  • Richtig: Jeg fikk ham til å le.
  • Warum: Wenn „jemanden dazu bringen“ bedeutet, verbindet til å die betroffene Person mit ihrer Handlung.

3. be mit dem Muster von kombinieren

  • Falsch: Vi ba dem til å vente.
  • Richtig: Vi ba dem om å vente.
  • Warum: Bitten werden mit be noen om å gebildet. Til å gehört hier nicht zu be, sondern zum kausativen Muster mit .

4. Ein Subjektpronomen als Objekt verwenden

  • Falsch: Hun lot jeg gå.
  • Richtig: Hun lot meg gå.
  • Warum: Die Person zwischen den Verben ist grammatisch das Objekt des ersten Verbs. Deshalb heißt es meg, nicht jeg. Entsprechend verwendet man in neutraler Schriftsprache ham statt han und dem statt de.

5. Deutsches „machen“ wörtlich mit gjøre übertragen

  • Falsch: Hun gjorde meg le.
  • Richtig: Hun fikk meg til å le.
  • Warum: Das deutsche „jemanden zum Lachen bringen“ braucht im Norwegischen normalerweise få … til å. Gjøre passt dagegen gut vor einem Ergebniszustand: Hun gjorde meg glad („Sie machte mich glücklich“), denn glad ist ein Adjektiv, also ein Eigenschaftswort, und kein Verb.

6. Bitte und Ergebnis verwechseln

  • Ungenau: Jeg fikk ham til å hjelpe als Übersetzung von „Ich bat ihn zu helfen“.
  • Passend: Jeg ba ham om å hjelpe.
  • Warum: Ba beschreibt die Bitte; fikk … til å behauptet zusätzlich, dass die Person tatsächlich zum Helfen bewegt wurde. Dieser Bedeutungsunterschied kann für den weiteren Verlauf einer Erzählung wichtig sein.

Verwendungshinweise

Få … til å ist häufig und neutral, kann aber je nach Situation unterschiedlich stark wirken. Læreren fikk elevene til å delta kann heißen, dass die Lehrkraft die Lernenden motivierte, überzeugte oder durch ihre Unterrichtsführung zur Teilnahme brachte. Wenn Zwang ausdrücklich gemeint ist, ist tvinge noen til å („jemanden zwingen“) genauer; bei erfolgreichem Überreden passt overtale noen til å („jemanden überreden“).

La wirkt bei Personen meist wie Erlaubnis. Mit Dingen oder Vorgängen kann es eher „nicht eingreifen“ bedeuten: Han lot døra stå åpen („Er ließ die Tür offen“). Der Kontext entscheidet, ob die Haltung großzügig, gleichgültig oder absichtlich ist. In höflichen Aufforderungen wird la gern mit meg und oss verwendet: La meg forklare ist natürlicher als eine umständliche wörtliche Übertragung von „Erlauben Sie mir, das zu erklären“.

Be … om å ist neutral und in Alltag wie Beruf gut verwendbar. Wie höflich die Äußerung klingt, hängt von Satzform, Stimme und Zusatzwörtern ab. Kan du be henne om å ringe? klingt indirekter als der Imperativ Be henne om å ringe!. In formellen Texten kann auch anmode noen om å … („jemanden auffordern/ersuchen“) vorkommen, ist im normalen Gespräch aber deutlich steifer.

Bei der Verneinung ist wichtig, was verneint wird. Jeg lot ham ikke gå bedeutet gewöhnlich „Ich ließ ihn nicht gehen“, also: Ich verweigerte die Erlaubnis. In Jeg ba ham om ikke å gå gehört ikke zur erbetenen Handlung: „Ich bat ihn, nicht zu gehen.“ Stelle ikke deshalb möglichst nah zu dem Teil, den du verneinen willst.

Für Fortgeschrittene

få + Sache + Partizip: etwas erledigen lassen

Für Dienstleistungen und veranlasste Ergebnisse ist ein weiteres Muster besonders wichtig:

få + Sache + Perfektpartizip

  • Jeg må få bilen reparert. – Ich muss das Auto reparieren lassen.
  • Hun fikk håret klippet. – Sie ließ sich die Haare schneiden.
  • Vi har fått kontrakten oversatt. – Wir haben den Vertrag übersetzen lassen.

Das Perfektpartizip bezeichnet hier das erzielte Ergebnis: Das Auto ist repariert, die Haare sind geschnitten, der Vertrag ist übersetzt. Wer die Arbeit ausführt, muss nicht genannt werden. Anders als beim deutschen „lassen“ verwendet Norwegisch also oft . In manchen Kontexten kann die Konstruktion auch ein unerwünschtes Erlebnis ausdrücken, nicht eine bewusst bestellte Dienstleistung: Han fikk sykkelen stjålet bedeutet „Ihm wurde das Fahrrad gestohlen“. Der Zusammenhang zeigt, ob die Person das Ergebnis veranlasst oder lediglich erlitten hat.

ohne ausdrücklich genannte handelnde Person

In Verbindungen wie få vite, få høre und få se fehlt häufig noen til å. Dann geht es meist darum, Gelegenheit oder Zugang zu etwas zu bekommen:

  • Når får vi vite resultatet? – Wann erfahren wir das Ergebnis?
  • Jeg fikk høre hele historien. – Ich bekam die ganze Geschichte zu hören.
  • Du skal få se. – Du wirst schon sehen.

Diese Muster sind mit dem Grundgedanken von verwandt, aber syntaktisch nicht dasselbe wie få noen til å gjøre noe. Lerne sie am besten als häufige feste Verbindungen.

la seg gjøre und la være å

La seg + Infinitiv drückt aus, dass etwas möglich ist oder sich durchführen lässt: Planen lar seg gjennomføre („Der Plan lässt sich umsetzen“). Besonders häufig ist Det lar seg gjøre („Das lässt sich machen“). Die Form seg ist ein Reflexivpronomen, also ein rückbezügliches Wort wie deutsches „sich“.

Eine andere feste Verbindung ist la være å + Infinitiv: „etwas bleiben lassen“ oder „darauf verzichten“.

  • La være å avbryte! – Hör auf, zu unterbrechen!/Unterbrich nicht!
  • Jeg klarte ikke å la være å le. – Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen.

Hier folgt nach være wieder å + Infinitiv. Das widerspricht nicht der Grundregel la noen gjøre: Es handelt sich um die eigene feste Konstruktion la være å gjøre noe.

Lexikalische Kausative

Nicht jede Ursache braucht eines der drei Hauptmuster. Manche Verben enthalten die Veranlassung bereits in ihrer Bedeutung: drepe („töten“) bedeutet bewirken, dass jemand stirbt; vekke („wecken“) bedeutet bewirken, dass jemand aufwacht. Außerdem verbindet sich gjøre mit Zuständen: Nyheten gjorde henne sint („Die Nachricht machte sie wütend“). Solche Verben sind meist kürzer, aber weniger frei bildbar. Wenn eine selbstständige Handlung einer zweiten Person gemeint ist, bleiben få noen til å, la noen und be noen om å die zuverlässigsten Muster.

Übungstipps

  1. Lerne Dreiergruppen. Nimm dieselbe Handlung und bilde drei Sätze: Jeg ba ham om å bli, Jeg fikk ham til å bli, Jeg lot ham bli. Erkläre anschließend auf Deutsch, ob es um Bitte, erreichtes Ergebnis oder Erlaubnis geht.
  2. Übe die kleinen Wörter mit Lücken. Schreibe zehn Sätze und decke nur til å, om å oder die leere Stelle nach la ab. Gerade diese Verbindungselemente entscheiden darüber, ob der Satz natürlich klingt.
  3. Sammle echte Beispiele. Achte in norwegischen Nachrichten, Serien oder Gesprächen auf fikk … til å, lot und ba … om å. Notiere auch die Zeitform und markiere, wer die Handlung anstößt und wer sie ausführt.

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