Modalverben für Möglichkeit im Englischen
Possibility Modals
Dieser Artikel ist Teil des Englisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Mit may, might und could drückt man aus, dass etwas möglich ist: She might come („Vielleicht kommt sie“). Must bezeichnet einen sehr sicheren positiven Schluss, can't einen sehr sicheren negativen: He must be tired („Er muss müde sein“), aber That can't be true („Das kann nicht wahr sein“). Nach diesen Modalverben steht der Infinitiv ohne to.
Überblick
Modalverben sind Hilfsverben, mit denen man die Haltung der sprechenden Person zu einer Aussage zeigt. Hier geht es nicht um Fähigkeit, Erlaubnis oder Pflicht, sondern um Möglichkeit und logische Schlussfolgerung: Wie sicher erscheint eine Aussage angesichts dessen, was man weiß? Das nennt man auch epistemischen Gebrauch – also eine Einschätzung des Wahrheitsgehalts.
Auf Niveau B1 wird vor allem der Unterschied zwischen drei Bereichen wichtig. May, might und could lassen eine Möglichkeit offen. Must zeigt, dass die vorhandenen Hinweise nur einen sehr wahrscheinlichen positiven Schluss zulassen. Can't zeigt, dass etwas nach Ansicht der sprechenden Person unmöglich ist. Es geht dabei um Gegenwart und Zukunft; Schlüsse über die Vergangenheit werden anders gebildet und weiter unten nur als Ausblick behandelt.
Für Deutschsprachige wirken einige Sätze zunächst vertraut: He must be tired entspricht oft „Er muss müde sein“. Die Zuordnung ist aber nicht immer Wort für Wort möglich. Besonders wichtig: Das Gegenteil einer positiven Vermutung mit must ist nicht mustn't, sondern can't. Außerdem entspricht deutsches „vielleicht“ je nach Satz may, might oder could, ohne dass sich immer eine genaue Prozentzahl für die Wahrscheinlichkeit angeben lässt.
So funktioniert es
Die Grundskala
| Einschätzung | Englische Form | Typische deutsche Wiedergabe | Beispiel |
|---|---|---|---|
| sehr sicher: positiver Schluss | must | muss, bestimmt, sicher | She must be at work. |
| möglich | may / might / could | vielleicht, möglicherweise, könnte | She might be at work. |
| sehr sicher: negativer Schluss | can't | kann nicht, unmöglich | She can't be at work. |
Diese Skala beschreibt keine messbaren Wahrscheinlichkeiten. Might klingt manchmal etwas vorsichtiger als may, doch der Unterschied hängt stark von Situation, Ton und persönlichem Sprachgebrauch ab. Lernlisten, die jedem Modalverb eine feste Prozentzahl zuordnen, sind daher irreführend.
Der Satzbau
Die Grundform lautet:
Subjekt + Modalverb + Infinitiv ohne to
Das Subjekt ist die Person oder Sache, über die etwas ausgesagt wird. Der Infinitiv ist die unveränderte Grundform des Verbs.
| Funktion | Muster | Beispiel |
|---|---|---|
| Aussage | Subjekt + Modalverb + Grundform | They might know the answer. |
| Verneinung | Subjekt + Modalverb + not + Grundform | They may not know the answer. |
| Frage | Modalverb + Subjekt + Grundform? | Could they know the answer? |
| Zustand mit be | Subjekt + Modalverb + be + Ergänzung | It must be difficult. |
| laufender Vorgang | Subjekt + Modalverb + be + -ing | She might be sleeping. |
Modalverben verändern sich in der dritten Person Singular nicht: he may, she might, it could – niemals mays, mights oder coulds. Sie brauchen in Fragen und Verneinungen auch kein do. Man sagt Could it be true?, nicht Does it could be true?
May, might und could: eine offene Möglichkeit
Alle drei Formen können bedeuten, dass etwas gegenwärtig oder künftig möglich ist:
- Lisa may be in the kitchen. – Vielleicht ist Lisa in der Küche.
- Lisa might be in the kitchen. – Lisa ist möglicherweise in der Küche.
- Lisa could be in the kitchen. – Lisa könnte in der Küche sein.
May wirkt in manchen Kontexten etwas formeller oder neutraler. Might eignet sich besonders gut für eine vorsichtige, unsichere Vermutung. Could lenkt den Blick häufig darauf, dass eine Erklärung oder Entwicklung denkbar ist: The noise could be the heating. Es ist eine mögliche Erklärung unter mehreren.
Für Zukunftsmöglichkeiten steht nach dem Modalverb direkt die Grundform: It might rain tomorrow. Zwei Modalverben werden nicht kombiniert. Deshalb heißt es nicht might will rain. Der Zukunftsbezug ergibt sich aus Wörtern wie tomorrow oder aus dem Zusammenhang.
Bei Fragen nach einer Möglichkeit ist could besonders natürlich: Could this be a mistake? Auch can kommt vor, vor allem bei allgemeiner oder theoretischer Möglichkeit: Can this be dangerous? Eine Frage wie May this be true? klingt heute meist steif oder unnatürlich.
Must: ein starker positiver Schluss
Must bedeutet hier nicht „verpflichtet sein“. Die sprechende Person zieht aus Indizien einen Schluss:
- The lights are on. Sam must be home. – Das Licht brennt. Sam muss zu Hause sein.
- You've been working all day. You must be tired. – Du hast den ganzen Tag gearbeitet. Du musst müde sein.
Der Satz behauptet nicht, dass jemand Sam zum Zuhausebleiben verpflichtet oder dass jemand müde sein soll. Must bewertet vielmehr, welche Erklärung sehr wahrscheinlich ist. Trotz des hohen Grades an Sicherheit bleibt es ein Schluss der sprechenden Person, kein Beweis.
Can't: ein starker negativer Schluss
Can't drückt aus, dass eine Aussage nicht mit den bekannten Tatsachen vereinbar ist:
- She can't be 50; her son is only ten. – Sie kann unmöglich 50 sein; ihr Sohn ist erst zehn.
- This can't be our train. It goes to Oxford. – Das kann nicht unser Zug sein. Er fährt nach Oxford.
Im britischen wie im amerikanischen Englisch ist can't sehr gebräuchlich. Cannot ist die ungekürzte Form und wirkt häufig nachdrücklicher oder schriftsprachlicher: That cannot be correct. Couldn't kann einen besonders vorsichtigen oder hypothetischen Zweifel formulieren, aber für den klaren Schluss über die Gegenwart ist can't die sicherste Grundform.
Verneintes may und might
May not und might not bedeuten meist, dass möglicherweise etwas nicht der Fall ist:
- He may not know. – Vielleicht weiß er es nicht.
- We might not have enough time. – Vielleicht haben wir nicht genug Zeit.
Das ist schwächer als can't. He may not be at home lässt beide Möglichkeiten offen; He can't be at home schließt „zu Hause“ aufgrund der Hinweise aus. Bei may not kann außerdem der Kontext entscheidend sein: In formeller Sprache kann You may not enter auch „Sie dürfen nicht eintreten“ bedeuten. Das ist ein Verbot, keine Vermutung.
Beispiele im Zusammenhang
| Englisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| She might come tomorrow. | Sie kommt vielleicht morgen. | vorsichtige Zukunftsmöglichkeit |
| It could be true. | Es könnte wahr sein. | denkbare Erklärung |
| Our keys may be in the car. | Unsere Schlüssel sind vielleicht im Auto. | Möglichkeit in der Gegenwart |
| The shop might close early today. | Das Geschäft schließt heute möglicherweise früher. | unsichere Entwicklung |
| Could the email be in your spam folder? | Könnte die E-Mail in deinem Spamordner sein? | Frage nach einer möglichen Erklärung |
| Don't call yet; they may be having dinner. | Ruf noch nicht an; vielleicht essen sie gerade zu Abend. | möglicherweise laufender Vorgang |
| He must be tired after that journey. | Nach dieser Reise muss er müde sein. | starker positiver Schluss |
| That must be Anna at the door. | Das ist bestimmt Anna an der Tür. | Schluss aus der Situation |
| You know every street here. You must live nearby. | Du kennst hier jede Straße. Du wohnst bestimmt in der Nähe. | Schluss aus einem Indiz |
| She can't be 50. | Sie kann unmöglich 50 sein. | als unmöglich eingeschätzt |
| This can't be the right address; the number doesn't exist. | Das kann nicht die richtige Adresse sein; die Hausnummer gibt es nicht. | negativer Schluss mit Begründung |
| Leo may not understand the instructions. | Vielleicht versteht Leo die Anleitung nicht. | mögliche Verneinung |
| We might not need a taxi after all. | Vielleicht brauchen wir doch kein Taxi. | offene negative Möglichkeit |
| The roads could be icy tonight. | Die Straßen könnten heute Nacht glatt sein. | mögliche künftige Situation |
| The figures cannot be correct. | Die Zahlen können nicht stimmen. | nachdrückliche, eher formelle Form |
Häufige Fehler
Nach dem Modalverb to verwenden
- Falsch: She might to arrive late.
- Richtig: She might arrive late.
- Warum? Nach may, might, could, must und can't steht die Grundform ohne to. Auch vor be steht kein to: It could be expensive.
Ein -s in der dritten Person anhängen
- Falsch: He mays know the answer.
- Richtig: He may know the answer.
- Warum? Englische Modalverben haben für he, she, it keine besondere Endung. Das folgende Verb bleibt ebenfalls unverändert.
Für einen negativen Schluss mustn't benutzen
- Falsch: She mustn't be at home; I just saw her at work.
- Richtig: She can't be at home; I just saw her at work.
- Warum? Mustn't bezeichnet normalerweise ein Verbot: You mustn't park here heißt „Du darfst hier nicht parken“. Für „Das ist unmöglich“ verwendet man can't.
Zwei Modalverben kombinieren
- Falsch: It might will rain later.
- Richtig: It might rain later.
- Warum? Might trägt bereits die modale Bedeutung; der Zeitbezug entsteht hier durch later. Standardenglisch reiht might und will nicht direkt aneinander.
In Fragen unnötig do einsetzen
- Falsch: Does this could be the problem?
- Richtig: Could this be the problem?
- Warum? Das Modalverb selbst steht vor dem Subjekt. Ein zusätzliches do/does ist nicht nötig.
Maybe und may be verwechseln
- Falsch: She maybe at work.
- Richtig: She may be at work. / Maybe she is at work.
- Warum? May be besteht aus Modalverb und Verb und bedeutet „könnte sein“. Maybe ist ein einzelnes Adverb (ein Umstandswort, das die Aussage näher bestimmt) und bedeutet „vielleicht“.
Gebrauchshinweise
May, might und could sind im Alltag alle üblich, aber nicht völlig austauschbar. In einer lockeren Vermutung hört man sehr oft might: I might stay home tonight. May kann etwas formeller klingen, besonders in sachlichen Mitteilungen: Delivery may take up to five days. Could bietet sich an, wenn mehrere Ursachen oder Lösungen denkbar sind: It could be a software problem. Diese Tendenzen sind hilfreicher als starre Regeln.
Verkürzungen unterscheiden sich. Might not wird in vielen Varietäten nicht verkürzt; britisches Englisch kennt zwar mightn't, doch es ist regional und wesentlich seltener als might not. Mayn't ist in modernem Standardenglisch ungewöhnlich. Dagegen sind can't und gelegentlich couldn't ganz normal.
Achte beim Übersetzen aus dem Deutschen auf den gemeinten Zweck von „können“ und „müssen“. „Er kann im Büro sein“ klingt im Deutschen je nach Region weniger natürlich als „Er könnte im Büro sein“ oder „Vielleicht ist er im Büro“; auf Englisch passt oft He may/might/could be in the office. Umgekehrt kann He must be in the office sowohl formal ähnlich als auch inhaltlich eindeutig eine Schlussfolgerung sein. Erst der Kontext zeigt, ob must eine Pflicht (You must wear a helmet) oder eine Vermutung (You must be cold) ausdrückt.
Über die Grundlagen hinaus
Laufende Vorgänge und erwartete Ergebnisse
Mit modal + be + -ing beschreibt man einen möglicherweise gerade laufenden Vorgang: They might be waiting outside. Die -ing-Form bezeichnet hier zusammen mit be eine Handlung im Verlauf. Ein starker Schluss lautet entsprechend: She must be working („Sie arbeitet bestimmt gerade“).
Should kann eine begründete Erwartung ausdrücken, die etwas weniger sicher als must ist: The train should be here soon. Gemeint ist etwa „Der Zug müsste/bis gleich sollte der Zug da sein, wenn alles planmäßig läuft“. Das ist keine bloße Empfehlung und erweitert die einfache Skala um eine nützliche Zwischenstufe.
Zukunft und Bedingungen
Might und could erscheinen häufig in Bedingungssätzen: If we leave now, we might catch the early train. Die Möglichkeit hängt dann von der genannten Bedingung ab. Could kann zusätzlich Fähigkeit oder Gelegenheit bedeuten: If we had more time, we could visit York. Hier bedeutet es eher „Wir hätten die Möglichkeit“, nicht bloß „Vielleicht besuchen wir York“.
Ein kurzer Ausblick auf die Vergangenheit
Für Vermutungen über ein bereits abgeschlossenes Ereignis braucht man Modalverb + have + Partizip Perfekt. Das Partizip Perfekt ist die Verbform, die zum Beispiel auch in has arrived, has seen oder has forgotten steht.
| Bedeutung | Form | Beispiel | Deutsch |
|---|---|---|---|
| sehr wahrscheinlicher Schluss | must have + Partizip | She must have forgotten. | Sie muss es vergessen haben. |
| offene Möglichkeit | may/might/could have + Partizip | They might have got lost. | Sie könnten sich verlaufen haben. |
| als unmöglich eingeschätzt | can't/couldn't have + Partizip | He can't have known. | Er kann es nicht gewusst haben. |
Diese Formen gehören systematisch zum nächsten Lernschritt. Wichtig ist zunächst nur die Grenze: She must be tired bezieht sich auf ihren jetzigen Zustand; She must have been tired zieht einen Schluss über einen früheren Zustand.
Abschwächung in vorsichtiger Sprache
In Diskussionen und sachlichen Texten können may und might eine Aussage bewusst weniger absolut machen: This may indicate a change in customer behaviour. Man behauptet nicht, dass die Daten nur diese eine Deutung erlauben. Solche sprachlichen Absicherungen werden in wissenschaftlichen und beruflichen Texten häufig mit weiteren Wendungen wie seem to oder tend to kombiniert.
Übungstipps
- Arbeite mit einer Beweislage. Nimm eine Alltagssituation – ein leerer Schreibtisch, Licht hinter einem Fenster, eine verspätete Bahn – und bilde drei Sätze: eine Möglichkeit mit might, einen starken Schluss mit must und einen Ausschluss mit can't.
- Übersetze nicht nur das Modalverb. Frage dich bei deutschem „muss“, ob eine Pflicht oder eine Schlussfolgerung gemeint ist. Prüfe bei „kann nicht“, ob es um fehlende Fähigkeit oder logische Unmöglichkeit geht.
- Übe Satzfamilien. Verwandle She is at home in She may be at home, She might not be at home, She must be at home und She can't be at home. So prägen sich Bedeutung und unveränderter Satzbau gemeinsam ein.
Verwandte Konzepte
- Voraussetzung: Should und Must – unterscheidet Empfehlung, Pflicht, Verbot und fehlende Verpflichtung.
- Nächster Schritt: Modalverben für Schlüsse über die Vergangenheit – erweitert das Muster um have + Partizip Perfekt.
- Weiterführend: Sprachliche Abschwächung – zeigt, wie vorsichtige Aussagen in akademischen und formellen Texten formuliert werden.
Voraussetzung
Should und must im EnglischenA2Konzepte, die darauf aufbauen
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