Unbestimmte Artikel im Nominativ im Deutschen
Unbestimmte Artikel im Nominativ
Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Im Nominativ stehen vor maskulinen und neutralen Substantiven ein und vor femininen Substantiven eine: ein Hund, ein Kind, eine Katze. Die Verneinung folgt demselben Muster: kein Hund, kein Kind, keine Katze. Einen unbestimmten Artikel im Plural gibt es nicht; die negative Form lautet jedoch keine: keine Hunde.
Überblick
Mit ein oder eine spricht man von einer Person oder Sache, die noch nicht genauer bestimmt ist: Draußen wartet ein Mann. Der Gesprächspartner weiß zunächst nur, dass es irgendein Mann ist. Ist der Mann später bekannt, verwendet man gewöhnlich den bestimmten Artikel: Der Mann trägt einen Koffer.
Der Nominativ ist ein grammatischer Fall (eine Form, die die Aufgabe eines Wortes im Satz zeigt). Meist steht das Subjekt im Nominativ, also die Person oder Sache, die handelt oder über die etwas gesagt wird: Eine Katze schläft. Die Katze ist das Subjekt. Nach sein, werden und bleiben kann außerdem eine Bezeichnung im Nominativ stehen: Lena ist eine Ärztin.
Dieses Thema gehört zu den Grundlagen auf Niveau A1. Dafür muss man das Genus kennen, also das grammatische Geschlecht eines Substantivs (eines Wortes für eine Person, Sache oder Idee). Deutsche Substantive sind maskulin, feminin oder neutral. Am besten lernt man deshalb ein neues Substantiv immer zusammen mit seinem bestimmten Artikel: der Tisch, die Lampe, das Fenster. Daraus ergibt sich dann ein Tisch, eine Lampe, ein Fenster.
So funktioniert es
Die Grundformen
Im Nominativ richtet sich der Artikel nach Genus und Numerus. Numerus bedeutet hier: Einzahl oder Mehrzahl.
| Form | Bestimmter Artikel als Lernhilfe | Unbestimmter Artikel | Verneinung mit kein- | Beispiel |
|---|---|---|---|---|
| maskulin, Singular | der | ein | kein | ein/kein Hund |
| feminin, Singular | die | eine | keine | eine/keine Katze |
| neutral, Singular | das | ein | kein | ein/kein Problem |
| Plural | die | — | keine | keine Probleme |
Die wichtigste Anfängerregel lautet daher:
- der → ein / kein
- die → eine / keine
- das → ein / kein
- die im Plural → kein unbestimmter Artikel / keine
Ein und kein haben im maskulinen und neutralen Nominativ keine sichtbare Endung. Bei femininen Substantiven steht die Endung -e: eine, keine. Im Plural trägt keine ebenfalls diese Endung.
Wann steht der Nominativ?
1. Beim Subjekt
Das Subjekt findet man mit der Frage Wer oder was?
- Ein Hund bellt. — Wer oder was bellt? Ein Hund.
- Eine Katze schläft. — Wer oder was schläft? Eine Katze.
- Kein Bus fährt heute. — Wer oder was fährt heute? Kein Bus.
Das Subjekt muss nicht am Satzanfang stehen. Auch in Heute kommt eine Kollegin ist eine Kollegin das Subjekt und steht im Nominativ.
2. Bei einer Gleichsetzung mit sein, werden oder bleiben
Diese Verben verbinden das Subjekt mit einer Bezeichnung oder Einordnung. Beide Seiten beziehen sich auf dieselbe Person oder Sache:
- Das ist ein Fehler.
- Mara wird eine gute Ärztin.
- Das bleibt ein Geheimnis.
Man spricht hier von einem Prädikativ (einer Bezeichnung oder Eigenschaft, die dem Subjekt zugeordnet wird). Nach diesen Verben steht nicht automatisch ein Akkusativ.
Was bedeuten ein und eine?
Der unbestimmte Artikel wird vor allem verwendet, wenn etwas:
- zum ersten Mal genannt wird: Im Garten steht ein Fahrrad.
- nicht genauer bestimmt ist: Ich brauche eine Auskunft.
- als ein Vertreter einer Gruppe beschrieben wird: Ein Dreieck hat drei Seiten.
- eingeordnet wird: Das ist eine gute Idee.
Der Artikel kann je nach Zusammenhang ungefähr „irgendein“ oder „ein einzelnes“ bedeuten. Meist wird diese Bedeutung aber nicht stark betont.
Wie funktioniert kein?
Kein verneint ein Substantiv, vor dem sonst ein/eine stehen könnte, oder ein Substantiv ohne Artikel:
- Das ist ein Problem. → Das ist kein Problem.
- Eine Apotheke ist geöffnet. → Keine Apotheke ist geöffnet.
- Gäste sind da. → Keine Gäste sind da.
Kein wird wie ein Artikel vor dem Substantiv verwendet. Es ist nicht einfach austauschbar mit nicht. Man sagt Das ist kein Hund, wenn die Zuordnung „Hund“ verneint wird. Der Hund ist nicht groß verneint dagegen die Eigenschaft groß.
Warum gibt es kein ein im Plural?
Ein/eine enthält die Vorstellung „ein Exemplar“. Für mehrere unbestimmte Personen oder Dinge steht daher im Deutschen normalerweise gar kein Artikel:
- Singular: Ein Student wartet.
- Plural: Studenten warten.
Die negative Artikelreihe hat dagegen eine Pluralform:
- Singular: Kein Student wartet.
- Plural: Keine Studenten warten.
Soll eine Menge genannt werden, verwendet man andere Wörter: zwei Studenten, einige Studenten, viele Studenten.
Beispiele im Kontext
| Beispiel | Bedeutung | Hinweis |
|---|---|---|
| Ein Hund bellt vor dem Haus. | Ein nicht näher bestimmter Hund bellt dort. | maskulines Subjekt |
| Eine Katze schläft auf dem Sofa. | Eine nicht näher bestimmte Katze schläft dort. | feminines Subjekt |
| Ein Kind spielt im Garten. | Ein nicht näher bestimmtes Kind spielt dort. | neutrales Subjekt |
| Heute kommt ein Techniker. | Ein Techniker, der noch nicht näher bestimmt ist, kommt heute. | Das Subjekt steht nach dem Verb. |
| Eine neue Kollegin beginnt am Montag. | Am Montag fängt eine bisher nicht vorgestellte Kollegin an. | feminin; mit Adjektiv |
| Das ist kein Problem. | Die Sache ist nicht als Problem anzusehen. | neutrales Prädikativ |
| Jonas ist ein guter Freund. | Jonas wird als guter Freund eingeordnet. | maskulines Prädikativ nach sein |
| Mia wird eine ausgezeichnete Ärztin. | Mia entwickelt sich zu einer ausgezeichneten Ärztin. | feminines Prädikativ nach werden |
| Das bleibt ein Geheimnis. | Die Sache wird weiterhin nicht bekannt gemacht. | neutrales Prädikativ nach bleiben |
| Kein Zug fährt vor sechs Uhr. | Vor sechs Uhr fährt überhaupt kein Zug. | maskulines negatives Subjekt |
| Keine Antwort ist auch eine Antwort. | Auch Schweigen kann als Antwort verstanden werden. | zweimal feminin |
| Keine Gäste sind im Hotel. | Im Hotel befinden sich überhaupt keine Gäste. | negative Pluralform |
| Im Dorf gibt es eine Bäckerei. Die Bäckerei öffnet früh. | Zuerst wird der Betrieb neu eingeführt, danach ist er bestimmt. | Wechsel von eine zu die |
Häufige Fehler
1. Ein bei femininen Substantiven verwenden
- Falsch: Ein Frau wartet draußen.
- Richtig: Eine Frau wartet draußen.
- Warum? Frau ist feminin: die Frau. Im Nominativ lautet der unbestimmte Artikel deshalb eine.
2. Eine bei neutralen Substantiven verwenden
- Falsch: Eine Kind spielt hier.
- Richtig: Ein Kind spielt hier.
- Warum? Das Genus richtet sich nach dem Substantiv, nicht nach einer natürlichen Eigenschaft. Es heißt das Kind, also ein Kind.
3. Im Plural eine setzen
- Falsch: Eine Freunde kommen heute.
- Richtig: Freunde kommen heute.
- Warum? Einen unbestimmten Artikel im Plural gibt es nicht. Mit einer Mengenangabe sind zum Beispiel einige Freunde oder zwei Freunde möglich.
4. Die Pluralverneinung ohne Endung bilden
- Falsch: Kein Bücher sind hier.
- Richtig: Keine Bücher sind hier.
- Warum? Im Nominativ Plural lautet die negative Form immer keine.
5. Nominativ und Akkusativ verwechseln
- Falsch: Einen Hund bellt.
- Richtig: Ein Hund bellt.
- Warum? Der Hund handelt hier selbst und ist das Subjekt. Deshalb steht er im Nominativ. Einen Hund ist maskuliner Akkusativ, etwa in Ich sehe einen Hund.
6. Nach sein einen Akkusativ verwenden
- Falsch: Das ist einen Fehler.
- Richtig: Das ist ein Fehler.
- Warum? Sein setzt zwei Bezeichnungen gleich. Ein Fehler steht deshalb im Nominativ, nicht im Akkusativ.
Gebrauchshinweise
Neu eingeführt oder schon bekannt?
Der Gegensatz zwischen unbestimmtem und bestimmtem Artikel hilft beim Aufbau eines Textes. Eine neue Person oder Sache wird oft mit ein/eine eingeführt. Danach kann man mit der/die/das auf sie zurückverweisen:
Vor dem Café steht ein Mann. Der Mann telefoniert.
Der erste Satz führt den Mann ein. Im zweiten Satz wissen beide Seiten, welcher Mann gemeint ist. Ist eine Person oder Sache bereits durch die Situation eindeutig, beginnt man direkt mit dem bestimmten Artikel: Mach bitte das Fenster zu.
Berufsbezeichnungen ohne Artikel
Nach sein stehen Beruf, Nationalität oder Rolle häufig ohne Artikel, wenn nur die Zugehörigkeit genannt wird:
- Sie ist Ärztin.
- Er ist Deutscher.
- Ich bin Studentin.
Mit einer näheren Beschreibung oder bewertenden Einordnung ist der unbestimmte Artikel dagegen üblich:
- Sie ist eine erfahrene Ärztin.
- Er ist ein Deutscher aus Hamburg.
- Sie ist eine Studentin, die immer gut vorbereitet ist.
Der Unterschied ist nicht immer rein grammatisch. Sie ist Ärztin nennt sachlich den Beruf; Sie ist eine Ärztin kann stärker einordnen oder in einem besonderen Zusammenhang natürlich sein, etwa Sie ist eine Ärztin, der ich vertraue.
Stoffe, Mengen und abstrakte Begriffe
Bei nicht zählbaren Stoffen und allgemeinen abstrakten Begriffen steht oft kein unbestimmter Artikel: Wasser ist wichtig. Geduld hilft. Kaffee ist fertig. Gemeint ist keine einzelne abgrenzbare Einheit. Sobald eine Sorte, Portion oder Erscheinungsform gemeint ist, kann ein Artikel möglich werden: Das ist ein milder Kaffee oder im Café verkürzt Ein Kaffee, bitte.
Kein oder nicht?
Als praktische Grundregel gilt:
- kein + Substantiv: Das ist kein Witz. Keine Lampe brennt.
- nicht + Verb, Eigenschaft oder bestimmte Wortgruppe: Die Lampe brennt nicht. Das ist nicht teuer. Nicht der Bus, sondern die Bahn kommt.
Diese Regel deckt die wichtigsten A1-Situationen ab. Die genaue Stellung von nicht ist ein eigenes Thema.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Feinheiten musst du am Anfang noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, denen du später häufig begegnest.
Ein-Wörter bilden eine gemeinsame Gruppe
Kein hat dieselben Endungen wie ein. Auch Possessivartikel wie mein, dein, sein, ihr, unser und euer folgen weitgehend diesem Muster:
- ein Hund – kein Hund – mein Hund
- eine Tasche – keine Tasche – meine Tasche
- ein Auto – kein Auto – dein Auto
Wer die Formen von ein sicher kennt, hat deshalb bereits eine Grundlage für mehrere andere Artikelwörter.
Adjektive ergänzen fehlende Informationen
Vor einem Substantiv trägt ein Adjektiv eine Endung. Nach ein zeigt das Adjektiv im maskulinen und neutralen Nominativ besonders deutlich das Genus, weil der Artikel dort keine Endung hat:
- ein gut*er Plan* — maskulin
- ein neu*es Auto* — neutral
- eine schön*e Wohnung* — feminin
Das gehört zur Adjektivdeklination und muss nicht gleichzeitig mit der einfachen Artikelregel gelernt werden. Wichtig ist zunächst nur, vollständige Wortgruppen als Einheit wahrzunehmen.
Ein als Zahlwort oder Pronomen
Nicht jedes ein ist nur ein unbestimmter Artikel. Es kann die Zahl eins betonen: Ich nehme nur ein Stück, nicht zwei. Es kann außerdem ohne folgendes Substantiv stehen: Da ist noch eins. In solchen Fällen ändern sich Betonung und teilweise auch die Endungen. Der normale Artikel ist meist unbetont: Da steht ein Fahrrad.
Allgemeine Aussagen mit dem Singular
Ein unbestimmter Singular kann eine ganze Gattung vertreten: Ein Hund braucht Bewegung. Gemeint ist nicht ein bestimmter Hund, sondern ein typischer Vertreter. Daneben sind auch Hunde brauchen Bewegung und Der Hund braucht Bewegung möglich. Die Formen setzen unterschiedliche sprachliche Schwerpunkte, vermitteln in solchen allgemeinen Aussagen aber oft einen ähnlichen Grundgedanken.
Verstärkung und stilistische Wirkung von kein
Kein kann zusammen mit Wörtern wie einzig, wirklich oder überhaupt verstärkt werden: Keine einzige Person hat angerufen; Das ist wirklich kein Problem. In festen Wendungen erscheint es ebenfalls häufig, etwa Keine Ahnung! oder Kein Wunder! Solche verkürzten Äußerungen sind im Gespräch ganz normal, obwohl kein vollständiger Satz ausgesprochen wird.
Übungstipps
- Lerne Substantive in Dreiergruppen. Notiere nicht nur Tisch, sondern der Tisch – ein Tisch – kein Tisch. Bei femininen Wörtern entsprechend: die Lampe – eine Lampe – keine Lampe.
- Frage nach dem Subjekt. Markiere in kurzen Sätzen die Antwort auf „Wer oder was?“ und prüfe dann den Artikel: Heute fährt ein Bus → Wer oder was fährt? ein Bus.
- Bilde kleine Gegensatzketten. Übe laut: Das ist ein Hund. Das ist kein Hund. Hunde sind hier. Keine Hunde sind hier. So verbindest du Genus, Singular, Plural und Verneinung.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Bestimmte Artikel im Nominativ — der, die, das helfen dabei, das Genus und die passende Form von ein/eine zu erkennen.
- Nächster Schritt: Verneinung mit nicht/kein — vertieft den Unterschied zwischen der Verneinung eines Substantivs und anderen Satzteilen.
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