A1

Subjektpronomen im Französischen

Pronoms Sujets

Dieser Artikel ist Teil des Französisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Die französischen Subjektpronomen lauten je, tu, il/elle/on, nous, vous, ils/elles. Sie zeigen, wer etwas tut, und stehen normalerweise vor dem passend konjugierten Verb: je parle, nous parlons. Besonders wichtig sind on für das deutsche „man“ und im Alltag oft auch „wir“ sowie vous für mehrere angesprochene Personen oder eine höflich angesprochene Einzelperson.

Überblick

Ein Subjekt ist die Person oder Sache, von der ein Satz etwas aussagt – vereinfacht gefragt: Wer oder was tut etwas? Ein Subjektpronomen ist ein kurzes Wort, das dieses Subjekt ersetzt. Statt immer wieder Marie travaille zu sagen, kann man anschließend Elle travaille verwenden: „Sie arbeitet.“ Die französische Bezeichnung lautet pronom sujet.

Subjektpronomen gehören zu den ersten Themen auf Niveau A1, weil französische Verben je nach Person unterschiedliche Formen haben. Man lernt daher nicht nur parler „sprechen“, sondern etwa je parle, tu parles und nous parlons. Anders als in Sprachen, deren Verbendung die Person fast immer eindeutig erkennen lässt, muss das Subjekt im Französischen normalerweise ausgesprochen oder genannt werden.

Für Deutschsprachige ist die Grundidee vertraut. Einige Zuordnungen sind jedoch nicht eins zu eins: vous kann „ihr“ oder höfliches „Sie“ bedeuten, on kann „man“ oder umgangssprachlich „wir“ heißen, und il/elle richten sich auch bei Dingen nach dem französischen grammatischen Geschlecht. Wer diese Unterschiede von Anfang an mitlernt, vermeidet viele typische Fehler.

So funktioniert es

Die Formen im Überblick

Person Singular Plural
1. Person: sprechende Person(en) je – ich nous – wir
2. Person: angesprochene Person(en) tu – du vous – ihr/Sie
3. Person: andere Person(en) oder Dinge il – er/es; elle – sie; on – man/wir ils – sie, männlich oder gemischt; elles – sie, nur weiblich

Die „Person“ ist hier ein grammatischer Begriff: Die 1. Person spricht, die 2. Person wird angesprochen, und die 3. Person oder Sache ist Gegenstand des Gesprächs.

Pronomen und Verb gehören zusammen

Das Pronomen bestimmt die Verbform. Am regelmäßigen Verb parler „sprechen“ sieht das im Präsens so aus:

Subjekt Verbform Bedeutung
je je parle ich spreche
tu tu parles du sprichst
il, elle, on il/elle/on parle er/sie/man spricht; wir sprechen
nous nous parlons wir sprechen
vous vous parlez ihr sprecht; Sie sprechen
ils, elles ils/elles parlent sie sprechen

Obwohl parle, parles und parlent verschieden geschrieben werden, klingen sie in diesem Beispiel gleich. Das Pronomen liefert beim Hören also oft die entscheidende Information. Deshalb kann man es nicht einfach weglassen: Parle français ist ohne Kontext eher ein Befehl („Sprich Französisch!“) als die Aussage „Ich spreche Französisch.“

Je wird vor Vokal zu j’

Vor einem Vokal oder einem stummen h wird je zu j’. Diese Auslassung eines Lautes und Buchstabens heißt Elision.

  • j’aime – ich mag/liebe
  • j’habite à Bonn – ich wohne in Bonn
  • j’écoute la radio – ich höre Radio

Vor einem sogenannten behauchten h findet keine Elision statt. Solche Wörter muss man mit ihrer Aussprache lernen; zum Beispiel heißt es je hais „ich hasse“. Für den Anfang sind die häufigen Formen j’ai, j’aime und j’habite wichtiger.

Tu und vous: du, ihr und Sie

Tu bezeichnet genau eine vertraut angesprochene Person: ein Familienmitglied, einen Freund, ein Kind oder – je nach Umfeld – einen Kollegen. Das Verb steht in der 2. Person Singular: Tu travailles ici ?

Vous hat zwei Funktionen:

  1. Es bezeichnet mehrere angesprochene Personen und entspricht dann „ihr“: Vous habitez où, les amis ?
  2. Es bezeichnet eine oder mehrere Personen höflich und entspricht dann dem deutschen „Sie“: Vous désirez, Madame ?

In beiden Fällen steht das Verb in der Pluralform: vous êtes, vous avez, vous parlez. Auch bei einer einzigen höflich angesprochenen Person sagt man also nicht etwa vous es. Anders als deutsches „Sie“ wird französisches vous normalerweise kleingeschrieben.

On: „man“ und das alltägliche „wir“

On verlangt immer die Verbform der 3. Person Singular, genau wie il und elle:

  • On parle français ici. – Hier spricht man Französisch.
  • On va au cinéma ce soir. – Wir gehen heute Abend ins Kino.
  • En Allemagne, on dîne souvent plus tôt. – In Deutschland isst man oft früher zu Abend.

Im gesprochenen und lockeren Französischen ersetzt on sehr häufig nous, obwohl damit mehrere Menschen gemeint sind. Die Verbform bleibt trotzdem Singular: On est prêts „Wir sind bereit“, nicht on sommes prêts. In formelleren Texten ist nous als „wir“ üblicher und eindeutiger.

Il, elle, ils und elles

Bei Menschen richtet sich die Wahl meist nach dem Geschlecht der bezeichneten Person. Bei Dingen richtet sie sich nach dem grammatischen Geschlecht, also danach, ob das französische Substantiv männlich oder weiblich ist:

  • Le livre est intéressant. Il est nouveau. – Das Buch ist interessant. Es ist neu.
  • La voiture est devant la maison. Elle est rouge. – Das Auto steht vor dem Haus. Es ist rot.

Das deutsche Pronomen hilft dabei nicht immer: la voiture ist im Französischen weiblich, obwohl es auf Deutsch „das Auto“ heißt.

Ils verwendet man für mehrere männliche Personen oder für eine gemischte Gruppe. Elles steht für eine ausschließlich weibliche Gruppe. Dasselbe gilt für Dinge entsprechend ihrem grammatischen Geschlecht:

  • Paul et Marc ? Ils arrivent demain. – Paul und Marc? Sie kommen morgen.
  • Léa et Anna ? Elles arrivent demain. – Léa und Anna? Sie kommen morgen.
  • La table et la chaise ? Elles sont anciennes. – Der Tisch und der Stuhl? Sie sind alt. Beide französischen Wörter sind weiblich.

Beispiele im Kontext

Französisch Deutsch Hinweis
Je suis français. Ich bin Franzose. 1. Person Singular
**J’**habite à Cologne. Ich wohne in Köln. Elision vor stummem h
Tu parles anglais ? Sprichst du Englisch? vertraute Anrede
Marie est médecin. Elle travaille à Lyon. Marie ist Ärztin. Sie arbeitet in Lyon. elle ersetzt Marie
Où est mon billet ? Il est dans ton sac. Wo ist meine Fahrkarte? Sie ist in deiner Tasche. billet ist im Französischen männlich
On va au cinéma ce soir. Wir gehen heute Abend ins Kino. alltägliches „wir“
On ne fume pas ici. Hier raucht man nicht. unbestimmtes „man“
Nous avons une réservation. Wir haben eine Reservierung. neutral bis formeller als on
Vous êtes américain, Monsieur ? Sind Sie Amerikaner? höfliche Anrede einer Person
Les enfants, vous êtes prêts ? Kinder, seid ihr bereit? mehrere vertraut Angesprochene
Luc et Sophie arrivent : ils prennent le train. Luc und Sophie kommen: Sie nehmen den Zug. gemischte Gruppe
Mes sœurs sont à Paris. Elles visitent le Louvre. Meine Schwestern sind in Paris. Sie besuchen den Louvre. ausschließlich weibliche Gruppe
Il pleut depuis ce matin. Seit heute Morgen regnet es. unpersönliches il
Paul et moi, nous préparons le dîner. Paul und ich bereiten das Abendessen vor. zusammengesetztes Subjekt wird mit nous aufgenommen

Häufige Fehler

Bei on die Pluralform verwenden

  • Falsch: On allons au cinéma.
  • Richtig: On va au cinéma.
  • Warum: Auch wenn on inhaltlich „wir“ bedeutet, verlangt es grammatisch immer die 3. Person Singular.

Vous mit einer Singularform verbinden

  • Falsch: Vous es allemand, Monsieur ?
  • Richtig: Vous êtes allemand, Monsieur ?
  • Warum: Vous erhält stets die Verbform der 2. Person Plural – auch bei höflicher Anrede nur einer Person.

Das Subjektpronomen weglassen

  • Falsch: Suis fatigué.
  • Richtig: Je suis fatigué.
  • Warum: Ein konjugiertes französisches Verb braucht normalerweise ein genanntes Subjekt. Das unterscheidet sich etwa vom Italienischen oder Spanischen; auch wenn man diese Sprachen kennt, darf man deren Gewohnheit nicht auf das Französische übertragen.

Deutsches und französisches Geschlecht gleichsetzen

  • Falsch: La maison est grande. Il est ancien.
  • Richtig: La maison est grande. Elle est ancienne.
  • Warum: Das Pronomen richtet sich nach dem französischen Wort la maison, nicht nach dem deutschen „das Haus“. Auch das Adjektiv passt sich hier an die weibliche Form an.

Ils und elles nach der Mehrheit wählen

  • Falsch: Marie, Anna et Paul ? Elles arrivent.
  • Richtig: Marie, Anna et Paul ? Ils arrivent.
  • Warum: In der traditionellen Standardgrammatik steht ils für jede gemischte Gruppe, selbst wenn nur eine männliche Person dazugehört. Elles bezeichnet ausschließlich weibliche Personen oder weibliche Substantive.

On und il verwechseln

  • Falsch: On pleut aujourd’hui.
  • Richtig: Il pleut aujourd’hui.
  • Warum: Beim Wetter verwendet man das unpersönliche il. On steht dagegen für Menschen: „man“, „jemand“ oder umgangssprachlich „wir“.

Hinweise zum Gebrauch

Wie förmlich ist vous?

Die Grenze zwischen tu und vous hängt von Alter, Situation, Region und sozialem Umfeld ab. Gegenüber unbekannten Erwachsenen, im Kundenkontakt und in deutlich formellen Situationen ist vous die sichere erste Wahl. Der Wechsel zu tu kann ausdrücklich angeboten werden: On peut se tutoyer ? bedeutet „Können wir uns duzen?“ Unter Studierenden, jungen Erwachsenen oder in lockeren Teams beginnt man heute oft schneller mit tu als früher.

Deutschsprachige sollten vous nicht allein deshalb großschreiben, weil das deutsche „Sie“ großgeschrieben wird. Im normalen französischen Satz schreibt man vous klein. Eine Großschreibung aus besonderer Höflichkeit kommt in Briefen gelegentlich vor, ist aber keine allgemeine Grammatikregel.

On oder nous?

Im spontanen Gespräch ist on für „wir“ ausgesprochen häufig: On mange où ? klingt meist natürlicher als Où mangeons-nous ? Nous bleibt jedoch als betontes Pronomen in Wendungen wie nous, on préfère rester erhalten und ist in formellen Texten, Ansprachen oder zur eindeutigen Hervorhebung üblich.

Die Aussprache kann das Verständnis erleichtern: Bei on arrive und on est hört man zwischen Pronomen und Vokal ein [n]. Bei ils und elles ist vor einem Vokal oft eine Bindung zu hören, die Liaison (das sonst stumme Ende wird mit dem nächsten Wort verbunden): ils ont klingt mit einem [z]. Vor einem Konsonanten klingen ils parlent und elles parlent dagegen gleich.

Pronomen für Dinge

Für konkrete Dinge sind il und elle völlig normal. Bei einer allgemeinen Identifikation oder Bewertung steht jedoch oft das Demonstrativpronomen ce in c’est oder ce sont:

  • C’est mon frère. – Das ist mein Bruder.
  • Elle est ingénieure. – Sie ist Ingenieurin.
  • Ce sont mes clés. – Das sind meine Schlüssel.

Die genaue Abgrenzung zwischen il/elle est und c’est ist ein eigenes Lernschritt. Für den Anfang genügt: il und elle greifen eine bereits bekannte Person oder Sache auf; c’est stellt häufig etwas vor oder identifiziert es.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Feinheiten muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die in Gesprächen und Texten häufig auftauchen.

On: grammatischer Singular, inhaltlich oft Plural

Das Verb nach on bleibt immer Singular. Adjektive und Partizipien – Formen wie arrivé in „angekommen“ – können sich dagegen nach den tatsächlich gemeinten Personen richten:

  • Paul et moi, on est arrivés tôt. – Paul und ich sind früh angekommen.
  • Léa et moi, on est arrivées tôt. – Léa und ich sind früh angekommen, gesprochen von zwei Frauen.

In sorgfältiger Schriftsprache sieht man diese inhaltliche Übereinstimmung regelmäßig. Im gesprochenen Französisch ist der Unterschied bei vielen Endungen nicht hörbar.

Unbetonte und betonte Pronomen

Je, tu, il usw. sind meist unbetonte Pronomen: Sie stehen eng beim Verb und können nicht überall allein erscheinen. Nach einer Präposition oder als kurze Einzelantwort braucht man betonte Formen wie moi, toi, lui, elle, nous, vous, eux, elles:

  • Qui veut du café ? — Moi. – Wer möchte Kaffee? – Ich.
  • C’est pour lui. – Das ist für ihn.
  • Moi, je préfère le thé. – Ich für meinen Teil bevorzuge Tee.

Darum heißt es nicht pour je oder avec ils. Dieses Thema wird bei den betonten Pronomen ausführlicher behandelt.

Zusammengesetzte Subjekte

Wenn mehrere Personen ausdrücklich genannt werden, verwendet man in der Gruppe die passende Perspektive:

  • Toi et moi, nous partons demain. – Du und ich fahren morgen ab.
  • Toi et Paul, vous partez demain. – Du und Paul fahrt morgen ab.
  • Paul et Marie, ils partent demain. – Paul und Marie fahren morgen ab.

In der Alltagssprache hört man beim ersten Beispiel auch Toi et moi, on part demain. Die betonten Formen moi und toi sind in solchen Verbindungen nötig; je et tu ist nicht korrekt.

Stilistisches l’on

In gehobener oder sorgfältiger Schriftsprache erscheint manchmal l’on statt on, besonders nach et, ou, où, si, que. Das l’ ändert die Bedeutung nicht: Il faut que l’on parte bedeutet ebenso „Wir müssen aufbrechen“ wie Il faut qu’on parte. Diese Variante dient dem Klang und Stil; im normalen Gespräch reicht on vollkommen aus.

Übungstipps

  1. Verbformen als Paar lernen: Notiere nicht nur être = sein, sondern je suis, tu es, il/elle/on est, nous sommes, vous êtes, ils/elles sont. Sprich jede Reihe laut, damit Pronomen und Verbform zusammen abgespeichert werden.
  2. Deutsche Sätze gezielt doppelt übersetzen: Formuliere „Wir gehen nach Hause“ einmal alltagssprachlich als On rentre und einmal neutraler oder schriftsprachlicher als Nous rentrons. So wird der Unterschied zwischen Bedeutung und grammatischer Form klar.
  3. Beim Hören auf kleine Signale achten: Markiere in einem kurzen französischen Dialog jedes tu, vous und on. Frage jeweils: Ist vous „ihr“ oder „Sie“? Bedeutet on „man“ oder „wir“? Der Kontext liefert meist die Antwort.

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