B2

Das Plusquamperfekt im Rumänischen

Mai-mult-ca-perfectul

Dieser Artikel ist Teil des Rumänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Das rumänische Mai-mult-ca-perfectul bezeichnet eine Handlung, die schon vor einem anderen Zeitpunkt in der Vergangenheit abgeschlossen war: Când am ajuns, plecase deja. – „Als ich ankam, war er/sie schon gegangen.“ Anders als im Deutschen besteht diese Zeitform aus nur einem Verbwort: plecasem bedeutet „ich war gegangen“, ganz ohne Hilfsverb.

Überblick

Das Plusquamperfekt heißt auf Rumänisch mai-mult-ca-perfectul. Es ordnet zwei vergangene Ereignisse: Das Ereignis im Plusquamperfekt geschah zuerst, ein anderes vergangenes Ereignis oder ein klarer Bezugspunkt folgte später. Wer erzählt, blickt also von einem Punkt in der Vergangenheit noch weiter zurück. Auf dem Niveau B2 ist diese Zeitform besonders wichtig für Erzählungen, Berichte und Gespräche über Ursachen oder Voraussetzungen.

Für deutschsprachige Lernende ist die Bedeutung vertraut. Deutsch bildet das Plusquamperfekt mit hatte oder war und dem Partizip II: „Wir hatten gelesen“, „sie war gegangen“. Rumänisch verwendet dagegen eine synthetische Form (eine Zeitform, deren grammatische Information in einem einzigen Wort steckt): citiserăm, plecase. Ein Hilfsverb wie a avea „haben“ oder a fi „sein“ kommt dabei nicht hinzu.

Die Endung zeigt zugleich die Person. Deshalb kann das Subjekt (wer die Handlung ausführt) wie so oft im Rumänischen unausgesprochen bleiben: Văzusem filmul heißt bereits „Ich hatte den Film gesehen“. Ein Pronomen wie eu wird vor allem für Betonung oder Kontrast ergänzt.

So wird die Form gebildet

Die Personenendungen

Der Verbstamm kann je nach Verbklasse wechseln; der letzte Teil der Form ist jedoch sehr regelmäßig. Die charakteristischen Endungen lauten -sem, -seși, -se, -serăm, -serăți, -seră.

Person Endung a cânta „singen“ Deutsche Entsprechung
eu -sem cântasem ich hatte gesungen
tu -seși cântaseși du hattest gesungen
el/ea -se cântase er/sie hatte gesungen
noi -serăm cântaserăm wir hatten gesungen
voi -serăți cântaserăți ihr hattet gesungen
ei/ele -seră cântaseră sie hatten gesungen

In der Praxis lohnt es sich, die Form als Vergangenheitsstamm + Personenendung zu lernen. Das Element -se- ist in allen Personen zu erkennen; im Plural steht zusätzlich -r-. Besonders leicht zu verwechseln sind die dritte Person Singular -se und die dritte Person Plural -seră.

Regelmäßige und häufige Stammtypen

Nicht jedes Verb setzt die Endungen direkt an den Infinitiv (die Wörterbuchform wie a vedea „sehen“). Häufig entspricht der Stamm dem Stamm des rumänischen Perfectul simplu. Diese Zeitform muss man nicht vollständig beherrschen, um das Plusquamperfekt zu verwenden; die folgenden Muster sollten jedoch als ganze Formen eingeprägt werden.

Infinitiv Stamm im Plusquamperfekt 1. Person Singular 3. Person Singular 1. Person Plural
a cânta „singen“ cânta- cântasem cântase cântaserăm
a pleca „weggehen“ pleca- plecasem plecase plecaserăm
a vedea „sehen“ văzu- văzusem văzuse văzuserăm
a face „machen“ făcu- făcusem făcuse făcuserăm
a merge „gehen“ merse- mersesem mersese merseserăm
a scrie „schreiben“ scrise- scrisesem scrisese scriseserăm
a citi „lesen“ citi- citisem citise citiserăm
a veni „kommen“ veni- venisem venise veniserăm
a hotărî „beschließen“ hotărâ- hotărâsem hotărâse hotărâserăm

Bei Formen wie mersesem oder scrisesem treffen Stamm und Endung so aufeinander, dass zweimal se sichtbar wird: merse + sem, scrise + sem. Das ist kein Schreibfehler.

Einige sehr häufige Verben haben Stämme, die man gesondert lernen sollte:

Infinitiv 1. Person Singular 3. Person Singular 3. Person Plural
a fi „sein“ fusesem fusese fuseseră
a avea „haben“ avusesem avusese avuseseră
a spune „sagen“ spusesem spusese spuseseră
a da „geben“ dădusem dăduse dăduseră
a sta „bleiben, stehen“ stătusem stătuse stătuseră

Verneinung, Pronomen und reflexive Verben

Die Verneinung ist unkompliziert: nu steht vor der Verbform.

  • Nu citiserăm cartea. – „Wir hatten das Buch nicht gelesen.“
  • El nu plecase încă. – „Er war noch nicht weggegangen.“

Unbetonte Objektpronomen stehen ebenfalls vor dem Verb. Ein Objektpronomen verweist kurz auf die Person oder Sache, die von der Handlung betroffen ist, etwa îl „ihn/es“ oder i „ihm/ihr“.

  • Îl văzusem deja. – „Ich hatte ihn schon gesehen.“
  • Nu-i spusesem adevărul. – „Ich hatte ihm/ihr die Wahrheit nicht gesagt.“

Bei reflexiven Verben bezieht sich das Pronomen auf das Subjekt zurück:

  • Mă trezisem devreme. – „Ich war früh aufgewacht.“
  • Se pregătiseră bine. – „Sie hatten sich gut vorbereitet.“

Da das Mai-mult-ca-perfectul keine zusammengesetzte Form mit Partizip ist, gibt es hier auch keine Partizipangleichung. Die Verbform richtet sich nur nach Person und Zahl des Subjekts.

Der zeitliche Aufbau eines Satzes

Das Grundmuster lautet:

früheres Ereignis: Mai-mult-ca-perfectul → späterer vergangener Bezugspunkt: andere Vergangenheitsform

  • Când am ajuns, concertul începuse. – Als wir ankamen, hatte das Konzert begonnen.
  • Terminasem raportul înainte de ședință. – Ich hatte den Bericht vor der Sitzung fertiggestellt.

Der spätere Bezugspunkt steht häufig im Perfectul compus, der üblichen rumänischen Erzählvergangenheit: am ajuns „ich bin angekommen/ich kam“. Er kann aber auch durch eine Zeitangabe wie până atunci „bis dahin“, înainte de ședință „vor der Sitzung“ oder einfach durch den vorherigen Zusammenhang gegeben sein.

Typische Signale sind deja „schon“, încă nu „noch nicht“, până atunci „bis dahin“, după ce „nachdem“, înainte să „bevor“ und niciodată „nie“. Diese Wörter verlangen nicht automatisch das Plusquamperfekt; entscheidend ist immer die zeitliche Beziehung.

Beispiele im Zusammenhang

Rumänisch Deutsch Hinweis
Mâncasem deja când m-ai sunat. Ich hatte schon gegessen, als du mich angerufen hast. Die Mahlzeit war vor dem Anruf beendet.
Văzusem filmul, așa că am ales altceva. Ich hatte den Film gesehen, deshalb wählte ich etwas anderes. Der frühere Vorgang erklärt die spätere Entscheidung.
Plecase de mult când am ajuns noi. Er/Sie war längst gegangen, als wir ankamen. de mult betont den zeitlichen Abstand.
Nu citiserăm cartea înainte de curs. Wir hatten das Buch vor dem Kurs nicht gelesen. Verneinte Vorzeitigkeit.
Când s-a deschis magazinul, oamenii așteptaseră deja o oră. Als das Geschäft öffnete, hatten die Leute schon eine Stunde gewartet. Eine bis zum Bezugspunkt andauernde Situation.
După ce terminasem raportul, l-am trimis directoarei. Nachdem ich den Bericht fertiggestellt hatte, schickte ich ihn der Direktorin. Zwei klar aufeinanderfolgende Handlungen.
Își uitase cheile acasă și nu putea intra. Er/Sie hatte die Schlüssel zu Hause vergessen und konnte nicht hinein. Das frühere Ereignis erklärt einen vergangenen Zustand.
Nu mai fusesem niciodată la Cluj. Ich war vorher noch nie in Cluj gewesen. Erfahrung vor einem vergangenen Zeitpunkt.
Până atunci, avuseserăm puține probleme. Bis dahin hatten wir wenige Probleme gehabt. până atunci liefert den Bezugspunkt.
Mi-a spus că văzuse accidentul. Er/Sie sagte mir, dass er/sie den Unfall gesehen hatte. Vorzeitigkeit in einer berichteten Aussage.
Copiii adormiseră înainte să înceapă furtuna. Die Kinder waren eingeschlafen, bevor der Sturm begann. Das Einschlafen geschah zuerst.
Când ai venit, eu pregătisem deja cina. Als du kamst, hatte ich das Abendessen schon vorbereitet. eu hebt den Handelnden hervor.
Se pregătiseră bine, dar examenul a fost dificil. Sie hatten sich gut vorbereitet, aber die Prüfung war schwierig. Reflexives Verb im Plural.
Credeam că îi trimisesem mesajul. Ich glaubte, dass ich ihm/ihr die Nachricht geschickt hatte. Der frühere Vorgang wird aus einer vergangenen Perspektive betrachtet.

Häufige Fehler

1. Ein Hilfsverb nach deutschem Muster ergänzen

  • Falsch: Am plecasem deja.
  • Richtig: Plecasem deja.
  • Warum: Plecasem enthält bereits Person und Zeitform. Eine zusätzliche Form von a avea macht die Konstruktion ungrammatisch.

2. Das Partizip statt des richtigen Stamms verwenden

  • Falsch: văzutsem filmul
  • Richtig: văzusem filmul
  • Warum: Das deutsche Muster „hatte + gesehen“ lässt sich nicht Wort für Wort übertragen. Das rumänische Plusquamperfekt verwendet hier den Stamm văzu- und die Endung -sem.

3. Singular und Plural verwechseln

  • Falsch: Ei plecase înainte de prânz.
  • Richtig: Ei plecaseră înainte de prânz.
  • Warum: plecase ist dritte Person Singular; für ei/ele steht plecaseră. Gerade das -r- der Pluralformen muss deutlich mitgelernt werden.

4. Das Plusquamperfekt für jedes vergangene Ereignis benutzen

  • Unpassend: Ieri mersesem la cinema. – wenn nur „Gestern ging ich ins Kino“ gemeint ist
  • Passend: Ieri am mers la cinema.
  • Warum: Das Plusquamperfekt braucht eine vergangene Perspektive, zu der das Ereignis vorzeitig ist. Ohne einen solchen Bezugspunkt ist meist das Perfectul compus die natürliche Wahl.

5. Die Reihenfolge der Ereignisse falsch zu markieren

  • Falsch für die gemeinte Reihenfolge: Când plecasem, el a ajuns, wenn gesagt werden soll: „Als ich ankam, war er gegangen.“
  • Richtig: Când am ajuns, el plecase.
  • Warum: Die Plusquamperfektform gehört zu dem Ereignis, das zuerst stattfand. Nicht die Stellung im Satz, sondern die Form zeigt die zeitliche Ordnung.

6. Bei der Verneinung eine getrennte Verbkonstruktion suchen

  • Falsch: Citiserăm nu cartea.
  • Richtig: Nu citiserăm cartea.
  • Warum: nu steht unmittelbar vor dem Verb beziehungsweise vor einem vorangestellten unbetonten Pronomen: Nu o citiserăm. – „Wir hatten sie nicht gelesen.“

Hinweise zum Gebrauch

Das Mai-mult-ca-perfectul ist keine bloß historische oder ausschließlich literarische Form. Es wird im heutigen Rumänisch verwendet, wenn die Reihenfolge vergangener Vorgänge klar ausgedrückt werden soll. Besonders natürlich ist es in Erzählungen, Nachrichten, biografischen Darstellungen und Begründungen: Eine frühere Handlung liefert oft den Hintergrund für das, was danach geschah.

In Gesprächen kann das Perfectul compus genügen, wenn Wörter wie după ce oder der situative Zusammenhang die Reihenfolge eindeutig machen. După ce am terminat, am plecat heißt natürlich „Nachdem ich fertig war, ging ich“. Mit După ce terminasem, am plecat wird der Blick stärker von der späteren Abreise auf die bereits abgeschlossene Tätigkeit zurückgerichtet. Das ist keine starre Regel, sondern eine Frage der gewählten zeitlichen Perspektive.

Im Unterschied zum Deutschen hängt die Form nicht davon ab, ob das Verb Bewegung oder Zustandswechsel ausdrückt. Deutsch wählt „war gegangen“, aber „hatte gelesen“; Rumänisch verwendet in beiden Fällen dieselbe einteilige Bildungsweise: plecase, citise. Auch das Subjektpronomen ist meist entbehrlich, weil -sem, -seși, -se und die übrigen Endungen die Person anzeigen.

Über die Grundlagen hinaus

Plusquamperfekt und Imperfekt erfüllen verschiedene Aufgaben

Das Imperfectul schildert eine andauernde, wiederholte oder als Hintergrund betrachtete vergangene Situation. Das Mai-mult-ca-perfectul blickt dagegen auf etwas zurück, das vor einem vergangenen Bezugspunkt lag. Beide können im selben Satz vorkommen:

  • Știam că plecase. – „Ich wusste, dass er/sie gegangen war.“

Hier beschreibt știam „ich wusste“ einen vergangenen Zustand; plecase liegt zeitlich noch davor. Der Unterschied entspricht also nicht einfach dem deutschen Gegensatz „Präteritum gegen Plusquamperfekt“, sondern betrifft die Funktion im erzählten Ablauf.

Ein Bezugspunkt kann unausgesprochen bleiben

Nicht jeder Satz nennt das spätere Ereignis ausdrücklich. In einer längeren Erzählung kann es bereits bekannt sein:

  • Am intrat în birou. Cineva deschisese fereastra. – „Ich betrat das Büro. Jemand hatte das Fenster geöffnet.“

Der erste Satz setzt den vergangenen Betrachtungspunkt. Der zweite erklärt einen Zustand, der schon vorher entstanden war. Gerade dieser Wechsel ist ein wichtiges Mittel, um Erzählungen zeitlich übersichtlich zu machen.

Vorzeitigkeit in berichteten Gedanken und Aussagen

Nach einem Verb des Sagens, Wissens, Glaubens oder Erinnerns markiert das Plusquamperfekt, dass der Inhalt davor liegt:

  • Ea credea că pierduse documentele. – „Sie glaubte, sie habe die Unterlagen verloren.“
  • Ne-am amintit că mai fuseserăm acolo. – „Wir erinnerten uns, dass wir schon einmal dort gewesen waren.“

Dabei sollte man nicht mechanisch jede Zeitform in indirekter Rede verschieben. Entscheidend bleibt die tatsächliche Zeitbeziehung: Das Verlieren oder der frühere Besuch liegt vor dem Glauben beziehungsweise Erinnern.

Verhältnis zum Perfectul simplu

Viele Plusquamperfektstämme werden verständlicher, wenn später das Perfectul simplu gelernt wird: văzui – văzusem, făcui – făcusem, mersei – mersesem. Das Perfectul simplu erzählt jedoch selbst ein abgeschlossenes vergangenes Ereignis; das Mai-mult-ca-perfectul ordnet ein Ereignis davor ein. Die verwandte Formbildung darf deshalb nicht mit gleicher Bedeutung verwechselt werden.

Übungstipps

  1. Lerne Formen in Dreiergruppen. Notiere zu jedem neuen Verb Infinitiv, erste und dritte Person Singular: a vedea – văzusem – văzuse. Ergänze danach die Pluralform văzuseră. So übst du Stamm und besonders fehleranfällige Endungen zusammen.
  2. Baue Zeitlinien aus zwei Sätzen. Beginne mit zwei Ereignissen, etwa „Sie ging“ und „Ich kam“. Entscheide, was zuerst geschah, und bilde dann: Când am venit, ea plecase. Variiere Person, Verneinung und Zeitangaben.
  3. Achte beim Lesen auf Rückblenden. Markiere Formen auf -sem, -seși, -se, -serăm, -serăți, -seră und suche den späteren vergangenen Bezugspunkt. Er kann im selben Satz, im vorherigen Satz oder nur im Zusammenhang stehen.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Das Imperfekt – hilft dabei, Hintergrund, Dauer und Vorzeitigkeit in vergangenen Erzählungen auseinanderzuhalten.
  • Weiterführend: Das Perfectul simplu – verwendet verwandte Verbstämme, hat aber eine andere zeitliche Funktion und besondere regionale sowie stilistische Gebrauchsweisen.

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Das rumänische Imperfekt (Imperfectul)B1

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