Dativartikel im Deutschen
Dativ (Artikel)
Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Der Dativ antwortet oft auf die Frage wem? Die bestimmten Artikel lauten dem, der, dem, den, die unbestimmten einem, einer, einem; im Plural gibt es keinen unbestimmten Artikel. Besonders häufig bezeichnet der Dativ eine Person, die etwas bekommt oder von einer Handlung betroffen ist: Ich gebe dem Mann das Buch.
Überblick
Der Dativ ist ein Kasus (eine grammatische Form, die die Aufgabe eines Nomens im Satz zeigt). Ein Nomen ist ein Wort für eine Person, eine Sache oder einen Begriff, zum Beispiel Mann, Tasche oder Freundschaft. Am Artikel vor dem Nomen lässt sich oft erkennen, dass eine Wortgruppe im Dativ steht: aus der Mann wird etwa dem Mann, aus eine Frau wird einer Frau.
Auf Niveau A2 begegnet der Dativ zunächst häufig beim indirekten Objekt: Das ist meist die Person, die etwas erhält oder für die etwas geschieht. In Die Ärztin gibt dem Patienten ein Rezept ist ein Rezept das direkte Objekt (das, was gegeben wird) und dem Patienten das indirekte Objekt (die Person, die es erhält). Die Frageprobe lautet: Wem gibt die Ärztin ein Rezept? — Dem Patienten.
Die Bedeutung „Empfänger“ ist eine gute erste Orientierung, aber keine vollständige Regel. Einige Verben verlangen den Dativ auch ohne Übergabe, zum Beispiel helfen, danken, gefallen und gehören. Außerdem steht nach bestimmten Präpositionen der Dativ. Deshalb lohnt es sich, nicht nur die Artikeltabelle, sondern ganze Verbindungen wie jemandem helfen oder mit einem Kollegen zu lernen.
So funktioniert es
Die Formen der bestimmten Artikel
Der bestimmte Artikel bezeichnet etwas Bestimmtes oder bereits Bekanntes. Im Dativ ändern sich alle vier Formen gegenüber dem Nominativ, also der Grundform für das Subjekt (wer oder was handelt?).
| Genus und Zahl | Nominativ | Dativ | Beispiel |
|---|---|---|---|
| maskulin | der | dem | mit dem Nachbarn |
| feminin | die | der | bei der Ärztin |
| neutral | das | dem | aus dem Haus |
| Plural | die | den | von den Freunden |
Eine kompakte Merkhilfe ist: dem – der – dem – den. Die Reihenfolge ist maskulin, feminin, neutral, Plural.
Achtung: Die Form der bedeutet nicht immer „maskuliner Artikel“. In der Frau ist der der feminine Dativartikel. Ebenso ist den nicht nur die maskuline Akkusativform: Vor einem Pluralnomen kann den den Dativ Plural anzeigen.
Die Formen der unbestimmten Artikel
Der unbestimmte Artikel führt meist eine noch nicht näher bestimmte Person oder Sache ein.
| Genus und Zahl | Nominativ | Dativ | Beispiel |
|---|---|---|---|
| maskulin | ein | einem | mit einem Freund |
| feminin | eine | einer | bei einer Freundin |
| neutral | ein | einem | in einem Hotel |
| Plural | — | — | mit Freunden |
Die Formen lauten also einem – einer – einem. Einen unbestimmten Artikel im Plural gibt es nicht: Man sagt Ich spreche mit Freunden, nicht mit einen Freunden. Wenn eine Verneinung oder ein Besitzwort gebraucht wird, stehen jedoch Formen wie keinen, meinen oder unseren: Ich spreche mit keinen Fremden; Ich spreche mit meinen Freunden.
Wörter nach dem Muster von „ein“
Kein und die Possessivartikel (Wörter wie mein, dein und unser, die Zugehörigkeit ausdrücken) erhalten dieselben Dativendungen wie ein. Im Plural endet der Artikel auf -en.
| Genus und Zahl | kein | mein | unser |
|---|---|---|---|
| maskulin | keinem | meinem | unserem |
| feminin | keiner | meiner | unserer |
| neutral | keinem | meinem | unserem |
| Plural | keinen | meinen | unseren |
So entstehen Verbindungen wie meinem Bruder, ihrer Mutter, keinem Kind und unseren Gästen. Auch hier zeigt die Endung des Artikels zuverlässig den Dativ.
Der Dativ als Empfänger oder beteiligte Person
Bei Verben des Gebens, Zeigens oder Schickens stehen oft zwei Objekte:
Subjekt + Verb + Dativobjekt + Akkusativobjekt
Der Vater zeigt dem Kind den Weg.
- Wer zeigt etwas? — der Vater (Subjekt)
- Wem zeigt er etwas? — dem Kind (Dativobjekt)
- Was zeigt er? — den Weg (Akkusativobjekt)
Typische Verben dieses Musters sind geben, bringen, schicken, zeigen, erklären, erzählen, leihen, schenken und verkaufen. Die Wortstellung kann sich je nach Hervorhebung ändern, doch die Artikelformen bleiben gleich: Auch in Den Weg zeigt der Vater dem Kind markiert dem weiterhin den Dativ.
Verben, die den Dativ verlangen
Nicht jeder Dativ ist ein Empfänger. Bei bestimmten Verben gehört der Dativ fest zum Verb. Diese Verbindung sollte als Einheit gelernt werden.
| Verb | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| helfen | wem helfen? | Wir helfen dem Nachbarn. |
| danken | wem danken? | Sie dankt der Ärztin. |
| gefallen | wem gefallen? | Das Bild gefällt dem Kind. |
| gehören | wem gehören? | Der Schlüssel gehört einem Gast. |
| antworten | wem antworten? | Er antwortet der Kundin. |
| vertrauen | wem vertrauen? | Ich vertraue meinem Freund. |
| folgen | wem folgen? | Der Hund folgt dem Mann. |
| begegnen | wem begegnen? | Wir begegnen einer Kollegin. |
Die Frage wem? hilft beim Prüfen, aber zuerst muss bekannt sein, welches Verb den Dativ verlangt. Man kann nicht allein aus der Bedeutung jedes Verbs sicher auf den Kasus schließen.
Der Dativ nach Präpositionen
Auch eine Präposition (ein Verhältniswort wie mit, von oder zu) kann den Kasus bestimmen. Immer mit Dativ stehen unter anderem aus, bei, mit, nach, seit, von, zu, gegenüber und außer:
- mit dem Bus
- bei einer Freundin
- seit einem Monat
- zu der Apotheke → meist zur Apotheke
Die vollständige Verwendung dieser Wörter ist ein eigenes Thema. Für Dativartikel ist wichtig: Nach einer solchen Präposition wird nicht nach einem Empfänger gesucht; die Präposition selbst fordert den Dativ.
Die zusätzliche Endung im Dativ Plural
Im Dativ Plural steht nicht nur den vor dem Nomen. Meist erhält auch das Nomen die Endung -n:
- die Kinder → mit den Kindern
- die Gäste → bei den Gästen
- die Bücher → in den Büchern
Endet die Pluralform bereits auf -n oder -s, kommt kein weiteres -n hinzu:
- die Frauen → mit den Frauen
- die Autos → aus den Autos
Diese Nomenendung gehört zur vollständigen Dativform. Mit den Kinder hat daher zwar den richtigen Artikel, ist aber trotzdem falsch.
Beispiele im Kontext
| Beispielsatz | Bedeutung in einfachen Worten | Hinweis |
|---|---|---|
| Ich gebe dem Mann das Buch. | Der Mann bekommt das Buch von mir. | maskulin, bestimmter Artikel |
| Sie hilft der Frau. | Die Frau bekommt ihre Hilfe. | feminin; helfen verlangt Dativ |
| Er schreibt einem Freund. | Er verfasst eine Nachricht an einen Freund. | maskulin, unbestimmter Artikel |
| Die Lehrerin erklärt dem Kind die Aufgabe. | Das Kind bekommt eine Erklärung. | neutral, bestimmter Artikel |
| Wir schenken einer Kollegin Blumen. | Eine Kollegin bekommt Blumen von uns. | feminin, unbestimmter Artikel |
| Der rote Mantel gehört meinem Bruder. | Mein Bruder ist der Besitzer des Mantels. | Possessivartikel nach dem Ein-Muster |
| Kannst du dem Gast den Weg zeigen? | Der Gast soll erfahren, wie er weiterkommt. | Dativ- und Akkusativobjekt |
| Ich fahre mit dem Bus zur Arbeit. | Der Bus ist mein Verkehrsmittel. | Dativ nach mit |
| Seit einem Monat wohnt sie hier. | Sie wohnt seit einem Monat an diesem Ort. | Dativ nach seit |
| Wir essen heute bei unseren Nachbarn. | Heute sind wir zum Essen im Haus der Nachbarn. | Plural mit Possessivartikel |
| Der Trainer spricht mit den Spielern. | Trainer und Spieler führen ein Gespräch. | Dativ Plural mit zusätzlichem -n |
| Das Essen schmeckt den Kindern. | Die Kinder finden das Essen gut. | Dativ Plural; schmecken mit Dativ |
| In dem Schrank liegen die Gläser. | Die Gläser befinden sich im Schrank. | Ortsangabe; meist zusammengezogen zu im |
| Der neuen Mitarbeiterin zeigt er das Büro. | Er führt die neue Mitarbeiterin durch das Büro. | Dativ steht zur Hervorhebung am Satzanfang |
Häufige Fehler
Akkusativ statt Dativ nach einem Dativverb
- Falsch: Ich helfe den Mann.
- Richtig: Ich helfe dem Mann.
- Warum: Helfen verlangt ein Dativobjekt. Den Mann ist maskuliner Akkusativ, dem Mann maskuliner Dativ. Lerne deshalb die Verbindung jemandem helfen als Ganzes.
Nur an Personen als Empfänger denken
- Falsch: Das Buch gefällt den Kind.
- Richtig: Das Buch gefällt dem Kind.
- Warum: Bei gefallen wird nichts übergeben. Trotzdem steht die Person, die etwas gut findet, im Dativ: Wem gefällt das Buch? — dem Kind.
„der“ automatisch für maskulin halten
- Falsch: Ich danke die Lehrerin.
- Richtig: Ich danke der Lehrerin.
- Warum: Lehrerin ist feminin. Der bestimmte feminine Artikel lautet im Dativ der. Form und Genus dürfen nicht verwechselt werden.
Das Plural-n vergessen
- Falsch: Wir spielen mit den Kinder.
- Richtig: Wir spielen mit den Kindern.
- Warum: Ein Pluralnomen erhält im Dativ meist zusätzlich -n. Das gilt nicht, wenn die Pluralform schon auf -n oder -s endet: mit den Frauen, mit den Autos.
Einen unbestimmten Pluralartikel bilden
- Falsch: Sie spricht mit einen Kollegen.
- Richtig: Sie spricht mit Kollegen. / Sie spricht mit einigen Kollegen.
- Warum: Ein hat keinen Plural. Mit einem Kollegen ist Singular; im unbestimmten Plural steht entweder kein Artikel oder ein passendes Mengenwort.
Kasus und Wortstellung gleichsetzen
- Falsch: Dem Kunden könne kein Dativ sein, weil es am Satzanfang stehe.
- Richtig: Dem Kunden schickt die Firma die Rechnung.
- Warum: Die Satzposition bestimmt den Kasus nicht. Artikel und Satzfunktion zeigen, dass dem Kunden das Dativobjekt ist, auch wenn es zur Hervorhebung vorn steht.
Hinweise zum Gebrauch
Im neutralen Satz mit zwei Nomen steht das Dativobjekt häufig vor dem Akkusativobjekt: Ich gebe dem Kind das Buch. Diese Reihenfolge ist sehr üblich, aber keine starre Dativregel. Was bereits bekannt ist oder besonders hervorgehoben werden soll, beeinflusst die Wortstellung ebenfalls.
Im gesprochenen und geschriebenen Deutsch werden Präposition und bestimmter Artikel oft zusammengezogen. Besonders gebräuchlich sind am (an dem), beim (bei dem), im (in dem), vom (von dem), zum (zu dem) und zur (zu der). Meist klingt die Kurzform natürlicher: Wir treffen uns am Bahnhof; Sie ist beim Arzt; Er geht zur Arbeit. Die getrennte Form kann passend sein, wenn das Nomen besonders bestimmt oder betont wird: Nicht in dem Schrank, sondern in dem daneben.
In manchen Regionen und in lockerer Alltagssprache hört man bei einzelnen Präpositionen schwankende Kasusformen. Für Standardsprache, Prüfungen und formelle Texte ist es am sichersten, die feste Verbindung zu verwenden: zum Beispiel wegen des Regens im Genitiv und mit dem Zug im Dativ. Solche Schwankungen ändern nichts an der grundlegenden Dativartikeltabelle.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Einzelheiten müssen auf A2 noch nicht vollständig beherrscht werden. Sie erklären aber Formen, die in echten Texten häufig auftauchen.
Adjektive nach einem Dativartikel
Steht zwischen Artikel und Nomen ein Adjektiv (ein Eigenschaftswort wie neu oder klein), endet es nach einem Dativartikel normalerweise auf -en:
- mit dem neuen Kollegen
- bei einer kleinen Firma
- von den alten Häusern
- mit meiner besten Freundin
Der Artikel trägt bereits die deutliche Kasusinformation; das Adjektiv erhält deshalb die Endung -en. Ohne Artikel gelten andere Deklinationsmuster, zum Beispiel mit kaltem Wasser.
Maskuline Nomen der N-Deklination
Einige maskuline Nomen erhalten im Dativ Singular zusätzlich -n oder -en. Dazu gehören häufig Bezeichnungen für Personen:
- der Student → mit dem Studenten
- der Junge → bei dem Jungen
- der Kunde → von einem Kunden
- der Mensch → mit dem Menschen
Diese sogenannte N-Deklination (ein besonderes Beugungsmuster bestimmter maskuliner Nomen) betrifft nicht den Artikel selbst, aber die gesamte Dativgruppe. Darum lautet es dem Studenten, nicht dem Student.
Dativ und Akkusativ bei Wechselpräpositionen
Präpositionen wie in, an, auf, über, unter, vor, hinter, neben und zwischen können Dativ oder Akkusativ verlangen. Vereinfacht steht der Dativ bei einem Ort, der Akkusativ bei einem Ziel oder einer Richtungsänderung:
- Das Buch liegt auf dem Tisch. — Wo liegt es? Ort, Dativ
- Ich lege das Buch auf den Tisch. — Wohin lege ich es? Ziel, Akkusativ
Entscheidend ist nicht einfach „Bewegung oder keine Bewegung“. In Ich laufe im Park gibt es Bewegung, aber der Park ist der Ort, in dem das Laufen stattfindet. Deshalb steht der Dativ.
Der Dativ als freie Angabe
Fortgeschrittene Texte enthalten auch einen Dativ, der nicht zwingend vom Verb verlangt wird. Er bezeichnet oft eine betroffene oder interessierte Person: Die Mutter wäscht dem Kind die Hände. Die Hände gehören dem Kind, und das Kind ist von der Handlung betroffen. Solche Verwendungen bauen auf derselben Form auf, gehen aber über die einfache Empfängerregel hinaus.
Übungstipps
- Lerne Formen in Viererreihen. Sprich täglich dem – der – dem – den und bilde zu jeder Form eine kurze Verbindung: dem Mann, der Frau, dem Kind, den Kindern. Ergänze danach einem – einer – einem.
- Notiere Verben mit ihrer Frage. Schreibe nicht nur helfen, sondern jemandem helfen — wem? und direkt einen Beispielsatz dazu. So wird der Dativ Teil des Verbmusters.
- Markiere ganze Wortgruppen. Unterstreiche in kurzen Texten Artikel, Adjektiv und Nomen gemeinsam, etwa mit den alten Freunden. Prüfe beim Plural zusätzlich, ob das Nomen ein -n braucht.
Verwandte Konzepte
- Voraussetzung: Akkusativ (Artikel) — hilft beim Unterschied zwischen direktem Objekt und Dativobjekt.
- Nächster Schritt: Dativpronomen — ersetzt Wortgruppen wie dem Mann durch ihm.
- Nächster Schritt: Präpositionen mit Dativ — behandelt feste Verbindungen wie mit dem, bei der und seit einem ausführlich.
- Nächster Schritt: Wechselpräpositionen — erklärt den Kontrast zwischen Ort im Dativ und Ziel im Akkusativ.
- Vertiefung: N-Deklination — zeigt, warum es dem Studenten und einem Kunden heißt.
- Später: Genitiv — erweitert das Kasussystem um Formen wie des Mannes und einer Frau.
Voraussetzung
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