Can für Fähigkeit und Erlaubnis im Englischen
Can
Dieser Artikel ist Teil des Englisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Mit can + Grundform drückt man aus, dass jemand etwas kann oder darf: I can swim heißt „Ich kann schwimmen“, You can sit here heißt „Du darfst hier sitzen“. Can bleibt bei allen Personen gleich; Verneinungen lauten cannot/can't, und Fragen beginnen direkt mit can: Can you help me?
Überblick
Can ist eines der wichtigsten englischen Modalverben. Ein Modalverb ergänzt ein anderes Verb und zeigt zum Beispiel Fähigkeit, Erlaubnis oder Notwendigkeit an. Beim A1-Grundgebrauch stehen zwei Bedeutungen im Mittelpunkt: Jemand ist zu etwas fähig (She can drive) oder jemand hat die Erlaubnis dazu (She can use my car).
Für Deutschsprachige wirkt die erste Bedeutung vertraut, weil englisches can oft deutschem „können“ entspricht. Bei Erlaubnissen ist jedoch Vorsicht nötig: Hier bedeutet can meist „dürfen“, nicht „können“. Can I open the window? fragt im normalen Gespräch also meistens „Darf ich das Fenster öffnen?“ und nicht, ob man körperlich dazu in der Lage ist.
Die Form ist erfreulich einfach. Anders als beim Present Simple bekommt die dritte Person Singular kein -s, und für Fragen oder Verneinungen braucht man kein do. Gerade diese Einfachheit führt allerdings zu typischen Fehlern, wenn gewohnte Regeln des Present Simple versehentlich auf can übertragen werden.
So funktioniert es
Die Grundstruktur
Das Subjekt (die Person oder Sache, um die es im Satz geht) steht vor can. Danach folgt die Grundform des Vollverbs, also die unveränderte Form wie swim, work, help oder be.
| Satzart | Bauplan | Beispiel |
|---|---|---|
| Aussage | Subjekt + can + Grundform | We can wait. |
| Verneinung | Subjekt + cannot/can't + Grundform | We can't wait. |
| Frage | Can + Subjekt + Grundform? | Can we wait? |
| kurze Antwort | Yes, Subjekt + can. / No, Subjekt + can't. | Yes, we can. |
Nach can steht kein to: can swim, nicht can to swim. Das folgende Verb wird auch nicht an das Subjekt angepasst.
Eine Form für alle Personen
| Subjekt | Bejahte Form | Verneinte Form |
|---|---|---|
| I | I can | I cannot / I can't |
| you | you can | you cannot / you can't |
| he / she / it | he / she / it can | he / she / it cannot / can't |
| we | we can | we cannot / we can't |
| they | they can | they cannot / they can't |
Es heißt daher she can, niemals she cans. Auch das Vollverb erhält kein -s: She can drive, nicht She can drives.
Verneinung: cannot und can't
Cannot wird normalerweise als ein Wort geschrieben. Can't ist die gebräuchliche Kurzform und kommt besonders häufig im Gespräch und in informellen Texten vor.
- I cannot attend the meeting. — Ich kann an der Besprechung nicht teilnehmen.
- I can't attend the meeting. — Ich kann an der Besprechung nicht teilnehmen.
Die ausgeschriebene Form cannot kann formeller wirken oder die Verneinung stärker betonen. Die getrennte Schreibweise can not ist nur in seltenen Sonderkonstruktionen sinnvoll, etwa bei einem ausdrücklichen Gegensatz wie You can not only read it, but also listen to it. Für normale Verneinungen sollte man cannot oder can't verwenden.
Je nach Zusammenhang kann can't zwei verschiedene Dinge bedeuten:
- fehlende Fähigkeit oder Möglichkeit: He can't swim. — Er kann nicht schwimmen.
- fehlende Erlaubnis: You can't park here. — Du darfst hier nicht parken.
Fragen und kurze Antworten
In einer Frage rückt can vor das Subjekt. Ein Hilfsverb mit do ist nicht nötig.
- Can she drive?
- Can your brother come today?
- Where can we sit?
Bei einer Frage mit einem Fragewort steht dieses ganz vorn: Fragewort + can + Subjekt + Grundform. So entstehen Sätze wie What can I do? oder Where can we park?
Kurze Antworten wiederholen can, nicht das Vollverb:
- Can you swim? — Yes, I can.
- Can Mia come? — No, she can't.
Yes, I can swim ist ebenfalls richtig, wenn eine vollständige Antwort gewünscht ist. Als neutrale Kurzantwort reicht jedoch Yes, I can.
Fähigkeit oder Erlaubnis?
Die Form ist gleich; der Zusammenhang zeigt die Bedeutung.
| Bedeutung | Englischer Satz | Gemeinte deutsche Aussage |
|---|---|---|
| Fähigkeit | Leo can cook. | Leo kann kochen. |
| Fähigkeit | Can you read this? | Kannst du das lesen? |
| Erlaubnis | You can leave early. | Du darfst früher gehen. |
| Bitte um Erlaubnis | Can I use your phone? | Darf ich dein Telefon benutzen? |
Bei Can you ...? kommt noch eine sehr häufige Funktion hinzu: Der Satz kann als Bitte gemeint sein. Can you close the door? prüft meist nicht die Fähigkeit der angesprochenen Person, sondern bittet sie, die Tür zu schließen. Tonfall, Situation und ein please machen die Absicht deutlich.
Beispiele im Zusammenhang
| Englisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| I can swim. | Ich kann schwimmen. | allgemeine Fähigkeit |
| My grandfather can speak four languages. | Mein Großvater kann vier Sprachen sprechen. | bei can kein -s |
| She can't drive. | Sie kann nicht Auto fahren. | fehlende Fähigkeit |
| We can meet after work. | Wir können uns nach der Arbeit treffen. | praktische Möglichkeit |
| Can you help me? | Können Sie mir helfen? / Kannst du mir helfen? | Bitte; die deutsche Anrede hängt von der Situation ab |
| Can your son read yet? | Kann Ihr Sohn schon lesen? | Frage nach einer Fähigkeit |
| You can sit here. | Sie dürfen hier sitzen. / Du darfst hier sitzen. | Erlaubnis |
| Can I open the window? | Darf ich das Fenster öffnen? | Bitte um Erlaubnis |
| Visitors can't enter this room. | Besucher dürfen diesen Raum nicht betreten. | Verbot, nicht fehlende Fähigkeit |
| Can we pay by card? | Können wir mit Karte bezahlen? | Frage nach einer vorhandenen Möglichkeit |
| I can't hear you. | Ich kann Sie nicht hören. / Ich kann dich nicht hören. | Wahrnehmung in diesem Moment |
| Where can I charge my phone? | Wo kann ich mein Handy aufladen? | Fragewort vor can |
| Can Emma come with us? — Yes, she can. | Kann Emma mitkommen? — Ja, das kann sie. | kurze Antwort |
| The baby can't walk yet. | Das Baby kann noch nicht laufen. | noch nicht entwickelte Fähigkeit |
| You can use the kitchen, but you can't smoke inside. | Du darfst die Küche benutzen, aber drinnen darfst du nicht rauchen. | Erlaubnis und Verbot im selben Satz |
Häufige Fehler
1. Ein -s bei he, she oder it anhängen
- Falsch: She cans drive.
- Richtig: She can drive.
- Warum: Modalverben wie can haben in der dritten Person Singular keine besondere Endung.
2. Das Vollverb anpassen
- Falsch: Tom can speaks English.
- Richtig: Tom can speak English.
- Warum: Nach can steht immer die unveränderte Grundform. Die -s-Regel des Present Simple gilt hier nicht.
3. to nach can setzen
- Falsch: I can to help you.
- Richtig: I can help you.
- Warum: Direkt nach can folgt die Grundform ohne to. Deutschsprachige sollten sich die Verbindung am besten als einen festen Bauplan merken: can + Verb.
4. Fragen mit do bilden
- Falsch: Do you can swim?
- Richtig: Can you swim?
- Warum: Can übernimmt selbst die Funktion des Hilfsverbs. Es rückt in der Frage vor das Subjekt; do kommt nicht hinzu.
5. Verneinungen mit don't bilden
- Falsch: He doesn't can come.
- Richtig: He can't come.
- Warum: Auch in der Verneinung braucht can kein do. Not wird direkt mit can verbunden: cannot oder can't.
6. Erlaubnis wörtlich mit „können“ deuten
- Missverständlich übersetzt: Can I leave now? — „Kann ich jetzt gehen?“
- Im üblichen Zusammenhang gemeint: Can I leave now? — „Darf ich jetzt gehen?“
- Warum: Im Deutschen unterscheidet man deutlicher zwischen Fähigkeit (können) und Erlaubnis (dürfen). Im Englischen deckt can im Alltag beides ab.
Hinweise zum Gebrauch
Can, may und höfliche Bitten
Für eine normale Bitte um Erlaubnis ist Can I ...? im heutigen Englisch völlig üblich: Can I sit here? In formelleren Situationen kann May I ...? gewählt werden: May I come in? Diese Form klingt höflicher oder förmlicher, teilweise auch etwas traditionell. Die pauschale Schulregel, nur may dürfe nach Erlaubnis fragen, beschreibt den tatsächlichen Alltagsgebrauch daher nicht gut.
Bei einer Bitte an eine andere Person ist Can you ...? neutral und direkt. Mit please wird sie höflicher: Can you send me the address, please? Eine noch zurückhaltendere Form mit could wird weiter unten erklärt.
Gesprochenes Englisch
In bejahten Sätzen ist can häufig unbetont und wird mit einem schwachen Vokal gesprochen, ungefähr /kən/: I can swim. Can't trägt dagegen oft die Betonung. Beim Hörverstehen sollte man deshalb nicht nur auf das Wort selbst achten, sondern auch auf den Zusammenhang und die Betonung.
Die Aussprache von can't unterscheidet sich außerdem zwischen verbreiteten britischen und amerikanischen Varianten. Für Lernende ist zunächst wichtiger, die Verneinung deutlich auszusprechen, als eine bestimmte regionale Aussprache nachzuahmen.
Wahrnehmung mit can
Mit Verben wie see, hear, smell und feel beschreibt can oft, was gerade wahrnehmbar ist:
- I can see the mountains from here. — Von hier aus sehe ich die Berge.
- Can you hear that noise? — Hörst du dieses Geräusch?
Im Deutschen wird in solchen Sätzen nicht immer ausdrücklich „können“ verwendet. Das englische can klingt hier dennoch natürlich und bezeichnet die unter den gegebenen Umständen mögliche Wahrnehmung.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Punkte muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, denen man bald begegnet, und zeigen die Grenzen von can.
Andere Zeiten: be able to und be allowed to
Can besitzt keinen Infinitiv mit to und nicht für jede Zeitform eine eigene Form. Deshalb verwendet man bei Fähigkeit häufig be able to und bei Erlaubnis be allowed to:
| Funktion | Beispiel | Deutsch |
|---|---|---|
| zukünftige Fähigkeit | You will be able to walk soon. | Du wirst bald wieder laufen können. |
| Infinitiv | I'd like to be able to sing. | Ich würde gern singen können. |
| zukünftige Erlaubnis | Students will be allowed to use calculators. | Die Schüler dürfen Taschenrechner benutzen. |
| vergangene Erlaubnis | We were allowed to leave early. | Wir durften früher gehen. |
Für konkrete Verabredungen oder zeitliche Verfügbarkeit kann can trotz Zukunftsbezug stehen: I can meet you tomorrow. Das bedeutet etwa „Ich kann morgen“ beziehungsweise „Ich habe morgen Zeit“. Für eine erst künftig erworbene Fähigkeit ist dagegen will be able to meist die klare Form.
Could für Vergangenheit und Höflichkeit
Could kann eine allgemeine Fähigkeit in der Vergangenheit ausdrücken:
- When I was ten, I could swim very well. — Als ich zehn war, konnte ich sehr gut schwimmen.
Für eine einzelne erfolgreich bewältigte Situation verwendet man oft was/were able to statt could: Despite the smoke, they were able to escape. Bei verneinten Aussagen ist couldn't auch für ein einzelnes Ereignis normal: They couldn't open the door. Diese Unterscheidung gehört nicht mehr zum A1-Kern, ist aber für spätere Erzählungen nützlich.
Außerdem macht could Bitten zurückhaltender:
- Could you help me? — Könnten Sie mir helfen?
- Could I use your phone? — Könnte/Dürfte ich Ihr Telefon benutzen?
Hier bezeichnet could nicht automatisch Vergangenheit, sondern Höflichkeit oder vorsichtige Distanz.
Weitere Bedeutungen von can
Auf höheren Lernstufen begegnet can auch bei allgemeiner Möglichkeit:
- Winters can be very cold here. — Die Winter können hier sehr kalt sein.
- Learning a language can take time. — Eine Sprache zu lernen kann Zeit brauchen.
Das bedeutet nicht, dass etwas gerade sicher geschieht, sondern dass es grundsätzlich vorkommen kann. Daneben existieren feste Wendungen wie I can't help laughing („Ich kann nicht anders, als zu lachen“). Solche Verwendungen bauen auf der Grundidee von Möglichkeit auf, sollten aber getrennt vom einfachen A1-Muster gelernt werden.
Tipps zum Üben
- Bilde Vierergruppen. Nimm eine Aussage wie Anna can drive und forme daraus Verneinung, Frage und kurze Antwort: Anna can't drive. Can Anna drive? Yes, she can. So prägt sich ein, dass weder do noch ein -s gebraucht wird.
- Ordne nach Bedeutung. Sammle Alltagssätze in zwei Spalten: Fähigkeit (I can cook) und Erlaubnis (You can use my laptop). Übersetze die zweite Gruppe bewusst mit „dürfen“, damit die deutsche Gewohnheit nicht in die Irre führt.
- Höre auf schwaches can und betontes can't. Suche in kurzen Dialogen gezielt nach beiden Formen und sprich die ganzen Sätze nach. Lerne nicht nur das Einzelwort, sondern den Rhythmus von Verbindungen wie I can do it und I can't do it.
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