A1

Das Verb „haben“ im Präsens

Verb 'haben' im Präsens

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Haben ist ein unregelmäßiges Verb. Im Präsens lauten seine Formen: ich habe, du hast, er/sie/es hat, wir haben, ihr habt, sie/Sie haben. Es bezeichnet meist Besitz oder Zugehörigkeit, kommt aber auch in häufigen Wendungen wie Zeit haben, Hunger haben und Angst haben vor.

Überblick

Das Verb haben gehört zu den wichtigsten Verben der deutschen Sprache. Man verwendet es, wenn jemand etwas besitzt, wenn etwas zu einer Person oder Sache gehört oder wenn man über Beziehungen, Merkmale und Zustände spricht: Ich habe ein Fahrrad, Das Haus hat einen Garten, Wir haben Hunger. Außerdem braucht man haben später als Hilfsverb (ein Verb, das beim Bilden einer Zeitform hilft), zum Beispiel im Perfekt: Ich habe gearbeitet.

Die Präsensformen (Formen für Gegenwart und allgemeine Aussagen) werden bereits auf Niveau A1 gelernt. Dabei ist vor allem wichtig, hast und hat sicher zu beherrschen. Diese beiden Formen weichen deutlich vom Infinitiv haben ab. Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, wie sie im Wörterbuch steht.

Da Erklärungs- und Zielsprache hier beide Deutsch sind, werden die Beispiele nicht künstlich in anderes Deutsch „übersetzt“. Die Bedeutungsspalte formuliert jeweils in einfachen Worten, was der Satz ausdrückt.

So funktioniert es

Die Formen von „haben“

Person Personalpronomen Form Beispiel
1. Person Singular ich habe Ich habe Zeit.
2. Person Singular du hast Du hast recht.
3. Person Singular er / sie / es hat Er hat ein Auto.
1. Person Plural wir haben Wir haben Hunger.
2. Person Plural ihr habt Ihr habt Glück.
3. Person Plural sie haben Sie haben zwei Kinder.
Höflichkeitsform Sie haben Haben Sie einen Termin?

Singular bedeutet Einzahl, Plural bedeutet Mehrzahl. Die Person zeigt, wer gemeint ist: die sprechende Person (ich, wir), die angesprochene Person (du, ihr, Sie) oder eine andere Person beziehungsweise Sache (er, sie, es, sie).

Für den Anfang hilft diese Aufteilung:

  • habe nur bei ich
  • hast nur bei du
  • hat bei er, sie, es und bei einem einzelnen Namen oder Nomen: Mia hat …, Der Zug hat …
  • habt nur bei ihr
  • haben bei wir, sie und dem höflichen Sie

Haben ist unregelmäßig, weil der Wortstamm bei du hast und er/sie/es hat verkürzt wird. Formen wie du habst oder er habt sind deshalb falsch.

Aussagesätze

In einem einfachen Aussagesatz steht die konjugierte Verbform (die an Person und Zahl angepasste Form) normalerweise an zweiter Satzposition:

  • Ich habe heute frei.
  • Meine Schwester hat ein neues Handy.
  • Am Montag haben wir keine Zeit.

„Zweite Position“ bedeutet nicht immer „zweites Wort“. Am Montag bildet zusammen die erste Satzposition; danach folgt haben. Wenn ein anderes Satzglied (ein zusammengehöriger Teil des Satzes) am Anfang steht, kommt das Subjekt (wer oder was handelt oder beschrieben wird) meist nach dem Verb:

  • Heute habe ich viel Arbeit.
  • Im Sommer haben wir oft Besuch.

Ja-/Nein-Fragen

Bei einer Frage, die man mit ja oder nein beantworten kann, steht die Verbform an erster Stelle:

  • Hast du Zeit?
  • Hat das Zimmer einen Balkon?
  • Haben Sie Geschwister?

Die Kurzantwort kann das Verb wiederholen, muss es aber nicht:

  • Hast du einen Stift? – Ja, habe ich.
  • Habt ihr morgen Unterricht? – Nein, wir haben frei.

Fragen mit Fragewort

Bei Fragen mit wer, was, wann, warum, wie viel oder einem anderen Fragewort steht das Fragewort zuerst und die Verbform danach:

  • Wie viel Zeit hast du?
  • Warum hat der Laden heute geschlossen?
  • Welche Größe haben Sie?

Verneinung mit „nicht“ und „kein“

Mit kein verneint man häufig ein Nomen (ein Wort für eine Person, Sache oder Vorstellung), wenn sonst ein/eine stehen könnte oder wenn kein Artikel verwendet wird:

  • Ich habe kein Auto.
  • Sie hat keine Kinder.
  • Wir haben keinen Hunger.

Kein verändert seine Endung. Das liegt am Kasus (der Form, die die Aufgabe eines Nomens im Satz zeigt). Nach haben steht eine Sache sehr oft im Akkusativ, also als direktes Objekt (das, was jemand hat): ein Termin – keinen Termin, eine Frage – keine Frage, ein Problem – kein Problem.

Mit nicht verneint man dagegen zum Beispiel eine Eigenschaft, eine genau bestimmte Sache oder den ganzen Sachverhalt:

  • Ich habe das Buch nicht.
  • Das Zimmer hat nicht genug Licht.
  • Wir haben heute nicht frei.

Was kann man „haben“?

Haben bezeichnet nicht nur Besitz. Die wichtigsten Bedeutungsgruppen sind:

  1. Besitz und Verfügbarkeit: Sie hat einen Laptop. Wir haben genug Wasser.
  2. Merkmale und Bestandteile: Die Wohnung hat drei Zimmer. Der Tisch hat vier Beine.
  3. Familie und Beziehungen: Er hat zwei Brüder. Ich habe viele gute Freunde.
  4. Zeit, Termine und Aufgaben: Hast du kurz Zeit? Wir haben um zehn Uhr einen Termin.
  5. Körperliche oder emotionale Zustände: Ich habe Hunger. Sie hat Angst. Er hat Kopfschmerzen.
  6. Unterricht und Veranstaltungen: Die Kinder haben heute Sport. Wir haben morgen eine Besprechung.

In diesen Wendungen darf man nicht immer jedes Wort wörtlich als Besitz verstehen. Ich habe Hunger bedeutet, dass ich hungrig bin; der Hunger ist kein Gegenstand, den ich besitze.

Beispiele im Zusammenhang

Beispiel Bedeutung in einfachen Worten Hinweis
Ich habe Zeit. Ich bin nicht beschäftigt. ich habe
Du hast heute gute Laune. Du bist heute fröhlich und positiv. Zustand mit haben
Er hat ein Auto. Ein Auto gehört ihm. er hat
Sie hat zwei ältere Schwestern. Zu ihrer Familie gehören zwei ältere Schwestern. Beziehung
Das Hotel hat einen kleinen Garten. Ein kleiner Garten gehört zum Hotel. Sache als Subjekt
Wir haben Hunger. Wir möchten etwas essen. feste, sehr häufige Wendung
Ihr habt morgen eine Prüfung. Morgen findet eure Prüfung statt. ihr habt
Die Nachbarn haben einen Hund. Ein Hund gehört den Nachbarn. Subjekt im Plural
Haben Sie einen Termin? Es wird höflich nach einem Termin gefragt. höfliches Sie
Hast du am Wochenende Zeit? Es wird informell nach freier Zeit gefragt. Ja-/Nein-Frage
Wie viele Zimmer hat die Wohnung? Gefragt wird nach der Zimmerzahl. Fragewort + hat
Heute habe ich keine Kopfschmerzen. Mein Kopf tut heute nicht weh. anderer Satzteil an Position eins
Wir haben kein Bargeld dabei. Wir führen gerade kein Bargeld mit uns. Verneinung mit kein
Das Kind hat keine Angst vor dem Hund. Der Hund macht dem Kind keine Angst. Angst haben vor
Habt ihr recht oder hat Lena recht? Gefragt wird, wessen Aussage stimmt. Wendung recht haben

Häufige Fehler

1. Regelmäßige Endungen an den falschen Stamm hängen

  • Falsch: Du habst viel Zeit. / Er habt ein Fahrrad.
  • Richtig: Du hast viel Zeit. / Er hat ein Fahrrad.
  • Warum: Bei du und er/sie/es wird der Stamm verkürzt: hast, hat. Diese Formen müssen als Ganzes gelernt werden.

2. „Hat“ und „habt“ verwechseln

  • Falsch: Ihr hat morgen frei.
  • Richtig: Ihr habt morgen frei.
  • Warum: Hat gehört zur dritten Person Singular (er, sie, es). Zu ihr gehört immer habt.

3. Das Verb in der Aussage an die falsche Stelle setzen

  • Falsch: Heute ich habe einen Termin.
  • Richtig: Heute habe ich einen Termin.
  • Warum: Im Aussagesatz steht die konjugierte Verbform an zweiter Satzposition. Steht heute vorn, folgt direkt habe.

4. In Ja-/Nein-Fragen die Aussagesatzstellung behalten

  • Falsch: Du hast Geschwister? als neutrale Standardfrage
  • Richtig: Hast du Geschwister?
  • Warum: Eine neutrale Ja-/Nein-Frage beginnt mit dem Verb. Die Wortfolge Du hast Geschwister? ist in gesprochener Sprache möglich, klingt aber oft überrascht oder fragt zur Bestätigung nach.

5. „Nicht“ statt „kein“ bei einem unbestimmten Nomen verwenden

  • Falsch: Ich habe nicht Auto.
  • Richtig: Ich habe kein Auto.
  • Warum: Ein unbestimmtes oder artikelloses Nomen wird meist mit kein verneint. Bei einem bestimmten Gegenstand passt dagegen nicht: Ich habe das Auto nicht.

6. „Sein“ und „haben“ in festen Zustandsausdrücken mischen

  • Falsch: Ich bin Hunger. / Wir sind Angst.
  • Richtig: Ich habe Hunger. / Wir haben Angst.
  • Warum: Standarddeutsch verwendet in diesen Wendungen haben. Daneben gibt es Adjektive mit sein: Ich bin hungrig, Wir sind ängstlich. Man muss sich jeweils für eine vollständige Konstruktion entscheiden.

Hinweise zum Gebrauch

„Du“, „ihr“ und höfliches „Sie“

Du spricht eine einzelne Person informell an, ihr mehrere Personen informell. Das höfliche Sie kann eine oder mehrere Personen bezeichnen und wird großgeschrieben. Es steht immer mit haben:

  • Hast du kurz Zeit?
  • Habt ihr kurz Zeit?
  • Haben Sie kurz Zeit?

Das kleine sie kann dagegen „sie“ im Singular oder „sie“ im Plural bedeuten. Die Verbform klärt oft, was gemeint ist: Sie hat Zeit bezeichnet eine einzelne weibliche Person; Sie haben Zeit bezeichnet mehrere Personen oder ist eine höfliche Anrede.

Häufige feste Verbindungen

Einige Verbindungen mit haben sollte man wie kleine Wortschatzbausteine lernen:

Verbindung Bedeutung Beispiel
Zeit haben verfügbar sein Hast du später Zeit?
Hunger / Durst haben essen / trinken wollen Nach dem Sport haben wir Durst.
Angst haben vor sich vor etwas fürchten Das Kind hat Angst vor Gewitter.
recht haben mit einer Aussage richtigliegen Du hast recht.
Glück / Pech haben ein günstiges / ungünstiges Ergebnis erleben Wir haben Glück mit dem Wetter.
Lust haben auf etwas gern tun oder bekommen wollen Ich habe Lust auf Kaffee.
etwas dabei haben etwas mitführen Haben Sie Ihren Ausweis dabei?

Bei Angst haben vor und Lust haben auf gehört die Präposition fest zur Verbindung. Sie sollte deshalb mitgelernt werden.

Gesprochene und geschriebene Form

In lockerer gesprochener Sprache fällt bei habe das unbetonte -e oft weg: Ich hab keine Zeit. Auch Schreibweisen wie hab’s für habe es kommen in Dialogen und privaten Nachrichten vor. In sorgfältigen Texten und beim Lernen der Grundformen ist ich habe die sichere Wahl. Die Formen hast, hat, haben, habt bleiben davon unberührt.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie zeigen aber, warum haben auch später immer wieder wichtig ist.

„Haben“ als Hilfsverb im Perfekt

Im Perfekt, einer häufigen Zeitform für Vergangenes, steht eine Präsensform von haben zusammen mit einem Partizip II (einer Verbform wie gemacht, gesehen, gearbeitet):

  • Ich habe lange gearbeitet.
  • Sie hat den Film gesehen.
  • Wir haben zusammen gekocht.

Dabei trägt haben die Information über Person und Zahl; das Partizip II steht normalerweise am Satzende. Nicht jedes Verb bildet das Perfekt mit haben — einige verwenden sein. Diese Unterscheidung gehört zum späteren Thema Perfekt.

„Zu haben“ und Infinitivgruppen

Der Infinitiv kann mit zu stehen:

  • Es ist schön, Zeit für Freunde zu haben.
  • Sie scheint viel Erfahrung zu haben.

Außerdem bedeutet etwas ist zu haben je nach Zusammenhang, dass etwas erhältlich ist: Die Karten sind noch zu haben. Diese Verwendung ist formeller und für die Grundkonjugation nicht nötig.

Konjunktivformen

Später begegnen dir hätte und habe als Formen des Konjunktivs (einer Verbform für Wünsche, Möglichkeiten oder wiedergegebene Aussagen):

  • Ich hätte gern einen Tee.
  • Er sagt, er habe keine Zeit.

Hätte ist besonders häufig in höflichen Wünschen und irrealen Aussagen. Es ist jedoch keine normale Präsensform des Indikativs (der gewöhnlichen Form für Tatsachen): Für eine einfache Feststellung sagt man Ich habe Zeit, nicht Ich hätte Zeit.

Bedeutungsunterschied durch den Artikel

Kleine Wörter können die Bedeutung einer Verbindung verändern:

  • Ich habe Zeit = Ich bin verfügbar.
  • Ich habe eine gute Zeit = Ich erlebe eine angenehme Zeit; diese Formulierung ist möglich, aber situationsabhängig.
  • Ich habe die Zeit = Ich kenne oder besitze die benötigte Zeitangabe beziehungsweise habe genau die zuvor erwähnte Zeit zur Verfügung.

Darum lohnt es sich, feste Wendungen nicht Wort für Wort, sondern als Einheit zu lernen.

Lerntipps

  1. Sprich die Formen rhythmisch: Wiederhole mehrmals ich habe – du hast – er hat – wir haben – ihr habt – sie haben. Markiere dabei besonders den Dreierblock habe – hast – hat und die Form habt.
  2. Bilde kleine Fragenketten: Frage zu einem Thema alle Personen ab: Hast du Zeit? Hat Amir Zeit? Haben wir Zeit? Habt ihr Zeit? Antworte jeweils mit einem vollständigen Satz.
  3. Sammle Wendungen statt einzelner Wörter: Schreibe Karten mit Hunger haben, Angst haben vor, Lust haben auf, recht haben. Ergänze auf jeder Karte einen persönlichen Beispielsatz und eine Verneinung.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Personalpronomen im Nominativ — zeigt, welche Pronomen zu habe, hast, hat, haben und habt gehören.
  • Nächster Schritt: Perfekt mit haben — verwendet die Präsensformen von haben als Hilfsverb für Vergangenes.

Voraussetzung

Personalpronomen im Nominativ im DeutschenA1

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