A1

„Es gibt“ im Deutschen

Es gibt

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit es gibt + Akkusativ sagt man, dass etwas existiert, vorhanden oder verfügbar ist: Es gibt einen Park. Die Form gibt bleibt auch bei mehreren Dingen gleich: Es gibt viele Parks. In einer Ja-Nein-Frage steht das Verb vorn: Gibt es hier einen Park?

Überblick

Die feste Wendung es gibt gehört zu den wichtigsten Strukturen auf Niveau A1. Man braucht sie, um über Orte, Angebote, Möglichkeiten und Probleme zu sprechen: Was befindet sich in einer Stadt? Was ist noch verfügbar? Welche Möglichkeiten bestehen? Das Wort es bezeichnet dabei kein bestimmtes Ding. Es gehört fest zur Konstruktion.

Nach es gibt steht eine Wortgruppe im Akkusativ (vierter Fall; hier die Form des genannten Gegenstands oder der genannten Person). Besonders gut sieht man das bei maskulinen Wörtern: Aus ein Park wird einen Park. Bei femininen und neutralen Wörtern ist die Form oft weniger auffällig: eine Apotheke, ein Café.

Die Grundregel ist einfach und sofort verwendbar. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick: Die Wortstellung ändert sich in Fragen und Nebensätzen, die Verneinung erfolgt häufig mit kein, und nicht in jeder Situation ist es gibt die natürlichste Formulierung.

So funktioniert es

Die Grundstruktur

Ein Aussagesatz folgt meist diesem Muster:

Position Bestandteil Beispiel
1 es Es
2 gibt gibt
danach Akkusativgruppe einen Park.

Es gibt einen Park. bedeutet: Ein Park existiert oder ist an dem gemeinten Ort vorhanden. Das Substantiv oder Nomen (ein Wort für eine Person, Sache oder Idee) steht mit seinen Begleitern im Akkusativ.

Gibt ist die dritte Person Singular von geben. In dieser Wendung wird es jedoch immer im Singular verwendet. Die Anzahl der genannten Dinge spielt keine Rolle:

  • Es gibt ein Problem.
  • Es gibt drei Probleme.
  • Es gibt viele Möglichkeiten.

Nicht die Dinge bestimmen also die Verbform. Es steht grammatisch beim Verb, deshalb heißt es immer gibt und nie geben.

Der Akkusativ nach „es gibt“

Am deutlichsten verändert sich der unbestimmte Artikel im Maskulinum (bei männlichen Nomen): ein → einen. Auch beim bestimmten Artikel wird der → den.

Genus und Zahl Grundform Nach „es gibt“ Beispiel
maskulin ein / der Park einen / den Park Es gibt einen Park.
feminin eine / die Bäckerei eine / die Bäckerei Es gibt eine Bäckerei.
neutral ein / das Café ein / das Café Es gibt ein Café.
Plural keine / die Busse keine / die Busse Es gibt keine Busse.

Bei eine Bäckerei und ein Café sieht der Akkusativ genauso aus wie der Nominativ (erster Fall; häufig die Form für die handelnde Person oder Sache). Trotzdem ist die grammatische Funktion nach es gibt Akkusativ.

Neben Artikeln können auch Zahlen und Mengenwörter stehen:

  • Es gibt zwei Eingänge.
  • Es gibt viele Gründe.
  • Es gibt wenig Zeit.
  • Es gibt genug Wasser.

Verneinung mit „kein“ und „nicht“

Wenn ein unbestimmtes Nomen verneint wird, verwendet man meistens kein. Auch kein steht im Akkusativ:

Bejahung Verneinung
Es gibt einen Aufzug. Es gibt keinen Aufzug.
Es gibt eine Lösung. Es gibt keine Lösung.
Es gibt ein Problem. Es gibt kein Problem.
Es gibt Busse. Es gibt keine Busse.

Nicht verwendet man eher, wenn eine bestimmte Angabe oder ein anderer Teil des Satzes verneint wird: Den Kurs gibt es heute nicht. Mit mehr ist die Verbindung besonders häufig: Das Geschäft gibt es nicht mehr. Das bedeutet, dass es früher existierte, jetzt aber nicht mehr existiert.

Fragen bilden

In einer Ja-Nein-Frage steht das konjugierte Verb (die an Person und Zeit angepasste Verbform) an erster Stelle:

Gibt + es + Akkusativgruppe + weitere Angaben?

  • Gibt es hier ein Café?
  • Gibt es noch freie Plätze?
  • Gibt es ein Problem?

Mit einem Fragewort steht dieses zuerst, danach folgen gibt und es:

  • Was gibt es heute zum Mittagessen?
  • Welche Möglichkeiten gibt es?
  • Wie viele Zimmer gibt es im Hotel?
  • Wo gibt es hier eine Apotheke?

Andere Angaben an der ersten Stelle

Ein Aussagesatz muss nicht mit es beginnen. Zeit-, Orts- oder andere Angaben können an Position 1 stehen. Das Verb bleibt an Position 2, und es steht direkt danach oder später im Mittelfeld:

  • Heute gibt es Suppe.
  • In diesem Viertel gibt es viele kleine Läden.
  • Für dieses Problem gibt es eine einfache Lösung.

Das es darf dabei nicht verschwinden. Richtig ist Hier gibt es einen Markt, nicht Hier gibt einen Markt.

Nebensätze

In einem Nebensatz (einem Satzteil, der von Wörtern wie weil, dass oder ob eingeleitet wird) steht das Verb am Ende:

  • Ich gehe dorthin, weil es dort einen Park gibt.
  • Sie fragt, ob es noch Karten gibt.
  • Wir wissen, dass es mehrere Möglichkeiten gibt.

Die Akkusativregel bleibt unverändert.

Beispiele im Zusammenhang

Deutscher Beispielsatz Bedeutung oder Situation Hinweis
Es gibt einen Park neben dem Bahnhof. Neben dem Bahnhof ist ein Park vorhanden. Maskulin: einen Park
Gibt es hier ein Café? Jemand sucht in der Nähe ein Café. Ja-Nein-Frage
Es gibt viele Leute auf dem Platz. Auf dem Platz sind viele Menschen. Plural, aber weiterhin gibt
Im Hotel gibt es einen Aufzug. Das Hotel verfügt über einen Aufzug. Ortsangabe an Position 1
Heute gibt es Gemüsesuppe. Gemüsesuppe steht heute auf dem Speiseplan. Häufig bei Essen und Angeboten
Es gibt noch zwei freie Plätze. Zwei Plätze sind weiterhin verfügbar. Zahlwort im Akkusativ Plural
Leider gibt es keine Tickets mehr. Alle Tickets sind verkauft oder nicht mehr verfügbar. Verneinung mit keine und mehr
Für dieses Problem gibt es eine Lösung. Das Problem kann gelöst werden. Feste, häufige Verbindung
Was gibt es zum Frühstück? Jemand fragt nach dem Frühstücksangebot. Frage mit was
Wie viele Museen gibt es in Berlin? Gefragt wird nach der Anzahl der Museen. Frage nach einer Menge
Ich glaube, dass es einen Fehler gibt. Nach Meinung der sprechenden Person liegt ein Fehler vor. Verb am Ende des Nebensatzes
Weißt du, ob es WLAN gibt? Jemand fragt indirekt nach verfügbarem WLAN. Indirekte Ja-Nein-Frage mit ob
Früher gab es hier ein Kino. An diesem Ort war früher ein Kino. Vergangenheit mit gab
So etwas gibt es nur selten. Etwas dieser Art kommt kaum vor. Bezug mit so etwas

Häufige Fehler

1. Den Nominativ statt des Akkusativs verwenden

  • Falsch: Es gibt ein neuer Supermarkt.
  • Richtig: Es gibt einen neuen Supermarkt.
  • Warum: Nach es gibt steht der Akkusativ. Beim maskulinen Artikel und Adjektiv werden die Endungen sichtbar: einen neuen.

2. Das Verb an den Plural anpassen

  • Falsch: Es geben viele Restaurants.
  • Richtig: Es gibt viele Restaurants.
  • Warum: Es gibt ist eine feste Konstruktion. Gibt bleibt Singular, auch wenn danach mehrere Personen oder Dinge genannt werden.

3. „Es“ nach einer Ortsangabe weglassen

  • Falsch: In der Stadt gibt viele Parks.
  • Richtig: In der Stadt gibt es viele Parks.
  • Warum: Eine andere Angabe kann zwar an erster Stelle stehen, aber es bleibt Teil der Wendung.

4. In einer Frage die Wortstellung des Aussagesatzes behalten

  • Falsch: Es gibt hier eine Bank?
  • Richtig: Gibt es hier eine Bank?
  • Warum: In einer neutralen Ja-Nein-Frage steht das Verb an erster Stelle. Die Form mit Es gibt …? ist höchstens als überraschte Rückfrage möglich und sollte nicht als Grundmuster gelernt werden.

5. Immer „nicht“ statt „kein“ verwenden

  • Unnatürlich: Es gibt nicht einen Bus nach zehn Uhr.
  • Richtig: Es gibt keinen Bus nach zehn Uhr.
  • Warum: Ein unbestimmtes Nomen wird normalerweise mit kein verneint. Nicht einen ist nur in besonderen Kontrasten passend, etwa: Es gibt nicht einen, sondern zwei Busse.

6. In einem Nebensatz „gibt“ zu früh setzen

  • Falsch: Ich weiß, dass es gibt eine Lösung.
  • Richtig: Ich weiß, dass es eine Lösung gibt.
  • Warum: Im Nebensatz mit dass steht das konjugierte Verb am Ende.

Hinweise zum Gebrauch

Existenz, Angebot und Verfügbarkeit

Es gibt beantwortet vor allem die Frage, ob etwas existiert oder verfügbar ist. Deshalb ist die Wendung besonders häufig in Stadtbeschreibungen, Reiseinformationen, Speisekarten und Gesprächen über Angebote:

  • In der Nähe gibt es eine Bushaltestelle.
  • Gibt es eine vegetarische Alternative?
  • Es gibt noch Kaffee.

Oft ist der unbestimmte Artikel natürlich, weil etwas zum ersten Mal genannt wird. Der bestimmte Artikel ist möglich, wenn beide Gesprächspartner bereits wissen, worum es geht: Gibt es den roten Pullover auch in Größe M?

„Es gibt“ oder „da ist/da sind“?

Die Ausdrücke sind nicht immer austauschbar. Es gibt stellt die Existenz oder Verfügbarkeit in den Vordergrund. Da ist / da sind weist eher auf etwas Konkretes hin oder beschreibt, was man an einem Ort gerade wahrnimmt.

Gemeinte Aussage Natürliches Beispiel
allgemeines Vorhandensein In unserem Dorf gibt es einen kleinen Laden.
Hinweis auf etwas Sichtbares Da ist der Laden!
Beschreibung einer konkreten Lage Auf dem Tisch liegt ein Schlüssel.
Verfügbarkeit Gibt es noch Brot?

Es gibt einen Schlüssel auf dem Tisch ist grammatisch möglich, klingt in einer einfachen Beschreibung aber oft weniger natürlich als Auf dem Tisch liegt ein Schlüssel. Bei der bloßen Existenzfrage ist es gibt dagegen passend: Gibt es einen Ersatzschlüssel?

„Es“ ist hier kein Stellvertreter für ein bestimmtes Wort

In Das Café ist neu. Es ist sehr klein. verweist es auf das Café. In es gibt funktioniert es anders: Es hat keine konkrete Bedeutung und kann nicht durch er, sie oder ein Nomen ersetzt werden. Man lernt es gibt daher am besten als ganze Wendung.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Formen musst du auf A1 noch nicht vollständig beherrschen. Du wirst ihnen aber später häufig begegnen.

Andere Zeitformen

Die Konstruktion kann in verschiedenen Zeiten stehen. Der Akkusativ bleibt erhalten:

Zeit oder Bedeutung Form Beispiel
Präsens es gibt Es gibt eine neue Regel.
Präteritum es gab Früher gab es hier eine Schule.
Perfekt es hat … gegeben Es hat mehrere Beschwerden gegeben.
Futur es wird … geben Morgen wird es Regen geben.
Konjunktiv II es würde … geben Ohne Hilfe würde es Probleme geben.

Das Präteritum es gab ist auch in der gesprochenen Sprache sehr üblich. Das Perfekt es hat gegeben kommt ebenfalls vor, besonders wenn ein Ereignis oder Ergebnis betont wird: Es hat einen Unfall gegeben.

Modalverben und Infinitiv

Nach einem Modalverb steht geben als Infinitiv (Grundform des Verbs) am Satzende:

  • Es muss eine andere Lösung geben.
  • Es kann mehrere Ursachen geben.
  • Darf es Ausnahmen geben?

Hier bleibt es ebenfalls erhalten. Im Nebensatz sammeln sich die Verbformen am Ende: Ich denke, dass es eine andere Lösung geben muss.

Bezug auf bereits Genanntes

Manchmal steht das genannte Ding vor der Wendung oder wird durch ein Pronomen vertreten:

  • Diesen Kurs gibt es auch online.
  • Die alte Brücke gibt es nicht mehr.
  • Solche Angebote gibt es selten.

Die vorangestellte Gruppe steht weiterhin im Akkusativ. Beim maskulinen Beispiel erkennt man das an diesen Kurs. Solche Sätze präsentieren nicht einfach etwas Neues, sondern sagen etwas über die Existenz oder Verfügbarkeit eines bereits bekannten Gegenstands.

Feste und emotionale Wendungen

Das gibt es doch nicht! drückt Überraschung, Ärger oder Unglauben aus. Gemeint ist je nach Situation etwa: „Das kann nicht wahr sein!“ Die Wendung sollte als feste Redensart verstanden werden.

Auch Was gibt’s? ist häufig. Gibt’s ist die umgangssprachliche Zusammenziehung von gibt es. Sie passt in Gespräche und informelle Nachrichten, aber in formellen Texten schreibt man besser die vollständige Form. In Verbindungen wie Was gibt’s Neues? oder Heute gibt’s Pizza ist sie besonders geläufig.

Lerntipps

  1. Lerne die Wendung zusammen mit Akkusativpaaren. Sprich laut: ein Park – es gibt einen Park; der Bus – es gibt den Bus; kein Aufzug – es gibt keinen Aufzug. So wird besonders die maskuline Form automatisch.
  2. Beschreibe einen vertrauten Ort. Formuliere fünf Sätze über dein Viertel oder deinen Arbeitsplatz und danach fünf Fragen: Hier gibt es … Gibt es hier …? Ergänze mindestens eine Verneinung mit kein.
  3. Übe drei Wortstellungen mit derselben Information. Zum Beispiel: Es gibt heute Suppe. Heute gibt es Suppe. Weißt du, ob es heute Suppe gibt? Damit trainierst du Grundsatz, Umstellung und Nebensatz zugleich.

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  • Voraussetzung: Akkusativ bei Artikeln — erklärt Formen wie einen Park, den Bus und keine Tickets, die nach es gibt gebraucht werden.

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