Bildung des Partizips II im Deutschen
Partizip II Bildung
Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Das Partizip II wird bei vielen regelmäßigen Verben nach dem Muster ge- + Verbstamm + -t gebildet: machen → gemacht. Unregelmäßige Verben enden häufig auf -en und können ihren Stammvokal ändern: schreiben → geschrieben. Bei untrennbaren Vorsilben und bei Verben auf -ieren steht kein ge- (verstanden, studiert); bei trennbaren Verben steht es zwischen Vorsilbe und Verbstamm (aufgemacht).
Überblick
Das Partizip II ist eine Verbform (eine Form, die von einem Verb abgeleitet wird), die vor allem für zusammengesetzte Zeitformen gebraucht wird. Im Perfekt steht sie zusammen mit haben oder sein: Ich habe die E-Mail geschrieben. Wir sind nach Hause gegangen. Man begegnet ihr aber auch im Plusquamperfekt, im Futur II, im Passiv und als Eigenschaftswort: Die Tür wird geöffnet. Die geöffnete Tür bleibt angelehnt.
Die Grundbildung gehört zum Niveau A2. Für den Anfang reichen vier Leitfragen: Ist das Verb regelmäßig oder unregelmäßig? Hat es eine Vorsilbe? Ist diese Vorsilbe trennbar? Endet der Infinitiv (die Grundform, etwa machen) auf -ieren? Mit diesen Fragen lassen sich sehr viele Formen zuverlässig bilden.
Ganz ohne Lernen einzelner Formen geht es trotzdem nicht. Bei starken und gemischten Verben kann sich der Wortstamm ändern, und aus dem Infinitiv allein ist nicht immer sicher erkennbar, welche Form gilt. Deshalb sollte ein neues Verb möglichst als Dreiergruppe gelernt werden, zum Beispiel schreiben – schrieb – geschrieben.
So funktioniert die Bildung
1. Regelmäßige Verben: ge- + Stamm + -t
Bei regelmäßigen, auch schwachen Verben bleibt der Stamm normalerweise gleich. Man entfernt die Infinitivendung -en und setzt ge- davor sowie -t dahinter.
| Infinitiv | Stamm | Bildung | Partizip II |
|---|---|---|---|
| machen | mach- | ge- + mach + -t | gemacht |
| lernen | lern- | ge- + lern + -t | gelernt |
| spielen | spiel- | ge- + spiel + -t | gespielt |
| kaufen | kauf- | ge- + kauf + -t | gekauft |
Endet der Stamm auf -d oder -t, wird zur leichteren Aussprache meist ein -e- vor dem -t eingefügt: arbeiten → gearbeitet, warten → gewartet, reden → geredet. Das geschieht auch bei manchen schwer aussprechbaren Konsonantengruppen: öffnen → geöffnet, rechnen → gerechnet, atmen → geatmet.
2. Unregelmäßige Verben: meist ge- + veränderter Stamm + -en
Viele unregelmäßige, auch starke Verben enden im Partizip II auf -en. Häufig ändert sich zusätzlich der Vokal im Stamm. Diese Änderung folgt keinem einzigen Muster, das man immer vorhersagen könnte.
| Infinitiv | Partizip II | Veränderung |
|---|---|---|
| schreiben | geschrieben | ei → ie |
| finden | gefunden | i → u |
| sprechen | gesprochen | e → o |
| nehmen | genommen | Stamm verändert |
| sehen | gesehen | Endung -en |
| gehen | gegangen | Stamm stark verändert |
Nicht jedes starke Verb zeigt im Partizip einen neuen Vokal: fahren → gefahren, kommen → gekommen, lesen → gelesen. Die Endung -en bleibt jedoch ein wichtiges Erkennungszeichen.
3. Gemischte Verben: Stammänderung und Endung -t
Eine kleine, aber sehr häufige Gruppe verbindet Merkmale beider Klassen. Diese gemischten Verben ändern ihren Stamm wie unregelmäßige Verben, erhalten aber die Endung -t wie regelmäßige Verben.
| Infinitiv | Partizip II |
|---|---|
| bringen | gebracht |
| denken | gedacht |
| kennen | gekannt |
| nennen | genannt |
| wissen | gewusst |
| brennen | gebrannt |
Solche Formen müssen einzeln gelernt werden. Bildungen wie gebringt oder gedenkt sind nicht korrekt.
4. Trennbare Verben: ge- steht in der Mitte
Ein trennbares Verb besitzt eine Vorsilbe, die im einfachen Hauptsatz vom Verb getrennt wird: Ich mache das Fenster auf. Im Partizip II steht ge- zwischen dieser Vorsilbe und dem Verbstamm.
| Infinitiv | Präsens als Hinweis | Partizip II |
|---|---|---|
| aufmachen | ich mache auf | aufgemacht |
| einkaufen | ich kaufe ein | eingekauft |
| anrufen | ich rufe an | angerufen |
| mitbringen | ich bringe mit | mitgebracht |
| aufstehen | ich stehe auf | aufgestanden |
Die Endung richtet sich weiterhin nach dem Grundverb: machen → gemacht, daher aufmachen → aufgemacht; stehen → gestanden, daher aufstehen → aufgestanden.
5. Untrennbare Vorsilben: kein ge-
Bei Verben mit den untrennbaren Vorsilben be-, emp-, ent-, er-, ge-, miss-, ver- und zer- entfällt ge-. Ob die Form auf -t oder -en endet, hängt wieder vom Verb ab.
| Vorsilbe | Infinitiv | Partizip II |
|---|---|---|
| be- | bezahlen | bezahlt |
| emp- | empfehlen | empfohlen |
| ent- | entdecken | entdeckt |
| er- | erzählen | erzählt |
| ge- | gehören | gehört |
| miss- | missverstehen | missverstanden |
| ver- | verstehen | verstanden |
| zer- | zerbrechen | zerbrochen |
Ein praktischer Hinweis ist die Betonung: Untrennbare Vorsilben sind normalerweise unbetont. Man sagt verSTÉHen, nicht VÉRstehen. Das ersetzt das Lernen der Formen nicht, hilft aber beim Erkennen.
6. Verben auf -ieren: kein ge-, aber -t
Verben mit der Endung -ieren bilden das Partizip II ohne ge- und mit -t:
| Infinitiv | Partizip II |
|---|---|
| studieren | studiert |
| telefonieren | telefoniert |
| reparieren | repariert |
| organisieren | organisiert |
| fotografieren | fotografiert |
Die Regel gilt auch, wenn vor dem Verb noch ein Bestandteil steht: einstudieren → einstudiert. Eine Form wie gestudiert ist daher falsch.
Die Anfängerregel als Entscheidungshilfe
- Endet das Verb auf -ieren? Dann: kein ge-, meistens -t.
- Beginnt es mit einer untrennbaren Vorsilbe? Dann: kein ge-.
- Ist es trennbar? Dann steht ge- nach der Vorsilbe.
- Sonst steht ge- am Anfang.
- Regelmäßige Verben enden auf -t; starke Verben meist auf -en. Stammänderungen und gemischte Formen werden mit dem Verb gelernt.
Beispiele im Zusammenhang
| Deutscher Beispielsatz | Einfache Erklärung | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Ich habe heute lange gearbeitet. | Meine Arbeit dauerte heute lange. | regelmäßiges Verb mit eingeschobenem -e- |
| Hast du die Rechnung schon bezahlt? | Die Frage ist, ob das Geld bereits überwiesen wurde. | untrennbares be-, daher ohne ge- |
| Wir haben am Wochenende viel gelernt. | Am Wochenende haben wir viel Zeit mit Lernen verbracht. | regelmäßiges Verb |
| Lea hat mir eine Nachricht geschrieben. | Eine Nachricht von Lea ist bei mir angekommen. | starkes Verb mit Stammänderung |
| Der Zug ist pünktlich angekommen. | Der Zug war zur vorgesehenen Zeit da. | trennbares starkes Verb |
| Ich habe meine Schlüssel zu Hause vergessen. | Meine Schlüssel sind versehentlich zu Hause geblieben. | untrennbares ver- |
| Er hat seine Schwester sofort angerufen. | Er hat gleich mit seiner Schwester telefoniert. | ge- zwischen Vorsilbe und Stamm |
| Wir haben das Essen selbst zubereitet. | Wir haben das Essen selbst gemacht. | untrennbares be- im Grundverb bereiten |
| Sie hat drei Jahre in Berlin studiert. | Ihr Studium in Berlin dauerte drei Jahre. | Verb auf -ieren |
| Hast du bitte Brot mitgebracht? | Die Person sollte Brot von einem anderen Ort hierher bringen. | trennbares gemischtes Verb |
| Ich habe die Aufgabe nicht verstanden. | Mir war nicht klar, was ich tun sollte. | untrennbares ver-, starke Form |
| Das Fenster wird jeden Morgen geöffnet. | Jeden Morgen öffnet jemand das Fenster. | Partizip II im Passiv |
| Die Gäste sind früh gegangen. | Die Gäste haben den Ort früh verlassen. | starkes Verb im Perfekt mit sein |
| Wir haben das Treffen gut organisiert. | Die Planung des Treffens war gut. | Verb auf -ieren |
Häufige Fehler
Bei jedem Verb ge- verwenden
- Falsch: Ich habe Deutsch gestudiert.
- Richtig: Ich habe Deutsch studiert.
- Warum? Verben auf -ieren bilden ihr Partizip ohne ge-.
ge- vor eine untrennbare Vorsilbe setzen
- Falsch: Sie hat die Rechnung gebezahlt.
- Richtig: Sie hat die Rechnung bezahlt.
- Warum? Bei be- und den anderen untrennbaren Vorsilben entfällt ge-.
Bei trennbaren Verben ge- an die falsche Stelle setzen
- Falsch: Er hat geanrufen.
- Richtig: Er hat angerufen.
- Warum? Bei trennbaren Verben steht ge- zwischen Vorsilbe und Stamm: an-ge-rufen.
Ein starkes Verb wie ein regelmäßiges bilden
- Falsch: Wir haben einen Brief geschreibt.
- Richtig: Wir haben einen Brief geschrieben.
- Warum? Schreiben ist stark. Sein Partizip endet auf -en und hat den Stamm schrieb-/geschrieb-.
Eine gemischte Form aus dem Präsens ableiten
- Falsch: Ich habe daran gedenkt.
- Richtig: Ich habe daran gedacht.
- Warum? Denken gehört zu den gemischten Verben: Der Stamm ändert sich, die Endung lautet -t.
Das zusätzliche -e- vergessen
- Falsch: Sie hat bis acht Uhr gearbeit.
- Richtig: Sie hat bis acht Uhr gearbeitet.
- Warum? Nach einem Stamm auf -t erleichtert -et die Aussprache.
Hinweise zum Gebrauch
Das Partizip II allein legt nicht fest, ob im Perfekt haben oder sein steht. Die meisten Verben verwenden haben. Viele Verben der Ortsveränderung oder Zustandsänderung verwenden sein: Wir sind gefahren. Das Kind ist eingeschlafen. Diese Wahl ist ein eigenes Thema; an der Form des Partizips ändert sie nichts.
Im gesprochenen Deutsch ist das Perfekt sehr häufig, besonders wenn über Vergangenes erzählt wird. Deshalb hört man Partizipien ständig. In formellen Texten und Erzählungen kommt häufiger das Präteritum vor, doch auch dort bleibt das Partizip II für Passiv, Plusquamperfekt und andere Konstruktionen wichtig.
Im Wörterbuch werden bei unregelmäßigen Verben oft drei Stammformen angegeben: nehmen – nahm – genommen. Diese Schreibweise ist besonders nützlich, weil sie zugleich das Präteritum und das Partizip zeigt. Bei einem neuen starken Verb lohnt es sich, alle drei Formen zusammen mit einem kurzen Beispielsatz zu notieren.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Einzelheiten musst du auf A2 noch nicht vollständig beherrschen. Sie erklären jedoch Formen, denen du später begegnen wirst.
Vorsilben mit wechselnder Trennbarkeit
Vorsilben wie durch-, über-, um-, unter-, wider- und wieder- können je nach Bedeutung und Betonung trennbar oder untrennbar sein. Dann verändert sich auch die Stellung von ge-:
| Verb und Bedeutung | Partizip II | Erklärung |
|---|---|---|
| übersetzen – in eine andere Sprache übertragen | übersetzt | untrennbar, Vorsilbe unbetont |
| übersetzen – mit einem Boot ans andere Ufer fahren | übergesetzt | trennbar, Vorsilbe betont |
| umfahren – um etwas herumfahren | umfahren | untrennbar |
| umfahren – durch Anfahren zu Fall bringen | umgefahren | trennbar |
Hier trägt die Betonung Bedeutung. Solche Paare lernt man am besten mit einem ganzen Satz, nicht nur als einzelne Form.
Zwei Partizipien mit unterschiedlicher Bedeutung
Manche Verben haben je nach Gebrauch verschiedene Formen:
- Das Bild hat an der Wand gehangen: hängen bezeichnet einen Zustand und ist hier stark.
- Ich habe das Bild an die Wand gehängt: Jemand bringt das Bild in diese Position; das Verb ist hier regelmäßig.
- Die Nachricht hat mich bewegt: Sie hat mich emotional berührt.
- Was hat ihn dazu bewogen? Etwas hat ihn zu einer Entscheidung veranlasst.
Das sind keine freien Varianten. Form und Bedeutung gehören jeweils zusammen.
Ersatzinfinitiv bei Modalverben
Modalverben wie müssen, können und wollen haben zwar Partizipien (gemusst, gekonnt, gewollt), doch zusammen mit einem weiteren Infinitiv steht im Perfekt meist der Ersatzinfinitiv (ein Infinitiv anstelle des erwarteten Partizips): Ich habe lange arbeiten müssen. Nicht standardsprachlich wäre hier Ich habe lange arbeiten gemusst. Ohne zweiten Infinitiv ist das Partizip möglich: Das habe ich nicht gewollt.
Partizip II als Eigenschaftswort
Ein Partizip II kann wie ein Adjektiv vor einem Nomen stehen und erhält dann eine Adjektivendung: die geschlossene Tür, ein gut geschriebener Text, frisch gebackenes Brot. Es beschreibt meist das Ergebnis einer Handlung. Die passende Endung richtet sich nach Artikel, grammatischem Geschlecht und Fall; das ist ein weiterführendes Thema und verändert die Grundform geschlossen, geschrieben, gebacken nicht.
Tipps zum Üben
- Lerne Verben in kleinen Familien. Notiere etwa machen – gemacht – aufgemacht oder stehen – gestanden – aufgestanden. So wird die Position von ge- sichtbar.
- Markiere vier Gruppen mit Farben. Sammle regelmäßige, starke, gemischte und vorsilbige Verben getrennt. Sage die Formen anschließend in kurzen Perfektsätzen laut: Ich habe …, Ich bin ….
- Prüfe neue Verben im Wörterbuch. Rate bei starken Verben nicht dauerhaft. Schreibe die drei Stammformen und einen persönlichen Beispielsatz auf, etwa finden – fand – gefunden: Ich habe meine Brille gefunden.
Verwandte Grammatikthemen
- Voraussetzung: Perfekt mit haben — zeigt, wie das Partizip II mit einem Hilfsverb einen Vergangenheitssatz bildet.
- Nächster Schritt: Passiv im Präsens — verwendet werden zusammen mit dem Partizip II, zum Beispiel Die Tür wird geöffnet.
Voraussetzung
Perfekt mit haben im DeutschenA2Konzepte, die darauf aufbauen
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