B1

N-Deklination im Deutschen

N-Deklination

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Bei der N-Deklination erhält ein schwaches maskulines Nomen im Singular in allen Fällen außer dem Nominativ die Endung -n oder -en: der Student, aber den Studenten, dem Studenten und des Studenten. Die Endung gehört zum Nomen und bleibt deshalb auch nach einem Pronomen oder Adjektiv erhalten: mit diesem netten Studenten.

Überblick

Die N-Deklination betrifft eine bestimmte Gruppe maskuliner Substantive oder Nomen (Wörter für Personen, Tiere, Dinge oder Begriffe). Diese Nomen verändern nicht nur ihren Artikel, sondern auch ihre eigene Form. Man sagt also nicht nur der Junge und den Junge, sondern den Jungen. Das zusätzliche -n oder -en zeigt zusammen mit dem Artikel, welche Aufgabe das Nomen im Satz hat.

Entscheidend ist dabei der Kasus (der grammatische Fall). Der Nominativ bezeichnet meistens das Subjekt, also die Person oder Sache, die handelt: Der Student fragt. Im Akkusativ steht oft das direkte Objekt, also die Person oder Sache, auf die sich die Handlung richtet: Ich frage den Studenten. Der Dativ bezeichnet unter anderem den Empfänger oder steht nach bestimmten Verben und Präpositionen: Ich antworte dem Studenten. Der Genitiv kann Zugehörigkeit ausdrücken: die Frage des Studenten.

Das Grundmuster wird auf B1-Niveau wichtig, weil häufige Personenbezeichnungen wie Kunde, Kollege, Mensch und Student dazugehören. Die Artikel im Akkusativ und Dativ kennst du meist schon; nun kommt eine Endung am Nomen selbst hinzu.

So funktioniert die N-Deklination

Das Grundmuster im Singular

Nur der Nominativ Singular bleibt ohne zusätzliche Endung. In den drei anderen Fällen steht -n oder -en.

Kasus Frage als Lernhilfe Junge Student Mensch
Nominativ wer oder was? der Junge der Student der Mensch
Akkusativ wen oder was? den Jungen den Studenten den Menschen
Dativ wem? dem Jungen dem Studenten dem Menschen
Genitiv wessen? des Jungen des Studenten des Menschen

Die Fragen sind nur Lernhilfen. Verlässlicher ist es, auf das Verb, die Präposition und die Funktion im Satz zu achten.

Wann steht -n, wann -en?

Bei vielen schwachen Nomen, deren Grundform bereits auf unbetontes -e endet, kommt nur -n hinzu:

  • der Junge → den Jungen
  • der Kunde → mit dem Kunden
  • der Kollege → die Meinung des Kollegen
  • der Löwe → vor dem Löwen
  • der Zeuge → die Aussage des Zeugen

Viele andere schwache Nomen erhalten -en:

  • der Student → den Studenten
  • der Mensch → dem Menschen
  • der Präsident → des Präsidenten
  • der Journalist → mit dem Journalisten
  • der Bär → den Bären

Die Form Herr ist besonders häufig und unregelmäßig: Im Singular heißt es außerhalb des Nominativs Herrn, im Plural Herren.

Kasus Singular Plural
Nominativ der Herr die Herren
Akkusativ den Herrn die Herren
Dativ dem Herrn den Herren
Genitiv des Herrn der Herren

Eine praktische Regel lautet daher: Endet ein schwaches Nomen auf -e, kommt meistens -n hinzu; viele andere erhalten -en. Welche Nomen überhaupt schwach sind, muss man jedoch mitlernen. Am besten lernst du nicht nur Student, sondern gleich das Paar der Student – den Studenten.

Typische Gruppen

Die folgenden Gruppen helfen beim Erkennen. Sie sind nützliche Hinweise, aber keine ausnahmslosen Regeln.

Gruppe Häufige Beispiele Form außerhalb des Nominativs
männliche Personen und Tiere auf -e Junge, Kunde, Kollege, Neffe, Zeuge, Löwe, Hase Jungen, Kunden, Kollegen, Neffen, Zeugen, Löwen, Hasen
Personenbezeichnungen auf -ant, -ent, -ist Praktikant, Präsident, Student, Polizist, Journalist Praktikanten, Präsidenten, Studenten, Polizisten, Journalisten
Personenbezeichnungen auf -oge, -at Biologe, Pädagoge, Kandidat, Soldat Biologen, Pädagogen, Kandidaten, Soldaten
weitere häufige Wörter Mensch, Nachbar, Bauer, Held, Bär, Fürst, Graf, Prinz Menschen, Nachbarn, Bauern, Helden, Bären, Fürsten, Grafen, Prinzen

Nicht jedes maskuline Nomen auf -e gehört dazu. Der Käse bildet zum Beispiel den Genitiv des Käses und keinen Akkusativ den Käsen. Auch die Bedeutung „männliche Person“ reicht allein nicht: Es heißt den Lehrer, dem Fahrer und des Arztes. Im Zweifel hilft ein Wörterbuch; dort stehen oft Genitiv und Plural, etwa Student, Studenten, Studenten.

Singular und Plural auseinanderhalten

Bei schwachen Nomen sehen viele Formen im Singular und Plural gleich aus:

Zahl und Kasus Form
Nominativ Singular der Student
Akkusativ Singular den Studenten
Dativ Singular dem Studenten
Genitiv Singular des Studenten
Nominativ Plural die Studenten
Akkusativ Plural die Studenten
Dativ Plural den Studenten
Genitiv Plural der Studenten

Den Unterschied erkennt man normalerweise am Artikel, an einem Pronomen oder am Zusammenhang: Ich spreche mit dem Studenten meint eine Person, mit den Studenten mehrere.

Die Endung bleibt in längeren Nominalgruppen

Eine Nominalgruppe ist eine Wortgruppe mit einem Nomen als Kern. Auch wenn Artikel, Adjektive oder Pronomen dazukommen, verliert das schwache Nomen seine Endung nicht:

  • den neuen Kollegen
  • einem freundlichen Kunden
  • mit unserem erfahrenen Journalisten
  • die Aussage dieses wichtigen Zeugen
  • ohne jeden vernünftigen Gedanken

Artikel und Adjektiv haben ihre eigenen Endungen; Kollegen, Kunden, Journalisten, Zeugen und Gedanken tragen zusätzlich die N-Endung des Nomens.

Beispiele im Zusammenhang

Beispielsatz Bedeutung in einfachem Deutsch Hinweis
Der Junge wartet vor der Schule. Ein Junge wartet dort. Nominativ: keine zusätzliche Endung
Ich sehe den Jungen jeden Morgen im Bus. Der Junge ist die Person, die ich sehe. Akkusativ nach sehen
Die Ärztin spricht mit dem Patienten. Die Ärztin und der Patient führen ein Gespräch. Dativ nach mit
Das ist der Ausweis des Patienten. Der Ausweis gehört dem Patienten. Genitiv für Zugehörigkeit
Kannst du dem neuen Kollegen bitte helfen? Der neue Kollege braucht Hilfe. Dativ nach helfen
Wir suchen einen zuverlässigen Lieferanten. Ein zuverlässiger Lieferant wird gebraucht. Akkusativ mit unbestimmtem Artikel
Herr Weber leitet heute die Sitzung. Herr Weber ist heute der Leiter. Nominativ: Herr bleibt unverändert
Ich habe gestern mit Herrn Weber telefoniert. Das Telefonat war mit Herrn Weber. Dativ: Herrn
Die Reporterin interviewt den Präsidenten. Der Präsident wird interviewt. Akkusativ eines Wortes auf -ent
Niemand glaubt dem Zeugen. Die Aussage des Zeugen überzeugt niemanden. Dativ nach glauben
Wir danken allen Helfern, besonders aber dem jungen Soldaten. Mehrere Helfer und ein Soldat erhalten Dank. Plural bei Helfern, schwacher Singular bei Soldaten
Der Roman erzählt vom Leben eines einfachen Menschen. Im Roman geht es um das Leben einer Person. Genitiv nach Leben
Ich halte diesen Gedanken für sinnvoll. Meiner Meinung nach ist diese Idee sinnvoll. Gedanke gehört zur gemischten Deklination

Häufige Fehler

Die Endung im Akkusativ vergessen

  • Falsch: Ich treffe morgen den Kunde.
  • Richtig: Ich treffe morgen den Kunden.
  • Warum: Kunde ist ein schwaches maskulines Nomen. Im Akkusativ Singular steht -n.

Nur beim bestimmten Artikel an die Endung denken

  • Falsch: Sie spricht mit einem Student.
  • Richtig: Sie spricht mit einem Studenten.
  • Warum: Die N-Deklination hängt vom Nomen und vom Kasus ab, nicht von der Art des Artikels. Sie gilt auch nach ein, kein, Possessivwörtern und Pronomen.

Im Nominativ eine Endung ergänzen

  • Falsch: Der Studenten stellt eine Frage.
  • Richtig: Der Student stellt eine Frage.
  • Warum: Der Nominativ Singular ist die einzige Form ohne -n oder -en.

Herr wie ein regelmäßiges schwaches Nomen behandeln

  • Falsch: Ich sende die Unterlagen an den Herren Müller.
  • Richtig: Ich sende die Unterlagen an Herrn Müller.
  • Warum: Außerhalb des Nominativs lautet der Singular Herrn. Herren ist die Pluralform: Sehr geehrte Damen und Herren.

Jedes maskuline Personenwort schwach deklinieren

  • Falsch: Ich frage den Lehrern.
  • Richtig: Ich frage den Lehrer.
  • Warum: Lehrer ist im Singular kein schwaches Nomen. Lehrern ist Dativ Plural, etwa in mit den Lehrern.

Die N-Endung für eine Pluralendung halten

  • Falsch gedacht: dem Studenten müsse mehrere Personen bezeichnen, weil Studenten wie der Plural aussieht.
  • Richtig: dem Studenten ist Singular; den Studenten kann je nach Zusammenhang Akkusativ Singular oder Dativ Plural sein.
  • Warum: Artikel und Kontext zeigen Zahl und Kasus.

Hinweise zum Gebrauch

Die N-Deklination gehört zur deutschen Standardsprache und ist in geschriebener Sprache verbindlich. In spontaner Umgangssprache hört man gelegentlich Formen ohne Endung, besonders nach einem unbestimmten Artikel, etwa mit einem Kollege. Solche Formen gelten jedoch nicht als standardsprachlich und sollten weder in formellen Gesprächen noch beim Schreiben übernommen werden.

Bei Anreden mit Herr richtet sich die Form nach der Funktion im Satz. In der direkten Anrede steht meist der Nominativ: Herr Schneider, könnten Sie kommen? Nach einer Präposition oder als Objekt steht Herrn: für Herrn Schneider, Ich rufe Herrn Schneider an. In Briefanschriften findet man ebenfalls häufig Herrn Max Schneider, weil gedanklich eine Wendung wie an Herrn Max Schneider zugrunde liegt.

Besonders nützlich ist die N-Deklination bei Berufs- und Rollenbezeichnungen. Manche Endungen liefern einen guten Hinweis: Student, Assistent, Journalist, Polizist, Kandidat. Trotzdem sollte die Form zusammen mit dem Wortschatz gelernt werden, denn ähnlich aussehende Wörter können anders dekliniert werden.

Über die Grundlagen hinaus

Gemischte Deklination

Einige maskuline Nomen verhalten sich fast wie schwache Nomen, haben im Genitiv Singular aber zusätzlich ein -s. Dieses Muster heißt gemischte Deklination:

Nominativ Akkusativ Dativ Genitiv
der Name den Namen dem Namen des Namens
der Gedanke den Gedanken dem Gedanken des Gedankens
der Glaube den Glauben dem Glauben des Glaubens
der Wille den Willen dem Willen des Willens
der Buchstabe den Buchstaben dem Buchstaben des Buchstabens

Für die praktische Anwendung ist der Unterschied vor allem im Genitiv wichtig. Vergleiche des Studenten ohne zusätzliches -s mit des Gedankens.

Substantivierte Adjektive sind ein anderes Muster

Wörter wie der Deutsche, ein Bekannter oder der Angestellte bezeichnen zwar Personen und können ähnlich aussehen, folgen aber der Adjektivdeklination. Ihre Endung hängt vom vorausgehenden Artikel ab:

  • der Deutsche, aber ein Deutscher
  • den Deutschen, aber einen Deutschen
  • der Angestellte, aber ein Angestellter

Diese Wörter sollte man daher nicht einfach als gewöhnliche schwache Nomen behandeln.

Das Wort Herz

Herz ist kein maskulines, sondern ein neutrales Nomen: das Herz. Es hat ein besonderes gemischtes Muster: das Herz im Nominativ und Akkusativ, häufig dem Herzen im Dativ und des Herzens im Genitiv. Im Ausdruck das Herz des Menschen zeigt deshalb Menschen die eigentliche N-Deklination; Herzens gehört zum Sondermuster von Herz.

Weglassen der Endung als Stilmittel

In festen Namen, Überschriften oder bewusst knapper Werbesprache können Formen vorkommen, die nicht wie ein vollständiger Standardsatz gebaut sind. Daraus lässt sich keine allgemeine Regel ableiten. In normalen Sätzen bleibt die sichere Standardform: Wir beraten den Kunden, Wir antworten dem Kunden, die Wünsche des Kunden.

Tipps zum Üben

  1. Lerne Dreiergruppen statt Einzelwörter. Notiere beispielsweise der Student – den Studenten – die Studenten. So speicherst du Genus, schwache Form und Plural gemeinsam.
  2. Bilde zu einem Nomen vier kurze Sätze. Zum Beispiel: Der Kollege kommt. Ich sehe den Kollegen. Ich helfe dem Kollegen. Das ist der Platz des Kollegen. Wiederhole das mit fünf häufigen Nomen.
  3. Markiere Artikel und Nomen getrennt. Unterstreiche in einem Text zuerst den/dem/des und prüfe dann, ob das folgende schwache Nomen seine Endung trägt. Achte besonders auf längere Gruppen wie mit einem sehr erfahrenen Kollegen.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Dativ (Artikel) — die Formen dem, einem und diesem helfen dabei, den Dativ zu erkennen; bei schwachen maskulinen Nomen kommt zusätzlich -n oder -en ans Nomen.

Voraussetzung

Dativartikel im DeutschenA2

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