A2

Should und must im Englischen

Should and Must

Dieser Artikel ist Teil des Englisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit should gibt man einen Rat; must drückt eine starke Pflicht oder Notwendigkeit aus. Besonders wichtig ist der Gegensatz zwischen mustn't („darf nicht“) und don't have to („muss nicht, braucht nicht“): Das eine verbietet etwas, das andere lässt die Wahl.

Überblick

Should und must sind Modalverben (Hilfsverben, die zum Beispiel Rat, Pflicht oder Möglichkeit ausdrücken). Sie verändern nicht die Handlung selbst, sondern zeigen, wie der Sprecher diese Handlung bewertet: You should call her ist eine Empfehlung, You must call her eine dringende Notwendigkeit.

Dieses Thema gehört zum Niveau A2. Für den Anfang reichen vier klare Bedeutungen: should für Ratschläge, must für starke Pflichten, mustn't für Verbote und don't have to für fehlende Verpflichtung. Wer diesen Unterschied beherrscht, kann Regeln erklären, Empfehlungen geben und Missverständnisse vermeiden.

Für Deutschsprachige wirkt die Satzbildung zunächst vertraut, weil auch im Deutschen ein Modalverb mit einem weiteren Verb verbunden wird. Es gibt jedoch zwei wichtige Unterschiede: Das englische Vollverb steht meist direkt nach dem Modalverb, und deutsches „Du musst nicht …“ darf nicht automatisch mit You mustn't … übersetzt werden. Genau diese scheinbar naheliegende Übersetzung ändert die Aussage von „nicht nötig“ zu „verboten“.

So funktioniert es

Die vier Grundbedeutungen

Form Kernbedeutung Typische deutsche Entsprechung
should Rat oder Empfehlung sollte, solltest
shouldn't Rat, etwas nicht zu tun sollte nicht
must starke Pflicht oder zwingende Notwendigkeit muss, unbedingt müssen
mustn't Verbot darf nicht, auf keinen Fall dürfen
don't/doesn't have to keine Pflicht; freie Wahl muss nicht, braucht nicht

Die Stärke lässt sich ungefähr so ordnen:

  • You should leave now. — Es wäre vernünftig, jetzt zu gehen.
  • You must leave now. — Du musst jetzt gehen.
  • You mustn't leave now. — Du darfst jetzt nicht gehen.
  • You don't have to leave now. — Du musst jetzt nicht gehen; du kannst aber.

Aussagesätze

Der Grundbauplan ist:

Subjekt + should/must + Grundform des Verbs

Das Subjekt ist die Person oder Sache, über die etwas ausgesagt wird. Die Grundform ist die unveränderte Verbform, etwa go, wear oder be.

  • I should rest.
  • She should rest.
  • We must leave.
  • He must leave.

Nach should und must steht kein to. Außerdem bekommen die Modalverben in der dritten Person Singular kein -s: Es heißt she should und he must, nicht she shoulds oder he musts.

Anders als im deutschen Satz bildet das Englische normalerweise keine Verbklammer. Vergleiche:

  • You must wear a seatbelt.
  • „Du musst einen Sicherheitsgurt tragen.“

Im Englischen folgt das Vollverb früh im Satz. Angaben wie always können dazwischenstehen: You must always wear a seatbelt.

Verneinungen

Bei echten Modalverben setzt man not direkt dahinter:

  • should not → shouldn't
  • must not → mustn't

Shouldn't ist ein negativer Rat: You shouldn't drive when you're tired. Der Sprecher hält das Fahren für unvernünftig. Mustn't ist deutlich stärker: You mustn't drive without a licence. Es ist nicht erlaubt.

Don't have to funktioniert anders, weil have to mit do/does verneint wird:

  • I/you/we/they don't have to wait.
  • He/she doesn't have to wait.

Die Handlung bleibt möglich. You don't have to book a table bedeutet: Reservieren ist nicht nötig, aber erlaubt.

Fragen

Bei should oder must steht das Modalverb vor dem Subjekt:

  • Should I call the doctor?
  • Should we take a taxi?
  • Must I sign this form?

In einer Frage mit should bittet man häufig um Rat. Fragen mit must sind grammatisch richtig, wirken aber oft formeller oder nachdrücklicher. Im Alltag ist Do I have to sign this form? meist natürlicher als Must I sign this form?

Auch kurze Antworten brauchen kein do:

  • Should I apologize? — Yes, you should.
  • Must we show our passports? — Yes, you must.

Bei have to verwendet man dagegen do/does: Do we have to pay now? — No, you don't.

Einfache Entscheidungsfrage

Vor dem Sprechen kann man sich drei Fragen stellen:

  1. Ist es nur eine Empfehlung?should / shouldn't
  2. Ist es notwendig oder verpflichtend?must oder have to
  3. Ist es verboten oder nur nicht nötig?mustn't für ein Verbot, don't have to für freie Wahl

Beispiele im Zusammenhang

Englisch Deutsch Hinweis
You should see a doctor. Du solltest zum Arzt gehen. Rat wegen eines gesundheitlichen Problems
We should leave before the traffic gets worse. Wir sollten losfahren, bevor der Verkehr schlimmer wird. praktische Empfehlung
Should I bring anything to dinner? Soll ich etwas zum Abendessen mitbringen? Bitte um Rat
You shouldn't drink so much coffee at night. Du solltest abends nicht so viel Kaffee trinken. negativer Rat, kein Verbot
You must wear a seatbelt. Du musst einen Sicherheitsgurt tragen. verbindliche Sicherheitsregel
I must remember to call Mia today. Ich darf nicht vergessen, Mia heute anzurufen. vom Sprecher empfundene dringende Notwendigkeit
All visitors must report to reception. Alle Besucher müssen sich am Empfang melden. formelle Vorschrift
Must we finish this today? Müssen wir das heute fertigstellen? nachdrückliche oder formelle Frage
You mustn't smoke here. Hier darf man nicht rauchen. Verbot
Passengers mustn't open this door. Fahrgäste dürfen diese Tür nicht öffnen. Sicherheitsverbot
You don't have to come. Du musst nicht kommen. Teilnahme ist freiwillig
She doesn't have to work on Fridays. Sie muss freitags nicht arbeiten. keine Verpflichtung
Do I have to print the ticket? Muss ich das Ticket ausdrucken? neutrale Frage nach einer Vorschrift
You should be more careful, but you don't have to worry. Du solltest vorsichtiger sein, aber du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Rat und fehlende Notwendigkeit im Kontrast

Häufige Fehler

Mustn't mit „muss nicht“ verwechseln

  • Falsch: You mustn't come tomorrow. — wenn gemeint ist, dass die Person nicht kommen muss
  • Richtig: You don't have to come tomorrow.
  • Warum: Mustn't bedeutet „darf nicht“. Der falsche Satz verbietet das Kommen. Das deutsche „nicht müssen“ entspricht normalerweise don't have to.

To nach dem Modalverb setzen

  • Falsch: You should to talk to your manager.
  • Richtig: You should talk to your manager.
  • Warum: Nach should und must folgt die Grundform ohne to. Have to ist eine andere Konstruktion; dort gehört to fest dazu.

Ein -s in der dritten Person ergänzen

  • Falsch: She musts leave early.
  • Richtig: She must leave early.
  • Warum: Modalverben verändern ihre Form nicht nach Person. Dasselbe gilt für should: he should, nicht he shoulds.

Fragen mit do bilden

  • Falsch: Do I should call him?
  • Richtig: Should I call him?
  • Warum: Should und must wechseln in Fragen selbst vor das Subjekt. Nur bei have to braucht man do: Do I have to call him?

Must wie ein regelmäßiges Verb in die Vergangenheit setzen

  • Falsch: We musted wait for two hours.
  • Richtig: We had to wait for two hours.
  • Warum: Für eine vergangene Pflicht verwendet man had to. Eine Form musted gibt es nicht.

Jeden deutschen Satz mit sollen durch should übersetzen

  • Missverständlich: I should send you the documents. — wenn eine Anweisung einer dritten Person gemeint ist
  • Passender: I'm supposed to send you the documents.
  • Warum: Deutsches „sollen“ kann einen Auftrag oder eine fremde Erwartung wiedergeben. Should klingt meist nach Rat oder danach, was vernünftig wäre.

Gebrauchshinweise

Must und have to sind oft beide möglich

Als Lernregel hört man häufig: must bezeichnet eine vom Sprecher empfundene Pflicht, have to eine äußere Regel. Das kann den Unterschied verdeutlichen:

  • I must call my mother. — Ich halte es selbst für dringend.
  • I have to wear a uniform at work. — Mein Arbeitgeber verlangt es.

Diese Trennung ist aber keine starre Grammatikregel. Im heutigen Englisch überschneiden sich beide Formen stark. You must show your passport kann selbstverständlich eine äußere Vorschrift ausdrücken. Must klingt oft besonders entschieden, offiziell oder unmittelbar; have to ist im Gespräch häufig neutraler.

Höflichkeit und Ton

Direktes You must … kann gegenüber einer anderen Person streng oder autoritär wirken. In Hinweisen und Regeln ist das normal: Guests must check out by 11 a.m. In persönlichen Gesprächen sind je nach Situation weichere Formulierungen freundlicher:

  • You should send the form today. — Empfehlung
  • You'll need to send the form today. — sachliche Notwendigkeit
  • Could you send the form today? — höfliche Bitte

Should ist zwar schwächer, kann mit entsprechendem Ton trotzdem kritisch klingen: You should know better. bedeutet etwa „Du solltest es besser wissen“ und ist eher ein Vorwurf als ein hilfreicher Rat.

Kurzformen

Shouldn't und mustn't sind in Gesprächen und informellen Texten üblich. Must not wirkt häufig betonter oder formeller. In offiziellen Verboten findet man beide Formen, zum Beispiel You must not enter. Bei mustn't wird das erste t in schneller Aussprache oft kaum hörbar; der Sinn ergibt sich daher auch aus dem Kontext.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Verwendungen muss man auf A2 noch nicht aktiv beherrschen. Sie sind aber häufig genug, um sie beim Lesen und Hören wiederzuerkennen.

Vergangenheit und Zukunft von Pflichten

Must besitzt keine normalen Formen für alle Zeiten. Für eine tatsächliche Pflicht in der Vergangenheit verwendet man had to, für eine zukünftige Pflicht meist will have to:

Zeit Beispiel Bedeutung
Gegenwart I must leave now. Ich muss jetzt gehen.
Vergangenheit I had to leave early yesterday. Ich musste gestern früh gehen.
Zukunft I'll have to leave early tomorrow. Ich werde morgen früh gehen müssen.

Vorsicht bei der Verneinung in der Vergangenheit: I didn't have to pay bedeutet, dass Bezahlen nicht nötig war. Ob die Person trotzdem bezahlt hat, sagt der Satz nicht. I wasn't allowed to pay bedeutet dagegen, dass sie nicht bezahlen durfte.

Should have für einen rückblickenden Rat

Should have + Partizip Perfekt spricht über eine bessere Möglichkeit in der Vergangenheit. Das Partizip Perfekt ist die dritte Verbform, zum Beispiel called, gone oder seen.

  • You should have called me. — Du hättest mich anrufen sollen.
  • I shouldn't have said that. — Ich hätte das nicht sagen sollen.

Meist ist die Handlung bereits abgeschlossen und nicht mehr zu ändern. Deshalb drückt diese Form oft Bedauern oder Kritik aus.

Must für logische Schlussfolgerungen

Must kann auch bedeuten, dass der Sprecher etwas für nahezu sicher hält:

  • You worked all night. You must be exhausted. — Du musst völlig erschöpft sein.
  • The lights are off. They must be asleep. — Das Licht ist aus; sie schlafen bestimmt.

Hier besteht keine Pflicht. Es handelt sich um eine Schlussfolgerung. Für eine Schlussfolgerung über die Vergangenheit steht must have + Partizip Perfekt: She must have forgotten the meeting („Sie muss die Besprechung wohl vergessen haben“). Diese Bedeutung gehört zu den Modalverben der Wahrscheinlichkeit und wird später ausführlicher behandelt.

Should für Erwartungen

Neben Ratschlägen kann should eine wahrscheinliche oder erwartete Entwicklung ausdrücken:

  • The train should arrive in ten minutes. — Der Zug dürfte/sollte in zehn Minuten ankommen.
  • This key should open the back door. — Mit diesem Schlüssel müsste sich die Hintertür öffnen lassen.

Der Sprecher erwartet das Ergebnis, garantiert es aber nicht. Das deutsche „sollte“ passt hier oft, doch je nach Zusammenhang klingen auch „dürfte“ oder „müsste“ natürlicher.

Ought to und needn't

Ought to hat oft eine ähnliche Bedeutung wie should, klingt aber etwas formeller und ist weniger häufig: You ought to apologize. Needn't bedeutet vor allem im britischen Englisch „braucht nicht“: You needn't wait. Für Lernende ist You don't have to wait meist die vielseitigere Form.

Übungstipps

  1. Bilde Vierergruppen. Nimm eine Alltagshandlung wie book a ticket und bilde vier Sätze: You should …, You shouldn't …, You mustn't … und You don't have to …. Erkläre anschließend auf Deutsch, wie sich die Aussagen unterscheiden.
  2. Übersetze „müssen nicht“ bewusst. Markiere in deutschen Beispielsätzen zuerst, ob etwas verboten oder nur freiwillig ist. Wähle erst danach mustn't oder don't have to. So verhinderst du den häufigsten Bedeutungsfehler.
  3. Achte auf den Ton. Suche in Hausordnungen nach must/mustn't und in Ratgebertexten nach should/shouldn't. Notiere, wer spricht, wie verbindlich die Aussage ist und ob eine höflichere Alternative möglich wäre.

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