A1

Das tschechische Verb *mít* („haben“)

Sloveso Mít

Dieser Artikel ist Teil des Tschechisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Das tschechische Verb mít bedeutet meistens „haben“. Im Präsens lauten seine Formen mám, máš, má, máme, máte, mají; das persönliche Fürwort kann meist entfallen: Mám čas heißt „Ich habe Zeit“. Mít bezeichnet nicht nur Besitz, sondern steht auch in häufigen Wendungen wie mít hlad („Hunger haben“), mít pravdu („recht haben“) und mít rád („mögen“).

Überblick

Mít gehört zu den wichtigsten tschechischen Verben und wird bereits auf A1-Niveau gelernt. Man braucht es, um über Besitz, Beziehungen, Termine, Eigenschaften und alltägliche Bedürfnisse zu sprechen: Mám auto („Ich habe ein Auto“), Máme schůzku („Wir haben einen Termin“) oder Máš hlad? („Hast du Hunger?“). Es ist unregelmäßig genug, dass sich das Lernen als vollständige Formenreihe lohnt.

Wie im Deutschen verändert sich das Verb nach der Person: „ich habe“, „du hast“, „wir haben“ entsprechen mám, máš, máme. Anders als im Deutschen wird das Subjektpronomen (das Wort für die handelnde Person, etwa „ich“ oder „wir“) im Tschechischen aber oft weggelassen. Die Verbform zeigt bereits, wer gemeint ist. Já mám čas ist möglich, doch das já hebt „ich“ besonders hervor; neutraler ist meist Mám čas.

Nach mít steht das Besessene oder Betroffene gewöhnlich als direktes Objekt (die Person oder Sache, auf die sich das Verb unmittelbar richtet). Dieses Objekt steht im Akkusativ, dem sogenannten 4. Fall. Deshalb begegnen einem schon bei einfachen Sätzen verschiedene Endungen: Mám knihu („Ich habe ein Buch“), aber Mám psa („Ich habe einen Hund“).

So funktioniert mít

Die Formen im Präsens

Person Tschechisch Bedeutung
1. Person Singular (já) mám ich habe
2. Person Singular (ty) máš du hast
3. Person Singular (on/ona/ono) má er/sie/es hat
1. Person Plural (my) máme wir haben
2. Person Plural (vy) máte ihr habt / Sie haben
3. Person Plural (oni/ony/ona) mají sie haben

Die Singularformen beginnen mit má-: mám, máš, má. Im Plural folgen máme, máte, mají. Die Längenstriche sind Teil der Schreibweise und dürfen nicht weggelassen werden: mít, mám, máš, má, máme, máte, mají.

Vy máte kann sowohl „ihr habt“ als auch das höfliche „Sie haben“ bedeuten. In Briefen und direkter höflicher Anrede schreibt man Vy, Vás, Vám häufig groß. Die Verbform bleibt máte: Máte chvilku, pane Nováku? („Haben Sie einen Moment, Herr Novák?“).

Pronomen: meistens nicht nötig

Im Deutschen braucht ein vollständiger Satz normalerweise „ich“, „du“ oder „wir“. Im Tschechischen reicht oft die Verbform:

  • Mám otázku. – Ich habe eine Frage.
  • Máme rezervaci. – Wir haben eine Reservierung.
  • Mají děti. – Sie haben Kinder.

Ein Pronomen setzt einen Gegensatz oder korrigiert eine Annahme: Já mám klíče, ty máš lístky. („Ich habe die Schlüssel, du hast die Karten.“) Es ist also nicht falsch, já oder ty zu verwenden; ohne besonderen Grund klingt es nur oft unnötig betont.

Das Objekt im Akkusativ

Mít verbindet sich in seiner Grundbedeutung mit dem Akkusativ. Ein Kasus oder Fall ist eine Form, die zeigt, welche Aufgabe ein Nomen (ein Wort für eine Person, Sache oder Idee) im Satz hat. Manche Formen bleiben sichtbar unverändert, andere bekommen eine neue Endung.

Grundform Nach mít Beispiel Bedeutung
telefon telefon Mám telefon. Ich habe ein Telefon.
pes psa Mám psa. Ich habe einen Hund.
kamarád kamaráda Mám kamaráda v Brně. Ich habe einen Freund in Brünn.
kniha knihu Mám novou knihu. Ich habe ein neues Buch.
auto auto Máme auto. Wir haben ein Auto.

Besonders wichtig ist der Unterschied bei männlichen Nomen: Bezeichnungen für männliche Lebewesen ändern sich häufig, etwa pes → psa und kamarád → kamaráda. Bei weiblichen Nomen auf -a wird daraus oft -u, etwa kniha → knihu. Das ist keine besondere Regel von mít, sondern die normale Bildung des Akkusativs.

Das Tschechische hat keinen unbestimmten Artikel wie „ein/eine“. Mám psa kann daher je nach Zusammenhang „Ich habe einen Hund“ heißen; vor psa steht kein eigenes Wort für „einen“.

Verneinung

Die Verneinung entsteht mit ne-, das direkt an das Verb tritt:

Bejahung Verneinung Bedeutung
mám nemám ich habe nicht / ich habe kein…
máš nemáš du hast nicht / du hast kein…
má nemá er/sie/es hat nicht / kein…
máme nemáme wir haben nicht / kein…
máte nemáte ihr habt nicht / Sie haben nicht
mají nemají sie haben nicht / kein…

Der Infinitiv (die Grundform des Verbs) lautet in der Verneinung nemít. Im normalen heutigen Tschechisch bleibt das Objekt eines verneinten Satzes meist im Akkusativ: Mám čas → Nemám čas. Für deutsches „kein“ braucht man also oft kein zusätzliches Wort; ne- am Verb und der Zusammenhang genügen.

Fragen mit mít

Für eine Ja-Nein-Frage ist kein Hilfsverb nötig. Wortlaut und Wortstellung können gleich bleiben; beim Sprechen macht die Intonation die Frage deutlich, beim Schreiben das Fragezeichen:

  • Máš čas? – Hast du Zeit?
  • Máte rezervaci? – Habt ihr eine Reservierung? / Haben Sie eine Reservierung?
  • Mají děti? – Haben sie Kinder?

Mit einem Fragewort steht dieses meist am Anfang: Kdo má klíče? („Wer hat die Schlüssel?“), Co máš v tašce? („Was hast du in der Tasche?“) oder Kolik máte času? („Wie viel Zeit haben Sie?“).

Beispiele im Zusammenhang

Tschechisch Deutsch Hinweis
Mám psa. Ich habe einen Hund. pes wird im Akkusativ zu psa.
Máš dnes večer čas? Hast du heute Abend Zeit? Ja-Nein-Frage ohne Hilfsverb.
Petra má nový byt. Petra hat eine neue Wohnung. Das Subjekt ist ein Name.
Máme problém s autem. Wir haben ein Problem mit dem Auto. Häufige Alltagssituation.
Máte rezervaci? Haben Sie eine Reservierung? Höfliche Anrede oder mehrere Angesprochene.
Mají dvě děti. Sie haben zwei Kinder. 3. Person Plural.
Nemám peníze. Ich habe kein Geld. ne- verneint das Verb.
Kdo má klíče? Wer hat die Schlüssel? Frage mit kdo („wer“).
Má pravdu. Er/Sie hat recht. Die Person ergibt sich aus dem Zusammenhang.
Mám hlad, ale nemám žízeň. Ich habe Hunger, aber keinen Durst. Zwei feste Wendungen.
Máš rád české filmy? Magst du tschechische Filme? rád passt hier zu einer männlichen angesprochenen Person.
Jak se máte? Wie geht es Ihnen/euch? Höfliche oder pluralische Form von mít se.
Mám u sebe pas. Ich habe meinen Pass bei mir. u sebe bedeutet hier „bei sich“.
Zítra budu mít volno. Morgen werde ich frei haben. Zukunft mit budu mít.
Měl jsem štěstí. Ich hatte Glück. Vergangenheitsform eines männlichen Sprechers.

Häufige Fehler

Das Subjektpronomen ständig mitsprechen

  • Unnatürlich ohne Kontrast: Já mám čas. Já mám auto. Já mám otázku.
  • Neutraler: Mám čas. Mám auto. Mám otázku.
  • Warum: Die Endung -m zeigt bereits die 1. Person Singular. Já ist sinnvoll, wenn „ich und nicht jemand anderes“ betont werden soll.

Die Akkusativform vergessen

  • Falsch: Mám pes.
  • Richtig: Mám psa.
  • Warum: Das direkte Objekt von mít steht im Akkusativ. Bei einem männlichen belebten Nomen wie pes ist diese Form sichtbar anders.

Deutsches „nicht“ als eigenes Wort nachbauen

  • Falsch: Mám ne čas.
  • Richtig: Nemám čas.
  • Warum: Die Verneinung ne- gehört direkt zum Verb. Nemám čas kann sowohl „Ich habe keine Zeit“ als auch, je nach Zusammenhang, „Ich habe die Zeit nicht“ bedeuten.

Alter mit mít ausdrücken

  • Falsch: Mám třicet let.
  • Richtig: Je mi třicet let.
  • Warum: Anders als bei manchen Wendungen mit deutschem „haben“ wird das Alter im Tschechischen mit je mi ausgedrückt, wörtlich ungefähr „mir ist“. Dasselbe Muster findet man bei Je mi zima („Mir ist kalt“), nicht bei einer Form von mít.

Mít als Hilfsverb für die Vergangenheit verwenden

  • Falsch: Mám pracoval.
  • Richtig: Pracoval jsem. / Pracovala jsem.
  • Warum: Das deutsche Perfekt „ich habe gearbeitet“ darf nicht Wort für Wort übertragen werden. Tschechische Vergangenheitsformen verwenden in der 1. und 2. Person Formen von být („sein“), hier jsem. Die Endung von pracoval/pracovala richtet sich außerdem nach dem Geschlecht der sprechenden Person.

Bei mít rád die Form rád nie anpassen

  • Falsch bei einer Sprecherin: Mám rád kávu.
  • Richtig: Mám ráda kávu.
  • Warum: rád richtet sich nach der Person, die etwas mag: ein Mann sagt mám rád, eine Frau mám ráda. Im Plural kommen unter anderem máme rádi und máme rády vor.

Hinweise zum Gebrauch

Besitz und Verfügbarkeit

Die Grundbedeutung entspricht oft direkt dem deutschen „haben“: mít dům („ein Haus haben“), mít sestru („eine Schwester haben“) oder mít peníze („Geld haben“). Für etwas, das man gerade bei sich trägt, ist mít u sebe besonders natürlich: Nemám u sebe hotovost („Ich habe kein Bargeld bei mir“).

Bei Terminen, Pflichten und Ereignissen funktioniert mít ebenfalls ähnlich wie im Deutschen: Mám schůzku v deset („Ich habe um zehn einen Termin“), Máme hodně práce („Wir haben viel Arbeit“) und Eva má narozeniny („Eva hat Geburtstag“).

Körperliche Bedürfnisse und Zustände

Mehrere sehr häufige Ausdrücke verwenden mít:

Tschechisch Natürliche deutsche Entsprechung
mít hlad Hunger haben
mít žízeň Durst haben
mít strach Angst haben
mít horečku Fieber haben
mít rýmu Schnupfen haben
mít štěstí Glück haben
mít pravdu recht haben

Trotz dieser Ähnlichkeiten passt deutsches „haben“ nicht überall. „Mir ist kalt“ heißt Je mi zima, und „ich bin 40 Jahre alt“ heißt Je mi čtyřicet let. Am besten lernt man solche Zustände als ganze Wendungen statt über eine allgemeine Übersetzungsregel.

Mít rád und mít se

Mít rád bedeutet „mögen“ oder „gern haben“. Das, was man mag, steht im Akkusativ: Mám rád hudbu („Ich mag Musik“). Die Form rád/ráda/rádi/rády beschreibt dabei die Person, die etwas mag. Vor einem weiteren Verb sagt man zum Beispiel Ráda čtu („Ich lese gern“) meist ohne mít; mít rád steht typischerweise mit einem Nomen oder Pronomen.

Mit dem Reflexivpronomen se (einem kurzen Wort, das auf das Subjekt zurückverweist) entsteht mít se. Jak se máš? heißt „Wie geht es dir?“, Mám se dobře heißt „Mir geht es gut“. In der alltäglichen Verabschiedung hört man Měj se! („Mach’s gut!“) und höflich oder zu mehreren Personen Mějte se!.

Wortstellung und Betonung

Die tschechische Wortstellung ist beweglicher als die deutsche. Mám dnes čas und Dnes mám čas sind beide möglich. Am Satzanfang steht häufig das, woran das Gespräch anknüpft; neue oder kontrastive Information steht oft später. Für den Anfang ist Subjekt – Verb – Objekt sicher, doch ohne ausgesprochenes Subjekt ist Mám nový telefon besonders neutral.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Formen muss man auf A1 noch nicht vollständig beherrschen. Sie sind aber häufig genug, dass man sie beim Lesen und Hören wiedererkennen sollte.

Vergangenheit

Der Vergangenheitsstamm von mít lautet měl-. Im Singular zeigt die Form das grammatische Geschlecht der betreffenden Person:

Person Formen Beispiel
ich měl jsem / měla jsem Měl jsem čas. / Měla jsem čas.
du měl jsi / měla jsi Měla jsi pravdu.
er/sie/es měl / měla / mělo Petr měl štěstí.
wir měli jsme / měly jsme Měli jsme problém.
ihr/Sie měli jste / měly jste Měli jste čas?
sie měli / měly / měla Form hängt von der Gruppe ab.

Měl und měli stehen bei männlichen Personen; in gemischten Gruppen verwendet die Standardsprache ebenfalls meist měli. Měla/měly stehen bei weiblichen beziehungsweise nicht männlich-belebten Bezugswörtern; der neutrale Plural hat měla. Diese Übereinstimmung ist ein eigenes größeres Thema.

Zukunft

Die Zukunft wird mit den Zukunftsformen von být plus Infinitiv gebildet:

Person Form
ich budu mít
du budeš mít
er/sie/es bude mít
wir budeme mít
ihr/Sie budete mít
sie budou mít

Beispiele sind Budu mít víc času („Ich werde mehr Zeit haben“) und Budete mít otevřeno? („Werden Sie geöffnet haben?“).

Modalähnliches mít plus Infinitiv

Vor einem weiteren Infinitiv kann mít eine Erwartung, Aufgabe oder Vermutung ausdrücken. Mám zavolat Petrovi bedeutet je nach Situation „Ich soll Petr anrufen“ oder „Ich habe Petr anzurufen“. Vlak má přijet v osm heißt „Der Zug soll um acht ankommen“. Hier bedeutet mít nicht Besitz; Tonfall und Zusammenhang entscheiden über die genaue deutsche Wiedergabe.

Ergebniszustände und feste Wendungen

In fortgeschrittener Sprache begegnet mít in Verbindungen wie Mám hotovo („Ich bin fertig“), Máme zavřeno („Wir haben geschlossen“) oder Mám práci hotovou („Ich habe die Arbeit fertig“). Die Konstruktion beschreibt oft einen erreichten Zustand, nicht einfach Besitz.

Weitere feste Wendungen sollte man als Einheiten lernen:

  • mít za to, že… – der Ansicht sein / annehmen, dass …
  • mít něco na starosti – für etwas zuständig sein
  • nemít na něco – nicht genug Geld, Kraft oder Fähigkeit für etwas haben
  • mít co dělat – etwas zu tun haben; je nach Kontext auch große Mühe haben

Die Möglichkeitsform (eine Form für Wünsche, höfliche Aussagen oder vorgestellte Situationen) lautet etwa měl bych / měla bych: Měl bych mít čas kann „Ich müsste Zeit haben“ oder „Ich sollte Zeit haben“ bedeuten. Für den aktiven A1-Gebrauch reichen jedoch Präsens, Verneinung und einfache Fragen völlig aus.

Übungstipps

  1. Lerne die Formen als Rhythmus: Sprich mehrmals mám – máš – má – máme – máte – mají und bilde danach zu jeder Form einen kurzen Satz. Wechsle zwischen čas, problém, otázku, auto und psa, damit du zugleich den Akkusativ übst.
  2. Trainiere drei Satzarten zusammen: Verwandle Máš čas nacheinander in Máš čas? und Nemáš čas. So werden Aussage, Frage und Verneinung nicht als getrennte Regeln gespeichert.
  3. Sammle ganze Wendungen: Schreibe auf eine Seite mít hlad, mít pravdu, mít rád, mít se dobře und auf die andere die natürliche deutsche Bedeutung. Ganze Wortgruppen schützen besser vor wörtlichen Übertragungen als einzelne Vokabelpaare.

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