A2

Perfekt mit sein im Deutschen

Perfekt mit sein

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

In Kürze

Einige deutsche Verben bilden das Perfekt mit einer Form von sein und dem Partizip II: Ich bin gegangen. Sie ist eingeschlafen. Dazu gehören vor allem Verben der Ortsveränderung und des Zustandswechsels sowie einige wichtige Einzelverben wie bleiben, sein und werden. Das Partizip bleibt immer gleich; nur sein wird an die handelnde Person angepasst.

Überblick

Das Perfekt ist eine Vergangenheitsform. Im Gespräch und in persönlichen Mitteilungen wird es sehr häufig verwendet: Wir sind gestern nach Berlin gefahren. Es besteht aus einem Hilfsverb (einem Verb, das beim Aufbau einer Zeitform hilft) und dem Partizip II (der Verbform wie gemacht, gegangen oder eingeschlafen).

Die meisten deutschen Verben verwenden im Perfekt haben. Eine kleinere, aber sehr häufige Gruppe verwendet sein. Auf dem Niveau A2 hilft zunächst eine einfache Regel: Beschreibt ein Verb eine Bewegung von einem Ort zu einem anderen oder den Übergang in einen neuen Zustand, steht meistens sein. Deshalb heißt es ist gekommen, ist aufgestanden und ist eingeschlafen.

Diese Grundregel erklärt jedoch nicht alles. Bleiben bezeichnet gerade keine Veränderung und bildet das Perfekt trotzdem mit sein. Außerdem kann sich das Hilfsverb bei manchen Bewegungsverben je nach Bedeutung und Satzbau ändern. Die grundlegenden Fälle stehen zuerst; die feineren Unterschiede folgen in den späteren Abschnitten.

So funktioniert das Perfekt mit sein

Der Bauplan

Der normale Aussagesatz hat diesen Rahmen:

Subjekt + passende Form von sein + weitere Satzteile + Partizip II

  • Ich bin früh aufgestanden.
  • Mara ist mit dem Zug nach Köln gefahren.
  • Wir sind zu Hause geblieben.

Das Subjekt ist die Person oder Sache, über die der Satz etwas aussagt. Nur die Form von sein richtet sich nach diesem Subjekt. Das Partizip II verändert sich nicht: ich bin gegangen, sie ist gegangen, wir sind gegangen.

Die Formen von sein

Person Hilfsverb Beispiel
ich bin ich bin gekommen
du bist du bist gekommen
er / sie / es ist sie ist gekommen
wir sind wir sind gekommen
ihr seid ihr seid gekommen
sie / Sie sind sie sind / Sie sind gekommen

Wann steht sein?

1. Bewegung mit Ortsveränderung

Viele Verben verwenden sein, wenn jemand oder etwas seinen Ort wechselt. Oft nennt der Satz ein Ziel oder einen Ausgangspunkt.

  • gehen → ist gegangen
  • kommen → ist gekommen
  • fahren → ist gefahren
  • fliegen → ist geflogen
  • laufen → ist gelaufen
  • reisen → ist gereist

Entscheidend ist nicht nur, dass sich jemand körperlich bewegt. Wichtig ist häufig die Veränderung des Ortes: Der Zug ist nach Hamburg gefahren. Wir sind ans Ufer geschwommen. Bei Verben wie fahren muss zusätzlich beachtet werden, ob das Verb ohne direktes Objekt gebraucht wird; dazu mehr unter „Über die Grundlagen hinaus“.

2. Übergang in einen neuen Zustand

Auch viele Verben, die eine Veränderung beschreiben, bilden das Perfekt mit sein. Vorher und nachher besteht ein anderer Zustand.

  • einschlafen → ist eingeschlafen — vorher wach, danach im Schlaf
  • aufwachen → ist aufgewacht — vorher im Schlaf, danach wach
  • sterben → ist gestorben — vorher lebendig, danach tot
  • wachsen → ist gewachsen — vorher kleiner, danach größer
  • verschwinden → ist verschwunden — vorher sichtbar oder anwesend, danach nicht mehr
  • werden → ist geworden — Übergang zu einer neuen Eigenschaft oder Rolle

Bei werden lautet das Partizip II geworden: Sie ist Ärztin geworden. Die Form worden gehört dagegen zu bestimmten Passivsätzen und ist kein Ersatz für geworden in diesem Satz.

3. Wichtige Verben, die man einzeln lernen sollte

Einige sehr gebräuchliche Verben passen nicht sauber in die einfache Regel:

Infinitiv Partizip II Perfekt
sein gewesen ist gewesen
bleiben geblieben ist geblieben
werden geworden ist geworden
geschehen geschehen ist geschehen
passieren passiert ist passiert

Der Infinitiv ist die Grundform des Verbs, zum Beispiel bleiben. Besonders bleiben sollte als feste Einheit gelernt werden: ist geblieben. Es beschreibt keine Orts- oder Zustandsveränderung, gehört aber trotzdem zur sein-Gruppe.

Das Partizip II bilden

Die Wahl von sein verändert die Bildungsregeln des Partizips nicht. Regelmäßige Verben haben oft ge- + Stamm + -t: reisen → gereist. Viele starke Verben verändern ihren Stamm und enden auf -en: gehen → gegangen, fahren → gefahren, bleiben → geblieben.

Bei trennbaren Verben steht ge meist zwischen Vorsilbe und Verbstamm:

  • aufstehen → aufgestanden
  • ankommen → angekommen
  • zurückfahren → zurückgefahren

Bei untrennbaren Vorsilben wie be-, er-, ver- und zer- steht normalerweise kein ge:

  • verschwinden → verschwunden
  • erwachen → erwacht

Auch Verben auf -ieren haben kein ge: passieren → passiert.

Da viele häufige sein-Verben starke oder unregelmäßige Partizipien haben, ist es sinnvoll, immer drei Formen zusammen zu lernen: gehen – ging – gegangen oder zumindest gehen – ist gegangen.

Wortstellung in verschiedenen Satzarten

Im Aussagesatz steht die gebeugte Form von sein an zweiter Stelle. Das Partizip II steht normalerweise am Satzende:

  • Heute bin ich zu Hause geblieben.
  • Nach dem Essen sind die Gäste gegangen.

In einer Ja-Nein-Frage steht sein an erster Stelle:

  • Bist du gut angekommen?
  • Ist der Zug schon abgefahren?

In einem Nebensatz mit weil, dass oder ob stehen Hilfsverb und Partizip am Ende; das Hilfsverb kommt ganz zuletzt:

  • Ich rufe an, weil ich gut angekommen bin.
  • Sie sagt, dass er früh eingeschlafen ist.
  • Weißt du, ob die anderen schon gegangen sind?

Ein Nebensatz ist ein Satzteil, der von einem anderen Satz abhängt und häufig mit einem Wort wie weil oder dass beginnt.

Verneinung

Nicht und kein folgen den üblichen Regeln. Das Partizip bleibt am Ende:

  • Wir sind gestern nicht gefahren.
  • Er ist noch nicht aufgewacht.
  • Niemand ist zu spät gekommen.

Beispiele im Zusammenhang

Die folgenden Beispiele zeigen Ortsveränderung, Zustandswechsel und wichtige Einzelverben in typischen Alltagssituationen.

Beispiel Bedeutung in einfachen Worten Hinweis
Ich bin gestern spät nach Hause gegangen. Ich ging gestern spät nach Hause. Ortsveränderung mit gehen
Sie ist mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Ihr Weg zur Arbeit war mit dem Fahrrad. Zielgerichtete Fahrt
Seid ihr gut in Wien angekommen? War eure Ankunft in Wien problemlos? Frage; trennbares Verb
Der letzte Bus ist schon abgefahren. Der letzte Bus ist nicht mehr hier. Bewegung vom Ausgangsort weg
Wir sind am Wochenende zu Hause geblieben. Wir haben das Haus am Wochenende nicht verlassen. Wichtige Ausnahme bleiben
Das Kind ist im Auto eingeschlafen. Das Kind wurde im Auto schläfrig und schlief dann. Zustandswechsel
Ich bin heute um sechs Uhr aufgewacht. Seit sechs Uhr war ich wach. Zustandswechsel
Nach dem Kurs ist Amir sofort gegangen. Amir verließ den Ort direkt nach dem Kurs. Partizip am Satzende
Meine Großeltern sind sehr alt geworden. Früher waren sie jünger; nun sind sie sehr alt. werden → geworden
Was ist gestern im Büro passiert? Welches Ereignis gab es gestern im Büro? Unpersönlicher Gebrauch von passieren
Es ist plötzlich ganz still geworden. Die Situation wechselte von laut zu still. Veränderung einer Situation
Der Hund ist durch das offene Tor gelaufen. Der Hund bewegte sich durch das Tor. Weg einer Bewegung
Weil der Zug ausgefallen ist, sind wir zu Hause geblieben. Der Zug fuhr nicht; deshalb blieben wir daheim. Nebensatz und Hauptsatz
Ich bin noch nie allein geflogen. Bis heute gab es für mich keinen Flug allein. Erfahrung bis zur Gegenwart
Wo bist du gewesen? An welchem Ort warst du? Perfekt von sein

Häufige Fehler

1. haben statt sein verwenden

  • Falsch: Ich habe nach Hause gegangen.
  • Richtig: Ich bin nach Hause gegangen.
  • Warum? Gehen beschreibt hier eine Ortsveränderung und bildet das Perfekt mit sein.

2. Das Hilfsverb nicht an das Subjekt anpassen

  • Falsch: Wir ist früh angekommen.
  • Richtig: Wir sind früh angekommen.
  • Warum? Zu wir gehört sind. Das Partizip angekommen bleibt unverändert.

3. Das Partizip an die Person anpassen

  • Falsch: Sie ist gegangene.
  • Richtig: Sie ist gegangen.
  • Warum? Im Perfekt erhält das Partizip keine Endung für Geschlecht oder Person. Es heißt bei allen Personen gegangen.

4. Das Partizip falsch bilden

  • Falsch: Er ist eingeschlaft.
  • Richtig: Er ist eingeschlafen.
  • Warum? Einschlafen ist ein starkes Verb. Sein Partizip endet auf -en und verändert den Stamm: schlafen → geschlafen, einschlafen → eingeschlafen.

5. geworden und worden verwechseln

  • Falsch: Meine Schwester ist Lehrerin worden.
  • Richtig: Meine Schwester ist Lehrerin geworden.
  • Warum? Wenn werden „sich zu etwas entwickeln“ bedeutet, lautet das Partizip geworden. Worden erscheint in Passivkonstruktionen wie Die Tür ist geöffnet worden.

6. Bei fahren immer automatisch sein wählen

  • Falsch: Sie ist den Bus gefahren.
  • Richtig: Sie hat den Bus gefahren.
  • Warum? Hier bedeutet fahren, dass sie den Bus gesteuert hat. Den Bus ist ein Akkusativobjekt (eine Ergänzung, auf die sich die Handlung direkt richtet). Ohne ein solches Objekt steht bei der Fortbewegung sein: Sie ist mit dem Bus gefahren.

Hinweise zum Gebrauch

Im gesprochenen Deutsch ist das Perfekt die normale Form, um von vielen vergangenen Ereignissen zu erzählen. Ich bin gestern nach München gefahren klingt im Alltag meist natürlicher als Ich fuhr gestern nach München. Das Präteritum (die einfache Vergangenheitsform wie fuhr oder ging) ist in schriftlichen Erzählungen häufiger. Bei sein selbst hört man jedoch sehr oft das Präteritum: Ich war müde ist im Alltag meist üblicher als Ich bin müde gewesen.

Das Perfekt kann sowohl ein abgeschlossenes Ereignis als auch eine Erfahrung bis zur Gegenwart ausdrücken. Der Zusammenhang entscheidet: Wir sind um acht angekommen nennt einen abgeschlossenen Zeitpunkt; Ich bin noch nie in Japan gewesen beschreibt eine bisherige Lebenserfahrung.

Bei der Wahl des Hilfsverbs gibt es regionale und stilistische Schwankungen, besonders bei Verben, die eine sportliche Bewegung oder eine Tätigkeit bezeichnen, etwa schwimmen und joggen. Für Lernende ist zunächst die sichere Grundform mit sein sinnvoll, wenn eine tatsächliche Fortbewegung gemeint ist: Wir sind über den See geschwommen. Bei einer reinen Tätigkeit ohne hervorgehobenen Ortswechsel kann man je nach Verb, Region und Aussageabsicht auch Formen mit haben hören oder lesen. In Zweifelsfällen hilft ein gutes Wörterbuch, denn es nennt häufig beide Möglichkeiten und ihre Bedeutungen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten muss man auf A2 noch nicht vollständig beherrschen. Sie erklären aber Formen, die später häufig vorkommen.

Das Hilfsverb kann die Bedeutung unterscheiden

Einige Verben können sowohl mit sein als auch mit haben stehen. Der Satzbau und die Bedeutung sind dann wichtig:

Satz Bedeutung in einfachen Worten Grund für das Hilfsverb
Wir sind nach Hamburg gefahren. Wir bewegten uns nach Hamburg. Ortsveränderung, kein direktes Objekt
Lea hat den Wagen in die Garage gefahren. Lea steuerte den Wagen in die Garage. den Wagen ist direktes Objekt
Der Pilot ist nach Rom geflogen. Der Pilot reiste im Flugzeug nach Rom. Ortsveränderung
Der Pilot hat die Maschine nach Rom geflogen. Der Pilot steuerte die Maschine. die Maschine ist direktes Objekt

Diese Unterscheidung betrifft vor allem Verben, die auch „ein Fahrzeug steuern oder bewegen“ bedeuten können. Die kurze Regel „Bewegung gleich sein“ reicht dann nicht aus.

Bewegungsverben ohne klares Ziel

Nicht jede Bewegung führt automatisch zu sein. Verben wie tanzen, arbeiten oder winken beschreiben normalerweise eine Tätigkeit, keine gerichtete Ortsveränderung: Wir haben die ganze Nacht getanzt. Umgekehrt kann bei laufen, schwimmen oder fliegen die Bewegung selbst so stark zur Verbbedeutung gehören, dass sein auch ohne genanntes Ziel üblich ist: Ich bin heute schon gelaufen. Die Einteilung hängt also von der Bedeutung des einzelnen Verbs ab, nicht nur davon, ob sich der Körper bewegt.

sein-Passiv und Perfekt nicht verwechseln

In Die Tür ist geöffnet sieht die Form oberflächlich wie ein Perfekt aus. Meist beschreibt der Satz aber einen Zustand: Die Tür steht offen. Das nennt man Zustandspassiv (eine Form, die das Ergebnis einer Handlung beschreibt). Das Perfekt von öffnen lautet dagegen Jemand hat die Tür geöffnet. Ein echtes Passiv im Perfekt kann heißen: Die Tür ist geöffnet worden.

Der Vergleich zeigt, warum man nicht jede Verbindung aus sein + Partizip II automatisch als Perfekt behandeln darf. Bei eindeutigen Bewegungs- und Zustandswechselverben wie gehen, ankommen und einschlafen ist die Analyse dagegen klar.

Das Perfekt in längeren Sätzen

Mehrere Perfektformen können eine Folge von Ereignissen bilden:

Nachdem wir angekommen sind, sind wir direkt ins Hotel gegangen.

Mit nachdem wird in sorgfältiger Schriftsprache für das frühere Ereignis oft das Plusquamperfekt verwendet: Nachdem wir angekommen waren, sind wir ins Hotel gegangen. Im alltäglichen Sprechen ist die Folge häufig schon durch den Zusammenhang verständlich. Diese Unterscheidung gehört jedoch eher zu späteren Lernstufen.

Übungstipps

  1. Lerne Verb und Hilfsverb als Einheit. Schreibe nicht nur gehen – gegangen, sondern gehen – ist gegangen. Markiere sein-Verben in deiner Vokabelliste mit einer eigenen Farbe.
  2. Sortiere nach Bedeutung. Lege drei Gruppen an: Ortsveränderung (kommen, fahren, fliegen), Zustandswechsel (einschlafen, wachsen, sterben) und Einzelverben (sein, bleiben, geschehen). Bilde zu jedem Verb einen Satz mit einer konkreten Zeitangabe.
  3. Übe den Satzrahmen laut. Beginne mit Ich bin angekommen, ergänze dann Angaben und verschiebe sie: Ich bin gestern spät angekommen. Gestern bin ich spät angekommen. Weil ich gestern spät angekommen bin, … So trainierst du Hilfsverb und Wortstellung gemeinsam.

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